H. Lungenschmid – ein Prophet unserer Zeit?

Von Pater Michael Ramm

Schon mehrere Jahre macht ein gewisser Helmut Lungenschmid auf sich aufmerksam. In Büchern und Vorträgen spricht er über sein “Sterbeerlebnis”, welches er als 15-jähriger Junge beim Zahnarzt gehabt haben will. Es handelt sich um eine Nahtoderfahrung, die er wegen einer Überdosierung an Betäubungsmitteln hatte.

Seinen Visionen gibt Lungenschmid einen unfehlbaren Anspruch, indem er häufig Formulierungen benutzt wie z.B. “Die Gottesmutter sagte mir…” oder “Jesus erklärte mir im Jenseits…”.

Wenn man davon ausgeht, dass er seine Einsprechungen direkt von höchster Stelle bezieht, müssen sie natürlich fehlerfrei sein. Dieser Anspruch, den Herr Lungenschmid selber erhebt, macht es wiederum leicht, die Echtheit seiner Aussagen zu überprüfen.

Tatsächlich sind seine Schilderungen derart irrsinnig, dass man sich wundert, wie es Menschen geben kann, die ihm Glauben schenken.

Weil Lungenschmid in seinen Büchern die Petrusbruderschaft erwähnt und für die Feier der Hl. Messe im außerordentlichen Ritus wirbt, scheint mir eine klare Stellungnahme sinnvoll zu sein:

Sein Buch ist voll von Science-fictionartigen Verschwörungstheorien. Lungenschmid behauptet z.B. ernsthaft, dass die Automarke “Volkswagen” vom Teufel sei, weil der Buchstabe “V” angeblich den Zahlenwert “6″ ergebe und “W” aus zwei “V” bestehe, was zusammen die Zahlenkombination “666″ ergibt, wie ihm die „Gottesmutter“ im Jenseits genauestens erklärte. Daher würde es ihn auch nicht wundern, “wenn dieses Auto zusätzlich auch noch satanisch besprochen wäre.”

Lungenschmid glaubt an eine von oben gesteuerte Dezimierung der Weltbevölkerung, die bereits begonnen hat: “Die Gottesmutter erklärte mir im Jenseits, dass am Ende der Zeit … die Weltbevölkerung dezimiert wird.”

Unter anderem soll dies durch die Förderung von Abtreibung und Euthanasie und durch Vergiftung von Nahrungsmitteln sowie dem Einbau von radioaktivem Plutonium in den Tabak geschehen. Lungenschmid schreibt: “…ich kann mich noch an einige Marken erinnern, die mir von der Muttergottes gezeigt wurden, wie z.B. Marlboro, Memphis, etc.”

Auch das auf der ganzen Welt verkaufte Getränk Coca Cola sei durch chemische Zusatzstoffe vergiftet.

Im Kapitel “Parallel-Städte” behauptet Lungenschmid, dass ihm die Gottesmutter riesige unterirdische Höhlen zeigte, die in der Nähe von Großstädten angelegt seien. Hier würden Tausende und Abertausende von Unterkünften für Islamisten im Geheimen von unserer Regierung gebaut.

Als Erklärung dafür, wie die gigantischen Kosten für diese Mega-Projekte gedeckt werden sollen, schreibt er: “Die Gottesmutter zeigte mir, dass das Geld hierfür von Großprojekten abgezweigt wird, … – große Straßenbaustellen, an denen, wie man sieht, lange Zeit nichts weitergeht, … – Flughäfen, die eine halbe Ewigkeit nicht fertiggestellt werden können, … . Dieses Geld … wird in die Geldsäcke der Freimaurer umgelenkt, …”

Interessant, dass nun auch die Silvesternacht 2015/16 mit den “Parallel-Städten” eine Erklärung findet: Die Täter seien  –  so Lungenschmid –  im Untergrund beherbergt worden und konnten deshalb auch schnell wieder – wie vom Erdboden verschluckt – verschwinden. Damit dürfte die Silvesternacht wohl aufgeklärt sein, denn, so schreibt er: “[dies] hatte mir die Gottesmutter damals schon im Jenseits während des Sterbeerlebnisses gezeigt.”

Es ließen sich noch viele absurde Beispiele und auch theologische Irrtümer dieses intensiven Zahnarztbesuches anführen. Es wundert mich nicht, dass Lungenschmid Probleme hatte, einen Verlag für sein Buch zu finden.

Dagegen wundert es mich doch sehr, dieses Buch in den Händen mancher gläubiger Christen zu finden.

Weitere Artikel mit theologischen Erläuterungen zu Lungenschmid in unseren früheren Beiträgen: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/lungenschmid-helmut-nahtod/


Blick in den Himmel? – Eigene Nahtoderfahrung führt amerikanischen Neuro-Chirurgen zum Jenseitsglauben

Ein US-amerikanischer Neurochirurg will einen Blick in den Himmel geworfen haben. Nach einer Nahtoderfahrung ist der frühere Harvard-Dozent, Prof. Eben Alexander, fest davon überzeugt, daß es ein Leben nach dem Tod gibt.

Der 58-Jährige, der jetzt als Arzt in Lynchburg (Bundesstaat Virginia) arbeitet, hatte im November 2008 aufgrund einer schweren Hirnhautentzündung sieben Tage im Koma gelegen.

Die Computertomographie zeigte, wie er später erfuhr, keinerlei Aktivität im Neocortex, das das Bewußtsein kontrolliert.

Doch habe er dabei eine „Odyssee“ erlebt, wie er u.a. der Zeitung Sunday Times mitteilte:

Zunächst habe er die Welt aus der Sicht eines Wurms wahrgenommen; alles um ihn herum sei schmutzig, trüb und dunkelbraun gewesen.

Dann sei er  –  von einer Melodie angezogen  –  auf dem Flügel eines Schmetterlings mit Millionen anderer bunter Schmetterlinge aufgestiegen über eine Welt voller Wiesen, Wasserfälle und Wasserflächen in unbeschreiblichen Farben.

Über ihm standen weiße Wolken an einem dunkelblauen Himmel. Millionen durchscheinende Wesen – wahrscheinlich Engel – seien in goldenen und silbernen Formationen über dem Himmel geflogen. Eine junge Frau habe ihn durch die neuen Dimensionen geleitet.

Als er im Krankenhaus aufgewacht sei, sei er wütend und verwirrt gewesen und habe zurück in die andere Welt gewollt.

Früher habe er seinen Patienten nicht geglaubt, die von ähnlichen Nahtod-Erfahrungen berichteten; er habe dies als Halluzination abgetan. Professor Alexander: „Jetzt weiß ich, dass es anders ist  –  ganz anders.“

Er hat seine Erlebnisse in einem Buch aufgeschrieben, das Ende Oktober unter dem Titel „Proof of Heaven“ (Beweis des Himmels) in den USA erscheint.  

Der Mediziner stellt vermeintlich feststehende „wissenschaftliche“ Thesen jetzt infrage   –  etwa  jene Vorstellung, daß Bewußtsein und Gehirntätigkeit untrennbar verknüpft seien. Für ihn zeigen sich „erste Risse“ im Gebäude dieser Theorie.

Soweit unser Auszug aus der Meldung der evangelischen Nachrichtenagentur www.idea.de

Die seit Jahrzehnten debattierten „Nahtod-Erfahrungen“ sind aus unserer Sicht kein eigentlicher „Beweis“ für ein Leben nach dem Tod, zumal sich der Betreffende eben noch nicht objektiv im Jenseits befindet, sondern lediglich subjektiv in einer anderen als seiner üblichen Erlebniswelt, gleichsam in einer Grenzerfahrung.

Freilich sind diese Nahtod-Berichte durchaus ein Hinweis darauf, daß in der höheren Bewußtseinsebene des Menschen der Jenseitsglaube fest verankert ist, daß er gleichsam zur Natur des Menschen gehört.

Daher findet sich dieser Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod (zumindest eine Ahnung davon) in allen Kulturen, bei den Naturvölkern und ebenso bei den Zivilisationen.

Derartige Erfahrungen sagen also mehr über die menschliche Natur aus als über die Wirklichkeit der jenseitigen Welt.

Allerdings stellt sich zugleich die Frage: Woher kommt diese „Konstante“ unseres Bewußtseins? Wer hat sie in den Menschen hineingelegt?

Ist es nicht so, daß die anderen existentiellen Wünsche und Bedürfnisse durchaus eine Entsprechung in der Realität finden?  – So gibt es für den Hunger die Erfüllung in der Nahrung, für den Wunsch nach Fruchtbarkeit die Sexualität, für die Sehnsucht nach dauerhafter Bindung die Ehe usw.  – Die existentiellen Wünsche des Menschen finden also stets eine Erfüllungsmöglichkeit  – warum sollte dies für das so grundlegende „Jenseits-Bedürfnis“ nicht auch gelten?

Das bedeutet: Nahtod-Erfahrungen vermitteln uns kein konkretes Wissen über das „Jenseits“, doch sie bestätigen, daß die Sehnsucht nach Ewigkeit in der menschlichen Natur tief verankert ist und immer sein wird.

Felizitas Küble