Papst Benedikt zu Ursachen des Missbrauchs

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat die sexuelle Revolution der 68er und die Verweltlichung der westlichen Gesellschaft für den sexuellen Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen verantwortlich gemacht. In einem von der Catholic News Agency veröffentlichten Aufsatz diagnostizierte er zudem einen Zusammenbruch der katholischen Morallehre.

Die aktuelle Kirchenkrise könne nicht verstanden werden, ohne einen Blick auf die 68er Kulturrevolte und ihre Auswirkungen zu werfen: „Man kann sagen, daß in den 20 Jahren von 1960 – 1980 die bisher geltenden Maßstäbe in Fragen Sexualität vollkommen weggebrochen sind und eine Normlosigkeit entstanden ist, die man inzwischen abzufangen sich gemüht hat.“

Außerdem warnt er vor falschen Ansätzen zur Lösung der Kirchenkrise: „Die Idee einer von uns selbst besser gemachten Kirche ist in Wirklichkeit ein Vorschlag des Teufels, mit dem er uns vom lebendigen Gott abbringen will durch eine lügnerische Logik, auf die wir zu leicht hereinfallen.“

Doch die katholische Kirche bestehe auch heute nicht nur aus aus „Unkraut“. Die Kirche Christi sei auch heute das Werkzeug, mit dem Gott uns rette. „Es ist sehr wichtig, den Lügen und Halbwahrheiten des Teufels die ganze Wahrheit entgegenzustellen: Ja, es gibt Sünde in der Kirche und Böses. Aber es gibt auch heute die heilige Kirche, die unzerstörbar ist“, schreibt der frühere Pontifex.

Quelle: http://www.jungefreiheit.de


Warum das 5. Gebot in richtiger Übersetzung „Du sollst nicht morden“ lautet

Von Felizitas Küble

In der Online-Ausgabe der „Jüdischen Allgemeinen“ vom 3. April 2019 befaßt sich der Münchner Historiker Dr. Michael Wolffsohn mit dem Thema „Juden in der Bundeswehr“: https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/nach-allem-und-trotz-allem/

Schon vor Jahrzehnten, als es noch eine Ausnahmeregelung für Holocaust-Überlebende der dritten Generation gab, nicht zum „Bund“ eingezogen zu werden, plädierte der deutschjüdische Professor (siehe Foto) für eine Beteiligung jüdischer Soldaten nach der Devise: „Gleiche Rechte, gleiche Pflichten“.

Heute sind Juden in der Bundeswehr samt ihrem Militär-Rabbiner längst eine  Selbstverständlichkeit. 

In seinem Artikel „Nach allem und trotz allem“ äußert sich Wolffsohn auch zur Übersetzung und Auslegung des 5. Gebotes: „Du sollst nicht morden“, das sowohl sprachlich wie inhaltlich oft falsch mit „Du sollst nicht töten“ übersetzt wird.

Doch der überzeugte jüdische Autor kennt sich aus und schreibt:

„In der Tradition Martin Luthers übersetzt die christliche Einheitsbibel nämlich dieses zentrale Gebot aus dem Dekalog irreführend und sinnwidrig mit »Du darfst nicht töten«. Im hebräischen Original heißt es »lo tirzach«, »Du darfst nicht morden«. –  Es heißt nicht »lo taharog«, »Du darfst nicht töten«.   – Das wiederum heißt unausgesprochen »Notfalls darfst du töten« – wenn nämlich dir selbst der Tod droht.“

Er erinnert sodann an das Wort des bekannten Schriftstellers Albert Camus: Manchmal muss man »töten, um den Mord abzuschaffen«.

Auch die Halacha, das jüdische Religionsgesetz, hat sich stets im Sinne eines Notwehr- und Verteidigungsrechts ausgesprochen – sowohl für Personen wie für Nationen.

Das „jüdische Fundamentalgebot“, das den MORD verbietet, gilt hingegen ausnahmslos – und so sieht es auch die katholische Moraltheologie.

Foto: Michaela Koller

 

 


Verbot von Konversionstherapien widerspricht der Religions- und Gewissensfreiheit

Mathias von Gersdorff

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte ein Gesetz zum Verbot von Konversionstherapien für Personen mit homosexueller Orientierung an, die heterosexuell empfinden möchten. 

Sein Ansinnen begründete er sogar religiös in einem Interview mit der linken „taz“ am 15. Februar 2019: „Ich halte nichts von diesen Therapien, schon wegen meines eigenen Schwulseins. Ich sage immer, der liebe Gott wird sich was dabei gedacht haben.“

Spahn will Konversionstherapien möglichst auch für Erwachsene verbieten. Diese Therapien seien wie „Körperverletzung“ einzustufen. Damit will er wohl den drastischen Einschnitt in die individuelle Freiheit rechtfertigen. Schließlich sollte aber doch jedem freigestellt sein, ob er sich auf diese Weise therapieren lässt oder nicht.

In der öffentlichen Diskussion werden normalerweise Therapien genannt, die von evangelikalen Gruppen angeboten werden und die angeblich keine medizinischen Standards einhalten würden; es ginge dabei mehr oder weniger um Scharlatanerie.

Jens Spahn gibt allerdings nicht zu erkennen, dass es ihm bei seinem Verbotsplan nur um Pseudo-Therapien geht, sondern um jegliche Handlung, die zu einer freiwilligen „Umorientierung“ führen könnte. Dazu könnten womöglich auch schlichte Gespräche mit einem Psychologen oder mit einem Seelsorger  – etwa im Beichtstuhl – gehören. 

Möglicherweise lässt Spahn das bewusst offen, um ein Drohszenario aufzubauen:

Selbst eine Predigt, die zur Bekehrung von homosexuellen Personen aufruft und in der theologische und moralische Argumente angeführt werden, könnte als eine Form der Therapie angesehen werden. Jedenfalls würde in einer solchen Predigt davon ausgegangen werden, dass sich Personen, die homosexuelle Praktiken ausüben, bekehren sollten und auf solche Handlungen künftig verzichten.

BILD: Mann und Frau – in der Schöpfungsordnung Gottes

Jemand könnte nach einer solchen Predigt oder nach einem solchen Beichtgespräch behaupten, er hätte ein schlechtes Gewissen bekommen, hätte sich unter Druck gesetzt gefühlt und hätte deshalb versucht, seine Homosexualität zu überwinden. Dies stürzte ihn in große seelische Not, weshalb er eine Entschädigung und die Bestrafung des Priesters fordert.

Von Spahn sind Bußgelder von bis zu 5.000 Euro angedacht.

Je nachdem, wie Spahns Vorstellungen am Ende in Gesetzesform gegossen werden, wird die Religions- und Gewissensfreiheit eingegrenzt werden. Im Extremfall könnte jeder Aufruf in Wort oder Schrift zur Bekehrung bzw. Konversion als eine Hass-Botschaft aufgefasst werden, die entsprechend bestraft werden müsse.

„Konversion“ (oder auf deutsch „Bekehrung“) ist ein Schlüsselbegriff der christlichen Moraltheologie und Askese. Zu Aschermittwoch, also zu Beginn der Fastenzeit, wird den Katholiken das Aschenkreuz aufgelegt. Dabei hören sie vom Priester: „Bekehre dich und glaube an das Evangelium“.

Die gesamte Fastenzeit sollte genutzt werden, um sich zu bekehren, um sich von Fehlern, falschen Anhänglichkeiten und vor allem von der lässlichen und schweren Sünde zu befreien.

Die Fastenzeit ist so etwas wie eine Bekehrungs-Zeit im Jahr. Doch zur Bekehrung sind alle Menschen immer aufgerufen. Alle Menschen sollten stets bemüht sein, sich mit der Hilfe Gottes zu bekehren und bessere Menschen zu werden.

Der Grund dafür ist sehr einfach: Alle Menschen sind Sünder. Alle Menschen sündigen, selbst Gerechte sündigen „sieben Mal am Tag“, wie es in der Hl. Schrift heißt. Wobei „sieben“ in diesem Fall einfach „viel“ bedeutet. Niemand ist von den Folgen der Erbsünde ausgenommen. Dementsprechend sollten alle Menschen versuchen, sich zu bekehren.

Das ist der einzige Weg zu Gott: Wer sich nicht bekehrt, gelangt nicht zum Heil.

Bekanntlich ist die sexuelle Vereinigung nur im Rahmen einer gültig geschlossenen Ehe ethisch einwandfrei. Zudem müssen diese Akte grundsätzlich für eine Fortpflanzung offen sein. Alles andere ist Sünde.

Die praktizierte Homosexualität soll im Grunde eine Art Privileg erhalten: Sie soll stets als moralisch einwandfrei erklärt werden. Nicht einmal eine geschlossene Ehe wäre als Voraussetzung erforderlich. Eigentlich würden dadurch die heterosexuellen Paare moraltheologisch „diskriminiert“ werden, denn sie müssen sehr wohl heiraten.

Spätestens hier sieht man, dass die ethische Sonderbehandlung der Homosexualität lächerlich ist.

Die katholischen Bischöfe müssten scharf gegen ein Verbot von Konversionstherapien protestieren. Möglicherweise müssten aber auch manche Missverständnisse, die in der Öffentlichkeit herrschen, ausgeräumt werden.

Eine Konversion bzw. Bekehrung ist immer eine völlig freiwillige Entscheidung. Der freie Wille ist also die entscheidende Instanz. Diese Entscheidung muss im Heilsplan Gottes für den Einzelnen eingebettet werden (Gott will die Bekehrung aller Sünder) und es muss auch betont werden, dass Gott eine zentrale Rolle in der Bekehrung jeden Menschen spielt, denn Gott schenkt die Gnade, die für einen solchen lebensverändernden Schritt notwendig ist.

Eine Bekehrung ist im Grunde das Ergebnis des Zusammenspiels von menschlichem Willen und göttlicher Gnade.

Deshalb ist eine Bekehrung immer auch ein übernatürlicher Vorgang, der sich in der Seele des Menschen abspielt.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und publiziert regelmäßig hier: https://mathias-von-gersdorff.blogspot.com/


Will Kardinal Marx eine neue Kirche gründen?

Mathias von Gersdorff

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München-Freising, Vorsitzender der Dt. Bischofskonferenz und Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE) war sich wohl im klaren darüber, dass er mit seinem JA zu Segnungen homosexueller Paare eine rote Linie überschreitet.

Im Gegensatz zum Vorschlag von Bischof Franz-Josef Bodes Anfang des Jahres soll es nach Marx´ Auffassung keine generelle Regelung geben. Vielmehr soll in den Pfarreien selbst geprüft werden, ob solche Segnungen „im Einzelfall“ möglich sein können.

Diese Einschränkung ist aber eine bloße taktische Augenwischerei. Den linken Pfarrern ebnet er den Weg, solche Segnungen zu gestalten, ohne dass er sich mit einem Dokument theologisch dafür rechtfertigen muss und sich dabei auch der Kritik aussetzen würde. Ob nun von Pfarrei zu Pfarrei unterschiedliche Regelungen getroffen werden, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Kardinal Marx (praktizierte) Homosexualität für unbedenklich hält, zumindest unter gewissen Voraussetzungen.

Mit diesem Schritt beabsichtigt Kardinal Marx im Grunde die Gründung einer neuen Kirche  – und dies aus folgenden Gründen:

1. Die katholische Sexualmoral stellt eindeutig fest, dass der sexuelle Akt nur innerhalb einer gültig geschlossenen Ehe zwischen Mann und Frau moralisch einwandfrei ist. Ein Katholik ist verpflichtet, diesem Grundsatz zuzustimmen, selbst wenn er sich selber nicht daran hält. Mit der de-facto-Legalisierung von praktizierter Homosexualität durch Kardinal Marx wird dieser Grundsatz aufgehoben, und zwar generell und nicht nur bezüglich der Homosexualität. Die verbindliche katholische Sexualmoral wird durch Kardinal Marx (weitgehend) abgeschafft. Eine Kirche, die den Vorgaben von Kardinal Marx´ folgt, wäre nicht mehr die katholische, sondern eine neue Kirche.

2. Ob Segnungen für homosexuelle Paare stattfinden oder nicht, soll auf lokaler Ebene, also in den Pfarrgemeinden getroffen werden. Weil aber die Zulassung dieser Segnungen eine völlig neue Moraltheologie (implizit) voraussetz, so hätten unterschiedliche Pfarreien unterschiedliche Moraltheologien. Die Sittenlehre leitet sich aber vom Glauben ab. Marx´ Freigabe von Homo-Segnungen führt zu einem Zustand, dass unterschiedliche „katholische“ Pfarreien einen verschiedenen Glauben und eine unterschiedliche Moral vertreten, was aus katholischer Sicht nicht möglich ist. Die Einheit der Kirche wäre auf diese Weise auf Pfarreiebene zerstört. 

3. Wenn man auf die Ebene der Universalkirche geht, wird noch offensichtlicher, dass Marxens Vorschlag antikatholisch ist. Ist er etwa der Meinung, dass andere Bischöfe oder Bischofskonferenzen seinen Vorschlag übernehmen werden? Wohl nicht. Durch die Annahme einer neuen Moral, eines neuen Glaubens und neuer Riten für die Segnungen würde sich (zumindest ein Teil) der katholischen Kirche in Deutschland von der kirchlichen Weltgemeinschaft trennen.

4. Man wartet noch auf ein Wort von Kardinal Marx, wie er sein Projekt den sog. „muttersprachlichen“ Katholiken schmackhaft machen will. Das sind die Katholiken in Deutschand mit Migrationshintergrund, also Polen, Kroaten, Portugiesen etc. Diese sind nicht nur konservativer als der durchschnittliche „biodeutsche“ Katholik, sondern stellen an vielen Orten schon die Mehrheit der Gläubigen. 

Man kann sich kaum vorstellen, dass sich Kardinal Marx über die angeführten Punkte in moraltheologischer und ekklesiologischer Hinsicht keine Gedanken gemacht hat. Am wahrscheinlichsten ist, dass ihm diese Einwände egal sind, weil er tatsächlich die Bildung einer neuartigen Kirche anstrebt.

Dies wurde in einem Interview Anfang des Jahres 2015 mit der US-amerikanischen Zeitschrift der Jesuiten America deutlich: Marx will im Grunde eine Kirche, die den Maximen der 1968er-Revolution entspricht: Linkspopulistisch, ohne feste Glaubenswahrheiten, ohne eine allgemein verbindliche Moraltheologie. 

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und veröffentlicht aktuelle Beiträge zu Kirche und Welt u.a. hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/


Erhält der Emmericher Bürgermeister kirchlichen „Segen“ für seine Homo-„Ehe“?

Von Felizitas Küble

In den evangelischen Landeskirchen in Deutschland ist es seit Jahren üblich und erlaubt, homosexuelle Partnerschaften durch öffentliche Segensfeiern zu würdigen.

Evangelikale (theologisch konservative) Protestanten und die meisten evang. Freikirchen lehnen dies jedoch ab mit Hinweis auf die biblische Schöpfungsordnung, welche die Ehe eindeutig als Lebensgemeinschaft von Mann und Frau betrachtet, verbunden mit dem weiteren Sinngehalt der Fortpflanzung. 

Die katholische Kirche sieht das erstens ebenso und zweitens wird ihr Standpunkt noch verstärkt dadurch, daß sie die Ehe unter getauften Christen als Sakrament verehrt, so daß die Ehe nicht „nur“ zur Schöpfungsordnung, sondern sogar zur Heils- und Erlösungsordnung Gottes gehört.

Daher sind kirchliche Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare katholischerseits nicht gestattet.

FOTO: Die Ehe von Mann und Frau steht unter Gottes Segen und ist überdies ein Sakrament, ein „heiliges Zeichen“, das wirksame Gnaden des Himmels vermittelt und den Bund zwischen Christus und der Kirche versinnbildlicht

Umso mehr reibt man sich die Augen, was die Internet-Ausgabe der „Rheinischen Post“ (RP-online) zu berichten weiß.

Schon der Titel des Artikels vom 16. September klingt äußerst gewöhnungsbedürftig: Emmericher Bürgermeister heiratet  – Männer-Paar feiert Vermählung in Kirche“

Und zwar wohlgemerkt in einem katholischen Gotteshaus – genauer: in der Kirche St. Johannes im kleinen Deichdörfchen Bislich, die zur Pfarrgemeinde St. Nikolaus in Wesel gehört.

Selbst die „Rheinische Post“ wundert sich – und das will etwas heißen: „Schon in der Stadt wäre solch ein Gottesdienst ungewöhnlich – auf dem Dorf ist er es erst recht.“

Der Bericht von Sebastian Peters bemerkt einleitend:

„Der Emmericher Bürgermeister Peter Hinze (SPD) heiratet seinen Lebensgefährten Hubertus Pooth aus Wesel-Bislich. Auch in der katholischen Kirche Bislich wird gefeiert. Pfarrer Sühling will „um den Segen Gottes für Menschen bitten, die in Beziehungen leben“.“

Auch wenn jene geplante Segensfeier im Rahmen eines Wortgottesdienstes laut Aussagen von Pfarrer Stefan Sühling selbstverständlich keine gültige bzw. sakramentale „Vermählung“ darstelle, so ist auch eine amtliche Segenshandlung für gleichgeschlechtliche Partner – mögen sie nun zivil „verheiratet“ sein oder nicht –  ein schwerwiegender Verstoß gegen das biblische und moraltheologische Nein zu homosexuellen Handlungen bzw. entsprechenden sexuellen Beziehungen.

Darüber hinaus ist ein solches Vorgehen auch pastoral unverantwortlich, denn es sorgt für Ärgernis unter Gläubigen, stiftet Verwirrung und begünstigt die verirrte Ansicht, wonach die „Ehe für alle“ eigentlich eine gute Sache sei, die zumindest einen kirchlichen Segen wohl verdiene usw.

Die ganze Angelegenheit wird dadurch sicher nicht besser, daß es sich bei dem betreffenden Geistlichen Stefan Sühling um einen Domkapitular des Bistums Münster handelt: 

Dieser Priester war zunächst ab 2004 sogar Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Generalvikariat von Bischof Dr. Felix Genn, ab 2010 ging er als Pfarrer nach Wesel. Im selben Jahr wurde er vom Münsteraner Oberhirten zum nichtresidierender Domkapitular am Hohen Dom zu Münster ernannt und damit besonders gewürdigt.

Mit anderen Worten: Pfarrer Sühling war und ist ein hochrangiger Würdenträger und gehört als Domkapitular sogar zur obersten kirchlichen Elite des Bistums.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Namhafter US-amerikanischer Moraltheologe Prof. William E. May verstorben

Dr. William E. May (siehe Foto), der bekannteste US-amerikanische Moraltheologe, ist am Samstag, dem 13. Dezember 2014 im Alter von 87 Jahren in Kensington, MD, verstorben. Er war Professor im John-Paul-II-Institut in Washington/DC/USA.   william_may

Von 1971 bis 2008 lehrte Prof. May Moraltheologie an der Katholischen Universität in Washington. Er verfasste zahlreiche Bücher, u.a. über Bioethik, Sexualethik, Theologie des Leibes, Menschliche Existenz, Medizin und Ethik, Sexualität und die Heiligkeit des menschlichen Lebens. 

Dazu gehört sein Werk „Catholic Bioethics and the Gift of Human Life“ (Katholische Bioethik und das Geschenk des menschlichen Lebens“).

Nachfolgend veröffentlichen wir das 2011 verfaßte Vorwort von Prof. William E. May zu dem fundierten und aktuellen Buch „Promises of New Biotechnologies“ (in deutscher Übersetzung unter dem Titel: „Verheißungen der Neuesten Biotechnologien“) von Dr. med. Edith Breburda; sie ist seit vielen Jahren Autorin unseres CHRISTLICHEN FORUMS:

Ich setze das Wort „Bioethik“ in Anführungszeichen, weil Dr. Breburda’s ausgezeichnete Studie sich nicht den Arbeiten zeitgenössischer „Bioethiker“ angleicht; dazu gehören Philosophen, Theologen, Juristen und andere Nichtwissenschaftler.

Von diesen sind die einflussreichsten jene, die die Zugehörigkeit zur menschlichen Spezies keine moralische Bedeuindextung beimessen – und die die „Natur“ nur als menschliches Konstrukt und die „neuen Biotechnologien“ als Job zur „Erschaffung“ besserer Pflanzen, Tiere und Menschen betrachten. Es besteht aus deren Sicht keine Notwendigkeit, auf irgendeinen „Gott“ als Schöpfer hinzuweisen.

Breburda’s Buch unterscheidet sich, weil sie als Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der neuen Biotechnologien eine Autorität ist. Das Buch bietet tiefe Einblicke und begründet gewichtige Vorbehalte über die utopischen Versprechungen der Biotechnologien.

Im Vorwort zu ihrer deutschsprachigen Buchausgabe schreibt Bischof Klaus Küng:

„Wir hören von Hybriden, Stammzellenforschung , Klonen und andere Technologien. Viele bewundern diese neuen Techniken. Nur wenige hinterfragen. Darüber hinaus ist die Welt stolz auf das Ergebnis der modernen Biotechnologie. Sie werden als ein Zeichen des Fortschritts geschätzt… „

Er fährt dann fort:

„Dennoch ist die entscheidende Frage, was Menschen tun dürfen. Die Antwort hängt von der Frage ab, was ein Mensch ist. Unsere Beziehung zu Gott zeigt unsere Abhängigkeit von Ihm als seiner Schöpfung“.Coverbild

Diese Worte drücken in gewisser Weise die Hauptbotschaft dieses bemerkenswerten Buches aus. Edith Breburda’s „These“ beinhaltet, dass Pflanzen, Tieren, Menschen und alle Lebewesen keine künstlichen Konstrukte sind, sondern von Gott geschaffen wurden.

In den Kapiteln ihres Buches nimmt uns Breburda mit auf eine Tour durch die „Leistungen“ und „Versprechungen“ dieser Biotechnologien.

Dabei zeigt sie, dass Manipulationen bei der Tierernährung zum Rinderwahnsinn führten. Sie zeigt auf, wie die künstliche Befruchtung von Pferden im 18. Jahrhundert zur Entwicklung der neuen Reproduktionstechnologien, von In-Vitro-Fertilisation, Klonen, künstlicher Befruchtung bei Menschen, Eizellenproduktion, Stammzellenforschung, Präimplantationsdiagnostik geführt hat.

Sie zeigt auf, wie genetisch manipulierte Pflanzen und Tieren bei Menschen Antibiotika-Resistenzen und neue Arten von gastrointestinalen, respiratorischen und hämatologischen Erkrankungen verursachen können, zusammen mit Fehlgeburten und der Zunahme von genetischen Anomalien bei Säugetieren und Menschen.

Ich könnte diese Liste viel weiter fortsetzen, aber von dem, was bereits gesagt wurde, sehen wir, was die Autorin in den verschiedenen Kapiteln ihrer Arbeit behandelt.

Breburda’s faszinierende Studie soll dazu beitragen, dass einfache Menschen die Komplexität und Gefahren der neuen Biotechnologien verstehen und dass wir alle unsere Verantwortung wahrnehmen für das Wohlergehen unserer menschlichen Nachkommen und der Umwelt, in der wir leben. Man kann nur wünschen, dass das Buch eine breite Leserschaft findet.“

  • Paperback: 292 Seiten, englischsprachig
  • Verlag: Scivias (29. September 2011)
  • ISBN-10: 0615548288
  • ISBN-13: 978-061554828

Daten des E-Book: 1054 KB / ISBN: 0615548288  / Autorin: Edith Breburda; 1 edition (March 25, 2011) / Beziehbar bei: Amazon Digital Services, Inc.  / Sprache: English / ASIN: B004TM9CZO

DEUTSCHSPRACHIGE AUSGABE: http://www.amazon.de/Verhei%C3%9Fungen-neuesten-Biotechnologien-Edith-Breburda/dp/3717111728/ref=asap_B00455RG6M?ie=UTF8

 

Foto: Institut Joh. Paul II.


Kritik an Prof. Schockenhoff, der Abtreibung im Fall einer Vergewaltigung „akzeptieren“ will

Das ungeborene Kind ist kein „ungerechter Angreifer“

Wie die Online-Ausgabe des  Ärzteblatts vom 23. Januar 2013 berichtet, hat der katholische Priester und Moraltheologe Eberhard Schockenhoff (zugleich Mitglied des „Nationalen Ethikrats“) zwar grundsätzlich die kirchliche Haltung zu Abtreibung und „Pille danach“ (Frühabtreibung) bekräftigt, zugleich aber für den Fall einer Vergewaltigung eine Ausnahme geltend gemacht.

Das „Ärzteblatt“ berichtet hierüber wie folgt: Embryo

Der Theologe betonte zudem die extreme Notlage der Frau nach einer Vergewaltigung. Wenn sich die Betroffene für einen Schwangerschaftsabbruch entscheide, müsse man dies akzeptieren.

„Im Grenzfall der Vergewaltigung sehe ich die Möglichkeit einer berechtigten Ausnahme, weil die Frau eine Art Notwehrrecht hat, die ihr durch Gewalt aufgezwungene Schwangerschaft zu beenden“, sagte Schockenhoff. „Die Schuld am Abbruch fällt hier auf den Vergewaltiger zurück, der dann zwei Leben auf seinem Gewissen hat.“

Was ist nun aus Sicht der katholischen Moraltheologie zu dieser Ansicht des Freiburger Ethikers zu sagen?

Es gibt zwar tatsächlich eine allgemein akzeptierte und biblisch begründete Ausnahme vom Tötungsverbot im Falle von Notwehr, die sowohl individuell wie auch gemeinschaftlich (Staat, Nation, Verteidigungskrieg) gilt.

(Notwehr liegt  –  gesetzlich betrachtet  –  laut § 32 StGB  unter folgenden Bedingungen vor:  Abs. 1: „Wer eine Tat begeht. die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.“  –  Abs. 2: „Notwehr ist die Verteidigung, die  erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.“

Das bedeutet bei Vergewaltigung, daß die Frau den „gegenwärtigen“ Angriff abwenden darf in einem Ausmaß, wie dies „erforderlich“ ist, etwa auch, indem sie den Täter ernsthaft verletzt, um das Vergewaltigungsverbrechen zu verhindern.)

Der springende Punkt besteht betreffs Abtreibung aber darin, daß das ungeborene Kind kein Täter und kein ungerechter Angreifer  ist; vielmehr ist das Baby im Mutterleib völlig wehrlos, schutzbedürftig und unschuldig sowieso.

Überdies bedinhaltet die Fortsetzung einer Schwangerschaft keine Gefahr für Leib und Leben der Frau (von äußerst seltenen Fällen abgesehen: in Deutschland im Verhältnis 5 zu 100.000).

Daher kann das Notwehr-Prinzip weder moraltheologisch noch rechtsphilosophisch angewandt werden.

Zudem wird mit einer Abtreibung keineswegs nur eine „Schwangerschaft“, also ein physiologischer Zustand „beendet“, sondern ein ungeborenes Kind vernichtet und sein Lebensrecht mißachtet.

Die Schuld an einer Abtreibung fällt keineswegs allein auf den Vergewaltiger zurück, zumal es tapfere Frauen gibt, die trotz innerer Bedrängnis ein heldenhaftes JA zum Leben sagen   –  und nicht etwa ihr unschuldiges Baby für das Verbrechen eines Dritten gleichsam mit dem Tod bestrafen. Oft wächst die Liebe zum Kind im Laufe der Zeit, wie die Erfahrung lehrt.

Es ist andererseits natürlich verständlich, wenn sich eine Frau nach Vergewaltigung nicht vorstellen kann, das heranwachsende Kind aufzuziehen, weil sie ständig an jenes fürchterliche Verbrechen erinnert werden könnte.

Notlösung: Adoption statt Abtreibung!

In diesem Fall heißt die Lösung jedoch keineswegs Abtreibung, sondern Adoption, zumal zehntausende ungewollt kinderlose Ehepaare in Deutschland auf  die Chance einer Adoption warten. Falls die Frau noch unsicher ist, ob sie ihr Kind weggeben möchte oder nicht, kann sie es vorläufig in Pflege geben und später endgültig entscheiden.

Zudem wäre die Tötung ihres Babys für die schwangere Mutter eine große seelische Belastung, was den psychischen Schock der Vergewaltigung auf Dauer noch verstärken könnte.

Ergebnis: Auch im Fall von Vergewaltigung kann eine Abtreibung ethisch nicht akzeptiert werden, wenngleich es naheliegt,  an „mildernde Umstände“ für die betroffene Mutter zu denken.

Doch auch eine individuell-subjektive Schuldverringerung in Einzelfällen darf die Kirche keineswegs davon abhalten, dem Zeitgeist auf der Ebene der Prinzipien weichherzige Zugeständnisse einzuräumen.

Vielmehr hat die Kirche sich  – ob gelegen oder ungelegen  –  allein an Gott und seinen Geboten auszurichten, wozu auch das Lebensrecht aller Menschen gehört.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster