Der Glaube und unser Vaterland in Europa

Rezension von Thomas May

Buch-Daten: „Nation, Europa, Christenheit. Der Glaube zwischen Tradition, Säkularismus und Populismus“ von Felix Dirsch, Volker Münz, Thomas Wawerka (Hrsg.), Ares-Verlag, Graz 2019

Dieses Buch ist der Folgeband des 2018 erschienenen Titels „Rechtes Christentum?“, das sich als Verbindung des rechten Bekenntnisses im Sinne der Orthodoxie mit politisch konservativen und nationalen Erscheinungen versteht.

In scharfer Abgrenzung zur Linksverschiebung der beiden Kirchen hin zu einem globalistisch-universalistischen Humanitarismus, die vor allem in Gestalt ihrer führenden Vertreter als Problem wahrgenommen wird, legen die zwischen 1961 und 1985 geborenen Autor(inn)en  –   Theologen, Philosophen, Politik-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler, Historiker, Publizisten und ein Bischof  –  in 11 Einzelbeiträgen das überlieferte Glaubensgut aus und bieten so erneut eine fundierte Alternative zum theologischen und kirchenamtlichen Mainstream.

Die Vielfalt der Stimmen erschließt facettenreich weitere Themenfelder.

„Nächstenliebe“ und „Barmherzigkeit“

Der evangelische sächsische Pfarrer a. D. Thomas Wawerka (S. 31 – 48) analysiert in seiner biblisch-theologischen Grundlegung die Schlüsselbegriffe „Nächstenliebe“ und „Barmherzigkeit“, die   in der Migrationsdebatte zur moralischen Diskreditierung der Kritiker benutzt werden. In seiner Dekonstruktion des „Framings“ zeigt der Autor auf, dass der Ausdruck „Werte“ in die Irre führt, weil er ein soziales Konstrukt der liberalen Moderne und Ersatz für den Glauben ist:

Nächstenliebe und Barmherzigkeit sind vielmehr Gebote, ja Befehle Christi an seine Jünger, die gehorsame individuelle, praktische Umsetzung erfordern, keine bloßen Appelle, denen (verbale) Zustimmung genügt.

Sie gelten – hier bringt Wawerka das „Zwei-Welten-Theorem“ Friedrich August von Hayeks ein – für die Lebenswelt des sozialen Nahraums, der von persönlichen Beziehungen wie Vertrauen, Mitgefühl, Zuwendung geprägt ist, im Gegensatz zum politischen und wirtschaftlichen Großraum, in dem die Kommunikation vorwiegend rational, technisch, juristisch, abstrakt abläuft.

Die moralisierende Übertragung der Regeln der „Mikroordnung“ auf die „erweiterte Ordnung“ verzerrt und zerstört: Kollektivethische Fragen angesichts globaler Migration lassen sich, so behauptet Wawerka, nicht im Format der kleinen Welt individualethisch beantworten.

Als Ethik des sozialen Nahraums ist die Ethik Christi primär individualethisch, die „erweiterte (politische) Ordnung“ ist für ihn nicht von Belang. Dabei gilt es die karitativ tätige Nächstenliebe, der die Barmherzigkeit zugeordnet ist, von der natürlich-kreatürlichen (Familie, eigenes Volk) und der „mystischen“ (Glaubensgeschwister) zu unterscheiden („ordo amoris“).

Mit einer sinngemäßen Interpretation des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25–37) krönt Wawerka seinen Beitrag: Das üblicherweise als „Mensch an sich“ verstandene Opfer der Räuber ist konkret Jude; der Skopus der „nahräumlichen“ Kritik Jesu zielt darauf, dass zwei Volksangehörige einen der Ihren ignorieren, dem sie nach der natürlich-kreatürlichen Regel Solidarität schulden; dagegen stellt der nichtjüdische Samariter die Ausnahme dar. Demjenigen ist also Hilfe zu leisten, der mir „vor die Füße“ fällt.

Kirchliche Predigt verdreht die Ausnahme zur unbiblischen Regel, wenn sie jene für die „Flüchtlingshilfe“ generalisiert, während die Volksgeschwister außer Acht bleiben. Dahinter verbirgt sich allzu oft die hypermoralische Einbildung, alle Menschen könnten gleich geliebt bzw. behandelt werden.

Diese Ethik des „Total-Altruismus“ ist nicht praktikabel und zurückzuweisen.

Das Verhältnis zu Volk und Vaterland

Der Historiker und evangelische Theologe Godehard Michaelis (S. 49 – 63) untersucht in einer zweiten biblisch-theologischen Grundlegung das Verhältnis der Kirche bzw. des Christen zu Volk und Vaterland mittels Aussagen von Heiliger Schrift, Tradition und kirchlichem Lehramt.

Das Volk Israel als Kult- und Abstammungsgemeinschaft, zu deren Sicherung Geschlechterregister dienen, wird im Alten Testament durchgängig bezeugt. Die Vermischung mit götzendienerischen Völkern ist ihm strengstens verboten, Überfremdung mit ihren (negativen) Folgen gilt als Strafe für die Abkehr von Jahwe, der die Grenzen der Völker zieht.

Mit der Ankunft Christi wird der Begriff des Gottesvolkes auf eine geistige Ebene gehoben, der Begriff des Volkes als irdische Gemeinschaft jedoch beibehalten. Der Missionsbefehl Jesu (Mt 28,19) erfasst die künftigen Mitglieder der Kirche in ihrem jeweiligen völkischen Eingebundensein. Der an (Blut-)Abstammung orientierte Begriff „Land der Väter“ wird über den Apostel Paulus von der frühen Kirche übernommen, während das „höhere Vaterland“ der Christen im Himmel zu sehen ist.

Dieser Linie folgen die Kirchenväter von Clemens von Rom über Clemens von Alexandrien und Augustinus bis Thomas von Aquin, dessen Ordnung der Pflichten und der Liebe Eltern, Blutsverwandten und Vaterland Vorrang einräumt.

Das Lehramt der Pius-Päpste hält die Balance zwischen den Extremen auch im 20. Jahrhundert: „Wie einen ungesunden Nationalismus, der die Lebensrechte anderer Völker mißachtet, lehnt sie [die Kirche] sowohl den falschen Internationalismus, der das Vaterland verleugnet, wie den unrichtigen Pazifismus, der es wehrlos macht, entschieden ab“ (Michael Buchberger im „LThK“ 1938).

Eine positive Haltung zur Nation vertraten bis in die 1950er Jahre auch die evangelischen Gemeinschaften. Die fehlende übergeordnete Führung machte sie in Deutschland  anfälliger für die NS-Ideologie; das betrifft die reichstreuen „Deutschen Christen“ wie auch die oppositionelle „Bekennende Kirche“.

In der vom Geist der 68er durchdrungenen Gesellschaft, die stark von der „Frankfurter Schule“ und deren Infragestellung der „Autorität“ (und jeder Ordnung) beeinflusst waren, wurde die Vaterlandsliebe zunehmend bis „zum Kotzen“ (Robert Habeck) entwertet und kriminalisiert.

Mit der Idee des multiethnischen „Experiments“ (Yascha Mounk), die kraft mächtiger Förderer weltweit auf Verwirklichung drängt, sieht Michaelis (flankiert von der abstrusen Gender-Theorie u. Ä.) die Heraufkunft der Welt des Antichristen angedeutet.

Linkes und rechtes Christentum: globalisierungsaffin oder heimatnah

In weit ausholendem Gang durch die Geschichte zeichnet der katholische Theologe und Politologe Felix Dirsch (S. 64 – 101) die Linien des linken und rechten Christentums, das sich heute als globalisierungsaffin bzw. heimatnah darstellt.

Das politische Rechts-Links-Schema ist im Kontext der Französischen Revolution entstanden; einzuordnen sind aber auch zeitlose konträre Grundhaltungen wie Beharrung versus Veränderung, Institutionalisierung kontra Emanzipation, Abstufung statt Gleichsetzung.

Bis Martin Luther galt die kirchliche Christenheit weithin als rechts (d. h. rechtgläubig); linke Abspaltungen, die auf irdische Reformen zielten, waren selten. Modernes Geschichtsbewusstsein und Fortschrittsoptimismus erzeugten in der Neuzeit eine Dynamik, die – je länger, desto mehr – auf Verdiesseitigung des Heils und Erlösung im Hier und Jetzt zustrebt.

Die linke Auslegung des Christentums hat Vorläufer im 16. Jahrhundert, als man das Evangelium radikal im Sinn der Gerechtigkeit und Gleichheit auszulegen begann, wie der „Schwärmer“ Thomas Müntzer (1489 – 1525), von dem sich ein Bogen bis Martin L. King, Dorothee Sölle und zur Befreiungstheologie schlagen lässt.

Typisch für diese Ausrichtung ist das mit der universalistischen Heilsbotschaft begründete Programm einer One-World-Kultur.

Wurde diese Anfang des 20. Jahrhunderts noch als Schreckensszenario, in dem die menschliche Existenz verkümmere und die Völker entmündigt seien, von katholischer Seite abgelehnt, so arbeitet der Vatikan mit den Forderungen globaler Strukturen, umfassender Umverteilung und nationaler Kompetenzabtretungen heute in ihre Richtung.

Papst Franziskus nützt mit seiner Parteinahme zugunsten der These des menschengemachten Klimawandels den Bestrebungen einer weltweiten Säkular-Ethik der „Nachhaltigkeit“, die Recht auf Abtreibung, spezielle Homosexuellenrechte und forciertes Gender-Mainstreaming vorsieht.

Der vom Vatikan mitunterzeichnete UN-Migrationspakt birgt die Gefahr, dass die zum „natürlichen Phänomen“ erklärte Migration als „Völkergewohnheitsrecht“ einklagbar wird, womit die Stabilität der Rechts- und Sozialsysteme in den Zielländern beeinträchtigt würde.

Rechtes Christentum ist volks- und heimatverbunden, partikular. Assoziiert wird Heimat mit einem bestimmten Territorium, mit Anhänglichkeit, Geborgenheit, mit Identitätsstiftung in jungen Jahren. Dank Vermittlung des Glaubens im Elternhaus und durch die Ortskirche entstehen Verbindungen zu Religion, Tradition und Kultur.

Im ländlich-katholischen Raum neigt das heimat- und volksnahe Christentum dem Patriotismus zu, in den von Kollektividentitäten geprägten EU-Ländern Polen und Ungarn ist er noch heute Konsens: Heimatliebe, Vaterlandsliebe und Liebe zur Kirche bilden einen Dreiklang.

Während das Lehramt bis Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Heimat und Vaterland würdigte, begünstigt Papst Franziskus als „Patron“ der Migration die Auflösung von Nationen und Ethnien. Das dahinterstehende Konstrukt des „Cucked Christianity“ (wörtlich: „abgehacktes Christentum“) lehnt die Selbstbehauptung einer Kultur, einer Nation, eines Volks ab, sodass es zur Sozialreligion schwindet.

Dagegen formiert sich das heimat- und volksnahe Christentum. Die universale christliche Dimension ist, so Dirschs Befund, ohne Profanierung des Glaubens in eine irdische One-World-Kultur nicht adäquat umsetzbar.

Deutschland als Heimat

Anhand des Aufsatzes „Ehrlos – heimatlos“ (1919) des jüdischen Philosophen Eugen Rosenstock-Huessy destilliert der in der Schweiz lebende evangelische Pfarrer Lothar Mack (S. 102 – 121) Parallelen zur Gegenwart heraus. Die Reflexionen des deutschen Offiziers und gläubigen Christen über Deutschland als Heimat, verfasst unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges und des Versailler Friedensschlusses, lassen sich auch 100 Jahre danach für den aktuellen Diskurs fruchtbar machen.

Dabei entpuppt sich das militärische Prinzip der Führung von oben nach unten als historische Konstante, die heute in neuen ideologischen Gestalten hervortritt: spätestens seit 2015 in den elitären Moralaposteln, die der Majorität ihre Konzepte – natürlich „im allgemeinen Interesse“ – aufzwingen.

Dem Wahn des einstigen Nationalismus entspricht die Maßlosigkeit des heutigen Moralismus, der mit schutzlos offenen Grenzen und klimaneutral geschlossenem Verstand die Welt „retten“ will. Die Pathologisierung von Einwänden zu „Phobien“ geht dabei mit wachsender strafrechtlicher Verfolgung nichtkonformen Denkens und Redens einher. Sich abkapselnd verliert Deutschland aber seine Zukunftsfähigkeit.

Der Weg muss, so Macks Forderung, umgekehrt von unten nach oben führen: von der „Aufruhr“ einzelner wacher Geister, die sich opferbereit formieren, hin zu einer neuen geistigen Ordnung, in der Identität von Nichtidentität geschieden ist und das angestammte Vaterland und die Heimat bejaht werden.

Die Völker sind frei geworden zu je eigener und gegenseitiger Anerkennung im Geist der Zusammengehörigkeit; einem von Machtambitionen entbundenen Christentum obläge es, neue Formen bodenhaftender Gemeinschaft zu stiften.

Das Phänomen der Säkularisierung

In seiner kulturphilosophischen Betrachtung zu Europa verortet und bewertet der studierte Philosoph und Germanist Daniel Zöllner (S. 122 – 142) das Phänomen der Säkularisierung neu. Er sieht sie im Gegensatz zu einem linken Geschichtsverständnis, das in ihr die positive Überwindung des Christentums feiert, wie auch zu einem rechten, das in ihr die negative Entfremdung vom Christentum beklagt, als Konsequenz des christlichen Glaubens selbst, als seinen „Ertrag“.

Demnach sei die Emanzipation des Weltlichen schon in den Ursprüngen der jüdisch-christlichen Religion, in der „Achsenzeit“ (Karl Jaspers), angelegt. Mit der Wende vom Kosmotheismus (Polytheismus) zum Monotheismus, der Gott die Transzendenz zuwies, war die Welt entgöttert und „freigegeben“.

Unter Rückgriff auf den evangelischen Theologen Friedrich Gogarten (1887 – 1967) erläutert Zöllner anhand der „Gottessohnschaft“, dass der Mensch als Geschöpf von Gott abhängig, zugleich aber von ihm ermächtigt ist, als Erbe über die Welt zu verfügen.

In der Neuzeit schreitet die Emanzipation des Weltlichen als „Säkularisierung“ voran, erfasst Recht, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst. Dabei kommt es auch zu Fehlentwicklungen. Im (utopischen) „Säkularismus“ als Entgleisung der Säkularisierung will der Mensch sein Heil selbst erzwingen, statt es von Christus zu empfangen: im Schwärmertum oder in einer auf eine bestimmte Moral verengten, der Transzendenz beraubten weltlichen Ideologie (wie heute).

Zwischen Erstarrung und Auflösung ist das Christentum stets gefordert, zahlreiche Pole auszugleichen. Nur durch dessen bleibende Verbindung mit der Säkularisierung kann der Kulturraum Europa aus Zöllners Sicht auch bewahrt werden.

Konflikt zwischen „Athen“ (Vernunft) und „Jerusalem“ (Offenbarung)

Der Schriftsteller und Verleger André Thiele (S. 143 – 149) will in seinem kompakten Essay die Alternative wiederherstellen, die im Konflikt zwischen „Athen“ (Vernunft) und „Jerusalem“ (Offenbarung) erschlossen ist. Mit der Neutralisierung des Glaubens und der Philosophie durch Machiavelli und Hobbes konstatiert er seit dem 16. Jahrhundert ein Ausweichen vor der Frage nach dem Maß, der Wahrheit.

Die Wahrheit des Kreuzes ist zeitlos gültig, lässt sich nicht beweisen, nur gehorsam annehmen und konsequent erdulden. Ihm steht die funktionale Ethik der liberalen Moderne entgegen, der zufolge das Angenehme das Gute sei. Jesu Leiden aber ist die Negation des Liberalismus. Glaube und Philosophie müssen von Thieles Warte aus erst wieder die Grundlagen des Eigenen zurückgewinnen.

Die Antwort auf die Frage nach dem richtigen Leben liegt jenseits der „Polis“, des Politischen, für den Glauben in der Sphäre göttlichen Heilsgeschehens.

Der katholische Traditionalismus

Dem katholischen Traditionalismus ist der Beitrag des Slawisten und Politikwissenschaftlers Marc Stegherr (S. 150–173) verpflichtet. Die weit und gut vernetzten Priesterbruderschaften (St. Pius X., St. Petrus, Servi Jesu et Mariae, Institut du Bon Pasteur) mit ihren Interessengruppen, die als reaktionär, rechts oder rechtsextrem zählen, verstehen sich selbst als konservativ, nicht aber im politischen Sinn als rechts.

Rechte oder rechtspopulistische Parteien wie der Rassemblement National stehen ihnen naturgemäß näher, weil sie hier eher mit Verständnis für Ordnung, Herkunft und Überlieferung rechnen dürfen. Die durchaus heterogene Bewegung eint ihre Ablehnung der Anpassung der Lehre und Liturgie an progressive, linksliberale Strömungen in der Nachkonzilszeit.

Während dem „rebellierenden“ Gründer der Piusbruderschaft Erzbischof Marcel Lefebvre (siehe Foto) keine abweichende Lehre nachzuweisen war – Suspendierung bzw. spätere Exkommunikation erfolgten wegen Verstoßes gegen die Kirchendisziplin –, arbeiten beamtete Theologieprofessoren mittels „Memoranden“ oder „Kirchenkritiker“ wie Küng, Drewermann, Ranke-Heinemann mit häretischen Forderungen belegbar auf eine unkatholische Kirche hin.

Der Streit um die das Glaubensgut schützende „alte“ Messe, die Paul VI. mit der „tyrannischen“ Einführung des „Novus Ordo“ 1969 außer Kraft setzte (was ob der Zerstörung unschätzbaren Kulturguts auch Kritik vonseiten Intellektueller, Schriftsteller und Musiker hervorrief), ist bis heute nicht beigelegt.

Der Versuch Benedikts XVI., sie 2007 zu rehabilitieren, um die Kirche mit ihrer Tradition zu versöhnen, muss weithin als gescheitert gelten, besonders weil er von den Bischöfen, den deutschen voran, sabotiert wurde. Und Papst Franziskus fehlt – gelinde gesagt – das Verständnis für den alten Ritus.

Lefebvres und Ratzingers kritische Diagnosen der nachkonziliaren „Reform“-Kirche weisen, wie Stegherr anmerkt, eine frappierende inhaltliche Nähe auf. Den Protest der Traditionalisten als „Nostalgie“ abzutun, greift zu kurz; er stellt eine gewichtige Anfrage an die tiefe Gegenwartskrise der Kirche dar. Woraus lebt sie? Erfindet sie sich täglich neu? Ihre Gemeinschaften, politischen Linken wie Liberalen ein Ärgernis, bleiben Stachel im Fleisch, weil sie sich beharrlich gegen Entkernung des Glaubens und „Befreiung“ von überlieferten moralischen und religiösen Bindungen stemmen.

Fundamentalkritik des christlich-islamischen Dialoges

Die armenischstämmige Opferanwältin und Autorin Jaklin Chatschadorian (S. 174 – 188) unterzieht den christlich-islamischen Dialog einer Fundamentalkritik. Ausgehend von dem Postulat, dass eine freiheitliche Demokratie nicht unbegrenzt tolerant sein darf, sondern sich gegen Feinde wehren muss, beobachtet sie, dass – im Gegensatz zu Angehörigen anderer Religionen – der um vollständige Ausübung seiner Religion bemühte gläubige Muslim im Dauerkonflikt mit dem Staat bzw. den Menschen unserer Gesellschaft liegt.

Ihre These der Unvereinbarkeit des Islam mit unserer Rechtsordnung und unseren Werten untermauert die Autorin im Folgenden: Leugnung individueller Willens-, Meinungs- und Handlungsfreiheit, Kontrolle der Anhängerschaft, autoritäre Durchsetzung von Regeln und Sanktionen, Neigung zu brachialer Gewalt sind nur eine Auswahl der inkompatiblen Merkmale.

Im „Dialog“ mit den beiden deutschen Kirchen, der den Vertretern des politischen Islam zur Durchsetzung ihrer „Werte“ und Ziele dient, weicht die christliche Seite aus Rücksicht vor den religiösen Gefühlen der Muslime stets zurück und zollt ihnen den geforderten „Respekt“ (als Unterwerfung verstanden).

Theologisch haben Christentum und Islam außer dem Monotheismus nichts gemein, doch auch er divergiert in Gottesbild und Ziel.

Die diskriminierte, degradierte Muslima ist Eigentum des Mannes und seiner Familie. Listig wird hier umgedeutet: Ihre Verhüllung sei Zeichen der Selbstbestimmung; Zwangsverheiratung minderjähriger Mädchen eine ökonomische Form der Familienversorgung; die zur Begrüßung ausgestreckte Frauenhand eine Einladung zum Ehebruch – also „Toleranz“ für den verweigerten männlichen Handschlag!

Die Autorin kritisiert den Tunnelblick der Kirchen scharf und fordert deren Rückbesinnung auf eigene Werte und couragiertes Eintreten für die verfolgten Glaubensangehörigen.

Analyse des Populismus

Mit dem Populismus setzt sich der religionspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion Volker Münz (S. 189 – 202) auseinander. Er sieht in ihm eine Widerstandsreaktion auf den Globalismus in den westlichen Demokratien. Als Kampfwort schmäht er rechte Bewegungen und Parteien (AfD, FPÖ, Lega, Vox), manchmal auch linke (Syriza, Podemos).

In Anlehnung an die Politologin Karin Priester beschreibt Münz den Populismus als Methode der politischen Auseinandersetzung, die von dem Gegenüber Parteien-Establishment/Eliten einerseits und Volk (lat. populus) andererseits bestimmt ist, das seinen Willen durch jene nicht mehr angemessen vertreten sieht.

Die Repräsentationslücke erscheint als Ursache, das „Volk“ als Träger des Populismus.

Verstärkt wird die Krise durch die Spaltung der Gesellschaft in „Anywheres“ („Überallmenschen“, Kosmopoliten, „Profiteure“ der Globalisierung, 20 – 25%) und „Somewheres“ („Irgendwomenschen“, Dagebliebene, Orts- und Heimatgebundene, „Verlierer“ der Globalisierung, ca. 50%) und deren konträre Interessen.

Politik und Staat haben aber unter Erhalt größtmöglicher gesellschaftlicher Homogenität (vgl. Böckenförde-Diktum) in toto der breiten Bevölkerung zu dienen. Daher begrüßt Münz einen wohlverstandenen Populismus als Korrektiv im Sinne der Unterstützung einer bürgerlichen, christlich-konservativen Politik gegen egalitäre Tendenzen (Multikulturalismus, Transnationalismus, Gender-Mainstreaming).

Naturrechtsdenken als vernunftgemäßes Ordnungsdenken

Der studierte Politik-, Rechtswissenschaftler und Theologe Daniel Führung (S. 203 – 226) würdigt in seinem Beitrag das Naturrechtsdenken als vernunftgemäßes Ordnungsdenken und dessen Bedeutung für Staat, Gesellschaft und Individuum. Danach haben alle Menschen eine gemeinsame, unveränderliche, unveräußerliche, mit Mängeln behaftete Wesensnatur, die mittels der Vernunft festgestellt werden kann.

Diese ermöglicht die Erkenntnis sittlich-rechtlicher Grundsätze (nach dem Apostel Paulus sind sie jedem ins Herz geschrieben), die den staatlichen Gesetzgeber und den Einzelnen verpflichten, wie Schutz von Leib und Leben, Eigentum, Ehre, persönliche Freiheit, umfasst im platonischen „suum cuique“.

Mit der Abkehr vom Naturrecht und der Ersetzung durch den Rechtspositivismus, der beliebige Inhalte, sogar Ungerechtigkeit zur Norm erheben kann, geht der Verlust eines höheren Maßstabs und gesellschaftlicher Fundamente einher. In der „Diktatur des Relativismus“ ist der Überschlag der entfesselten liberalen Demokratie in einen Neototalitarismus angelegt.

„Die gegenwärtige Ablehnung des Naturrechts führt nicht nur zum Nihilismus, nein, sie ist identisch mit dem Nihilismus“, zitiert Führung den deutsch-amerikanischen Philosophen Leo Strauss.

Deformierungen wie die „Ehe für alle“, mit der das Wesen der Ehe als Verbindung von Mann und Frau samt ihrer Ausrichtung auf Nachkommenschaft geleugnet wird, und Abirrungen wie die Gender-Theorie, welche die biologisch oder metaphysisch determinierte Zweigeschlechtlichkeit ausblendet, sind aus christlicher Sicht als Zwangsgebilde einer realitätsfernen, herrschsüchtigen, auf Selbst- und Welterlösung zielenden „modernen Gnosis“ (Eric Voegelin) abzulehnen.

Wider Dekonstruktion und Delegitimierung bekräftigt der Autor die naturrechtliche Verankerung von Nation, Vaterland, Heimat, Volk.

„Der Mensch verbindet seine tiefste menschliche Identität mit der Zugehörigkeit zu einer Nation“, weiß Johannes Paul II. Die Heimatliebe ist eine „Dankespflicht“ und entspricht der „Ordnung der Liebe“ (Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 2239).

Das Volk ist ein lebendiger geistiger Organismus, an dem die Einzelnen teilhaben. Seine treibende Kraft, die Liebe – zu Gott, dem Nächsten, dem Volk –, ist auch Garant für eine Ordnung. Der christliche Patriotismus ist somit Anerkennung einer guten Ordnung und als solcher naturrechtlich begründet.

Mahnwort an die Christen Deutschlands

Den Schlusspunkt setzt der aus dem Schwarzmeerraum gebürtige Weihbischof Athanasius Schneider ( S. 227 – 237) mit einem Mahnwort an die Christen Deutschlands, das jedoch nicht nur diese betrifft. Initiiert vom Brand der Kathedrale Notre-Dame de Paris am 15. April 2019 skizziert er anhand der Metapher der „Stadt des Menschen“ die Grundzüge einer zerstörerischen Gesellschaft ohne Gott, die zwangsläufig in Tyrannei und Totalitarismus mündet.

Ihr stellt er die „Stadt Gottes“ am Beispiel der Radiobotschaft Pius‘ XII. zu Weihnachten 1942 gegenüber, in welcher der Papst die christliche Sicht einer auf Gottes Ordnung und Sittengesetz gründenden menschlichen Gesellschaft darlegt.

Den Brand der Kathedrale deutet Schneider als Aufruf zu echter Bekehrung, zumal der unbußfertigen (deutschen) Bischöfe, die seit der irreführenden wie missverstandenen „Öffnung der Fenster“ (Johannes XXIII.) zur modernen Welt die geistigen Brandstifter des liberal-theologischen Establishments und des verweltlichten Klerus in der Kirche wüten lassen. Ihrem Credo „Wir haben keinen anderen König als die öffentliche Meinung“ ist die Königsherrschaft Jesu Christi mit dem Auftrag der Evangelisierung aller Menschen und Völker kompromisslos entgegenzustellen.

Gesamtbewertung des Buches

In der Gesamtbewertung des Buches sind, wie beim Vorgängerband, die hohe Informationsdichte und das geistig anspruchsvolle Niveau hervorzuheben. Die sprachlich-stilistische Bandbreite der Einzelbeiträge, die durch geradlinige Gedankenführung überzeugen oder durch ungezwungenen assoziativen Fluss gefallen, bewegt sich zwischen sachlich-bodenständig und gewählt-gehoben.

Politische und/oder theologische Vorkenntnisse erleichtern das Verständnis, sind jedoch nicht unbedingt erforderlich.

Dank durchdachter Auffächerung der Themenfelder gewinnt der Leser ein sicheres Urteil über das Christentum in den Gegenwartsdebatten, wozu erheblich die biblisch-theologischen Grundlegungen beitragen. Die Konnotation „konservativ“/„rechts“ läuft oft still mit. Mehrfach berühren sich die Beiträge inhaltlich, wenn sie von den verschiedenen Ansatzpunkten her auf bestimmte Schnittstellen wie „Multikulturalität“, „Vaterland“, „Gender“, „Böckenförde-Diktum“ oder „ordo amoris“ zulaufen; die Bewertung der Säkularisierung fällt uneinheitlich aus.

Im Ergebnis tendiert rechtgläubiges Christentum politisch nach rechts (erst recht, seit die C-Parteien ihre konservativen Positionen fast gänzlich geräumt haben), wohingegen die real existierende linksglobalistische Ausrichtung mit Fokussierung auf Menschenrechten, Migration und Klimawandel eine säkularistisch entkernte, häretisch durchsetzte Schwundstufe darstellt. Insofern ist vor allem seitens der führenden Kirchenvertreter eine Neuorientierung überfällig.

Eine Fortführung des Buch-Projekts mit der Erschließung weiterer aktueller Themenbereiche kann sich der interessierte Leser nur wünschen.

„Christentum und Medien“ zum Beispiel verdiente eine kritische Durchleuchtung, wobei die gewaltige Schlagkraft der Öffentlich-Rechtlichen gegen rechts mit der überschaubaren Anzahl der den vor allem rechtskatholischen Standpunkt vertretenden Publizisten, Zeitschriften und Netzwerke zu kontrastieren wäre.

Die kollektive widergöttliche Weltrettungshybris schreit förmlich nach einer eingehenden Behandlung des Themas „Christentum und Klimawandel“. Alternativlos sind wohl eine Entgiftung der Bezeichnung „rechts“ und ihre Rückholung in die Mitte der Gesellschaft. Mit den beiden Bänden ist der Grundstock einer „Bibliothek des rechtskonservativen Christentums“ gelegt.

Unser Autor Thomas May ist Lehrer i. R. –  Er unterrichtete die Fächer Deutsch und Katholische Religionslehre. Der in Sendenhorst (Münsterland) lebende Autor ist ein Neffe des bekannten Prälaten und Kirchenrechtlers Prof. Dr. Georg May (Mainz).

Die Erstveröffentlichung dieser Besprechung erschien in der Zeitschrift „Theologisches“


OFFENER BRIEF von Klaus Hildebrandt

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Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
aufmerksam verfolgte ich Ihre Rede in Kiel zum „Tag der deutschen Einheit“. Ich weiß nicht, ob Sie diese selbst verfassten oder ihr Ghostwriter, aber sie passte zu Ihrer Politik wie die Faust aufs Auge.
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Viel war darin die Rede von Gemeinsamkeit und Offenheit  – und genau das Gegenteil ist der Fall, denn unser Land ist gespalten wie nie zuvor.
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„Wir schaffen das“, aber was sollen wir denn schaffen, wenn Sie uns das nicht verraten? Dieser Satz, in Verbindung mit „Der Islam gehört zu Deutschland“ ließ von Beginn an vermuten, dass sie etwas im Schilde führen.
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Inzwischen wissen wir’s: Mit der von Ihnen verfügten Grenzöffnung begann eine Ära, die uns als Volk absehbar der Selbstauflösung zuführen soll, wofür Sie als Gegenleistung auch die Zustimmung linker und grüner Politiker erhielten.
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Sie haben sich der hemmungslosen Globalisierung verschrieben, die uns Deutschen der Identität beraubt (siehe Migrationpakt).
Fast 1000 Essenstafeln gibt es heute in Deutschland und immer mehr Menschen und ganze Familien leben in Armut. Migration und Wirtschaft sind ihnen wichtiger als die eigenen Leute. 
Sie haben unser Land und Europa in eine tiefe Krise geführt, wie es sie seit dem Ende des 2. Weltkrieg nicht gab. Sie haben Ihre „Macht“ missbraucht, sich um Dinge gekümmert, die niemanden interessieren (z.B. hier: https://conservo.wordpress.com/2019/09/27/sexualaufklaerung-im-neuen-schuljahr-fuenf-tipps-fuer-eltern/#more-25516).
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Erklärten Sie nicht wiederholt nach Artikel 56 GG:
„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

Nichts davon haben Sie getan. Stattdessen haben Sie Menschen, die für die Wahrheit standen, kalt gestellt (zum Beispiel H-G. Maaßen) und Ihrem Kollegen H. Gröhe das Deutschlandfähnchen entrissen. Wer kann das verstehen?

Wer Ihr Spiel nicht durchschaut, ist selbst schuld, denn unter „Einheit“ versteht man normalerweise etwas ganz anderes.

Eins muss ich Ihnen jedoch lassen: Sie sind ganz schön klug.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Hildebrandt


Die Nation Deutschland, unser Vaterland

Von Peter Helmes

Die Kräfte nehmen zu, die „Deutschland abschaffen!“ in möglichst naher Zukunft verwirklichen wollen. Der 3. Oktober ist jetzt schon der „Tag der offenen Moschee“. So wird er auf weiteres existieren – und das Gedenken an die „deutsche Einheit“ wird verblassen…

Es  gibt unbestreitbar eine „Erfolgsgeschichte Wiedervereinigung“, aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille, von der neue Wortschöpfungen wie „VEB Asyl“, „VEB Aufarbeitung“, „VEB Merkel-Deutschland“ usw Zeugnis ablegen. Von den ursprünglichen Zielen der DDR-Bürgerrechtler spricht niemand mehr.

Die „BRD“ mutiert zu einer „DDR-light“. Der Staat denkt, der Staat lenkt – und der Staat schreibt uns immer häufiger vor, was wir zu denken und zu sagen haben bzw., genauer, was wir nicht sagen dürfen  – einfach Maas-los!

Die Verfolgung der ehemaligen Verfolger blieb nicht nur aus, sondern die Nomenklatura von einst besetzte ungehindert (oder gefördert?) eine Position nach der anderen. Zwei der vier höchsten Ämter unseres Staates, Bundespräsident und Bundeskanzler, wurden in der vergangenen Legislaturperiode bereits von Menschen eingenommen, die ausreichend DDR-„Stallgeruch“ haben. 

Bis in tiefe Bereiche von Behörden und Ministerien sitzen diejenigen, die einst die Unterdrücker waren und sie bescheiden die Unterdrückten von einst z. B. bei ihren Renten- oder Versorgungsansprüchen (siehe auch: „Verborgene Wunden“, Pschychosozial-Verlag, Hg. Dr. Bomberg: (https://conservo.wordpress.com/2015/08/10/verborgene-wunden-der-ostzonen-fluechtlinge/).

Niemand spricht – das wäre eigentlich die Kernfrage des heutigen Tages – über das Selbstverständnis unserer Nation.

Der ehem. Bundespräsident Gauck, der damals oberste Repräsentant dieser Nation (!), faselte ungeniert davon, man müsse den „Begriff Nation neu definieren“ (Interview im Bonner Generalanzeiger vom 29.8.2015). Da läuten alle Alarmglocken, doch niemand schien hingehört zu haben.

Eine öffentliche Debatte hat jedenfalls nie eingesetzt, wäre aber dringend geboten. Denn es offenbarte sich hier ein eigenartiges politisches Verständnis des Ersten Mannes der Republik.

Was bedeutet eigentlich „Nation“? Schauen wir auf die Definitionen „Nation“ einzelner „Sprachinstitutionen“: „Gemeinsame Sprache, Tradition, Sitten, Gebräuche oder Abstammung“.

Der Begriff „Nation“, sagt Wikipedia, wurde „um 1400 ins Deutsche übernommen, von lat. natio, „Volk, Sippschaft, Menschenschlag, Gattung, Klasse, Schar“ und bezeichnet größere Gruppen oder Kollektive von Menschen, denen gemeinsame Merkmale wie Sprache, Tradition, Sitten, Gebräuche oder Abstammung zugeschrieben werden (…) Die zugeschriebenen kulturellen Eigenschaften können dabei als der Nationalcharakter eines Volkes oder einer Volksgemeinschaft dargestellt werden…“

Gutmenschen haben auch hier ihren Rotstift kreisen lassen, hieß es doch vor der „modernen“ Version bei Wikipedia viel klarer und eindeutiger:

„Der Begriff Nation bezeichnet eine große meist geschlossen siedelnde Gemeinschaft von Personen die über gleiche Abstammung Geschichte Sprache und Kultur und ein gemeinsames Staatswesen auf einem bestimmten Territorium verfügen können (Nationalität)…“

Dies paßt auch besser zu der wohl „hoffnungslos veralteten“ Definition des Duden:

Die Duden-Erklärung: (Nation…)

1. große, meist geschlossen siedelnde Gemeinschaft von Menschen mit gleicher Abstammung, Geschichte, Sprache, Kultur, die ein politisches Staatswesen bilden

2. Staat, Staatswesen: (umgangssprachlich) Menschen, die zu einer Nation gehören; Volk.

3. Synonyme zu Nation: Gemeinwesen, Land, Staat, Staatswesen, Volk, Völkerschaft; (besonders nationalsozialistisch) Volksgemeinschaft

Ganz schlimm (im Sinne der Nation-Veränderer) wird es, wenn man an die Wurzel des Wortes erinnert: lateinisch natio = das Geborenwerden; Geschlecht; Volk(sstamm), zu: natum.

Da wird doch tatsächlich (fast „faschistisch“, eieiei!) daran erinnert, daß man durch Geburt zur Nation gehört.

Diese Interpretation des Duden haben die „modernen“ Nationenversteher offensichtlich noch nicht registriert.

Quelle und Fortsetzung des Beitrags hier: https://conservo.wordpress.com/2019/10/03/deutsche-einheit-eine-nation-eine-kultur-eine-sprache/


Syrien: Assad würdigt einheimische Christen

Christen seien in Syrien nie „Ausländer“ gewesen, denn sie hätten zum Aufbau der syrischen Zivilisation beigetragen, indem sie deren Botschaft Seite an Seite mit ihren „muslimischen Brüdern“ in der ganzen Welt verbreiteten.

Dies unterstrich der syrische Präsident Bashar al Assad am 4. Juli 2019 bei einem Treffen mit katholischen Jugendlichen, die an einem „Sommercamp“ im Kloster Mar Tuma Saidnaya teilnahmen.

An dem Sommercamp beteiligte sich auch der syrisch-katholische Patriarch Ignace Youssif III. Younan, der auch bei der Begegnung mit Assad anwesend war.

Im Gespräch mit jungen Menschen wiederholte Assad, dass die stabile Präsenz und der ursprüngliche Beitrag der christlichen Gemeinschaften in Syrien ein wichtiger Faktor sei und das Land vielfältig bereichere.

Christen seien in Syrien – so zitieren die offiziellen Medien den Präsidenten – neben ihren muslimischen Brüdern die Erbauer der Zivilisation und der Menschlichkeit gewesen und hätten mit ihrem Patriotismus und ihrer Ausgewogenheit zum Scheitern der neokoloniale Aktionen beigetragen, die von feindlichen Kräften auf den Weg gebracht wurden, um den Terrorismus zu förderten, um die Nation zu spalten.

Die syrische Identität – so Assad – betrachte die harmonische Vielfalt als nationalen Schatz. Es gebe nicht den Gegensatz zwischen „Mehrheiten und Minderheiten“, den westliche Kreise gerne als Schlüssel zum Verständnis des Zustands hernehmen, wenn es um die Lebensumstände einheimischer Christen im Nahen Osten gehe.

Im Gespräch mit Assad stellten die Jugendlichen  Fragen zu vielen Problemen, die in Syrien durch den langen und verheerenden Konflikt verursacht wurden und machten Vorschläge, welchen Beitrag sie selbst zum Wiederaufbau des Landes leisten können.

Quelle: Vatikanischer Fidesdienst


Plädoyer für ein Europa der Vaterländer und für die Vielfalt der Völker

Von Jörgen Bauer

Dieser Tage sah ich eine in Deutsch unterlegte Sequenz eines japanischen Fernsehsenders, in der ein Japaner, der sich längere Zeit in Deutschland aufhielt, interviewt wurde. Der Japaner konnte sich über die Deutschen nur wundern, weil diese – aus seiner Sicht – den kollektiven Selbstmord planen.
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Auch die Moderatorin konnte das kaum fassen. Der kollektive – oder richtiger “nationale” –  Selbstmord werde hauptsächlich durch die Überfremdung durch Flüchtlinge und Migranten bewirkt, denen man weitgehend – unter Zurückstellung eigener Interessen – entgegenkommt, wobei die eigenen Bürger vernachlässigt werden.
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Als Grund für diese selbstzerstörerische Haltung wurden Schuldgefühle wegen eines “Herrn Hitler” genannt, weshalb man weiterhin glaubt, immer noch etwas gut machen zu müssen, was überhaupt nicht verstanden wurde, zumal auch Japan Schuld auf sich geladen hatten. Aber irgendwann muss es genug sein. 
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Hierzulande gibt es seit 2012 die “Identitäre Bewegung” (IB), der es darum geht, dass nicht nur Deutschland, sondern ebenso auch die Völker Europas ihre individuellen und kulturellen Eigenheiten, also ihre Identität bewahren, und diese nicht durch fremde Kulturen überlagert, ersetzt und abgelöst werden.
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Und eine IB ist in einem Land wie dem unseren, in dem die Meinungsfreiheit durch “betreutes Denken” eingeschränkt ist und “betreute Quasselrunden” den Medienkonsumenten klar machen, wie sie die Welt zu sehen haben, natürlich höchst verdächtig.
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Deshalb werden die Identitären auch als Nazis, Rassisten, Fremdenfeinde usw., also als ganz besonders Schlimme und deshalb als bekämpfenswert eingeordnet und bezeichnet.
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Der JUNGEN FREIHEIT ist es zu verdanken, dass sie sich in ihrer Ausgabe Nr. 19 vom 3. Mai 2019 ausführlich mit dieser Thematik befasst, womit ein realistisches Bild gezeichnet wird.
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Es geht der IB um Ethnopluralismus. Darunter versteht sich eine gesellschaftliche Ordnung mit ethnisch und kulturell homogenen Staaten. Multikulturalismus wird abgelehnt. Zuwanderung soll nach abstammungsmäßigen Kriterien gesteuert werden. Sie setzt sich für einen Stopp der Zuwanderung und konsequente Abschiebung ein, damit die Deutschen nicht zu einer Minderheit im eigenen Land werden.
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Die IB ist gegen Rassismus und Chauvinismus und lehnt Gewalt ab. Ihre Aktionen sind eher mit der von Green-Peace vergleichbar.
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Wer Mitglied werden will, muss sich einem mehrstufigen Auswahlverfahren unterziehen. Die IB hat rund 500 Mitglieder, die sich in 17 Regionalgruppen und über 100 Ortsgruppen verteilen. Rechtsextreme werden nicht geduldet.
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Wie ist das zu bewerten?
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Stellen wir uns eine Ortschaft vor, in der zahlreiche Familien in ihren eigenen Häusern oder Wohnungen leben, wobei sich alle auf irgendeine Weise am Leben in der örtlichen Gemeinschaft beteiligen. Sei es in Vereinen oder bei gemeinsamen Veranstaltungen, bei Entscheidungen, welche die Gemeinde betreffen oder bei Aktionen im Dienste der Gemeinschaft.
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Jede Familie zieht sich aber immer wieder in ihren häuslichen Bereich zurück, um dort, entsprechend ihren jeweiligen Gewohnheiten und ihrer familiären Lebensart zu leben.
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Das entspräche dem ursprünglichen Modell eines Europas der Vaterländer, in dem verschiedene Völker ihren kulturellen und sonstigen Eigenheiten entsprechend leben, wo man sich aber zusammenschließt, um Probleme, die alle betreffen, gemeinsam zu lösen.
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Jetzt könnten ja ein paar ganz Schlaue kommen, die den Bewohnern besagter Ortschaft raten, ihre individuellen Haushalte aufzugeben und stattdessen in ein Gemeinschaftshaus zu ziehen, um dort nicht nur all ihren Besitz einzubringen und sich einer wenig attraktiven, fremdbestimmten Hausordnung zu unterwerfen, sondern auch noch die Türe für Wanderer und Vorüberziehende offen zu halten, damit diese zu Lasten der Bewohner in das Gemeinschaftshaus aufgenommen werden können, was als besonders erstrebenswert anzusehen ist.
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Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass das nicht gutgehen könnte.
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Nun muss man leider feststellen, dass es bei den Kandidaten für die Wahlen zum EU-Parlament zahlreiche Phantasten und vaterlandslose Gesellen gibt, die ein Faible für solche hirnrissigen Ideen haben und von einer Auflösung der Nationalstaaten faseln, die angeblich nicht mehr zeitgemäß, sondern überholt sind.
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Solche Töne klangen selbst bei einem CSU-Kandidaten Manfred Weber an, der wohl von den “Vereinigten Staaten von Europa” angetan ist, dem wohl die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) als Vorbild dienen.
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Aber wie sind die USA entstanden? Zuwanderer aus aller Welt – heute würde man Migranten dazu sagen – haben das Land unter Verdrängung der indianischen Urbevölkerung, mit denen sie absolut keine Gemeinsamkeiten hatten, mehr oder weniger gewaltsam in Besitz genommen.
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Übrigens haben die Zuwanderer aus aller Welt in Amerika ihre nationalen Identitäten nicht aufgegeben, sondern Vereine gegründet und sich in national geprägten Stadtvierteln – wie z.B. “China Town” – angesiedelt, in denen die Erinnerung an die gemeinsame Herkunft lebendig gehalten wird.
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Das gibt es auch bei uns. Angefangen von Vertriebenenorganisationen bis jetzt zu Stadtteilen, in denen überwiegend Menschen mit ausländischen Wurzeln – vor allem Muslime – leben, die sich zum Teil zu “No-go-Areas” entwickeln.  
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Wenn ich immer wieder von Hochrechnungen höre, wonach bei uns noch Platz für hunderte Millionen Migranten wäre, beschleicht mich das Gefühl, dass es politisch Kriminelle gibt, die wollen, dass sich bei uns die Geschichte –  in Anlehnung an die Entstehung der USA – wiederholt. Und da habe ich den Verdacht, dass die eurokratischen Ideologen in globalistischen Phantastereien befangen sind.
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Die europäischen Staaten und ihre Völker haben ihre jeweils eigenen Sprachen, ihre eigene Geschichte, ihre eigenen, gewachsenen und spezifischen Kulturen, die erhaltenswert sind und die sich nicht querbeet durchmischen lassen, was letztlich zu einer kulturellen Verarmung führen müsste. Es geht hier um die Identität eines Volkes, das Heimat und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit vermittelt.
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Der Verlust der Identität führt zur Entwurzelung. Es ist lebensnotwendig, sich irgendwo zugehörig zu fühlen, eine Heimat und ein Zuhause zu haben. Ist es erstrebenswert, heimatlos und ein Blatt im Wind zu sein? 
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Grenzen sind ein unverzichtbarer Ordnungsfaktor der vorgegebenen Natur- und Schöpfungsordnung, erkennbar an den Naturgesetzen und den Abläufen in der Natur. Bereits ein lebendiger Organismus besteht aus unterschiedlichen, voneinander abgegrenzten Organsystemen und ist nur so überlebensfähig.
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Das setzt sich dann im Alltag in organisatorischen Strukturen und im Zusammenleben der Völker fort, in dem geregelt wird, was, wann, wo und für wen gilt. Andernfalls hätte man das totale Chaos.
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Und wer die totale Freiheit und Menschenliebe propagiert und Grenzen ablehnt, sollte gefragt werden, ob er wirklich ernstlich bereit ist, seine Türschlösser auszubauen bzw. Haus- und Wohnungstüren auszuhängen, Zündschlüssel nicht mehr abzuziehen, sondern jedem Vorübergehenden den Zutritt zu seiner Wohnung und den Gebrauch seines Autos zu gestatten.
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Deshalb ist es absolut unverständlich, wenn der Begriff “Grenze” bevorzugt im negativen Sinn, nämlich als “Ausgrenzung” und damit “Ablehnung” verstanden wird.
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Ich glaube nicht, dass unsere Mitbürger gegen ein Vereintes Europa sind. Der Widerwille richtet sich gegen die Europäische Union (EU) mit ihren undurchschaubaren Strukturen, die von niemanden gewählt wurde, aber die Funktion eines “Überstaates” hat und damit den Mitgliedstaaten vorschreiben kann, welche Gesetze diese zu beschließen haben.
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Auch wenn das Europaparlament mehr oder weniger Alibifunktion und nichts wirklich zu sagen hat, ist es trotzdem wichtig, zur Wahl zum EU-Parlament zu gehen, damit nicht solche Leute das Sagen bekommen, die nach der Bundesrepublik jetzt auch noch Europa an die Wand fahren wollen.
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Was kann vom Wort Gottes dazu gesagt werden?
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Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.  1. Kor 14,33
Dass Unordnung und Unfrieden ebenso wie Ordnung und Frieden in einem inneren Zusammenhang stehen, entspricht einer alltäglichen Erfahrung: Schlampereien bewirken Ärger und Verdruss, während Ordnung und Zuverlässigkeit wertgeschätzt sind und anerkannt werden.
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Das Wort Gottes, die Bibel, rühmt und preist das Tun Gottes, der alles auf so wunderbare Weise geschaffen und geordnet hat, so dass es möglich wäre, in absolut vollkommenen paradiesischen Verhältnissen zu leben – wenn, ja wenn die Menschen keine Sünder wären, die sich ständig gegen Gottes Ordnungen auflehnen und damit für Streit, Unordnung und Gewalt sorgen.
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Die Menschen wissen das im Grund und entwickeln deshalb ständig neue Ideen und Ideologien, von denen sie glauben, die Welt damit verbessern zu können. Das funktioniert aber deshalb nie, weil wir Menschen unseren Hang zum Unfrieden und zur Unordnung nicht ablegen können, sondern das bestenfalls auf eine “höhere Ebene” verlagern.
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Der Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht geschaffen hat – das gilt auch für die EU. Deshalb wurde in das Grundgesetz ein Gottesbezug aufgenommen, um zu verdeutlichen, dass es etwas Höheres gibt, das die Welt in der Hand hält.
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Im Vertrag über eine EU-Verfassung, die bislang nur deklaratorischen Charakter hat, weil sie nicht in Kraft getreten ist, fehlt ein solcher Hinweis. An die Stelle Gottes tritt hier das “gemeinsame europäische Erbe” und das ist ein sehr vieldeutiges Fundament.
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Neuorganisationen sind –  wie Umzüge – immer solange mit Unordnung verbunden, bis alles seinen Platz gefunden hat. Und da ist in Europa noch vieles nicht an seinem Platz.
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Das führt dann zu dem von den EU-Funktionären beklagten “(Rechts)Populismus in der Mitte der Gesellschaft”, was eigentlich ein Grund zur Hoffnung ist, denn der “Populist” ist in der Regel ein geistig gesunder Mensch, der allen Umerziehungsversuchen des gleichgerichteten politisch-medialen Komplexes widerstanden hat.
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Die Idee eines vereinten Europas ist positiv, wenn dieses in erster Linie den Europäern und denen, die wirklich dazugehören wollen und sich einordnen, dient.
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Unser Gast-Autor Jörgen Bauer ist evangelischer Christ und lebt in Heidenheim

Warum Patriotismus ein christlicher Wert ist

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Wähler zur Europawahl sind wie nie zuvor unentschieden. In Bayern sagen beispielsweise nach einer Umfrage (vgl. AZ, 10.5.19) nur 24% der Befragten, dass sie zur Wahl gehen und wissen, welche Partei sie wählen werden.

Die traditionelle Stammwählerschaft schrumpft überall. Die Wahlplakate benennen Allerweltsprobleme. Sie sind für die Wahlentscheidung nicht hilfreich. Die Unsicherheit hat auch damit zu tun, dass man den europäischen Institutionen und den Europapolitikern nicht mehr zutraut, die aktuellen Krisen und die ungelösten existentiellen Zukunftsprobleme zu lösen.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Mittlerweile erkennen die Menschen, dass sie von Fehlentwicklungen der Vergangenheit eingeholt werden. So spüren die Kranken, Behinderten und alten Menschen, die Betreuung brauchen, dass Pflegekräfte überall fehlen. Hier machen sich die demographische Entwicklung und die Überalterung der Bevölkerung besonders bemerkbar.

Kein Wunder: Seit 1976 sind nach offiziellen Zahlen mindestens 5,5 Mio. ungeborener Kinder abgetrieben worden. Nach anderen Quellen sind es über 10 Mio..

Zwei Professoren, nämlich Paul Collier (Sozialer Kapitalismus! – Mein Manifest gegen den Zerfall unserer Gesellschaft) und Jahn Zielonka (Konterrevolution – Der Rückzug des liberalen Europa) analysieren ungelöste existentielle Zukunftsfragen und ihre Ursachen (vgl. AZ, 10.5.19).

Sie weisen auf die „sozialen Spannungen durch wachsende Ungleichheit, die nationalen Erhebungen gegen offene Grenzen, den Rückfall auf sozialistische Ideen zur Regelung der Wirtschaft“, hin. Diese seien „Symptome einer ungelösten äußeren und inneren Verfasstheit“. Es gehe um Grundsätzliches:

Der Liberalismus der „offenen Gesellschaft“ wende sich gegen sich selbst. „Die Liberalen in Politik, Kultur und Journalismus“ hätten sich in einer „selbstgefälligen liberalen Oligarchie“ eingerichtet, würden „die Bürger bevormunden und im Namen einer höheren Moral mit dem Öffnen der äußeren Grenzen den inneren Zusammenhalt und die Bedeutung von Heimat und Identität beschädigen“. Diese Diskussionen werden europaweit geführt.

Die instabile innere Verfasstheit artikuliert sich auch im Dauerthema „Überfremdung“ durch Massenzuwanderung aus anderen Kulturkreisen mit einem anderen religiösen Hintergrund.

Papst Franziskus wurde am 6. April 2019 im Kolleg San Marcos in Mailand bei einem Treffen mit den Lehrkräften mit dieser Problematik konfrontiert.

Papst Franziskus kritisiert den Verlust des Patriotismus

Auf die Frage, wie man an die Studenten Werte, die in der christlichen Kultur verwurzelt sind weitergeben könne, sagte Franziskus:

„Der Schlüsselbegriff ist Verwurzelung. Die Verwurzelung braucht Festigkeit. Das ist der Boden mit den Wurzeln in der Erde. Die Jungen sind ohne Festigkeit. Sie sind entwurzelt. ‚Das Fließende‘ entsteht, wenn jemand seine Identität nicht finden kann, d.h. seine Wurzeln nicht entdeckt, weil er ohne Erinnerung an seine Geschichte, die Geschichte seines Volkes, die Geschichte des Christentums nicht weit gehen kann. Das sind die Werte.

Das bedeutet nicht, dass man sich in der Gegenwart und in der Vergangenheit aus Angst einsperren soll. Die Jugend soll zu den Wurzeln zurückkehren und mit den Wurzeln wachsen. Deswegen rate ich, mit den Alten zu sprechen. Sie sind das Gedächtnis des Volkes, der Familie, der Geschichte.

Aber die heutige mittlere Generation ist nicht mehr in der Lage, die Wurzeln weiterzugeben.

Eine zweite Sache ist die eigene Identität. Wir können keine Kultur des Dialogs pflegen, wenn wir keine Identität haben. Es ist wichtig, identitätsbewusst zu sein und zu wissen, wer ich bin und was mich von den Anderen trennt. Man muss seine Identität, seine Geschichte und seine Zugehörigkeit zu einem Volk kennen.

Wir sind in eine Familie, in ein Volk hineingeboren. Ich möchte das Fehlen von Patriotismus kritisieren. Der Patriotismus ist die Zugehörigkeit zu einem Land, zu einer Geschichte und einer Kultur. Identität bedeutet Zugehörigkeit“. (L‘Osservatore Romano, Nr. 15, 14. April 2019, spanische Ausgabe)

Papst Franziskus fordert also Patriotismus, etwas, was heute im Zeichen der Globalisierung als „überholt“ verpönt oder gar als „nationalistisch“ diskreditiert wird.

Die Kritiker verkennen, dass die Menschen gerade in europa- und weltweiten Zusammenschlüssen die vertraute und überschaubare Nähe brauchen, die ihnen ein Mindestmaß an Geborgenheit und Sicherheit gibt.

Die Bürger wollen wissen, wofür sie noch zuständig und eigenverantwortlich sind. Die Menschen ahnen, dass sie, dort wo die Letztverantwortung nicht mehr gegeben ist, Gefahren ausgesetzt sind.

Der fehlende Gottesbezug in der Europäischen Verfassung hätte eine Bremse gegen eine übermächtige und nicht mehr überschaubare Bürokratie sein können.

Drei Grundsätze: Lebensschutz – Ehe/Familie – Elternrecht

Benedikt XVI. hat drei Prinzipien konzipiert, die für die Kirche „nicht verhandelbar sind“. Sie bilden auch die Richtschnur im Bereich des politischen und öffentlichen Lebens. Das sind:

  • Schutz des Lebens in all seinen Formen vom Anfang bis zum Ende
  • Anerkennung und Förderung der natürlichen Struktur von Ehe und Familie
  • Schutz des Primärrechtes der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder.

Die christlichen Wähler sehen sich vor der Europawahl ratlos um, welche Parteien diese Prinzipien garantieren.

Papst Franziskus äußerte in Mailand „Identität bedeutet Zugehörigkeit zu einem Land, zur eigenen Geschichte und Kultur“.

Es gibt in Europa Länder, die sich mit dieser Zugehörigkeit weniger schwer tun als die Deutschen. Die polnische Bischofskonferenz hat beispielsweise 2017 erklärt: „Der Patriotismus ist eine Verpflichtung und verbindet uns mit dem vierten Gebot.“

Der polnische Papst Johannes Paul II. äußerte: „Für einen Christen bleibt der Dienst für das irdische Vaterland – ähnlich der Liebe zur eigenen Familie – Pflicht.

Diese Aussagen haben eine gute Grundlage: Thomas von Aquin, einer der größten Kirchenlehrer spricht von einem notwendig abgestuften Liebesgebot, da wir nicht alles und alle in gleicher Weise lieben können. Für Thomas steht „Gott an der Spitze. In zweiter Linie kommen die Eltern und das Vaterland, von denen wir erzeugt und genährt worden sind.“

Auch im Nachbarland Frankreich gibt es Persönlichkeiten, die zum Patriotismus stehen, so Pierre de Villiers. Er ist der ehemalige Generalsstabschef Frankreichs.

De Villiers ist im Juli 2017 wegen Macron zurückgetreten. Er sagt ungeniert, was er für richtig hält. Die Einheit und die Hoffnung seiner Landsleute sind ihm „angesichts der Brüche, des Zerfalls der Gesellschaft und des wachsenden Egozentrismus“ besonders wichtig.

Die Hoffnung speist sich „aus dem Vertrauen in den Menschen und seine Fähigkeiten und Werte. De Villiers gehört zur „stillen Reserve Frankreichs“ (so Jürgen Liminski). Der Wahlspruch des Ex-Generals „Meine Seele für Gott, mein Leib für das Vaterland, mein Herz für die Familie“ ist ein Programm, das Vertrauen einflößt  –  über Frankreich hinaus.


Historiker Weißmann wurde 60 Jahre alt

Für Außenstehende immer wieder faszinierend ist die immense Produktivität des Historikers Dr. Weißmann (siehe Foto).

Daß ihm diese Schaffenskraft noch sehr lange erhalten bleibe, darf man Karlheinz Weißmann wünschen, der am 13. Januar seinen 60. Geburtstag beging.  

Nation, das betonte Weißmann stets, ist weder – wie von links behauptet – etwas bloß Erfundenes, kein künstliches Konstrukt, noch ist es etwas quasi in der Natur des Menschen Veranlagtes – wie in manchen rechten Kreisen verbreitet wird.

Nationen waren weder immer schon da, noch entstanden sie beliebig, aus dem Nichts; sie bildeten sich langsam und durchaus basierend auf einer geistigen Bewegung (eine Nation sein zu wollen), aber eben doch auch auf der Basis einer historisch gewachsenen Gemeinschaft.

Daß sich Deutschland wieder als politisches Subjekt zu restituieren habe und in die Lage versetzt werden müsse, „seine Lebensfragen zu lösen“, gehörte schon vor den glücklichen Umwälzungen des Jahres 1989 zu den Forderungen Weißmanns.

Geprägt von der Jugendbewegung war der Gildenschafter einer von denen, die fest daran glaubten: „Die Deutsche Einheit kommt bestimmt!“ (Wolfgang Venohr)

Ebenso leuchten in seinen frühen Texten, etwa für Caspar von Schrenck-Notzings Zeitschrift Criticón, bereits jene schnörkel- wie schonungslosen Analysen der Lage des deutschen Konservatismus auf, die sich ab da durch unzählige Weißmann-Texte ziehen.

Quelle und vollständiger Text von Christian Vollradt in der JF hier: https://jungefreiheit.de/kultur/2019/das-denken-mit-dem-handeln-verbinden/

Noch vor zwei Tagen berichtete unser CHRISTLICHES FORUM ausführlich über einen Vortrag von Dr.  Weißmann im Düsseldorfer Landtag: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/12/historiker-karlheinz-weissmann-sprach-beim-afd-neujahrsempfang-in-duesseldorf/


Historiker Karlheinz Weißmann sprach beim AfD-Neujahrsempfang in Düsseldorf

Von Felizitas Küble

Wie bereits im CHRISTLICHEN FORUM berichtet, hat die AfD-Fraktion in Nordrhein-Westfalen am 11. Januar 2019 ihren Neujahrsempfang im Düsseldorfer Landtag veranstaltet. 

Die Hauptrede auf dieser gut besuchten Versammlung hielt der evangelische Theologe, Philosoph und Historiker Dr. Karlheinz Weißmann (siehe Fotos).

Der konservative Buchautor sprach bereits vorigen April bei der AfD in Münster über das Thema 68er-Bewegung und ihre Folgen: https://charismatismus.wordpress.com/2018/04/26/dr-weissmann-ueber-den-kulturbruch-der-68er-revolte-und-die-fatalen-folgen/

Dr. Weißmann begann seinen Vortrag mit dem Hinweis auf Janus, jene doppeldeutige Gestalt aus dem antiken römischen „Götterhimmel“ mit zwei Gesichtern, wobei eines die Vergangenheit und das andere die Gegenwart symbolisierte, Krieg ebenso wie Frieden anzeigte und insgesamt als der „Gott des Ursprungs“ angesehen wurde.

Weil dies zum ersten Monat im Jahr paßt, in welchem die Menschen sowohl „rückwärts wie vorwärts“ blicken, von Hoffnungen ebenso wie von Ängsten geprägt sind, nannten sie ihn „Januar“.

Der Untergang Roms und unsere Zeit

Der Geschichtsphilosoph übertrug dieses Sinnbild in unsere Zeit und erinnerte daran, daß es nach dem Mauerfall so schien, als sei unser Land nun gleichsam „von Freunden umzingelt“, alles in Butter und die Zukunft ebenso friedlich wie verheißungsvoll. 

Diese Phase sei inzwischen – auch durch massive Fehlleistungen seitens der Politik  – einer viel größeren Besorgnis gewichen, erläuterte Dr. Weißmann. Nicht wenige Zeitgenossen würden unsere Zeit inzwischen mit dem Niedergang Roms vergleichen, denn manche Kennzeichen der Dekadenz träfen auch auf die heutige Lage zu.

Damals hätten die „Barbaren vor den Toren Roms“ gestanden  – und derzeit könne man sich fragen, ob sie die Tore nicht schon durchschritten hätten.

Sodann befaßte sich der Historiker mit dem  – wie er es nannte – „geradezu kometenhaften Aufstieg“ der AfD, wodurch die Parteienlandschaft in nur zwei Jahren wesentlich verändert worden sei.

Der schnelle Erfolg der Grünen Anfang der 80er Jahre sei zum Teil auch der Tatsache zu verdanken gewesen, daß die Medien diese neue Partei „hochgeschrieben“ hätten, während hinsichtlich der AfD das genaue Gegenteil der Fall sei.

Alle anderen Partei-Versuche „rechts von der Mitte“ seien daran gescheitert, teils auch an internen Querelen. Zudem habe es teils „Generäle ohne Soldaten“ (Elitepartei) oder „Soldaten ohne Generäle“ (fehlende kompetente Führung) gegeben. 

Die AfD verfüge über beides – zudem habe sie ihre Krisen, Abspaltungen und Personalstreitigkeiten überstanden und sei nicht daran zerbrochen.

Das Thema Masseneinwanderung sei nicht neu, sondern seit dreißig Jahren intensiv auf der Tagesordnung, ebenso die wachsende Bedrohung durch den politischen Islam. Allerdings seien diese drängenden Fragen zuvor von keiner konservativen Partei kraftvoll gebündelt worden.

Politische Wende durch die Grenzöffnung 2015

Der AfD seien die Probleme der Grenzöffnung 2015 zugute gekommen und sie habe die Gelegenheit gut genutzt, um den wachsenden Unmut im Volke aufzufangen und ihm eine deutlich vernehmbare Stimme zu geben. Viele Menschen seien fassungslos gewesen und hätten sich angesichts der unkontrollierten Massenmigration wie ohnmächtig gefühlt, zumal Kanzlerin Merkel einfach lakonisch erklärte: „Nun sind sie halt da.“

Doch die anderen Parteien wollen sich, so Weißmann, nicht von den „Futterkrippen der Macht“ verdrängen lassen, daher die scharfen Attacken gegen die AfD.

Er habe mit einem solch wirksamen Aufstieg einer konservativen Partei nicht gerechnet, auch eingedenk der Erfahrung, wonach die Bürgerlichen „im Zweifel feige“ seien. Gleichwohl habe er sich jahrzehntelang publizistisch für eine seriöse konservative Partei rechts der Mitte eingesetzt. Die AfD sei für ihn gleichsam „eine Antwort auf meine Gebete“ (starker Beifall der Anwesenden).

Die AfD sei aber kein Selbstläufer, sondern müsse fundierte Leistungen vorweisen; sie dürfen nicht resignieren gegen einen übermächtig erscheinenden Gegner in Politik und Medien.

„Es läuft grundsätzlich etwas schief“

In diesem Land laufe „grundsätzlich etwas schief“, betonte Dr. Weißmann. Als Beispiel erwähnte er, daß die Töpfe der EU gefüllt würden, aber zugleich die deutsche Infrastruktur vernachlässigt werde. Zudem habe man bei der vielgepriesenen „kulturellen Bereicherung“ durch Migration übersehen, daß damit auch „religiöser Extremismus“ importiert worden sei.

Das Verhältnis zur eigenen Nation sei gestört; man lasse den „elementaren Zusammenhalt verkommen“, beklagte der Redner. Seit 1968 werde der Patriotismus diffamiert und eine  volksverbundene Haltung als „Populismus“ abgetan, dabei gehöre ein recht verstandener Populismus wesentlich zur Demokratie als einer Volksherrschaft.

BILD: Eines der zahlreichen Sachbücher von Dr. Weißmann: „Kulturbruch 68“

Europaweit gäbe es immer mehr „populistische“ Kräfte, die eine festgefahrene Parteienlandschaft in Bewegung bringen.

Der Historiker schilderte seine Begegnungen in Dänemark mit Vertretern patriotischer Bewegungen und konservativen lutherischen Pastor/innen, die ein positives Verhältnis zu ihrem Land pflegen – aber auch mit Wertschätzung auf Deutschland schauen, die deutsche Kultur und Literatur wertschätzen. Viele junge Dänen studieren in Deutschland. Man hoffe auf eine patriotische Veränderung in Europa, zugleich höre er immer wieder die Aufforderung: „Deutschland muß vorangehen!“

Allerdings sei der Populismus  – das Aufgreifen von Volksstimmungen – nur ein erster Schritt. Es sei eine bleibende Herausforderung für die AfD, so der Historiker, sich gründlich zu fundieren und zugleich ein breites Meinungsspektrum abzubilden. Der Partei müsse es gelingen, weiterhin die verschiedenen Flügel zu integrieren. Außerdem sei es wichtig, weder die parlamentarische Sacharbeit noch den Aktionismus an der Basis zu vernachlässigen.

Klugheit ist die „vornehmste politische Tugend“

Klugheit, so mahnte er die Versammelten, sei die „vornehmste politische Tugend“. Daher sollten interne Streitigkeiten und Personalquerelen nicht an die große Glocke gehängt werden. Nur so sei es möglich, die AfD „in der Mitte der Gesellschaft zu verankern“.

Angesichts des massiven Gegenwinds solle niemand vorschnell resignieren. Manchmal drehe sich der Wind des Zeitgeistes ganz überraschend. Er erinnerte an das alte Wort, wonach die „Dämonen von gestern die Götter von morgen“ sein könnten.

Als nüchterner Konservativer beschränke er sich auf einen „vorsichtigen Optimismus“. Ein dauerhafter Sieg sei keineswegs unausweichlich, sondern müsse hart erarbeitet werden.

Dr. Weißmann erinnerte an den deutsch-jüdischen Politiker Walter Rathenau, der nach dem Versailler Vertrag einen „flammenden Appell“ für den Zusammenhalt der Deutschen veröffentlicht habe. Seinem Schlußwort wolle er sich anschließen: „Sursum corda – Hoch die Herzen!“

Abschließend scherzte der Redner: „Das Büffet ist eröffnet – trinken Sie mindestens ein Glas auf das Wohl unseres Vaterlandes!“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 

 


AfD-Fraktion erinnert mit historischem Abend an die friedliche Revolution von 1848/49

Auf Initiative des Arbeitskreises Geschichte der AfD-Bundestagsfraktion fand gestern anlässlich des 170. Jahrestags der Revolution von 1848/49 in den Räumen des Bundestages in der Berliner Luisenstraße ein „historischer Abend“ statt.

Am Tag der Vereidigung der neuen Bundesregierung erinnerte die AfD-Fraktion damit an die revolutionären Erhebungen im Deutschen Bund, die im März 1848 auch in Berlin begannen und einen entscheidenden Meilenstein auf dem Weg zur nationalen Einheit der Deutschen darstellen.

Der Festredner des Abends, Prof. Dr. Christian Jansen von der Universität Trier (siehe Foto), skizzierte die Ursachen der revolutionären Erhebungen, ihre widersprüchlichen Ziele, ihr Scheitern und ihre weitreichenden Konsequenzen:

Diese Revolutionen seien ein historisch einzigartiges Ereignis, sie gehörten zu den seltenen Revolutionen in der Geschichte, die nicht die Folge eines verlorenen Krieges gewesen seien, sondern aus dem Aufbegehren unterschiedlichster Bevölkerungsschichten gegen soziales Elend, Korruption und Ungerechtigkeit hergerührt hätten – daher seien sie den friedlichen Revolutionen in Osteuropa von 1989/90 vergleichbar.

Handikap: Militärische Ohnmacht

Jansen hob die Probleme und Widersprüche hervor, an denen diese Revolutionen gescheitert seien: Die Spaltung Deutschlands in Österreich, Preußen sowie das westlich orientierte „Dritte Deutschland“; die imperialistischen Töne und Vorstellungen über Deutschlands Grenzen, die nur in Kriegen gegen benachbarte Nationen durchzusetzen gewesen seien, sowie den Gegensatz zwischen Sprache und Forderungen der verschiedenen politischen Strömungen. 

So hätten Bauern und Handwerker „Freiheit“ „antimarktwirtschaftlich“ aufgefasst und damit antimoderne Vorstellungen von „Ehrbarkeit“, „Auskömmlichkeit“ und „gemeinschaftlicher“ Nutzung gehabt. Für das liberale Bürgertum der Städte hingegen habe „Freiheit“ vor allem „Meinungsfreiheit“ und „Marktwirtschaft“ bedeutet.

Nicht zuletzt habe sich die Hoffnung der Revolutionäre auf massive Gehorsamsverweigerung in den stehenden Heeren nicht erfüllt, so dass militärische Ohnmacht hinzugekommen sei.

„Dennoch hatte die Revolution nachhaltige Folgen für die weitere politische Entwicklung“, sagte Prof. Jansen weiter. „Erstmals wurden in der Paulskirche ‚Grundrechte des Deutschen Volkes‘ formuliert, die Idee eines Nationalstaates setzte sich in einer breiten Öffentlichkeit durch, auch Preußen bekam 1848 eine Verfassung und das allgemeine Männerwahlrecht wurde eingeführt.“

 „Nation bedeutet gemeinsame Sprache und Kultur“

Prof. Jansen widersprach der geläufigen Meinung, wonach es nach der Revolution zu einem politischen Stillstand gekommen ist und die sog. „1848er“ ihre Ziele spätestens bei der Gründung des Deutschen Reiches 1871 „verraten“ haben.

Vielmehr hätten die liberalen Kräfte ihre politischen Ziele von 1848 weiterverfolgt, aber dabei umgedacht, um zumindest einen Teil ihrer politischen Forderungen umzusetzen. „Ohne die Revolution von 1848 gäbe es heute keinen deutschen Nationalstaat“, sagte der Historiker,  „und was die angebliche Einigung des Deutschen Reiches ‚von oben‘ anbelangt, so wurde sie von einer großen sozialen Bewegung getragen und unterstützt, die im Bürgertum verankert war.“

In der von CHristoph Neumann, Mitglied des Arbeitskreises Geschichte der AfD-Bundestagsfraktion, souverän moderierten Podiumsdiskussion hob Dr. Alexander Gauland, Vorsitzender der AfD-Fraktion, die besondere Triebkraft des Nationalen der Revolution von 1848/49 hervor.

Es stelle eine Konstante in der Neuzeit dar, dass die Menschen in einer politischen Entität leben wollten, die durch eine gemeinsame Sprache und Kultur bestimmt sei.

Damals: „Demagogen“  – heute: „Populisten“

Dr. Götz Frömming, Vorsitzender des Arbeitskreises Geschichte, betonte, dass es wichtig sei, sich dieser Revolution zu erinnern, die heute nahezu keinen Platz mehr im öffentlichen Bewusstsein habe: „Denn die 1848 erstmals festgelegten Grundrechte sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern müssen heute wieder verteidigt werden: etwa die Meinungsfreiheit oder die Demonstrations- und Versammlungsfreiheit.“ 

Zudem könne man Analogien zur politischen Sprache jener Zeit ziehen: Seien damals die liberalen bürgerlichen Kräfte als „Demagogen“ denunziert worden, so würden heute diejenigen als „Populisten“ bezeichnet, die am Gedanken der Nation festhielten.

 

 


Patriotismus statt Nationalismus: Stolz und Scham gehören zusammen

Von Dr. David Berger

Es sind immer seltener die „Linken“ und immer öfter die Konservativen und „Rechten“, die die Themen der gesellschaftlichen Debatte in Europa setzen. Das ist nicht verwunderlich, verbindet man „links“ doch seit geraumer Zeit vor allem mit Denkverboten und den angeschlossenen Institutionen der Gesinnungspolizei, auf keinen Fall jedoch mit einem herrschaftsfreien, fairen gesellschaftlichen Diskurs. pressefotoberger11

Hinzu kommt, dass die Rechte immer näher an den „normalen“ Menschen war als die linken, letztlich weltfremden und nicht von gesundem Menschenverstand und Empirie, sondern von Dogmen getriebene Linke.

Dass Geist und Freiheit eher „rechts“ stehen, bemerkte bereits in den 80ern ein Denker wie Claus Leggewie und neuerdings hat angesichts der Meinungsfreiheit Nicolaus Fest ebenfalls in einem luziden, unbedingt lesenswerten Essay erneut darauf hingewiesen. Ob die politische Klugheit dann gebietet, den Weg der Mitte zu gehen, ist eine ganz andere Frage.

Aufgrund dieses provokativen Potentials konservativen Denkens in einer Welt der verordneten Mediokrität war es absehbar, dass der Streit um die Gedenkkultur der Deutschen aufkommen musste.

Zunächst ist es völlig korrekt: Eine persönliche Schuld gibt es bei jenen, denen die „Gnade der späten Geburt“ (Helmut Kohl) vergönnt war, tatsächlich nicht. Auch gegen eine Kollektivschuld im Sinne einer „Solidarschuld“ haben sich schon 1945 kluge Köpfe, wie etwa der britisch-jüdische Verleger Victor Gollancz, ausgesprochen. Und das zu einem Zeitpunkt und unter Bedingungen, die alles andere hätten verständlich erscheinen lassen.

Das heißt, es ist geradezu „unsinnig, jeden einzelnen Deutschen der Naziverbrechen für schuldig zu halten– aus dem einfachen Grund seiner Zugehörigkeit zur deutschen Nation“ (Benjamin Sagalowitz, 1950). berlin

Etwas anderes freilich ist es, von „Versagen“ und damit auch „Schuld“ in historischen Zusammenhängen zu sprechen. 

Ich bin in den Bundesrepublik Deutschland 1968 geboren. Ich habe dieses Land in meiner Kindheit und Jugend als meine Heimat, die mir alle Entfaltungschancen gab, schätzen gelernt. Je mehr ich mich mit der Geschichte und Gegenwart des Abendlandes beschäftigt habe, ist auch in mir die Freude daran gewachsen, von dieser Kultur und Geschichte geprägt zu sein. Von jenem in den letzten Jahren auf einmal zum „Nazibegriff“ herabgewürdigten Abendland, in dem Menschen deutscher Sprache eine wichtige Rolle gespielt haben.

Und es erfüllt mich nach wie vor mit Stolz, Kind des Abendlandes zu sein. Jenes Abendlandes, das im Mittelmeerrraum in der Antike geboren, aus dem Denken großer Geister wie Sokrates, Platon und Aristoteles hervor wuchs, vom Rechtsdenken und den strategischen Leistungen der Römer geprägt wurde. Ein Erbe, das nach dem Untergang der Antike von der katholischen Kirche und ihren Geistesgrößen – wie einem Thomas von Aquin – bereichert wurde. Und ganz entscheidend auch durch den Einfluss der immerhin fast ein Jahrtausend prägenden Tradition des „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation“ (962 – 1806) – weiter getragen wurde.

Ein stets in einem lebendigen Traditionsprozess modifiziertes Erbe, das zunächst die Geburt der Universität und eines echten Wissenschaftsverständnisses, dann durch heftige Kämpfe (von dem Investiturstreit angefangen bis hin zur immer noch nicht ganz abgeschlossenen Kampf für die trennung von Thron und Altar) hindurch Aufklärung und Säkularisierung ermöglichte. Radio Vatikan

Dieser Stolz und diese Freude ist jedoch immer verbunden mit dem Wissen um die tiefen Schatten, die neben diesen Lichtsäulen der Geschichte stehen.

Das Wissen auch darum, dass der Untergang der Monarchien im Zusammenhang des ersten Weltkrieges eigentlich mehr Demokratie hätte ermöglichen sollen, aber stattdessen Diktaturen in ganz Europa und damit dem Zweiten Weltkrieg den Weg bereitet hat. Das traurige Wissen darum, dass die Kirchen in Europa mehr oder weniger wissend und willig dessen Entwicklung hin zu den Menschenrechten vorbereiteten, gleichzeitig aber auch den Antisemitismus ideologisch unterfütterten.

So steht neben all dem Stolz auch immer die tiefe Scham über die Unheilsjahre in Deutschland und die damit verbundenen Verbrechen der Nationalsozialisten, zumal an den Juden, aber unter anderem auch an Homosexuellen, Katholiken, dem Adel und den Zeugen Jehovas – und an den angegriffenen Völkern der eigenen deutschen BevölkeScannen0005rung.

Wer diese Geschichte näher betrachtet, sieht wie das Böse und die damit verbundene Schuld in seiner enormen Macht ungeheuer strake Verflechtungen und Netzwerke bildet, die eine Dimension erreichen, in der kaum jemand mehr komplett unschuldig bleiben kann.

Die Scham eines Abendländers auch darüber, dass man Osteuropa die Schande des Kommunismus angetan hat – mit all seinen Verbrechen, seinen Gulags und vielen anderen Widerwärtigkeiten, die (wie man am langen Arm der Stasi sieht) bis in unsere heutige Zeit fortwirken. 

Der Mensch  –  so eine der tiefen Weisheiten der „philosophia perennis“  –  verändert sich in seiner Natur nicht. Die conditio humana bleibt immer dieselbe. In den Menschen, die im Dritten Reich lebten, quälten und mordeten, gequält und ermordet wurden, floss das gleiche Blut wie in jene, die heute lebten oder vor Jahrhunderten. Wir sind nicht weniger anfällig als sie für das Böse.

Und immer wieder ist es das mysterium iniquitatis, das undurchdringliche Geheimnis des Bösen, dem der Mensch sich zuneigt in einer fast nihilistischen Ponderation, die ihm neben dem Streben nach dem Glück und damit dem Guten und der Tugend innewohnt. Der Psychologe Carl G. Jung hat dieses Zusammen von dunklen und hellen Archetypen gar als konstitutionell für den ganzen Menschen und daher auch seine psychische Gesundheit gedeutet.berlin-440x292

Mir geht es in diesem Sinne darum, dass ich ebenso selbstbewusst wie ich mich als Abendländer fühle und die Deutschlandhymne singe, die Deutschlandfahne mit Freude sehe und sage, dass ich Deutscher bin, mich schäme für das, was da Menschen Menschen, Europäer Europäern, Deutsche Deutschen angetan haben.

Nur beides, Größe und Niederung, Stolz und Scham zusammen ist für mich – als Menschen, der immer wieder zum Bösen neigt und doch von Verzeihung und Gnade lebt – glaubwürdig. Nur ein Körper mit Narben ist wirklich echt und daher schön.

Für mich ist diese Selbsterkenntnis des einzelnen, der nach Aristoteles zoon politicon (gesellschaftliches Lebewesen) ist, auch die Basis für ein umfassenders Denken. Das einen falschen Nationalismus von einem erfreulichen Stolz auf das eigenen Vaterland, die Heimat unterscheiden kann.

Wer echten Nationalstolz bei den Deutschen wiedergewinnen will, auch um der von Antifa & Co tatsächlich schamlos instrumentalisierten Nazikeule etwas entgegen zu setzen, aber gleichzeitig die dunklen Stellen unserer Geschichte ausblenden und verstecken möchte, wird erbärmlich scheitern.

Statt die Feinde unserer offenen Gesellschaft und Demokratie zu bekämpfen, füttert er sie wider Willen. Und nimmt die Gefahr in Kauf, dass der neue Faschismus, getarnt als Antifaschismus – erneut mit ähnlichen Opfergruppen – wieder Oberwasser gewinnen könnte. Nie wieder!

Den vollständigen Artikel von Dr. Berger lesen Sie hier: https://philosophia-perennis.com/2017/01/29/nationalstolz/