Ernst Jünger: Dichter, Zeitkritiker, Konvertit

Von Felizitas Küble

Heute vor 125 Jahren   –  am 29. März 1895 – hat einer der größten deutschen Schriftsteller das Licht der Welt erblickt: Der Dichter Ernst Jünger.
Er war mit einem kühlen Verstand begabt, aber zugleich mit einem „abenteuerlichen Herzen“.
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Sein Hauptwerk waren vor allem seine Tagebücher, die sich bei ihm zu einer gehaltvollen Literatur verdichteten. Bekannte wurde er durch sein Erstlingswerk „In Stahlgewittern“ über seine und seiner Kameraden Erfahrungen und Beobachtungen im 1. Weltkrieg.
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BILD: Eines der zahlreichen Bücher über Ernst Jünger
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Der kollektivistischen NS-Diktatur steht dieser einsame „Grenzgänger“ distanziert gegenüber. Mit Jüngers Roman „Auf den Marmorklippen“ aus dem Jahre 1939 wird dies klar deutlich; danach noch mehr in seiner Schrift „Der Friede“, die in der Endphase des Dritten Reiches heimlich verbreitet wurde. (Näheres dazu hier: https://renovatio.org/2017/06/ernst-juenger-das-christentum-als-wurzel-der-erneuerung-europas/)
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Am 26. September 1996 ist der evangelisch getaufte Schriftsteller im hohen Alter von 101 Jahren katholisch geworden.
Am 17. Februar 1998 starb er im Alter von fast 103 Jahren. Begraben wurde er auf dem Nepomuk-Friedhof in seinem Heimatort Wilflingen im kirchlichen Ritus. Es wurden dabei zwei Marienlieder gesungen: „Ave Maria“ und „Ach neige, die Schmerzensreiche“.
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Über seine Konversion hat er sich nicht öffentlich geäußert. Entsprechend groß war die Überraschung bei den Jünger-Anhängern über die katholische Beisetzung.
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Er verstand sich stets als „Pilger“ auf Erden, als kritischer Beobachter, der sich vom Zeitgeist nicht einfangen ließ. Vor allem der Gedanken an das ewige Leben wurde für ihn immer wichtiger.
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Xanten: Festmesse zum Gedenken an den seligen Märtyrerpriester Karl Leisner

Von Felizitas Küble

Karl Leisner gehört zu jenen Hunderten von katholischen Geistlichen, die wegen ihrer Glaubenstreue während der NS-Diktatur gewaltsam ums Leben kamen, viele darunter aus dem sog. „Priesterblock“ im KZ Dachau.

Dort wurde auch Leisner gefangen gehalten und als todgeweihter Diakon von dem – ebenfalls inhaftierten   – französischen Bischof Gabriel Piguet aus Clermont-Ferrand in der Barackenkapelle heimlich zum Priester geweiht.

Es handelt sich dabei um ein einmaliges Ereignis der Kirchengeschichte. Leisners Seligsprechung erfolgte am 23. Juni 1996 durch Papst Johannes Paul II. in Berlin.

Begraben ist der junge Märtyrerpriester, dessen erste heilige Messe im KZ zugleich seine letzte war, in der Krypta des Sankt-Viktor-Domes in Xanten am Niederrhein. Die Stadt gehörte einstmals zum Erzbistum Köln und später bis heute zur Diözese Münster.

Am 15. Dezember 2019, dem 3. Advent (Sonntag „Gaudete“), wurde zum Gedenken an die Priesterweihe Leisners vor genau 75 Jahren (ebenfalls am 3. Adventsonntag) ein feierliches Pontifikalhochamt im Xantener Dom zelebriert.

Die Festmesse begann um 11,30 Uhr und wurde live übertragen von Radio Horeb sowie vom katholischen Fernsehsender EWTN.TV.

Hauptzelebrant war Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg-Stolberg aus dem Erzbistum München-Freising, der zugleich die Grußworte von Kardinal Reinhard Marx überbrachte.

Konzelebranten waren u.a. der Generalvikar von Erzbischof François Kalist (der aus Krankheitsgründen verhindert war) aus dem französischen Erzbistum Clermont; zudem  Weihbischof Rolf Lohmann (Regionalbischof der Diözese Münster mit Sitz in Xanten) sowie Prälat Prof. Dr. Helmut Moll als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz für das „Martyrologium“ (zweibändies Werk über die kath. Märtyrer des 20. Jahrhunderts).

Nach dem Gottesdienst  gingen die Geistlichen, die Vertreter des Internationalen Karl-Leisner-Kreises und viele Gläubige zum Gebet an das Grab des seligen Karl Leisner in der Krypta (unterirdischer Teil) der Kirche, in der weitere Märtyrer aus der NS-Zeit ihre letzte Ruhestätte fanden, darunter auch der selige Familienvater Nikolaus Groß.

In seiner Predigt wies Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg darauf hin, daß der tuberkulosekranke Diakon Karl Leisner in der „Hölle von Dachau“ die Priesterweihe empfing, wobei alle Mitwirkenden die Todesstrafe riskierten. Der Prediger erklärte, das KZ Dachau sei mit seinen 2720 Geistlichen in 12 Jahren wohl das „größte Priestergefängnis der Geschichte“ gewesen.

Manche würden sich fragen, ob sich denn eine solch gefährliche Priesterweihe gleichsam „gelohnt“ habe, da Karl Leisner vor seinem Tod nur eine einzige heilige Messe feiern konnte.

BILD: Prälat Helmut Moll zeigt die beiden Bände des von ihm verfaßten Martyrologiums während der Feierstunde in der Marienschule von Xanten

Aber die Kirche sei, so der Weihbischof, weder ein Wirtschaftsunternehmen noch ein Wohltätigkeitsverein, sondern eine Glaubensgemeinschaft, in welcher es nicht allein auf ein oberflächliches Verständnis von „Effizienz“ ankomme.

Der Blutzeuge Leisner sei ein „überzeugender Bote Christi“ gewesen, der alles in die Hand Jesu gelegt habe, der sein Leben und Wirken der Waagschale des Ewigen anvertraute; seine „innere Freiheit“ fasziniere die Menschen auch heute noch.

Ein schlichter Kelch aus dem KZ Dachau werde beim Festhochamt im Gedenken an Karl Leisner verwendet, sagte der Weihbischof weiter.

Im Anschluß an das Pontifikalamt und das Gebet in der Krypta wurde in der Aula der benachbarten Marienschule  – einer kirchlichen Mädchen-Realschule  –  ein mehrstündiger Festakt veranstaltet, an der sich mehrere Schülerinnen aktiv beteiligten (siehe zweitletztes Foto), sei es musikalisch oder durch ihre gelungenen Ansagen und Ankündigungen der verschiedenen Redner aus Kirche und Welt.

Im nördlichen Seitenschiff des Viktor-Doms war eine sehr informative Karl-Leisner-Wanderausstellung dzu sehen, die das Stifts-Museums Xanten gestaltete.

Die eindrucksvollen Schautafeln erläuterten das Leben Leisners in seinen wichtigsten Stationen und stellten sie in den Rahmen der damaligen Geschichte zwischen 1915 und 1945.

Die Leisner-Wanderaustellung des Internationalen Karl-Leisner-Kreises (IKLK) wurde in der Marienschule präsentiert. Diese Schautafeln des IKLK werden zudem ab dem 26. Dezember 2019 für zwei Wochen im Kreuzgang des Paulus-Domes in MÜNSTER gezeigt. 

Am 26.12. beginnt im Dom um 10 Uhr das Pontifikalamt mit Bischof Dr. Felix Genn zum Gedenken an die Primiz Leisners vor 75 Jahren im KZ Dachau.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den Jugend-Verlag KOMM-MIT und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Fotos: Felizitas Küble

 


Fachtagung über den Widerstand gegen die NS-Diktatur im Nordosten Deutschlands

Von Stefan P. Teppert

Im Rahmen der von der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen ausgerichteten, auf drei Veranstaltungen angelegten Reihe zeitgeschichtlicher Fachtagungen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus in den historischen deutschen Ostprovinzen und Siedlungsgebieten wurde in diesem Jahr der Widerstand in Ostpreußen,  Westpreußen und Pommern untersucht, nachdem im Vorjahr Schlesien und das Sudetenland behandelt worden sind und im nächsten Jahr die Opposition gegen Hitler im Südosten Europas folgen soll.

Der Tagungsraum im Göttinger Hotel Astoria war gut gefüllt, als der Ehrenvorsitzende des Stiftungsrates Hans-Günther Parplies Referenten und Gäste begrüßte.

Er richtete die Grüße von Christine Czaja aus, der Vize-Vorsitzenden der Kulturstiftung. 

Sie war es, die Idee und Anstoß zu dieser Tagungsreihe gegeben und den ersten Teil der Trilogie persönlich zusammen mit Prof. Karl-Joseph Hummel konzipiert und geleitet hatte, während sie diesmal wegen Krankheit ihres Ehemannes nicht anwesend sein konnte, aber vielfältige Anregungen gegeben hatte.

In den bewährten Händen von Geschäftsführer Dr. Ernst Gierlich lag wieder die organisatorische Durchführung.

BILD: Christine Czaja und Dr. Ernst Gierlich auf einer früheren Tagung der Kulturstiftung

Parplies blickte zurück auf eine noch in den 1950er Jahren missbilligende Haltung eines Drittels der bundesdeutschen Bevölkerung gegenüber der Verschwörung des 20. Juli 1944, eine erst in den 1960er Jahren beginnende Veränderung durch Zeitzeugentagungen, eine dann folgende Öffnung der Widerstandbetrachtung und Erweiterung der Perspektiven in der Zeitgeschichtsforschung.

Neben die Erörterung des politisch-militärischen Widerstands trat nun die Diskussion um einen nach Stufen differenzierten Oppositionsbegriff.

Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten mussten in lebhaften Diskussionen zwei unterschiedliche Geschichtsrezeptionen zusammengeführt werden, was zur Begriffsklärung beigetragen habe, etwa zur ethisch-moralischen Einordnung des Hochverratsbegriffs in der Diktatur oder zum „Widerstand“ von Gruppierungen wie der „Roten Kapelle“ als Spionage von deutschen Kommunisten für eine ausländische Macht, nämlich die Sowjetunion, mit der Deutschland sich im Krieg befand.

Das derzeit gebremste öffentliche Interesse am Thema Widerstand werde seiner Bedeutung nicht gerecht, zumal das Umfeld des Attentats von Stauffenberg viel größer und weiter verzweigt war als bisher angenommen.

Die Kulturstiftung wolle mit ihrer Tagungstrilogie zum 75. Jahrestag des missglückten Umsturzes einen zusätzlichen und speziellen Blick auf den beträchtlichen Anteil der historisch ostdeutschen Regionen bei Widerstand und Opposition gegen die Nazi-Diktatur ins Gedächtnis der Nation einbringen, der von der einschlägigen Forschung bisher vernachlässigt wurde und für den es keine öffentliche Instanz gibt.

Zugleich mit der Übernahme der Tagungsleitung stellte Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Gilbert H. Gornig von der Universität Marburg die komplizierte Frage nach der Verantwortbarkeit des  Tyrannenmords, die schon in der Antike bei Sokrates, Platon und Aristoteles gestellt und positiv beantwortet wurde, so auch bei Cicero und anderen Philosophen.

Mit einem klaren Nein jedoch beantworten diese Frage die Religionen, etwa das Christentum und der Islam. Ein Konfliktfeld zwischen Religion und Rechtsordnung tut sich auf. Einerseits beinhalte unser Grundgesetz ein Widerstandsrecht, im Völkerrecht gebe es andererseits ein Gewaltverbot, das allerdings nur auf grenzüberschreitende Angelegenheiten anwendbar wird, wie etwa jüngst beim Einmarsch türkischer Truppen nach Nordsyrien. Dagegen bleibe das Völkerrecht ausgeblendet, wenn ein Volk den eigenen Tyrannen beseitigen möchte.

Nicht selten kommt ein späterer Attentäter aus dem früheren Kreis der Bewunderer Hitlers. Diesen Abtrünnigen ist oft gemeinsam, dass sie nicht aus dem niedrigen Volk stammen, sondern aus den Kreisen des Militärs, des Adels, des gehobenen Bürgertums. So verhielt es sich auch bei Hellmuth Stieff, über den der Trierer Historiker Dr. Horst Mühleisen referieren  wollte, aber wegen Krankheit nicht kommen konnte.

Dr. Ernst Gierlich verlas sein Manuskript. Stieff wurde 1901 im westpreußischen Deutsch-Eylau in ein konservativ-liberales Elternhaus geboren, die Mutter stammte aus einer Juristenfamilie, der Vater schlug eine gehobene militärische Laufbahn ein, was auch mit Ehrgeiz und Erfolg der Sohn tat. Dem „nationalen Aufbruch“ Hitlers brachte Stieff zunächst Wohlgefallen, ja Bewunderung entgegen, hielt ihn für den „Begründer einer neuen, unzweifelhaft epochalen Weltanschauung“. Erste Zweifel kamen Stieff mit der Röhm-Affäre und der Ermordung des österreichischen Bundeskanzlers Dollfuß 1934, es überwog aber wieder die Zustimmung bis zu den Novemberpogromen 1938.

Aber vor allem seine Reise nach Polen im Rang eines Majors im Generalstab im November 1938, als er „die Ruine Warschau“ und die dortigen Ausschreitungen sah, die sein Rechtsgefühl verletzten, brachte den Wendepunkt in seinem Leben. Immer stärker wurde seine Ablehnung des Regimes, 1941/42 schlug sie in „abgrundtiefen Hass“ um. Obwohl er die Bekämpfung des Bolschewismus befürwortete, lehnte er den Feldzug gegen die Sowjetunion aus militärischen Gründen ab.

Er empfand Trauer und Scham angesichts der Deportation der Juden, fühlte sich mitschuldig an ihrem Schicksal und war bereit, dafür zu sühnen. Gegenüber seinen Mitarbeitern bezeichnete er Hitler als „Totengräber des deutschen Volkes“. Im August 1942 war Stieff sowohl aus fachmännischer Einsicht wie aus seinem moralischen Empfinden zum Widerstand bereit. Er gehörte zum engsten Kreis der Verschwörung des 20. Juli 1944, zögerte und schwankte aber trotz leidenschaftlicher Feindschaft gegen das Regime, lehnte die Ausführung des Anschlags ab, weil er akute Gefahren erkannte.

Nach dem missglückten Attentat hatte er die naive Hoffnung, seine Spuren beseitigen zu können, wurde aber wie sein Freund Graf von Stauffenberg und andere Mitverschwörer verhaftet, von Freisler zum Tode verurteilt und hingerichtet. Noch in der Todeszelle war Stieff zum katholischen Glauben übergetreten.

Über das Thema „Im Umfeld der Wolfsschanze – Ost- und westpreußischer Adel im Widerstand“ sprach Dr. Wieslaw-Roman Gogan, Historiker und Archivar beim Kulturzentrum   Ostpreußen in Ellingen. Er nannte zunächst Zahlen für die Mitverschwörer beim Staatsstreich am 20. Juli 1944. Nach einem SS-Bericht seien es über 7.000 Personen gewesen, die nach dem Attentat verhaftet wurden.

Die Zahl der hingerichteten oder zum Selbstmord gezwungenen Verschwörer belief sich, je nach Quellen, zwischen 4.980 und 5.764 Personen allein im Jahr 1944. Gogan zählte zahlreiche Namen von Verschwörern auf, die aus Grafen-, Freiherren und anderen Adelsfamilien stammten. Prägnante Lebensbilder mit ihrer Familiengeschichte zeichnete er mit illustrierenden Fotos von zwei Adligen aus Ostpreußen und einem aus Westpreußen, die alle drei dem Militär angehörten und im Zentrum des Verschwörerkreises mitwirkten.

Oberleutnant Heinrich Graf von Lehndorff-Steinort, 1909 in Hannover geboren, gehörte zu den größten Grundbesitzern in Ostpreußen. Im Oktober 1941 wurde er zusammen mit anderen Offizieren Augenzeuge eines Massakers der „SD-Einsatzgruppe“ an 7.000 Juden in Borissow. Dieses Ereignis wurde für ihn zum entscheidenden Anlass, sich dem militärischen Widerstand gegen das NS-Regime aktiv anzuschließen. Nach dem gescheiterten Attentat wurde Lehndorff verhaftet und gefoltert, verurteilt und in Berlin-Plötzensee erhängt.

Generalmajor Heinrich Burggraf und Graf zu Dohna-Schlobitten, 1882 in Waldburg-Capustigall bei Königsberg auf dem Landsitz seiner Vorfahren geboren. Zusammen mit seiner Frau beteiligte er sich von Anfang an aktiv an den Umsturzplänen und stellte sich für die Zeit nach dem Attentat als Landesverweser für Ostpreußen zur Verfügung. Er wurde verhaftet, unter Verlust seines Vermögens und Aberkennung seiner Ehrenrechte verurteilt und in Plötzensee hingerichtet.

Hauptmann Ulrich-Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld, geboren 1902 in Kopenhagen. Als Augenzeuge des Hitler-Putsches hatte Schwerin 1923 seine ersten negativen Erfahrungen mit den Nationalsozialisten gemacht. Seine aktive Widerstandsarbeit begann er 1938 zusammen mit seinem Freund Peter Graf Yorck v. Wartenburg, er gehörte zuletzt zum engsten Kreis der Verschwörer und teilte ihr Schicksal der Hinrichtung.

Eine der wichtigsten Persönlichkeiten des zivilen Widerstandes gegen Hitler war der 1884 im westpreußischen Schneidemühl in eine Beamtenfamilie geborene Carl Friedrich Goerdeler.

Barbara Kämpfert aus Minden gab einen Überblick über seinen Lebensweg und suchte seine späteren Beweggründe, einen Staatsstreich herbeizuführen, aus seiner konservativen, preußisch-bürgerlichen Herkunft verständlich zu machen. Als zweiter Bürgermeister von Königsberg und OB in Leipzig erwarb er sich mit effizientem Pragmatismus viel Ansehen, wurde in den Vorstand des Deutschen Städtetags gewählt und war sogar als Nachfolger für Reichskanzler Brüning im Gespräch. Zuerst lehnte er die NSDAP nicht völlig ab, vollzog aber eine Wendung angesichts deren Wirtschafts-, Kirchen- und Rassenpolitik, die er deutlich zu kritisieren wagte.

Mit seiner optimistischen Haltung und seinem Glauben an die Vernunft meinte er, Hitler überzeugen zu können. Zum offenen Bruch kam es, als in Leipzig das Mendelssohn-Bartholdy-Denkmal abgerissen wurde, für Goerdeler eine „Kulturschandtat“, die ihn in den Widerstand trieb. Er legte sein Amt nieder und versuchte auf zahlreichen Reisen als Berater für Bosch die Welt vor Hitlers Absichten zu warnen.

Als treibende und führende Kraft der Opposition drängte zum Umsturz, bei dem Hitler verhaftet werden sollte. Goerdeler glaubte daran, dass die Westalliierten dann den Krieg beenden würden. Ein Attentat lehnte er als Christ ab. Für die Zeit danach arbeitete der Kreis um ihn an einer neuen Gesellschaftsordnung, die autoritär und nationalkonservativ sein sollte und in der er als Reichskanzler vorgesehen war.

Warum Goerdeler schon vor dem 20. Juli 1944 verhaftet wurde, ist nicht klar. Von den Attentats-Plänen der Kreisauer und Stauffenbergs ahnte er wohl nichts. Auf der Flucht hielt er seine Jugenderinnerungen fest, im Gefängnis arbeitete er Pläne über einen europäischen Staatenbund aus, der zunächst Wirtschafts-, dann Verteidigungsgemeinschaft und schließlich politische Union sein sollte, damit es in Europa nie wieder Krieg gäbe. Am 8. September 1944 wurde Goerdeler zum Tode verurteilt, aber erst nach monatelangen Verhören und Folterungen am 2. Februar 1945 hingerichtet, sein Bruder Fritz einen Monat später. Die Referentin stellte abschließend fest, das Bild Goerdelers in der Forschung sei umstritten, ein abgewogenes Urteil stehe noch aus.

Im Collegium Albertinum, wo man sich der Pflege des geistigen Erbes der Universität von Königsberg verpflichtet fühlt, hielt der aus Königsberg stammende und dort lehrende Prof. Dr. Wladimir Gilmanov einen Vortrag über die „Theologie des Widerstandes“, besonders am Beispiel von Peter Graf Yorck von Wartenburg, der im Kreisauer Kreis zusammen mit Moltke, Dohna, Schulenburg, Lehndorff und Schwerin den Tyrannenmord plante, obwohl ihn wegen seiner tiefen Religiosität schwere Skrupel plagten.

Es sei schwer, die theologische Eigenart des Glaubens von Yorck zu identifizieren trotz der Tatsache, dass seine enge Freundschaft mit Moltke auf Paul Tillichs Theologie des „Mutes zum Sein“ hinweisen kann, die vor dem Hintergrund von Schellings „Theologie der Offenbarung“ die Gefahr der Entindividualisierung und Verdinglichung des Menschen zu überwinden sucht.

Kenntnisreich schlug Gilmanov einen großen kulturhistorischen Bogen, um die Ursprünge der Theologie des Widerstandes in der Bibel und ihr Fortwirken in der deutschen und russischen Geistesgeschichte anklingen zu lassen. Die deutsch-russischen Beziehungen haben nach Gilmanov eine schicksalhafte Rolle für die Zukunft Europas, wenn nicht sogar der ganzen Menschheit. Ein tragischer Bruch in der Dynamik der deutschen Geistesgeschichte werde exemplarisch in Goethes Faust-Mythos offenbar. Eine seltsame Doppelheit zeichne das Wesen des Deutschen aus zwischen perfektionistischer Vernunft mit blindem Selbstvernichtungspotenzial und heroischer Auflehnung dagegen bei den Vertretern eines wahren, geheimen und protestierenden Deutschland.

Einleuchtend stellte Gilmanov komplizierte geisteswissenschaftliche Zusammenhänge her, nannte wiederholt Kant und Hamann, aber auch Simon Dach und Karl Marx, Oswald Spengler, Stefan George und Ernst Wiechert sowie die Theologen Dietrich Bonhoeffer, Rudolf Bultmann und Martin Niemöller, auf russischer Seite u. a. F. M. Dostojewski, Leo Tolstoi und Nikolaj Berdjajew.

Die offizielle moderne Geschichtsforschung schließe kategorisch die magisch-okkulte Beeinflussung des Weltgeschehens aus und sei deshalb unfähig, den hermeneutischen Schlüssel etwa zu der Massenmordhysterie bei Hitler und Stalin zu finden. Eine überzeugende Antithese zu Nietzsches „Gott ist tot“, ja einen Beweis für Gottes Allgegenwart sogar inmitten der politischen Hölle sieht Gilmanov im Sieg über die Todesangst bei den deutschen Verschwörern. In theologischem Licht sei der zivile und militärisch-politische Widerstand gegen Hitler auch der christliche Widerstand gegen die widerchristliche Dämonisierung der europäischen Zeitgeschichte.

Prof. Dr. Rainer Bendel, der Leiter des Instituts für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa in Tübingen, beleuchtete die „Widersetzlichkeit“ des Bischofs von Ermland in Ostpreußen Maximilian Kaller, der 1880 als zweites von acht Kindern in eine Kaufmannsfamilie geboren wurde.

Seine Herkunft aus dem oberschlesischen Katholizismus und der Breslauer Theologie um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert haben Kallers Seelsorgeverständnis geprägt. Als zentraler Promotor der ‚Katholischen Aktion’ in Deutschland begegnet er am häufigsten als der „Seelsorgebischof“. Anfangs scheint er von der braunen Bewegung oder zumindest der völkischen Erneuerung fasziniert gewesen zu sein, es gibt Parallelen in seiner Begrifflichkeit und seinen Bildern zur Diktion der Faschisten.

Doch sobald ihm spätestens ab Januar 1934 der totalitäre Anspruch des Staates und seine Übergriffe deutlich wurden, nahm er in Abgrenzung und Widerspruch der kirchlichen Position von den „Irrlehren“ der Gegenwart den Geisteskampf auf. In Predigten, Kirchenblättern und Hirtenbriefen sowie auf Diözesanwallfahrten ließ es an Deutlichkeit nicht fehlen, warnte vor der weltanschaulichen Zersetzungstätigkeit des Neuheidentums mit dem Mythus des Blutes und der Rasse und verteidigte den Glauben als das Fundament aller Ordnung auf Erden. Es gelang ihm und seinem Klerus im Ermland, einen Großteil der praktizierenden Katholiken den herrschenden ideologischen Einflüssen zu entziehen.

Zudem setzte sich Kaller für die Seelsorge in polnischer Sprache ein, was ihm eine Beschwerde des ostpreußischen Gauleiters Erich Koch in Berlin einbrachte. Das Misstrauen der Parteistellen ging bald so weit, dass der Bischof und das Bistum unter besondere Gestapokontrolle gestellt wurden, weil man im Ermland einen Herd des Umsturzes vermutete. Im Jahr 1937 wurde Kallers Hirtenwort zur Fastenzeit beschlagnahmt und die Druckerei der Ermländischen Zeitung enteignet. Es kam zu Verhaftungen und Verurteilungen von Geistlichen und Laien des Bistums. Alle katholischen Vereine wurden verboten.

Seit 1939 lässt sich eine Änderung in Kallers Linie bis hin zu regimeaffinen Äußerungen erkennen. 1946 wurde Kaller von Papst Pius XII. als Päpstlicher Beauftragter für die Seelsorge der vertriebenen Katholiken berufen, starb aber schon im Juli 1947 plötzlich an einem Herzinfarkt in Frankfurt am Main. 2003 wurde der Seligsprechungsprozess für Maximilian Kaller eröffnet.

Der Berliner Kirchenhistoriker Pfarrer Mag. theol. Ulrich Hutter-Wolandt untersuchte unter dem Titel „Zwischen Deutschen Christen und Bekennender Kirche“ den Kirchenkampf in der pommerschen Evangelischen Kirche und in der Greifswalder Evangelisch-theologischen Fakultät.

Bereits ab 1932 bestand die „Glaubensbewegung Deutsche Christen“, eine den Nationalsozialisten sehr nahe stehende Gruppierung, die 1933 die Kirchenwahlen in der neu geschaffenen einheitlichen Reichskirche gewannen und in fast allen evangelischen Landeskirchen die Bischöfe stellten. Sie verwarfen das Alte Testament als „jüdisch“. Gegen diese Anschauungen richtete sich dann aber der Protest vieler Kirchenmitglieder.

Im September 1933 rief deshalb Pfarrer Martin Niemöller (Berlin) den gegen die Deutschen Christen gerichteten Pfarrernotbund ins Leben. Das Programm der Deutschen Christen mit ihrem Antijudaismus betrachtete er als Verfälschung der christlichen Lehre. Der Pfarrernotbund wurde zu einer der wichtigsten Wurzeln der Bekennenden Kirche, die sich ab 1934 formierte, sich als „rechtmäßige evangelische Kirche“ in Deutschland verstand und ihren Gehorsam gegenüber Reichsbischof Müller aufkündigte.

In den Folgejahren nahm die Verfolgung der Bekennenden Kirche zu, ihre Anhänger wurden mit Gefängnis bestraft, sie wurden bespitzelt, mussten Strafgeldzahlungen leisten oder wurden ins Sammellager gebracht. Hutter-Wolandt erläuterte an ausgewählten Beispielen den Kirchenkampf in Pommern und die Situation an der Greifswalder Ev. Theologischen Fakultät, die nach 1933 wie viele theologische Fakultäten in Preußen im Sinne des Nationalsozialismus umfunktioniert wurde.

Es gab dort nur wenige Professoren, die dem Nationalsozialismus etwas entgegensetzten: dies waren u. a. der Neutestamentler Ernst Lohmeyer und der Kirchenhistoriker und Systematiker Rudolf Hermann. Zur Sprache kam auch die Beteiligung von Mitgliedern der Fakultät beim Eisenacher Entjudungsinstitut, das 1938 von dem Jenaer Neutestamentler Walter Grundmann gegründet wurde. Hutter-Wolandt resümierte, dass man in Pommern trotz aller kirchenpolitischen Auseinandersetzungen von einem gemäßigten Kirchenkampf sprechen muss – etwa im Gegensatz zur schlesischen Provinzialkirche, in der die kirchenpolitischen Auseinandersetzungen weit radikaler als in Pommern waren.

Bis heute hat man Mühe, jenen Personen gerecht zu werden, die sich sowohl gegen das bolschewistische als auch gegen das faschistische System engagierten. Zumeist sieht man in ihnen einfach Kollaborateure mit einem der Regime, nicht Gegner zweier Totalitarismen.

Zu diesem Personenkreis gehört der deutsche Schriftsteller Edzard Schaper (1908-1984), der von beiden totalitären Systemen verfolgt wurde. Der Germanist und Philosoph Prof. Dr. Karol Sauerland aus Warschau nahm sich seines Werks und Wirkens an.

Schaper wurde 1936 aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen, ein Jahr nachdem sein Roman „Die sterbende Kirche“ erschienen war. Der Ausschluss zog allerdings kein Publikationsverbot nach sich. Nachdem Schaper vom System der kommunistischen Vernichtungslager erfahren hatte, verstärkten sich seine antisowjetischen Stellungnahmen. Als die Sowjets 1940 Estland besetzten und Zehntausende Esten nach Sibirien deportierten, entging Schaper der Verhaftung durch Flucht nach Helsinki.

Er hatte für die finnische Spionage gearbeitet und war deshalb von den Sowjets zum Tode verurteilt worden. In der finnischen Hauptstadt arbeitete er als deutscher Auslandskorrespondent und Kriegsberichterstatter über den ab Juni 1941 bis 1944 geführten „Fortsetzungskrieg“ zwischen Finnland und der Sowjetunion. Im Dezember 1944 wurde er vom deutschen Volksgerichtshof in Abwesenheit zum Tode verurteilt, weil man ihn für einen sowjetischen Spion hielt. Schaper scheint das nazifaschistische System weniger durchschaut zu haben als das sowjetische.

Eindeutig stand er aber zwischen den Fronten und musste 1944 zunächst in Schweden untertauchen, um 1947 in die Schweiz überzusiedeln, wo er das Bürgerrecht erhielt. 1951 konvertierte er zur römisch-katholischen Kirche. Das Baltikum und Osteuropa sind häufige Schauplätze seiner in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielenden Romane. Sein besonderes Interesse gilt Menschen in Grenzsituationen, kleinen Völkern wie den Esten und Finnen, der russisch-orthodoxen Kirche und den verfolgten Christen, den Einsamen, Flüchtlingen, Verlorenen und Vergessenen.

In der Nachkriegszeit kommentierte er das „Martyrium des Schweigens und der Lüge“ im Kommunismus, so u. a. die Verurteilung des ungarischen Kardinals Mindzenty in einem Schauprozess mit offensichtlich erzwungenen Aussagen. Sauerland ging näher auf die Romane „Der letzte Advent“ und „Hinter den Linien“ ein und schloss mit Überlegungen zum einmaligen Fall des Widerstands in Polen.

In einer Schlussbetrachtung umkreiste Prof. Gornig noch einmal die Frage nach der Zulässigkeit des Tyrannenmords und beantwortete sie für sich selbst positiv, sofern es sich tatsächlich um einen Tyrannen handle, was aber nicht leicht zu definieren sei. Die Tagung habe einen großen Erkenntnisgewinn erbracht, lasse aber auch viele Fragen offen. Thema sei zunächst der Tyrannenmord und im zweiten Teil ein erweiterter Widerstandsbegriff gewesen, bilanzierte Hans-Günther Parplies und merkte abschließend an, dass Widerstand durchaus möglich war und durch eine zahlreiche Minderheit auch erfolgt sei.

Text und Porträtfotos: Stefan P. Teppert


Mein Aufruf zu einem „stillen Advent“ mit geschichtlicher Besinnung

Von Almut Rosebrock

1789 – 1914 – 1939 – 1949 – 1989 – 2019

Vor 105 bzw. 80 Jahren tobten schlimme Kämpfe auf den Kriegs-Schlachtfeldern in Frankreich und Belgien. Der Bonner Maler August Macke war im Herbst 1914 bereits gefallen – neben vielen anderen hoffnungsfrohen jungen Männern, die voller Elan in den Krieg gezogen waren: https://de.wikipedia.org/wiki/August_Macke

Wieviel LEBEN wurde dadurch für immer verhindert? Auf allen Seiten –  man darf in dem Gedenken niemanden ausschließen.

Wieviele jung Verlobte oder schnell Verheiratete blieben im Krieg – konnten gar nicht erst eine Familie gründen? Wieviele Mütter verloren ihre Söhne, Kinder ihre Väter und Großväter, ihre Geschwister – ein Bruder sowohl meiner Schwiegermutter als auch des Schwiegervaters blieb im KRIEG! Unsere Verwandtschaft könnte ganz anders aussehen … !

Und die NS-Verfolgung der Regime-Gegner, -Kritiker, „Ungewollten“ oder „Gehassten“ – sie wurden in Lager verschleppt und nicht selten grausam umgebracht.

In der kath. Hofkirche bzw. Kathedrale in Dresden wird einiger junger katholischer Geistlicher gedacht, die sich der Diktatur entgegenstellten – und das mit dem Leben bezahlten!

Im Totensonntaggedenken bei uns wurde dieses Jahr der Name „Renate Bethge, 93 Jahre, Viliprott“ verlesen. Sie war die Frau von Eberhard Bethge, des Schülers und theologischem Weggefährten von Dietrich Bonhoeffer, der es sich zur LEBENSAUFGABE gemacht hat, dessen Werke zu sichten und zu veröffentlichen.

Ohne ihn wäre Bonhoeffer ganz sicher nicht so bekannt, wie er es heute ist – er gehörte, nach seiner kritischen Arbeit auch schon zuvor, mit zum Kreis der Attentäter um Stauffenberg und wurde noch am 9. April 1945 von den Nazis hingerichtet.

Aus dem Gefängnis schrieb er zahlreiche Briefe an seine Verlobte Maria von Wedemeyer, die im Buch „Brautbriefe Zelle 92“ – Vorwort E. Bethge  – veröffentlicht sind: https://www.amazon.de/Brautbriefe-Zelle-Bonhoe…/…/3406608914

Das Leiden, Sterben, Verlorensein aufgrund der Diktaturen und Kriege – die aus „entarteter Macht“ heraus entstanden und sich entfachten – ist unermesslich.

Ich nehme in meine Betrachtung bewusst die Napoleon-Feldzüge mit hinein, die auf die Französische Revolution von 1789 – die auch viele Menschenleben kostete – folgten und die französischen Heerführer bis nach Rußland und Skandinavien auf „Eroberungsfeldzüge“ brachte!

Große Teile Deutschlands wurden in den Jahren französisch. Von 1803 – 1806 erfolgte unter Napoleons Ägide die „Säkularisation“, die Enteignung der Kirchen und Klöster – die die weitere Geschichte mit „prägte“.

Erst im Oktober 1813 gelang es, unter Zusammenschluss der Heere aus Russland, Österreich, Schweden, Polen, Preußen, usw., also wirklich einer „europäischen Gemeinschaftsaktion“, Napoleon mit seinen Heeren – denen sich teils auch deutsche Soldaten (gezwungenermaßen) angeschlossen hatten – in der Völkerschlacht bei Leipzig zurückzuschlagen.

Im Oktober 1913 wurde das Denkmal dieser Völkerschlacht ebendort eingeweiht: https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=v%C3%B6lkerschlachtdenkmal

Es stellt einen großen Turm dar – und das „Meer der Tränen“ im davorliegenden Bassin, das den Turm spiegelt.
Ob sich die Planer und Erbauer 1913 träumen ließen, wie bald Deutschland wieder in einen heftigen Krieg verwickelt sein würde?

DEMUT – BUßE – UMKEHR – GEDENKEN – INFORMATION zur GESCHICHTE – BESINNUNG – INNEHALTEN – KONSUMVERZICHT.

Das wären für mich Punkte, die der STILLE ADVENT 2019 beinhaltet. Ich werde ihn so leben und rufe Multiplikatoren dazu auf, ebenso zu gedenken. 

In dieser Vorbereitungszeit für Weihnachten, die GEBURT des Erlösers JESUS CHRISTUS, dessen wir gedenken, sich selbst etwas zurückstellen – und der MENSCHLICHKEIT, der FEHLBARKEIT, des LEIDENS, der VERSTORBENEN gedenken.

Das alles jedoch nicht rückwärtsgewandt – es gibt auch Grund zu DANKBARKEIT!
Aber geschichtsvergessen sollten wir darüber nicht werden. Darum dieser Aufruf, denn der ADVENT ist traditionell eine BUß- und FASTENZEIT!

Am 13.2.1945 erfolgte der verheerende Bombenangriff – in 3 Wellen bis zum Vormittag des 14.2. – auf DRESDEN, das ich gerade besuchte.

In der kath. Hofkirche (liegt neben dem aktuell bestohlenen Grünen Gewölbe!) findet sich eine Gedenkkapelle mit einer „Meißner Madonna“ von 1974, es ist also Gedenken aus der DDR-Zeit.

An der Rückseite dieser Kapelle stehen Texte, die der Bischof von Dresden-Meißen am 12.2.1945 – also am Tag vor der Zerstörung der Stadt – gebetet hat.

Dieser Text beinhaltet Buße und ein Schuldbekenntnis für die „schlimme aktuelle Lage des Landes“.
Er endet mit einem ÜBERGABEGEBET des Lebens an GOTT, den SCHÖPFER und ERHALTER des Lebens!

Mich hat dieser Text, als ich letztens zum Gedenken an 30 Jahre Friedliche Revolution in Dresden war, sehr angesprochen. Ich war dankbar dafür.
In der wieder aufgebauten Frauenkirche jedoch fehlt mir das Gedenken und die Demut – was mich traurig macht(e)!

SELBSTÜBERHEBUNG und ÜBERMUT sowie GESCHICHTSVERGESSENHEIT sind nicht gut.

Der Altar der (evangelischen) Frauen-Kirche, 1726 auf dem Grund einer Vorgängerkirche gebaut, der den in Gethsemane im Gebet ringenden Jesus zeigt, der Stärkung durch einen Engel empfängt, sprach mich dagegen an.
In der Kreuzkirche (evang., 1897 durch einen Brand bereits zerstört gewesen) ist das Altarbild der gekreuzigte JESUS. 
In der Hofkirche ist es der zum Himmel auffahrende Christus – nach seiner Auferstehung!

Auch das macht mir meinen bzw. unseren Glauben kostbar und wertvoll.

Das Menschenleben und -Tun ist zerbrechlich. Es hat seinen Anfang – und sein Ende. Dazwischen liegt unser LEBEN – das SO oder SO verlaufen kann…

EHRE und DANK sei GOTT, dem HERRN!


Joseph Roth aus Köln: ein katholischer Familienvater und Märtyrer in der NS-Diktatur

Von Dr. Eduard Werner

Joseph Roth (siehe Foto) war Volksschullehrer und stammte aus einer katholischen Familie in Köln. Drei seiner Brüder waren Priester und eine Schwester von ihm war Ordensfrau.

Mit seiner Frau Katharina und seinen drei Kindern lebte Joseph Roth in Friesdorf bei Bonn. Neben seiner Familie und seiner Berufstätigkeit fand er auch noch Zeit für die Politik. Er hatte Funktionen in der katholischen Partei „Das Zentrum“. Er war Mitglied im Kreistag Bonn-Land und auch Mitglied im Kreis-Ausschuss.

Für den Katholiken Joseph Roth war von Anfang an klar, dass der „neuheidnische Nationalsozialismus“ mit christlichen Wertvorstellungen nicht vereinbar ist. Überdies hatten die Bischöfe schon 1932 in kirchlichen Rundschreiben bereits verboten, die Nationalsozialisten zu wählen. Diese Überzeugung vertrat Joseph Roth in der Öffentlichkeit.

Der monatliche Empfang des Beichtsakramentes und der Kommunion waren damals wie in vielen katholischen Familien auch in der Familie Roth selbstverständlich.

Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernommen hatten, rächten sie sich an ihren weltanschaulichen Gegnern. Auch Joseph Roth wurde gezwungen, vorübergehend aus dem Schuldienst auszuscheiden.

Nur mit Unterstützung seiner Schwiegereltern und durch Artikelschreiben in den wenigen noch nicht verbotenen Zeitungen konnte er seine Familie ernähren. Seine Texte durften nur unter einem Pseudonym erscheinen. #

Von den Nationalsozialisten in seinem Wohnort Friesdorf wurde die Familie Roth heftig angefeindet. Eines Nachts wurden sogar ihre Fenster eingeschlagen und beide Eltern durch Steinwürfe verletzt.

BILD: Buchtitel unseres Autors Dr. Eduard Werner: „Helden und Heilige in Diktaturen“ (Media-Maria-Verlag)

Da tat Roth etwas Außerordentliches: Um seiner Familie etwas Ruhe zu verschaffen, stellte er einen Aufnahme-Antrag in die NSDAP. Solche Schutzversuche hatten in manchen Fällen zwar Erfolg, aber bei einem so bekannten Katholiken wie Joseph Roth lehnte die NSDAP den Aufnahme-Antrag sofort ab. Die Familie musste weiter leiden.

Erträglicher wurde das Leben für die Familie Roth erst, als am 1. September 1939 der Krieg ausbrach. Das Militär brauchte Joseph Roth als Soldaten. Nach einer kurzen Verwendung als Soldat kam er wieder nach Hause, weil er noch an einer Verwundung vom Ersten Weltkrieg her litt. Auch als Lehrer wurde er nun wieder eingestellt.

Das ging gut bis zum Stauffenberg-Attentat am 20. Juli 1944. Nun wurden viele politisch verdächtige Personen verhaftet. Am 22.8.1944 traf es auch Joseph Roth.

Morgens um 4 Uhr wurde er von der Gestapo vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder aus dem Bett geholt und in Handschellen abgeführt. Der Sohn Wilhelm wurde einige Tage später vom Gymnasium weg gewiesen.

Nach einem Gefängnisaufenthalt in Köln kam Roth ins KZ Buchenwald. Dort wurden an ihm medizinische Versuche durchgeführt. Todkrank wurde er dann nach Hause entlassen. Am 22. Januar 1945 starb er.

Nun verlangten Parteidienststellen, dass der Tod als Folge von Bombenangriffen dargestellt werde. Sie verweigerten auch die Bereitstellung eines Leichenwagens. Treue Freunde schafften den Sarg frühmorgens auf Schlitten auf den Friedhof und nahmen die Bestattung in aller Stille vor.

Was mussten damals auch Katholiken unter Hitlers Terrorsystem nicht alles erleiden! Wer selbst nie in einer Diktatur gelebt hat, kann den Mut der Bekenner und den Hass ihrer Gegner kaum gerecht beurteilen.

Eduard Werner ist Historiker und Mitarbeiter der katholischen Monatszeitschrift DER FELS – Erstveröffentlichung des Beitrags hier: http://blog.forum-deutscher-katholiken.de/?p=10195


Pater Richard Henkes wird seliggesprochen

Der deutsche Pallottinerpater Henkes (1900 – 45) ist bisher nur Eingeweihten als überzeugter Opponent des Hitler-Regimes geläufig. Doch das könnte sich am heutigen Sonntag ändern: Da wird Kurienkardinal Kurt Koch Pater Henkes im Limburger Dom selig sprechen.

„Pater Henkes war ganz davon überzeugt, dass das nationalsozialistische Regime mit menschlichen und christlichen Werten nichts zu tun hat, dass es eine anti-christliche, neu-heidnische Ideologie ist.“

Das sagt Kardinal Koch im Gespräch mit Radio Vatikan. Der Priester habe im Lauf seines Lebensauch innere Krisen erlebt, sei daran aber „gereift“.

Der Kardinal, der im Vatikan für Ökumene zuständig ist, nennt den neuen Seligen „ein Vorbild nicht nur für die Katholiken, sondern für alle Christen, die konsequent in der Nachfolge Christi stehen“.

Derzeit seien 80 Prozent der Menschen weltweit, die wegen ihrer Religion verfolgt werden, Christen; darum sei das Vorbild Henkes auch heute besonders aktuell.

P. Richard Henkes hat in der Nazizeit die Botschaft Christi furchtlos und offen verkündet. Auf der Kanzel und als Exerzitienmeister nahm er auch in der Gegenwart von Nazispitzeln kein Blatt vor den Mund.

Die SS nannte das „Missbrauch der Kanzel“ und isolierte ihn im KZ Dachau. Pater Henkes nannte wiederholt die NS-Verbrechen beim Namen, z. B. bei der Tötung Behinderter, die er auf der Kanzel in Branitz als Mord anklagte.

Er mühte sich außerdem um Ausgleich und Versöhnung zwischen Deutschen und Tschechen und versuchte mit konkreten Aktionen, Verfolgten und Eingekerkerten beizustehen.

Höhepunkt seines Einsatzes für andere war sein freiwilliger Dienst bei den Typhuskranken auf Block 17. Nach achtwöchigem Einsatz infizierte er sich und starb am 22. Februar 1945.

Quelle (Text/1.Foto) und vollständiger Artikel hier: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-09/kardinal-koch-selig-pallottiner-deutschland-richard-henkes-limbu.html

Gemälde: Evita Gründler


Bergen-Belsen: Ausstellung „Lebensläufe“ über NS-Überlebende eröffnet

​Am Donnerstagabend (5.9.2019) wurde die Ausstellung „Lebensläufe. Verfolgung und Überleben im Spiegel der Sammlung von Shaul Ladany“ im Forum der Gedenkstätte Bergen-Belsen eröffnet. 

Shaul Ladany überlebte zweimal: 1944 wurde er im Alter von acht Jahren mit seiner Familie aus Ungarn in das KZ Bergen-Belsen deportiert. Er gehörte zu den wenigen jüdischen Häftlingen, die aufgrund von Verhandlungen ungarischer und schweizerischer jüdischer Organisationen mit der SS gerettet wurden und im Dezember 1944 in die Schweiz ausreisen durften.

Später wanderte Shaul Ladany nach Israel aus und wurde ein bekannter Wissenschaftler und Sportler. Als Läufer nahm er an den Olympischen Spielen in München teil und überlebte die Geiselnahme der israelischen Mannschaft durch eine palästinensische Terrorgruppe am 5. September 1972.

Shaul Ladany verfügt über eine umfangreiche Sammlung von Originaldokumenten zu seiner Verfolgung im Nationalsozialismus.

Ergänzt um Informationen zur deutschen Besatzungsherrschaft in Serbien und in Ungarn sowie zu den Rettungsbemühungen des ungarischen Zionisten Rudolf Kasztner und zum Neuanfang der Überlebenden im neu gegründeten Staat Israel und zum Anschlag auf die Olympischen Spiele von 1972 werden diese Dokumente nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Ausstellung, die vom 5. September bis zum 20. Dezember in der Gedenkstätte Bergen-Belsen zu sehen ist, wurde unter Leitung von Dr. Jens-Christian Wagner von den Historikerinnen und Historikern in der Gedenkstätte erarbeitet.

Zum Jahrestag der Geiselnahme in München wurde die Ausstellung am 5. September 2019 um 18 Uhr in der Gedenkstätte Bergen-Belsen eröffnet.

Neben Shaul Ladany war auch der Gesandte Aaron Sagui anwesend (siehe Foto).

Die Ausstellung ist bis zum 20. Dezember in der Gedenkstätte Bergen-Belsen zu sehen. 

Quelle (Text/Foto): https://embassies.gov.il/berlin/NewsAndEvents/Pages/Ausstellungseroeffnung-Lebenslaeufe.aspx


Pater Lothar Groppe ist seit 60 Jahren Priester

Von Felizitas Küble

Der weithin bekannte Jesuitenpater und Schriftsteller Lothar Groppe erreichte gestern (30. Juli) das gesegnete Alter von 92 Jahren; heute  – am 31. Juli 2019  –  feiert der Geistliche in Berlin sein 60-jähriges Priesterjubiläum.

Der glaubensstarke Gottesmann hat noch vor drei Jahren ein fundiertes Sachbuch veröffentlicht, das sich vor allem mit der Rettung von Juden und „nichtarischen Katholiken“ in Wien befaßt.

Der Titel lautet: „Kirchlicher Einsatz für Juden im Dritten Reich“. (Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/09/28/wie-jesuitenpater-ludger-born-und-sr-verena-buben-bedrohte-juden-retteten/)

Lothar Groppe kam am 30. Juli 1927 im westfälischen Münster als Sohn des späteren Generalleutnants Theodor Groppe zur Welt. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Westfalen, Ostpreußen, Oberschlesien, Pommern, Hessen und Bayern.

Nach Kriegseinsatz studierte er Rechtswissenschaft und trat am 7. September 1948 in die „Gesellschaft Jesu“ ein. Es folgte das Lizenziat der Philosophie, am 31. Juli 1959 empfing er die Priesterweihe.

P. Groppe wirkte jahrzehntelang als Krankenhausseelsorger in Bad Pyrmont und als Schriftsteller, zeitweise auch als Gemeindepfarrer in Österreich, als Dozent und Militärdekan an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg sowie als Leiter der deutschen Sektion von Radio Vatikan.

BILDER: Titelfotos zweier Bücher von Pater Groppe: „Theodor Groppe – der Schwarze General“ und „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich“

Von 1973 bis 1987 hielt er Vorlesungen und Seminare für die österreichischen Generalstabs-Lehrgänge.

Der Geistliche ist nicht nur Sohn des Widerstandskämpfers Theodor Groppe, sondern hat selber als Schuljunge von 12 Jahren deutlich gegen Hitler Stellung bezogen. Er war mehrfach „Gast“ der Gestapo. Nach dem Krieg wurde er von der Besatzungsmacht als „politischer Verfolgter“ anerkannt.

Sein Vater Theodor Groppe war Generalleutnant und Divisionskommandeur am Westwall. Man nannte ihn wegen seiner grundkatholischen Haltung den „Schwarzen General“. Im 1. Weltkrieg erhielt er zahlreiche Tapferkeitsauszeichnungen, darunter den höchsten Orden Pour le Mérite, der nur 687 mal vergeben wurde. (Im Vergleich dazu wurden im 2. Weltkrieg 6 bis 8 Millionen „Eiserne Kreuze“ verliehen.)

In der Stadt Hanau, wo Theodor Groppe einige Zeit gewirkt hatte, wurde eine Straße nach ihm benannt (siehe Foto).

Die Tugend der Tapferkeit liegt anscheinend in der Familie Groppe. Auch der Vater des „Schwarzen Generals“ war Offizier und wurde dann Verleger. Im Kulturkampf druckte er die verbotenen Hirtenbriefe des Bischofs von Trier und wurde wegen „Majestätsbeleidigung“ zu zwei Jahren Gefängnis und hoher Geldstrafe verurteilt. Die Gefängnisstrafe wurde in Festungshaft verwandelt, weil er Offizier war.

Weil Theodor Groppe den NS-Schergen widerstand, insbesondere SS-Reichsführer Himmler widersprach, wurde er 1942 militärisch degradiert, aus der Wehrmacht ausgestoßen und im August 1944 von der Gestapo verhaftet. Durch Flucht aus der Festung Küstrin entging er der geplanten Hinrichtung und konnte die Kriegszeit überleben.

Der mutige General verhinderte durch seinen Schießbefehl gegen Judenverfolger eine von der NSDAP befohlene „Volkskundgebung gegen die Juden“. Vor allem bei Juden im Saarland war er als „Retter“ bekannt und bewundert.

Sein Sohn Lothar hielt sich auch selber an die geradlinige und unbeugsame Art seines Vaters. Er widerstand dem braunen ebenso wie später dem roten Zeitgeist und orientierte sich klar an christlichen Prinzipien und der katholischen Glaubenslehre. Seine Predigten und Vorträge waren gehaltvoll, mitreißend, präzise und bodenständig.

Der schwungvolle Pater publizierte jahrzehntelang in dutzenden Zeitungen und Zeitschriften von „Theologisches“ über die „Junge Freiheit“ oder die „Preußische Allgemeine Zeitung“ bis zu „Soldat im Volk“ oder Schriften des BdV (Bund der Vertriebenen).

Seine klare katholische Ausrichtung hinderte ihn keineswegs daran, eine vernünftige Ökumene mit theologisch konservativen Protestanten zu pflegen. So schrieb er z.B. regelmäßig für die Zeitschrift „Erneuerung und Abwehr“ der Evangelischen Notgemeinschaft und hielt Reden vor evangelikalen Initiativen. 

Bis heute steht der Geistliche im freundschaftlichen Kontakt mit evangelischen Christen. So half ihm z.B. der Unternehmensexperte und Publizist Dr. Bernd F. Pelz (siehe Foto) sachkundig beim Lektorat und der Erstellung des Groppe-Buches über „Kirchlichen Einsatz für Juden im Dritten Reich“. Außerdem unterstütze Dr. Pelz seinen priesterlichen Freund tatkräftig bei mehreren Umzügen.

Pater Groppe SJ gehörte zu dem vom deutschen Juden Gerhard Löwenthal („ZDF-Magazin“) mitgegründeten „Konservativen Büro“ in Bielefeld. 

Ähnlich wie der  –  ebenfalls NS-verfolgte  –  Löwenthal setzte sich Groppe stets für einen gesunden Patriotismus und entschieden für die deutsche Wiedervereinigung ein; zudem würdigte er die Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten und erinnerte immer wieder an ihr tragisches Schicksal, was oftmals wütende Schmähkritik von links hervorrief.

Der Geistliche hatte guten Kontakt mit Erzbischof Johannes Dyba, dem am 23. Juli 2000 plötzlich verstorbenen Oberhirten von Fulda. Im Dyba-Gedenkband „Der Löwe von Fulda“ aus dem KOMM-MIT-Verlag (siehe Foto) ist ein fundierter Beitrag von Pater Groppe enthalten. Darin würdigt er den unerschrockenen Bischof von Fulda sowohl als Bischof wie auch als Mensch und Mitbruder.

Pater Groppe wirkte von 1982 bis 2007 als Krankenhauspfarrer in Bad Pyrmont. Einige Zeit später war er als Seelsorger an einer Mutter-Kind-Klinik in Timmendorfer Strand tätig. Seit August 2015 lebt der unbeugsame Geistliche im Seniorenheim des Jesuitenordens in Berlin-Kladow.

Seine Freunde sowie unser Christoferuswerk und KOMM-MIT-Verlag wünschen ihm ein frohes Priesterjubiläum und Gottes reichen Segen!


Ankum: Kirchlicher Gedenkabend für den Märtyrer und Priester August Benninghaus

Von Felizitas Küble

Die Gemeinde und die Pfarrei Ankum im Bistum Osnabrück ehren seit längerem das Andenken an den Priester und Märtyrer August Benninghaus SJ.

Der Jesuitenpater, der von Irland bis Indien vielfach missionarisch tätig war, wirkte zuletzt in Münster (Westf.) als Exerzitienmeister, bevor ihn die Gestapo (Geheime Staatspolizei) am 27. Juni 1941 wegen „staatsfeindlicher Äußerungen“ festnahm.

BILD: Gedenktafel für Pater Benninghaus im Ankumer Dom, in dem er einst auch gepredigt hat

Nach Verlegung in verschiedene Gefängnisse und ins KZ Sachsenhausen wurde der Jesuit schließlich ins Lager Dachau unweit von München eingeliefert, in dem während der NS-Diktatur ca. 3000 Geistliche inhaftiert waren, davon 95% katholisch. Durch brutale Schikanen, Schwerstarbeit, Hunger und Entkräftung im KZ starb der tapfere Bekenner am 20. Juli 1942 im KZ-Lazarett im Alter von 61 Jahren.

Der August-Benninghaus-Kreis setzt sich sehr engagiert dafür ein, diesen Blutzeugen des Glaubens nicht zu vergessen. Deshalb bringt der Gründer Hermann Rieke-Benninghaus (ein Verwandter des Märtyrers) schon seit vielen Jahren Gedenkzettel und Bücher heraus, die an diesen Bekenner-Priester erinnern und sein Lebenszeugnis schildern. 

Zudem führt der Kreis entsprechende Veranstaltungen durch und verleiht den August-Benninghaus-Preis, so etwa vor zwei Jahren an Prof. Dr. Helmut Moll, den Herausgeber eines angesehenen kirchlichen Werkes mit dem Titel „Martyrologium des 20. Jahrhunderts“.

Der Prälat aus Köln, der unlängst seinen 75. Geburtstag feiern konnte, hat zur diesjährigen Preisverleihung an den jüdischen Komponisten und Autor Dr. Moisei Boroda seine besonderen Grüße und guten Wünsche übermittelt.

BILD: Die Vesper im Ankumer Dom hielt Pastor Tietje

Diesmal beging der Benninghaus-Kreis den 77. Todestag „seines“ Jesuitenpaters – wobei dieser 20. Juli passenderweise zugleich an den Widerstand hoher Generäle und Militärs gegen Hitler durch Stauffenberg und Co. erinnert.

Die Veranstaltung wurde mitgetragen von der Pfarreiengemeinschaft in Ankum (sowie Eggermühlen und Kettenkamp) und begann mit einer abendlichen Vesper im Dom bzw. der eindrucksvollen Nikolaus-Kirche, die im 19. Jahrhundert im neuromanischen Stil erbaut worden war, nachdem die Vorgängerkirche einem Brand zum Opfer fiel.

Das Gotteshaus war mit vielen aufmerksamen Gläubigen aus Ankum sowie mit Gästen von nah und fern gut besucht (siehe Foto).

Die Vesper erinnerte an die Blutzeugen des Glaubens, vor allem an Pater August Benninghaus; aber auch das Gedächtnis des 20. Juli (Widerstandsbewegung) wurde wachgehalten.

Die Andacht war von biblischen Lesungen, Fürbitten, Psalmen, Litaneien und Gesängen geprägt, darunter dem Bonhoeffer-Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ und dem Magnificat (Lobgesang Mariens) in lateinischer Sprache.

Die Vesper – sie ist das amtliche Abendgebet der Kirche  –  schloß mit dem priesterlichen Segen von Pastor Stefan Tietje und dem gemeinsamen Paternoster (Vaterunser-Gebet).

BILD (erste Reihe von links nach rechts): Monika Kaiser-Haas, Dr. Mosei Boroda und seine Frau Sophia, Familienmutter Rieke-Benninghaus, Tochter Theresa und ihr Vater Hermann Rieke-Benninghaus

Nach der Abendandacht begann die eigentliche Gedenkfeier für Pater Benninghaus im Ankumer Dom.

Dabei wurde ein musikalisches Werk uraufgeführt, das der aus Georgien stammende Jude Dr. Moisei Boroda eigens für diesen Gedenktag komponierte. Die meditative Stunde war zugleich informativ, denn dabei wurden unter Regie von Dr. Boroda die wesentlichen Lebens-Stationen des Märtyrers vorgelesen und durch Lichtbilder auf einer Leinwand illustriert.

Hierbei sprachen Theresa Benninghaus, Pastor Stefan Tietje und Monika Kaiser-Haas (Vize-Präsidentin des Internationalen Karl-Leisner-Kreises). Auch Pfarrer Michael Franke erläuterte in zwei Ansprachen den Sinn des Gedenkabends.

BILD: Monika Kaiser-Haas sprach im Rahmen einer Dia-Schau über die letzten Stationen und den Tod von P. Benninghaus

Danach wurde im Pfarrheim der diesjährige August-Benninghaus-Preis 2019 an den jüdischen Schriftsteller und Komponisten Dr. Boroda aus Georgien verliehen, der seit 1989 in Nordrhein-Westfalen lebt. Er setzt sich bereits seit 2001 für die christlich-jüdische Verständigung ein, zudem für die Erinnerung an christliche Blutzeugen in der NS-Diktatur.

Unser Bericht über diese Preisverleihung siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/07/24/ankum-juedischer-autor-moisei-boroda-erhielt-den-christlichen-august-benninghaus-preis/

Interessant auch folgender Zeitungsartikel: https://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-bersenbrueck/artikel/1814982/maertyrer-vesper-fuer-pater-august-benninghaus-in-ankum


Der Jesuitenpater August Benninghaus SJ war ein mutiger Märtyrer in der NS-Zeit

Von Hermann Rieke-Benninghaus     

August Benninghaus  wurde am 7. November 1880 in Druchhorn geboren. Am 26.4.1900 trat er in das Noviziat der Jesuiten in Blijenbeek (Niederlande) ein. Am 24. August 1913 wurde er vom Kölner Erzbischof Kardinal von Hartmann in Anwesenheit seiner Eltern in Valkenburg zum Priester geweiht.

Bis 1941 wirkte Pater Benninghaus als Exerzitienmeister und Volksmissionar im Kettelerheim im westfälischen Münster.

Sein offenes Wesen brachte ihn unausweichlich in Konflikt mit der Gestapo. Bereits während einer Gebetswoche 1934 in Ankum mußte sich P. Benninghaus wegen einer Predigt vor dem NSDAP-Ortsgruppenleiter verantworten.

Am 27. Juni 1941 wurde er von der Gestapo in Münster festgenommen und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verlegt.  An seinem Verhaftungsort in der Nähe der Ludgeri-Kirche in Münster ist ein „Stolperstein“ der Stadt seinem Gedenken gewidmet.

Im KZ wurde er von zwei SS-Männern derart verprügelt, daß er stürzte und auf eine Tischkante aufschlug. Dabei erlitt er eine Gehirnerschütterung, von der er sich bis zu seinem Tode nicht erholte.

Am 11. März 1942 wurde Pater Benninghaus in das KZ Dachau verlegt, wo die katholischen Priester im Sonderblock 26 zusammengezogen wurden. Von den Ordensleuten gehörte ein überdurchschnittlich hoher Anteil  –  etwa 25 Prozent   –  dem Jesuitenorden an. 

P. Benninghaus war mit der Häftlingsnummer 29.373 im Block 24/1, dem zusätzlichen Invalidenblock, vorgesehen für die Vergasung in Schloß Hartheim.

Besonders hart traf ihn der Ausspruch des Lagerführers: „Das deutsche Volk hat euch ausgestoßen“. Er war doch Deutscher und überzeugter Diener Gottes zugleich.

Zeugen berichten, er habe am Karfreitag, dem 3.4.1942, auf die 3. Etage der Bettkiste steigen müssen. Von dort sollte er das Lied „O Haupt voll Blut und Wunden“ singen. Völlig entkräftet hat er es nach vielen Schlägen mit schwacher Stimme schließlich getan.

Infolge Hungers, ständiger Kopfschmerzen und Schwäche verschlechterte sich sein körperlicher und geistiger Zustand immer mehr, bis er schließlich in das Krankenrevier eingeliefert wurde. Am 20. Juli 1942 ist er dort verhungert, er war nicht ganz 62 Jahre alt.

Am 31. August 1942 fand eine Beisetzung mit einer Urne auf dem Ankumer Friedhof statt. Auf dem Grabmal stehen die Worte: „Märtyrertod Dachau“.

Die Gemeinde Ankum hat zu seiner Würdigung eine Straße am Ortseingang von Ankum nach Pater Benninghaus benannt. Im Artländer Dom erinnert eine Bronzeplatte an ihn. Die Ankumer Oberschule ist nach ihm benannt.

Der August-Benninghaus-Preis wird jährlich verliehen, in diesem Jahr am 20. Juli in Ankum.

Die Auszeichnung erhält der jüdische Komponist Dr. Moisei Boroda aus Georgien im Rahmen einer abendlichen Gedenk- und Feierstunde im Haus Kirchburg. Der seit langem in Herne lebende Autor (siehe Foto) engagiert sich seit langem für das Gedenken an die christlichen Märtyrer in der NS-Zeit. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/11/26/muenster-juedischer-kuenstler-dr-mosei-boroda-wuerdigt-christliche-maertyrer-der-ns-diktatur/)

Die katholische Kirche hat Pater Benninghaus in ihr Martyrologium aufgenommen. Sein Gedenktag ist der 20. Juli.