Regensburg: Glaubensfroher Fastenhirtenbrief von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer

Liebe Kinder, liebe jugendliche und erwachsene Schwestern und Brüder im HERRN!

1. Zur österlichen Bußzeit grüße ich Euch und Sie alle sehr herzlich! Wir gehen auf das Osterfest zu, das Fest der Auferstehung Jesu. Es begründet unsere „Hoffnung auf Herrlichkeit“(Kol 1,27). Sie lässt uns bei aller Bedrängnis und in den Sorgen des Alltags frohgemut und zuversichtlich sein.

2. Aus zahlreichen Gesprächen und Begegnungen weiß ich, dass viele von Ihnen die Diskussionen in der Kirche in Deutschland bewegen. Die einen machen sich Sorgen um die ihnen liebgewordene Gestalt der katholischen Kirche, andere sehnen sich nach Veränderungen. Wie wird es weitergehen?

Um bei all den unterschiedlichen Stimmen und Meinungen die Orientierung nicht zu verlieren, ist es gut, einen Schritt zurückzutreten und die großen Entwicklungen in den Blick zu bekommen.

3. Ja, wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Die Zeiten haben sich gewandelt, gerade auch was den Stellenwert von Glaube und Kirche in unserer Gesellschaft angeht. Viele von Ihnen werden sich noch daran erinnern, dass sich zumindest in den Regionen des Bistums Regensburg vor noch wenigen Jahrzehnten jemand rechtfertigen musste, wenn er am Sonntagvormittag nicht zur Heiligen Messe in die Kirche ging.

Heute muss sich in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz rechtfertigen, wer sich am Sonntagvormittag auf den Weg dorthin macht.

Wer früher in unseren Städten und Dörfern am Sonntagvormittag unterwegs war, erlebte auf den Straßen etliche Menschengruppen, junge und alte, die, sonntäglich gekleidet, das Gebetbuch in der Hand, auf dem Weg zur Kirche waren oder von dort nach Hause gingen.

Heute prägen die Jogger das Stadtbild und Frühaufsteher, die den Hund Gassi führen. Gewiss, es gibt Ausnahmen. Zu bestimmten Festen findet man auch bei uns vielerorts schon eine halbe Stunde vor der Messe keinen Parkplatz mehr in der Nähe der Kirche.

Und auch das ist wahr: Der traditionelle Kirchgang allein ist noch kein Zeichen wahrhaft lebendigen Glaubens.

4. Dass aber christliche Positionen und kirchliche Wertvorstellungen keineswegs mehr selbstverständlich sind, zeigt das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts: Das Tabu der aktiven Sterbehilfe, das die Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens schützt und alte und pflegebedürftige Menschen vor dem Ansinnen bewahrt, sich der Gesellschaft legal zu ersparen, ist gefallen.

Lange Zeit konnte man sich darauf verlassen, dass immerhin das Bundesverfassungsgericht die Würde des Menschen, die des ungeborenen wie des sterbenden, schützt. Dies scheint mit dem besagten Urteil, das ausgerechnet am Aschermittwoch veröffentlicht wurde, fraglich geworden zu sein. Christliche Glaubensüberzeugungen und Mehrheitsmeinung in der Gesellschaft fallen mehr und mehr auseinander. Gott ist für viele ein Fremdwort geworden.

Heute muss sich jeder und jede für die Zugehörigkeit zur Kirche entscheiden. Die gesellschaftlichen Stützen sind mehr und mehr weggefallen. Jeder und jede einzelne ist für sich gefragt. Das heißt nicht, dass ich vergangenen Zeiten nachtrauere. Denn nur auf Tradition zu setzen und weil es alle machen, ist auch kein Zeichen und Ausdruck von Glauben.

5. Papst Franziskus hat in seinem Schreiben „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ vom 29. Juni 2019 mit Blick auf den geplanten Synodalen Weg in Deutschland von einer elementaren Krise des Glaubens in unserem Land gesprochen. Sie betrifft nicht nur die katholische Kirche, sondern alle christlichen Gemeinschaften.

Deshalb kann ich auch nicht glauben, dass strukturelle Veränderungen in der katholischen Kirche wie etwa der Verzicht auf die Ehelosigkeit der Priester, eine Frauenquote, mehr Mitsprache von Weltchristen in der Kirchenleitung oder eine Abkehr von der bislang geltenden Sexualmoral etwas Wesentliches an dieser Situation ändern würden – ganz abgesehen davon, dass vieles theologisch unmöglich ist, anderes nur auf der Ebene der Weltkirche entschieden werden kann.

6. Wir sollten uns eingestehen: Die Zeiten sind vorbei, wo es gleichsam selbstverständlich war, Mitglied der Kirche zu sein. In die Glaubensgemeinschaft der Kirche wird man nicht schon durch die Geburt aufgenommen, sondern durch die Taufe. In gewisser Weise kehren wir in eine Situation des Ursprungs zurück, wo die persönliche Glaubensentscheidung und eine lebendige Christusbeziehung den Grund gelegt haben für das Wachstum der Kirche.

Ich habe deshalb im Vorfeld des Synodalen Weges zusammen mit weiteren Bischöfen vorgeschlagen, andere Themen aufzugreifen und die Weisung von Papst Franziskus ernst zu nehmen, der uns zur Mission und Neuevangelisierung aufruft: Religiöse Bildungsarbeit, Katechese, Jugendpastoral, Leben aus dem Gebet. – Dafür war die Mehrheit leider nicht zu gewinnen.

7. Als Bischof will ich alles dafür tun, dass die Menschen im Bistum Regensburg die Möglichkeit haben, die Schönheit des kirchlich gelebten Glaubens kennenzulernen. Christus will jeden  Menschen an der Hand nehmen und ihm das wahre Leben schenken; ein Leben, das erfüllt ist von göttlicher Liebe und Wahrheit, ein Leben in der Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott (vgl. Mt 17, 5–7; 2 Tim 1,10). Niemand ist gezwungen, diese Einladung, die ER durch seine Kirche und die Sakramente ausspricht, anzunehmen. Die Kirche betrachtet unabhängig davon selbstverständlich jeden Menschen als Geschenk Gottes, und dadurch mit höchster Würde ausgestattet, egal was er denkt oder glaubt.

8. Und so will ich in unserem Bistum, in den Pfarreien, in den Gemeinschaften und Verbänden, die Neuevangelisierung anpacken.

Ein erster Schritt dazu wird sein, die Auskunftsfähigkeit über unseren Glauben zu stärken, sprachfähig und auch sprachwillig zu sein über den eigenen Glauben, gemäß der Weisung des Apostels: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von Euch Rechenschaft fordert über den Grund Eurer Hoffnung!“(1 Petr 3,15).

Dabei geht es zunächst einmal gar nicht um den Katechismus, sondern um Selbstvergewisserung: Wo zeigt sich der Glaube in meinem Leben? Was würde mir eigentlich fehlen ohne Gott und ohne die Kirche? Warum ist mir die Heilige Messe am Sonntag wichtig? Wer hat mich eigentlich zum Glauben geführt? Wer hat mir Jesus nahe gebracht? Welches Zeugnis hat mich so beeindruckt, dass ich selber den Glauben liebgewonnen habe und ohne ihn nicht mehr sein möchte?

9. Wenn ich einmal von mir erzählen darf: Ich bewahre als kostbares Familienerbstück das gerahmte Erstkommunion-Erinnerungsbild meiner Großmutter auf. Der Sachwert ist vermutlich nicht besonders hoch. Aber der ideelle Wert umso mehr. Meiner Großmutter, die im Juni 1946 mit drei minderjährigen Kindern – der Mann war noch in Kriegsgefangenschaft – ihre sudetendeutsche Heimat verlassen musste, war dieses Kommunionandenken so wichtig, dass sie es zwischen einigen Wäschestücken und anderen Habseligkeiten zu den 30 Kilogramm Gepäck hinzugab, die mitzunehmen ihnen erlaubt wurde.

Das Zeugnis dieser Frau, die ihr Schicksal ohne eine Herzensbeziehung zu Christus und ohne einen großen Fundus von Gebeten wohl nicht bestanden hätte, ist ein Geschenk und hat mich nachhaltig geprägt. Dass ich die Berufung zum Priesteramt erkennen konnte, hängt sicher auch mit dieser Erfahrung zusammen: Das Brot des Lebens, das Christus selber ist, hat diese Frau durch ein wahrlich schweres Leben getragen.

10. Weitergabe des Glaubens geschieht durch das persönliche Zeugnis. Ich lade Sie ein, ja ich bitte Sie, sich daheim, in den Gruppen und Kreisen in der Pfarrei in aller Behutsamkeit auch einmal darüber auszutauschen.

Dazu kommt die Frage: Wem bin ich Vorbild im Glauben? Vielleicht haben Sie für einen jungen Menschen das Paten-Amt übernommen. Das Paten-Amt ist in erster Linie ein Vorbild-Amt. Was kann mein Patenkind von mir lernen? Spielt mein Glaube, mein Gebetsleben, mein soziales Engagement eine Rolle? Bin ich mir bewusst, dass etwa mein sonntäglicher Kirchgang auch für andere eine Bedeutung hat; dass auch dieses Zeugnis wahrgenommen wird?

11. In der kommenden Osternacht werden vielerorts erwachsene Frauen und Männer durch Taufe, Firmung und Eucharistie in die Kirche aufgenommen. In der Fastenzeit beten wir in den Fürbitten oft für die Taufbewerber. Für mich ist die Begegnung mit den erwachsenen Taufbewerbern ein großes Geschenk und eine Herausforderung zugleich. Sie stellen mich vor die Frage: Würde ich es wagen, würde ich mich aus freien Stücken um die Taufe bewerben, wenn ich nicht schon als Kind getauft worden wäre? Genau dies geschieht. Und diese Bereitschaft, dieser Mut wird künftig von uns allen noch viel mehr gefordert sein. Das Zeugnis derer, die nicht schon als Säuglinge getauft wurden wie wohl die meisten von uns, dieses Zeugnis möge uns stärken und mutig machen, dass auch wir im Alltag zu unserem Glauben stehen.

12. Auf dem Weg zur Taufe gibt es seit alters her zwei wichtige Etappen: Die Einführung in das Glaubensbekenntnis und die Einführung in das Gebet anhand des Vaterunsers. Das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser-Gebet immer wieder neu durchzubuchstabieren, ist ein wesentlicher Schritt auch der Glaubensvertiefung und der Erneuerung.

Geschehen kann dies durch geistliche Lektüre, im vertrauten Gespräch zuhause, aber auch in Glaubensgesprächskreisen, in Bibelkreisen. Ich begrüße und fördere alle Initiativen in dieser Richtung. Es gibt viele davon. Bald wird es auch eine Konferenz auf Bistumsebene geben, um alle Initiativen zur Evangelisierung zu sichten, zu vernetzen und zu stärken.

13. Das Evangelium des heutigen zweiten Fastensonntags schließt mit der merkwürdigen Weisung Jesu an die Jünger, vorerst nichts über die Begegnung mit dem verklärten Jesus weiterzusagen (vgl. Mt 17,9). Aber dieses Verbot gilt eben nur bis Ostern. Wenn die Jünger alles miterlebt haben werden, auch dass der Messias sogar für sie zu leiden, für sie zu sterben bereit ist, dann wird der Auferstandene das Schweigegebot verwandeln in den Missionsbefehl: „Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern!“(Mt 28,19).

Auf dem Weg Ihrer persönlichen Jüngerschaft segne und behüte Sie
der dreifaltige Gott, der + Vater und der + Sohn und der Heilige + Geist.

Regensburg am Aschermittwoch, 26. Februar im Jahr des HERRN 2020.

+ Rudolf, Bischof von Regensburg

Quelle (Text / Bischofsfotos): https://www.bistum-regensburg.de/news/hirtenbrief-des-bischofs-von-regensburg-zur-oesterlichen-busszeit-2020-7300/


Papst Benedikt errichtet „Tagespost“-Stiftung für katholische Medienarbeit

Im Herbst dieses Jahres hat Papst em. Benedikt XVI. „Die Tagespost Stiftung für katholische Publizistik“ errichtet.

Vor wenigen Tagen gab Oliver Maksan, Chefredakteur und Geschäftsführer der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ (DT) bekannt, dass sie ab sofort die katholische Medienarbeit durch kurzfristige Projektfinanzierungen und strategische Investitionen fördert und ausbaut.

Bislang fehlte im deutschen Sprachraum eine unabhängige Institution, die gezielt in die Ausbildung katholischer Nachwuchsjournalisten investiert, bioethisch relevante Rechercheprojekte finanziert und katholischen Medien zu mehr Reichweite und Gehör verhilft.

Diese Aufgaben hat der emeritierte Papst Benedikt XVI. nun der „Tagespost Stiftung für katholische Publizistik“ übertragen. „Ich wünsche mir, dass die katholische Stimme gehört wird“, begründet Papst em. Benedikt XVI. seine Initiative zur Stiftungsgründung.

Für das kommende Jahr will die Stiftung dazu rund 450.000 Euro für Medien- und Bildungsprojekte einsammeln und bereitstellen. Mit diesen Mitteln ermöglicht sie beispielsweise Volontären ein medienübergreifendes, internationales Volontariat auf der Höhe der Zeit, Digitalprojekte an der Schnittstelle von Suchmaschinenoptimierung und Neuevangelisierung sowie Hintergrundberichte und Recherchen zu Lebensschutz und Bioethik.

Hintergrund

Am 2.10.2019 rief Papst em. Benedikt XVI. „Die Tagespost Stiftung für katholische Publizistik“ ins Leben. Seit dem 10.10.2019 ist die Treuhandstiftung mit Bescheid des Finanzamts Bonn-Außenstadt als gemeinnützig anerkannt.

„Die Tagespost Stiftung für katholische Publizistik“ wird in der Öffentlichkeit von Dr. Norbert Neuhaus und Bernhard Müller als Vorstand repräsentiert. Christoph Konopka ist der Treuhänder.

Weitere Infos: www.die-tagespost.de/stiftung
Kontakt für Medienanfragen: Chefredakteur Oliver Maksan, Tel: 0931 / 30863-0  / Mail: info@die-tagespost.de
Die Tagespost, Berner Straße 2 in 97084 Würzburg www.die-tagespost.de
www.facebook.com/DieTagespost


Regensburg: Wolfgangspredigt von Bischof Rudolf Voderholzer am 31. Oktober 2019

Am 31. Oktober begeht die Kirche den Gedenktag des hl. Wolfgang (924 – 994 n. Chr.), der Patron des Bistums Regensburg ist.

Am Abend feierte die Diözese zusammen mit Bischof Rudolf Voderholzer ein Pontifikalamt zu Ehren des Heiligen in der Basilika St. Emmeram. Die Krypta der Kirche bewahrt den Schrein mit den Reliquien des Heiligen.

Es ist schon zur Tradition geworden, dass der Regensburger Oberhirte (siehe Foto) am Wolfgangstag eine wegweisende Predigt hält, in der er besonders auf Fragen eingeht, die in der Kirche aktuell die Runde machen. 

Wir dokumentieren hier seine diesjährige Predigt. Die Zwischenüberschriften und Fettdruck-Hervorhebungen dienen der Übersichtlichkeit für unsere Leser:

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Das Wirken des heiligen Wolfgang und des heiligen Emmeram führt uns geschichtlich in die Zeit der Anfänge des Christentums in unserer Heimat, in die Zeit der Erst-Evangelisierung, die immer auch vorbildlich bleiben wird für die stets notwendige Neu-Evangelisierung.

Die Amazonas-Synode, die vor einigen Tagen in Rom zu Ende ging, befasste sich mit der Situation einer Kirche, die in vergleichbarer Weise am Anfang steht wie die Kirche in unseren Breitengraden nach der Völkerwanderungszeit.

Unter theologischer Rücksicht erregten im Blick auf die Amazonas-Synode vor allem zwei Themen Aufmerksamkeit: Die Frage der Inkulturation, also die Art und Weise der Übernahme von vorchristlichen Formen der Frömmigkeit, konkret in unserem Fall der Verehrung naturaler Fruchtbarkeit in Form der personifizierten Mutter Erde, der „Pacha-Mama“; und dann die – vor allem von europäischen Beobachtern noch einmal forcierte – Frage der Zulassung bewährter verheirateter Männer zum priesterlichen Dienst.

Bei näherer Betrachtung laufen beide Themen auf dieselbe Frage zu: Bringt die christliche Botschaft etwas Neues oder bestätigt und heiligt sie nur das schon überliefert Vorhandene? Und wenn die christliche Botschaft etwas Neues beinhaltet, worin besteht es?

Was ist das Neue an der christlichen Botschaft?

Auf diese Frage hat schon im 2. Jahrhundert Irenäus von Lyon eine wunderbare Antwort gegeben, indem er sagte: „Alle Neuheit hat Christus gebracht, indem ER sich selbst brachte.“ Jesus Christus ist in seiner Person die Neuheit, und ER ist in seiner Person auch die nie versiegende Quelle der stetigen Erneuerung der Kirche und jedes einzelnen. Denn als der auferstandene und einst wiederkommende Gottessohn ist ER in der Kraft des Heiligen Geistes jeder Phase der Geschichte gleichzeitig und sogar voraus.

In seiner Neuheit kommt er den Fragen, der oft unausdrücklichen Sehnsucht aller Menschen und ihrer „natürlichen“ Religiosität entgegen, reinigt sie zugleich, erhöht sie und gibt ihnen die unüberbietbar göttliche Antwort. In Christus sind alle Religionen „aufgehoben“ – „aufgehoben“ in einem dreifachen Sinn: Außer Kraft gesetzt, erhöht und bewahrt.

Anknüpfung und Bruch zugleich

Deswegen geschieht Inkulturation immer in Anknüpfung und Bruch zugleich. Origenes, ebenfalls ein Theologe der frühen Kirchengeschichte, verwies in seiner Auslegung des Auszugs Israels aus Ägypten zum Beispiel darauf, dass die Israeliten die goldenen Gefäße und Statuen ihres bisherigen Gastlandes mit ihrem Pharaonenkult und der Jenseitsfixierung zwar mitnahmen, dass sie sie aber nicht als solche verwendeten, sondern einschmolzen und umformten zu den heiligen Geräten zur Verehrung und Anbetung des Gottes Israels.

ER ist der Gott des Bundes mit den Menschen und gibt ihnen in den Zehn Geboten Orientierung für ein Gott gefälliges Leben.

Der heilige Bonifatius und die Eichen

Der heilige Bonifatius, der zwischen unseren heiligen Bistumspatronen Emmeram, Erhard und Wolfgang gewirkt und unserem Land zum Evangelium auch noch viele Bistumsgründungen geschenkt hat; Bonifatius, der Apostel Deutschlands, hat auch nicht etwa den Kult der Germanen eins zu eins übernommen.

Bonifatius hat die Donar-Eiche, den Kultbaum der germanischen Götterwelt, nicht umtanzt und nicht umarmt, sondern er hat sie gefällt und aus ihrem Holz ein Kreuz gezimmert und eine Petruskapelle gebaut.

Ein wunderbares Bild für die Einpflanzung der Neuheit des Evangeliums in Kontinuität und Diskontinuität mit dem Bisherigen!

Die trügerische Hoffnung auf eine Gottheit, die nur vor Blitz, Donner und der Bedrohung durch Riesen schützt, wurde so ersetzt durch den Gott der Liebe, der vor dem Tod der Seele bewahrt und wirklich den Himmel aufreißt.

Ohne einen gewissen Bruch mit dem Vergangenen ist die Neuheit Christi nicht zu gewinnen.

Pacha-Mama und die Ökumene

Darauf verweist uns nicht zuletzt die Lehre der Reformatoren, denen die katholische Inkulturationsbereitschaft immer schon zu weit ging. Ohne die Thesen Martin Luthers – noch dazu in ihrer dialektischen Zuspitzung – in Gänze zu übernehmen, sollte doch die Ökumene-Sensibilität davor bewahren, heidnische Skulpturen ohne geistig-geistliche „Umschmelzung“, ohne „Durchkreuzung“, wenn Sie so wollen, in den Raum der Kirche zu tragen.

Es war jedenfalls nicht ersichtlich, dass die entsprechenden Figuren die Verwandlung und Reinigung von einer naturalen Frömmigkeit hin zur heilsgeschichtlich ausgerichteten Marienfrömmigkeit durchlaufen hatten – entsprechend den Bemühungen früherer katholischer Missionare.

Dazu aber mahnt uns, wie ich finde, der heute wie immer zeitgleich mit dem Wolfgangsfest von den lutherischen Schwestern und Brüder im Glauben begangene Reformationstag. Andernfalls liefert man den biblizistisch ausgerichteten und oft extrem reformatorisch-dialektisch argumentierenden evangelikalen und pentekostalen und in ganz Lateinamerika sehr aktiven und erfolgreichen Missionaren noch Argumente gegen die katholische Kirche.

Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen

Und was die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen all derjenigen angeht, die in die besondere Nachfolge Jesu gerufen wurden: Diese Lebensform, die die Lebensform Jesu und der Apostel war, sie war zu allen Zeiten und an allen Orten eine Provokation und eine Zu-mutung! Zuallererst schon in Palästina zur Zeit Jesu selbst. Jesus selbst wurde als „Eunuch“ beschimpft und verspottet (vgl. Mt 19).

Und doch ist gerade diese Lebensform Ausdruck der Neuheit Christi, lebendiges Glaubenszeugnis für den Anbruch des Gottesreiches, Ausdruck des Vertrauens auf die Kraft geistlicher Fruchtbarkeit, Zeichen der Hoffnung auf eine größere, alles Innerweltliche übersteigende Erfüllung.

Der heilige Wolfgang hat genau vor diesem Hintergrund die Disziplin der Klöster zu erneuern begonnen und mit der Einführung der vom Kloster Gorze ausgehenden Reform auf diesen Aspekt der Neuheit Christi gepocht, einer Neuheit, die sich im Leben der Kirche Ausdruck verschafft.

Räumlich entlegene Zweitrangigkeit?

Nun raten offenbar die Teilnehmer der Synode, die übrigens in der katholischen Kirche – im Unterschied zu den Synoden der evangelischen Kirche – ein Beratungs- und kein Beschluss-Organ ist, dem Papst, über eine Entkoppelung von Priesteramt und Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen in einigen wenigen Ausnahmefällen in räumlich entlegenen Regionen der Weltkirche zur Ermöglichung einer häufigeren Eucharistiefeier nachzudenken.

Dies ist freilich nicht besonders originell oder gar neu, und in seiner Zielsetzung durchschaubar. Denn es gibt in der weltumspannenden einen und deshalb katholischen Kirche keine kirchlich zweitrangigen Regionen. Und in einer so bedeutenden Frage kann und wird es auch keine nur regionalen Lösungen geben.

„Lasst Euch nicht verwirren!“

Allen jungen Männern, die den Ruf Jesu in die besondere Nachfolge hören und jetzt verständlicher Weise verunsichert sind, rufe ich zu: Lasst Euch nicht verwirren!

Die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils steht und ist gültig: Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ist als die Lebensform Jesu und der Apostel dem Priesteramt in vielfacher Hinsicht angemessen. Sie ist auch ein Kriterium auch der Ernsthaftigkeit der Nachfolgebereitschaft und – gelebt in brüderlicher Kollegialität in der Gemeinschaft des Presbyteriums – eine vielfach bewährte Quelle geistlicher Fruchtbarkeit.

Ich bin der festen Überzeugung: Wo die Sehnsucht nach der Eucharistie, Hunger der nach der „geistlichen Speise“, nach dem „Brot vom Himmel“ wirklich groß ist, dort wird auch die Bereitschaft wachsen, dem Ruf in die Ganzhingabe im Priesteramt zu folgen – sei es in Amazonien, sei es in Mitteleuropa.

Mann und Frau in gleicher Würde

Zur Neuheit des Christlichen gehört auch eine vertiefte Sicht der Einheit und Unterschiedenheit von Mann und Frau bei gleicher Würde und unterschiedlicher Sendung und Berufung.

So war es doch einigermaßen verwunderlich, in diesem Zusammenhang von einer namhaften kirchlichen Stimme in der Bild-Zeitung zu hören, dass der Unterschied zwischen Mann und Frau einzig und allein in einem Y-Chromosom bestehe:

Wörtlich war zu lesen, ich zitiere: „Kann man zum Beispiel an einem Y-Chromosom den Zugang zum Priesteramt festmachen, indem man das mit dem Willen Jesu begründet?“ -Und: „Die allermeisten Menschen verstehen das nicht mehr und glauben es auch nicht. Ich bin ebenfalls mehr als nachdenklich.“ [1]

Verlockende Enge statt christlicher Weite

Anstatt, wie es Aufgabe und Verpflichtung eines Bischofs wäre, geleitet vom „sensus ecclesiae“, also in kirchlichem Geist, die verbindliche Lehre der katholischen Kirche zu vertreten, sie zu erschließen und vor dem Hintergrund einer philosophisch-theologischen Anthropologie nachvollziehbar zu machen, wird der Blick verengt auf die Genetik und unterstellt eine Quasi-Gleichheit der Geschlechter.

Immerhin, so ist zu entgegnen, lässt Gott, der Schöpfer, der den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat, aus dem „kleinen Unterschied“ im genetischen Ursprung die unser Menschsein zutiefst bestimmende und prägende Geschlechterdifferenz entstehen.

Und ER hat auf der gegenseitigen Anziehung von Mann und Frau die Weitergabe des Lebens und damit nichts weniger als die Zukunft der Geschichte begründet. Und schließlich hat Jesus Christus die Ehe von Mann und Frau zur Würde eines Sakramentes erhoben. Auch dies ist ein Ausdruck der christlichen Neuheit!

Ein Aspekt der Neuheit freilich, der, wie wir alle wissen, vielfach angegriffen, unterhöhlt und infrage gestellt und entweder ins Althergebrachte oder aber Beliebige aufgelöst wird.

Synodaler Weg und die Frage nach dem Sinn der Teilnahme

Sollte mit dem genannten biologistischen Argument das Argumentations-Niveau des bevorstehenden Synodalen Weges vorgezeichnet sein, dann sehe ich ehrlich gesagt wenig Sinn darin, dabei mitzumachen.

Papst Franziskus hat in seinem Schreiben an das Pilgernde Gottesvolk in Deutschland vom 29. Juni uns in geistlicher Leidenschaft den Primat der Neu-Evangelisierung ans Herz gelegt.

Er rät uns allen dringend, ich zitiere: „eine Haltung einzunehmen, die darauf abzielt, das Evangelium zu leben und transparent zu machen, indem sie mit ‚dem grauen Pragmatismus des täglichen Lebens der Kirche bricht, in dem anscheinend alles normal abläuft, aber in Wirklichkeit der Glaube nachlässt und ins Schäbige absinkt.“ Und der Papst weiter: „Pastorale Bekehrung ruft uns in Erinnerung, dass die Evangelisierung unser Leitkriterium schlechthin sein muss, unter dem wir alle Schritte erkennen können, die wir als kirchliche Gemeinschaft gerufen sind in Gang zu setzen; Evangelisieren bildet die eigentliche und wesentliche Sendung der Kirche.“[2]

Das war das Programm der Apostel, das war das Programm des heiligen Bonifatius, des heiligen Wolfgang und all der vielen Glaubenszeuginnen und –zeugen bis herauf in unsere Tage. Und es ist auch das einzig sinnvolle und zielführende Programm für die Gegenwart und die Zukunft der Kirche.

Heiliger Wolfgang, bitte für uns!

Quellenangaben:

[1] https://www.katholisch.de/artikel/23403-overbeck-nachdenklich-priesteramt-an-einem-y-chromosom-festmachen;

https://www.bild.de/bild-plus/regional/ruhrgebiet/ruhrgebiet-regional-politik-und-wirtschaft/essen-so-hat-das-amt-des-ruhrbischofs-franz-josef-overbeck-veraendert-65644676,view=conversionToLogin.bild.html

[2] Papst Franziskus, Brief vom 29. Juni 2019, Nr. 6

Quelle: Bistum Regensburg


Kardinal Müller beklagt eine innerkirchliche Konversion zur Welt anstatt zu Gott

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Kardinal Gerhard Müller (siehe Foto) hat unlängst der Webseite „The Catholic World Report“ ein Interview zur Frage der Interkommunion gegeben.
Hier geht´s zum Original: klicken
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Die Reaktionen des Kardinals sind sehr lesenswert und liefern ein klares Bild von der Lage innerhalb der Katholischen Kirche in Deutschland.
Auf die CWR-Frage, warum viele deutsche Bischöfe an den dauernden Spannungen beteiligt sind, antwortet der ehem. Glaubenspräfekt folgendes:
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„Eine Gruppe deutscher Bischöfe mit ihrem Vorsitzenden an der Spitze sehen sich selbst als Trendsetter der katholischen Kirche auf dem Weg in die Moderne; sie betrachten die Säkularisierung und Entchristlichung Europas als unabänderliche Entwicklung.  
Aus diesem Grund ist die Neu-Evangelisierung – das Programm von Johannes Paul II. und Benedikt XVI.  –  ihrer Ansicht nach ein Kampf gegen den Verlauf der Geschichte, der dem Kampf Don Quichotes gegen die Windmühlen ähnelt. 
Sie suchen nach einer Nische, in der die Kirche in Frieden überdauern kann. Deshalb müssen alle Glaubenslehren, die dem „Mainstream“ und dem gesellschaftlichen Konsens widersprechen, erneuert werden.

Eine Konsequenz davon ist die Forderung, die Kommunion auch Nicht-Katholiken zu spenden – zudem jenen Katholiken die nicht im Stand der Gnade sind.
Ebenfalls auf der Agenda stehen: homosexuelle Paare, die Relativierung der Unauflöslichkeit einer sakramentalen Ehe, Einführung der „viri probati“ und damit Abschaffung des priesterlichen Zölibats, Zustimmung zu sexuellen Beziehungen vor und außerhalb der Ehe.
Das sind ihre Ziele und um sie zu erreichen, sind sie willens, sogar die Spaltung der Bischofskonferenz hinzunehmen.
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Die Gläubigen, die die katholische Lehre ernst nehmen, werden als konservativ gebrandmarkt, aus der Kirche gedrängt und der Diffamierungskampagne liberaler und anti-katholischer Medien ausgesetzt. 

Für viele Bischöfe ist die Wahrheit der göttlichen Offenbarung und des katholischen Glaubensbekenntnisses nur eine weitere Variable in der innerkirchlichen Machtpolitik….Es handelt
sich hier um einen eklatanten Prozess der Protestantisierung…

Die Verweltlichung der Bischöfe und Priester im 16. Jahrhundert war die Ursache für die Teilung der Christenheit…Die Krankheit jener Zeit soll jetzt die Medizin sein, mit der die Teilung überwunden werden soll?
Die Unkenntnis des katholischen Glaubens war damals katastrophal, besonders bei den Bischöfen und Päpsten, die sich selbst mehr der Politik und der Macht widmeten, als die Wahrheit Christi zu bezeugen. 

Heute ist es für viele Menschen wichtiger, von den Medien akzeptiert zu werden, als die Wahrheit, für die wir auch leiden müssen. Petrus und Paulus haben für Christus das Martyrium in Rom erlitten, dem Machtzentrum ihrer Zeit; sie wurden von den Herrschern dieser Welt nicht als Helden gefeiert, sondern eher wie Christus am Kreuz verspottet. Wir dürfen die martyrologische Dimension des Petrus-Amtes und des Bischofsdienstes nie vergessen.“
 
Zur Frage des CWR, wie er den Zustand des Glaubens in Deutschland und in Europa beurteile und ob er denke, daß Europa sich im Sinn seiner früheren christlichen Identität erholen werde, sagte Kardinal Müller:

„Es gibt viele Leute, die ihren Glauben ausleben, Christus und seine Kirche lieben und ihre ganze Hoffnung auf Gott setzen – im Leben und im Tod. Aber unter diesen gibt es einige, die sich von ihren Hirten verlassen und betrogen fühlen. In der öffentlichen Meinung populär zu sein ist heute ein Kriterium für einen angeblich guten Bischof oder Priester.

Wir erleben die Konversion zur Welt anstatt zu Gott, entgegen den Worten des Apostels Paulus: „Will ich denn Menschen gefallen oder Gott? Wenn ich Menschen gefallen wollte, wäre ich kein Knecht Christi.“

Übersetzung und vollständige Fassung des Müller-Interviews hier: https://beiboot-petri.blogspot.com/2018/06/kardinal-muller-spricht-klartext-zum.html

Müller-Foto: Bistum Regensburg


Erzbischof Müller warnt vor Gleichgültigkeit und falscher Wissenschaftsgläubigkeit

Erzbischof Gerhard L. Müller auf der römischen Bischofssynode: „Die Kraft der Gnade finden und Verantwortung übernehmen“

Das theologische Fundament der Neuevangelisierung stand im Mittelpunkt der Ansprache von Erzbischof Müller, dem Präfekten der Kongregation für die Glaubenlehre, am zweiten Tag der Synodenversammlung in Rom.

Damit ging er auf die Nr. 20 des „Instrumentum Laboris“ der Synode ein, in dem es um das „theologische Fundament“ geht.  

Gerade die Neuevangelisierung bedürfe eines festen Fundaments, um wirksam zu werden. Vor dem „Wirken“ komme aber das „Sein“, d.h. die angestrebte Gleichförmigkeit mit Christus  –  das erste baue auf letzterem auf.

Die Neuevangelisierung dürfe „kein Moment der Kirche sein, der nur in den Krisensituationen auflebt“, sondern sei zu jeder Zeit eine wesentliche Aufgabe des christlichen Lebens.

Gerade die Einheit der Kirche sei von zentraler Bedeutung neben allen kulturellen Bereicherungen, die aus den kirchlichen Traditionen der verschiedenen Länder erwüchsen. Die Umfelder der Kirche änderten sich, Christus bleibe jedoch immer derselbe, „gestern, heute und morgen“.

Eine erste Schwierigkeit entstehe daraus, dass das Christentum und die Botschaft Christi nicht mehr als etwas wirklich „Neues“ wahrgenommen würden, wie es im frühen Christentum der Fall war.

Das Christentum habe vor allem mit der Gleichgültigkeit zu kämpfen. Die Jugend empfinde die vermeintliche „Abwesenheit Gottes“ vielfach nicht als Verarmung. Vielerorts fehle die Kenntnis einfachster Glaubensgrundlagen, z.B. betr. der Bedeutung des Kreuzzeichens.

Viele Menschen ließen sich durch falschverstandene Wissenschaftsgläubigkeit und durch Oberflächlichkeit verführen, was zu einem mißverstandenen Individualismus und  Egoismus führe.

Dem müsse die Kraft der Verkündigung entgegengehalten und wieder neu entdeckt werden. Wir „sind Zeugen und dürfen uns auch nicht von Strukturen ersticken lassen, sondern müssen dem Menschen, wo er steht und lebt, bei der Erneuerung helfen“.

Bei dieser Konfrontation mit dem Säkularismus helfen weder eine falsche Nostalgie noch Utopien für die Zukunft, so der Erzbischof.

Die Neuevangelisierung benötige eine nüchternen Analyse der Wirklichkeit und Begeisterung für die Glaubensverkündigung.

„Wir müssen die Kraft der Gnade finden, die von Gott aus wirkt, und dann die Verantwortung übernehmen, den kommenden Generationen das einzige Evangelium zu verkünden, das erlöst“.

Quelle: Jan Bentz in der kath. Nachrichtenagentur www.zenit.org

Foto: Bischöfliche Pressestelle Regensburg