Babys sollten bis zu 2 Jahren gestillt werden

Vom 1. bis zum 7. Oktober findet die Weltstillwoche 2018 statt. Seit 1991 wird sie jährlich in über 120 Ländern begangen. Ihr Motto lautet in diesem Jahr „Stillen – Basis für das Leben“.

Der Deutsche Hebammenverband (DHV) setzt sich dafür ein, dass jedes Kind in Deutschland seinem Bedarf entsprechend gestillt wird. Stillen ist wichtig für die Gesundheit von Kindern und für die Bindung von Mutter und Kind.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt deshalb sechs Monate lang ausschließlich und insgesamt bis zu zwei Jahre zu stillen. In Deutschland ist die Stilldauer jedoch deutlich niedriger als empfohlen.

Wird ein Säugling in den ersten sechs Monaten seines Lebens ausschließlich gestillt, profitiert er gleich in mehrfacher Hinsicht davon. Die Nährstoffe in der Muttermilch tragen zum Wachstum bei, sie beugen Unterernährung vor, fördern die Gehirnentwicklung und verringern das Risiko, zu einem späteren Zeitpunkt übergewichtig zu werden. Das berichtet die WHO.

Zugleich wird dem Kind durch die Muttermilch eine Art erste Impfung verabreicht, indem sie es mit wichtigen Antikörpern versorgt und das Immunsystem stärkt.

Nur wenn Stillen nicht möglich ist, sollten entsprechende Alternativen zur Muttermilch genutzt werden. Denn Muttermilch ist und bleibt die beste Wahl, sie gewährleistet die beste Ernährung für das Kind.

Stillen kann sogar überlebenswichtig sein, erklärt das UN-Kinderhilfswerk UNICEF in einem Bericht. Weltweit sind rund 78 Millionen Babys lebensbedrohlichen Gesundheitsrisiken ausgesetzt, da sie nach der Geburt nicht direkt gestillt werden. Betroffen seien drei von fünf Neugeborenen, die meisten von ihnen in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen.

Weitere Infos zur Weltstillwoche 2018 finden Sie hier: https://www.hebammenverband.de/aktuell/aktionen/weltstillwoche/2018/

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Hebammenverbandes vom 26.9.2018


Studien bestätigen Intelligenzvorsprung von Kindern, die gestillt wurden

Kinder, die in den ersten drei Monaten ausschließlich gestillt wurden, zeigten eine raschere Entwicklung von Myelinscheiden im Gehirn als Kinder, die frühzeitig mit Babynahrung gefüttert wurden. DSC06370

Schon vor 70 Jahren war den US-Forschern Dr. Carolyn Hoefer und Mattie Hardy aus Chicago aufgefallen, dass gestillte Kinder in den ersten Lebensjahren einen Entwicklungsvorsprung haben (JAMA 1929; 92: 615-619). Spätere epidemiologischen Studien bestätigten diese Erkenntnis.

Dr. Jedrychowski von der Jagiellonen-Universität in Krakau hatte an einer Kohortenstudie gezeigt, dass der Intelligenzquotient steigt, wenn die Kinder gestillt werden, wobei der Vorteil mit der Dauer des Stillens zunimmt (bis zu 3,8 Punkte bei mehr als 6 Monate Brustnahrung; European Journal of Pediatrics 2012; 171: 151-8).

In einer anderen betrug der Vorteil sogar 5,9 Punkte für den Gesamt-IQ und 7,5 Punkte für die verbale Intelligenz (Archives of General Psychiatry 2008; 65: 578-584).

Viele Ernährungsexperten sind von dem prinzipiellen Vorteil der Muttermilch und der mit dem Stillen verbundenen emotionalen Bindung für die Hirnentwicklung überzeugt. Dies bestätigte auch eine Untersuchung der Brown University im US-Staat Rhode Island.

Das dortige Advanced Baby Imaging Lab verfügt über einen Kernspintomographen, der so leise ist, dass Säuglinge und Kleinkinder im Schlaf untersucht werden können, was mögliche Artefaktedurch Bewegungen vermeidet. DSC08203

An der jüngsten Untersuchung nahmen 133 Kinder teil. Alle wurden nach einer normalen Schwangerschaft gesund geboren und waren vergleichbar hinsichtlich des sozioökonomischen Hintergrundes.

Die einzigen Unterschiede betrafen die Art der Nahrung in den ersten drei Monaten. Einige Kinder waren voll gestillt worden, bei anderen hatten die Mütter früh begonnen, zuzufüttern und in der dritten Gruppe hatten die Säuglinge ausschließlich Babynahrung erhalten.

Die Auswirkungen waren auf den kernspintomographischen Aufnahmen erkennbar, das die Myelinbildung anzeigt. Myelin ist eine lipidreiche Biomembran, mit der die Axone der Nervenzellen im Gehirn ummantelt sind und die die Nervenleitgeschwindigkeit verbessert. Die Myelinscheiden werden erst nach der Geburt gebildet, die spezielle Zusammensetzung der Muttermilch beeinflusst dies offenbar.

Auf den Bildern, die im Alter der Kinder von 10 Monaten bis vier Jahrenanfertigt wurden, war ein Vorteil der voll gestillten Kinder erkennbar: Die Entwicklung der Myelinscheiden erfolgte zu 20 – 30 % schneller als bei den teilge stillten oder ausschließlich mit Babynahrung gefütterten Kindern.

Auch in den kognitiven Tests, die bei den älteren Kindern durchgeführt wurden, erzielten die gestillten Kinder die besten Ergebnisse.

Fußnoten: Sean C.L. Deonia, Douglas C. Dean III, Irene Piryatinskya, Jonathan O‘Muircheartaigha, Nicole Waskiewicza, Katie Lehmana, Michelle Hana, Holly Dirksa: Breastfeeding and early white matter development: A cross-sectional study. NeuroImage, Volume 82, 15 November 2013, Pages 77–86

Quelle: http://www.vfa-ev.de/fileadmin/Dateien/PDF/Stillen_beschleunigt_die_Entwicklung_von_Myelinscheiden.pdf

Fotos: M. Löhr, CDL


Stillen nach der Geburt rettet weltweit hunderttausende Kinder

„Save the Children“ (Rette die Kinder)  veröffentlicht am 18. Februar 2013 den aktuellen Report „Superfood für Babys  –  Wie Stillen Kinderleben retten kann“.  In dem Bericht wird verdeutlicht, daß 830.000 Babys pro Jahr überleben würden, wenn diese unmittelbar nach Geburt gestillt werden würden. Das sind jährlich 95 Neugeborene pro Stunde.

Wenn Babys innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt gestillt werden, wird ihr Immunsystem durch die Vormilch, das Kolostrum, so gestärkt, dass diese Neugeborenen im Vergleich drei Mal so häufig überleben. Stillen Mütter sechs Monate, sterben Babys in Entwicklungsländern 15 Mal seltener an Lungenentzündung und 11 Mal seltener an Durchfall. DorisBub

Save the Children weist darauf hin, dass die Kindersterblichkeit weiter reduziert werden könnte, wenn mehr Mütter stillen würden. Der Anteil der Mütter, die stillen, stagniert trotz der bekannten Vorteile. In Ostasien und in einigen der bevölkerungsreichsten Länder Afrikas (Äthiopien, Nigeria) ist die Quote sogar rückläufig.

Vor allem kulturelle Hürden, ein gravierender Mangel an Gesundheitspersonal, fehlende Rechtssicherheit für Mütter und Vermarktungsstrategien einiger Hersteller von Muttermilchersatzprodukten behindern das Stillen. Weltweit werden 92 Mio. Kinder unter sechs Monaten  –  also zwei von drei Babys  –  mit künstlicher Nahrung oder mit einer Kombination aus Muttermilch und weiteren Nahrungsmitteln ernährt.

Kathrin Wieland, Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland merkt dazu an: „Obwohl die Vorteile des Stillens vor allem in Industrieländern akzeptiert und anerkannt sind, wird insgesamt zu wenig getan, um Mütter in Entwicklungsländern zum Stillen zu ermutigen und die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Das ist für Neugeborene eine Frage von Leben und Tod.“

Zahlen & Umfragen zum Report: 830.000 Todesfälle könnten vermieden werden, wenn jedes Baby innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt gestillt würde (Analyse Save the Children). 22 Prozent der Todesfälle bei Neugeborenen könnten verhindert werden, wenn diese innerhalb der ersten Stunde nach Geburt gestillt würden. 16 Prozent der Todesfälle könnten vermieden werden, wenn die Babys innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt gestillt würden.

Ein Neugeborenes, das innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt gestillt wird, hat eine dreimal höhere Überlebenschance als ein Kind, das erst ab seinem zweiten Lebenstag gestillt wird. Das Risiko, an Lungenentzündung zu sterben, ist bei nicht gestillten Säuglingen 15 Mal höher als bei Stillkindern. Das Risiko, an Durchfall zu sterben ist 11 Mal höher.

Geschätzte 1,4 Mio. Todesfälle bei Kindern im Jahr 2008 können auf „suboptimales“ Stillen zurückgeführt werden  –  weil die Babys nicht ausschließlich gestillt wurden bzw. nicht bis zum zweiten Lebensjahr gestillt wurden.

Das Geschäft mit Muttermilchersatz-Produkten beläuft sich auf knapp 18,7 Mrd. Euro. Die Babynahrungsindustrie als Ganzes ist auf Wachstumskurs: 31 Prozent Wachstum bis 2015 werden prognostiziert. Asien ist dabei der größte Wachstumsmarkt.

Quelle: Save the Children Deutschland e.V.


Dr. Lars Bode: bahnbrechende Forschungen über Vorzüge der Muttermilch

Was macht Muttermilch so anders als künstliche Babynahrung? Auf welche Art und Weise schützt sie vor Infektionen und Krankheiten?
Seit vielen Jahren untersucht der deutsche Wissenschaftler Dr. Lars Bode an der University of California die komplexen Oligosaccharide der Muttermilch und ihre wichtige Schutzfunktion im Zusammenspiel mit dem Immunsystem des Neugeborenen.
Bode gelang es im Zuge seiner bahnbrechenden Forschung ein einzelnes dieser Oligosaccharide zu isolieren, das gestillte Säuglinge vor der Nekrotisierenden Enterokolotis (NEC) schützt (einer vor allem bei Frühgeborenen auftretenden lebensbedrohlichen Darmentzündung).

Dr. Lars Bode: „Wir sind gerade dabei, einige faszinierende wissenschaftliche Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Muttermilch helfen kann, die Gesundheit eines Säuglings zu bewahren. Wir hoffen, dass unsere Entdeckungen zur Rolle von Oligosacchariden bei der Vorbeugung von NEC vielen Frühgeborenen zugute kommen und Leben retten werden.“

Seine Forschungsergebnisse wird Dr. Lars Bode am 20. und 21. April 2012 bei Medelas 7. Internationalem Still- und Laktationssymposium in Wien vorstellen. Auf dem Symposium werden neueste Forschungsergebnisse in Bezug auf Muttermilch präsentiert, u. a. auch die Entdeckung von pluripotenten Stammzellen in der Muttermilch.

Das Forschungsteam um Lars Bode in La Jolla treibt vor allem folgende Frage an: Humane Milch-Oligosaccharide (kurz HMO) sind komplexe Polysaccharide, die in einer sehr hohen Konzentration in der Muttermilch vorkommen, nicht aber in Milchpulver. Wenn also die Mutter so viel Energie darauf verwendet, diese komplexen Saccharide herzustellen, muß es dafür einen guten Grund geben. Bis jetzt konnten mehr als hundert strukturell unterschiedliche HMOs identifiziert werden. Was nützen die HMOs dem gestillten Kind und wie werden sie in der mütterlichen Brust hergestellt?

Eines der Forschungsprojekte behandelt dabei die Frage, warum vor allem Frühgeborene, die mit künstlicher Babynahrung gefüttert werden, ein sechsmal größeres Risiko haben an NEC zu erkranken, als gestillte Säuglinge.

Nekrotisierende Enterokolitis ist eine lebensbedrohliche Entzündung des Darms, die bei etwa fünf bis zehn Prozent aller frühgeborenen Säuglingen auftritt. Die durchschnittliche Sterberate der Betroffenen liegt bei 25 Prozent.

Die Antwort – so vermuten die Wissenschaftler – könnte in der hohen Konzentration von ungebundenen Oligosacchariden in der Muttermilch liegen, die eine wichtige Funktion im Zusammenspiel mit dem Immunsystem haben und vor NEC schützen.

Quelle: Medele Medizintechnik