Zwischen Krippe und Kreuz, Himmel und Erde

Von Pfarrer Felix Evers

„Zwischen den Jahren“ heißt umgangssprachlich die Zeit direkt nach dem Weihnachtsfest; vermutlich geht dieser Begriff auf die Umstellung des Kalenders in der Sterbenacht Theresia von Avilas 1582 zurück, weil seitdem zwischen dem alten Julianischen und dem neuen Gregorianischen Kalender 13 Tage liegen. 

Somit befinden wir uns zwischen Weihnachten und Epiphanie in einer Zwischenzeit: Zwischen den Jahren, zwischen Freud und Leid, zwischen Altem und Neuem, zwischen Himmel und Erde, zwischen Krippe und Kreuz. Zwischendurch mal durchatmen, Rückschau halten, vorausschauen.

Während einer ökumenischen Pilgerreise nach Armenien im vergangenen Herbst entstand dieses Foto in Eriwan: Über der Hauptstadt erhebt sich die Gedenkstätte für den grausamen Völkermord vor mehr als einhundert Jahren, vorne im Bild zu sehen die Gräber der im Karabachkrieg gefallenen Soldaten.

Am türkischen Horizont das für Armenier unerreichbare Wahrzeichen des Ararat – dem Mythos entsprechend der Landeplatz der Arche Noah -; unzählige altehrwürdige Klöster laden zum Gebet ein.

Im Oktober erklangen zudem überall die Lieder des verstorbenen Sängers Charles Aznavour, der armenische Wurzeln hatte und als Volksheld verehrt wird; in Eriwan lauschten bei farbenfrohen Wasserspielen unzählige Bewohner friedlich-still seinen über etliche Lautsprecher verbreiteten Chansons.

Armenien als ein Zwischenland: Leben zwischen Krieg und Frieden. Abbild der ganzen Welt im Jahr 2018: Zwischen Gewalt und Versöhnung, zwischen Nationalismus und Einer Welt, zwischen Raubbau und Schöpfungsbewahrung.

Jesus führte ein Leben im Dazwischen: Zwischen Himmel und Erde, zwischen Leben und Tod, zwischen Betlehem und Golgotha; auf seinem Pilgerweg zwischen den biblischen Orten im Heiligen Land hatte er kaum eine Herberge mit Verweildauer.

Unsere Erlösung bewirkt das Kind in der Krippe und der Mann am Kreuz bis heute durch den heiligen Tausch: Wer an Jesus als den Sohn Gottes glaubt, weiß sich als bettelarmer Mensch von Gott mit der gleichen himmelreichen Liebe umfangen, mit der Gott seinen eigenen Sohn umfängt.

Jeder Lebenstag wird zu einem kleinen Weihnachtsfest im Zwischenland: Ich wache als bettelarmer Mensch auf, erneuere tagsüber mein Vertrauen in das wehrlose Christkind, das am Wegesrand in einer Höhle zur Welt kam, und den geschundenen Mann am Kreuz, der auf dem Müllberg Golgotha außerhalb der Stadtmauern entsorgt wurde, und gehe himmelreich beschenkt schlafen.

Selbst wenn ich unter einer Brücke schlafen muss, ist dieser Gott wirklich bei mir – sein Reich sind gerade die Zwischenorte dieser Erde, die von allen guten Geistern verlassen zu sein scheinen.

Die Lichterkrone, die am Fest der Heiligen Luzia getragen wird, ist das gleiche Vorausbild des Himmels wie die Königsgewänder und Kronen der Sternsinger, die zwischen den Jahren die Frohe Botschaft wieder über alle Türen schreiben werden: Zwischen Ohnmacht auf Erden und Königswürde im Himmel gehen Heranwachsende ihren Lebensweg; von vielen Menschen missachtet und gequält, von Gott aber von Ewigkeit her auserwählt und bedingungslos geliebt: Jedes Kind ist in Gottes Augen ein König, Priester und Prophet.

Dein letztes Hemd, auf der Flucht zerrissen und zerlumpt, ist in Wahrheit ein Hochzeitskleid; Deine himmlische Würde kann Dir niemand rauben.

In Eriwan erhebt sich über der nationalen Gedenkstätte zwischen dem Betrachter und der Stadt das Mahnmal wie ein übergroßer Dorn – ein Dorn im Auge -, wie ein viel zu großer Nagel; das Holz der Krippe hat die gleichen Nägel wie das Kreuz, und die Dornenkrone liegt bereits auf dem Kopf des Christkinds in Betlehem.

So sehr liebt Gott uns Menschen, dass er am Weihnachtsfest für immer zu uns ins Zwischenland und in jede Zwischenzeit zieht, damit wir in Freud und Leid seine tröstende Nähe erfahren: „Fürchte Dich nicht; denn ich mag Dich leiden!“

Gesegnete Weihnachten und trostreiche Zeit zwischen den Jahren!


HEUTE jüdisches Neujahr – WIR gratulieren

Auf Twitter bin ich auf einen Glückwunsch zum jüdischen Neujahr gestoßen, und habe dann versucht, mich schlau zu machen, und nach allem, was google hier sagt, beginnt das jüdische Neujahr am Abend – und das bedeutet (wie der gebildete Katholik weiß) um 18 Uhr des 9. September 2018 und endet am Abend des 12. Septembers.

Eigentlich hatte ich erwartet, daß meine Timeline dazu auch etwas dazu zu sagen weiß, aber da wurde ich enttäuscht. Das einzige, was ich gefunden habe, ist die Gratulation des Wiener Bischofs hier 

Nachdem ich noch eine Weile gesucht habe: Das Domradio hat einen Beitrag und der Berliner Diözesanrat gratuliert, auch der Vorsitzende der Dt. Bischofskonferenz hat sich geäußert, doch all das hat irgendwie etwas Verhuschtes, Unauffälliges  –  ein bisschen wie in dem Lied: „Ich denke, was ich will und was mich erquicket, doch alles in der Still und wie es es sich schicket!“

Nun möchte ich einfach dran erinnern und den Juden in aller Welt und uns auch ein gesegnetes Neues Jahr wünschen.

Quelle und FORTSETZUNG in diesem katholische BLOG: https://beiboot-petri.blogspot.com/2018/09/ohrenbetaubendes-schweigen-zum.html

Früher wurde am Neujahrstag das „FEST der Beschneidung des HERRN“ gefeiert

„Das Heil kommt von den Juden“ (Joh 4,22)

Die Internetseite „Katholisch ohne Furcht und Tadel“ wird von einer jungen Konvertitin betrieben, also einer ehemals evangelischen Christin, die in die katholische Kirche eingetreten ist.

In einem aktuellen Beitrag befaßt sich die Autorin – sie nennt sich „Mary of Magdala“ – damit, daß die katholische Kirche bei der nachkonziliaren Kalender-Reform denAdvocata Festcharakter des Neujahrstages verändert hat. Früher wurde am 1. Januar das Fest der Beschneidung Christi gefeiert   –  logischerweise acht Tage nach Weihnachten (Oktavtag), denn jüdische Säuglinge werden acht Tage nach ihrer Geburt beschnitten.

Heute ist der Neujahrstag kirchlich ein Hochfest der Gottesmutter Maria. Wie die Verfasserin schreibt, war diese Idee bzw. Änderung sicherlich gut gemeint, ist es doch ein schöner Gedanke, das neue Jahr unter den mütterlichen Segen der Madonna zu stellen.

Aber war die Lösung, hierzu ausgerechnet den Oktavtag der „Beschneidung des HERRN“ zu verwenden, wirklich theologisch sinnvoll überlegt? 

Hier folgen einige lesenswerte Gedanken der Autorin zu diesem Thema:

„Das Fest der Beschneidung Christi ist bedeutungsvoll, weil es dem Christen seine jüdische „Abstammung“ vor Augen führt. „Das Heil kommt von den Juden“, und so war Jesus nicht nur Jude, er war der Jude, der das Gesetz vollkommen erfüllt hat…

Spannenderweise wird das Bewusstsein dafür, dass im Christentum der „wilde Ölbaum“ der Heiden auf den „edlen Ölbaum“ der Juden aufgepfropft ist und daraus sein Leben und Heil gewinnt, von zwei Seiten attackiert:

Die eine ist das eher ungebildet-gut katholische Lager, also Menschen, die im Christentum das Nonplusultra erblicken, die Zusammenhänge aber nicht kennen und bis heute im Judentum einfach nur die Religion sehen, die Jesus nicht als den Sohn Gottes und Messias bekennt. Die Vereinfachung funktioniert dann ungefähr so: Ich glaube an Jesus als Messias und Gottessohn, die nicht, also haben wir nichts miteinander zu tun. Das ist sehr simpel und sehr falsch… israeltag2

Ich wurde schon mal sehr missbilligend angeguckt, als ich sagte, Maria sei Jüdin gewesen. Wie, unsere Maria, Gottesmutter, Braut des heiligen Geistes, die Christin schlechthin, Jüdin?  –  Ja da guckst du. Es geht noch krasser: Gott ist als Jude geboren worden.

Auf der anderen Seite kommt diese Einstellung im Grunde auch den Juden sehr gelegen (und denen, die politisch korrekt vermeiden wollen, bei Juden anzuecken), denn auch von jüdischer Seite ist das Verständnis für den Zusammenhang zwischen Judentum und Christentum weitgehend nicht vorhanden  –   und wäre es das, würde es zu Verstimmungen führen: schließlich ist es ein klassischer Fall von „appropriation“, also „widerrechtlicher“ religiös-kultureller Anmaßung, dass Christen nicht bloß meinen, den beschnittenen Sohn Gottes und Messias zu verehren, nein, sie feiern auch noch den Tag seiner Beschneidung, wo kommen wir denn dahin?

Wenn deutlich wird, dass Christen das Judentum nicht als solches ablehnen, sondern das Christentum als im Judentum selbst notwendigerweise prophezeite, vorhergesehene, ja, von den Vätern ersehnte Vervollständigung und Erfüllung desselben begreifen, dann beinhaltet dies eine gewisse Verpflichtung, sich mit den Aussagen des Christentums zu beschäftigen.

Foto: Konrad RuprechtMan kann es dann nicht mehr als bloße Spinnerei abtrünniger Juden und abergläubischer Gojim abtun, sondern müsste sich fragen, wie eine Religion das konstituierende Element der eigenen Religion, den Bundesschluss durch Beschneidung, feiern kann, und dennoch so ganz andere Inhalte gleichermaßen bekennt.

Leider stellen sich nur sehr wenige Juden dieser Herausforderung, was natürlich auch mit daran liegt, dass nur wenige Christen diesen Zusammenhang überzeugend leben – wogegen echte Anmaßung, das Aufstellen einer Menora oder das Nachfeiern jüdischer Feste etwa, in manchen Kreisen Konjunktur haben, aber in diesen Fällen lediglich Unkenntnis offenbaren.

Auch gibt es eine Opposition seitens derer, die stillschweigend davon ausgehen, der Gott des Neuen Testaments sei ein anderer als der des Alten. Da passt Beschneidung ja nun gar nicht – Blut! Beschneidung! Das ist doch der grausame, altertümliche Gott, eine Projektion unaufgeklärter Semiten, nicht unser lieber Opa auf der Wolke.

Viele Christen sind ja irgendwie der Meinung, der Gott Abrahams wäre nichts als ein erweiterter Baal und das Gesetz des Mose eine menschengemachte Institution, und da würde es das aufgeklärte Selbstbild arg strapazieren, wenn der Herr (ja, der HERR) seine eigenen Anweisungen ernstnähme und sich bei seiner Ankunft erst mal beschneiden ließe… Herz-Jesu_01

Die Beschneidung des Herrn zu begehen verbindet uns mit dem Sehnen unserer Vorväter; sie ist die Bestätigung dafür, dass Christus aus dem auserwählten Volk hervorgegangen ist und tatsächlich das Gesetz erfüllt. Sie ist die Bestätigung dafür, dass der Alte Bund die Verheißung eines wirklich eingetretenen Heils ist, dass das Schicksal Abrahams und des Volkes Israel nicht den Launen eines sadistischen Gottes geschuldet ist, sondern die Vorwegnahme und Vorausdeutung der real existierenden Erlösung ist.

Sie ist unter vielen anderen Zeichen eines, das das Christentum als historisches Faktum festschreibt, dass den Fabeln der Völker und den Ideen der Genies als Offenbarung von Gott her entgegensteht. Das Christentum ist keine abergläubische heidnische Spinnerei, sondern tatsächlich der Neue Bund in Christi Blut – Blut, das auch bei der Beschneidung vergossen wurde.

Durch diesen Hinweis auf Jesu Opfertod wird zudem also das Weihnachtsfest auf den herben, rauen Boden der Heilslehre zurückgeholt, den es durch das Zusammenwirken von süßlichen Putten und Wiegenliedromantik gerne mal verliert.

Das sind sicher für viele Menschen sehr abstrakte, schwer verständliche Gedanken, für manche gar unangenehm; was aber eben vorrangig daran liegt, dass man diese Zusammenhänge –  z.B. am ersten Januar – nicht mehr beleuchtet.“

Quelle und vollständiger Text hier: https://maryofmagdala.wordpress.com/2017/01/01/das-heil-kommt-von-den-juden-ossia-festliche-verschlimmbesserung/


NEUES JAHR: Nun ist das Licht im Steigen

Nun ist das Licht im Steigen,
es geht ins neue Jahr.
Laß deinen Mut nicht neigen;
es bleibt nicht, wie es war.

So schwer zu sein ist eigen
dem Anfang immerdar;
am Ende wird sich`s zeigen,
wozu das Ganze war.

Nicht zage gleich den Feigen
und klag‘ in der Gefahr.
Schwing auf zum Sonnenreigen
dich schweigend wie der Aar.

Und kannst du doch nicht schweigen,
so klage schön und klar!

Friedrich Rückert (1788 – 1866)


Iran: Christen über Weihnachten und Neujahr verhaftet – Hausgemeinden verfolgt

Die iranischen Sicherheitsbehörden ließen in der Kleinstadt Karaj vier iranische Christen festnehmen, die in einer Privatwohnung das Neujahrsfest mit einem Gebet feiern wollten. BILD0167

Polizeibeamte drangen in die Wohnung ein und nahmen Sara Rahimi-Nejad, Mostafa Nadri, Majid Sheidaei und George Isaia fest, um sie an einen unbekannten Ort zu bringen. Dies teilt die iranisch christliche Nachrichtenagentur “Mohabat News” mit.

Die Polizeibeamten sollen auch persönliche Gegenstände, Bücher, Aufzeichnungen, Computer, CDs und DVDs beschlagnahmt haben. In den vergangenen Tagen wurden die Angehörigen beim Versuch in der Haftanstalt in Evin Auskünfte über ihre Verwandten zu erfragen abgewiesen worden sein.

Auch während der Weihnachtszeit waren Christen festgenommen worden: es handelt sich um Faegheh Nasrollahi, Mastaneh Rastegari, Amir Hossein-Nematollahi, Ahmad Bazyar und Hosseini, die in einer so genannten Hauskirche in Teheran zusammengekommen waren.

Wie Beobachter berichten wurde der Druck auf iranische Christen an Weihnachten und Neujahr erhöht: Gläubige, die sich in sog. “Hauskirchen” versammeln, sollen eingeschüchtert werden.

Oft versuchen die Polizeibeamten, Geständnisse zu erwirken, in denen die Christen bestätigen, dass sie „für die Unterstützung des Christentums im Iran vom Ausland bezahlt werden”.

Quelle: Fidesdienst

Gemälde: Evita Gründler


Mit GOTTvertrauen ins Neue Jahr!

Ich sagte zu dem Engel,
der an der Pforte des neuen Jahres stand:
Gib mir ein Licht,
damit ich sicheren Fußes der Ungewißheit
entgegengehen kann!

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Er aber  antwortete:
Gehe nur hinein in die Dunkelheit
und lege deine Hand in die Hand Gottes!
Das ist besser als ein Licht
und sicherer als ein bekannter Weg!

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


BITT-Gebet zum NEUEN JAHR von Lothar Zenetti

Behüte, HERR, die ich dir anbefehle,
die mir verbunden sind und mir verwandt.
Erhalte sie gesund an Leib und Seele
und führe sie an deiner guten Hand.

Sie alle, die mir ihr Vertrauen schenken
und die mir soviel Gutes schon getan.
In Liebe will ich dankbar an sie denken,
o Herr, nimm dich in Güte ihrer an.

Um manchen Menschen mache ich mir Sorgen
und möchte helfen, doch ich kann es nicht.
Ich wünsche nur, er wär’ bei dir geborgen
und fände aus dem Dunkel in dein Licht.

Du ließest mir so viele schon begegnen,
so lang ich lebe, seit ich denken kann.
Ich bitte dich, du wollest alle segnen,
sei mir und ihnen immer zugetan.

Lothar Zenetti