Erzbischof Eterović an die deutschen Bischöfe: Die „billige Gnade“ ist der Todfeind der Kirche

Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, richtet sich mit einem aufschlußreichen Grußwort an die deutschen Bischöfe anläßlich ihrer Herbst-Vollversammlung am 23. September in Fulda.

Der Vertreter des Papstes in Deutschland beginnt sein aufrüttelndes Schreiben mit dem Missionsbefehl Christi an seine Apostel (vgl. Mt. 28,18), der einen Tauf-Auftrag enthält und dazu die Aufforderung: „…lehret sie [die Völker], alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“.

Daher befaßt sich das Schreiben des vatikanischen Botschafters vor allem mit dem Auftrag der Kirche zum Apostolat bzw. zur Evangelisierung, die Papst Franziskus in den Mittelpunkt seines Pontifikats stelle.

Er erinnert hierbei an das Schreiben des Papstes von 29. Juni 2019 an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland.

Der Erzbischof betont:

„Das Schreiben des Heiligen Vaters verdient besondere Aufmerksamkeit. Es ist tatsächlich das erste Mal nach der Enzyklika Pius‘ XI. Mit brennender Sorge, dass der Papst den Gliedern der katholischen Kirche in Deutschland ein eigenes Schreiben widmet.“

Zum „Synodalen Weg“ der Kirche in Deutschland erläutert der Nuntius, dieser dürfe keineswegs auf eine Anpassung an den Zeitgeist oder eine Demokratisierung der Kirche hinauslaufen.

Er zitiert aus einer päpstlichen Ansprache an griechich-katholische Bischöfe vom 2. September 2019, worin es heißt, es gäbe eine Gefahr, zu glauben, Synodalität „würde bedeuten, eine Meinungsumfrage zu machen…, um dann zusammen zu kommen und einen Beschluss zu fassen.“

Franziskus stellt klar:

„Nein, die Synode ist kein Parlament! Man muss die Dinge beim Namen nennen und sie diskutieren, wie man es gewöhnlich tut, aber sie ist kein Parlament. Bei einer Synode einigt man sich nicht wie in der Politik…. Synode ist keine soziologische Erhebung, wie mancher glaubt: Wir schauen mal und lassen eine Gruppe von Laien eine Umfrage machen, ob wir das, das, das ändern müssen…

Ihr müsst natürlich wissen, was eure Laien denken, aber das ist keine Befragung, es ist etwas Anderes…. Wenn der Heilige Geist nicht gegenwärtig ist, gibt es keine Synodalität.“

Der Nuntius betont, das Ziel eines Synodalen Weges müsse die Evangelisierung sein, also die Erfüllung des Missionsbefehls Christi.

Zudem sollen sich die Bischöfe nicht von der Gesamtkirche absondern, heißt es weiter – mit Hinweis auf eine Aussage von Papst Franziskus in seinem Schreiben an die Kirche in Deutschland:

„Für die Wirksamkeit der Evangelisierung ist die Einheit zwischen Universalkirche und Teilkirchen wesentlich... Die Weltkirche lebt in und aus den Teilkirchen, so wie die Teilkirchen in und aus der Weltkirche leben und erblühen; falls sie von der Weltkirche getrennt wären, würden sie sich schwächen, verderben und sterben. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Gemeinschaft mit dem ganzen Leib der Kirche immer lebendig und wirksam zu erhalten.“

Sodann verweist der Erzbischof an folgende Ermahnung des hl. Paulus:

„Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene“ (Röm 12,2).

Die Verkündigung dürfe aber keineswegs, so der Nuntius, auf eine „billige Gnade“ reduziert werden.

Er zitiert den evangelischen Theologen und Märtyrer Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945),  der von der Suche nach der „teuren Gnade“ sprach und 1937 schrieb: „Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf geht heute um die teure Gnade.“

Quelle für die Zitate: https://de.catholicnewsagency.com/story/dokumentiert-der-wortlaut-des-schreibens-von-nuntius-eterovic-an-die-deutschen-bischofe-5093


Das katholische „Werk des hl. Jakobus“ feiert in Israel sein 60-jähriges Bestehen

Mit zahlreichen Veranstaltungen und Gottesdiensten wird in Israel das 60-jährige Gründungsjubiläum  vom „Werk des heiligen Jakobus“ gefeiert, das 1954 nach der Gründung des Staates Israel entstand und Christen in der mehrheitlich jüdischen Gesellschaft seelsorgerisch betreuen sollte. Kreuzkuppel

Wie das lateinische Patriarchat Jerusalem berichtet, kamen am Samstag, den 26. September 2015, Vertreter vieler Gemeinden in Israel im Marienheiligtum im Abu Gosh zu einem gemeinsamen Festgottesdienst zusammen, der in hebräischer Sprache gefeiert wurde; dabei würdigte der Apostolische Nuntius in Israel, Erzbischof Giuseppe Lazzarotto, die “starke Glaubensgemeinschaft”.

Der Nuntius forderte die Gemeinden auf, als Brücke zwischen Juden und Christen aufzutreten und erinnerte daran, dass “jüdisch- und arabischsprachige Jünger Christi“ berufen seien, „unter Beweis zu stellen, dass Gerechtigkeit, Frieden und Gleichheit in unserem Land möglich sind“.

Mit Hilfe dieses Jakobuswerkes versammelten sich seit 1954 Katholiken im jüdischen Umfeld zu gemeinsamen Gottesdiensten. In den Gemeinden findet heute auch der Religionsunterricht für Kinder aus christlichen Familien statt, die aus Asien, Afrika oder Südamerika eingereist sind.

Quelle: Fidesdienst / Foto: Petrusbrudeschaft


Papst Franziskus hat gestern außerplanmäßig Erzbischof Gerhard L. Müller empfangen

Papst Franziskus hat gestern überraschend Kurien-Erzbischof Gerhard Ludwig Müller empfangen; danach den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Papst Franziskus beschäftigt sich in diesen Tagen intensiv mit der Lage der Kirche in Deutschland. media-521118-2

Franziskus beschäftigt sich in diesen Tagen intensiv mit der Lage der Kirche in Deutschland. Am Samstagmorgen empfing er  den Präfekten der Glaubenskongregation in einer außerplanmäßigen Audienz; Müller ist ansonsten regelmäßig zu sog. Tabellenaudienzen beim Papst.

Im Anschluss sprach Franziskus mit dem neuen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic. Mit dessen Vorgänger Erzbischof Jean-Claude Périsset wird der Papst am Montagvormittag sprechen.

Unmittelbar danach ist eine Audienz für den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer angesetzt. Eterovic wird am kommenden Donnerstag in Deutschland eintreffen, um in Berlin die Nachfolge Périssets anzutreten, der dieses Amt seit Herbst 2007 innehatte.

Quellen: Radio Vatikan


P. Lothar Groppe SJ über den herausragenden Einsatz der katholischen Kirche für verfolgte Juden in Ungarn

Der bekannte Jesuitenpater und Publizist Lothar Groppe (siehe Foto) äußerte sich in einem jetzt veröffentlichten Leserbrief in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ faktenstark zu den zahlreichen Hilfsaktionen der katholischen Kirche für verfolgte Juden in Ungarn in der NS-Zeit.

Ausgangspunkt war ein Artikel der JF über den schwedischen Judenretter Raoul Wallenberg:  DSC_0517

„Es ist zu begrüßen, dass die Junge Freiheit den schwedischen Diplomaten würdigt, der tausende Juden 1944 in Ungarn vor der Deportation rettete und selber Opfer seiner Hilfsbereitschaft wurde.  Aber er  war keineswegs der einzige in Ungarn, der sich  für die Verfolgten engagierte.

So stellte Nuntius Rotta in Budapest ebenso wie verschiedene Bischöfe und zahlreiche Pfarrer tausende Taufbescheinigungen für Juden aus, ohne dass ein einziger getauft wurde.

Der jüdische Journalist Jenö Levai spricht in seinem Buch  „Geheime Reichssache“ von 150.000 Schutzbriefen. Diese Behauptung ist sicher nicht zu halten, es dürfte  sich um etwa  15 000 gehandelt haben. Genaue Zahlen waren im Vatikan nicht zu ermitteln.

Levai belegt  glaubwürdig, dass Papst, Nuntius, Bischöfe und zahlreiche Priester unermüdlich zugunsten der Juden tätig waren.

Unter Hinweis auf das „Land der hl. Jungfrau und des hl. Stefan“ versuchten sie, so viele Juden wie möglich zu retten.

Reichsaußenminiaster v. Ribbentrop wies den Gesandten Veesenmayer an, auf Staatschef Horthy Druck auszuüben und nicht auf die Wünsche des Papstes und der Kirche einzugehen.

Horthy bat (!) um Aufhebung der Deportationen, „da die ungarische Regierung mit Telegrammen vom König von Schweden und vom Papst überschüttet werde: der Nuntius spreche jeden Tag mehrmals vor.“

Katholische Priester und Nonnen retteten Tausende verfolgter Juden, indem sie diese unter Lebensgefahr in ihren Klöstern versteckten. Levai führt allein für Budapest 32 Klöster an.

Neben dem Lazaristenpater Köhler spielte bei der Budapester Rettungsaktion der Jesuitenpater Reile eine herausragende Rolle. Er versteckte nicht nur zahlreiche Juden, sondern besorgte  –  ohne Taufe  –  viele Taufscheine.

Zwei besonders „arisch“ aussehende Juden steckte er in Polizeiuniformen und richtete an der Klosterpforte eine „Polizeiwache“ ein, die das Gebäude vor weiteren Durchsuchungen schützte.

So berechtigt es ist, auf den Massenmord an den Juden hinzuweisen, so notwendig ist es, der  zahlreichen, meist Unbekannten, zu gedenken, die unter Einsatz ihres Lebens den Verfolgten geholfen haben.“