„Spiegel“-Artikel contra Lebensrechtler: Mitleid mit Tätern, nicht mit Opfern

Von Felizitas Küble

Daß das linksorientierte Polit-Magazin „Der Spiegel“ seit Jahrzehnten zu den schärfsten Abtreibungsbefürwortern gehört, ist bekannt. Daß darin Lebensrechtler immer wieder attackiert werden, insofern wenig erstaunlich.A.L.Content_Was_wir_wollen

In seiner jüngsten Ausgabe Nr.12/2015 vom 14. März äußert das Hamburger Blatt sein tiefes Mitgefühl mit Dr. Friedrich Stapf, denn der „Feldzug“ von „Lebensschützern“ habe Wirkung gezeigt: „Deutschlands bekanntester Abtreibungsarzt mußte seine Praxis in Stuttgart aufgeben“.

Schluchz, denn ein Tötungszentrum weniger hierzulande ist für den „Spiegel“ Grund zur Klage genug. Mit den Redakteuren des Nachrichtenmagzins (das oft mehr Meinungen als Nachrichten bietet) sprach Dr. Stapf über seine  – so der „Spiegel“  – drohende „größte Niederlage“, denn er habe bislang in München keinen Vermieter für eine neue Praxis gefunden, nachdem er vor zwei Monaten seine Abtreibungsambulanz in Stuttgart schließen mußte, weil der Vermieter wegen Eigenbedarfs gekündigt hatte und er in der schwäbischen Hauptstadt keine neuen Räumlichkeiten fand.

Der „Spiegel“ berichtet ganz ungeschminkt  – oder gar stolz im Sinne einer „Leistungsbilanz“: „Insgesamt hat er während seiner 35-jährigen Berufslaufbahn rund 100.000 Schwangerschaften beendet.“

Das Blatt beginnt seinen Artikel mit der Interviewfrage an den Abtreiber, wie er es denn finde, wenn er „im Internet als Massenmörder beschimpft“ werde. Doch der „Spiegel“ unterläßt es in seinem zweiseitigen Artikel, für diese Behauptung einen einzigen Beleg vorzulegen. pro-life

Die „härteste“ Kritik an Stapf, die er auflisten kann, lautet „Tötungsspezialist Nr. 1“.  – So nennt ihn die Onlineseite „abtreiber.com“ von Günter Annen.

Abgesehen davon, daß auch das Hamburger Magazin den 69-Jährigen  als „Deutschland bekanntesten Abtreibungsarzt“ (insofern „Nr. 1“) bezeichnet, kann die Tatsache, daß jede Abtreibung eine Tötung menschlichen Lebens darstellt, auch von linker Seite nicht bestritten werden.

Sogar im durchliberalisierten, wachsweichen Paragraphen 218 ist die Abtreibung unter „Straftaten gegen das Leben“ aufgelistet, worüber sich der „Spiegel“ namens einer Merseburger Professorin Ulrike Busch bitter beklagt (der Paragraph stände, so heißt es, „kurz hinter Mord und Totschlag“).

Außerdem kritisiert das Blatt, daß sich im „Süden der Republik“ viele Gynäkologen einschüchtern ließen: „Nur wenige Ärzte sind so abgehärtet wie Stapf“, heißt es weiter. „Abgehärtet“  –  oder abgebrüht?

Zwei Abschnitte weiter werden Abtreibungsgegner als eine „Plage“ bezeichnet, weil sie vor der Stuttgarter Abtreibungsklinik von Stapf demonstriert hatten. Aufgrund der Proteste von Lebensrechtlern habe der potentielle Vermieter sein Angebot für neue Praxisräume zurückgenommen, schildert der „Spiegel“.iStock_000014086034XSmall

Sodann beschwert sich die Polit-Zeitschrift über die wenig abtreibungsfreundlichen Verhältnisse in großen Teilen Bayerns, zB. in Passau:

In dieser Universitätsstadt mit 50.000 Einwohnern gäbe es zwar 12 Frauenärzte, aber lediglich einen einzigen Abtreibungsarzt namens Michael Spandau, bejammert das Blatt. Obwohl er vor fünf Jahren habe in Rente gehen wollen, mache er weiter, „weil sonst keiner hilft“.

„Wenn es ihn nicht gäbe“, so der „Spiegel“ weiter, müßten Frauen 120 km weit nach Regensburg fahren, was eine zusätzliche Belastung für sie darstelle. Das Hamburger Magazin zitiert den Abtreibungsarzt: „Eine Schweinerei in einer solchen Lebenssituation.“

Wohlgemerkt: Die vorgeburtliche Kindstötung ist eine „Hilfe“, aber eine Autofahrt von allenfalls zwei Stunden ist eine „‚Schweinerei“. Ganz in diesem Sinne bzw. Unsinne endet der Artikel mit einem Zitat Spandaus: „Ich kann die Frauen doch nicht im Stich lassen.


Medien-Sticheleien: Glaubenspräfekt Gerhard Ludwig Müller gilt als „umstritten“

FOCUS-Leser mokieren sich über typische Presse-Floskeln

Die Freude der linken Journaille über die Ernennung von Erzbischof Gerhard L. Müller zum Kardinal der katholischen Weltkirche hält sich naturgemäß in äußerst engen Grenzen.  AL-0003

Man muß hierbei nicht einmal an den tiefroten bis kirchenfeindlichen „Spiegel“ denken. Auch das als eher bürgerlich geltende Nachrichtenmagazin FOCUS reagierte auf die heutige Nachricht online mit üblichen Zeitgeist-Klischees und unterschwelligen Seitenhieben.

Die FOCUS-Redaktion schaffte es sogar, das typische Wörtchen „umstritten“ sowohl in der ersten wie in der zweiten Überschrift unterzubringen: Umstrittener konservativer Geistlicher“ – „Als Theologe renommiert – beim Kirchenvolk umstritten

Bislang wurden dort (Sonntag, 22 Uhr) acht Leserkommentare veröffentlicht, die aber durchaus aufschlußreich und teils originell formuliert sind.

Schon die erste Zuschrift von Stefan Rothe stellt satirisch klar: „Na klar, in deutschen Überschriften folgt auf „konservativ“ immer „umstritten“. Nun noch ein falsches Wort und die Treibjagd kann beginnen…“

Gerhard Bienefeld ist nicht katholisch, lehnt den „römischen Katholizismus“ sogar ausdrücklich ab, gibt aber gleichwohl zu verstehen: „Das, was eine Kirche lehrt, das ermittelt sie nicht durch Meinungsumfragen, auch nicht durch Abstimmungen irgendwelcher Gremien, sondern das sollte sie, wenn es richtig ist, allein der Bibel entnehmen“.

„Linke Oberhirten haben wir schon genug“

Die dritte Zuschrift stammt von Michael Jacobs, der ebenfalls „nichtkatholisch“ ist, aber echten Klartext bietet:

„Ist doch ok. Linke Oberhirten wie Zollitsch und Marx haben wir doch schon genug. Ich find´s gut, dass es noch eingefleischte Traditionalisten wie Müller in der katholischen Kirche gibt. Die jenigen, die dem wankelmütigen Zeitgeist hinterher rennen und versuchen sich anzupassen, haben doch den Kern der christlichen Botschaft vom ewigen Leben, von der Vergebung der Sünden und der Nächstenliebe aus ihren Augen verloren.“ Müller

Uwe Hamburger äußert sich ähnlich:

„Wenn ein Kardinal immer nur dem Zeitgeist hinterher hechelt, hat er seinen Beruf verfehlt. Er sollte Fels in der Brandung sein, ein stabiler Boden, auf dem man bauen kann. Heute so und morgen das Gegenteil, das erleben wir leider schon zu oft mit der Politik. Ein Kirchenmann muß Prinzipien haben, ohne Prinzipienreiter zu sein. Er muß nicht jede Modeerscheinung mitmachen, sondern sollte fest zu seinen Überzeugungen stehen. Die Welt verändert sich, leider meist zum Schlechten. Neue Realitäten haben aber meist eine kurze Halbwertszeit. Was heute Realität ist, kann morgen schon überholt sein. Deshalb muß ein Kardinal fest zu seinen eigenen Überzeugungen stehen und nicht der Hase beim Igel-und-Hase-Spiel sein.“

„Kirche rückwärts mit Großinquisitor“…

Frank Grund sieht das freilich anders: „Kirche rückwärts:  Da hat er ja den richtigen Großinquisitor gefunden oder musste ihn finden. Die Ursache hat ja unser ehemaliger deutscher Papst gesetzt. Deswegen haben die beiden sich auch so gut verstanden. Hätte von dem neuen Papst zumindest erhofft, dass er die Fehlentscheidungen seiner Vorgänger ausbügelt.“

Hans Lang ist der Meinung, der Papst folge mit dieser Entscheidung „nicht seinem Herzen, sondern den Üblichkeiten in der Kurie. Herr Müller darf sich in seinen rückwärts gerichteten konservativen Ansichten über die Glaubenslehre bestätigt fühlen. Nicht auszuschliessen, dass Herr Müller dem Papst noch empfehlen wird, den Limburger Bischof wieder in sein Amt zurück zu führen.“

Johann Meier schreibt etwas ironisch: 

„Lustig zu lesen, wie der deutsche Linkskatholizismus und seine Helfer in den Medien ebenso verzweifelt wie geifernd versuchen, ihre Agenda aufrechtzuerhalten, für die sie Papst Franziskus seit Monaten mißbrauchen. Denn heute hat dieser Papst doch glatt jenen Bischof, den er zuvor schon als Präfekt der Glaubenskongregation bestätigt hatte, auch noch zum Kardinal ernannt – und das doch glatt, ohne vorher „Wir sind Kirche“, Zollitsch oder FOCUS-online um Erlaubnis zu fragen…na sowas.“

HINWEIS:
Neben den Seitenhieben gegen Erzbischof Gerhard L. Müller in vielen Medien gibt es zudem die Totschweige-Taktik: So veröffentlichte die „reformkatholische“ Gruppierung „Wir sind Kirche“ eine ausführliche Pressemitteilung zu den Kardinalsernennungen, worin die geplante Kardinalswürde für Glaubenspräfekt Müller völlig unerwähnt bleibt: http://www.wir-sind-kirche.de/?id=128&id_entry=4995

Fotos: Bistum Regensburg