Auch „nach Corona“ Maske tragen? – Vor allem Ältere, Frauen, SPD- und Grünen-Fans

Wie der Nachrichtensender N-TV berichtet, will in Deutschland laut einer Civey-Umfrage fast die Hälfte der Menschen weiter Maske tragen: 44,7% der Befragten dafür aus. 41,9% dagegen, der Rest ist unentschieden.

PARTEIEN: Anhänger von AfD und FDP wollen nach Corona größtenteils auf die Masken verzichten. Acht von zehn AfD-Wählern und rund zwei Drittel der FDP-Wähler sagten das. Anders reagieren SPD- und Grünen-Wähler: Jeweils eine knappe Mehrheit will wieder zum MNS greifen, wenn z.B. die Grippesaison ansteht.

ALTER: 54,1% der Menschen über 65 wollen weiter Maske tragen. Bei den 18- bis 29-Jährigen sprach sich eine Mehrheit (50,5 %) dagegen aus.

GESCHLECHTER: Während 41,2% der Männer der Maske weiter positiv gegenüberstehen, sind es bei den Frauen 48,2%. Dagegen lehnen 46,7% der Männer die Maske nach Corona ab und nur 37,3% der Frauen.

Gemälde: Evita Gründler


Kants Aufklärung gilt auch in Coronazeiten

Von Thomas May

Am 30. September 1784 schloss der deutsche Philosoph Immanuel Kant im preußischen Königsberg einen Text ab, der kurz darauf im Dezember-Heft der „Berlinischen Monatsschrift“ unter dem Titel „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ veröffentlicht wurde (https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/159_kant.pdf).

Er begann folgendermaßen:

AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

Es lohnt sich anlässlich des Phänomens Lockdown, der nicht nur in Deutschland, sondern europaweit den Bevölkerungen von oben in unterschiedlichen Varianten als alternativloses „Konzept“ der Viruseindämmung aufgezwungen wird und verfassungsmäßig verbürgte Grundrechte außer Kraft setzt, diesen bahnbrechenden Text der europäischen Geistes- und Ideengeschichte im Licht der aktuellen Corona-Regime zu reflektieren.

Unvermögen, Faulheit, Feigheit

Zunächst fällt auf: Sowohl das Unvermögen als auch der Mangel an Entschlusskraft und Mut, „sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen“, sind in allen Schichten der Bevölkerung weit verbreitet, scheinen sich während der inzwischen fast einjährigen „Pandemie“-Zeit in die Zivilgesellschaften zunehmend „hineingefressen“ zu haben.

BILD: Kant entwickelte auch Ideen für Friedens-Ordnungen

Die Untertänigkeit, mit der die Maßnahmen und Vorschriften von den Bürger(inne)n unhinterfragt hingenommen werden, verweist auf die „selbstverschuldeten“ Defizite „Faulheit und Feigheit“ als „Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben“, wie Kant es formulierte.

Fremdbestimmung

Die „Leitung eines anderen“ ist in vielerlei Gestalt gegenwärtig und wirksam: (Regierungs-)Politiker, Wissenschaftler, Journalisten und Fernsehmoderatoren, (selbsternannte) Experten, (regierungsabhängige) Institutionen, die vorgeben zu wissen, wie das Virus zu besiegen ist, und über Kontaktverbote unser Verhalten bis in die häuslichen vier Wände regulieren.

Beginnen wir, uns des eigenen Verstandes zu besinnen und zu bedienen, das heißt, das von den Obrigkeiten über uns Verhängte ohne Scheu mittels umfänglicher Information kritisch zu überprüfen, ergibt sich sehr schnell ein anderes Bild.

Der zweifelhafte Lockdown

Genaugenommen: Keine einzige Maßnahme des Lockdowns ist hinsichtlich ihrer Effizienz wissenschaftlich fundiert und überhaupt als objektiv geeignet erwiesen; das gilt vor allem für die Bereiche und Formen der Kontaktregulierung in Geschäften, Läden, Kirchen, Schulen, Freizeit- und Kultureinrichtungen etc. – ein „diffuses Geschehen“ (RKI), aus dem sich keine punktgenauen Handlungsanweisungen ableiten lassen.

Nimmt man den umstrittenen Mund-Nasen-Schutz hinzu, der je nach Studie oder Expertise als bedingt nützlich, wirkungslos oder schädlich bewertet wird, oder die PCR-Tests, auf denen der ganze zweifelhafte „Überbau“ fußt, die nichts über die Infektiosität aussagen und dem Gutachten eines 22-köpfigen Expertenteams der Universität Würzburg zufolge unbrauchbar sind, oder die in die Tausende gehenden „positiv Getesteten“ in Quarantäne, die sich im Nachhinein überwiegend als überflüssig, für die Isolierten gleichwohl als sehr belastend herausstellt, bleibt nicht mehr viel übrig.

Außer den vielen Toten, deren Zahl in Deutschland die 30.000 überschritten hat. Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass etwa zwei Drittel der („an und mit“ Covid-19) Verstorbenen über 80 Jahre alt waren, sagt uns unser eigener Verstand, dass zuallererst der Schutz der Alten und Älteren entschieden, gezielt und umfassend im Sinne des „Cocooning“verbessert werden muss.

Dafür muss man weder weite Teile der Wirtschaft und das öffentliche Leben „herunterfahren“ und  auf Dauer einen Staatsbankrott riskieren noch die einzelnen Bürger(innen) in ihrer Bewegungs- und Kontaktfreiheit unterschiedslos einengen und ihnen sinnlose Opfer abverlangen und sie sogar noch mit (gesundheitlichen) Folgeschäden belasten.

Macht- und Steuerungsmittel der Obrigkeit

Anschaulich beschreibt Kant im Weiteren, welcher Mittel sich Obrigkeiten bedienen, um die Menschen in ihrem Sinne zu steuern und in Unmündigkeit zu halten:

„Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen, allein zu gehen.“

Eine hochaktuelle Passage – wir werden hellhörig!

Ja, uns Bürger(inne)n, die wir von kopflos und kurzsichtig agierenden Politikern wie „Hausvieh“ irregeleitet werden, vom RKI mit Zahlenkolonnen täglich überschwemmt und verwirrt, von den Öffentlich-Rechtlichen mit Superlativen des Schreckens im Dauermodus panisch gestimmt und weichgeklopft werden, kommt das bekannt vor.

Ja, wir Bürger(innen) im „Gängelwagen“ der Kontaktbeschränkungen scheuen uns, unter Beobachtung die „Einsperrung“ zu überwinden, über Regeln hinwegzugehen – dabei sind nach Kant gerade „Satzungen und Formeln … die Fußschellen einer immerwährenden Unmündigkeit“.

Und ja, es wird den angstfrei und konträr Denkenden gezeigt, welche „Gefahr ihnen drohet“ bei Überschreitung, seien es soziale Ächtung, Bußgelder, Benachteiligung oder Schuldzuweisung am Tod von Oma oder Opa.

Trotzdem sollten sich Menschen nicht abschrecken lassen, „allein zu gehen“, denn sie „würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen“, resümiert Kant.

Kant today

Der Text des deutschen Philosophen, in dem der Impetus des zivilen Ungehorsams angelegt ist, liest sich angesichts der aktuellen massiven Einschränkungen von Grund- und Freiheitsrechten wie ein flammender Appell an die Bürger(innen) Europas:

⁕ Lasst euch nicht von staatlichen Obrigkeiten und „Autoritäten“ in Politik, Medien und Gesellschaft in die Rolle unmündiger Kinder zurückdrängen, auf die Stufe von Leibeigenen herabwürdigen.

⁕ Entscheidet unter Beachtung des „kategorischen Imperativs“ mit (Sach-)Verstand in eigener Verantwortung – die kann und darf kein Politiker, kein Wissenschaftler, kein Gesundheitsfunktionär dem Einzelnen (ab)nehmen.

⁕ Beharrt auf eurer Entscheidungskompetenz; lasst euch nicht einschüchtern und einreden, nur eure „Vormünder“ hätten das erforderliche „Know-how“ …

Vor dem Hintergrund eines drohenden Rückfalls auf eine vordemokratische, voraufklärerische Stufe ist Kants Maxime „Sapere aude!“ am Ende des Jahres 2020 nicht weniger aktuell als 1784.

Unser Autor Thomas May ist Lehrer i. R. – Er unterrichtete die Fächer Deutsch und Katholische Religionslehre. Der in Sendenhorst (Münsterland) lebende Autor ist ein Neffe des bekannten Prälaten und Kirchenrechtlers Prof. Dr. Georg May (Mainz).


Regierung räumt mangelnden wissenschaftl. Nachweis der Maskenwirksamkeit ein

Die Bundesregierung verfügt eigenen Angaben zufolge über keine ausreichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Mund-Nasen-Bedeckungen (MNB). Sie sehe aber auch keinen

Anlass dazu, die angeordnete Maskenpflicht durch wissenschaftliche Studien zu begründen, wie Antwort auf eine parlamentarische Anfrage (BT-Drs.19/23090) der AfD-Bundestagsfraktion ergab.

Dazu erklärt der AfD-Bundestagsabgeordnete Prof. Dr. med. Axel Gehrke:

Die Bundesregierung scheint wenig Interesse zu haben, eigene Studien in Auftrag zu geben, um eine positive Wirkung der Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung wissenschaftlich zu überprüfen. Das antwortete die Bundesregierung selbst auf die Kleine Anfrage der AfD.

Lieber argumentiert sie mit Studien, die das Gegenteil aussagen. Dieses Verhalten zeigt wiederholt, dass die Maskenpflicht in der derzeitigen Form nicht wissenschaftlich belegt und der Einsatz nicht empfehlenswert ist.

Die Bundesregierung beruft sich auf Empfehlungen des Robert Koch-Institutes (RKI) und der World Health Organization (WHO). Laut WHO ist die Wirksamkeit der Mund-Nasen-Bedeckungen im öffentlichen Raum jedoch wissenschaftlich nicht hinreichend evaluiert. Bei fehlerhafter Handhabung besteht möglicherweise sogar eine Gefahr.

Mund-Nasen-Bedeckungen aus Stoff dürfen nicht als Medizinprodukte oder Gegenstände persönlicher Schutzausrüstung in den Verkehr gebracht werden, da sie keine nachweisbare Schutzwirkung haben. Wie die Bundesregierung bestätigt, war schon zum Zeitpunkt der erstmaligen Empfehlung zum Tragen von MNB klar, dass diese keinen zuverlässigen Schutz bieten und das umsichtige Verhalten des Bürgers nicht ersetzen können.

Umso absurder ist die Tatsache, dass die Bundesregierung die deutsche Bevölkerung weiterhin dazu zwingt, Mund und Nase mit Stofftüchern und selbstgenähten Masken zu bedecken.