2. Teil: Die blasphemischen Erleuchtungen der “Myriam van Nazareth”

In unserem ersten Teil mit dem Titel “Die belgische Visionärin Myriam v. Nazareth” haben wir uns mit dem “mystischen” Werdegang der selbsternannten Seherin befaßt, die vorgibt, seit 15 Jahren Visionen von der Gottesmutter zu erhalten.

Wie man ihren Erleuchtungen auf der Webseite „Myriam van Nazareth“ entnehmen darf, sind die drei göttlichen Personen der hl. Dreifaltigkeit vorwiegend für  jenseitige Vor- und Hilfsarbeiten zuständig; das eigentliche Regiment führt die sog. „Herrin aller Seelen“, wie sich die Erscheinungs-„Madonna“ nicht gerade demutsvoll selbst bezeichnet.

Schon dieser scheinbare Ehrentitel ist theologischer Unsinn, da auch die Verworfenen in der Hölle „Seelen“ sind, deren „Herrin“ die Gottesmutter aber sicherlich nicht ist.

Nun zu einigen „Offenbarungen“ dieses merkwürdigen Erscheinungsphantoms. So heißt es zum Beispiel:

„Jede Seele ist ein Acker. Der Ewige Vater hat den Acker erschaffen und hat ihn mit unterschiedlichen Arten von Saat ausgestattet, die je einen anderen Aspekt der Göttlichen Keimkraft besitzen.

Gottes Sohn Jesus Christus ist die Sonne über dem Acker.

Der Heilige Geist besprüht den Acker mit dem milden Regen der Göttlichen Gnaden und erfüllt die Luft über dem Acker mit dem Atem des Göttlichen Lebens.

Ich bin die himmlische Gärtnerin. Ich besitze die Macht und die Fähigkeit, den Acker zu seiner höchsten Fruchtbarkeit zu führen.

Von der Seele verlange Ich nur eins: dass sie es Mir erlaubt, mit ihr alles zu tun, was Ich will. Ich werde sie umpflügen in den Prüfungen. Ich werde das Unkraut ihrer Untugenden und Schwächen vertilgen. Ich werde ihre Feldgewächse umhüllen mit Meiner Liebe und Meinen Sorgen.

Aber um fruchtbar zu werden, muss sie es Mir erlauben, Tag und Nacht über ihren Boden zu laufen. Unter Meinen Füßen wird sie aufblühen wie ein Lustgarten Gottes. Je mehr Ich ihre Herrin sein kann, umso mehr wird sie zu einer Quelle der Entzückung in den Augen der Engel werden, und Gott wird sie betrachten als Sein Reich.“

Madonna by Bernardo Falconi on the church Mari...

Portal der Kirche "Maria von Nazareth" (Italien)

Diese „Privatoffenbarung“ vom 17.Juni 2008 wirft etliche Fragen auf:

1. Gott-Vater machte immerhin den Anfang, Gott-Sohn bestrahlt den Acker der Seele sonnenhaft, der Heilige Geist sendet „milden Regen“.  –  Aber so richtig aktiv ist einzig und allein die „himmlische Gärtnerin“, besitzt sie doch die „Macht und Fähigkeit“, den Acker (der menschlichen Seelen) zur „höchsten Fruchtbarkeit zu führen“. Da können die drei göttlichen Personen nur noch ins Staunen geraten!

2. Sodann scheint diese „Herrin“ die Seelen gerne zu (zer)treten, heißt es doch: „Aber um fruchtbar zu werden, muss sie (die Seele) es Mir erlauben, Tag und Nacht über ihren Boden zu laufen“, auf daß sie „unter den Füßen“ der Herrin aufblüht wie ein „Lustgarten Gottes“, auf daß der passiv zuschauende Gott  –  wenn die „Herrin“ ihre fruchtbare Arbeit glorreich beendet hat  – schlußendlich hochzufrieden ist.

Genau eine Woche zuvor (also am 10.6.2008) erklärte die Erscheinungs-„Maria“ folgendes:

„Ich bin die Miterlöserin der Menschheit. Das Erlösungswerk Christi ist vollkommen, aber die Erlösung ist in der einzelnen Seele erst dann vollendet, wenn die Seele anerkennt, dass Ich von Gott die Macht erhalten habe, sie aus ihrer Finsternis zu befreien.

Zu dem Zweck muss sie sich Mir völlig hingeben, in totaler und bedingungsloser Weihe, für ein Leben zu Meinen Diensten. Aus diesem Grunde bin Ich die Herrin aller Seelen. Jesus ist die Sonne, Ich trage die Strahlen in den Kern der Seele. Dies ist die Besiegelung des Neuen Bundes zwischen Gott und den Seelen: ohne Mich kann die Seele die richtige Wärme Christi nicht dazu benutzen, die Saat ihrer Heiligung zur Reifung zu bringen.”

Es gibt keine „totale und bedingungslose Weihe“ an Maria, weil die Gottesmutter ein Geschöpf ist und ist keine Göttin – und auch keine selbständige, aus sich selbst wirksame „Miterlöserin“. Eine solche (Irr-)Lehre kennt die Kirche nicht.

Selbst die sehr marianisch geprägte Grignionsche Weihe spricht von einer „Weihe an Christus durch Maria“, wobei die Gottesmutter als Fürsprecherin und Gnadenvermittlerin wirkt.

Doch die Quelle aller Gnaden ist allein unser göttlicher Erlöser, der uns durch sein Opfer am Kreuz das Tor zum Himmel geöffnet hat.

Wer nun meint, diese „Offenbarungen“ an Myriam van Nazareth seien inzwischen vielleicht gemäßigter geworden, irrt sich. Lesen wir hier die Veröffentlichung der Vision von vorgestern, vom 25. März, dem Hochfest der Verkündigung Mariens:

Vorbemerkung der Visionärin Myriam:

Ich sehe Maria als junges Mädchen, in ein strahlendes Licht gehüllt. Ich sehe ebenfalls den hl. Erzengel Gabriel, von einer sanften Glut umgeben. Der Engel liegt tief kniend vor Maria.“

Es gibt in der christlichen Kunst keine einzige Darstellung, das eine „Verkündigung an Maria“ zeigt, wobei der Engel Gabriel „tief kniend“ vor Maria „liegt“.

Auch die Madonna ist keine Göttin, auch keine Halbgöttin, sondern das edelste Geschöpf des Ewigen und „von Gottes Gnaden“; daher wäre jede Anbetung Mariens eine Greueltat bzw. Gotteslästerung.

Nun zur jüngsten Offenbarung der „Herrin aller Seelen“ vom vorigen Sonntag, also noch ziemlich taufrisch; darin heißt es u.a.:

„Du siehst nunmehr deine junge Herrin in Ihrem kleinen Haus in Nazareth, zur Mittagsstunde an diesem stillen Frühlingstag. Siehe die sonnenüberflutete Landschaft, die Blüten in Meinem Garten.

Zum Zeitpunkt, den du hier bezeugst, vollzieht Gott an Mir den höchsten Grad der mystischen Vermählung. Gabriel zu Meinen Füβen, liegt kniend und betet das gröβte Werk an, das sein und Mein Gott je vollbracht hat: eine Verschmelzung zwischen Gott und einem Geschöpf im höchsten Grade je von erschaffenen Augen gesehen.“

Auch diese Vision ist gotteslästerlich, da hier behauptet wird, der Engel Gabriel bete eine angebliche „mystische Vermähung“ an, eine „Verschmelzung zwischen Gott und einem Geschöpf im höchsten Grade“.   – In Wirklichkeit kann es eine solche „Verschmelzung“ nie geben, da der Seins-Unterschied zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen wesentlich und unüberwindlich ist.

Auch beim nächsten Satz entsteht der Eindruck, als bete der Engel des HERRN die Madonna an:

„Gerade habe Ich dem Erzengel Mein Ja-Wort gegeben, das er in tiefer Anbetung in Gottes Herzen hinterlegt hat. Betrachte Mich tief. Siehe das Licht, von dem Mein ganzes Wesen durchdrungen ist.“

So zieht sich dieser selbstverliebte Göttinnen-Sermon ellenlang weiter hin  – und klar ist eines: hier wird unter dem täuschenden Gewande einer vermeintlichen „Marienverehrung“ die Anbetung einer Göttin vorbereitet – und damit ein „anderes Evangelium“ verkündet.

Schließen wir diesen Artikel mit der zeitlos gültigen Mahnung des hl. Apostels Paulus (Gal 1,6-8):

„Mich wundert, daß ihr euch so bald abwenden laßt von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, hin zu einem anderen Evangelium, obwohl es kein anderes gibt, außer daß etliche Leute euch verwirren und das Evangelium Christi verfälschen wollen.   

Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkünden würden als das, was wir euch gepredigt haben: verflucht sei er!  – Wie wir jetzt gesagt haben, so sagen wir abermals: Wenn jemand euch ein anderes Evangelium predigt als das, was ihr empfangen habt, der sei verflucht!“  

Ist das klar genug?

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster