Mainz: Mediziner laden am 5. Juli 2017 zum Vortrag über die hl. Hildegard von Bingen

Medizinische Gesellschaft in der Reihe „Starke Köpfe“

Mit einem Abend über Hildegard von Bingen (1098 – 1179) als eine der bedeutendsten Frauen des Hochmittelalters setzt die Medizinische Gesellschaft Mainz am Mittwoch, 5. Juli, ihre Vortragsreihe „Starke Köpfe“ fort.

Über die Benediktinerin, Äbtissin und Universalgelehrte berichtet Univ.-Prof. Dr. Dr. Ortrun Riha vom Karl-Sudhoff-Institut für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften der Universität Leipzig.

Moderatorin des Abends ist Univ.-Prof. Dr. phil. Mechthild Dreyer, Vizepräsidentin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Der Themenabend findet statt am Mittwoch, 5. Juli 2017, um 19.15 Uhr im Hörsaal Chirurgie (Gebäude 505H) der Universitätsmedizin Mainz (Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz). Interessierte sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Dazu schreibt die Medizinische Gesellschaft:

„Hildegard von Bingen war eine vielseitig begabte Persönlichkeit, deren Wirken unter Aspekten wie Mystik, Theologie, Musik, Politik, Frauengeschichte und vielen anderen Themenfeldern gewürdigt werden könnte und müsste.

Für die Medizin wurde die Benediktinerin beispielsweise bereits zu Lebzeiten bedeutend, weil sie das damalige Wissen über Krankheiten und Pflanzen zusammenbrachte. Die zentrale Grundvoraussetzung für die Gesundheit besteht nach dem Verständnis von Hildegard von Bingen in der Einheit von Leib, Seele und der Sinne. Viele der von ihr formulierten Heil- und Lebensprinzipien haben auch heute noch Bestand.“

Der Vortrag im Rahmen von „Starke Köpfe“ handelt von Hildegards Menschenbild und ihrer darauf basierenden Heilkunde. Zentral sind hierbei ihre beiden Schriften „Ursprung und Behandlung der Krankheiten“ (Causae et curae) sowie die „Naturkunde“ (Physica).

Die Expertin des Abends, Univ.-Prof. Dr. Dr. Ortrun Riha, ordnet das Leben und Wirken von Hildegard von Bingen in den mittelalterlichen medizinhistorischen Kontext ein und charakterisiert sie in ihrer speziellen Originalität durch den Vergleich mit dem damaligen „Mainstream“.

Zudem informiert Professorin Riha über moderne Rezeptionsformen der auch heute noch beliebten „Hildegard-Medizin“ und „Hildegard-Küche“ und stellt diese den Originalvorlagen gegenüber.

Kontakt
Univ.-Prof. Dr. med. Theodor Junginger, Vorsitzender der Medizinischen Gesellschaft Mainz e.V.
Telefon: 06131 17-4168, Fax: 06131 17-5516, E-Mail: junginger@uni-mainz.de

Die Medizinische Gesellschaft Mainz e.V.
Die Medizinische Gesellschaft Mainz e.V. ist ein Verein zur Förderung und Verbreitung medizinwissenschaftlicher Erkenntnisse. Nicht nur Ärzte, sondern auch interessierte Bürgerinnen und Bürger sollen über aktuelle medizinische Themen durch Vorträge informiert werden. Mehr Infos zu den Veranstaltungen und das Programm der Gesellschaft finden Sie im Internet unter: http://www.mg-mainz.de/aktuelles.html

 


Privatoffenbarungen sind weder eine Basis noch ein Stützpfeiler des Glaubens

Von Felizitas Küble

Wie Radio Vatikan kürzlich mitteilte, hat Papst Franziskus den polnischen Erzbischof von Warschau, Henryk Hoser, zu seinem Sonderbeauftragten für den umstrittenen Erscheinungsort Medjugorje ernannt.

Papst Franziskus, so heißt es weiter, wolle auf diesem Wege Genaueres über die pastorale Situation und die Bedürfnisse der Pilger erfahren.Foto Michaela Koller

In Medjugorje soll nach Seherangaben seit über 35 Jahren die Gottesmutter erscheinen, einigen Visionären sogar täglich. Die zuständigen Ortsbischöfe von Mostar (zunächt Zanic, dann sein Nachfolger Peric) äußern sich ablehnend über die Echtheit der Phänomene, die jugoslawische Bischofskonferenz gab sich in den 80er Jahren mehrfach zurückhaltend-distanziert  —  und der Vatikan errichtete eine Untersuchungskommission, die der Glaubenskongregation zuarbeitet, weil dieses Gremium (nach dem jeweiligen Diözesanbischof) für die Beurteilung von Privatoffenbarungen zuständig ist.

Doch welchen Stellenwert haben kirchlich genehmigte Erscheinungen in der katholischen Kirche?

Warum spricht man von ‪„Privatoffenbarungen“, obwohl sich viele Botschaften nicht nur an einzelne Personen oder Zielgruppen richten, sondern an die ganze Kirche, so etwa in Lourdes oder Fatima?

Der Ausdruck ‪„Privatoffenbarungen“ bezieht sich nicht auf den jeweiligen Empfängerkreis, sondern auf die geringe Verbindlichkeit von Erscheinungen im Vergleich zur amtlichen bzw. ‪„öffentlichen“ Offenbarung.

Bibel und Tradition bezeugen die Offenbarung Gottes

Darunter versteht die kath. Kirche die Offenbarung Gottes, die in der Heiligen Schrift und der apostolischen Tradition bezeugt wird. Über die Reinerhaltung und Bewahrung dieser Offenbarung Gottes wacht das kirchliche Lehramt. Der katholische Glaube beruht gleichsam auf einem einzigen Fundament (Offenbarung Gottes), zwei Säulen (Bnikolausibel, Überlieferung) und einem schützenden Dach, dem Lehramt der Kirche.

Privatoffenbarungen sind weder eine Basis noch ein Stützpfeiler des Glaubens, denn die göttliche Offenbarung ist laut katholischer Lehre mit dem Tod des letzten Apostels bzw. dem Ende der apostolischen Zeit abgeschlossen.

Es handelt sich bei dieser Aussage um ein Axiom, also eine Denkvoraussetzung und Grundlegung für weitere Lehrsätze. Erscheinungen und Visionen sind daher nicht verbindlich für die Gläubigen, auch dann nicht, wenn sie die kirchliche Approbation erhalten haben.

Approbation bedeutet Genehmigung oder Erlaubnis

Der deutsche Begriff ‪„Anerkennung‪“ wirkt etwas mißverständlich, weil er leicht den Eindruck erwecken könnte, als würde die Kirche mit einer ‪„Anerkennung“ die übernatürliche Herkunft der betreffenden Privatoffenbarung bestätigen. Das tut sie aber keineswegs. Vielmehr geht es bei einer Approbation — also einer Erlaubnis, Genehmigung, Billigung — um die Feststellung, daß der Inhalt jener ‪„Botschaft‪“ nicht dem Glauben der Kirche widerspricht, weshalb es dem Katholiken ‪„gestattet“ ist, dem Geschehen seine Zustimmung zu schenken.

Freilich soll dies ohne jeden Fanatismus geschehen, weshalb Papst em. Benedikt das Kirchenvolk in seinem Apostolischen Schreiben ‪„Verbum Domini“ ermahnte, einen solchen Glauben in einer ‪„klugen Weise“ auszuüben, denn auch eine kirchlich genehmigte Erscheinung ist kein ‪„fünftes Evangelium“.

Foto: Radio VatikanZudem heißt es in ‪„Verbum Domini“ grundsätzlich über die göttliche Offenbarung:

„Der Wert der Privatoffenbarungen ist wesentlich unterschieden von der einer öffentlichen Offenbarung: Diese fordert unseren Glauben an, denn in ihr spricht durch Menschenworte und durch die Vermittlung der lebendigen Gemeinschaft der Kirche hindurch Gott selbst zu uns….Die Privatoffenbarung ist eine Hilfe zu diesem Glauben, und sie erweist sich gerade dadurch als glaubwürdig, dass sie auf die eine öffentliche Offenbarung verweist…Eine Privatoffenbarung kann neue Akzente setzen, neue Weisen der Frömmigkeit herausstellen oder alte vertiefen.“

Papst Benedikt erklärte in seinem Apostolischen Schreiben ebenfalls, was eine Approbation wirklich beinhaltet:

„Die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung zeigt daher im wesentlichen an, dass die entsprechende Botschaft nichts enthält, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und den Gläubigen ist es gestattet, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken.“

„Nichts anderes als eine Erlaubnis zur Veröffentlichung“

Diesen bewährten kirchlichen Standpunkt erwähnte bereits Kardinal Prosper Lambertini, der spätere Papst Benedikt XIV., in seinem 1734 – 1738 erschienenen Klassiker über die Selig- und Heiligsprechungen:media-377708-2

„Man muss wissen, dass diese Billigung (von Visionen und Offenbarungen) nichts anderes ist als eine Erlaubnis …, sie nach reiflicher Überprüfung zu Belehrung und Nutzen der Gläubigen zu veröffentlichen.‪“

Im Unterschied zu den unfehlbaren „Offenbarungen, wie sie den Aposteln und Propheten zuteil wurden“, besitzen die späteren, von der Kirche genehmigten Privatoffenbarungen lediglich einen Wahrscheinlichkeits-Charakter.

Der katholische Dogmatiker Prof. Dr. Joseph Schumacher (siehe Foto) erläutert ebenfalls, daß Privatoffenbarungen von der Kirche ‪„niemals als Gegenstand allgemeiner Glaubenspflicht‪“ vorgelegt werden.

Keine Glaubensverpflichtung für Katholiken

Ihre kirchliche Approbation besage nur, dass in den Botschaften nichts zu finden ist, was dem Glauben und der Sitte widerspreche, daß sie daher veröffentlicht und geglaubt werden dürfen; ihre übernatürliche Verursachung wird nicht sicher gelehrt, sondern vernünftigerweise („fide humana“) angenommen, schreibt der Freiburger Theologe Joseph-Schumacherdazu.

Er fährt fort: ‪„Die Approbation gehört nicht in den Bereich des Lehramtes, sondern des Hirtenamtes. Daher sind auch approbierte Privatoffenbarungen für die Gläubigen nicht verpflichtend. Die Kirche könnte sie gar nicht verpflichtend machen, selbst wenn sie es wollte, denn ihre Unfehlbarkeit bezieht sich nur auf die Bewahrung und Interpretation der öffentlichen Offenbarung.“

Aus diesem Grunde ist es Katholiken gestattet, kirchlich ‪„anerkannte“  bzw. approbierte Erscheinungen sachkritisch zu bewerten, freilich soll dies ohne Polemik erfolgen. Prof. Schumacher dazu: ‪„Maßvolle Kritik an den Privatoffenbarungen und ihre begründete Ablehnung sind möglich und durchaus mit dem Glauben zu vereinbaren, wenn sie nur mit der gebotenen Bescheidenheit, vernünftig und ohne Mißachtung vorgetragen werden.“

Weitere ausführliche Hinweise zu diesem Themenfeld bietet Joseph Schumacher in seiner Neuerscheinung ‪„Die Mystik im Christentum und in den nichtchristilchen Religionen“ (Patrimonium-Verlag 2016).

Erstveröffentlichung des Artikels durch die internationale katholische Nachrichtenagentur ZENIT: https://de.zenit.org/articles/welchen-stellenwert-haben-privatoffenbarungen-in-der-katholischen-kirche/


Erhielt Prof. Albert Drexel einst wirklich „Botschaften“ von Christus?

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten werden in traditionsbewegten Kreisen die Bücher von Prof. Dr. Albert Drexel (1889 – 1977) verbreitet.

Der katholische Priester, Völkerkundler und Theologe aus Hohenems im österreichischen Vorarlberg hat nicht nur Sachbücher veröffentlicht, sondern erhielt Anfang der 70er Jahre  –  eigenen Angaben zufolge  –  auch direkte übernatürliche Einsprechungen von Christus selbst.  christus

Angeblich erklärte der HERR dem Professor in den Jahren 1970 bis 1972 in nächtlichen Freitags-Visionen, wie es in Kirche und Welt zugeht und wo der Schlüssel zur Lösung der Probleme liegt.

Die erscheinungsbeflissene Zeitschrift „Mystik“ (Nr. 1/2009), die der Lippstädter Journalist Claus P. Clausen herausbrachte, war wie so oft des Lobes voll: „Drexel war ein glaubenstreuer Priester und Prophet.“ 

Das theologisch unterbelichtete Blatt bevorzugte „himmlische“ Panik-Botschaften über den bevorstehenden Weltuntergang und setzte sich besonders stark für das seinerzeit kirchlich gemaßregelte „Engelwerk“ und die vom Vatikan abgelehnten „Marienerscheinungen“ von Heroldsbach ein.

Im Rahmen seines Artikels über Drexels Visionen schreibt Clausen: „Das Werk der hl. Engel geht auf Gott zurück.“ –  Wenn das so einfach ist, erübrigen sich freilich alle innerkirchlichen Debatten von selbst…

Das Engelwerk „rettet“ die Kirche…

Sodann zitiert die Zeitschrift eine Vision Drexels vom 7.8.1970 mit angeblichen folgenden „Worten des Heilands“: Marienstatt-DSC_0111-3

„Ich habe zu dir von den heiligen Engeln gesprochen und sage dir, dieses Werk ist ein Werk der Vorsehung Meines himmlischen Vaters und ein Werk für die Rettung der Kirche Roms in der gegenwärtigen und kommenden schweren Verwüstung, Unruhe und Zerstörung.

Von Priestern, den geweihten Dienern und Hirten der Kirche, ist das Unheil in der Kirche ausgegangen, durch Priester, die diesem Werke ausdrücklich oder innerlich angehören, wird die Kirche gerettet.“

Zweifellos eine eindeutige Ansage, schwarz und weiß sind klar getrennt, Schafe und Böcke geschieden: Von Geistlichen ist „das Unheil“ ausgegangen, durch Engelwerkspriester wird „die Kirche gerettet“.

Obwohl die Kirche sich ablehnend über die Privatoffenbarungen der Engelwerks-Gründerin M. Bitterlich äußerte, erfahren wir nun, daß es sich hierbei um ein Werk des Himmels handelt.

Auch Maria von Agredas Visionen sind „von oben“…

Aber auch die kirchlich ebenfalls nicht anerkannten Marienvisionen der spanischen Nonne Maria von Agreda sind ein Werk der „Vorsehung“, wie wir der „Botschaft des Heilands“ vom 4.12.1970 entnehmen dürfen:
media-377708-2
 „Darum war die Vorsehung des himmlischen Vaters am Werke, als sie die Bücher der Offenbarungen an Meine heilige Tochter Maria zu Agreda zur Verherrlichung der heiligsten Jungfrau neu erstehen ließ und dazu Menschen als Helfer wählte.“

Zugleich bieten die „Botschaften“ an Drexel die in diesem Spektrum übliche Mischung aus „Zuckerbrot und Peitsche“, Panik-Offenbarungen wechseln sich mit Endzeitschwärmereien, so zB. bei der im „Mystik“-Heft zitierten Vision vom 1.1.1970:

„Es wird eine Zeit der Finsternis und zugleich eine Zeit der Leuchtens sein. Während die Saat der Bösen und der Gottlosen in Verderbnis enden wird, wird die Saat der Gläubigen zu einer reineren und schöneren Kirche erblühen.“

Kirche steckte in „schwerster Prüfung aller Zeiten“

Clausens zweite Publikation, der wöchentlich erschienene „Schwarze Brief“, brachte mit seiner Nr. 2/2009 ein „Sonderblatt“ heraus. Dort werden die angeblich himmlischen „Botschaften“ an Prof. Drexel weiter dokumentiert.

So heißt es zB. bei den „Worten des Heilands“ vom 5.5.1972, der Visionär erhalte „besondere Gnaden“ um seiner „Aufgabe“ willen vom allwissenden Gott für diese Zeit, „in der Meine heilige Kirche der schwersten Heimsuchung und Prüfung aller Zeiten ausgesetzt“ sei.
0022

Warum, so fragt man sich, soll jene Phase Anfang der 70er Jahre für die Kirche die schlimmste „aller Zeiten“ gewesen sein?!

Aber je dunkler die Zeit, desto heller leuchtet des Sehers Werk, klar doch: „Für diese böseste, gefährlichste und verworrenste Zeit war dein Leben und deine Aufgabe vorgesehen.“   –  Auch das vom Visionär zu schreibende Glaubensbuch ist natürlich das, so wörtlich, „notwendigste Buch für jetzt und die Zukunft“, wie es in der „Botschaft“ vom 7. Juli 1972 heißt.

Die Drexel-Visionen erfreuen sich im traditionellen Lager großer Zustimmung, obwohl dort z.B. unter dem vorhin erwähnten Datum davon die Rede ist, die „eigenen Söhne der Kirche“ seien unter „Satans Eingebung“ darauf erpicht, „den Geist des großen Konzils zu verfälschen“.   – Das 2. Vatikanum und sein „Geist“ wird sonst in diesen Kreisen mitnichten als „groß“ eingeschätzt.

Falschbehauptung: „Priester verlassen ihre Weihe“

Theologisch völlig falsch ist das vermeintliche Jesuswort an Prof. Drexel vom 4.8.1972:DSC_0722-2-3

„Während mein Sohn Paulus“ (gemeint ist Papt Paul VI.) in Tränen und in Schweiß um die Rettung der Kirche ringt und in unsagbarem Schmerz täglich Kenntnis von den Priestern bekommt, die ihre Herde, ihre Weihe und ihr Amt verlassen…“

Kein Priester, selbst wenn er komplett vom Glauben abfallen oder gar zu einer Satanssekte überwechseln würde, kann seine WEIHE verlassen, weil das Sakrament der Priesterweihe dem Empfänger bekanntlich ein unauslöschliches Merkmal einprägt. Gerade weil Drexel selber Priester war, hätte er dies genau wissen müssen.

Daher kann ein Priester zwar sein „Amt“, aber nicht seine Weihe verlassen. Allein schon wegen dieser theologisch offensichtlich falschen Aussage können die Drexel-Botschaften nicht von Christus stammen, da ER die Wahrheit selber ist!


Kurze theologische Antworten zum Problemfeld der sog. Privatoffenbarungen

Erscheinungen, Botschaften, Visionen, Prophezeiungen: wie soll man unterscheiden, was von Gott kommt, was nicht?

Hier folgen einige Antworten von Theologen und Mystikern auf oft gestellte Fragen:

„Man verschließe den Verstand gegen jede Offenbarung und halte sich schlicht an die Lehre der Kirche und ihren Glauben“.  – Warum sagt das der hl. Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz? mtcarmelpic1

Pater Bonifatius Günther: Dies gilt besonders für jeden Mystiker, für ihn also noch mehr als für den einfachen Gläubigen, weil für ihn größere Gefahren bestehen. Nicht seine mystischen Erlebnisse, sondern sein kindlicher und lebendiger Glaube rettet seine Seele und führt ihn zur Vollkommenheit.

Gibt es Menschen, die besonders anfällig sind für falsche Mystik?

B. Günther: Auf die falsche Mystik fallen besonders gute Priester und fromme Seelen herein. Sie wissen um die außergewöhnlichen Dinge bei den Heiligen, welche von manchen Biographen zu sehr in den Vordergrund gerückt werden. Dies führt dann zur Überschätzung der mystischen Phänomene… Die Seele öffnet dadurch, daß sie nach außergewöhnlichen Dingen Verlangen trägt, dem Teufel Tür und Tor, so daß er sie mit ähnlichen Erscheinungen hintergehen kann.

Sind Privatoffenbarungen eher eine Gefahr für den Menschen?

Pater August Poulain SJ: Kommen sie nicht von Gott – der Fall ist viel häufiger und man erlangt darüber nur schwer Klarheit – so begibt man sich auf sehr gefährliche Wege. Daraus folgt, daß Offenbarungen im allgemeinen eine Gefahr für den Menschen sind. 131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Welche Autorität haben Privatoffenbarungen?

A. Poulain: Sie haben den Wert des Zeugnisses der Person, welche sie berichtet, nicht mehr und nicht weniger. Diese Person ist aber niemals unfehlbar.

Nun gibt es eine Reihe kirchlich gebilligter Privatoffenbarungen. Was bedeuten sie für uns?

A. Poulain: Die Kirche verpflichtet nie, an Privatoffenbarungen, die Heiligen zuteil wurden, zu glauben. Auch dann nicht, wenn sie dieselben bestätigt (approbiert). Durch diese ihre Bestätigung erklärt sie bloß, daß in ihnen sich nichts gegen den Glauben und die guten Sitten findet, und daß man sie ohne Gefahr, ja sogar mit Nutzen lesen kann..

Hat manchmal auch der Teufel seine Hand im Spiel?

Hl. Franz von Sales: Es kann auch der böse Feind den Verstand in Ekstase versetzen und entrücken; er kann ihm so wunderbare Einsichten geben, daß sie ihn über die menschlichen Kräfte erheben und in Schwebe halten. Er kann auch durch solche Klarheiten dem Willen eine Art eitler, weichlicher, schwächlicher und unvollkommener Liebe geben… 

Was bezweckt der böse Feind damit? Bsp-7

Hl. Franz von Sales: Er tut das, um Gott nachzuäffen, Seelen in die Irre zu führen, Schwachen Ärgernis zu geben und einen Geist des Lichtes vorzutäuschen… Sieht man also einen Menschen, der im Gebet entrückt ist, so daß er über sich hinaustritt und sich zu Gott erhebt, aber kein Gott hingegebenes, höheres Leben führt, seine weltlichen Lüste nicht überwindet, seine naturhaften Willensäußerungen und Neigungen nicht abtötet durch innerliche Güte, Einfachheit, Demut und besonders andauernde Liebe, glaube mir, dann sind diese Entrückungen sehr zweifelhaft und gefährlich.

Stimmt es, daß auch Heilige sich in ihren Offenbarungen und Visionen geirrt haben?

A. Poulain: Der hl. Vincenz Ferrer (1398-1419) predigte die letzten 21 Jahre seines Lebens, daß das Jüngste Gericht nahe bevorstehe. Er wisse das aus einer klaren Offenbarung, und zum Beweise dafür wirkte er überall Wunder. Unter vielen anderen erweckte er zu Salamanca 1412 eine Frau vom Tode, welche man gerade zum Friedhof trug, und welche dann seine Worte bestätigte. Und doch ging diese so gut beglaubigte Weissagung nicht in Erfüllung…

Woher kommt der populäre Hang zu falscher Mystik?

Sel. Kardinal Henry Newmann: Das große Übel, von dem ich spreche (der populäre Hang zu abergläubischer Wahrsagerei und Zukunftsprophezeiungen), entsteht infolge der Vernachlässigung der Heiligen Schrift… Aber große Erbauung und Segen kommt von der Lektüre der biblischen Verheißungen…Christus kennen heißt die Hl. Schrift kennen. Das ist ein Anker.

Quelle und vollständige Zitatenlese hier: http://www.vision2000.at/index/?article=154027_24

.
Gehören Privatoffenbarungen zur amtlichen Verkündigung der Kirche?
 .
Guido Becker: Der öffentlichen Offenbarung, die nach der Lehre der Kirche mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist, können Privatoffenbarungen nichts neues an Glaubensinhalten hinzufügen. Privatoffenbarungen sind auch nicht Gegenstand der kirchlichen Lehrverkündigung.
Die kirchliche Anerkennung ihrer Echtheit im Einzelfall besagt nur, dass darin nichts enthalten ist, was gegen den Glauben und die Sitten verstösst. Die Kirche übernimmt, wenn sie Privatoffenbarungen anerkennt, auch nicht die Garantie für den göttlichen Ursprung derselben.
Die Zustimmung des einzelnen Gläubigen zu Privatoffenbarungen kann darum nur mit menschlich-natürlichem Glauben erfolgen und nicht mit übernatürlichem Heilsglauben.
 .
Quelle: „Theologisches“ vom Jan. 2002, S. 22 (http://www.theologisches.net/files/32_Nr.1.pdf)

Theresia von Avila warnt vor dem Wunsch nach „außergewöhnlichen Gnaden“

Die Ordensreformerin und heiliggesprochene Kirchenlehrerin Theresia von Avila hat eindringlich davor gewarnt, sich nach besonderen Charismen bzw. Gnadengaben Gottes zu sehnen. Das Verlangen danach hält sie für eine gefährliche Versuchung. 

Hierzu folgender Auszug aus ihrem Buch „Innere Burg“  (9. Kap., Abschnitte 14-16; vgl. auch Kap. 8), wobei sie sich vor allem an ihre Ordensschwestern wendet:

„Ich will euch sehr darauf hinweisen, dass ihr Gott niemals darum bitten noch von ihm wünschen solltet, euch auf diesem Weg zu führen, falls ihr erfahrt oder hört, dass Gott den Seelen diese (besonderen) Gnaden erweist.  PAX

Auch wenn dieser Weg euch genau richtig vorkommen mag, und man ihn auch hochachten und in Ehren halten soll, so ist das aus folgenden Gründen doch nicht angebracht:

Erstens, weil es ein Mangel an Demut wäre, wenn ihr wolltet, dass euch gegeben wird, was ihr niemals verdient habt, und von daher glaube ich, dass wer immer sich das wünscht, nicht viel davon hat.(…) Denn wie wird einer, der solche Gedanken hegt, in Wahrheit erkennen, dass ihm eine sehr große Gnade schon dadurch zuteil wird, da er nicht in der Hölle gehalten wird?

Zweitens, weil es ganz sicher ist, dass er sich einem Betrug oder doch großer Gefahr aussetzte, da der Böse nicht mehr braucht als nur eine kleine Tür offen zu sehen, um uns tausenderlei Dinge vorzugaukeln.

Drittens, die eigene Einbildung, also die Person selbst, bringt sich, wenn ein starker Wunsch da ist, in ihrem Erkennen so weit, dass sie sieht und hört, was sie sich wünscht, genauso wie es denen, die tagsüber mit Lust auf etwas umhergehen und viel daran denken, passiert, dass es ihnen im Traum unterkommt.

Viertens ist es eine große Dreistigkeit, wenn ich den Weg wählen wollte, ohne zu wissen, welcher mir mehr zusagt, statt es dem HERRN  – der mich ja kennt  –  zu überlassen, mich auf dem, der zu mir passt, zu führen, damit ich in allem seinen Willen tue.

Meint ihr vielleicht, fünftens, dass diejenigen, denen der HERR solche Gnaden erweist, nur wenige Prüfungen zu erleiden hätten? Nein, riesengroße und von vielerlei Art! Was wisst ihr, ob ihr fähig seid, sie zu ertragen?

Sechstens, dass ihr nicht durch eben das, wodurch ihr zu gewinnen meint, verliert wie Saul, obwohl er König war (1 Sam 15,10f.).

Glaubt mir, Schwestern, dass es am sichersten ist, nur zu wollen, was Gott will, der uns besser kennt als wir selbst und uns liebt. Geben wir uns in seine Hände, damit sein Wille an uns geschehe, und wir werden nicht irren können, wenn wir mit entschlossenem Willen uns immer daran halten.

Ihr solltet auch bedenken, dass man deshalb, weil man viele solcher Gnaden empfangen hat, keine größere Herrlichkeit verdient, denn dafür ist man mehr verpflichtet zu dienen, weil man ja mehr empfängt.“

Quelle http://invenimus.blogspot.de/2014/03/uber-den-wunsch-nach-besonderen-gnaden.html?m=1

 


Bibelbund-Vorsitzender äußert sich kritisch zu himmlischen „Botschaften“ an Sarah Young

Sehnsucht nach dem „heißen Draht“ kann in die Irre führen

Die evangelische Erfolgs-Autorin und Philosophin Sarah Young aus Perth in Australien behauptet in ihren Büchern, Einsprechungen  bzw. direkt „Offenbarungen“ von Jesus Christus persönlich erhalten zu haben. In der aktuellen christlichen Bestsellerliste in Deutschland ist sie gleich mit zwei Andachtsbüchern auf den Plätzen 1 und 8 vertreten.

Der Vorsitzende des Bibelbundes,  der Theologe Michael Kotsch, erklärt hierzu im evangelikalen Magazin IDEA-Spektrum, Gott habe sich „ein für alle Mal klar und deutlich in der Bibel ausgedrückt“. Wenn Christen der Ansicht seien, sie hätten Gottes Stimme gehört, stünden häufig „Machtinteressen und Geltungssucht“ dahinter. kt2012-p1110153

Hierzu erläutert der evangelikale Theologe:

„In einer maßlosen Selbstüberschätzung meinen heute viele Christen, jede innere oder äußere Stimme stamme von Gott. Vielfach hat man verlernt, seine eigenen Hoffnungen, Wünsche, Ängste, Sympathien und Assoziationen von Gottes Mitteilungen zu unterscheiden.“

Damit würden „die eindeutigen Mitteilungen Gottes in der Bibel entwertet, weil ihre Glaubwürdigkeit auf dieselbe Stufe gestellt wird wie die Spekulationen offenbarungshungriger Christen“.

Kotsch zeigt Verständnis für den Wunsch, „einen heißen Draht direkt zu Gott zu haben“. Doch sollte es zu denken geben, wenn eine solche Informationsdichte wie heute in der Bibel nicht vorkomme.

In der Bibel hätten selbst die großen Propheten und Apostel „relativ selten direkte Mitteilungen Gottes“ erhalten. Und wenn, habe es sich „nicht um private Entscheidungshilfen, sondern um Wegweisung für das ganze Volk Israel oder die gesamte Gemeinde gehandelt“.

Quelle: http://www.idea.de

Konkrete INFOS über die Problematik der Youngschen „Himmelsbotschaften“ siehe hier  –  aus biblisch-evangelikaler Sicht: http://distomos.blogspot.de/2012/01/sarah-young-jesus-ruft-dich.html

Aufschlußreich ist allein schon die Tatsache, daß Sarah Young  – eigenen Angaben zufolge  –  das „automatische Schreiben“ praktiziert, das ansonsten aus dem Okkultismus, dem Spiritismus und der Esoterik bekannt ist.


Der hl. Paulus und seine übernatürliche Erfahrung der Herrlichkeit Gottes

Vergleich zwischen dem Apostel und falschmystischen „Botschaften“

In der heutigen liturgischen Lesung der kath. Kirche geht es um das in 2 Kor 12,1-10 berichtete Himmelserlebnis des Apostels Paulus. Dabei ist allein schon die Tatsache aufschlußreich, daß sich der hl. Paulus nach 14 Jahren zum ersten Mal schriftlich über diese seine übernatürliche Erfahrung äußert.

Wenn heute Leute glauben, sie seien einer „mystischen“ Erfahrung gewürdigt worden, liest man dies oft schon kurz danach in epischer Breite in Broschüren oder Internetbeiträgen. 

Dr. Bernd F. Pelz

Dr. Bernd F. Pelz

Ganz anders hingegen der Völkerapostel in seinem 2. Brief an die Korinther:

Diese Gemeinde, die Paulus oftmals Sorgen bereite, bildete sich viel auf ihre „Geisterfülltheit“ und ihre „charismatischen“ Gaben ein; manche Gläubige fühlten sich gar „erhaben“ über Paulus und den anderen Sendboten Christi.

Dies war der Anlaß dafür, daß der Apostel sein Erlebnis überhaupt anspricht, wobei er seine Schilderung zurückhaltend in dritter Person formuliert.

Dabei betont er, daß er sich allenfalls seiner „Schwachheit“ rühmen wolle; zudem habe Gott zugelassen, daß ihm ein „Stachel ins Fleisch“ gestoßen wurde, damit er sich wegen der „einzigartigen Offenbarung“, die er erlebte, nicht überhebe. Sein dreimaliges Gebet, von diesem „Stachel“ (wir wissen nicht, worin dieser bestand) befreit zu werden, wurde nicht erhört; vielmehr antwortete ihm der Ewige: „Laß Dir an meiner Gnade genügen“.  – Denn gerade in der menschlichen Schwachheit erweist die göttliche Gnade ihre wirkliche Kraft.

Vergleichen wir diese wahre Gotteserfahrung des heiligen Paulus mit den angeblichen „Himmelsbotschaften“ von vermeintlich „begnadeten“ Sehern und „Mystikern“, dann fallen sofort wesentliche Unterschiede ins Auge, vor allem auch die relativ knappe Darstellungsweise des Geschehnisses bei Paulus; sodann daß diese Schilderung erst 14 Jahre später erfolgte  – und nicht zuletzt seine Betonung der Gnade Gottes, die wichtiger ist als außergewöhnliche Erfahrungen und Gebetserhörungen.

Es wäre sicherlich sinnvoll, alle angeblichen Visionen und „mystischen“ Erlebnisse mit diesem Paulus-TÜV zu durchleuchten und zu testen – was bliebe davon noch übrig?

Lassen wir nun den Apostel selber zu Wort kommen (1 Kor 12,2-10):

Laß Dir an meiner Gnade genügen!

„Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde; ich weiß allerdings nicht, ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, nur Gott weiß es. Und ich weiß, daß dieser Mensch in das Paradies entrückt wurde; ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, weiß ich nicht, nur Gott weiß es. Er hörte unsagbare Worte, die ein Mensch nicht aussprechen kann.borMedia1742201

Diesen Mann will ich rühmen; was mich selbst angeht, will ich mich nicht rühmen, höchstens meiner Schwachheit. Wenn ich mich dennoch rühmen wollte, wäre ich zwar kein Narr, sondern würde die Wahrheit sagen. Aber ich verzichte darauf; denn jeder soll mich nur nach dem beurteilen, was er an mir sieht oder aus meinem Mund hört.

Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Dreimal habe ich den HERRN angefleht, daß dieser Bote Satans von mir ablasse.

ER aber antwortete mir: Laß Dir an meiner Gnade genügen; denn diese erweist ihre Kraft in der Schwachheit.

Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Mißhandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“