Johannes der Täufer und der hl. Joseph

Von Felizitas Küble

Am 24. Juni feiert die Kirche alljährlich das Fest der Geburt von Johannes dem Täufer. Normalerweise wird bei den Heiligen sonst der Todestag zum Gedenktag erhoben, denn er ist ja der Geburtstag für den Himmel.

Doch es gibt drei Ausnahmen, bei denen die Kirche ausdrücklich den Geburtstag feiert:

Bei Jesus Christus (25. Dezember), bei Maria (Fest Maria Geburt: 8. September) und beim hl. Johannes, dem Wegbereiter des HERRN.

Bevor unser Erlöser sein öffentliches Wirken begann und die zwölf Apostel um sich scharte, waren zwei Männer für ihn besonders wichtig: Der hl. Josef als sein Nährvater – und sein Verwandter Johannes, der spätere Bußprediger.

Dessen Vater Zacharias war ein Priester des Alten Bundes, Elisabeth seine Ehefrau – und zugleich die Kusine Mariens.

Die Madonna besuchte nach der Verkündigung des Engels ihre betagte Base Elisabeth, um ihr bei der Schwangerschaft beizustehen und zugleich ihre eigene Glückseligkeit mitzuteilen, die Mutter des Messias zu sein.

Elisabeth begrüßte Maria als Gottesmutter, indem sie sprach: „Wie wird mir die Gnade zuteil, daß die Mutter meines HERRN zu mir kommt?“

Der Ausdruck „HERR“ (griechisch: Kyrios) bezieht sich im biblischen Sprachgebrauch immer auf GOTT, somit finden wir im Lukas-Evangelium bereits zum ersten Mal den Titel „Gottesmutter“ für Maria.

Jesus sprach über Johannes den Täufer ein geheimnisvolles Wort, über das sich viele Exegeten (Ausleger) den Kopf zerbrochen haben:  Johannes der Täufer sei mehr als ein Prophet (das leuchtet ein) – ER fügt aber hinzu: Unter allen von einer Frau Geborenen ist niemand größer als er – und zugleich ist der Kleinste im Himmelreich größer als er.

Was kann unser Heiland damit gemeint haben?

Es gibt einige Hinweise, vielleicht trifft einer der beiden folgenden zu:

Johannes steht mit beiden Füßen noch im Alten Bund, sein Vater war Priester in der Ordnung Aarons und diente im Tempel des HERRN  –  zugleich ragt Johannes als Vorläufer Christi in den Neuen Bund hinein.

Vielleicht wollte Jesus sagen, daß Johannes der Größte im Alten Bund gewesen ist, daß er die Endzeit des Alten Testaments vollendet – daß aber der Neue Bund noch viel höher steht, weshalb ein Kleiner im Neuen Bund größer ist als ein Großartiger im Alten Bund.

Es gibt zudem eine zweite Deutung:

Der hl. Joseph lebte ganz im Verborgenen, er war unscheinbar und wirkte demütig im „Schatten“ von Jesus und Maria. Vielleicht meinte Jesus seinen Nährvater, als er von dem „Kleinsten“ sprach, der im Himmelreich größer sei als der bedeutsame Wegbereiter des HERRN, Johannes der Täufer.

Fest steht jedenfalls, daß wir es bei beiden Männern mit herausragenden Persönlichkeiten zu tun haben, mit großen Heiligen, die uns mit ihrer Fürsprache zur Seite stehen und uns ein immerwährendes Vorbild sind: Johannes, der gewaltige Bußprediger, mit seinem Mut – und Joseph mit seiner Demut.


Hoffe auf den HERRN und sei stark!

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 27 (26),1.4.13-14.

Der HERR ist mein Licht und mein Heil:
Vor wem sollte ich mich fürchten?
Der HERR ist die Kraft meines Lebens:
Vor wem sollte mir bangen?

Nur eines erbitte ich vom HERR, danach verlangt mich:
Im Haus des Ewigen zu wohnen alle Tage meines Lebens,
die Freundlichkeit des HERRN zu schauen
und nachzusinnen in seinem Tempel.

Ich bin gewiss, zu schauen
die Güte des HERRN im Land der Lebenden.
Hoffe auf den HERRN und sei stark!
Hab festen Mut und hoffe auf den HERRN!

 


Der HERR ist mein Licht und mein Heil

Heutige liturgische Sonntagslesung der kath. Kirche:
Psalm 27 (26),1.4.13-14.

Der HERR ist mein Licht und mein Heil:
Vor wem sollte ich mich fürchten?
Der HERR ist die Kraft meines Lebens:
Vor wem sollte mir bangen?

Nur eines erbitte ich vom HERRN, danach verlangt mich:
In seinem Hause zu wohnen alle Tage meines Lebens,
die Freundlichkeit des HERRN zu schauen
und nachzusinnen in seinem Tempel.

Ich aber bin gewiss, zu schauen
die Güte des HERRN im Land der Lebenden.
Hoffe auf den ihn und sei stark!
Hab festen Mut und harre auf den HERRN!

 


Israel ehrt Judenretterin Mathilde Böckelmann als „Gerechte unter den Völkern“

Die Lebensretterin Mathilde Böckelmann (1907 – 1978) ist von der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem posthum (nach ihrem Tod) als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt worden.

Bei einer Feierstunde in Greifswald am 23. November nahm Böckelmanns Tochter Christa Heptner von Botschafter Yakov Hadas-Handelsman die Yad Vashem-Urkunde und die Medaille entgegen. Mathilde Böckelmanns Name wird zudem auf der Ehrenwand im „Garten der Gerechten unter den Völkern“ in Yad Vashem verewigt.

BILD: Die Angehörigen von M. Böckelmann mit der Überlebenden Miriam Brudermann, dem israelischen Botschafter und Ministerpräsident Sellering (Foto: Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern)

Zu dieser ersten Yad Vashem-Feierstunde für eine „Gerechte unter den Völkern“ in Mecklenburg-Vorpommern hatten Ministerpräsident Erwin Sellering und der israelische Botschafter gemeinsam eingeladen. Die Ehrung fand im F.-L.-Jahn-Gymnasium im Beisein von rund 200 Schüler/innen statt.

Der israelische Botschafter sagte: „Die Tage, an denen wir die „Gerechten unter den Völkern“ ehren, sind besondere Tage. Wir erinnern daran, dass es in den dunkelsten Stunden des jüdischen Volkes Menschen gab, die alles riskierten – ihren Besitz und sogar ihr Leben – um andere Menschen zu retten. Die Erinnerung an diese Menschen wach zu halten und ‚danke‘ zu sagen, ist das mindeste, was wir Israelis, was wir Juden, heute tun können.“

Miriam Bruderman, die heute 86-jährige Gerettete, war eigens aus Israel zu der Ehrung angereist. Am Tag zuvor war die Überlebende zum ersten Mal der Tochter ihrer Retterin, Christa Heptner, begegnet. Die beiden trafen am Ort der Rettung, in Pustow bei Greifswald, zusammen.  deutschland-israel-flag

Die jüdische Familie Fernbach kam im Jahr 1940 aus der Eifel nach Berlin. Als im Herbst 1941 die Verfolgung der Juden in ein neues Stadium eintrat und die Deportationen in die Ghettos und Vernichtungslager begannen, ging die Familie in den Untergrund.

Vater Moses überlebte dank gefälschter Ausweisdokumente in Magdeburg, Mutter Lina überlebte in verschiedenen Verstecken in Berlin. Die 1930 geborene Tochter Miriam versteckte sich zwei Jahre lang in Berlin-Kaulsdorf bei Erich und Maria Glaser. Sie musste auf deren Hof arbeiten, und für ihren Unterhalt musste ihre Familie bezahlen. Nachdem die Luftangriffe auf Berlin immer massiver wurden, suchten Bekannte der Familie Fernbach für Miriam ein neues Versteck außerhalb der Stadt.

Und so nahm Mathilde Böckelmann die verfolgte Miriam Fernbach Anfang Januar 1945 bis zum Ende des Krieges auf ihrem Hof in Pustow in der Nähe von Greifswald auf. Sie gefährdete ihr eigenes Leben und das ihrer Familie, um das ihr unbekannte 15-jährige Mädchen zu retten. So konnte Miriam den Nazi-Terror überleben.

Quelle: Israelische Botschaft in Berlin


Johannes Dyba: Würdigung eines herausragenden Bischofs und Cartellbruders

Von Ehrendomherr Edmund Dillinger

Buch-Daten: Küble, Felizitas (Hg.): Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten, Komm-Mit-Verlag, Münster 2015, 207 S., Euro 14,80, ISBN 978-3-921090-98-5.  Fürs CF verwenden
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Im Dezember 2015 haben 33 Autoren ihre Begegnungen und Erfahrungen mit dem bekannten und allseits ver­ehrten Erzbischof von Fulda, Cbr Dr. Johannes Dyba, des Urmitglieds der KDStV Fredericia Bamberg, in ­einem Buch veröffentlicht.
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Viele Cartellbrüder sind unter den ­Autoren, z.B. Bischof Heinz Josef Algermissen (G-S), Prof. Hubert Gindert (Alf), Prof. Dr.Dr. Wolfgang Ockenfels OP (Tt), Prof. Dr. Cornelius Roth (PM), Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Cp), Leo Lennartz (ArH) und weitere.
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Berichtet wird über einen Bischof im ausgehenden 20. Jahrhundert, der alle Freuden und ­Traurigkeiten erlebte, die man in Deutschland als Mann der Kirche durchstehen muss. Er war dem überlieferten Glauben treu, stand zum Nachfolger des Apostels Petrus und verteidigte die ­Morallehre, selbst wenn das manchen Zeitgenossen  –  auch inner-
halb der Kirche  –  nicht mehr passte.
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Er wurde der landesweit bekannte Beschützer der ungeborenen Kinder, er kämpfte gegen die Abtreibung und gegen die missbräuchliche Anwendung des Be­ratungsscheines.
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So stand Cbr Erzbischof Dr. Dyba, dem der Cartellverband sehr viel bedeutete (und der auch danach handelte), stets im Kreuzfeuer der Kritik. 200px-Dillingern_PB_Rom
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Vor dem Fuldaer Dom wurden Demonstrationen gegen ihn angezettelt. In Marburg wurde er angegriffen und in Tübingen wurde ihm die Tür zur Kirche, in der er für die CV-Verbindungen die heilige Messe zelebrieren sollte, durch eingespritzten Lack verschlossen.
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BILD: Papst Benedikt und Pfr. Edmund Dillinger auf dem Petersplatz
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In allen Schwierigkeiten und verbalen Angriffen auf seine Person, so schreibt einer der Autoren, „behielt er sein jungenhaftes Lachen“. Er unterstützte die Gründung des „Forum Deutscher Katholiken“, das immer wieder in Fulda tagt(e). 
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Erzbischof Dyba ist eine herausragende Bischofsgestalt der katho­lischen Kirche in Deutschland. Er erinnert an den heiligen Bonifa-­tius. Er hat den Priestern, die heute wie Soldaten an der Front des ­Unglaubens kämpfen müssen, Mut zugesprochen.
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Gabriele Kuby schreibt in diesem Buch: Die Priester „sollen Seelsorger sein und gleichzeitig effiziente Manager immer größerer Seelsorgseinheiten. Sie sollen gute Hirten sein, aber ihre priesterliche Autorität mit ­anspruchsvollen Pastoralreferentinnen und Laienräten teilen (…).  Die Priester werden angegriffen und im Ordinariat angeschwärzt, wenn sie fromm sind“ (S. 99 f.).            
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Diese Buchbesprechung von Ehrendomherr Edmund Dillinger wurde in der aktuellen Ausgabe der ACADEMIA (Nr. 3/2016) veröffentlicht, der Zeitschrift des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV).
Siehe hier (S. 57)http://www.cartellverband.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=2806&token=00d0228b17bb3218ffeb42c4765341527fa9875c
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Wir danken Chefredakteur Dr. Veit Neumann für die freundliche Abdruckerlaubnis.

Dyba-Erinnerungsband: Neuerscheinung über den mutigen „Löwen von Fulda“

Von Günter Mayer

Die folgende Besprechung ist in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Kirche heute“ erschienen:

Unter dem Titel „Der Löwe von Fulda“ hat Felizitas Küble in ihrem KOMM-MIT-Verlag einen Gedenkband über Erzbischof Dr. Dr. Johannes Dyba herausbracht. In 33 Würdigungen zeigt sie das Lebenswerk des streitbaren Hirten auf.  Fürs CF verwenden

Der von zahlreichen Katholiken getragene Wunsch, den allzu früh verstorbenen Bischof durch eine Seligsprechung als beispielhaften Glaubenszeugen herauszustellen, hat wesentlich zu dieser Publikation beigetragen.

Johannes Dyba war während seiner Bischofszeit in Fulda ein „Stein des Anstoßes“ und zwar nicht nur für die herkömmlichen Gegner der Kirche, sondern auch für jene, die sich  –  nachkonziliar – innerhalb der Kirche eine andere Kirche wünschten.[1]

Seine Amtsjahre fielen in die unruhige Zeit nach 1968, als viele alles verändern wollten, nur weil es bisher so war. Wer sich dem entgegen stellte, wirkte notwendig wie ein Prellbock und wurde zum Brennspiegel der Zeitumstände.

Daher sind die Würdigungen im Buch Der Löwe von Fulda, welche Dyba und sein Werk unter verschiedenen  –  auch stark subjektiv betonten  – Blickwinkeln beleuchten, über die Person des Erzbischofs hinaus ein Spiegelbild der Zeit. Für mich steht deshalb nicht nur seine Person im Mittelpunkt, sondern ebenso das Problem seiner Zeit und seine Not, die er damit hatte. Die verschiedenen Blickwinkel machen das Buch zu einem Werk, das einen unverfälschten Rückblick auf diese Jahre ermöglicht.

Der übernatürliche Glaube

„Credo, Credo, Credo“ überschreibt ein Konvertit (Pfarrer Kemmether) seinen Beitrag  –  und trifft damit das eigentliche Problem der Kirche. Es berührt mich, dass ich bei vielen Predigten heute den Eindruck gewinne, Gott spiele in dieser Kirche keine aktuelle Rolle mehr. Durch den Kreuzestod Jesu und seine Auferstehung sei das Jenseitige geregelt (wir kommen alle, alle in den Himmel) und damit kann man sich dem Diesseitigen widmen, mit dem man eher Beifall der Menge gewinnen kann. 1577

Glaube als Voraussetzung der Umkehr und Barmherzigkeit erst als Frucht dieser Umkehr werden so nicht mehr gesehen. Mehr und mehr wandelt sich die Kirche zu einem Verein für Soziales und Folklore (vgl. Reinhard Dörner, S. 47).

Kein Wunder, wenn sich viele abwenden; denn das können andere besser! Ein solcher Verein braucht keine Priester, nur die Kirchensteuer! Wenn Dyba sagte „Alles kommt und geht, die Kirche aber ist geblieben“ (S. 47), meinte er weniger die äußere Erscheinung, die „gruppendynamischen Prozesse“ und Synoden, sondern die „Gemeinschaft der Gläubigen“, die auch in Katakomben überleben kann, wie wir z.B. aus Albanien wissen. Und für diese Gemeinschaft ist uns der Beistand des Heiligen Geistes zugesagt.

Parallelen zwischen Galen und Dyba

„Die Kriegserklärung gegen die Religion“ ist das zentrale Anliegen unserer Zeit (Inge Thürkauf) und der Beitrag zeigt, welcher Personen und Institutionen sich der Satan heute bedient. Erforderlich wären „Streiter Christi mit beispielhaftem Mut“, die man heute in der organisierten Kirche nur noch selten findet. Haben unsere Bischöfe vielleicht mehr Angst vor den Medien als ihre Vorgänger vor Hitlers KZ?

Wie die Bischöfe Kardinal Galen ab 1945 für ihr eigenes Schweigen (S. 46) als Alibi benutzt und auf ein Denkmal in Münster gestellt haben, so wird sich die bischöfliche Gemeinschaft in vielleicht 50 Jahren auf Dyba berufen, wenn eine neue Generation von ihnen verlangt, sich für die Heutigen an die Brust zu schlagen.

Und so vergleicht Reinhard Dörner Erzbischof Dyba mit Kardinal Galen. Beiden ging es um das Leben, von der Zeugung bis zum Tod. Dyba kämpfte gegen die Abtreibung; Galen  –  der dieses Problem nicht hatte –  gegen die Euthanasie. Auch Dyba wusste schon, dass diese auf uns zukommen wird.

Aber es gibt auch andere Gemeinsamkeiten. Galen durfte das Ende der Nazizeit erleben, Dyba den Fall der Mauer, den er so sehr gewünscht hatte (Kirchenrat Sauerzapf, S. 153). Beide starben eines plötzlichen Todes: Galen nach einer Predigt gegen das Verhalten der Siegermächte, Dyba nach Predigten gegen den Zeitgeist.

Kampf um die Jugend

Dass man gezielt der Jugend die „Andockstellen“ des Glaubens schon in der Kita raubt und damit eine glaubenslose Generation züchtet, zeigt der erschreckende Beitrag von Konrad Badenheuer (S. 23). Frau Meves erinnert sich, dass Dyba entsetzt über die „nicht tolerierbaren Auswüchse der Sexualmoral“ in der Jugendarbeit seiner Diözese war. __Erzbischof_Dyba

Auch ich war als ehrenamtlicher Jugendführer (KJG) nach 1968 damit konfrontiert und versuchte, meine Erfahrungen in der Novelle „Steffens letzte Ferien“ in Form einer Erzählung zu verarbeiten. Hierzu wäre ein Beitrag der KPE, welcher Erzbischof Dyba so nahe gestanden hat, wünschenswert gewesen.

Frau Kuby hebt hervor, dass Dyba staatlich tolerierte Störungen des Gottesdienstes erleben musste, wie sie sich in der Nazi-Zeit nicht ereignet haben. Mich entsetzt der Gedanke, dass so manches Predigt-Thema in jenen – Gott sei Dank – vergangenen Tagen (Ehe, Familie, Abtreibung, Homosexualität, radikaler Feminismus) keine staatliche Stelle gestört hätte; heute aber durchaus den Staatsanwalt auf den Plan rufen kann.

Die Befürchtung von Konrad Badenheuer (S. 22) ist real und bedroht nicht nur den predigenden Priester, sondern auch die gläubigen Hörer. Die kürzlich in juristische Mode gekommene „Neuinterpretation des Beihilfebegriffes“ ermöglicht es, alle Gläubige zu belangen, die bei einer neuerdings strafrechtlich relevanten Predigt die Kirche nicht unter Protest verlassen haben.

Unmissverständliches Zeugnis

Pater Groppe SJ erinnert an Dybas Mahnung, dass wir nicht für die Verbrechen der Nazizeit, sondern für unser eigenes Tun und Lassen von heute Rechenschaft abzulegen haben. Lassen wir uns nicht von nachkonziliaren Priestern beruhigen, es gäbe bei Gott kein Gericht! Wir werden nicht dadurch gerechtfertigt, dass wir im Entschuldigungswahn unseren Vorfahren an die Brust schlagen, um damit zu zeigen, was wir für „tolle Christen“ sind.

Nahezu alle Verfasser erwähnen und loben die glasklare Sprache, die den Erzbischof von seinen Mitbrüdern im Bischofsamt unterschied und diese und andere provozierte. Dass seine juristische Kompetenz bei der Berufung wirklich eine Rolle gespielt hat (S. 45), bezweifle ich.

Doch dürfte seine juristische Ausbildung, welche dem Theologiestudium vorangegangen war, zu seiner deutlichen Rede beigetragen haben. Denn als Jurist lernt man, dass die Wortwahl derart eindeutig sein muss, dass verbal keine andere Auslegung möglich ist. Darin unterscheiden sich Juristen von solchen Theologen, die sich gerne so vage ausdrücken, dass ihnen jeder zustimmen und sie niemand greifen kann.

Die Würdigung von Kardinal Lehmann (S. 48) ist für mich eher ein Kompromiss zwischen Anstand und Ehrlichkeit, jene des „Spiegel“ (S. 44) dagegen konsequent und jene von Scharping (S. 75) glaubwürdig. Auch ich hätte gerne gewusst (Konrad Badenheuer, S. 20), was Erzbischof Dyba zu den Fragen unserer Zeit sagen würde. Eines ist sicher: die Linke würde sein Bild nicht auf ihre Wahlplakate kleben.

Ich bewundere Frau Küble, welche sich diese Herkules-Arbeit praktisch allein aufgeladen hat, nicht nur, um den Erzbischof zu ehren, sondern um unverzichtbares Wissen über unsere Zeit für die Zukunft zu erhalten.

[1] Dass es in höchsten Kreisen Leute gibt, die im Konzil eine Zäsur zwischen alter und neuer Kirche sehen, geht deutlich aus der Erwiderung von Uwe C. Lay auf die Schrift von Kardinal Marx „Kirche überlebt“ in „Theologisches“ 11-12/2015 hervor.

Unser Autor Günter Mayer aus Kaiserslautern ist Justizoberamtsrat i.R., Sachbuchautor und Verfasser christlicher Kinder- und Jugendliteratur; außerdem ist er stellv. Vorsitzender des Christoferuswerks, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Erzbischof Johannes Dyba ging als „Löwe von Fulda“ in die Geschichte ein

In der österreichischen Zeitschrift „Vision 2000“ (Nr. 2/2016) erschien eine informative Besprechung des Gedenkbandes „Der Löwe von Fulda“, der im Dezember 2015 im KOMM-MIT-Verlag erschienen ist, um an den glaubensstarken Erzbischof Johannes Dyba aus Fulda zu erinnern.

Die katholische Theologin, Journalistin und Familienmutter Doris de Boer aus Kevelaer verfaßte zu diesem Buch folgenden Beitrag:Unsere PK pro Bischof DYBA (2)

In der Nacht zum 23. Juli 2000 war Erzbischof Johannes Dyba (1929 – 2000) plötzlich verstorben. Die Ordensfrau, die seinen Haushalt machte, fand ihn am frühen Morgen tot im Bett. Die Todesursache ist bis heute unklar.

Eine Woche vorher hatten Homosexuelle vor seinem bischöflichen Haus eine wüste Orgie veranstaltet. Die zum Teil nackt vor dem Bischofshaus tobenden Lesben und Schwulen stießen über Stunden Verwünschungen und Verfluchungen gegen den Fuldaer Erzbischof aus. In Dyba sahen sie ihren am meisten gehassten Gegner, denn er hatte den Mut, sich unerschrocken für die Heiligkeit der Ehe von Mann und Frau einzusetzen.

Der Fuldaer Oberhirte war ein Bischof, wie man ihn sich nur wünschen kann, denn er trat unbeirrbar für die Wahrheit und das Leben ein und ging für Gott und die Kirche keine faulen Kompromisse ein.

Mutig erhob er seine Stimme auch für den Schutz des Lebens, sei es geboren oder ungeboren, behindert oder gesund, alt oder jung. Er ging als „Löwe von Fulda“ in die Geschichte ein und ist heute noch im Herzen vieler Christen unvergessen.

Unter Federführung der Publizistin und Verlagsleiterin Felizitas Küble ist im Münsteraner KOMM-MIT-Verlag anlässlich des 15. Todestages von Erzbischof Johannes Dyba am 23. Juli 2015 ein sehr lesenswerter Erinnerungsband erschienen. Fürs CF verwenden

Der Titel der gut 200 Seiten umfassenden, vierfarbigen Gedenkschrift mit zahlreichen Fotos lautet: „Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten.“

33 namhafte katholische und evangelische Persönlichkeiten aus Kirche, Kultur, Theologie, Kunst, Wissenschaft und Publizistik berichten darin über ihre persönlichen Erinnerungen an den Fuldaer Erzbischof.

So weiß etwa seine Schwester, Barbara Dyba-Roth, zu berichten:

„Ich habe noch nie einen Menschen mit einem so tiefen Glauben kennen gelernt wie meinen Bruder. Es war der sprichwörtlich Berge versetzende Glaube, deshalb konnte er auch den Glauben so klar und furchtlos verkünden. „Gott ist da und er liebt uns“  –  das war sein 7-Worte-Kurzkompendium des Glaubens.

Manchmal konnte dieser Glaube für mich auch etwas seltsame Blüten treiben. Ich bin von Beruf Apothekerin  –  und als ich ihm einmal einen Plan aufstellte, welche Tabletten und Sprays er für Herz und Bronchien nehmen sollte, sah er mich mit seinem entwaffnenden Lächeln an und sagte: „Es heißt: Kein Auge hat es gesehen und kein Ohr hat es gehört, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (vgl. 1 Kor 2,9)  – Und dann komme ich in den Himmel und sehe all diese Herrlichkeit und dann denke ich, wenn ich nun all diese Medikamente von Bärbel nicht genommen hätte, all diese Herrlichkeit hätte ich dann schon 10 Jahre früher haben können.“

Der Leser erfährt viele interessante Episoden aus dem Leben von Erzbischof Dyba, auch von langjährigen Weggefährten, von Mitkämpfern für den Lebensschutz, von Mitbrüdern im priesterlichen oder bischöflichen Dienst. flyerstralsund2

So kommt etwa seine behütete Kindheit in Berlin und Heiligenstadt zur Sprache sowie die regen Gespräche zwischen Vater und Sohn, die dem vierjährigen Dyba bereits den Ehrentitel „Philosoph“ einbrachten. Sie schildern seinen Mut und seine Entschiedenheit in Glaubensfragen, sein tiefes Vertrauen, das dem Bewusstsein seiner Gotteskindschaft entsprang; seine Schlagfertigkeit, seinen Witz und Humor, die ihn zu einem gern gesehenen Gast in Talkshows machten.

Er war ein impulsiver und entschlossener Charakter. Oft sagte er: „Des Teufels liebstes Möbelstück ist die lange Bank!“  –  Vor vielen Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft warnte er, doch oft mit Scherz: „Heute stehen wir am Abgrund, morgen sind wir ein Stück weiter!“ 

Er sah die Krise der Kirche sehr kritisch und forderte oft eine theozentrische Wende. Er sagte: „In der Kirche soll Gott herrschen.“  – Und weiter: „Wir müssen als Kirche zum Wesentlichen unseres Auftrags zurückfinden. Nicht mehr soziale, gesellschaftspolitische, organisatorische Fragen dürfen weiter im Vordergrund stehen. Vor lauter Aktionismus vergessen wir Gott. Wir haben noch nie einen so breiten amtlichen Apparat und gleichzeitig noch nie so wenig Begeisterung in der Kirche gehabt wie gegenwärtig bei uns.“

Immer behielt er einen Blick für die Armen. Vor seiner Bischofsernennung war er Nuntius in Liberia. Dieses Land, das von einem Jahrzehnte langen Bürgerkrieg zerrissen war, hat er oft mit seinem privaten Vermögen unterstützt und auch als Bischof für dieses Land gebettelt.

Sein großes Vorbild in all seinem Kämpfen und Ringen war der heilige Bonifatius. Möge uns dieser große Apostel der Deutschen auch heute Bischöfe vom Format eines Johannes Dyba schenken!

Unterstützungsunterschriften für eine Seligsprechung von Erzbischof Dyba können übrigens online hier abgegeben werden: http://forum-deutscher-katholiken.de/aufruf/

Buch-Daten: Felizitas Küble (Hg.): Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten. 33 Autoren schreiben über Erzbischof Johannes Dyba. Münster 2015. 207 Seiten im Hardcover, ISBN 978-3-921090-98-5