Traditionis custodes: Strategie des Bruchs?

Ein Kommentar zur Stellungnahme der Piusbruderschaft:

Gleich zu Anfang seines „Briefes an die Mitglieder und Freunde“ der Piusbruderschaft führt deren Generaloberer Pater Pagliarani aus: „Man kann in aller Logik feststellen, daß die Ära der Hermeneutik der Kontinuität mit ihren Zweideutigkeiten, Illusionen und ihren unerfüllbaren Anstrengungen auf drastische Weise beendet und vom Tisch gewischt worden ist.“

Was könnte man dem noch entgegensetzen, nachdem Papst Franziskus mit seinem Dekret einen so tiefgreifende Bruch in Selbstverständnis und Lehre der Kirche nach dem 2. Vatikanum ausgerufen hat, daß die Liturgie der Zeit vor DEM KONZIL und vor 1969 nach diesem „Neuen Pfingsten“ nicht mehr als „Ausdruck der Lex Orandi“ des römischen Ritus gelten könne?

Nachdem der Papst die Unbelehrbaren, die die Liturgie des hl. Gregor nicht aufgeben wollen, aus der Gemeinschaft der Pfarrkirchen verbannt und ihnen nur noch eine Gnadenfrist einräumt, um ihrer unerleuchteten Halsstarrigkeit abzuschwören, sonst

Franziskus verwirft nicht nur Benedikts Bemühungen zur Rehabilitierung der traditionellen Liturgie. Er widerspricht auch auf brutalstmögliche Weise dessen Ansatz, das Konzil der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts nicht in einer „Hermeneutik des Bruches“ zu lesen (wie das von den Modernisten seit Anfang an versucht worden ist), sondern in einer „Hermeneutik von Reform und Kontinuität“.

Seit dem 16. 8. 21 sind alle Verhüllungen obsolet: Jetzt wird auf Bruch gefahren.

Quelle und Fortsetzung des Beitrags hier: http://www.summorum-pontificum.de/themen/usus-antiquior/2089-hermeneutik-der-kontinuitaet-am-ende.html

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Glaubenspräfekt Müller: Modernisten in der katholischen Kirche betreiben Spaltung

Mathias von Gersdorff

In einem Gespräch mit der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ vom heutigen 13. Oktober 2015 bestätigt Kardinal Gerhard Müller (siehe Foto), dass progressistische Kreise auf der vatikanischen Familiensynode spalterisch wirken. AL-0004

Es gäbe Personen, die offenbar meinen, der Papst sei von Wölfen umzingelt. Damit bezog sich der Chef der römischen Glaubenskongregation auf den linken italienischen Vatikanisten Marco Politi, ohne ihn ausdrücklich zu nennen. Er ist Autor des Buches „Franziskus unter Wölfen“. In Deutschland trägt das Buch den Untertitel „Der Papst und seine Feinde“.

Aus Sicht von Politi ist der vatikanische Glaubenshüter einer der wichtigsten „Wölfe“ um den Papst. Auf einer Buchpräsentation in Frankfurt erwähnte der Autor ihn ausdrücklich. Ein weiterer prominenter „Papstgegner“ laut Politi ist der US-amerikanische Kardinal Raymond Burke. Kurienkardinal Müller kritisierte den Begriff „Wölfe“ als „aggressiv“.

Kardinal Müller beanstandet ein „neues Vatileaks“

Im Gespräch mit dem „Corriere“ äußert sich der Präfekt der Glaubenskongregation auch zum Brief etlicher Kardinäle an den Papst, in dem kritisch auf die Arbeitsweise der laufenden Synode hingewiesen wird. Speziell wird bemängelt, dass Manipulationen und ein einseitiger Schlussbericht möglich seien.

Kardinal Müller ist der Ansicht, dass dieser private Brief an den Papst, der nicht zur Veröffentlichung vorgesehen war, von Personen an die Medien übermittelt wurde, die Spaltungen provozieren wollen. Er könne sich nicht erklären, wie das Schreiben aus dem Sekretariat des Papstes an die Öffentlichkeit gelangte. Es handle sich um ein neues „Vatileaks“, kritisierte Müller.

Zum immer wieder genannten Kontrast zwischen Barmherzigkeit und Doktrin erklärte der Kardinal: „Die Orthodoxie muss in der Pastoral realisiert werden. Es gibt keine Pastoral ohne Doktrin: Diese ist die Lehre Christi, keine akademische Doktrin von Theologen.“

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ in Frankfurt; zudem veröffentlicht er aktuelle kirchenpolitische Kommentare auf seiner Webseite: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/

Foto: Bistum Regensburg


Themenwechsel bei kath. Modernisten: Homosexualität wird zentrales Anliegen

Mathias von Gersdorff

Nachdem Kardinal Walter Kasper in seiner „Rede vor dem Konsistorium“ Anfang 2014 vorschlug, unter gewissen Bedingungen wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen, begann eine heftige Debatte über die Themen Ehe, Familie und Sexualmoral, die bis heute andauert. 0653a-bildungsplan-demo-1-2-1448b12b252812529

Obwohl Kardinal Kasper in seiner Rede nur auf die Problematik der wiederverheirateten Geschiedenen einging, kamen danach weitere „Modethemen“ in die Diskussion: Homosexualität, „Vielfalt der Familienformen“, künstliche Verhütungsmittel usw. – Also die ganze Palette aus der Agenda der sexuellen Revolution.

Im Zentrum der theologischen Debatte stand allerdings stets die Causa der wiederverheiratet Geschiedenen.

Die theologischen Konzepte und Vorschläge modernistischer Theologen und Kirchenleute blieben nicht unwidersprochen. Viele Kardinäle, Bischöfe und Theologen machten sich auf, die katholische Lehre über die Ehe zu verteidigen.

Eine ganze Reihe von Büchern und sonstigen Texten sind seitdem veröffentlicht worden. Die afrikanischen Bischöfe haben schon zwei Treffen organisiert, in welchen sie Widerstand gegen eine Schleifung der katholischen Lehre zu diesem Thema angekündigt haben. Inzwischen haben ca. 500.000 Personen die „Ergebene Bitte an Papst Franziskus“  –  im Grunde ein Bekenntnis zur klassischen Lehre der Kirche – unterschrieben. 0c0cc-bitte-an-papst-franziskus-300x234

Möglicherweise rechnen sich die Linkskatholiken wenige Chancen aus, im Oktober etwas in der Frage der wiederverheiratet Geschiedenen erreichen zu können.

Das könnte der Grund sein, wieso sie sich seit einigen Wochen verstärkt einem anderen Thema widmen: der moraltheologischen Neubewertung von Homosexualität.

Ein Vortrag von Bischof Vitus Huonder (Chur) Ende Juli 2015 beim Kongress „Freude am Glauben“, in welchem er Stellen aus dem Alten Testament (Buch Levitikus) zitierte, lieferte einen willkommenen Anlass für reformkatholische Kreise, in der Öffentlichkeit für ihre Sicht der Homosexualität zu werben.

Die wichtigste Stellungnahme ist wohl eine Anweisung von Bischof Marcus Büchel (Sankt Gallen) an die Seelsorger, in welcher er behauptet, es sei eigentlich unerheblich, ob man homo- oder heterosexuell sei. Von Bedeutung sei lediglich, dass man verantwortungsvoll mit der Sexualität umgeht. Radio Vatikan

Ähnlichlautende Aussagen hörte man in den letzten Wochen zuhauf. Und bald erscheint bei Herder das 448 Seiten lange Sammelband „“Wer bin ich, ihn zu verurteilen?“ – Homosexualität und katholische Kirche“: „Der Band prüft die biblische Grundlage der Beurteilung der Homosexualität und befragt die eigene Tradition kritisch“, so die Verlagsbeschreibung.

Was streben diese Linkskatholiken wohl an?

Bei der Synode könnten sie versuchen, einen Kuhhandel durchzusetzen: Keine Kompromisse in der Frage der wiederverheirateten Geschiedenen. Doch im Gegenzug dafür beispielsweise eine „Pastoral gegen die Ausgrenzung von Homosexuellen“, eine Art „katholischer Aktionsplan gegen Homophobie“ oder Ähnliches ausrufen.

Dabei würde man sich strikt auf den pastoralen Bereich beschränken und nicht (direkt) die Sexualmoral angreifen. Beim religiös und theologisch schlecht ausgebildeten Volk (also die überwiegende Mehrheit der Menschen, auch der Katholiken) sähe das aber wie eine Schleifung der kirchlichen Morallehre zu diesem Thema aus.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und die Webseite „Kultur und Medien online“


Schweiz: „Aufbruch“ mit unfairer Umfrage und Falschbehauptungen gegen Bischof Huonder

Von Felizitas Küble

Auch bei den reformkatholischen Eidgenossen gibt es wieder einmal einen „Aufbruch“ – hin zu einer zeitgeistigen Kirche natürlich.

Im Zuge dieser Neuorientierung soll der Bischof von Chur, Vitus Huonder (siehe Foto), mal eben mittels Medienmacht und „Straße“ bzw. Demonstration am kommenden Sonntag zum „Rücktritt“ (Amtsverzicht) gedrängt werden, hat er sich doch  –  man faßt es nicht!  –  erlaubt, die katholische Glaubens- und Sittenlehre ungeschmälert zu verkünden, sei es gelegen oder (den Modernisten) ungelegen.

Soweit sind diese abstrus wirkenden Vorgänge  –  man denke etwa an die Causa Limburg  –  mittlerweile wohl schon als „normal“ anzusehen.

Allerdings fällt folgende Umfrage selbst für linkskatholische Verhältnisse aus dem Rahmen, weil sie einfachste Erfordernisse einer fairen Fragestellung außer Acht läßt.

Die Anti-Huonder-Webseite „Aufbruch“ veranstaltet eine  –  derzeit noch laufende  –  Online-Umfrage zum Thema „Soll der Churer Bischof Huonder zurücktreten?“

Abgesehen davon, daß ein Bischofs-RÜCKTRITT kirchenrechtlich gar nicht möglich ist (er kann lediglich dem Papst seinen Amtsverzicht anbieten, so daß dann die Entscheidung darüber in Rom liegt), läßt es tief blicken, wie das Aufbruchs-Portal seine schlußendliche Frage einleitet:

„Kaum eine Woche vergeht, in der es Bischof Vitus Huonder nicht durch verletzende Vorschläge in die Schlagzeilen schafft.

So brüskierte der Churer Bischof kürzlich erst Homosexuelle und Geschiedene mit seinem ausgrenzenden Vorschlag, sie sollten mit verschränkten Armen zur Kommunion gehen und statt der Hostie einen Segen erhalten.

Wenige Tage später trommelte Huonder für die Abtreibungsinitiative, die die Abtreibung zur Privatsache erklärt und die Kosten aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen streichen will. Die Frage drängt sich auf: Soll der Churer Bischof Vitus Huonder zurücktreten? Stimmen Sie ab.“

Pech allerdings für diese Zeitgeist-Surfer, daß das bisherige Abstimmungs-Ergebnis (zum  jetzigen Stand am 6.2. um 10,15 Uhr) nicht so recht zu diesen Vorgaben passen will:

Eine  –  wenngleich knappe  –  Mehrheit von 52% der weit über 500 Teilnehmer fordert den Bischofs-Rücktritt nämlich gerade  n i c h t.

(Siehe hier: http://www.aufbruch.ch/4001)

Abgesehen davon enthält schon die (ohnehin alles andere als neutrale) Einleitung zur online-Frage zwei faustdicke Falschbehauptungen:

Der Churer Bischof hat keineswegs „Homosexuelle und Geschiedene“ aufgefordert, sie sollten am „Tisch des HERRN“ statt der heiligen Kommunion einen Segen empfangen (also statt einem Sakrament ein Sakramentale erhalten), sondern er bezog dies auf geschieden-Wiederverheiratete (also keineswegs auf bloß Geschiedene) und auf praktizierende Homosexuelle (also keineswegs etwa auf jene, die ihre gleichgeschlechtlichen Neigungen nicht ausleben).

Aber Fairneß und Korrektheit spielen im Kampf gegen einen unliebsamen Bischof offenbar keine Rolle.

Foto: Radio Maria (Schweiz)