Euthanasie auf Verlangen: Kranke Ehefrau von EKD-Chef plant „Sterbehilfe“

„Wenn ich das Gift trinke, soll er meine Hand halten“

Verständnis, aber auch Kritik haben Äußerungen des Ratsvorsitzenden der EKD (Evangelischen Kirche in Deutschland), Nikolaus Schneider, und seiner schwer erkrankten Frau Anne zur Sterbehilfe ausgelöst.

Der 66-Jährige hatte Ende Juni bekanntgegeben, dass seine Gattin an Brustkrebs leidet. Er werde deshalb zum 10. November vorzeitig zurücktreten, um sich ganz um sie zu kümmern.  Kreuzkuppel

In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ sagte der EKD-Chef, er würde seine Frau notfalls zur assistierten Selbsttötung in die Schweiz begleiten.

Es wäre zwar völlig gegen seine Überzeugung, und er würde sicher noch mit Anne diskutieren: „Aber am Ende würde ich sie wohl gegen meine Überzeugung aus Liebe begleiten.“

Anne Schneider äußerte in dem Interview die Erwartung, dass ihr Mann sie im Ernstfall bei der Sterbehilfe unterstützt: „Ich hoffe, wenn ich selber an den Punkt kommen sollte, sterben zu wollen, dass mein Mann mich dann in die Schweiz begleitet.“

Sie wünsche sich außerdem, „dass er neben mir sitzt und meine Hand halten würde, wenn ich das Gift trinke“.

Anne Schneider, die als Religionspädagogin tätig war, hält im Gegensatz zu ihrem Mann organisierte Sterbehilfe für legitim. Dies gehöre zur Verantwortung des Menschen.

Der Präsident des EKD-Kirchenamts, Hans Ulrich Anke, erklärte auf Anfrage der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA: Auch in den aktuellen Mediengesprächen unterstreiche der EKD-Ratsvorsitzende, dass er organisierte Suizidbeihilfe grundsätzlich ablehne.

„Das LEBEN ist eine Gabe GOTTES“christus

Unter seinem Vorsitz habe der Rat der EKD bereits Ende 2012 festgehalten: „Aus christlicher Perspektive ist die Selbsttötung eines Menschen grundsätzlich abzulehnen, weil das Leben als Gabe verstanden wird, über die wir nicht eigenmächtig verfügen sollen.“

Die generelle Ablehnung schließe, so die Erklärung, nicht aus, „dass Menschen in einer extremen Not- und Ausnahmesituation zu einer anderen Entscheidung kommen können, die ein Außenstehender nicht ermessen kann und die es zu respektieren gilt“.   – Ein moralisches Urteil darüber stehe niemandem zu.

Auf Widerspruch stoßen die Äußerungen des Ehepaares Schneider beim Leiter des Instituts für Ethik und Werte, dem evangelikalen Theologen Stephan Holthaus: „Bei allem Respekt für Frau Schneider in ihrer höchst bedrängenden Situation, aber aktive Sterbehilfe ist kein Ausweg, auch nicht die ‚Beihilfe zum Suizid‘ in der Schweiz.“

Das Leben sei eine gute Gabe Gottes und deshalb nicht vollständig in die eigene Verfügbarkeit gestellt. Aktive Sterbehilfe bringe Ärzte, Apotheker und Angehörige in Konflikte, und sie untergrabe „den ohnehin schon brüchigen Lebensschutz“.

Holthaus: „Liebevoller Beistand im Sterben tut not, am besten im Sinne einer ganzheitlichen, palliativ-unterstützten Sterbebegleitung, aber nicht einer fragwürdigen und auch in der Schweiz hoch umstrittenen sogenannten Sterbehilfe.“

Quelle: http://www.idea.de

1. Foto: Petrusbruderschaft


EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider übt scharfe Kritik an Birgit Kelle

Kelle: „Es war richtig, katholisch zu werden“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, hat der Publizistin Birgit Kelle „populistische Anbiederei“ an „veränderungsunwillige konservative Kreise“ vorgeworfen.
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Anlaß ist Kelles Kritik an der Gender-Mainstreaming-Theorie. In einem Interview hatte sie diese als „wirre Ideologie“ bezeichnet.
„Solche polemische Kritik und die Zustimmung zu ihr lassen darauf schließen, daß mit ‚Gender‘ Gefühle und Ängste bei Menschen angesprochen werden“, sagte Schneider am gestrigen Montag bei der Eröffnung des evangelischen „Studienzentrums für Genderfragen in Kirche und Theologie“ in Hannover nach einem Bericht der evangelikalen Medienmagazins PRO. Birgit Kelle neu
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Birgit Kelle (siehe Foto) wies die Vorwürfe Schneiders zurück. Gegenüber der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT erklärte sie:
„Es ist traurig, daß solche Vorgänge immer nach demselben Schema ablaufen. Es wird nicht sachlich widerlegt, sondern man arbeitet sich an den Kritikern ab.“
Sie verstehe auch nicht, warum sich die EKD überhaupt des ganzen Gender-Themas annehme. Die evangelische Kirche habe wahrlich dringendere Probleme.„Es ist nicht die Aufgabe der EKD, die Gender-Theorie zu verbreiten. Hauptaufgabe ist immer noch die Verkündigung des Evangeliums. Insofern war es eine richtige Entscheidung, vor zwei Jahren zum Katholizismus zu konvertieren“, sagte Kelle.

Das Studienzentrum für Genderfragen will sich laut Angaben der Verantwortlichen auch mit der sog. „Queer-Theologie“ beschäftigen. Diese richtet sich gegen die christliche Sittenlehre, welche praktizierte Homosexualität als Sünde betrachtet. Für das Zentrum stellt die EKD ein jährliches Budget von 218.000 Euro bereit.

Bei der Veranstaltung am Montag betonte Schneider laut Medienmagazin PRO, er habe vieles an der feministischen Theologie zunächst für Unsinn gehalten. Seine Frau habe ihn dann aber davon überzeugt.

„Vieles ist in unserer Kirche schon geschehen“, freute sich der Ratsvorsitzende. „Verkrustungen einer jahrtausendealten Männertheologie und Männerkirche wurden  –  Gott sei Dank!  –  in den letzten 40 Jahren von Frauen schon aufgebrochen.“

Quelle: http://jungefreiheit.de/allgemein/2014/ekd-ratsvorsitzender-schneider-greift-journalistin-kelle-an/


Streit um die Ehe: Muß die EKD ihr „Familienpapier“ nachbessern?

Die Forderungen, das umstrittene EKD-Familienpapier zurückzuziehen oder zumindest nachzubessern, nehmen zu. Auch in der Leitung der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) mehren sich kritische Stimmen. Das Gremium befaßt sich am 6. und 7. September mit dem Thema.

Die EKD-„Orientierungshilfe“ rückt von der traditionellen Ehe als alleiniger Norm ab und vertritt ein erweitertes Familienbild, das etwa auch homosexuelle Partnerschaften und sog. „Flickenteppich-Familien“ (Patchwork) einschließt. 120505416_B_Judy und Mike in der Kirche

Bisher haben vier Ratsmitglieder öffentlich Kritik geübt – zuletzt Klaus Winterhoff (Bielefeld) – Juristischer Vizepräsident des westfälischen Landeskirchenamtes. Nach seinen Worten hat sich die Kommission, die das Papier erarbeitet hat, von ihrem ursprünglichen Auftrag entfernt, Ehe und Familie zu stärken. Der Rat müsse „aufarbeiten, was wir da unterschätzt haben“, sagte Winterhoff der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Zuvor hatte sich der stellv. EKD-Ratsvorsitzende, der sächsische Landesbischof Jochen Bohl, für eine Nachbesserung ausgesprochen. In einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung sagte er: „Ich räume selbstkritisch ein, dass die unverändert große Bedeutung der Ehe in dem Papier zu kurz kommt.“  – Er könne sich vorstellen, dass die theologische Klärung, was Ehe ist, noch einmal gründlicher vorgenommen werde: „Das können wir besser, als es in der Orientierungshilfe gelungen ist.“

Zwei weitere Ratsmitglieder  –  die Vertreterin der schwäbischen Pietisten, Tabea Dölker, und der badische Landesbischof Ulrich Fischer  – hatten nach eigenen Angaben bereits vor der Veröffentlichung im Gremium widersprochen.

Theologische Schwächen in dem Papier beklagten u.a. der Bischofsrat der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers mit Landesbischof Ralf Meister, der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Markus Dröge, und die Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Nordkirche, Kirsten Fehrs.

Auf Ablehnung stieß das Papier bei theologisch konservativen Gruppen in der evangelischen Kirche, aber auch bei hochrangigen Vertretern der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche.

Der EKD-Ratsvorsitzende, Nikolaus Schneider stellte angesichts der Kritik eine Ergänzung der „Orientierungshilfe“ in Aussicht. Er könne sich vorstellen, „dass wir in einer weiteren Auflage noch erläuternde oder ergänzende Texte dazuschreiben“.

Quelle: http://www.idea.de


Debatte zum umstrittenen Familienpapier der EDK führt zu einer „Reflexionssitzung“

Die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) rechnet mit einem länger anhaltenden Diskussionsprozess über die umstrittene „Orientierungshilfe“ zu Ehe und Familie, der sich im kommenden Jahr fortsetzen wird. 

Das am 19. Juni vom Rat der EKD veröffentlichte Papier hat heftige Reaktionen in der kirchlichen und weltlichen Öffentlichkeit hervorgerufen. Es rückt von der traditionellen Ehe als alleiniger Norm ab und vertritt ein erweitertes Familienbild, das etwa auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften einschließt.

Die Orientierungshilfe ist selbst in den Reihen der EKD, besonders unter theologisch konservativen Protestanten, sowie in der katholischen Kirche auf meist heftige Kritik gestoßen, während es von der Mehrheit der evangelischen Prof. BeyerhausKirchenleiter verteidigt wird.

Die Ad-hoc-Kommission, die das Papier erarbeitet hat, werde noch einmal zu einer abschließenden „Reflexionssitzung“ zusammenkommen, schreibt Oberkirchenrätin Cornelia Coenen-Marx im Auftrag des EKD-Ratsvorsitzenden, Nikolaus Schneider, in einer Antwort auf einen Offenen Brief des Missionswissenschaftlers Prof. Peter Beyerhaus (siehe Foto).

Dieser hatte dem Ratsvorsitzenden den Rücktritt nahegelegt und das EKD-Papier als „Desorientierungshilfe“ bezeichnet. Die evangelische Kirche wende sich damit ab von dem „uns in der Bibel gewiesenen Leitbild der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau als Stiftung Gottes, des Schöpfers“ und fördere den sittlichen Verfall.

Frau Coenen-Marx, die der 14-köpfigen Ad-hoc-Kommission unter Vorsitz der früheren Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) angehört, versichert Beyerhaus, dass auch seine Überlegungen „in den innerkirchlichen Diskurs eingehen werden“. Bei einigen Kritikern zeige sich der starke Wunsch, das Thema Ehe noch einmal verstärkt und differenziert in den Blick zu nehmen. 

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur IDEA: http://www.idea.de


Führender evangelikaler Theologe fordert Präses Schneider zum Rücktritt auf, wenn dieser am EKD-Familienpapier festhält

OFFENER BRIEF an Dr. Nikolaus Schneider

 Prof. em. Dr. Peter Beyerhaus, 72810 Gomaringen bei Tübingen, Schulstr. 1

Sehr geehrter Herr Präses Schneider!

Seit Wochen beschäftigt sich die kirchliche und weltliche Öffentlichkeit mit der im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland veröffentlichten Orientierungshilfe zum Thema Ehe und Familie „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“.

Eine heftige Debatte entzündet sich vor allem daran, dass in der „Orientierungshilfe“ erklärt wird, die Kirche sei aufgefordert, Familie neu zu denken, von dem Ausgangspunkt her: Beziehung bedeute auch für Christen vor allem eines: ein verlässliches Miteinander.

Foto: M. Löhr, CDL

Foto: M. Löhr, CDL

„Liest man die Bibel von dieser Grundüberzeugung her“, heißt es wörtlich, „dann sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften, in denen sich Menschen zu einem verbindlichen und verantwortlichen Miteinander verpflichten, auch in theologischer Sicht als gleichwertig anzuerkennen”.

Das fragliche Dokument gipfelt in den Aufforderungen:

„Wo sich Menschen in den ihre Beziehungen entscheidenden Lebenssituationen unter den Segen Gottes stellen wollen, sollte die Kirche sich deshalb auch aus theologischen Gründen nicht verweigern.”

Die Form, in der Familie und Partnerschaft gelebt werde, dürfe nicht ausschlaggebend sein: „Alle familiären Beziehungen, in denen sich Menschen in Freiheit und verlässlich aneinander binden, füreinander Verantwortung übernehmen und fürsorglich und respektvoll miteinander umgehen, müssen auf die Unterstützung der evangelischen Kirche bauen können.”

Die im Namen der EKD ergangene Erklärung stellt  –  so ist aus theologischer Sicht zu konstatieren  –  mit diesem neu eingeführten Konzept eine Revolution in der gesamten bisherigen Tradition evangelischer Ehe- und Familienethik dar. Sie steht auch im Gegensatz zu fast allen Stellungnahmen, welche die EKD und ihre Gremien bisher zu diesem lebenswichtigen Thema abgegeben haben.

„Was Gott nicht segnet“

Bisher wusste man, dass die Kirche nicht das segnen darf, was Gott nicht segnet.

Weshalb „Revolution“?   –  De facto verabschiedet sich die evangelische Amtskirche damit von dem uns in der Bibel gewiesenen Leitbild der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau als Stiftung Gottes des Schöpfers. Er hat auf diese seinen Ursegen gelegt, damit sie seine Aufforderung verwirklichen können, fruchtbar zu sein und die Erde zu füllen, um so in Seinem Auftrag die Herrschaft über alle irdischen Wesen auszuüben (1. Mose 1, 26 – 29).

Auch Jesus hat sich eindeutig zu diesem Schöpfungsplan für die unauflösliche Ehe zwischen Mann und Frau bekannt (Matthäus 19, 4 – 6 u. ö.) und sie für bleibend verbindlich erklärt. kt2012-p1110153

Zwar gesteht auch die OH dem traditionellen Familienmodell Gültigkeit zu, jedoch nicht mehr als einziger Form des familiären Zusammenlebens. Stattdessen werden auch moderne Formen des Zusammenlebens als gleichberechtigte Alternativen  in Schutz genommen.    

„EKD beugt sich dem sittlichen Verfall“

Homosexuelle und lesbische Partnerschaften wie auch „Patchwork-Familien“ werden nicht mehr als Ausdruck bzw. Folgen sündhaften Vergehens gegen das sechste Gebot verstanden, sondern in der christlichen Gemeinde als legitim willkommen geheißen. Dadurch aber beugt sich die protestantische Kirche in Anpassung an den Zeitgeist dem sittlichen Verfall und der Auflösung der Grundlagen unserer christlich-abendländischen Kultur. Sie betrachtet sie als eine der heutigen Zeit entsprechende Entwicklung, die hinzunehmen, ja anzuerkennen sei.

Dagegen haben verantwortliche evangelische Christen, einschließlich bekannter Bischöfe wie Frank Otfried July und Hartmut Löwe, wie auch die Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz Dr. Michael Diener und der Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß,schärfsten Protest eingelegt.

Dazu ertönen aus der Römisch-katholischen Kirche Stimmen, die in diesem Alleingang eine ernste Gefahr für die ökumenische Gemeinschaft zwischen den Konfessionen erblicken.

EKD-Papier: skandalöser Vorgang

Was diesem skandalösen Vorgang nun die Krone aufsetzt, ist die Tatsache, dass kein Geringerer als Sie, Herr Dr. Schneider, sich als Ratsvorsitzender der EKD und Präses der Ev. Kirche im Rheinland mehrmals in der Öffentlichkeit positiv zum dem unsäglichen Familienpapier geäußert und es gegen die Kritik von kirchlicher und weltlicher Seite verteidigt haben.

Sie taten es beim Jahresempfang der EKD am 27. Juni in Berlin, bei dem Sie die scharfe Kritik an der „Orientierungshilfe“ mit den Worten zurückwiesen, die traditionelle lebenslange Familie bleibe „das Leitbild unserer Kirche, aber nicht mehr die einzige Form, die auf den Segen Gottes hoffen kann…Wir können und dürfen als evangelische Kirche unsere Augen nicht vor der gesellschaftlichen Realität verschließen“.

Im gleichen Sinn äußerten Sie sich jüngst hier in Tübingen bei Ihrem Besuch am 5. Juli. So berichtete das Schwäbische Tagblatt, dem Sie ein Interview gaben, unter der Überschrift: „Auf dem Weg zur modernen Partnerschaft.  –  Nikolaus Schneider setzt sich als EKD-Ratsvorsitzender für ein neues Verständnis von Familie und für mehr Ökumene ein.“

Welchen moralischen Flurschaden die Orientierungshilfe der EKD und deren Ratsvorsitzender anrichten, kann ich hier vor Ort miterleben.

Familienpapier ist „Desorientierungshilfe“

Die „Orientierungshilfe“, die in Wirklichkeit eine „Desorientierungshilfe“ darstellt, bildet nicht nur eine aktuelle sittliche Gefahr; sie ist auch fahrlässig oberflächlich erarbeitet. Das lässt sich leicht an dem Gebrauch missverstandener bzw. bewusst missdeuteter Bibelstellen aufzeigen.

Der Informationsdienst der Evangelischen Allianz ideaSpektrum zitiert in seiner Ausgabe vom 27. Juni einige Schlagzeilen, unter denen Presseorgane über die OH kommentierend berichten: „Schwafelkirche in Selbstauflösung“ (Cicero-Magazin) – „Murks“ (FAZ) – „Es ist zum Katholischwerden! (Wiesbadener Kurier).

Der letztgenannte Ausruf entstammt dem Urteil des ehemaligen Verfassungsrichters Hans-Joachim Jentsch. Es  ist besonders ernst zu nehmen; bringt es doch die Reaktion zahlreicher anderer evangelischer Christen zum Ausdruck, auch die meine.

Das Alarmierende ist: Immer mehr glaubenstreue evangelische Christen empfinden, bei ihrer reformatorischen Mutterkirche ihre geistliche Heimat verloren zu haben. Diese jüngste Verlautbarung ist nach der Verabschiedung des Pfarrdienstgesetzes, welches das Zusammenleben homosexueller Paare in evangelischen Pfarrhäusern sanktioniert, ein weiterer bedrohlicher Schritt in dieser Richtung.

Katholische Kirche bietet klare Orientierung

Jene Christen ringen darum ernstlich mit der Frage, ob sie in die Katholische Kirche übertreten sollen. Zwar gibt es auch hier, wie die aufgedeckten Missbrauchskandale zeigten, sexuelle Verwilderung; doch das päpstliche und bischöfliche Lehramt der Römisch-Katholischen Kirche ist bisher intakt geblieben. Es bietet den Gliedern eine eindeutige geistlich-ethische Orientierung auf dem Boden von Bibel und Tradition.

In der Evangelischen Kirche, der „Kirche des Worts“, hingegen ist das schon lange nicht mehr der Fall. Man denke nur an einige ihrer Stellungnahmen zu Themen wie Abtreibung, Euthanasie, Embryonen-Experimente und Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.

In diesen allen schaden die protestantischen Kirchen nicht nur sich selbst; sie zerstören in mehreren europäischen Ländern damit auch die ökumenische Gemeinschaft, die sie bis dahin in ethischen Fragen mit der  Katholischen und der Orthodoxen Kirche verband. Auch hohe katholische Amtsträger sehen das so. Dass daraus eine Gefahr für die Fortsetzung des interkonfessionellen Dialogs erwachsen ist, ist nur ein Aspekt der fatalen Auswirkungen der geschehen Weichenstellungen.

Nun frage ich Sie, Herr Dr. Schneider, in Konsequenz des Gesagten:

Wollen Sie es in Kauf nehmen, dass Sie sich durch Ihre Bejahung und Apologie dieser Desorientierung weiter schuldig an der ethischen Verwirrung in den evangelischen Gemeinden machen?

Schöpfungsordnung für Ehe und Familie

Mehr noch: Wollen Sie das Ihnen anvertraute exponierte Amt, das vor Ihnen u.a. so herausragende Persönlichkeiten wie Theophil Wurm, Otto Dibelius und Hermann Dietzfelbinger vorbildlich ausgeübt haben, vollends durch ein bewusstes Mitwirken an der Zersetzung der von Gott gegebenen Schöpfungsordnung von Ehe und Familie in unserem Volk beflecken?

Oder sind Sie unter dem Eindruck des durch das EKD-Papier und Sie selber entfesselten Sturms bereit, eigene Fehlorientierung einzugestehen und sich angesichts der Heiligkeit Gottes  –  möglichst gemeinsam mit dem gesamten Rat der EKD  –  von ihm zu distanzieren?

Sollten Sie sich dazu durchringen, so dürfen Sie sich der dankbaren Unterstützung vieler Amtsträger und Gemeindeglieder in den evangelischen Landeskirchen gewiss sein, auch der Bekennenden Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands.

Sollten Sie, Herr Dr. Schneider, jedoch  –  was Gott verhüte!  –  in Ihrer bisherigen Haltung verharren, so fordere ich Sie im Namen vieler ähnlich denkender Mitchristen hiermit öffentlich  auf:

Legen Sie bitte Ihr Hirtenamt als Ratsvorsitzender der EKD, das Sie  –  und ob aus dem Willen zur Güte heraus  –  zu einem Kompromiss mit höchst einschneidenden Folgen missbraucht haben, nieder!

Tun Sie dies ebenso bereitwillig, wie das einsichtiger Weise Ihre Vorgängerin im Amt, Frau Dr. Margot Käßmann, nach ihrer im Trunk vollzogenen Rotlicht-Überquerung getan hat. Dabei war ihr Vergehen verhältnismäßig harmlos; denn sie hat gegen die von Menschen aufgestellte Verkehrsordnung verstoßen; Sie, Herr Präses Schneider, aber haben sich öffentlich den Ordnungen Gottes widersetzt!

Es grüßt Sie mit dem Ausdruck des Bedauerns

Peter P. J. Beyerhaus

Universitätsprofessor em. und Ehrenpräsident der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften


„Spiegel“-Autor kritisiert EKD-Papier zum „erweiterten“ Ehe- und Familienverständnis

Jan Fleischhauer: „EKD betreibt Verweltlichung von innen

Der einstmals linksorientierte, heute aber bürgerlich-konservativ denkende „Spiegel“-Redakteur Jan Fleischhauer befaßte sich in einer am 20. Juni 2013 in „Spiegel-online“ veröffentlichen Kolumne mit der sog. „Orientierungshilfe“ der EKD (Evang. Kirche in Deutschland) zu Ehe und Familie, die zwar nicht im „Stuhlkreis“ (oder doch?) entstand, aber im Rahmen dreijähriger Beratungen einer 14-köpfigen „Expertenkommission“…

Ausgerechnet in einem „Spiegel“-Artikel wird diesem umstrittenen „Leitfaden“ der EKD nun der „spektakuläre Versuch“ einer „Verweltlichung von innen“ vorgeworfen, der einzigartig in der Religionsgeschichte sei. 120505209_B_July und Mike

Für den Autor steht fest:  Die Selbstsäkularisierung der Protestanten strebt einem neuen Höhepunkt zu.“

Die Heilige Schrift ist für den Rat der EKD offenbar nicht mehr verbindlich, wie dieses modernistische Grundsatzpapier zu Ehe und Familie belegt. Hierzu heißt es in der „Spiegel“-Kolumne:

„Alles, was an den biblischen Texten zu streng oder bevormundend wirkt, hat sie soweit entschärft, dass man sich von ihr heute völlig unbesorgt ein Kerzlein aufstecken lassen kann. Man sollte im Gegenzug nur nicht mehr erwarten, dass man weiterhin auch zu den Fragen verlässlich Auskunft bekommt, für die sie bislang das Privileg besaß – also alle, die über das Diesseits hinaus weisen.“

Überall waltet eines weichgespülte Kuschel-Theologie ihres Amtes, die alles versteht und nichts und niemanden verurteilt  – mit Ausnahme der Unternehmer natürlich, wie Fleischhauer zutreffend erläutert:

„Genau besehen gibt es nur einen Bereich, in dem die Kirche noch für sich in Anspruch nimmt, den Sündern heimzuleuchten, und das ist die Wirtschaft. Wer zu den sogenannten Leistungsträgern zählt und damit irgendwie zu den Reichen, kann auf keine Nachsicht hoffen. Da wird selbst der sanfte Nikolaus Schneider, der Käßmann im Amt des EKD-Ratsvorsitzenden nachfolgte, ganz alttestamentarisch. Die Reichen müssten endlich begreifen, dass weniger mehr sei, donnert es dann von der Kanzel.“

Zudem kritisiert der Verfasser, daß bei allem demonstrativem Mitgefühl für Geschiedene von den „seelischen Kosten einer Scheidung für die Kinder“ nur am Rande die Rede sei.

Abschließend heißt es dann mit leichter Ironie:

„Die beruhigende Nachricht ist: Wenn man Heranwachsende nach ihren Zukunftsträumen fragt, steht die Ehe ganz weit oben. Gegen die romantische Natur hat auch die kahle Rationalität der EKD keine Chance.“

Wenn eine Kirche nicht einmal mehr die natürliche Lebensordnung hochhält, von einer fälligen Wertschätzung der göttlichen Schöpfungsordnung, der Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe ganz schweigen, dann sägt sie den Ast ab, auf dem sie sitzt  – falls sie überhaupt noch drauf sitzt.

Martin Luther hat zwar die Ehe bereits als „weltlich Ding“ bezeichnet und ihren sakramentalen Charakter bestritten, doch als bürgerliches Leitbild blieben Ehe und Familie auch im Protestantismus noch erhalten  –  diese Zeit scheint nun vorbei. Die EKD paßt sich dem Zeitgeist nicht nur an (wie seit Jahrzehnten dort üblich), sie rennt ihm sogar voraus.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Evangelischer Bischof kritisiert neues „Chrismon“-Magazin der EKD: Karfreitag und Ostern ausgeblendet!

Heftige Kritik am EKD-Monatsmagazin „Chrismon“ hat der nordelbische Altbischof Prof. Ulrich Wilckens geübt. Das Blatt gehe in der April-Ausgabe weder im Leitartikel noch mit anderen Beiträgen auf die bevorstehenden zentralen kirchlichen Feiertage Karfreitag und Ostern ein, schrieb er an Mitherausgeber Landesbischof a. D. Johannes Friedrich.

„Chrismon“ erscheint in einer Auflage von 1,6 Millionen Exemplaren als Beilage in Tages- und Wochenzeitungen. Autor des aktuellen Leitartikels ist Friedrich, der von 1999 bis 2011 als Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern amtierte. 

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Nach Ansicht von Wilckens ist es ein „geistlicher und kirchlicher Skandal“, dass das Blatt in der Osterausgabe das Zentrum des christlichen Glaubens nicht thematisiert. Er fragt Friedrich:

„Trauen Sie im Herausgeberkreis den Lesern dieser Beilage in großen und wichtigen deutschen Zeitungen ein klärendes Wort und ein geistlich-begeisterndes persönliches Zeugnis zum Thema des Todes Christi für unsere Sünden und seiner Auferstehung zum vollendenden Leben durch Gottes Heilshandeln schlicht nicht mehr zu?

Oder ist dieses Thema für die Herausgeber selbst so unwichtig, dass sie es bei der Vorbereitungsarbeit schlicht vergessen oder einfach nicht beachtet haben?“

Wilckens erwartet eine Entschuldigung der Herausgeber in der nächsten Ausgabe oder die Streichung von „evangelisch“ im Untertitel von „Chrismon“.

Da Letzteres der EKD-Rat beschließen müsste, so Wilckens, würde dies auch das Ende des EKD-Zuschusses in Höhe von jährlich rund vier Millionen Euro aus Kirchensteuermitteln bedeuten. In der Selbstdarstellung des Blattes bezeichnet sich „Chrismon“ als „das Biblischste, was der deutsche Protestantismus zu bieten hat“.

Evangelikale: Große Chance vertan

Unterstützung bekommt Wilckens von der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands. Für den Vorsitzenden der theologisch konservativen Organisation, Pastor Ulrich Rüß, ist das völlige Ausblenden der elementaren Botschaft von Kreuz und Auferstehung Jesu in der aktuellen Ausgabe „unverständlich, befremdend und empörend“.

„Chrismon“-Mitherausgeber Friedrich wies die Kritik zurück. Es sei eine „unglaubliche Unterstellung“ anzunehmen, er traue sich nicht, modernen Menschen zentrale Inhalte des christlichen Glaubens nahezubringen, sagte er der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA.

Zu Kreuz und Auferstehung habe er sich in zahlreichen Artikeln geäußert, und auch in „Chrismon“ gebe es dazu immer wieder Beiträge. Der Herausgeberkreis schreibe der Redaktion nicht vor, welche Beiträge in einzelnen Ausgaben erscheinen sollten.

Weitere Herausgeber von „Chrismon“ sind der EKD-Ratsvorsitzende, Nikolaus Schneider, und die EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017, Margot Käßmann. Chefredakteur ist Arnd Brummer.

Quelle: http://www.idea.de