Der Medjugorje-Bekehrte Bruder Johannes Marcus (FJM) und seine „weinende Rose“

Von Felizitas Küble

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Der 1957 geborene Leiter bekommt angeblich selber seit langem „Botschaften“ vom Himmel. Aber nicht nur das:
Während man es im erscheinungsbewegten Spektrum gewohnt ist, daß dort weinende Madonnen, wundersam leuchtende Marienstatuen oder gar „Bluttränen“-Wunderbilder verehrt werden, gibt es bei dieser Apostel-Thomas-Apostolatsgemeinschaft FJM etwas ganz Besonderes, bislang selbst in diesen Kreisen noch nicht Gehörtes, nämlich die „Weinende Rose“.
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Darüber heißt es im hauseigenen Web-Mitteilungsbericht, diese rote Rose sei gleichsam das Zeichen von Bruder Johannes Marcus (früher nannte er sich Bruder Thomas), also des Medjugorje-erleuchteten FJM-Gründers:
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Dieses Zeichen – die weinende Rose also –  „erinnert an das Ereignis in der Oase, wo eine Rose am Blütenblatt Öl*.. abgesondert hat und wir den Auftrag bekommen haben, die Menschen, die zu uns bzw. zu denen wir gesandt werden, damit zu segnen.“
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Es gibt im kurios-„frommen“ Lager wirklich nichts, was es nicht gibt. Kürzlich erfuhr ich von einem Priester, ein ihm bekannter Katholik präsentiere die Haare seiner verstorbenen Mutter als „Haare der Muttergottes“ und verwende sie zum Segnen (aber)gläubiger Personen…
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Doch zurück zur „weinenden Rose“: Das Öl, das vom Blütenblatt der roten Rose abgesondert wird, ist „priesterlich geweihtes Öl, mit dem Zusatz dieser Öltropfen derRose aus der Oase der Unbefleckten„.
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Wie im erscheinungsbewegten Lager üblich, gibt es auch in dieser Sondergemeinschaft einen Extra-Rosenkranz: den „Aufopferungsrosenkranz“ der FJM.
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Die  Gruppe von Br. Johannes Marcus ist mit den Visionen von Don Gobbi sowie mit zahlreichen „Marienerscheinungen“ verbunden, die kirchlich nicht genehmigt wurden, z.B. Montichiari: Die „Rosa Mystica“ (siehe 2. Foto) wird in deren Hauskapelle verehrt. Auch Manduria (ebenfalls Italien) steht hoch im Kurs.
Am verrücktesten ist zweifellos die Werbung für das Dozule-Kreuz, das auf völlig unsinnige „Offenbarungen“ zurückgeht, wonach unbedingt ein Kreuz von sage und schreibe 738 Metern errichtet werden müsse. Das soll der „Heiland“ einer französischen Seherin namens Madeleine „aufgetragen“ haben. (Näheres hier: http://br-thomas-apostolat.de/Br-Thomas-Info/Brt-024.PDF)
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Wenig erstaunlich, daß auch charismatisches Gedankengut in dieser Gemeinschaft zu finden ist, vor allem das Kreisen um vermeintliche Vorfahrensschuld, hier „Familienschuld“ genannt, wobei dann die Heilung von dieser „Belastung“ gesucht wird.
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Auch die angebotene CD „Eure Söhne und Töchter werden weissagen“ (siehe 3. Foto) gehört in dieses schwarmgeistige Spektrum.
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Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Die „Marienerscheinungen“ von Heroldsbach und das Sonnenwunder vom 8.12.1949

Von Felizitas Küble

Bekanntlich hat die katholische Kirche die angeblichen Marienerscheinungen von Heroldsbach, die von 1949 bis 1951 nicht nur im Frankenland, sondern in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz für großes Aufsehen sorgten, entschieden abgelehnt. Radio Vatikan
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Die Verwerfung einer übernatürlichen „Echtheit“ erfolgte nicht allein durch den zuständigen Diözesanbischof von Bamberg, sondern später auch durch das Hl. Offizium (Glaubenskongregation in Rom) und schließlich sogar durch Papst Pius XII. selber.
Im Römischen Dekret vom 25. Juli 1951 wird erklärt: “Es steht fest, daß die genannten Erscheinungen nicht übernatürlich sind. Daher wird der entsprechende Kult am erwähnten Ort und auch anderwärts verboten.“
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Die sieben „Sehermädchen“ wurden  –  da sie auch nach dem kirchlichem Urteil eisern an dieser „Privatoffenbarung“ festhielten  – exkommuniziert, also vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen.
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Die kirchliche „Obrigkeit“ ging damals tatsächlich sehr streng gegen „Wundersucht“ und erscheinungsbewegte Kreise vor, die mit dem Phänomen Heroldsbach verbunden waren: Katholische Geistliche, die an diese „Erscheinungsstätte“ pilgerten oder positiv darüber predigten, wurden vom Bischof  – mit der Zustimmung des Vatikan  –  kurzerhand suspendiert (ihrer priesterlichen Funktionen enthoben); sogar die Zelebration der hl. Messe war ihnen untersagt.
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Zu diesen „ungehorsamen“, weil überaus erscheinungsorientieren Priestern gehörte der Theologe Prof. Dr. Johann Baptist Walz.
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Sein Schicksal ist geradezu tragisch zu nennen, zumal der angesehene Alttestamentler zuvor durch nüchterne Gelehrsamkeit auffiel, keineswegs durch schwärmerische oder naiv-wundersame Anwandlungen.
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Dennoch entwickelte er sich zu einem hartnäckigen Anhänger von Heroldsbach, deren Ereignisse die Kirche hierzulande viele Jahre lang in Atem hielten, zumal hunderttausende von Pilgern in diese fränkische Ortschaft fuhren, ja ganze Sonderzüge unterwegs waren – und all dies auch nach dem strikten kirchlichen Nein.
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Ein wichtiger Grund für die unbeirrbare Haltung von Professor Walz war das Heroldsbacher „Sonnenwunder“ vom 8. Dezember 199, dem Hochfest der makellos empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria.
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Nun ist ein derartiges Phänomen sicherlich aufsehenerregend, aber durchaus nicht so einzigartig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

„Sonnenwunder“ gab es häufig bei irrgeistigen Erscheinungen

Solche sensationellen Mirakel werden auch von anderen kirchlich nicht anerkannten   Privatoffenbarungen berichtet, z.B. von Montichiari und San Damiano (beide Italien), von Marpingen (Saarland), Penablanca (Chile) oder Medjugorje (Bosnien-Herzegowina), zudem im neueren Erscheinungsort Bad St. Leonhard (Österreich), wo einem Seher Caputa viele Visionen zuteil werden, wie seine Anhängerschaft glaubt.
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In Agoo (Philippinen) sollen Tausende von Menschen eine „tanzende Sonne“ am Firmament während einer Marienerscheinung gesehen haben (Info: http://www.diewunderseite.de/marienerscheinungen/).  –  In Marmora (Kanada) bestätigten angeblich 30.000 Wallfahrer die dortigen „Phänomene des Sonnenwunders“, wie die Nachrichtenseite „Kath.net“ im Nov. 2005 berichtete: http://www.kath.net/news/12003
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Im Falle von Montichiari (Erscheinungen der „Rosa Mystica“) gab es einige Pilgergruppen, darunter auch Priester, welche dort mehrfach außergewöhnliche Vorgänge und einen „Sonnensturz“ am Firmament erlebten; dadurch fühlten sie sich  in ihrer Meinung bestätigt, Montichiari sei eine Art Fortsetzung von Fatima. (Näheres dazu in dem Buch „Maria, Rosa Mystica“ von Pfarrer Weigl ab S. 66.)
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Auch im saarländischen Erscheinungsort Marpingen soll sich die Sonne eine halbe Stunde lang gedreht und sogar in eine Herzform verwandelt haben; dies schildert jedenfalls Pater Dr. Jörg Müller in seinem Taschenbuch „Von Maria zu reden ist gefährlich“.
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Von einem Lichtspektakel als Naturereignis wird bisweilen auch ohne religiösen Zusammenhang berichtet; erinnert sei z.B. an das sog. „Elmsfeuer“ in der Schweiz (Buch dazu hier: http://www.ebay.com/itm/ELMSFEUER-Ein-phantastisches-Lichtspektakel-im-Kanton-Glarus-Stephan-Baum-/171643371027)
Buchtitel
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Prof. Walz und die Faszination Heroldsbach

Zurück zu Professor J. B. Walz, der seine Beobachtungen, Eindrücke und Erfahrungen in dem zweibändigen Werk „Die „Muttergottes-Erscheinungen“ von Heroldsbach-Thurn“ veröffentlichte (siehe Foto: 1. Band).
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Die Heroldsbacher Ereignisse begannen am Sonntag, den 9. Oktober 1949  – und schon nach zwei Monaten wurden die vermeintlichen Erscheinungen von Maria, Jesus und zahlreichen Heiligen durch ein aufregendes Sonnenwunder von oben her „bestätigt“, wie es scheint.
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Der Verfasser schreibt in seinem Bericht auf S. 26 ff., daß er an jenem Tage gegen Mittag nach Heroldsbach fuhr, wo er bis abends 20,30 Uhr verweilte.
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Prof. Walz begab sich gegen 14 Uhr mit einer Reihe weiterer Priester, darunter Pfarrer Gailer von Heroldsbach, zum Erscheinungshügel, auf dem sich bereits etwa zehntausend Personen befanden, zumal Heroldsbach längst in aller Munde war.
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Bald danach schauten die Sehermädchen –  seinem Bericht zufolge  –  die Gottesmutter erneut mit weißem Kleid, goldener Krone und einem „schwarzen“ (!) Rosenkranz an der rechten Seite. Die „Madonna“ trug ein weißgewandetes Jesuskind mit Heiligenschein. Nun begann eine Prozession zum Birkenwäldchen-Altar, der von Heroldsbach-Pilgern errichtet worden war.
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Der Priester schreibt sodann, er habe plötzlich in der Menschenmenge „ein großes Durcheinander“ gesehen:
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„Ich hörte auch erregte Rufe, die ich aber wegen der zu großen Entfernung nicht verstehen konnte.“  –  Wenig später habe eine „panikartige Unruhe unter der betenden Menschenmenge“ eingesetzt, denn die Prozession „löste sich jetzt gänzlich auf, alles lief durcheinander, ich hörte Rufe von Menschen: „Feuer! Feuer! Das Sonnenwunder! Das Sonnenwunder! Wie in Fatima!“
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Prof. Walz schildert die weiteren Ereignisse folgendermaßen: ???????
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„Auf einmal sah ich rechts von mir durch die Birken die Sonne auf uns zustrahlen in einer ganz außergewöhnlichen Stärke und Lichtfülle, es wurde immer heller und heller, immer greller, die Sonne schien mir immer größer zu werden und näher an den Altar und an uns heran zu kommen, ich war wie geblendet, glaubte bestimmt eine ganz außergewöhnliche Helligkeit und Stärke der Sonne zu verspüren, ich hatte den überwältigenden Eindruck eines außergewöhnlichen Ereignisses und glaubte, es kommt jetzt schlagartig etwas Außergewöhnliches, Furchtbares, ich erschrak“.
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Nun habe der Heroldsbacher Ortspfarrer mit dem Vorbeten des Rosenkranzes aufgehört, weil „die Unruhe unter der Menschenmenge immer größer wurde und das Rufen immer lauter und häufiger“; er  kam zu Prof. Walz herüber und sagte: „Wir wollen hinaus ins Freie gehen, damit wir die Sonne besser sehen, was eigentlich los ist.“
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Der Autor erzählt weiter: „Wir gingen ungefähr 20 bis 25 Meter hinaus ins Freie, wo wir die Sonne ganz frei, ohne Überdeckung durch den Birkenwald sehen konnten. Nun blickten wir hin zur Sonne, da plötzlich fing die Sonne sich zu drehen an, ganz schnell im Kreise herum, und die Drehungen so deutlich erkennbar, so schnell, dass ich die Vorstellung hatte, wie wenn ein Motor die Sonnenscheibe rhythmisch (in gleichmäßiger Geschwindigkeit) sehr rasch drehen würde.
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Dabei erschien die Sonnenscheibe in den herrlichsten Farben, ein wunderschönes Weiß, dann orange, dann rosa mit blau und grünlich wechselnd, in schönster Farbenpracht, die so auffallend wohltuend und mild und lieblich auf uns einwirkte, dass wir während der ganzen Rotationsdauer von fast einer Viertelstunde trotz der außerordentlichen Helligkeit ruhig hineinsehen konnten, ohne geblendet zu werden, wie man auch überall reden hörte. media-372515-2
In der Sonne sah ich mehrere Figuren sich ebenfalls ziemlich rasch bewegen, bald oben, bald unten, bald rechts oder links, die ich nicht näher erkennen konnte.
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Die (Seher-)Kinder gaben an, schon während dieser Himmelserscheinung, wie auch nachher im Pfarrhof beim Einzelverhör, sie hätten die Gottesmutter in der sich drehenden Sonne gesehen, auch noch in der untergehenden Sonne, die wir nicht mehr rotieren sahen.
 
Ich war von der Rotation der Sonne so erschüttert, dass ich glaubte, es würde noch ein großes Naturereignis nachfolgen, dass entweder ein großer Erdriss entstehen würde oder ein sonstiges außergewöhnliches Naturereignis, da kam der ruhig wandelnde Stern.
 
Die Menschen waren alle bestürzt und tief ergriffen, mehrere weinten, auch Kinder, welche die Erscheinung hatten… Man hörte oft aus der Menge die Rufe: „Jetzt ist alles wahr! Die Gottesmutter hat das Zeichen dafür gegeben! Jetzt glauben wir an die Erscheinung.“
 
Wir beobachteten diese Erscheinung der rotierenden Sonne, die ungefähr eine Viertelstunde dauerte, 15.30 bis 15.45 Uhr, während das erste Sonnenwunder nach Angabe der Leute kurz nach 15 Uhr begann und um 15.15 Uhr endete…

Nach Aufhören der Rotation der Sonne gegen 15.45 Uhr begab ich mich mit Herrn Pfarrer Gailer, den übrigen Priestern und den Kindern wieder hinauf zum Wagen, alle tief ergriffen über die noch nie beobachteten Ereignisse!

Jeder von uns sprach die persönliche Überzeugung aus, dass dies eine Bestätigung der Gottesmuttererscheinungen sei.“

0022Die „Marienerscheinung“ wird befragt

Am späten Nachmittag habe er, schreibt Prof. Walz weiter, die „Seherkinder“ beauftragt, folgende Fragen an die Erscheinung zu richten: „Liebe Gottesmutter, hast Du die sich drehende Sonne und den wandelnden Stern uns als Zeichen Deiner wunderbaren Erscheinung gegeben?“  –  Dies sei durch die Madonna bestätigt worden, so der Autor, denn diese habe geantwortet: „Das habe ich gemacht, weil noch so viele Ungläubige dabei sind, dass sie es auch glauben.“
 
Tatsächlich schreibt der Verfasser, nach diesem Sonnenwunder seien „auch die Ungläubigen gläubig geworden“. (Er meint mit „Ungläubigen“ solche, die nicht an jene Erscheinungen glaubten, ihre Meinung aber nach diesem „himmlischen“ Sonnensturz änderten).
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Übrigens: Die Antwort des Erscheinungsphantoms („Das habe ich gemacht…“) ist auch rein theologisch gesehen schlichtweg falsch, da allein GOTT selbst ein Wunder wirken kann. Heilige können durch ihre Fürbitte nur indirekt dazu beitragen, sind aber selbstverständlich nicht allmächtig, was auch für die Madonna gilt, zumal sie ebenfalls ein GESCHÖPF ist (wenngleich das heiligste von allen).
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Abschließend heißt es in dem Bericht von Professor Walz:
„Ich möchte noch ausdrücklich bemerken, dass ich über Fatima noch keine nähere Darstellung gelesen habe außer einem kurzen Bericht im Heinrichsblatt 1949, auch den Bernadette-Film nicht gesehen habe, als Dogmatiker mich mit Privatoffenbarungen nicht näher befasst (war nicht in Konnersreuth) und seit 1938 alttestamentliche Wissenschaften und Orientalia zu vertreten hatte.“
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Sein Protokoll jener wundersamen Ereignisse vom 8. Dezember 1949 wird inhaltlich von mehreren weiteren katholischen Geistlichen ausdrücklich bestätigt, darunter dem bereits erwähnten Pfarrer von Heroldsbach.

Welche Schlußfolgerungen ziehen wir daraus?

Man kann es sich angesichts dieser Sachlage wohl nicht allzu leicht machen, indem man das „Sonnenwunder“ von Heroldsbach von vornherein als erfundene Geschichte, menschliches Betrugsmanöver oder Massenhysterie abwertet.
Gleichwohl kommen rein natürliche Erklärungen grundsätzlich durchaus in Betracht.  So berichtet zB. der spanische Jesuitenpater Carlos M. Staehlin in seinem Buch „Apariciones“ (Erscheinungen) von einem vermeintlichen „Sonnentanz“, der allein durch seelische Suggestion hervorgerufen wurde:
Dabei erlebten „beinahe hundert Jungen und Männer, ohne daß dabei ein Mädchen oder eine Frau als Auslöserin des Phänomens mitgewirkt hätte“ mehr als drei Minuten lang ein „astronomisches Wunder“, denn sie schauten einen „Tanz der Sonne“, den sie danach jeweils „in vollständiger Übereinstimmung auch der Einzelheiten“ beschrieben hätten. „Alle, die diese Halluzination hatten…,gehörten jener Gegend an, in der es damals eine Reihe von Erscheinungen gab“, berichtet der Geistliche weiter. (Quelle: Pater Carlos Maria Staehlin S.J., APARICIONES. Madrid 1954, S. 90)
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Aber selbst dann, wenn sich ein derartiges Sonnenphänomen nicht ohne weiteres natürlich erklären läßt, muß es nicht von „oben“ bewirkt sein. Die kritischen Fragen, die sich dann stellen, sind eher theologischer Natur: DSC06228
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Macht der erhabene Gott wirklich mit derartigen Massenspektakeln auf sich aufmerksam?  Hat ER solche theatralischen Zeichen wirklich „nötig“?
Und worin soll der religiöse Sinn eines „Sonnentanzes“ bestehen? – Außerdem bedeutet z.B. ein Lichtphänomen nicht automatisch etwas Positives, schließlich warnt der Apostel Paulus davor, daß  Satan auch als „Engel des Lichts“ erscheint (vgl. 2 Kor 11,14)
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Wir kennen den bekannten Spruch: „Wunder sind des Glaubens liebstes Kind.“  –  Man könnte hinzufügen: „Und Schauwunder sind des Aberglaubens liebstes Kind.“ – Demgegenüber sagte unser Erlöser: „Selig, die nicht sehen und doch glauben!“ – Und Paulus erklärte: „Wir leben im Glauben, nicht im Schauen!“
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Hat nicht Christus bei der Versuchung in der Wüste ausdrücklich jenes Sensationswunder, das Satan von ihm forderte, strikt zurückgewiesen?(Jesus lehnte den Vorschlag ab, sich aufsehenerregend von der Zinne des Tempels zu stürzen.  –  Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/09/mit-der-wahrheit-lugen-die-charismatische-versuchung-christi-in-der-wuste/)
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Sind solche mirakulösen Naturschauspiele wirklich geeignet, den Glauben sinnvoll zu vertiefen? Oder dienen sie nicht vielmehr einer  – wenngleich religiös verbrämten  –   „Sinnlichkeit“, Schaufreude und Sensationsgier?

Sind wir als Christen quasi „Sonnenanbeter“?

Reagierten damals nicht sogar viele Menschen   – wenngleich eher unfreiwillig  –  gleichsam wie heidnische „Sonnenanbeter“, als sie sich in ihrer Mischung aus Faszination und Erschrecken spontan auf die Knie warfen  – und dann dieses aufregende Lichtspektakel verehrten?
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Es liegt jedenfalls auf der Hand, daß ein solches „Schauwunder“ für sich genommen kein Beweis für die himmlische Herkunft eines Ereignisses ist, zumal da es mehrfach auch bei solchen Phänomenen auftritt, die von kirchlicher Seite abgelehnt werden, wie dies in puncto Heroldsbach eindeutig der Fall ist.
Zudem treten „Sonnenwunder“ erst ab dem 20. Jahrhundert auf  –  warum gab es vorher über 1900 Jahre lang keine derartigen Ereignisse in der Kirchengeschichte?!
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In der Heiligen Schrift heißt es zwar bei Lk 21,25 „Und es werden Zeichen geschehen an Sonne, Mond und Sternen“, doch dies gilt als negative Ankündigung, als drohendes Gerichtszeichen am Ende der Zeiten  –  und nicht etwa als eine glorreiche Bestätigung von Erscheinungen oder dergleichen.
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Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Medjugorje – eine unendliche Geschichte?

Muß die Kirche das Ende der „Erscheinungen“ abwarten?

Seit Jahrzehnten wird in der Medjugorje-Anhängerschaft immer wieder die Auffassung vertreten, daß die Kirche kein endgültiges Urteil über jene umstrittenen Marienerscheinungen fällen könne oder dürfe, solange diese noch andauern. Schließlich könne man einen Vorgang erst dann abschließend bewerten, wenn alle Fakten bzw. in diesem Falle alle Visionen vorlägen. media-374336-2

Diese weit verbreitete Auffassung, der sogar manche Medjugorje-Kritiker aufsitzen, klingt auf den ersten Blick logisch, ist aber aus zwei Gründen unzutreffend:

1. Laut Kirchenrecht ist der Ortsordinarius (also der amtierende Diözesanbischof) zuständig für Privatoffenbarungen, die in seinem Bistum vorkommen. Lehnt er ein Erscheinungsphänomen ab, dann ist es damit kirchlich nicht anerkannt. 

Bekanntlich ist der Fall Medjugorje so gelagert, daß der jetzige Bischof Dr. Ratko Peric sich ebenso eindeutig gegen die Echtheit der Medju-Visionen ausspricht wie sein Amtsvorgänger Zanic.

Darüber hinaus hat die (ex-)jugoslawische Bischofskonferenz diesem Erscheinungsort bereits zweimal ausdrücklich ihre Anerkennung verweigert, jeweils nach Abschluß von gründlich arbeitenden Untersuchungskommissionen   –   das kritische Urteil wurde also nicht etwa aus dem Ärmel geschüttelt.

Näheres dazu siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/11/10/medjugorje-kommission-der-bischofskonferenz-entschied-bereits-2009-ablehnend/

bildma12. Die zuständige kirchliche Leitung kann sehr wohl bereits zu einem negativen Ergebnis gelangen, solange angebliche Erscheinungen noch andauern. Angenommen, es zeigt sich, daß in den betreffenden „Botschaften“ theologische Irrlehren oder sonstige Irrtümer (die mit der Vernunft oder der Sittenlehre usw. nicht vereinbar sind) vorkommen, dann ist die Sachlage klar und kein weiteres Abwarten erforderlich. 

Zuständige Bischöfe haben sich mehrfach gegen Erscheinungen ausgesprochen, während diese noch fortdauerten bzw. teils noch jahrelang weiterliefen, etwa in den Fällen San Damiano oder Montichiari.

Besonders strikt war sowohl die bischöfliche wie auch die vatikanische Ablehnung der „Marienerscheinungen“ von Heroldsbach (1949 – 1951); alle Seherkinder wurden seinerzeit exkommuniziert. Allen katholischen Priestern war es unter unter Androhung von Kirchenstrafen verboten, nach Heroldsbach zu pilgern oder die dortigen Phänomene etwa in Predigten gutzuheißen.

Präzise Infos über die haarsträubenden theologischen Irrlehren der Heroldsbacher Botschaften siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/08/heroldsbach-und-die-%E2%80%9Ehimmelsvisionen%E2%80%9C/

Wenn der Ortbischof eine bestimmte Erscheinungsstätte ablehnt, welche weit über seine Diözese hinaus von Bedeutung ist, weil z.B. Pilgerscharen aus aller Welt nach dorthin strömen, dann kann sich der Vatikan zusätzlich damit befassen – so wie dies jetzt in der Causa Medjugorje geschieht (und auch betr. Heroldsbach der Fall war).

Dies ändert freilich nichts daran, daß an sich der jeweilige Oberhirte der Diözese kirchenrechtlich zuständig für die Beurteilung einer Privatoffenbarung ist, wobei er sein Urteil in der Regel erst fällt, nachdem eine von ihm eingerichtete Kommission ihre Untersuchungen abgeschlossen hat. Diese Vorgehensweise haben auch die erwähnten Bischöfe Zanic und Peric gewählt.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


12 Uhr Mittag: Gibt es eine jährliche „Gnadenstunde“ am 8. Dezember ?

Irreführung durch „Botschaften“ der Rosa Mystica

In vielen erscheinungsfrommen Webseiten und Blättchen wird derzeit auf die sog. „Gnadenstunde“ von 12 bis 13 Uhr hingewiesen, die sich auf den heutigen 8. Dezember bezieht. Diese Zeit soll besonders dem Gebet gewidmet sein. media-3n7VU3xjgKb-2

Beten ist immer gut, doch warum  –  so fragt man sich  –  gerade dieser Zeitpunkt? Und weshalb der Name „Gnadenstunde“? Ist nicht jede Stunde für die Gläubigen eine Zeit der Gnade?

Diese Spezial-Andacht geht in Wahrheit zurück auf die kirchlich nicht anerkannten „Marienerscheinungen“ im italienischen Städtchen Montichiari, konkret auf die Vision vom 8. Dezember 1947, in der die „Madonna“ (die sich dort „Rosa Mystica“ nennt) gesagt haben soll:

„Ich wünsche, daß alljährlich am 8. Dezember zur Mittagszeit die „Gnadenstunde für die Welt“ begangen werde. Durch diese Andachtsübung werden viele geistliche und leibliche Gnaden empfangen. 

Ich wünsche, daß die Gnadenstunde in der ganzen Welt verbreitet werde. In Bälde wird man die Größe dieser Gnadenstunde erkennen. Für alle Kinder, die meinen Worten Gehör schenken, habe ich schon eine Fülle von Gnaden bereitet.“

Merkwürdig: hier werden „leibliche Gnaden“ zugesagt, was immer dies bedeuten mag: die kirchliche Lehre kennt weder diesen Begriff noch den Inhalt.

Überdies kann die Gottesmutter keine „Fülle von Gnaden“ bereiten, da GOTT selbst es ist, der Gnaden „bereitet“   –  die Madonna  kann diese Gnaden durch ihre Fürsprache an die Gläubigen vermitteln, doch sie ist als Geschöpf nicht selber die Quelle der Gnaden.

Alter Aberglaube: Mittagsstunde ist Geisterstunde

Warum gilt gerade die Mittagszeit als „Gnadenstunde“?

Ist das nicht etwas merkwürdig angesichts der Tatsache, daß genau diese „Mittagsstunde“ im alten germanischen Heidentum ebenso wie in der griechischen Göttermythologie (siehe PAN-Mythos) bereits als „heilig“ galt und in okkulten Kreisen heute noch in Ehren gehalten wird?
Foto von Felix

Diese Mittagsstunde wird als spiritistische Ergänzung zur „Geisterstunde“ nachts zwischen 24 Uhr und 1 Uhr angesehen.

Hierzu heißt es im „Lexikon des Aberglaubens“ (Heyne-Verlag) auf S. 163 unter dem Stichwort „Mittag“:    

„Nicht nur die Mitternacht wurde als Geisterzeit angesehen, sondern auch der Mittag“  – und zwar deshalb:

„Ruhelose Tote kehrten besondes am Mittag wieder, am Johannistag konnte einem sogar der Teufel erscheinen. Mittags sollte man sich hüten, das Haus zu säubern, da man sonst das Glück hinauskehrte. Ebenso vermied man es zu arbeiten, da sonst die Mittagsgeister ausfgeschreckt würden.“

In dem Buch „Magie leben – der spirituelle Weg der modernen Hexe“ wird ähnliches berichtet. Dort heißt es ausdrücklich, die Mittagsstunde sei ebenso wie die Mitternachtsstunde eine „Geisterstunde“  –  und in ländlichen Gegenden gäbe es seit jeher viele Schauergeschichten über die Zeit von 12 bis 1 Uhr. Angeblich würde z.B. die „Mittagsfrau umgehen, um Kinder zu entführen“ und dergl.; auch dürfe man um diese Zeit auf keinen Fall arbeiten.

Weiteres dazu siehe hier „Die Mittagsstunde als Geisterstunde“: http://digi.evifa.de/viewer/image/DE-11-001661149/322/LOG_0035/

Wird das Immaculata-Hochfest  v e r d r ä n g t ?

Zu klären ist außerdem folgender Aspekt: Warum bezieht sich die Forderung nach einer „Gnadenstunde“ gerade auf den 8. Dezember, das Hochfest der Erwählung Mariens, der makellosen Empfängnis der Gottesmutter?!

Findet hier eine  –  auf den ersten Blick  fromm-erscheinende  –  „Verdrängung“ statt?

Soll hier das Immaculata-Dogma überlagert werden durch eine Konzentration auf die „Rosa Mystica“? Warum soll diese spezielle Andacht ausgerechnet an diesem Hochfest stattfinden? 

Steht hier nun eine Erscheinungs-Maria im Mittelpunkt oder das kirchliche Hochfest der makellosen Empfängnis Mariens?!

Zudem soll das Erscheinungs-Phänomen an jenem 8.12.1947 noch Folgendes verkündet haben:

„Es sind immer noch die stillen, verborgenen Beter-, Opfer- und Sühneseelen, die das Erbarmen des Herrn auf die Welt herabziehen. Jetzt ist die Stunde des Gebetes, die Stunde des guten Beispiels, die Stunde des Opfers, der Treue und des mutigen Einsatzes! Das Gebet, die Opfer und die Sühne so vieler Seelen verhindern, daß das wahre Strafgericht Gottes über die Menschheit kommt. Ich brenne vor Liebe und Verlangen, die Welt zu retten!“

Hierzu ist aufgrund biblischer und kirchlicher Lehre festzuhalten:

1. Die Madonna kann die Welt nicht retten, sondern GOTT allein durch unseren HERRN Jesus Christus. Die Gottesmutter kann freilich durch ihre mächtige Fürsprache Gottes Gnaden für uns erbitten, aber diese nicht selber hervorbringen.

2. Die Erscheinungs-Behauptung ist falsch, wonach die sogenannten „Sühneseelen“ es seien, die „das Erbarmen des HERRN auf die Welt herabziehen“. Vielmehr wird das Erbarmen des HERRN durch das Erlösungswerk Christi und die hieraus entstandenen Sakramente der Kirche für die Welt wirksam.

3.  Falsch ist auch die Aussage, wonach „das Gebet, die Opfer und die Sühne so vieler Seelen“ es  sogar „verhindern“ könne, daß das „wahre Strafgericht Gottes über die Menschheit“ komme. 

Die Heilige Schrift bzw. unser göttlicher Erlöser selbst hat endzeitliche Plagen angekündigt, die durch nichts „verhindert“ werden können, sondern sicher eintreffen werden, denn Gottes Wort ist die Wahrheit!

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

AUSFÜHRLICHER ARTIKEL zur „Rosa Mystica“ siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/10/montichiari-und-die-%E2%80%9Eerscheinungen%E2%80%9C-der-%E2%80%9Erosa-mystica%E2%80%9C/


Montichiari und die Marienerscheinungen der „Rosa Mystica“

Kirchlich nicht anerkannte „Offenbarungen“ aus Italien

Das Bild und die Statue der „Rosa Mystica“ sind in marianischen Kreisen weitverbreitet; zuweilen sieht man diese Mariendarstellung auch in Kirchen, Klöstern und Kapellen, sehr häufig in Wohnzimmern erscheinungsgläubiger Katholiken oder als Abbildung in Andachtsbüchern und Jahreskalendern (etwa dem bekannten „Haussegen“-Kalender). rosa-mystica6

Bei diesen Statuen soll es öfter zu „übernatürlichen“ Vorgängen wie Tränen, Bluttränen oder Rosenduft gekommen sein. Besonders bekannt wurde die „Tränenmadonna“ von Maasmechelen in Belgien, die Anfang der 80er Jahre für erhebliches Aufsehen sorgte.

(Hinweise über solche „Tränen-Madonnen“ siehe hier: http://www.das-graue-tagebuch.de/html/1089113-weinende_rosa_mystika-.html)

Diese „Madonna mit den 3 Rosen“ (daher der Name Rosa Mystica = geheimnisvolle Rose) geht auf zahlreiche „Marienerscheinungen“ im ober-italienischen Städtchen Montichiari-Fontanelle zurück, die bereits 1947 begonnen haben und erst 1976 endeten.

„Schmusemadonna“ mit 3 Rosen auf der Brust

Die „begnadete Seherin“ Pierina Gilli sah die „Madonna“ bei der ersten Erscheinung mit 3 Schwertern, die ihre Brust durchbohrten, danach mit 3 Rosen (einer weißen, einer roten und einer goldenen).

Die Statue der Rosa Mystica wurde nach Angaben der Visionärin angefertigt; diese Darstellung ist aber keineswegs identisch mit der bekannten Madonna im Dom von Montichiari, wo sich einige Rosen zu Füßen der Gottesmutter befinden, wie man es ähnlich auch von klassischen Gemälden kennt.

Schon die Statue der Rosa Mystica sorgt für Meinungsverschiedenheiten. Manche Anhänger halten sie für ein Marienbild von besonderer Anmut. Kritiker sprechen von Kitsch, „Schmusemadonna“ oder gar „Fruchtbarkeitsgöttin“ (u.a. wegen der Hervorhebung weiblicher Merkmale durch 3 farbige große Rosen auf der Brust).mtcarmelpic1

Das “Heiligtum“ der Erscheinung in Fontanelle liegt ca 15 km außerhalb von Montichiari und hat mit dem kirchlichen Dom nichts zu tun. Dennoch wird von Rosa-Mystica-Fans gern ein Zusammenhang hergestellt, auch auf Titelbilder von Werbebüchern (etwa jenem von Pfr. A. M. Weigl).

Die jahrzehntelangen „Erscheinungen“ wurden von den Bischöfen bzw Untersuchungskommissionen des betreffenden Bistums Brescia von Anfang an abgelehnt. Die Verurteilungen wurden mehrfach an alle Kirchentüren des Domes von Montichiari angeschlagen. Dennoch riß der Pilgerstrom zu Pierina Gilli nicht ab, zumal auch in Deutschland empfehlende Bücher über diese Rosa Mystica herauskamen.

Hierzu gehört auch „Maria – Rosa Mystica“ von Horst Mehring aus Essen (St. Grignion-Verlag, Altötting), das zahlreiche Auflagen erlebte und 1992 in der 7. Auflage erschien.

In der folgenden „Abhandlung“ über die „Botschaften“ der Rosa Mystica wird aus der 5. Auflage zitiert, die 1976 herauskam, also jenem Jahr, in dem die „Erscheinungen“ aufhörten.

Weist man Montichiari-Anhänger darauf hin, daß die Visionen der „Seherin“ Pierina von kirchlicher Seite nicht anerkannt wurden, bekommt man häufig zu hören, das sei wohl auch kein Wunder, da seit dem 2. Vatikanum viele Bischöfe „nicht mehr an Wunder glauben“, zudem die Marienverehrung sowieso kaum noch gefördert würde usw.

Kirchliches NEIN seit 55 Jahren

Hierbei wird übersehen, daß die kirchliche Untersuchungskommission bereits Anfang der 50er Jahre (also 10 Jahre v o r dem Konzil) ein negatives Urteil über diese „Privatoffenbarung“ fällte.

Genau umgekehrt wird also „ein Schuh draus“: Tatsache ist, daß das kirchliche Lehramt früher sehr viel kritischer gegenüber „Erscheinungen“ und ähnlichen Phänomenen auftrat, siehe zB. die eindeutige Ablehnung von Heroldsbach durch das Hl. Offizium inkl. strenger Kirchenstrafen für Heroldsbach-Verehrer (Suspension werbender Priester und Exkommunikation der „Seher“-Kinder).

Bis 1966 schrieb das Kirchenrecht vor, daß alle Bücher über Visionen und Erscheinungen der kirchlichen Genehmigung (Imprimatur) bedürfen. Leider sind diese Vorschriften, die eine notwendige Schutzmauer bildeten, 1966 unter Paul VI. gestrichen worden – vermutlich im Zusammenhang mit der Abschaffung des „Index“ (Liste verbotener Bücher).

Eine verhängnisvolle Entscheidung, weil nunmehr eine Flut von Pseudomystik auf die Gläubigen eindringen konnte und falschen Propheten auf diese Weise Tür und Tor geöffnet wurde.vierge_pellevoisin

In der Zeit vor dieser gefährlichen „Großzügigkeit“ hielt sich die Verbreitung von Falschmystik in Grenzen. Die Kirche wußte nicht zuletzt durch ihre jahrtausendelange Erfahrung, daß der Satan sich raffiniert als „Engel des Lichtes“ tarnen kann, um Christen mit dem süßen Gift seiner Lügen zu verführen, die er geschickt in fromme Worte verpackt. Wer von den Gläubigen würde denn sonst darauf hereinfallen?

Der hl. Apostel Paulus schrieb bereits über die „Lügenpropheten“:
“Sie sind hinterlistige Arbeiter, die sich als Apostel Christi ausgeben. Kein Wunder, denn der Satan selbst verkleidet sich als Engel des Lichts.“ (2 Kor 11,13 f)

Die Heilige Schrift warnt vor Trugbildern des „Vaters der Lüge“, die vor allem in der Endzeit stark zunehmen, wie Christus ankündigt:

„Wenn jemand zu euch sagt: „Schaut, hier ist Christus oder dort“, so glaubt es nicht! Denn es werden falsche Messiasse und falsche Propheten auftreten und große Zeichen und Wunder wirken, um womöglich auch die Auserwählten irrezuführen. Seht, ich habe es euch vorhergesagt!“ (Mt 24,23 ff)

Die Irrtümer von Montichiari

Nun zur Sache selbst, den „Botschaften“ der Rosa Mystica. Diese klingen auf den ersten Blick wunderbar fromm, ja konservativ, weshalb viele „marianische“ und „traditionelle“ KathoIiken gerne daran glauben.

Doch mit dem schillernden Köder wollen wir uns nicht aufhalten, sondern vielmehr den diabolischen „Kratzfuß“ aufzeigen, der sich bei aufmerksamer Analyse etlicher „Botschaften“ zeigt. – Hier einige Beispiele:

Die Rosa Mystica erklärte bei der 3. „Erscheinung“ in Fontanelle am 9.6.1966:
„Heute hat mich mein göttlicher Sohn Jesus Christus neuerdings hierhergesandt. Heute am Fronleichnamsfest, am Fest der Einheit und am Fest der Liebe. Wie sehr wünsche ich, daß dieser Weizen zu eucharistischem Brot würde in vielen Sühnekommunionen.“ (Siehe S. 34/35)

FRONLEICHNAM ist aber kein verschwommenes „Fest der Einheit und der Liebe“, sondern der Anbetung Christi im Altarsakrament. Auch der Begriff „eucharistisches Brot“ ist unklar; es geht um Leib und Blut Christi, um Seine wahre Gegenwart in den Gestalten von Brot und Wein.

Diese Wandlung geschieht keineswegs erst bei der hl. Kommunion – das wäre eine lutherische Vorstellung! – sondern vorher durch die sakramentalen Wandlungsworte des Priesters.

Zudem ist zwar der Kreuzestod Christi und die hl. Messe ein Akt der Sühne, die hl. Kommunion ist aber die Zuwendung dieses Sühneopfers, also seitens des Menschen die Annahme eines Geschenks (Gemeinschaft mit Christus, helfende Gnaden, Vergebung läßlicher Sünden). Was hat nun die hl. Kommunion mit „Sühne“ zu tun? Sühnen kann man zB durch Fasten, gute Werke, Almosen, geduldiges Ertragen von Leiden.

Es fällt zudem auf, daß diese Rosa Mystica zwar oft von „Gebet, Opfer, Sühne“ redet, aber n i e von Beichte bzw. Bußsakrament. Wird hier vielleicht mit viel wohlklingendem Redeschwall das wirklich Notwendige verdrängt?

Bei der 4. „Erscheinung“ am 6.8.1966 sagte die Rosa Mystica :

„Nach meiner Aufnahme in den Himmel habe ich mich als Mutter und Mittlerin zwischen meinen göttlichen Sohn Jesus Christus und die ganze Menschheit gestellt.“ (S.37)

Erstens war die Gottesmutter schon v o r ihrer leiblichen Aufnahme in den Himmel als Fürsprecherin tätig (siehe zB. Hochzeit zu Kana).

Zweitens stellte sie sich nicht „zwischen“ Christus und uns wie eine Barriere, sondern führt uns zu ihm wie ein Wegweiser. Zudem ist Maria nicht Mutter der „ganzen Menschheit“, sondern die Mutter der Erlösten, der Christgläubigen.

Bei einer späteren „Erscheinung“ sagte ein Engel über das „Fiat“ (Jawort) der Gottesmutter zur Menschwerdung Christi:

„Es ist mit dem Fiat der Schöpfung zu vergleichen, weil es ihr Fiat gewesen ist, durch das sie von Gottvater alle Gnaden erhielt.“ (S. 41)

Sollte der hl. Erzengel Gabriel nach 2000 Jahren nicht mehr wissen, daß er v o r dem JA-wort Mariens erklärte: „Du bist voll der Gnade.“ Auch die Menschwerdung Christi wurde v o r ihrem Jawort angekündigt.

GOTT, der die Madonna zum Tempel des Erlösers erwählte, schenkte ihr im Hinblick auf die Verdienste Christi schon bei ihrer Empfängnis eine Fülle von Gnaden und das Freisein von Erbsünde. Maria ist also die Vorerlöste und Ersterlöste des Neuen Bundes. Folglich wird in dieser „Engelsvision“ auf listige Weise das Dogma von der makellosen Empfängnis Mariens geleugnet. – Zudem ist die Äußerung von einem angeblichen „Fiat der Schöpfung“ theologisch haltlos.

Überdies findet sich in den Botschaften der Rosa Mystica vieles, was einer Allerlösungs-Irrlehre entspricht oder ihr zumindest nahekommt, etwa wenn es heißt, die Rosa Mystica bewirke eine „Rückkehr des Lichtes, der Liebe und des Friedens über die ganze Welt“ (S. 46).

Ähnliche Äußerungen folgen: „Ich bin die Mutter der Liebe für die ganze Menschheit“ (S. 46) – „Sage allen, daß ich sie liebe und ihnen die Gnaden des Himmels schenke.“ (S.193). – Zudem erging auch die Aufforderung: „Hilf mit, daß viel gebetet wird, damit die Barmherzigkeit des Herrn die ganze Menschheit geradezu überströme.“ (S.191)

Man sieht also, daß auch bei „Marienerscheinungen“, die im konservativ-traditionellen Gewande einhergehen, Vorsicht angesagt ist, damit sich nicht schleichend Irrlehren im gläubigen Volk breitmachen.

Felizitas Küble leitet das Christoferuswerk und den KOMM-MIT-Verlag in Münster
Kontakt: felizitas.kuble@web.de