Großer katholischer Philosoph und Gelehrter Robert Spaemann verstorben: R.I.P.

Von Dr. David Berger

Im Alter von 91 Jahren verstarb gestern in Stuttgart der weltweit anerkannte katholische Philosoph Robert Spaemann. Er war Berater des hl. Papst Johannes Paul II. und ein Freund von Papst Benedikt XVI.

Vielleicht prädestinierte ihn – weltlich gedacht – bereits seine außergewöhnliche Lebensgeschichte, zu einem der ganz Großen zu werden: Am 5. Mai 1927 geboren, wuchs Spaemann als Kind katholischer Konvertiten auf, die Mutter starb früh, sein Vater ließ sich danach zum Priester weihen.

Spaemann lehrte als Professor Philosophie an den Universitäten Heidelberg, München und Stuttgart. Obgleich als katholischer Denker vor allem auch Ethiker gegen den Zeitgeist schreibend, erhielt er zahlreiche Ehrendoktor-Würden und andere akademische Preise.

CNA schreibt: „Als buchstäblich katholischer Denker sprengte der Intellektuelle die politischen Schubladen, in die ihn kleinere Geister immer wieder stecken wollten, vom „Linkskatholiken“ und „Öko-Philosophen“, der sich für die Schöpfung, besonders auch eine Ethik im Umgang mit Tieren einsetzte, bis hin zum „Rechtskatholiken“, der sich für das Naturrecht, aber zum Beispiel auch die Rede- und Pressefreiheit von Stimmen aussprach, die in der deutschen Gegenwart als konservativ eingeordnet werden.“

Nicht erwähnt ist hier sein unermüdlicher Kampf für die klassische römische Liturgie, der dazu führte, dass ich mehrmals die Gelegenheit hatte, mit ihm privat zusammen zu treffen und ihn als eine echt charismatische Persönlichkeit zu erleben, die das war, was er lehrte: Integere, fromme Authentizität umschreibt vielleicht am besten meinen Eindruck von ihm.

Diese Liebe zur „alten Messe“ war es – neben der gegenseitigen Faszination für die edle Geistigkeit – , die die freundschaftliche Verbindung von Spaemann mit Josef Ratzinger und auch dem späteren Papst Benedikt XVI. prägte.

Dass Benedikt der klassischen Liturgie erneut ein Heimatrecht in der aktuellen Institution katholische Kirche gab, ist sicher auch zu einem großen Anteil Spaemann zu verdanken. 2006 sprach Spaemann auf Einladung Benedikts in Castel Gandolfo für den berühmten Ratzinger Freundeskreis.

Requiescat in Pacem.

Erstveröffentlichung dieses Nachrufs auf Prof. Dr. Robert Spaemann hier: https://philosophia-perennis.com/2018/12/11/konservativer-kaempfer-fuer-meinungsfreiheit-und-katholizismus-robert-spaemann-ist-tot/


ARD-Spielfilm „So auf Erden“ verunglimpft bibeltreue Gemeinden und Ansichten

Von Christa Meves

Wir erleben das nun bereits seit vielen Jahrzehnten: Unsere öffentlich-rechtlichen Fernsehsender haben die Position der vorherrschenden Meinungsmache übernommen. Dass es ein fantastisches Mittel ist, um Zuschauer nachhaltig zu beeinflussen, kennt bereits die uralte dramaturgische Erfahrung – besonders durch das Schauspiel.

Per Identifikation mit einer heldenhaften Schauspielerfigur ist der Mensch besonders nachhaltig beeindruckbar, ja unter Umständen – bei entsprechender Absicht – direkt verführbar. Die Heldenfigur des alten Dramas bildete durch ihre hervorragenden Eigenschaften ein starkes Vorbild für die Menschen, besonders für die jungen in den entsprechenden Gesellschaften.

Am Abend des 4. Oktober, zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr, wurde dieses Muster in einer geradezu perfiden Weise mit dem Film „So auf Erden“ in der ARD bedient.

Den Helden dieses Machwerkes verkörperte ein drogensüchtiger schwuler Straßensänger. Er geriet unversehens in den Dunstkreis einer bibeltreuen, freien evangelischen Gemeinde. Hier entlarvte er – allein durch sein So-Sein – im Laufe der Geschichte das Glaubensleben des Leiters.

Dieser – so zeigte es sich – unterlag durch seine unaufgedeckte Lebenslüge einer bedenklichen Selbsttäuschung. Es war unverkennbar, dass die Tendenz dieses Filmes ganz im Sinne des mehrheitlichen Beschlusses im Bundestag vom 27. Juli 2017 zur „Ehe für alle“ war.

Diese durch Mehrheit im Parlament erreichte Maßnahme war zwar bereits schon bisher als Thema in ähnlichen Sendungen erkennbar gewesen, wurde in dieser neuen Sendung aber durch eine Story thematisiert, die jedes Maß des Geschmacks, ja der Toleranz gegenüber streng biblisch Glaubenden vermissen ließ.

Zwischen den Zeilen bildeten die Ausführungen sogar einen Verstoß gegen die bei uns so hoch gepriesene Religionsfreiheit: Die Glaubensstrenge des Leiters dieser erzbibeltreuen freien Gemeinde wurde eingangs markiert, indem er die Taufe eines Kindes als unbiblisch verweigerte. Der missionarische Eifer des Leiterpaares wurde dann durch eine sich lang hindehnende Hilfeleistung an dem hilflos aufgelesenen Straßensänger demonstriert. Sie nahmen ihn bei sich auf.

Doch dadurch wurde das Gastgeberpaar auf eine dramatische Probe gestellt; denn allmählich entwickelte sich in dem Sänger eine große, seiner Art entsprechende Liebe für seinen Wohltäter. Die direkten Zärtlichkeiten des Gastes entfachten bei dem Leiter eine Entlarvung seiner Lebenslüge; denn es wurde offensichtlich – das gestand er seiner Frau dann sogar direkt ein – dass er bereits als junger Mensch mit einem Kumpel ein Leben nach seiner Weise praktiziert hatte.

Zwar versuchte der nun mit sich selbst im Konflikt liegende Leiter durch einen dubiosen Exorzismus der erkannten Selbsttäuschung zu entrinnen. Das misslang. Aber dann war noch der Konflikt mit der Gemeinde zu besiegen. Zunächst versuchten nach paulinischem Muster gute Freunde, ihn auf die traditionelle Schiene zurückzubringen, aber schließlich sah er selbst ein, dass er bei der nun erkannten, ihm gemäßen Wahrheit bleiben müsse. Er trat von seinem Amt zurück.

In der Schlussszene wurde dann Hoffnung auf die neue Offenheit in der Gemeinde angedeutet. Die hochherzige Ehefrau übernahm mithilfe des Versöhnungsgebetes aus dem Evangelium einen Aufruf zu christlicher Toleranz.

Wenn diese bewusst gewollte, verführerische Tendenz mithilfe des als lächerlich dargestellten bibeltreuen Glaubenslebens nicht in so deutlich sichtbarer tendenziöser Absicht erfolgen würde, wäre jedes Wort über dieses Machwerk zu viel. Dann bliebe allein die Trauer über einen hier erkennbaren Verlust unserer einst so hervorragenden Theaterkultur.

Aber in der schamlosen Weise – besonders der unverblümten Darstellung einer Bettszene zwischen den beiden Männern – bleibt allein das Entsetzen über den Verlust der Würde des Menschen, die laut Bundesverfassung als Naturrecht allen, wirklich ALLEN zusteht.

Fazit:
Unsere in dieser Weise neu gesetzlich verstärkte Demokratie billigt zwar jedem Menschen zu, sein Leben nach der eigenen Maßgabe zu gestalten. Aber es ist im höchsten Maße undemokratisch, traditionelle Lebensformen – mögen sie noch so eng anmuten – abschaffen zu wollen, indem man sie  –  mit höhnischen Übertreibungen agierend  – als unecht und veraltet darstellt.


Dekalog: Die Zehn Gebote als universaler Moralkodex für Juden und Christen

Aus einer Pressemitteilung der Universität Münster:

Der evangelische Bibelforscher Dr. J. Cornelis de Vos legt erste vollständige Untersuchung aller antiken Texte zum Dekalog vor  –  Jüdische und christliche Gruppen verschärften oder erweiterten die Verbote und Gebote, um ihre Gruppenidentität zu stärken  –  Sexualethische Normen angefügt, aber keines der Zehn Gebote wurde über Jahrhunderte je abgelehnt.nur-fuer-umbruch-3

Die Zehn Gebote sind eine Reihe von Geboten und Verboten des Gottes Israels in der Hebräischen Bibel. Dort stehen sie an zwei Stellen in leicht unterschiedlicher Version, z.T. wird im Buch Deuteronomium (5. Mose) etwas ausführlicher als im Buch Exodus (2. Mose) begründet, warum alle den Sabbat als Ruhetag halten sollen.

Der Dekalog wird als direkte Rede Gottes an sein Volk, die Israeliten, eingeleitet, und fasst Gottes Willen für das Verhalten ihm und den Mitmenschen gegenüber zusammen. Die Gebote des Dekalogs wurden vermutlich über mehrere Jahrhunderte mündlich überliefert, bis sie ihren Platz in der Tora, den ersten fünf Büchern der Bibel, fanden.

Die Zehn Gebote waren in den ersten Jahrhunderten der Verschriftlichung nach neuesten Forschungen lange nicht so in Stein gemeißelt wie vermutet:

„Gruppen von Juden und Christen veränderten sie zuweilen. Die eine Gruppe verschärfte das Tötungsverbot, eine andere erweiterte das Ehebruchverbot um sexualethische Normen, eine dritte fügte ein neues Gebot zum Bau eines Heiligtums hinzu“, erläutert Bibelforscher PD Dr. J. Cornelis de Vos vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster.

Er hat jüngst die erste Untersuchung sämtlicher überlieferter jüdischer und christlicher Texte aus der Frühzeit der Zehn Gebote in der Antike vorgelegt, die sich auf die Normen des Dekalogs beziehen:

„Die Menschen bezweifelten zwar nie, dass sich Gott mit den Zehn Geboten direkt an sie gewandt habe. Sie schreckten aber auch nicht davor zurück, den Dekalog umzuformen und eigene Normen daran zu binden. Sie schufen so feste Regeln, die ihre Gruppe nach innen stärken und nach außen abgrenzen konnten. Aber kein Gebot wurde je über die Jahrhunderte ausdrücklich abgelehnt.“news_buch_dekalog_230x345

Die Monografie „Rezeption und Wirkung des Dekalogs in jüdischen und christlichen Schriften bis 200 n. Chr.“ ist im Verlag Brill erschienen.

Der Autor untersucht in der Grundlagenstudie sämtliche jüdischen und christlichen Quellen von etwa 300 vor Christus bis 200 nach Christus, die auf den Dekalog zurückgreifen. Methodisch analysiert er sie bis in kleinste sprachliche Details wie veränderte Buchstaben, Silben oder umgestellte Textabschnitte.

Auch ordnet er die Quellen historisch und sozioreligiös ein. Der Theologe beginnt mit der Analyse der ältesten Übersetzung der Hebräischen Bibel, der Septuaginta, ins Griechische. Er untersucht dann den Samaritanischen Pentateuch, Qumranschriften und die syrische Übersetzung, sowie frühjüdische Schriften, das Neue Testament und frühchristliche Schriften.

„Es gab viele Änderungen“, so der Verfasser, „doch niemand lehnte eines der Zehn Gebote ausdrücklich ab oder ersetzte es. Vielmehr wurde der hohe normative Rang genutzt, um weitere Regeln für ebenso verbindlich zu erklären.“

Die Bergpredigt vertiefte und verschärfte die Zehn Gebote

Zur Bergpredigt aus dem Neuen Testament erklärt der Bibelwissenschaftler: „Der Evangelist Matthäus verlangt eine Verschärfung mancher Gebote.“  – Nicht erst das Töten sei ein schweres Vergehen, sondern auch bereits der Zorn oder Streit, denn sie könnten zum Totschlag führen: „So wird der Streit erstmals ins Tötungsverbot einbezogen“, sagt Dr. de Vos. dsc06228

Ähnlich weitet die Bergpredigt nach seinen Worten das Ehebruch-Verbot aus: Schon wenn ein Mann die Frau eines anderen Mannes begehrt, sei dies Ehebruch im Herzen. „Die Zehn Gebote der jüdischen Tora bleiben damit für Christen gültig, werden aber im Matthäus-Evangelium verschärft.“

„Die Zehn Gebote galten universal für alle Menschen – davon waren viele Juden und Christen überzeugt“, so der Bibelexperte. Das zeige sich in der Begegnung mit Politik, Philosophie und Ethik des nicht-jüdischen und nicht-christlichen Umfelds.

„Um Nichtjuden von der universalen Anschlussfähigkeit des Dekalogs zu überzeugen, wurden jüdische Aspekte heruntergespielt, etwa das Verbot, sich von Gott ein Bild zu machen.“  –  Die Juden Aristobulus und Philo von Alexandrien zum Beispiel stellten den Dekalog als universale, allerbeste Philosophie dar:

„Nach Philo entspricht der Dekalog dem universalen Naturgesetz. Aristobulus leitete gar aus dem Sabbatgebot ab, die Juden seien die besten Philosophen.“

Quelle: http://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2016/nov/PM_Als_Juden_und_Christen_die_Zehn_Gebote_veraenderten.html


Kardinal Kasper nutzt irisches Referendum pro Homo-Ehe für weitere Reformforderungen

Von Felizitas Küble

Wie die US-amerikanisch-katholische Nachrichtenseite LifeSiteNews.com berichtet, hat Kardinal Walter Kasper die am 22. Mai erfolgte Volksabstimmung in Irland zugunsten der gleichgeschlechtlichen „Ehe“ verteidigt. Vat_Flagge

Die italienische Tageszeitung Corriere della Sera zitiert den vatikanischen Würdenträger dahingehend, homosexuelle Partnerschaften seien bei der letzten Familiensynode „nur ein Randthema“ gewesen, aber nun sei es zu einem „zentralen“ Thema geworden.

Kasper verteidigte das Ergebnis des Referendums in Irland: „Ein demokratischer Staat hat die Pflicht, den Willen des Volkes zu respektieren“, erklärte er. Wenn die Mehrheit der Menschen dies wünsche, sei der Staat verpflichtet, „derartige Rechte anzuerkennen“.

Sittengesetz contra Rechtspositivmus

Damit neigt der Kurienkardinal offenbar zu einer rechtspositivistischen Auffassung, wonach nicht das natürliche Sittengesetz bzw. „Naturrecht“ die entscheidende Grundlage des Rechts darstellt, sondern die jeweiligen Mehrheitsmeinungen bzw. die staatliche Gesetze. BILD0289

Seine Position widerspricht allerdings der katholischen Lehre vom Vorrang des Naturrechts gegenüber staatlichen Verfügungen, wie dies zB. hinsichtlich des Abtreibungs(un)rechts deutlich wird: Selbst wenn staatliche Gesetze die vorgeburtliche Kindstötung erlauben, kann die katholische Kirche aufgrund des 5. Gebotes und des natürlichen Sittengesetzes dem niemals zustimmen.

Laut Corriere della Sera hat Kardinal Kasper zwar darauf hingewiesen, daß „postmoderne Konzept“, wonach „alles gleich“ sei, widerspreche kirchlichen Auffassungen. Doch diese pflichtschuldige Bemerkung ändert nichts daran, daß er die irische Volksabstimmung jetzt dazu vereinnahmt, um Anpassungen der kirchlichen Verkündigung in puncto Homosexualität anzustreben:

„Wir müssen eine neue Sprache zu finden“, zitiert ihn die italienische Tageszeitung. Bedeutet aber eine neue „Sprache“ nicht letztlich auch eine neue Lehre?!

Zudem behauptet Kasper, die „Diskriminierung“ von Homosexuellen habe „in unserer Kultur eine lange Tradition“. Gleichgeschlechtliche Beziehungen, die länger anhalten, würden „Elemente des Guten“ enthalten, erneuerte der Kardinal seine spezielle „Stufenlehre“ in der Ethik, welche den Ausdruck der „schweren Sünde“ vermeidet und stattdessen lieber davon redet, eine bestimmte Situation sei zwar nicht optimal, enthalte aber „Elemente des Guten“.

Felizitas Küble leitet das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


Tod auf Bestellung? – Menschliche Solidarität statt Beihilfe zur Selbsttötung

Von Peter Helmes

Leben und Tod sind eine Einheit: Der Tod ist der ständige Schatten unseres Lebens und sein notwendiger Gegenpol. PICT0005

Der Suizid, das freiwillige Ausscheiden aus dem Leben, scheint zunehmend vielen Menschen der einzige Weg zu sein, einem vermeintlich „würdelosen“ Altern oder einem würdelosen Dahinsiechen auszuweichen.

Oft aber  –  und das gehört zur Ehrlichkeit in der Debatte  –  entsprechen Suizidwünsche nicht nur einer privaten Motivation einzelner Menschen, sondern sind (auch) Resultat eines sozialen Defizits bzw. eines Defizits an sozialer Verantwortung.

Viele Schwerkranke  –  oder auch solche, die sich vor einem solchen Schicksalsschlag fürchten  –  wollen lieber vorher aus dem Leben scheiden, als am Ende ihres Lebens vermeintlich vollkommen entwertet, ja unwürdig, dazustehen.

Das aber ist Ausdruck einer entsolidarisierten Gesellschaft, die den Menschen einredet, es sei doch eigentlich ganz vernünftig, sich vorher zu verabschieden.

„Auch der Tod hat eine Würde“

Ist es nicht vielmehr so, daß der Wunsch nach erlaubter Tötung und seine Begründung mit „menschenwürdigem Sterben“ eher Tarnung einer Angst ist, der man auszuweichen trachtet? Auch der Tod hat eine Würde!

Ich finde es menschenunwürdig, das Sterben aus unserem gesellschaftlichen Leben zu verdrängen bzw. auf dem Niveau von Talk- und Boulevard-Politik zu diskutieren.

Unsere Gesellschaft als Ganzes ist auf diese Debatte offensichtlich nicht vorbereitet – letztlich auch ein Ergebnis zunehmender Entchristlichung. vaccine_2_360_250_s_c1

Wer sich aus dem Diesseits verabschieden will, soll das tun (können), lautet die gängige Parole. Niemand scheint danach zu fragen, ob dies nicht einer Kapitulation vor dem Leben (und dem Tod) gleichkommt und auch Ausdruck einer tiefen Resignation ist: Der Mensch verabschiedet sich lieber, als weiter unter uns zu leben.

Die päpstliche Enzyklika „Evangelium vitae“ aus dem Jahr 1995, welche die traditionelle Auffassung der katholischen Kirche zusammenfaßt, findet klare Worte: „Unter Euthanasie/Sterbehilfe versteht man eine Handlung oder Unterlassung, die ihrer Natur nach und aus bewußter Absicht den Tod herbeiführt, um auf diese Weise jeden Schmerz zu beenden“.

Verbrechen gegen das Leben

Weiter heißt es in der Enzyklika: „Abtreibung und Euthanasie sind Verbrechen, die für rechtmäßig zu erklären sich kein menschliches Gesetz anmaßen kann. Gesetze dieser Art rufen nicht nur keine Verpflichtung für das Gewissen hervor, sondern erheben vielmehr die schwere und klare Verpflichtung, sich ihnen mit Hilfe des Einspruchs aus Gewissensgründen zu widersetzen.“ baby_hand_abtreibg_cdl11_a4357ad790

Auch Papst Pius XII. hob die besondere Bedeutung des Naturrechts hervor und verkündete: „Keine Indikation, kein Notstand kann ein in sich sittenwidriges Tun in ein sittengemäßes und erlaubtes verwandeln.“

Wer hier das Totschlagsargument bei der Hand hat, die Kirche sei ja eine ewiggestrige, dem sei nachgeschoben  –  ebenfalls aus „Evangelium vitae“: „Der Verzicht auf außergewöhnliche oder unverhältnismäßige Heilmittel ist nicht gleichzusetzen mit Selbstmord oder Euthanasie/Sterbehilfe; er ist vielmehr Ausdruck dafür, daß die menschliche Situation angesichts des Todes akzeptiert wird.“

So lebensfremd scheint die katholische Kirche denn doch nicht zu sein, wie manche glauben (machen) wollen. Dies bedeutet aber nicht, daß fundamentale, lebenserhaltende Maßnahmen, wie Nahrung, Flüssigkeitszufuhr, Lagerung und Körperpflege, eingestellt werden dürfen.

Vorrang des Naturrechts

Auch Atheisten können eine Weisheit nicht umgehen – und kluge Agnostiker bestätigen dies:

Es gibt ein Recht, das über das vom Menschen gemachte Recht hinausgeht und an das sich alle menschlichen Gesetze halten müssen, um nicht ungerecht und sittenwidrig zu werden. images

Dies ist das Naturrecht, das sich aus der Natur, dem Wesen des Menschen als vernunftbegabtes Sinneswesen, ergibt. Deshalb kann sich „kein menschliches Gesetz anmaßen“, dieses Gesetz zu ignorieren.

Wir sind also im Zugzwang: eine Gesellschaft zu schaffen oder sie so zu beeinflussen, daß niemand auf die Idee kommen sollte, sich lieber zu verabschieden, als weiter unter uns zu leben.

Grundvoraussetzung dazu ist nicht nur das Bejahen des Lebens  –  auch mit seinen Grausamkeiten  –, sondern auch die notwendige Vorsorge für ein würdevolles Altern und Sterben: durch Ausbau der Pflege- und der Hospiz- bzw. Palliativeinrichtungen.

Unser Autor Peter Helmes ist politischer Publizist und ehem. Bundesgeschäftsführer der Jungen Union; er betreibt die liberal-konservative Webseite http://www.conservo.wordpresss.com


Matussek bejaht die „Polarität der Schöpfung“ und kritisiert homophile Meinungsdiktatur

„Wahrscheinlich bin ich homophob – und das ist auch gut so“

Am gestrigen Mittwoch, den 12. Februar 2014, erschien in der Tageszeitung DIE WELT online ein Artikel des Bestsellerautors und früheren SPIEGEL-Redakteurs Matthias Matussek unter dem Titel „Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so“.

Die WELT leitet diesen Beitrag mit den Worten ein: „Wer nicht begeistert über Schwule spricht, ist gleich ein Schwulenhasser. Mittlerweile hat Homophobie dem Antisemitismus als schlimmste ideologische Sünde den Rang streitig gemacht.“ BILD0235

Die Tageszeitung aus Berlin fügt hinzu, Matussek glaube an die „Polarität der Schöpfung“ und daran, „dass es für Kinder wichtig ist, diese Polarität zu erleben“.

Der Verfasser äußert sich eingangs zur vieldiskutierten Maischberger-Talkrunde am vergangenen Dienstag (ARD, 11.2.2014), an der sich mit der katholischen Publizistin Birgit Kelle und dem evangelikalen Verbandsleiter Hartmut Steeb auch Kritiker der Homo-Ehe und des grün-roten „Bildungsplans 2015“ beteiligt hatten.

Matussek schreibt:

„Es war schon weit nach Mitternacht, die Selbstkontrolle schwand zusehends, sowohl in Maischbergers Runde zur Homosexualität („Sollen wir umerzogen werden“?) wie auch vor den TV-Geräten, da schnappte die Falle zu, und einer meiner besten Freunde war als homophob entlarvt.IMG_1468 - Kopie

In der Maischberger-Runde sprach ein Familienvater über seine Idealvorstellung einer Verbindung: Mann, Frau, Kinder, das klassische Modell, und die gute Sandra fragte besorgt: „Sind Sie nicht der Meinung, dass diese Aussage für Schwule kränkend sein könnte?“

Darauf entfuhr es meinem Freund: „Wahrscheinlich darf ich jetzt auch in Gegenwart eines Rollstuhlfahrers nicht mehr von meinem Wanderurlaub erzählen, weil das kränkend sein könnte.“

Nicht, dass er je so taktlos wäre, das zu tun. Aber, Sie verstehen, im Analogieschluss hatte er Homosexualität zu einem Handicap erklärt. Zu einer defizitären Form der Liebe.“

Matussek erinnert zudem an den philosophischen Begriff des „Naturrechts“, das als Grundlage der Sittlichkeit (auch für Nichtchristen bzw. Ungläubige) angesehen wird und das die natürliche, gleichsam auch vernünftige Ordnung des Lebens und des Zusammenlebens prägt.

Dieses „Naturrecht“ ist in vielen Fällen zugleich das ethische Fundament der Menschenrechte, etwa hinsichtlich des Rechts auf Leben, auf Unverletzlichkeit oder auf Eigentum; es ist auch betreff „Elternrecht“ von Bedeutung: gemeint ist damit das natürliche Hoheitsrecht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder, das zugleich ein Abwehrrecht gegenüber staatlichen Eingriffen und Bevormundungen darstellt.1511

Christen sprechen in diesem Zusammenhang von der „Schöpfungsordnung Gottes“, die sich im Naturrecht manifestiert, auch in der liebenden Ergänzung von Mann und Frau in der Ehe, die sich zur Familie ausweiten kann. Matussek schreibt hierzu: 

Im naturrechtlichen Verständnis, das die Kirche von einer idealen Liebesbindung hat, ist die Polarität der Geschlechter vorausgesetzt, weil nur sie für den Schöpfungsauftrag sorgen kann, der in Mose 1,28 so klingt: „Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: „Gehet hin und mehret euch…“ 

Nun müsste man allerdings die Bibel mal gründlich auf homophobe Tendenzen abklopfen. Ich bin nicht sicher, dass sie, zumindest in Spanien, verfassungskonform wäre. Doch auch bei uns wackeln regelmäßig die Wände, wenn Kirchenleute, aber nicht nur sie, Präferenzen für den Normalfall von Ehe und Familie erkennen lassen.“

Nach diesen Ausführungen bemerkt der Autor, die „Homophobie“ habe mittlerweile den Antisemitismus als „schlimmste ideologische Sünde“ hinter sich gelassen. Er nennt als Beispiel die Empörungswelle gegen russische Gesetze, welche Homosex-Propaganda gegenüber Minderjährigen verbieten:

„Von allen autokratischen Fehlleistungen Putins gilt seine Kampagne gegen Homosexuelle als die allerniederträchtigste, egal, wen er sonst so ins Gefängnis steckt.“

Sodann kommt Matussek auf den umstrittenen „Bildungsplan 2015“ zu sprechen, gegen den ca. 200.000 Bürger per Online-Petition protestiert hatten: bildungsplan_bw_petition_logo13_e7fe0bc824

„Anlass der Maischberger-Sendung war die Petition von über 200.000 Eltern gegen das rotgrüne Programm einer Sexualerziehung, in der, als fächerübergreifender Grundton, die Vielgestaltigkeit und Gleichheit aller sexuellen Vorlieben gepredigt werden soll: Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität, alles völlig normaaaal. Alles wurscht.“

Mit kritischer Ironie stellt Matussek daraufhin die rhetorische Frage:

„Warum wird eigentlich der Sadomasochismus im Lehrplan der Baden-württembergischen Kindererziehung übergangen? Ich kenne mindestens einen, der dieser Liebesform anhängt, und der ist ein äußerst angenemer, äußerst kluger Kollege. Wie ja übrigens auch Max Weber Sadomasochist war, der Vater der modernen Soziologie.“

Der WELT-Redakteur erinnert zudem an die familienorientierte Publizistin Birgit Kelle (siehe Foto), die beim Maischberger-Talk als Gesprächsgast eingeladen war und schon im Vorfeld, wie Matussek schreibt, auf einschlägigen Webseiten „als `Homo-Hasserin´ enttarnt worden“ sei: „Ihr Verbrechen? Sie propagiert die Familie, für die in unserer Gesellschaft sehr wenig getan wird.“

Birgit Kelle

Er erwähnt das ständige Insistieren Maischbergers gegenüber Kelle dahingehend, daß diese unbedingt die „Gleichwertigkeit“ von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der herkömmlichen Ehe nicht nur „tolerieren“, sondern „akzeptieren“, also innerlich bejahen solle:

Was für ein Eiertanz um die einfache Tatsache, dass die schwule Liebe selbstverständlich eine defizitäre ist, weil sie ohne Kinder bleibt. Der Philosoph Robert Spaemann hatte es in einem Interview mit der Welt so ausgeführt:

„Das Natürliche ist auch moralisches Maß für die Beurteilung von Defekten. Nehmen Sie die Homosexualität: Die Abwesenheit der sexuellen Anziehungskraft des anderen Geschlechts, auf dem die Fortexistenz der menschlichen Gattung beruht, ist ein solcher Defekt. Aristoteles nennt das einen Fehler der Natur. Ich sage, es ist einfach ein unvollständig ausgestattetes Wesen, wenn es über die Dinge nicht verfügt, die zu einem normalen Überleben gehören.“

Abschließend erwähnt Matussek, daß er keine Lust habe, sich „von den Gleichstellungsfunktionären plattmachen zu lassen“:

„Ich lasse mir meine Gedankenfreiheit nicht nehmen, das gehört zu meinem Stolz als Publizist.“ 

Er glaube nicht, so der Autor, „dass die Ehe zwischen Männern oder Frauen gleichen Geschlechts derjenigen zwischen Mann und Frau gleichwertig ist.“

Er glaube vielmehr an die „Polarität der Schöpfung und daran, dass es für Kinder wichtig ist, diese Polarität zu erleben.“

Matusseks Schlußsatz bringt seinen Widerstand gegen den zunehmenden Meinungsterror satirisch auf den Punkt: „Wahrscheinlich bin ich homophob wie mein Freund, und das ist auch gut so.“

1. Bild: Evita Gründler


BUCH-Tip zum Naturrecht: „Ins Herz geschrieben“ von Prof. Wolfgang Waldstein

Rezension von Dr. Dr. Wolfgang F. Rothe

Buch-Daten: Waldstein, Wolfgang: Ins Herz geschrieben / Das Naturrecht als Fundament einer menschlichen Gesellschaft, Augsburg (Sankt- Ulrich-Verlag) 2010, 173 Seiten; 19,90 €  –    ISBN 978-3-86744-137-7.

„Wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, von Natur aus das tun, was im Gesetz gefordert ist“, so zeigen sie damit, „dass ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist“, erklärt der heilige Apostel Paulus (Röm 2, 14-15). afc127c26a

Tatsächlich gab es zu allen Zeiten und in allen Kulturen „Heiden“, die bestimmte „christliche“ Gebote  –  etwa das Gebot, nicht zu töten bzw. das daraus resultierende Recht auf Leben  –  nicht nur fraglos befolgt, sondern auch als ebenso zeitlos wie universal gültige Normen erkannt und eingefordert haben.

Selbst religiös indifferente Organisationen und Institutionen wie die Vereinten Nationen oder die Europäische Union gründen auf der Überzeugung, dass es Rechte gibt, die jedem einzelnen Menschen als solchem zu eigen sind, und dass die daraus resultierenden Normen im Umkehrschluss von jedem einzelnen Menschen als unveräußerlich erkannt werden können und befolgt werden müssen.

Doch wo liegen Ursache und Ursprung dieser so genannten Menschenrechte? Sind sie vielleicht das Produkt einer wie auch immer gearteten Evolution, eines utilitaristisch motivierten gesellschaftlichen Konsenses oder einer demokratischen Mehrheitsentscheidung?

Das Naturrecht beansprucht universale Gültigkeit

Wenn dem so wäre, könnten sie weder universale noch zeitlose Gültigkeit beanspruchen und folglich auch nicht als unveräußerlich deklariert und eingefordert werden. Gerade in einer Zeit, in der die Menschenrechte mehr denn je gefährdet sind  –  man denke etwa an ihre Infragestellung durch kommunistische oder radikal islamische Regime wie in China oder im Iran  –  ist es unerlässlich, daran zu erinnern, dass ihr Ursprung nirgends anders denn in der Natur des Menschen selbst begründet ist. Rothe_Benedikt_Lit_Vers

Darum können die Existenz und Geltung von Menschenrechten nur dann und insoweit begründet und eingefordert werden, als ihre naturrechtliche Grundlage anerkannt wird: Ohne Naturrecht keine Menschenrechte!

FOTO: Dr. W. Rothe überreicht sein Buch „Liturgische Versöhnung“ an Papst Benedikt

„Nur wenn diese Grundlagen wieder mehr anerkannt und tatsächlich beachtet werden, kann es einen wirksamen Schutz der Menschenrechte geben“ (S. 65), betont Wolfgang Waldstein in seiner jüngsten Monographie, die „eine kompakte Einführung“ in die naturrechtliche Thematik bietet und trotz ihres uneingeschränkt wissenschaftlichen Anspruchs „für ein breites Publikum“ (so der Text im Buchrücken) geeignet ist.

Kompendium der Rechtsphilosophie

Das Buch bildet gleichsam ein Kompendium der zahlreichen einschlägigen Publikationen des Verfassers, der zunächst an der Universität Innsbruck, dann von 1965 bis 1992 an der Universität Salzburg und schließlich bis 1998 an der zivilrechtlichen Fakultät der Päpstlichen Lateranuniversität doziert und sich auf vielfache Weise  –  nicht zuletzt auch als Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben  –  um die Begründung und Wahrung der Menschenrechte, insbesondere des Rechts auf Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, verdient gemacht hat.

Das Buch gliedert sich in zehn aufeinander aufbauende und zugleich in sich abgeschlossene Kapitel, deren erstaunliche Themenvielfalt und -breite deutlich macht, dass es in der Auseinandersetzung um das Naturrecht nicht um irgendeine juristische bzw. rechtsphilosophische Spitzfindigkeit geht, sondern um nicht weniger als um „die europäische Rechtskultur“ als solche, die ohne die „Wirklichkeit des Naturrechts nicht zu verstehen“ (S. 7) ist.

Dabei hat sich der Verfasser  –  wie er in dem als „Einleitung“ (S. 7-14) konzipierten ersten Kapitel erklärt  –  zum Ziel gesetzt, zunächst „die wichtigsten Argumente gegen das Naturrecht [zu] überprüfen“ (S. 8), sodann „die Grundlagen und die Wirklichkeit des Naturrechts in der historischen Rechtsentwicklung“ aufzuzeigen und schließlich „auf einzelne Menschenrechte ein[zu]gehen, deren wichtigstes das zum Leben ist“ (ebd.).

 „Ungeachtet der naturrechtlichen Wirklichkeit in der historischen Entwicklung haben sich, beginnend mit der Reformation seit dem 16. Jahrhundert über die Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts Theorien entwickelt, mit denen die Existenz eines Naturrechts bestritten wurde.“ (S. 8)

„Gibt es ein Naturrecht?“

In Anbetracht dessen stellt sich der Verfasser im zweiten Kapitel der grundsätzlichen Frage: „Gibt es ein Naturrecht?“ (S. 15-30)  – Die gewichtigsten Einwände gegen eine zustimmende Beantwortung dieser Frage beruhen auf „der Behauptung, Naturrecht könne nur durch einen ‚naturalistischen Fehlschluss’ aus der Natur abgeleitet werden“  –  mit anderen Worten: „aus der Natur als etwas Seiendem könne kein Sollen abgeleitet werden“ (S. 15).

Zwar sei es tatsächlich „eine logische Selbstverständlichkeit, dass man von der physischen Natur nicht auf die Existenz geistiger Gegebenheiten schließen kann“, doch könne aus der physischen Natur „aber auch nicht umgekehrt auf die Nichtexistenz geistiger Gegebenheiten, wie etwa der Gesetze der Logik“ (ebd.) geschlossen werden, hält der Verfasser dem entgegen.

„Nach der Darstellung einiger der wichtigsten Argumente gegen das Naturrecht“ und deren Widerlegung zeigt der Verfasser in den daran anschließenden Kapiteln auf, „welche Wirklichkeit des Naturrechts die Quellen seit der Antike bezeugen“(S. 30), wobei er im kurzen, aber gehaltvollen dritten Kapitel zunächst „Das Naturrecht in Zeugnissen der Antike“  (S. 31-37) vorstellt.

Im Zuge dessen macht er deutlich, dass zu den wesentlichen Grundzügen bereits des vorchristlichen Menschenbildes die Erkenntnis gehört, „dass der Mensch in seinem Handeln an objektive Normen gebunden ist, die für ihn erkennbar sind, und dass der Sinn seines Lebens sich nicht in diesem Leben erschöpft“ (S. 31).

„Römisches Recht und europäische Rechtsentwicklung“ (S. 38-65) ist das umfangreiche vierte Kapitel überschrieben, in dem sich der Verfasser einmal mehr als ausgewiesener Kenner der im Römischen Recht wurzelnden europäischen Rechtstradition erweist.

So ist es ihm ein besonderes Anliegen aufzuzeigen, wie die Erkenntnis und Anwendung des Naturrechts durch die römischen Juristen eine ungebrochene, bis in die Gegenwart hinein reichende Rechtstradition begründet hat:

„Römisches Recht“ auf  naturrechtlicher Basis

„Die römischen Juristen haben das Naturrecht als eine dem Menschen vorgegebene und für diesen mittels seiner Vernunft erkennbare normative Ordnung mit Selbstverständlichkeit als verbindlich erkannt und in konkreten Entscheidungen angewandt. […] Das Ergebnis dieser Arbeit wurde im Jahre 533 n. Chr. vom oströmischen Kaiser Justinian […] in dem als Digesten bezeichneten Werk als eines seiner Gesetzbücher veröffentlicht.

Die Wiederentdeckung dieses Werkes im Mittelalter und dessen Studium an der ursprünglichen Schule der artes in Bologna ließ zunächst aus dieser Schule die erste Universität Europas entstehen. Sie hat dann die gesamte weitere Entwicklung der europäischen Rechtskultur geprägt. Im 18. und 19. Jahrhundert sind auf dieser Grundlage die ‚Naturrechtsgesetzbücher’ entstanden, das preußische Allgemeine Landrecht von 1794 (AL), der französische Code civil von 1804 und das österreichische Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch von 1811 (ABGB).“ (S. 53)

Vor allem aber gilt es daran zu erinnern, dass das Naturrecht „auch die Grundlage der modernen Menschenrechte“ (S. 62) bildet.

In den nun folgenden Kapiteln thematisiert der Verfasser einige der wichtigsten Naturrechte im Einzelnen, so vor allem im fünften Kapitel „Das Menschenrecht zum Leben“ (S. 66-104), das er zu Recht als „das grundlegendste aller Menschenrechte“ ( S. 77) bezeichnet.

Insofern dieses Recht durch eine weitgehende Legalisierung von Abtreibung und (so genannter) Sterbehilfe „nicht mehr uneingeschränkt geachtet wird“, haben die betreffenden Staaten nach Meinung des Verfassers „die Grundlage ihrer Legitimität längst verloren“ (S. 104).

Während es im sechsten Kapitel um das „Naturrecht als Grundlage der Ehe“ (S. 105-115) geht, steht „Das Erziehungsrecht der Eltern“ (S. 116-121) im Mittelpunkt des siebten Kapitels; Ausführungen „Zur Bedeutung des Naturrechts für das Recht auf Eigentum“ (S. 122-130) schließen sich im achten Kapitel an, die im knappen neunten Kapitel im Hinblick auf die „Naturrechtliche[n] Grundlagen des Vertragsrechts“ (S. 131-133) fortgeführt und ergänzt werden.

Aus dem Naturrecht folgt Gerechtigkeit

Von bemerkenswerter Aktualität ist die Thematik des zehnten, überschriebenen Kapitels, in dem der Verfasser aufzeigt, dass es „nur auf der Grundlage des Naturrechts […] Gerechtigkeit geben“ kann: „Wenn seit jeher […] Gerechtigkeit darin gesehen wird, dass ‚jedem das Seine’ zuteil wird, so kann das, was ‚jedem das Seine’ ist, nur auf der Grundlage des Naturrechts erkannt werden.“

Einer besonderen Würdigung unterzieht der Verfasser in diesem Zusammenhang dem monumentalen Werk des österreichischen Sozialethikers Johannes Messner (+ 1984), das nach wie vor einer angemessenen wissenschaftlichen Erschließung zumal unter rechtswissenschaftlichem und kanonistischem Aspekt harrt.

Im „Ergebnis“ (S.157-160) titulierten Schlusskapitel schreibt der Verfasser unter Verweis auf die Präambel der europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten:

„Die Bildung des Rechtsbewusstseins ist […] eine der wichtigsten Aufgaben, um eine europäische Wertegemeinschaft auf der Grundlage des ‚gemeinsamen Erbes an geistigen Gütern’ wiederherstellen zu können. Anders kann eine menschenwürdige Zukunft der Menschheit nicht gesichert werden“

Mit seinen ebenso kompakten wie informativen Ausführungen über das Naturrecht als dem einem jeden Menschen ins Herz geschriebene Gesetz ist es dem Verfasser gelungen, einen beeindruckenden Beitrag zur Bewältigung dieser ebenso drängenden wie gewaltigen Aufgabe zu leisten.

Unser Autor Dr. Dr. Wolfgang Rothe ist katholischer Priester, Pfarrvikar in München und promovierter Kirchenrechtler

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in „Theologisches“ (3-4/2010)