Gelang Helmut Lungenschmid wirklich ein „Blick ins Jenseits“?

Von Felizitas Küble

Immer wieder wird in Berichten über Nahtod-Erlebnisse zumindest indirekt der irreführende Eindruck erweckt, als ob die Betreffenden doch irgendwie im „Jenseits“ gewesen seien oder ihnen jedenfalls ein „Einblick“ in die Ewigkeit möglich war. Doch der Schein oder Anschein trügt. kleines-rituale

Nahtoderlebnisse sind zwar ein Indiz dafür, daß der Mensch mehr ist als ein höher entwickeltes Tier, daß er eine natürlich-übernatürliche (von Gott geschaffene) „Antenne“ für die geistige Welt besitzt  –  doch sie gewähren keinen wirklichen „Blick ins Jenseits“.

Warum nicht?  –  Ganz einfach: weil sie sich im Diesseits abspielen, wenngleich auf einer anderen Bewußtseinsstufe als der üblichen.

Sobald sich jemand wirklich im Jenseits befindet, kommt er nicht mehr ins irdische Leben zurück. Das bestätigt auch die Heilige Schrift: „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach folgt das Gericht.“ (Heb 9,27)  – Man kann also nicht zweimal sterben.

Wir haben uns hier im CHRISTLICHEN FORUM bereits kritisch mit den „Jenseits-Visionen“ der bekannten Gloria Polo befaßt, die in ihren Vorträgen allerlei Richtiges mit viel Merkwürdigem und Irrtümlichen vermischt: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/10/gloria-polo-und-ihre-erlebnisse-im-%e2%80%9ejenseits%e2%80%9c/

Nun zieht auch Helmut Lungenschmid durch die Lande, demnächst  – am 6. November 2011 – referiert er in Altötting im Rahmen einer charismatischen Veranstaltung (mit „Lobpreis“), wobei seine Vorträge zweieinhalb bis drei Stunden dauern. Er will als 14-Jähriger ein Nahtoderlebnis beim Zahnziehen gehabt haben. Wie dem auch sei: im Jenseits befand er sich gewiß nicht.

Angeblich wurde Helmut Lungenschmid damals als Knabe nebst persönlichen Ankündigungen sogar Zukünftiges aus Kirche und Welt gezeigt.

Nahtoderlebnisse sind keine Jenseitstrips

Es geht darum, daß man zwischen Nahtod-Erlebnissen (die meist bei Herzstillstand eintreten) und „Kenntnissen aus dem Jenseits“ klar unterscheiden sollte.

Dies gilt umso mehr, als sog. „Jenseitsreisen“ und scheinbar übersinnliche Visionen etwa bei einem Drogen-Trip nicht selten sind. Entsprechende Halluzinationen per LSD, Meskalin oder Haschisch sind diversen Berichten über Nahtoderlebnisse verwandt bis vergleichbar, darunter auch der „ablaufende Film“ über das eigene Leben sowie „Treffen“ mit verstorbenen Verwandten, Freunden usw.

Die evangelikale Webseite „www.jesus.ch“ berichtet außerdem Folgendes zum Thema Nahtoderlebnisse:

Eine Studie von slowenischen Forschern der Universität Maribor hat eine Verbindung zwischen Nahtod-Erfahrungen und einem Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration im Blut ergeben.

Demnach wiesen Patienten, die während eines Herzstillstands Nahtod-Erfahrungen machten, eine signifikant höhere CO2-Konzentration im Blut auf als jene ohne solche Erlebnisse. Dies könne ungewöhnliche Eindrücke hervorrufen wie etwa Lichtblitze, Visionen oder eine scheinbare Trennung vom Körper, erläutern die Forscher.

Laut „Spiegel-online“ gelang es dem schwedischen Forscher Henrik Ehrsson, im Labor eine außerkörperliche Erfahrung zu erzeugen: Mit Hilfe von Kameras und Videobrillen vermittelte er gesunden Freiwilligen das Gefühl, sich außerhalb ihres eigenen Körpers zu befinden und sich selbst von dieser Position aus zu betrachten. Verantwortlich für diese   –  auch als „Out-of-Body-Experience“ bezeichnete   –   Illusion ist seiner Ansicht nach ein multisensorischer Konflikt, also die Unfähigkeit des Gehirns, widersprüchliche Sinneseindrücke miteinander zu verbinden.

In der Zeitschrift „Science“ berichtete ein Team aus deutschen und Schweizer Forschern um Bigna Lenggenhager von der Polytechnischen Hochschule in Lausanne über einen ähnlichen Ansatz. Auch hier gelang es, das gefühlte „Ich“ von der Position des Körpers zu trennen, wenn auch die Illusion hierbei nicht ganz so ausgeprägt war.

Unsere Autorin Felizitas Küble ist Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Verlags in Münster