Synodaler Weg: Es geht um „alles oder nichts“

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Bistumszeitung „Konradsblatt“ Nr. 25 vom 21.6.2020 zitiert unter „Pressestimmen“ die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Dort heißt es:

“Der Synodale Weg‘ …mit seinen Themen Macht, Frauen und Sexualmoral (wird) nun endgültig zur Arena, in der es für die katholische Kirche …um Alles oder Nichts geht“.

Das hat die FAZ richtig beobachtet.

In der Vorbereitung des „Synodalen Prozesses“ wurde bereits deutlich, dass der sexuelle Missbrauch instrumentalisiert wird, um eine „andere Kirche“ zu schaffen. Die Themen, die in keinem ursächlichen Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch stehen, wie mehrfach festgestellt wurde, dienen als Rammböcke, um das katholische Lehrgebäude zum Einsturz zu bringen.

Die Bereitschaft, auch Vorlagen, die im Widerspruch zur Lehre der Kirche stehen, zur Abstimmung zu bringen, beweist diese Intention.

Der Regensburger Bischof Voderholzer hat sich nach der Abstimmung auf der Bischofskonferenz am 25. September 2019  sich klar dazu geäußert. Wer sich darüber näher informieren will, kann das bspw. im Februarheft 2020 der katholischen Monatszeitschrift „Der Fels“ tun.

Voderholzer war in seiner Stellungnahme bereits klar, dass es beim „Synodalen Weg“ für die katholische Kirche um „Alles oder Nichts“ geht.


Augsburg: Ernannter Bischof Meier zum „Gebetshaus“ und zur MEHR-Konferenz

Am Samstag, dem 6. Juni 2020, wird der vom Papst zum Oberhirten von Augsburg ernannte Geistliche Bertram Meier zum Bischof geweiht. Der Termin war wegen der Corona-Pandemie verschoben worden. Der 59-Jährige kommt selber aus dem Bistum Augsburg und wird das südbayerische Bistum zukünftig leiten.

Auf der amtlichen Seite „Katholisch.de“ wurde heute in Interview mit ihm veröffentlicht: https://www.katholisch.de/artikel/25653-bertram-meier-vor-bischofsweihe-manchen-muss-ich-wohl-wehtun

Darin wird der ernannte Bischof auch über das charismatische Gebetshaus Augsburg befragt, das der katholische Theologe Dr. Johannes Hartl leitet. Er organisiert teils jährlich, teils zweijährlich die mit ca 10.000 Teilnehmern besuchte MEHR-Konferenz (siehe hierzu unsere kritischen Berichte: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/gebetshaus-augsburg-j-hartl/).

Betram Meier äußert sich folgendermaßen zu MEHR und Co.:

„Einerseits sind die Zahlen der Leute beeindruckend, die Johannes Hartl versammelt. Andererseits frage ich mich, wie nachhaltig ein Event wie die „Mehr“ ist.

Zudem sehe ich bei Hartl eine Schwebe in seinen theologischen Äußerungen. Er verortet sein Wirken mal als überkonfessionell, mal als ökumenisch. Das ist aber nicht dasselbe. „Überkonfessionell“ ist mir zu unverbindlich, erinnert an Freikirche.“

Sodann erklärt der Bischof, er hoffe auf ein „ehrliches und konstruktives Miteinander“ und fügt hinzu:

„Jedenfalls wollen wir uns als Diözese vom Gebetshaus nicht instrumentalisieren lassen. Wir müssen im Gespräch bleiben, um der Menschen willen einander im Blick behalten und darauf achten, dass aus dem Gebetshaus nicht eine neue Art von Kirche entsteht.“


Regensburg: Bittamt mit Bischof Voderholzer für die Stadt und das Bistum gefeiert

Erstmals wieder mit der zugelassenen Öffentlichkeit hat Bischof Rudolf Voderholzer am Mittwochabend in der Hohen Domkirche St. Peter Regensburg Gottesdienst gehalten. Es war ein Bittamt am Vorabend des Hochfestes Christi Himmelfahrt.

Am Ende des Gottesdienstes trat der Bischof mit dem Allerheiligsten Sakrament vor die Domkirche und segnete die Stadt und ihre Bewohner.

In seiner Predigt sagte der Regensburger Oberhirte: „Heute abend tragen wir die Anliegen, Sorgen und Nöte der Kirche von Regensburg und der ganzen Stadt vor Gott hin.“ –  Als erstes nannte er in diesem Zusammenhang die Kranken, Alten und die Sterbenden. 

Ins Gebet schloss Bischof Voderholzer ebenfalls die Familien ein, die „manch leidevolle Situation durchmachen mussten“.

Eigens erwähnte der Bischof auch diejenigen, die in große wirtschaftliche Nöte geraten sind: „Möge es mit Gottes Hilfe und der Solidarität in der Gesellschaft gelingen, Arbeitsplätze und Existenzen, oft das Lebenswerk mehrerer Generationen zu retten“.

Eingeschlossen wurden außerdem die Künstler und Freischaffenden, die für Schönheit, Nachdenklichkeit und kulturellen Mehrwert sorgen – sowie z.B. die Forscher, die Heilmittel und einen Impfstoff suchen. Der Bischof sagte zudem:

„Wir schließen ein auch die Sorgen nicht weniger, dass die gegenwärtige Krise missbraucht werden könnte zur Einschränkung individueller Freiheitsrechte und zur Bereicherung einiger weniger, die aus der allgemeinen Not noch Profit zu schlagen verstehen.“

Angesichts des nahenden Pfingstfestes flehte der Bischof um die rechte Erkenntnis: „Komm, Heiliger Geist, zeige uns, wo wir umkehren müssen, öffne uns die Augen für die Lehren, die wir aus dieser Krise ziehen müssen.“

Quelle: Bistum Regensburg – Foto: Dr. Veit Neumann


Regensburg: Dankbare Verneigung vor dem mutigen Domprediger Dr. Johann Maier

In einem Pontifikalamt im Hohen Dom St. Peter hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am Freitagabend Domprediger Dr. Johann Maier geehrt, der 75 Jahre zuvor in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs ermordet worden war. Er wollte sich für die friedliche Freigabe der Stadt Regensburg einsetzen.

Gedacht wurde ebenfalls der anderen Männer, die mit Domprediger Dr. Maier ihr Leben lassen mussten. Am Ende des Gottesdienstes begab sich der Bischof von Regensburg in die Krypta, wo er an der Grablege Dr. Maiers betete.

Der Gottesdienst sowie das Gebet des Bischofs in der Krypta wurden per Livestream und über den Regionalsender TVA Regensburg sowie über weitere Kanäle in die Öffentlichkeit übertragen.

Für den Nachmittag des 23. April 1945 wurde zu einer Kundgebung aufgerufen, für die –  wie Zeitzeugen berichten – auch Domprediger Dr. Maier tagsüber geworben hatte.

Bischof Voderholzer erklärte, Dr. Maier dürfte es darum gegangen sein, die Kundgebung gegenüber den Machthabern weniger gebieterisch-fordernd als vielmehr bittend erscheinen zu lassen und den Parteigrößen die Furcht der Bevölkerung begreiflich zu machen.

Dabei bezog sich Dr. Voderholzer auf die neueste Publikation zum Kriegsende im April 1945 in Regensburg: „Kurz nachdem er das Wort ergriffen hatte, um den Appell zur kampflosen Übergabe der Stadt zu rechtfertigen, wurde er verhaftet.“

Wegen „Wehrkraftzersetzung“ wurde der Priester noch am 23. April zum Tode verurteilt und in den frühen Morgenstunden des 24. April auf dem heutigen Dachauplatz erhängt.

Der Oberhirte von Regensburg gab zu bedenken:

„Domprediger Maier gehört somit zu den weit über 8000 Geistlichen, von denen aktenkundig ist, dass sie im Dritten Reich ins Visier der Nationalsozialisten geraten waren; das ist ein Drittel des damaligen Welt- und ein Fünftel des Ordensklerus, allein in Deutschland.“

Dr. Voderholzer erinnerte daran, dass Dr. Maier das prominenteste, aber nicht das einzige Opfer im Zusammenhang der Versammlung war. Der 70-jährige Rentner Josef Zirkl hatte während des Tumults bei der Verhaftung von Dr. Maier protestiert und die Freilassung des Priesters verlangt. Er wurde ebenfalls erhängt.

Der pensionierte Gendarmerie-Hauptwachtmeister Michael Lottner wurde erschossen, der gesagt hatte: „Lasst doch den Domprediger reden! Ihr wisst ja gar nicht, was er sagen will.“

Auch erwähnte der Bischof Johann Igl, den Mesner von St. Emmeram Regensburg, der wegen einer unvorsichtigen Bemerkung hingerichtet wurde.

Bischof Dr. Voderholzer sagte:

„Wir wollen diesen 75. Jahrestag nicht vorübergehen lassen, ohne für den Mut und das Lebensopfer Dr. Maiers und der anderen zu danken. Sie traten ein für Wahrheit und Menschlichkeit aus christlicher Glaubensüberzeugung. Wir wissen nicht, wie wir uns unter den gegebenen Umständen damals verhalten hätten.

Aber wir verneigen uns in Dankbarkeit und großer Anerkennung vor den Tapferen. Und wir beten für uns alle, dass uns in unseren Tagen Freimut und Weitblick gegeben seien, damit wir einstehen können für Wahrhaftigkeit und Menschlichkeit in den Bereichen, wo wir Einfluss nehmen können.“

Quelle (Text / 1. und 2. Foto): Bistum Regensburg


Osterpredigt von Bischof Voderholzer: Unser JA zur Schöpfungsordnung Gottes!

Die „Ökologie des Menschen“ wieder beachten

Ein wenig gespenstisch wirkt die Szenerie des Domes zu Regensburg, als Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am Ostersonntag 2020 um 10 Uhr das feierliche Pontifikalamt beginnt.

Gähnend leer ist der Dom. Nur eine Handvoll Menschen tragen mit ihrem Dienst zur Eucharistiefeier bei. Zwar feiern Zehntausende im ganzen Bistum Regensburg und weit darüber hinaus diese Auferstehungsfeier an Bildschirmen mit. Trotzdem fehlen die singenden und betenden Menschen im Raum, dennoch vermisst man die Freude dieses Morgens und die spürbare Auferstehungshoffnung.

Hat die Pandemie selbst Ostern im Griff?

Bischof Rudolf geht darauf ein:

„Noch am Beginn der zurückliegenden Fastenzeit, am Aschermittwoch, hat das Bundesverfassungsgericht das Verbot organisierter Beihilfe zum Suizid gekippt mit Hinweis auf die überragende Bedeutung der Autonomie des Menschen. Keine vier Wochen später werden in unserem Land Grundrechte wie Versammlungsfreiheit, Reisefreiheit, Freiheit der Religionsausübung auf vorerst unbestimmte Zeit in einer Weise beschnitten, wie es noch nicht einmal in Zeiten schlimmster Diktatur der Fall war.“

Bischof Rudolf trägt diese Entscheidungen mit, „weil wir uns gerade auch als Kirche nicht mitverantwortlich machen dürfen für eine Situation, in der unser Gesundheitswesen  zusammenbrechen würde.“

Seine Frage aber lautet: „Lässt sich das Bundesverfassungsgericht nicht plötzlich doch auch noch von anderen Gesichtspunkten leiten als nur der Wahrung der grenzenlosen Autonomie des Einzelnen? Und bringt die gegenwärtige Krise die Rechts-Philosophie der grenzenlosen Autonomie nicht doch an ihre Grenzen?“

Der Regensburger Bischof stellt im Licht der Osterbotschaft die zentrale Frage, die viele Menschen jetzt bewegt: Wie geht es weiter? Was bedeutet die Pandemie?

Denjenigen, die in der lähmenden Pandemie eine Strafe Gottes erkennen wollen, pflichtet der Bischof nicht bei: „Gott ist Gott und kein Mensch, der von Stimmungen oder gar Kränkungen abhängig wäre.“ – Vielmehr seien es die Folgen unseres Tuns, die jetzt auf uns zurückfallen:

„Ist es nicht vielmehr so, dass wir uns selbst bestrafen, wenn wir uns nicht an den Lebensweisungen Gottes orientieren? Wiederum biblisch gesprochen: „Wer sündigt, ist der Feind seines eigenen Lebens“ (Tob 12, 10).“

Etwas salopper mit der alten Lebensweisheit gesagt: „Wer zum Himmel spuckt, trifft sich selbst.“

Es sei der Mensch selbst, der dem Corona-Virus die Türen geöffnet hat: „Die Pandemie und ihre Auswirkungen sind die Folge einer Kette von Schuld und menschlichem Versagen, in der sich menschliche Hybris, Stolz, Leichtsinn und Profitgier zu einer unheilvollen Allianz verbinden.“

Bischof Rudolf entfaltet diesen Gedanken sodann: Eine Zeit der Lähmung habe Israel während der Babylonischen Gefangenschaft erlebt:

„Zu den beeindruckendsten Erkenntnissen seiner Besinnung gehört das Wort aus dem Zweiten Buch der Chronik im Alten Testament: „Dem Land wurden seine Sabbate ersetzt“ (2 Chr 36,21). Das heißt: Die Zeit der erzwungenen Ruhe im Exil wurde Israel zu einer Zeit, in der es all die Sabbate nachholen konnte, die es zuvor unter Missachtung der heilsamen Weisung Gottes verschleudert hatte. Der Sabbat steht dabei (…) für ein Leben im Einklang mit dem Schöpfergott und seiner Schöpfung.“

Was wir brauchen ist „ein Ethos für den Menschen im Einklang mit dem Schöpfer und der Schöpfung.“ Dieses Ethos findet in der europäischen Tradition seinen Ausdruck u.a. in der Naturrechtslehre.

Bischof Rudolf weiter: „Ich frage: Brauchen wir nicht eine neue, zeitgemäße Formulierung einer Naturrechtslehre, die ausgeht von einer größeren Wahrnehmung und Wertschätzung des von der Schöpfung Vorgegebenen; Schöpfung neu zu denken, die eben nicht weitgehend ein Konstrukt des Menschen, sondern Gabe des Schöpfers ist.“

Der Regensburger Oberhirte entfaltet einen umfassenden Begriff ökologischer Verantwortung, in deren Mitte eine Ökologie des Menschen stehen müsse, die bereits Papst Benedikt XVI. in seiner Rede vor dem deutschen Bundestag in die deutsche Debatte eingeführt hat:

„Das fängt an bei der Achtung der Positivität der Geschlechterdifferenz des Menschen, der von Gott als Mann und Frau geschaffen wurde. Hierher gehören alle Themen des Lebensschutzes, an seinem Beginn und in Alter und Hinfälligkeit. Das hat Konsequenzen für einen ehrfurchtsvolleren Umgang mit der Weitergabe des Lebens, Stichwort: Fortpflanzungsmedizin.

Mehr Achtung, Ehrfurcht und Respekt auch vor der Wirklichkeit von Vaterschaft und Mutterschaft. Das muss letztlich auch Konsequenzen haben für eine artgerechte Tierhaltung und auch für gerechtere Preise für entsprechende landwirtschaftliche Produkte.

Wir brauchen, so scheint mir, eine Reformulierung der Naturrechtslehre, die die Schöpfungsordnung und Erlösungsordnung aufeinander bezieht und daraus eine Antwort entwickelt auf die Katastrophe der Gegenwart.“

Bischof Rudolf rief dazu auf, die Osterbotschaft jetzt und gerade in der existentiellen Erfahrung der Krise im täglichen Leben zu bekennen:

„Wenn wir die Krise, so schwer sie auch auf uns lastet, als Aufruf zur Gewissenserforschung nehmen, kann auch tatsächlich Segen und Heil aus ihr erwachsen. Und bitten wir um Gottes Geist, dass er uns helfe, die Bitte der Oration des heutigen Ostersonntags wahr werden zu lassen: „Schaffe uns neu, o Gott, damit auch wir auferstehen und im Licht des Lebens wandeln“. 

Text-Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/das-corona-virus-hat-sich-der-mensch-selbst-geholt-eine-seuche-zeigt-uns-die-grenzen-menschlicher-autonomie-7394/


Münster: Warum Bischof Genns Hirtenwort zur Fastenzeit enttäuschend ist

Von Felizitas Küble

Der Oberhirte von Münster, Dr. Felix Genn, hat zur österlichen Bußzeit einen Hirtenbrief herausgebracht, der am 1. Fastensonntag in allen Sonntags- und Vorabend-Messen des Bistums verlesen wurde.

Daß darin nichts von der Corona-Krise erwähnt wird, kann man dem Bischof wohl nicht ankreiden, da er seine Stellungnahme bereits am 2. Februar verfaßt hat, somit vier Wochen vor der öffentlichen Verlesung in den Kirchen seiner Diözese. (Wir wollen freilich davon absehen, daß unser CHRISTLICHES FORUM schon am 24. Januar über das Corona-Problem informiert hat: https://charismatismus.wordpress.com/2020/01/24/universitaetsmedizin-mainz-zum-corona-virus/)

BILD: In manchen Kirchen wurde Bischof Genn bei der Verlesung seines Hirtenworts auf einer großen Leinwand präsentiert

Das Bischofswort enttäuscht vielmehr aus anderen Gründen – einige seien hier aufgeführt:

1. Als „geistliche Übungen“ der Fastenzeit erwähnt er das Gebet, das Fasten und das Geben. Und was ist mit der Beichte? Diese kommt im gesamten Hirtenwort nicht ein einziges Mal vor.

2. Stattdessen erweckt es den irreführenden Eindruck, als sei der „Synodale Weg“ eine Folge der Missbrauchskrise: Durch den daraus entstandenen „Vertrauensverlust“ in die Kirche hätten die deutschen Bischöfe sich für den Synodalen Prozess entschieden. Was hat aber das eine mit dem anderen zu tun?

Soll etwas dieser Synodale Prozess eine gründliche Aufarbeitung der Missbrauchstaten und ihrer häufigen bischöflichen Vertuschung ersetzen oder zumindest aus dem Fokus rücken?

Indirekt gibt Bischof Genn freilich selber zu, daß es bei diesem Synodalen Weg um etwas ganz Anderes als die Missbrauchsproblematik geht, wenn er erklärt, man wolle hierbei Antworten suchen auf Fragen, „die seit vielen Jahren in der Diskusson sind“ – eben: die altbekannten Reformforderungen nämlich!

Dann schlägt er den Gläubigen das „gemeinsame Gebet zum Synodalen Weg“ vor und empfiehlt sogar das Fasten als „leibhaftigen Ausdruck“ der „inneren Anteilnahme“ – am Synodalen Weg und Gebet wohlgemerkt. Damit vereinnahmt der Bischof die traditionellen Fastenübungen der Gläubigen für sein eigenes Plädoyer zugunsten dieses Synodalen Prozesses.

3. Sodann erläutert der Münsteraner Oberhirte, der Heilige Geist sei „bei diesen Überlegungen anwesend“. Wir sollten diesem Geist „zutrauen“, daß er uns führe und auch „mit Lösungen überraschen“ könne, die wir jetzt noch „gar nicht erahnen“ – und so werde dieser Synodale Weg „Früchte des Geistes“ tragen.

Wie dürfen wir das verstehen?

Sollte der Heilige Geist der Kirche Christi nach 2000 Jahren sozusagen ein neues Licht aufsetzen? Benötigt ER hierfür zudem einen von deutschen Bischöfen angestoßenen „Synodalen Prozess“ mit Mehrheitsprinzip bei Abstimmungen? Soll der Heilige Geist das absegnen, was der Herren eigener Geist sich ausgedacht hat – als „Überraschung“ für das gläubige Kirchenvolk?

4. Merkwürdig erscheint auch folgende „Logik“ des Bischofs:

So wie wir auf die anderen Menschen hören, können wir uns auch innerlich ganz dem Wort Gottes, das uns in der Verkündigung in den Texten der Heiligen Schrift entgegenkommt, einlassen. Bringen wir die unterschiedlichen Wirklichkeiten unseres Lebens mit dem Wort Gottes ins Gespräch, so werden wir fähig, sie als Zeichen Gottes in die-ser Welt und in dieser Zeit zu deuten.“

Wir sollen also „sie“ (!)  – nämlich die „unterschiedlichen Wirklichkeiten unseres Lebens“  – als „Zeichen Gottes in dieser Welt“ deuten. Wohlgemerkt: Nicht „es“ (das Wort Gottes!), sondern „sie“, diese Wirklichkeiten nämlich!

5. Im Hirtenbrief kommt nicht nur das Bußsakrament nicht vor, auch die Gebote Gottes werden nirgends erwähnt. Stattdessen heißt es, eine „Fastenübung“ könne in dem „Verzicht“ bestehen, „unter Druck zu schnellen Lösungen zu kommen“, weil dies danebengehen könne.

Weiter: „Wir werden erst sehen können, ob eine Entscheidung richtig ist, wenn daraus Friede, Trost, tiefe ruhe und Zuversicht erwachsen.“ – Das sind sicherlich erfreuliche Empfindungen, aber der eigentliche Maßstab sind nicht unsere Gefühle und Gemütsstimmungen, sondern der Vergleich unserer Taten mit den Geboten Gottes und der Botschaft Christi.

Quelle für die Zitate: https://www.bistum-muenster.de/fileadmin/user_upload/Website/Downloads/Aktuelles/Publikationen/Kirchliches-Amtsblatt/2020/2020-02_Amtsblatt_Nr._2_Beilage.pdf


Regensburg: HIRTENBRIEF an die Gläubigen von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer

Wortlaut des Hirtenbriefs „Ostern unter den Beschränkungen der Corona-Krise“ von Bischof Voderholzer, Oberhirte des Bistums Regensburg:

Liebe Kinder, liebe jugendliche und erwachsene Schwestern und Brüder im HERRN! 

1. Schon zum zweiten Mal wende ich mich in dieser Fastenzeit auf diesem Wege an Sie. Aber die rasante Entwicklung, die die Coronakrise in den letzten Wochen genommen hat mit ihren gewaltigen Auswirkungen auch auf das kirchliche Leben, drängt mich, als Bischof zu Ihnen zu sprechen.

Erstmals in der Geschichte der Kirche wird es nicht möglich sein, unser höchstes Fest, das Fest der Auferstehung Christi, in leibhaftiger Gemeinschaft zu feiern. Niemand hätte sich das noch vor vier Wochen vorstellen können!

2. Bevor ich ein paar Hilfen anspreche, wie wir in dieser Situation trotzdem Ostern feiern können, will ich mich zuallererst an die von Ihnen wenden, die erkrankt sind, unter strenger Quarantäne stehen oder gar um ihr Leben bangen. Unsere Gedanken und Gebete sind bei Ihnen. Seien Sie gewiss: Der HERR, der sein Leben für uns am Kreuz hingegeben hat, ist bei Ihnen. Er verlässt Sie nicht!

Mit der Kirche beten wir für Sie: Der HERR nehme von Ihnen alle geistigen und körperlichen Schmerzen. In seinem Erbarmen richte ER Sie auf und mache Sie gesund an Leib und Seele. 
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3. Ein ebenso großes Anliegen ist es mir, einen tief empfundenen Dank aussprechen:

– Allen, die in den Krankenhäusern, Altenheimen, Sozialstationen, Laboren und sonstigen Einrichtungen unter Einsatz all ihrer Kräfte kranken Menschen beistehen, Not lindern, Diagnosen stellen und mit Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffes arbeiten.

– Allen, die in der Politik, in der Wirtschaft und in den vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen täglich neuen Herausforderungen begegnen, die ohne Beispiel sind und wo besonnene und gut überlegte Entscheidungen von oft großer Tragweite gefällt werden müssen.

– Als Bischof ist es mir ein besonderes Anliegen, auch den Pfarrern und den pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den vielen Frauen und Männern in den Pfarreien zu danken. Ich habe viel telefoniert und im Internet recherchiert, auch viele Rückmeldungen und Emails bekommen.

Die Kreativität, die ich beobachte im Umgang mit dieser außergewöhnlichen Situation, der Ideenreichtum und auch die Leidenschaft, trotz oder gerade in dieser so belastenden Situation für die Menschen da zu sein und das kirchliche Leben aufrecht zu erhalten, das Evangelium zu verkünden und Gottes Zuwendung zu vermitteln, all das bewegt mich sehr und ich bin stolz auf Sie alle! Vergelt‘s Gott Ihnen allen!

Und ich bitte Sie, nicht nachzulassen, gerade im Blick auf die besonders bedürftigen: alte, kranke, demente, behinderte Menschen.

– Ich danke schließlich von Herzen allen kirchlichen Mitarbeitern, die jetzt die durch Freistellung vom Dienst geschenkte Zeit nützen, sich ehrenamtlich einzubringen in den zahlreichen Initiativen der Sorge um Schülerinnen und Schüler, kranke, behinderte und alte Menschen.

4. Die durch die Corona-Pandemie verursachte Situation unterscheidet sich von den bisher bekannten Krisen wie Kriegszeiten oder Naturkatastrophen. Die jetzige Krise betrifft die gesamte Menschheit, die sich gerade in dieser Bedrohung als Einheit erfährt. Und sie unterscheidet sich dadurch, dass ein Heilmittel, ja das größte und wichtigste Heilmittel, nur sehr eingeschränkt verfügbar ist: die konkret und auch leiblich erfahrbare Gemeinschaft untereinander.

Kirchlich fehlen uns die Feier der gottmenschlichen Gemeinschaft in der Versammlung der Schwestern und Brüder und auch die Feier der Versöhnung in der Beichte sehr.

Statt Ihnen zurufen zu können: Kommt zusammen, unterstützt Euch, greift Euch unter die Arme, ja nehmt Euch in die Arme – muss ich Ihnen mit allen Fachleuten den bitteren Rat geben: Vermeiden Sie die körperlichen Kontakte und menschliche Nähe, gehen Sie sich so gut wie möglich aus dem Weg.

Das ist deshalb so schlimm, weil wir Menschen auf die Gemeinschaft hin angelegt sind. Soziale Kontakte zu reduzieren betrifft das Menschsein im Kern. Da gibt es nichts zu beschönigen! Jeder und jede, die darunter leidet, empfindet vollkommen richtig.

Aber die Vernunft und die christliche Nächstenliebe zwingen uns zu dieser Maßnahme. Denn so können wir mithelfen, die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen, der gegenüber wir so hilflos sind, weil es noch keinen Impfstoff gibt und kein adäquates Medikament. Die Nachrichten, die uns aus Italien, aus Spanien und auch aus den USA erreichen, müssen uns eine dringende Warnung sein und ein Appell, dem Rat der Experten und den Weisungen der Regierung zu folgen.

Aber, liebe Schwestern und Brüder, wir lassen uns nicht unterkriegen! Wir bleiben eine Gemeinschaft, wir bleiben in Kontakt  –  untereinander und mit unserem HERRN. Und: Wir werden Ostern feiern, wenn auch ein wenig anders, als wir es gewohnt sind und es eigentlich vorgesehen ist.

5. Die Oster-Liturgie wird heuer im kleinsten Kreis begangen. Der Bischof feiert mit seinen engsten Mitarbeitern im Dom, die Pfarrer in ihren Pfarrkirchen mit den engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Wir dürfen auf das Prinzip „Stellvertretung“ vertrauen! Der Bischof und die Priester feiern ja nicht für sich und privat. In dieser Situation wird uns besonders bewusst: Ins Gebet der Kirche sind immer alle eingeschlossen, insbesondere sind wir im gemeinsamen Leib Christi in der Tiefe miteinander verbunden.

Ich weiß, dass all dies niemals ein wirklicher Ersatz sein kann. Aber es ist doch immerhin eine Notlösung, von der wir hoffen und beten, dass sie bald wieder abgelöst wird von der gemeinschaftlichen Feier.

Gebe Gott, dass die uns jetzt auferlegten Beschränkungen die Sehnsucht nach der gottesdienstlichen Gemeinschaft und nach dem Brot des Himmels wachsen lasse.

Die Erfahrungen, die wir in den letzten Tagen mit den Internet- und Fernsehübertragungen gemacht haben, sind sehr ermutigend. Viele Tausende von Schwestern und Brüdern haben mithilfe der Technik an der Gebetsgemeinschaft teilnehmen können. Ich danke allen, die die technische Übertragung möglich machen! Und ich bitte Sie, diese Möglichkeiten jetzt in den kommenden Tagen der Karwoche und der Osterzeit noch verstärkt zu nützen. 

Wir versuchen, auf der Homepage des Bistums und in den Zeitungen alle wichtigen Informationen dazu bereit zu stellen. Ich bitte Sie, sich dort auf dem Laufenden zu halten. Helfen Sie denen, die, aus welchen Gründen auch immer, vom Informationsfluss abgeschnitten sind.

Ich bitte Sie herzlich, stehen Sie gerade den älteren Menschen bei, die vielleicht keinen Computer und so auch keinen Zugang zum Internet haben. Unterstützen Sie sie, damit sie die Möglichkeiten ausschöpfen können, die Rundfunk und Fernsehen bieten.

Ich weiß, dass vielen in diesen Tagen das Programm von Radio Horeb zum Segen gereicht. Helfen Sie zusammen, dass alle die entsprechenden Sender finden.

6. Darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten, in den eigenen vier Wänden „Hauskirche“ zu gestalten. Das Gotteslob, mit dem man schon bei den im Fernsehen und im Internet übertragenen Messfeiern mitsingen kann, enthält etliche Andachten und Gebete für den einzelnen oder die Hausgemeinschaft: Kreuzwegandachten, Passionsandachten, Osterandachten.

Wir werden Ihnen zusätzlich Vorlagen für Hausgottesdienste zur Verfügung stellen.

Die Regensburger Sonntagsbibel, die mittlerweile in vielen Haushalten ihren festen Platz hat, enthält alle Schrifttexte aller österlichen Gottesdienste. Die reiche Bebilderung gerade der Passionsberichte am Palmsonntag und am Karfreitag lädt zur Betrachtung und zum verweilenden Gebet ein. Auch die Sonntagszeitung ist uns hier eine große Hilfe!

Ich verweise auch auf die alte Tradition, daheim einen Hausaltar zu gestalten: ein Kreuz, ein Bild, die aufgeschlagene Bibel, Blumen, Kerzen. Gerade im Monat Mai war es in vielen Häusern üblich, einen Mai-Altar zu bauen, und ich lade ein, diese Traditionen lebendig zu halten oder wiederzubeleben.

Und wie wir an Weihnachten eine Weihnachtskrippe aufstellen, so gibt es auch die Möglichkeit, eine Passions- oder Osterkrippe zu bauen. Auf unserer Homepage und auch auf „Jahreskrippen.de“ finden Sie dazu Anregungen!

7. Dazu kommen die vielen Elemente des Brauchtums, die die Liturgie traditionell begleiten und uns in dieser Situation noch hilfreicher sind als sonst.

Die heuer in Heimarbeit (und nicht in froher Runde) gestalteten Palmbuschen, die in den Kirchen gesegnet werden, sollen wie immer unsere Kreuze schmücken, Christus, dem König der Könige, huldigen und den Segen in den Stall und auf die Felder tragen.

Die Osterkerze wird auch im Jahr 2020 die Kirche erhellen und uns Christus nahe bringen als das Licht, das die tiefste Finsternis erhellt, sogar Licht bringt in die Dunkelheit von Grab und Tod. Auch zuhause darf das österliche Licht brennen. Viele haben schon immer ihre Osterkerze selbst verziert mit Auferstehungsmotiven; eine gute Möglichkeit, sich gerade auch dieses Jahr auf Ostern vorzubereiten!

Bereiten Sie auch heuer einen Speisenkorb vor zum Ostersonntag. Der Segen aus dem Dom und aus der Pfarrkirche kann von Ihnen aufgenommen werden in einer häuslichen Feier zum Osterfrühstück, wofür wir Ihnen auch eine Vorlage vorbereiten.

Zu den österlichen Zeichen gehört nicht zuletzt das gesegnete Osterwasser, das uns an die Taufe erinnert und an das göttliche Leben. Im Dom werden wir es in kleinen Gefäßen abfüllen und zum Mitnehmen bereitlegen. Ich weiß, dass es viele Pfarreien auch so handhaben. Besprengen Sie die Gräber mit dem Osterwasser und verbinden Sie damit das Gebet für die Verstorbenen.

8. Ein Wort an alle, die sich gewünscht hätten, dass die Kirche mehr auf ihre Rechte und die Freiheit der Religionsausübung pocht: Sie haben insofern Recht, als die Kirche nicht nur systemrelevant, sondern sogar heilsrelevant ist!

Und auch insofern, als die Eucharistie als „Arznei der Unsterblichkeit“ (Ignatius von Antiochien) noch wichtiger ist als alle anderen Medikamente.

Aber der Staat stellt doch nicht das Christsein unter Strafe, wie einst das römische Reich in den Zeiten der Christenverfolgung, als die Christen als Staatsfeinde angesehen wurden, weil sie den Staatskult ablehnten. Im Jahr 304 ließen sich tatsächlich die Märtyrer von Abitene lieber verhaften und totschlagen, als auf die gemeinsame Feier der Eucharistie zu verzichten. 

Aber das ist überhaupt nicht vergleichbar. Ich distanziere mich ausdrücklich von allen Verschwörungstheorien und danke unseren verantwortlichen Politikern für ihr entschlossenes Handeln. Nur gemeinsam und im oben beschriebenen Sinn werden wir diese Krise meistern und auch dieses Jahr Ostern feiern.

Und ich vertraue auch darauf, dass die Verantwortlichen Maß und Ziel kennen. Nicht dass wir zwar vom Corona-Virus verschont bleiben, dafür aber an Verarmung oder Vereinsamung und gebrochenem Herzen sterben.

9. Die Zeit wird freilich auch kommen, da wir in uns gehen und uns werden fragen müssen, was wir aus dieser epochalen Krise lernen.

Schon jetzt erfahren wir schmerzhaft, wie hinfällig und gefährdet unser Leben ist, wie sehr wir angewiesen sind auf Gottes Segen und die Kraft von oben. Sicherheiten werden uns aus der Hand geschlagen und Allmachts-Phantasien zertrümmert.

Vielleicht werden tatsächlich dem Land die Sabbate ersetzt, die ihm vom Kult schier grenzenlosen Wachstums geraubt worden waren (vgl. 2 Chr 36,21).

Der Sabbat steht dabei nicht nur für eine Unterbrechung des profanen Geschäftsbetriebs, sondern zu allererst für eine bewusste Hinordnung auf Gott. Aber diesen Fragen werden wir uns verstärkt zuwenden müssen, wenn wir das Tal der Tränen durchschritten haben.

10. Liebe Schwestern und Brüder, in früheren Zeiten haben Menschen in großer Not eine Wallfahrt gelobt als Bußwerk. Selbst dies ist uns jetzt verwehrt. Aber ich lade Sie ein, ein Gebetsanliegen, eine Bitte oder einen Dank, an den Verein der Regensburger Fußwallfahrt nach Altötting zu senden.

Wir wollen den Anliegenrucksack füllen und unser Gebet auch dieses Jahr zum Herzen Bayerns nach Altötting tragen; und wenn es nur eine Gruppe von zwei Pilgern stellvertretend für alle ist. 

11. Wenn die Pandemie dann aber überstanden ist, werden wir ein großes Fest feiern und eine diözesane Dankwallfahrt begehen, zu der ich jetzt schon herzlich einlade! Alle Details werden geklärt und bekanntgegeben, sobald die Zeit dafür gekommen ist.

Auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria, der Heiligen und Seligen unseres Bistums sowie aller Heiligen segne und bewahre Sie und Euch alle vor aller Krankheit der dreifaltige Gott, der + Vater und der + Sohn und der + Heilige Geist.

Regensburg am Hochfest der Verkündigung des HERRN, 25. März 2020
+ Rudolf, Bischof von Regensburg

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/fileadmin/redakteur/News/PDF/2020_-_Hirtenwort_-_Corona_-_Langfasssung.pdf

 


Neuer Bischof in Augsburg: CSU-Fraktion gratuliert Prälat Bertram Meier

Zur Ernennung von Prälat Bertram Meier zum neuen Bischof von Augsburg gratuliert der kirchenpolitische Sprecher der CSU-Fraktion, Alex Dorow im Namen der gesamten Fraktion:

„Mit Dr. Bertram Meier bekommt das Bistum einen erfahrenen und gewandten Bischof, der sowohl reiche Erfahrung aus verschiedenen römischen Aufgaben als auch eine gute Kenntnis von Land und Leuten in seiner Diözese mitbringt.

Als gebürtiger Buchloer ist er in Bayern zuhause, als Diözesanadministrator leitete er zuletzt mit großer Umsicht die Geschicke der Diözese in der Zeit der Sedisvakanz.

Die Landtagsfraktion freut sich, mit Bertram Meier einen über die Grenzen Bayerns hinaus bekannten und klugen Theologen und Seelsorger als Ansprechpartner zu haben, der die Herausforderungen für die katholische Kirche in der Gesellschaft kennt und den Dialog mit den Menschen zu führen weiß.
Für das neue Amt wünscht die CSU-Landtagsfraktion Fortune, Erfolg und Gottes reichen Segen.“

 


Der Regensburger Oberhirte feierte am 26. Januar den 7. Jahrestag seiner Bischofsweihe

Am Sonntag, dem 26. Januar 2020, hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer eine Pontifikalvesper anlässlich des siebten Jahrestags seiner Weihe zum Bischof gefeiert. Der Regensburger Oberhirte wurde am 26. Januar 2013 zum Bischof geweiht.

Im Anschluss an den Gottesdienst im Regensburger Dom zeichnete er verdiente Priester und Weltchristen (Laien) aus. Die Feierstunde fand im Kolpinghaus Regensburg statt.

Im Namen der Diözese dankte Generalvikar Michael Fuchs dem Bischof „für Ihre Orientierung, Ihren Glauben und Ihr rechtes Maß“.

Die Vesper im Dom St. Peter feierten das Domkapitel, zahlreiche Priester sowie Vertreter der benachbarten Kollegiatstifte und Gläubige, die als Fahnenabordnungen der Verbände fungierten sowie viele weitere Teilnehmer.

In seiner Predigt sagte der Bischof, dass er sieben Jahre zuvor an diesem Ort versprochen hat, die Treue zum Weiheversprechen zu halten.

Erzbischof Reinhard Marx fragte ihn damals nach seiner Bereitschaft, im Dienst am Evangelium Christi dieses treu und unermüdlich zu verkündigen und somit das Glaubensgut rein und unverfälscht weiterzugeben. Darauf habe er jeweils geantwortet: „Ich bin bereit.“

„In den vergangenen Tagen haben mich viele Menschen gebeten, meinem Weiheversprechen treu zu bleiben“, erklärte der Oberhirte weiter.

Er erinnerte außerdem daran, dass er fünf Jahre zuvor bei dieser Gelegenheit im Dom angekündigt hatte, die „noch ernsthaftere Aufarbeitung der Missbrauchsfälle“ anzugehen: „Bei der Kooperation mit den Opfern sind wir einen guten Weg gegangen.“

Der Aktivist Matthias Katsch vom „Eckigen Tisch“ sowie Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, hätten das Bistum Regensburg mit seinen Bemühungen bei der Aufarbeitung als Leuchtturm bezeichnet.

Der Bischof verwies auf die Sorgen von Papst Franziskus, der in seinem Schreiben auf den Rückgang der Glaubenspraxis, des Gebets und der Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistiefeier hingewiesen hat. Insgesamt gehe es um die tiefere Liebe zu Christus.

Dagegen verwies er auf andere kirchliche Gemeinschaften, in denen es die derzeit infrage gestellten „Hemmnisse“ eines verpflichtenden Zölibats sowie weiterer Regelungen nicht gibt, wo aber auch nicht der Glaube aufblühe.

„Wir müssen viel tiefer ansetzen“, sagte der Bischof. Er machte auf Jesus Christus selbst aufmerksam, der den Menschen in der entscheidenden Situation nicht nachgelaufen ist. Vielmehr fragte er, als sich die meisten von ihm abwandten: „Wollt auch ihr gehen?“ –  Und Petrus erklärte daraufhin: „HERR, wohin sollen wir gehen?“-  Papst Franziskus hat in diesem Sinne zur Evangelisierung geraten.

Deshalb werde es darauf ankommen, sich in einem ersten Schritt fragen, wie mit der eigenen Liebe zu Christus bestellt sei  – ob sie eventuell erkaltet ist? „Was aber in mir nicht brennt, kann nicht auf andere überspringen.“

Dann aber gehe es darum, im Sinne des 2. Vatikanum dem Weltauftrag und Weltdienst nachzukommen und in Wissenschaft, Kultur, Medien die Welt aus dem Geist des Evangeliums heraus zu gestalten.
Dr. Voderholzer sprach von einer Verlebendigung des Glaubens im Bistum Regensburg. 

Während des folgenden Festaktes im Kolpinghaus würdigte der Bischof verdiente Priester und Laien.

BILD: Der Regensburger Bischof mit den ausgezeichneten Priestern und Laien (Foto: Dr. Veit Neumann)

Die Auszeichnung zum Päpstlichen Ehrenkaplan (Monsignore) erhalten Pfarrer Martin Martlreiter aus Dingolfing-St. Johannes und Pfarrer Anton Schober aus Thalmassing-Wolkerin

Bischof Dr. Voderholzer verlieh außerdem Ehrungen als Bischöflich-Geistliche Räte an: Pfarrer Stefan Anzinger, Ergoldsbach-Bayerbach Pfarrer Thomas Jeschner, EschenbachPfarrer Holger Kruschina, Roding  – Pfarrer Andrzej Kuniszewski, Tegernheim Pfarrer Varghese Puthenchira, Weiherhammer-Kaltenbrunn-Kohlberg  – Pfarrer Josef Schemmerer, Chammünster Pfarrer Andreas Weiß, Bruck

Die St. Wolfgangs-Verdienstmedaille erhielten Gerlinde Bayer (Ihrlerstein), Margaretha Fischer (Bodenmais) und Erich Weber (Regensburg).

Quelle (Text / Fotos): Bistum Regensburg


PREDIGT von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zum Hochamt am Weihnachtsfest 2019

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Wenn wir nachher das große Glaubensbekenntnis singend beten, im Wechsel und begleitet von unserem Domchor, dann werden wir uns, das ist eines der besonderen Zeichen in der Weihnachtsmesse, an einer Stelle des Credo hinknien, und zwar wenn wir bekennen:

„… et incarnatus est de Spiritu sancto ex Maria virgine, et homo factus est. – und er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.“

Dieser Bekenntnissatz, der heute aus Anlass des Hochfestes der Geburt Christi im Unterschied zum übrigen  –  einstimmig choraliter gesungenen Credo  –  mehrstimmig auskomponiert sein wird, ist das Festgeheimnis von Weihnachten.

Weihnachten ist das Fest der Inkarnation Gottes, der Fleischwerdung Gottes. Gott überbietet alle Weisen der Mitteilung in Schöpfung, Berufung der Propheten, Übermittlung der 10 Gebote usw., er überbietet sie dadurch, dass er selbst in die Geschichte eingeht.

Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott zu uns gesprochen durch die Propheten. In dieser Endzeit nun aber hat er uns gesprochen durch den Sohn. So sagt es der Hebräerbrief, und so haben wir es in der 2. Lesung wieder gehört. Gott und seine Botschaft werden in Jesus Christus eins.

Das Zeichen der Kniebeuge zum Inkarnationsbekenntnis ist nicht nur ein regionaler Brauch, sondern ist ausdrücklich in den Rubriken des Messbuchs vorgesehen und somit Bestandteil der heiligen Liturgie.

Es bringt zum Ausdruck, welch zentrale Bedeutung der Glaube an die Inkarnation, an die Menschwerdung, an die Fleischwerdung Gottes für den christlichen Glauben hat.

Papst Franziskus hat in seinem Schreiben an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland vom Juni des zurückliegenden Jahres und im Blick auf den geplanten Synodalen Weg in Deutschland von einer elementaren Krise des Glaubens in unserem Land gesprochen.

Diese Krise ist vermutlich zuallererst eine Krise des Christusglaubens, eine Krise des Glaubens in Bezug auf die Inkarnation, also in Bezug darauf, wer Jesus Christus wirklich ist.

Es besteht die begründete Sorge, dass selbst für viele Christen in unserem Land dieser Jesus von Nazaret zwar ein besonders religiöser und auf seine Weise genialer Mensch war. Dass man aber seine Botschaft letztlich doch von seiner Person trennen kann, sie mit anderen Botschaften kombinieren kann, so dass immer noch ein gewisser Sinn gewahrt bleibt.

Aber „der historische Jesus ist dann nicht mehr die Offenbarkeit Gottes selbst in Raum in Zeit; nicht mehr der Weg, die Wahrheit und das Leben‘ (Joh 14,6), sondern bestenfalls einer unter anderen Wegweisern und Weisheitslehrern.

Doch: Wenn der historische Jesus nicht die Gemeinschaft mit Gott ist; wenn sich der Sinn von Welt und Geschichte nicht an ihm ablesen lässt, dann ist das zentrale Dogma des christlichen Glaubensbekenntnisses von der Fleischwerdung des göttlichen Logos nur noch Mythos oder Chiffre – kompatibel mit den Wahrheitsansprüchen anderer Religionen“ (Karl-Heinz Menke).

Die Unsicherheit und Unbestimmtheit in Bezug auf das zentrale Bekenntnis von Weihnachten, das Schwachwerden des Inkarnationsglaubens hat enorme Folgen für die übrigen Glaubensinhalte, gerade auch für die, über die jetzt beim so genannten Synodalen Weg gesprochen werden soll.

Kurt Kardinal Koch hat einmal eindrucksvoll gezeigt (vgl. Kurt Koch, Sakramentales Zeichen für den Geschenkcharakter des kirchlichen Lebens. Der heutige Priester auf der Suche nach seiner kirchlichen Identität, in: Klerusblatt 83 (2003) 170–178. Hier 170f.), wie geradezu in einem Domino-Effekt alle weiteren Glaubensinhalte fallen, wenn das zentrale Geheimnis der Inkarnation nicht mehr erfasst wird.

Denn wenn Jesus letztlich nur ein Mensch gewesen ist wie jeder andere, dann kann schon einmal auch die Kirche nicht mehr als ein sakramentaler Organismus, nämlich als Leib Christi, wahrgenommen werden. Kirche wird zu einer soziologischen Organisation wie viele andere gesellschaftliche Institutionen auch.

Dabei besteht die große Gefahr, dass die Kirche nur noch als ein Verwaltungsapparat erscheint, wie ein Skelett ohne Fleisch daherkommt und verständlicherweise statt Hoffnung und Zuversicht zu wecken eher Angst auslöst.

Unser christliche Glaube aber steht und fällt mit der Überzeugung, dass der menschgewordene, für uns am Kreuz gestorbene und auferstandene Christus der Herr seiner Kirche ist, dass er in der Kraft seines Geistes in ihr gegenwärtig bleibt und sie zu seinem sakramentalen Leib macht.

Wenn Jesus nur ein Mensch und die Kirche demzufolge auch nur eine rein menschliche Institution ist, dann folgt zweitens, dass auch die Eucharistie eine bloße Veranstaltung der Kirche ist, genauerhin  –  um es mit Kurt Koch überspitzt zu formulieren  – „ein permanentes Requiem für den toten Jesus oder gar eine liturgische Heldenfeier, nämlich ‚Totenkult‘ und damit ein weiterer Ausdruck „unserer Trauer über die Allmacht des Todes“ in der heutigen Welt (Joseph Ratzinger).

Unser Glaube aber lebt von der Gewissheit, dass der in der Liturgie eigentlich Handelnde Christus selbst ist, der für uns Mensch geworden ist, der durch Kreuz und Tod hindurchgegangen und als der Erhöhte in der Kraft seines Geistes bei seiner Kirche und ihrer Feier der Eucharistie gegenwärtig ist.

Wenn Jesus nur ein Mensch gewesen, die Kirche eine rein menschliche Institution und die Eucharistie Kult eines Toten ist, dann folgt ganz konsequent, dass es drittens auch keinen Priester braucht, der der Eucharistie vorsteht, um den auferstandenen Christus sakramental, realsymbolisch in und gegenüber der Kirche zu repräsentieren und in seinem Auftrag und in seiner Person  –  in persona Christi capitis ecclesiae – zu handeln.

Es würde genügen, wenn jemand Theologie studiert hat. Aber eine Weihe bräuchte es nicht, der Auftrag der Gemeinde würde genügen, um dieses Geschehen zu vollziehen.

Nach katholischer Überzeugung aber ist die Feier der Eucharistie gerade Höhepunkt und Quelle kirchlichen Lebens und so auch im tiefsten der Lebensort, an dem uns  geschenkt wird, was uns übersteigt und was wir nicht aus uns selbst hervorbringen können. Weil Kirche-Sein nicht eine „natürliche Möglichkeit menschlicher Gemeinschaft“ ist, darum gibt es in ihr das geweihte Amt, „das nicht eine Sache der Delegation ist, sondern der sakramentalen Sendung“ (Eva-Maria Faber).

Die notwendige Weihe erinnert daran, ja sie schützt und bewahrt die Tatsache, dass wir Offenbarung und Erlösung nicht selbst hervorbringen, sondern aus Gottes Gnade von außen her geschenkt bekommen und annehmen dürfen; in der Annahme freilich auch mitwirken dürfen am Heilsgeschehen. Das führt uns zu einer weiteren Konsequenz:

Denn viertens hängt ohne den Glauben an die Menschwerdung Gottes und nach Auflösung der sakramentalen Struktur der Kirche auch die Berufung zum priesterlichen Dienst oder zum Ordensleben mit seiner spezifischen Lebensform in der Luft.

Ohne den Glauben an den Mensch gewordenen und auferstandenen Christus wird die Ehelosigkeit um des Himmelsreiches willen zu einem kuriosen Unterfangen. Allenfalls, etwa im Blick auf den Dalai Lama, kann etwas dergleichen noch als exotische Askese-Form hingenommen werden. Aber die eigentliche Bedeutung, nämlich ein eschatologisches Zeichen der Hoffnung zu sein, fällt aus.

Was sollte es auch für einen Sinn haben, auf etwas menschlich so Großes und Wertvolles wie Ehe und Familie zu verzichten, wenn es kein Leben nach dem Tod gibt?

Wer in der Nachfolge Jesu um des Himmelreiches willen auf die Ehe verzichtet, der verzichtet gerade nicht aus Mangel an Liebe, sondern weil er auf eine Vollendung der Liebe setzt, die über jede menschliche Erfüllung hinaus geht; und weil er in einer ganz persönlichen Beziehung zu Jesus, dem Sohn Gottes, lebt und darauf hofft, dass selbst der Tod diese Liebesbeziehung nicht beenden kann.

Wenn Jesus, und auch das ist eine Konsequenz, wenn Jesus nicht, wie wir an Weihnachten mit neuer Freude bekennen, Gottes ewiger Sohn ist, der in der Zeit Mensch geworden ist, dann ist seine Botschaft von seiner konkreten Existenz zu trennen, dann ist Maria auch nicht die Gottesmutter – und dann werden auch die Schöpfungsgegebenheiten wie die Geschlechterdifferenz, die je spezifische Berufung und Sendung von Mann und Frau beliebig und austauschbar. 

Weihnachten besagt ja nicht zuletzt, und in der Oration haben wir es gebetet: Gott hat den Menschen wunderbar geschaffen und in der Sendung seines Sohnes noch wunderbarer erneuert.

Die Offenbarung Gottes schreibt sich ein in die natürliche Zeichenhaftigkeit des Gegenübers von Mann und Frau, als die Gott den Menschen geschaffen hat. Erst im Licht der Inkarnation kann auch die eheliche Verbindung von Mann und Frau zur gegenseitigen Ergänzung und zur Eröffnung von Zukunft zum Sakrament, zur sakramentalen Vergegenwärtigung von Gottes Liebe erhoben werden.

Ohne den Inkarnationsglauben wird die Welt ein seelenloses Getriebe austauschbarer Funktionen, eingeschlossen in die bloße Immanenz, und, ihrer natürlichen Zeichenhaftigkeit über sich hinaus beraubt, letztlich auch zur Materie beliebiger menschlicher Manipulation.

Bedenken wir all dies, wenn wir jetzt dann beim Credo bekennen und dazu unser Knie beugen:

„Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel herabgekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.“

Und bitten wir den Herrn, dass er alle Verantwortlichen in der Kirche Deutschlands mit der Kraft seines Geistes stärke, dass wir neue Wege finden, um den Glauben an die Menschwerdung Gottes mit all seinen heilsamen und heilbringenden Konsequenzen neu zur Sprache bringen zu können. Amen.

Wir danken dem Regensburger Oberhirten Dr. Rudolf Voderholzer für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung seiner Weihnachtspredigt

Fotos: Bistum Regensburg, Dr. Bernd F. Pelz, Archiv