Irak: Kurdistan zahlt Gehälter an geflüchtete christliche Familien

Die Regierung der Autonomen Provinz Kurdistan verpflichtet sich bis Ende 2016 zur Zahlung der Gehälter an christliche Beamte und Mitarbeiter öffentlicher Institutionen, die in Mosul, der Ninive-Ebene und anderen, vom Islamischen Staat (IS) besetzten Gebieten arbeiteten und nun nach der Flucht in Erbil in der Autonomen Provinz im Nordirak leben.

Wie einheimische Beobachter berichten, wurde der Beschluss der Zahlung von Gehältern an irakische Beamte, die vor den Dschihadisten fliehen mussten, bereits im März vom Ministerrat der Provinz getroffen. Damit will man Tausenden von christlichen Familien helfen, die nach einer möglichen Rückeroberung der Gebiete auf eine Rückkehr in die eigenen Dörfer und Städte hoffen.


Ostkirchen-Patriarchen erwarten deutlichere Stellungnahmen gegen die ISIS

Kritik an westlichen Aufnahme-Angeboten für Flüchtlinge

“Christen und Muslime müssen gemeinsam gegen den religiösen Extremismus vorgehen, damit es für die künftigen Generationen einen von dieser Plage freien Nahen Osten gibt”, erklären die Patriarchen der katholischen und orthodoxen Ostkirchen am Rande ihrer Versammlung mit maronitischen Patriarchat in Dimane (Nordlibanon). bild0191

Nach der Vertreibung von über 100.000 Christen aus der Ninive-Ebene durch die Kämpfer der ISIS bzw. des islamischen ‘Kalifats’  äußern sich die Patriarchen “entsetzt” im Hinblick auf “die verheerende Entwicklung mit religiösem Hintergrund, die ihresgleichen in der Geschichte sucht“.

In einer gemeinsamen Verlautbarung fordern sie Muslime und Christen auf, entschlossen gegen die Ereignisse in der Ninive-Ebene vorzugehen und Maßnehmen gegen die Diskriminierung religiöser Minderheiten auf den Weg zu bringen.

Die Patriarchen beklagen, dass Stellungnahmen von “islamischer, arabischer und internationaler Seite” bisher “schüchtern und unzulänglich” waren und erklären, dass europäische Regierungen “zu einer Zuspitzung der Lage beitragen, indem sie Christen zur Auswanderung auffordern und ihnen Schutz anbieten”. Solche Angebote lehnen die Patriarchen kategorisch ab.

Die Oberhäupter der Ostkirchen appellieren deshalb auch an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit der Bitte um eine Resolution im Hinblick auf die Rückgabe von beschlagnahmten Wohnungen und Gütern an Iraker. 

Quelle: Fidesdienst / Bild: Evita Gründler


Irakische Ordensschwester berichtet: “Viele Christen mussten im Schlafanzug fliehen”

“Die Dschihadisten des Kalifats kamen gegen 23 Uhr und zwangen die Einwohner, ihre Wohnungen umgehend zu verlassen. Viele mussten sogar im Schlafanzug fliehen”, berichtet Sr. Luigina von den chaldäischen Nonnen der  Immaculata über die Vertreibung der Einwohner der christlichen Dörfer der Ninive-Ebene.

“Aus Qaraqosh, der größten christliche Stadt des Irak, und allen umliegenden Dörfern wurden die christlichen Einwohner vertrieben. Sogar das Dorf Alqosh, in dem seit jeher ausschließlich Christen leben, musste verlassen werden”, so die Ordensfrau.

“Wir wissen noch nicht genau, wie viele Menschen flohen. Es muss jedoch auch berücksichtigt werden, dass in der Ninive-Ebene auch Christen Zuflucht gefunden hatten, die in den vergangenen Wochen aus Mossul vertreiben wurden und diejenigen, die bereits 2003 aus Bagdad flohen”, so Schwester Luigina.

Quelle: Fidesdienst