Unverschämt statt verschämt katholisch

Rezension von Thomas May

Buch-Daten: Küble, Felizitas (Hg.): Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten, Komm-Mit-Verlag, 2. Aufl., Münster 2016, 207 S., 14,80 Euro, ISBN 978-3-921090-98-5

Der anno 2000 verstorbene Erzbischof von Fulda, DDr. Johannes Dyba, dessen Todestag sich am 23. Juli zum 20. Mal jährte, wurde schon zu Lebzeiten als „Löwe von Fulda“ verehrt. Die Bezeichnung ist angelehnt an den ihm wesensverwandten „Löwen von Münster“, den seligen Bekennerbischof Clemens August Graf von Galen, der den nationalistischen Machthabern furchtlos die Stirn bot.

Wie ein Leuchtturm ragt der Fuldaer Oberhirte aus dem Gros der kirchlichen Würdenträger in Deutschland seit der Nachkonzilszeit empor. Unbeeindruckt von Widerständen, Einschüchterung und Schmähungen verkündete er freimütig den authentischen Glauben seiner Kirche. Sein geistliches Erbe ist kaum vermindert aktuell.

Gedenkband und Hommage

Der von Felizitas Küble im KOMM-MIT-Verlag in 2. Auflage 2016

herausgegebene Sammelband vereint die Beiträge von 33 Autor(inn)en, die dem Leben und Wirken des „guten Hirten“ äußerlich und/oder innerlich verbunden sind und ihn in ökumenischer Weite würdigen. Bereits im Untertitel des Buches wird auf die seelsorgliche Kernkompetenz des volksnahen Dyba aufmerksam gemacht, der nicht nur bei den Gläubigen seiner Diözese (1983–2000), sondern auch bei den Soldaten im Amt des Militärbischofs (1990–2000) gut ankam.

Bunte Mischung von Autor(inn)en

Zu den Autor(inn)en zählen unter anderem Verwandte des Erzbischofs, seine Schwester, die Apothekerin Barbara Dyba-Roth, und sein (ihm wie aus dem Gesicht geschnittener) Neffe Msgr. Cornelius Roth; sein Nachfolger als Bischof Heinz Josef Algermissen, seine Amtskollegen Ludwig Schick (Bamberg) und Andreas Laun (Salzburg); die Publizisten Konrad Badenheuer, Mathias von Gersdorff, Martin Lohmann, Stefan Meetschen; Wissenschaftler wie die Soziologin Gabriele Kuby, der Sozialethiker Wolfgang Ockenfels und der Sozialwissenschaftler Manfred Spieker; die Gründungsmitglieder Hubert Gindert, Reinhard Dörner, Michael Schneider-Flagmeyer des „Forums Deutscher Katholiken“, das Johannes Dyba seinen entscheidenden Anstoß verdankt; Pfarrer und Patres; aber auch Konvertiten und „einfache“ Gläubige.

Von der evangelischen „Dyba-Fraktion“ bezeugen Missionswissenschaftler Peter Beyerhaus, Pastor Joachim Cochlovius, Pfarrer Werner Neuer sowie Kirchenrat Rolf Sauerzapf dankbare Anerken­nung für dessen kraftvolle überkonfessionelle Wahrnehmung des christlichen Wächteramts.

Rechts­anwalt Leo Lennartz skizziert den beruflichen Werdegang Johannes Dybas ab seiner Studentenzeit und gibt Seiteneinblicke, ergänzt um Erlebnisse des Ehrendomherrn Edmund Dillinger aus seinem 30-jährigen Fundus – und Erfahrungen des Sekretärs Dagobert Vonderau aus nächster Nähe.

Nicht ohne Selbstironie schildert die Psychotherapeutin Christa Meves (siehe Foto) ihre „eindrucksvolle“ Begegnung, als die aufgeregte Festrednerin stolperte und dem „verehrten Freund“ blutend zu Füßen fiel.

Eintreten für den Schutz der Ungeborenen

Für die meisten ist der Name des Erzbischofs untrennbar mit seinem kompromisslosen, beharrlichen Einsatz für den Schutz des ungeborenen Lebens verbunden. Unvergessen das Zeichen, das er an Weihnachten des Jahres 1988 setzte, als er am 28. Dezember, dem Tag der Unschuldigen Kinder von Bethlehem, in allen Kirchen seiner Diözese die Glocken läuten ließ.

Zutiefst davon überzeugt, dass die katholische Kirche sich nicht in ein Prozedere verstricken lassen darf, in dem mit der Ausstellung des „Beratungsscheins“ eine „Lizenz zum Töten“ erteilt wird, stieg er am 29. September 1993 als einziger deutscher Diözesanbischof aus der Einbindung in das staatliche Abtreibungssystem („Schwangerenkonfliktberatung“) aus und baute ein eigenständiges Beratungs- und Hilfsnetz auf.

Sein Alleingang wurde von Rom 1999 vollauf bestätigt: Auf Geheiß Papst Johannes Pauls II. und des Glaubenspräfekten Kardinal Ratzinger sahen sich die widerstrebenden Amtskollegen samt ihrem Vorsitzenden Bischof Karl Lehmann genötigt, Johannes Dybas Schritt zu folgen; ab 1. Januar 2001 wurden (außer in Limburg) keine „Beratungsscheine“ mehr ausgestellt.

Schwerpunkte der Verkündigung

Weitere Themenschwerpunkte des streitbaren Erzbischofs waren unter anderem – folgerichtig – seine Zurückweisung des assistierten Suizids, sein Eintreten für die Stärkung und Förderung der christlichen Ehe und Familie (programmatisch angelegt im „familiären“ Wahlspruch „Filii dei sumus“), die Verteidigung des Pflichtzölibats, die Ablehnung praktizierter Homosexualität und des Lebenspartnerschaftsgesetzes (in Kraft getreten 2001) – und dies im Einklang mit der Lehre der Kirche.

Bei seinem oft einsamen Einsatz für unverkürzten Glauben und unverfälschte Moral erntete er nicht nur Unverständnis, Widerspruch und Spott aus den eigenen Reihen, von Kollegen, Staatstheologen und Räten, sondern musste auch mit Kritik, Empörung und Anfeindung aus Kreisen der Politik, vonseiten der Medien, besonders des „Spiegels“ (den er als „Pressestelle des Teufels“ bezeichnete), und aus Teilen der Bevölkerung zurechtkommen.

Schäumenden Linken und Liberalen galt er als fundamentalistischer Hardliner und zynischer Autokrat, Feministinnen und gesinnungsethischen „Friedensbewegern“ war er ein Hassobjekt. Nach einem Gottesdienst wurde Johannes Dyba am 8. November 1991 auf dem Weg zum Marburger Schloss von Demonstranten der Homosexuellen-Bewegung unter Parolen wie „Schlagt das Schwein tot“ gejagt, getreten und bespuckt.

Unbeirrt stand der Oberhirte wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung und wurde nicht müde, seine Herde zu sammeln und vor den Wölfen zu schützen. Seine eindringlichen Predigten fanden beim Kirchenvolk stets Gehör: den Glauben erneuern, ihn freudig leben und furchtlos bekennen, ihn weitergeben an Kinder und Enkel, die christlichen Werte überall in unserer Gesellschaft einbringen – sein Auftrag an uns auch heute.

Karriere und berufliche Stationen

Erzbischof Dybas äußeres Wirken und seine Positionen zu Kirche, Gesellschaft und Politik sind ohne seine weltkirchlichen Erfahrungen nicht zu verstehen.

Als drittes Kind eines prinzipientreuen katholischen Lehrerehepaars 1929 in Berlin geboren, floh der frischgebackene Abiturient 1947 von Eichsfeld (Thüringen) über die sowjetische Zonengrenze nach Fulda. Nach einem Jurastudium in Bamberg und Heidelberg, unterbrochen durch ein Stipendiat in den USA, schloss er von 1953 bis 1957 in Köln ein Theologiestudium an. 1959 wurde er zum Priester geweiht.

Von Kardinal Frings zur Ausbildung für den Dienst in der römischen Kurie freigestellt – die zentrale berufliche Weichenstellung –, absolvierte er die Päpstliche Diplomatenakademie und arbeitete anschließend fünf Jahre im Innendienst und zehn Jahre im Außendienst (1962 – 1977). Seine Tätigkeit führte ihn in mehrere Länder Lateinamerikas und Afrikas.

Nach einem kurzen Intermezzo als Vizesekretär der Päpstlichen Kommission „Justitia et Pax“ in Rom konnte Johannes Dyba als Apostolischer Pronuntius in Liberia und Gambia und Apostolischer Delegat in Guinea und Sierra Leone (bei gleichzeitiger Ernennung zum Titularerzbischof von Neapolis in Proconsulari in Nordafrika) noch weitere Jahre „anhängen“, die seinen weltkirchlichen Horizont erweiterten.

In dieser Zeit lernte er viel Elend, Hunger, Armut und Krankheit, Gewalt und Christenverfolgung kennen, so dass er, nachdem er 1983 Bischof von Fulda geworden war, für die endlosen „Dialoge“, für Gremien- und Sitzungskatholizismus mit überquellenden Papierbergen und fruchtlose Strukturdebatten kein Verständnis aufbringen konnte, vielmehr die deutschen Brüder und Schwestern in „Problemtrance“ (Dyba-Roth) taumeln sah.

Profil und Privates

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die „Axt Gottes“ (so der „Spiegel“) – eine Anspielung auf den eichenfällenden heiligen Bonifatius – die Geister in der deutschen Kirche (und darüber hinaus) schied und Spreu von Weizen trennte.

Mit dem Bekennermut des einsamen „Rufers in der Wüste“ folgt Johannes Dyba der Spur seines Namenspatrons, von dem er einmal sagte: „Wenn Johannes der Täufer sich verhalten hätte wie die deutschen Bischöfe, wäre er im Bett gestorben.“ Absolute Furchtlosigkeit, Geradlinigkeit, Entschiedenheit bescheinigen ihm seine Mitstreiter. Dabei war der tapfere Mann, der in Afrika überfallen und krankenhausreif geschlagen wurde, von körperlich kleiner Statur.

Doch seine Persönlichkeit weist auch andere Seiten auf. Dank seines fröhlichen Naturells überrascht er sein Gegenüber mit unbändiger Lebensfreude und dem Charme seines jungenhaften Lachens; dynamisch, flott, sehr selbstbewusst, weltläufig tritt er auf. Seine Gesprächspartner schätzen an ihm Herzlichkeit, Humor,

Schlagfertigkeit, rhetorische Gewandtheit bis hin zur überspitzten Formulierung.

Andere Autor(inn)en rühmen den Blick des Sensiblen für das Wesentliche, sein „starkes Freiheitsgefühl“, seine „innere Unabhängigkeit“, die aus einem unerschütterlichen Gottvertrauen erwuchs, seine „selbstverständliche Frömmigkeit ganz ohne Pathos“ (Lohmann); er „leuchtete von innen her“. Erzbischof Dyba verstand es, Unbeugsamkeit im Glauben und Freude am Glauben zu verbinden und zu leben. Er war glaubensfroh.

Sein Bild wird noch facettenreicher, wenn wir in den Bereich des Alltäglichen und Privaten gelangen. Der Erzbischof ist ein leidenschaftlicher Sammler, seien es wertvolle Ansichtskarten oder Speisepilze, zu deren „Jagd“ er sich im Herbst frühmorgens aufmacht und die er taschenweise nach Hause bringt. Das während seines diplomatischen Dienstes gepflegte Billardspiel will er auch im Fuldaer Bischofshaus nicht missen.

Als wahres Füllhorn erweist sich der Bischofsgarten mit Gemüse aus biologischem Anbau und Früchten der Pfirsichbäume, die der stolze Hausherr seinen Gästen anbietet. An den Mauern lässt der einem Glas guten Rotweins nicht abgeneigte Kenner sogar Rebstöcke pflanzen, aus denen ein paar Flaschen mit dem Namen „Michaelsberger Bischofsmütze“ gewonnen werden.

Kerngedanken und „Sager“

Was das Buch vor allem auszeichnet, sind Zitate aus Predigten, Vorträgen und Interviews, mit denen der redegewaltige Oberhirte, der C. S. Lewis seinen „Leib- und Magenautor“ nennt, nicht zu knapp zu Wort kommt. Sie unterstreichen sein Verständnis von Glaube, Kirche und Hirtenamt. Ein paar von ihnen seien hier wiedergegeben:

„Ich werde in mehr oder weniger kurzer Zeit vor Gott in der Ewigkeit stehen. Da werde ich doch jetzt keine Zeit mehr dazu verschwenden, faulen Kompromissen nachzujagen oder um Mehrheiten, in welchen Gremien auch immer, besorgt zu sein. Die Stunde ist da, um Gottes Botschaft – und dazu gehören auch seine Gebote – in Klarheit und Wahrheit zu verkünden“ (26)

„Ich scheue nicht davor zurück, harte Wahrheiten klar zu sagen; aber es sind ja Wahrheiten, die den Menschen in die Freude und in die Liebe und in die Erlösung führen sollen. Nur die falschen Propheten haben dem Volk immer nach dem Mund geredet, die echten sind stets auf Widerspruch gestoßen“ (107)

„Wahrer Friede ist die Frucht der Bekehrung zu Gott. Erst die Umkehr, dann der Friede“ (48)

„Richte den Blick auf die Ewigkeit und lebe danach“ (59)

„Der Glaube verlangt vom Menschen die Entscheidung für Gott und für ein Leben mit Gott. Das ist absolut nicht nach dem Geschmack der modernen Welt“ (46)

„Ohne Glaube können wir keine Werte haben und ohne Werte keine wirklich funktionierende Moral“ (53)

„Es kommt auf den Glauben an! Die Werte existieren nicht irgendwie für sich, und die gibt es nicht auf der grünen Wiese, sondern der Glaube bestimmt, welche Werte wir haben. Wenn wir jetzt eine Wertekrise haben, dann deshalb, weil viele Jahre lang die Weitergabe des Glaubens gestört war – in den Familien, in den Schulen, ja sogar bis hin in die theologischen Fakultäten, und natürlich von den Medien gar nicht zu sprechen“ (91)

„Die Kirche hat eine riesige Botschaft: Das Heil, das endlose Glück des Menschen. Deswegen sollte sie nicht dastehen, als würde sie alte Semmeln verkaufen. Sie muss mit mehr Selbstbewusstsein auftreten, sie sollte unverschämt katholisch sein“ (57)

„Wir haben heute in der Kirche viele Pastoralexperten – aber wenige Heilige; viele Medienexperten – aber kaum noch Propheten; viele Theologen – aber wenig Priester; viel Engagement und finanzielle Opfer – aber wenig Gehorsam; viel Kritik – aber wenig Begeisterung; einen riesigen kirchlichen Apparat – aber schrumpfendes kirchliches Leben“ (70)

„Was unsere Kirche heute braucht, sind nicht so sehr Pharisäer, die sie dauernd auf die Probe stellen, nicht so sehr Schriftgelehrte, die sie dauernd kritisieren, nicht so sehr Tempelbeamte, die selbst das Allerheiligste nicht betreten und auch die anderen noch davon abhalten – nein, was diese Kirche braucht, sind vielmehr Jünger, die dem Herrn folgen mit der ganzen Hingabe ihrer selbst, Jünger, die einander lieben und in dieser Liebe Kirche bauen und Kirche bilden in unserer Zeit“ (60)

„Ein Volksbegehren ist politisch, kommt von der Basis her. Volk GOTTes werden wir aber dadurch, dass wir auf GOTT hören und GOTT folgen – und nicht dadurch, dass wir GOTT wählen. CHRISTUS sagt: ‚Nicht ihr habt Mich erwählt, sondern Ich habe euch erwählt.‘ ER hat die grundlegenden Strukturen der Kirche festgelegt, die wir in apostolischer Tradition bewahren“ (87)

„Ich glaube, dass Gott, wenn er denn Priesterinnen in seiner Kirche gewünscht hätte, das bereits dem Petrus klargemacht hätte. Genauso schnell und direkt, wie er den überraschten Petrus durch Vision und den Hauptmann Kornelius wissen ließ, dass der Zugang zur Kirche nicht den Juden vorbehalten sei, sondern auch den Heiden offenstehe [Apg 10], hätte der Heilige Geist dem Petrus auch klarmachen können, dass der Zugang zum Priestertum nicht auf Männer beschränkt sei, sondern auch den Frauen offenstehe. Wie wir wissen, ist aber eine solche Intervention nie erfolgt, weshalb wir an der von Christus grundgelegten Tradition festhalten“ (105)

„Die Märtyrer der Kirche haben dieses Schicksal nicht erlitten, weil sie auf sanfte Weise Mehrheitsmeinungen verkündet haben, sondern weil die Leute so wütend über die christliche Herausforderung waren, dass sie ihnen – wie dem heiligen Bonifatius – dem Schädel eingeschlagen haben“ (107)

„Ich fordere nicht die Abschaffung der Kirchensteuer. Aber ohne sie überlebt die Kirche auch. Wir hatten jahrzehntelang zu viel Geld und zu wenig Mut“ (47)

„Wenn die Kirchen nicht die sittlichen Grundlagen unserer Gesellschaft garantieren, dann geht diese Gesellschaft buchstäblich zum Teufel“ (106)

„Wenn man am Rande des Abgrunds steht, ist ein Schritt zurück ein Fortschritt“ (43)

Erzbischof Dybas „Sager“ polarisieren auch 20 Jahre nach seinem Tod – den einen Zeugnis seines untrüglichen Wahrheitsblicks und unumstößlicher Glaubensgewissheit, anderen Beweis seiner  starrköpfigen Ewiggestrigkeit, für Verfechter des „Synodalen Wegs“ und ihre Agenda Kampfansage und schallende Ohrfeige zugleich. Der Wunsch wächst nicht von ungefähr, dass aus der Mitte der Vollversammlung ein „neuer Dyba“ aufsteht und wie ein reinigendes Gewitter über ihr niedergeht.

Unterschriften für die Seligsprechung

Die singuläre Gestalt des heroischen Fuldaer Oberhirten – sein vorbildliches Eintreten für den authentischen katholischen Glauben und wahrhaftige Moral, seine große Liebe zur Kirche, seine sittliche Integrität – ließ schon bald nach dem Tod den Ruf nach seiner Seligsprechung laut werden.

Pfarrer Franz Weidemann, der mit einer Dissertation über Leben und pastorales Wirken Johannes Dybas promoviert wurde und im vorliegenden Band dessen missionarische und prophetische Rolle thematisiert, hat in dem unlängst erschienenen Büchlein „Erzbischof Johannes Dybas geistige Silhouette“ (Kisslegg 2020) anhand der göttlichen Tugenden und Kardinaltugenden im Leben und Wirken des „Kandidaten“ sowie seiner Heiligkeit im (Berufs-)Alltag aufzuweisen versucht, dass er wichtige Kriterien erfüllt, um zur Ehre der Altäre erhoben zu werden. Zweifellos wäre der ausgewiesene Dyba-Kenner in einem kanonischen Verfahren als Postulator prädestiniert.

Inzwischen haben sich Prominente, Wissenschaftler, Würdenträger und namhafte Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Gesellschaft für die Seligsprechung des „Löwen von Fulda“ ausgesprochen. Auch „normale“ Weltchristen können das Begehren mit ihrer Unterschrift unterstützen und sich in die Liste eintragen.

Dies ist online mittels Herunterladen eines entsprechenden Formulars möglich (http://forum-deutscher-katholiken.de/aufruf/); das von der Herausgeberin des Buches geleitete „Christoferuswerk e. V.“ bietet ein Sammelblatt (http://www.medrum.de/files/Unterschriftenblatt%20Dyba.pdf) zum Ausdruck an.

Äußere Gestaltung des Buches

Der Sammelband, in dem die Autor(inn)en von ganz unterschiedlichen Ausgangspunkten her einzelne Mosaiksteine herbeitragen, sodass sie sich in der Summe zu einem leuchtenden Porträt des Erzbischofs fügen, überzeugt nicht zuletzt durch seine äußere Gestaltung.

Über 20 Aufnahmen zeigen ihn in verschiedenen Lebensphasen und -situationen, zum Teil mit Personen aus dem familiären oder kirchlichen Umfeld. In jedem der Beiträge, die jeweils zwischen 2 und 15 und insgesamt 207 Seiten umfassen, wird zu Beginn der Verfasser mittels Foto und eines umrahmten Service-Kastens, der Infos zu seiner Person, Beruf bzw. Tätigkeitsbereichen enthält, vorgestellt.

Aussagekräftige Zwischenüberschriften auf fast jeder Seite lockern den Lauftext auf und garantieren anstrengungsfreien Lesefluss. Alle Artikel sind in einer leicht verständlichen Sprache geschrieben. Erwähnenswert ist noch die ansprechende Aufmachung des Hardcovers mit hochwertigem Papier zu einem günstigen Preis (14,80 €).

Rundum ein schmuckes Buch.

Unser Autor Thomas May ist Lehrer i. R. – Er unterrichtete die Fächer Deutsch und Katholische Religionslehre. Der in Sendenhorst (Münsterland) lebende Autor ist ein Neffe des bekannten Prälaten und Kirchenrechtlers Prof. Dr. Georg May (Mainz).

Dieses Dyba-Buch „Der Löwe von Fulda“ wird von uns frei Haus (= portofrei) geliefert: Bestellung per Tel. 0251-616768 oder Mail: felizitas.kueble@web.de


Fulda: Gedenkmesse für Erzbischof Johannes Dyba, der vor 20 Jahren plötzlich verstarb

Am kommenden Donnerstag, dem 23. Juli, findet im Hohen Dom zu Fulda das Jahresgedächtnis für Erzbischof Dr. Johannes Dyba (siehe Foto) statt, der im Heiligen Jahr 2000 völlig unerwartet verstorben ist.

Der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber wird um 9 Uhr ein Pontifikalamt feiern.

Alle Gläubigen sind zu dieser Gedenkmesse am 20. Todestag des Erzbischofs herzlich eingeladen, wie die Pressetelle des Bistums Fulda mitteilt.

Kürzlich ist im Fe-Verlag ein neues Buch über Erzbischof Dyba erschienen, das unser Autor, der aus Schlesien stammende Pfarrer und Ehrendomherr Dr. Franz Weidemann verfaßte.

Das informative Taschenbuch trägt den Titel Erzbischof Johannes Dybas geistige Silhouette und kostet nur 4,95 Euro.

Näheres dazu hier: https://www.fe-medien.de/epages/fe-medien.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/fe-medien/Products/50064

Diese informative Publikation, die zum 20. Todestag des glaubensstarken Fuldaer Bischofs erschien, ist eine passende Ergänzung zu unserem eigenen Gedenkbuch über Dyba unter dem Titel „Der Löwe von Fulda“, in dem 33 Autoren (darunter drei Bischöfe) diesen mutigen Oberhirten würdigen. Dieser eindrucksvolle Sammelband kostet 14,80 Euro.

Beide Bücher können bei uns oder im Fe-Verlag bestellt werden.

 


Synodaler Weg: Es geht um „alles oder nichts“

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Bistumszeitung „Konradsblatt“ Nr. 25 vom 21.6.2020 zitiert unter „Pressestimmen“ die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Dort heißt es:

“Der Synodale Weg‘ …mit seinen Themen Macht, Frauen und Sexualmoral (wird) nun endgültig zur Arena, in der es für die katholische Kirche …um Alles oder Nichts geht“.

Das hat die FAZ richtig beobachtet.

In der Vorbereitung des „Synodalen Prozesses“ wurde bereits deutlich, dass der sexuelle Missbrauch instrumentalisiert wird, um eine „andere Kirche“ zu schaffen. Die Themen, die in keinem ursächlichen Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch stehen, wie mehrfach festgestellt wurde, dienen als Rammböcke, um das katholische Lehrgebäude zum Einsturz zu bringen.

Die Bereitschaft, auch Vorlagen, die im Widerspruch zur Lehre der Kirche stehen, zur Abstimmung zu bringen, beweist diese Intention.

Der Regensburger Bischof Voderholzer hat sich nach der Abstimmung auf der Bischofskonferenz am 25. September 2019  sich klar dazu geäußert. Wer sich darüber näher informieren will, kann das bspw. im Februarheft 2020 der katholischen Monatszeitschrift „Der Fels“ tun.

Voderholzer war in seiner Stellungnahme bereits klar, dass es beim „Synodalen Weg“ für die katholische Kirche um „Alles oder Nichts“ geht.


Augsburg: Ernannter Bischof Meier zum „Gebetshaus“ und zur MEHR-Konferenz

Am Samstag, dem 6. Juni 2020, wird der vom Papst zum Oberhirten von Augsburg ernannte Geistliche Bertram Meier zum Bischof geweiht. Der Termin war wegen der Corona-Pandemie verschoben worden. Der 59-Jährige kommt selber aus dem Bistum Augsburg und wird das südbayerische Bistum zukünftig leiten.

Auf der amtlichen Seite „Katholisch.de“ wurde heute in Interview mit ihm veröffentlicht: https://www.katholisch.de/artikel/25653-bertram-meier-vor-bischofsweihe-manchen-muss-ich-wohl-wehtun

Darin wird der ernannte Bischof auch über das charismatische Gebetshaus Augsburg befragt, das der katholische Theologe Dr. Johannes Hartl leitet. Er organisiert teils jährlich, teils zweijährlich die mit ca 10.000 Teilnehmern besuchte MEHR-Konferenz (siehe hierzu unsere kritischen Berichte: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/gebetshaus-augsburg-j-hartl/).

Betram Meier äußert sich folgendermaßen zu MEHR und Co.:

„Einerseits sind die Zahlen der Leute beeindruckend, die Johannes Hartl versammelt. Andererseits frage ich mich, wie nachhaltig ein Event wie die „Mehr“ ist.

Zudem sehe ich bei Hartl eine Schwebe in seinen theologischen Äußerungen. Er verortet sein Wirken mal als überkonfessionell, mal als ökumenisch. Das ist aber nicht dasselbe. „Überkonfessionell“ ist mir zu unverbindlich, erinnert an Freikirche.“

Sodann erklärt der Bischof, er hoffe auf ein „ehrliches und konstruktives Miteinander“ und fügt hinzu:

„Jedenfalls wollen wir uns als Diözese vom Gebetshaus nicht instrumentalisieren lassen. Wir müssen im Gespräch bleiben, um der Menschen willen einander im Blick behalten und darauf achten, dass aus dem Gebetshaus nicht eine neue Art von Kirche entsteht.“


Regensburg: Bittamt mit Bischof Voderholzer für die Stadt und das Bistum gefeiert

Erstmals wieder mit der zugelassenen Öffentlichkeit hat Bischof Rudolf Voderholzer am Mittwochabend in der Hohen Domkirche St. Peter Regensburg Gottesdienst gehalten. Es war ein Bittamt am Vorabend des Hochfestes Christi Himmelfahrt.

Am Ende des Gottesdienstes trat der Bischof mit dem Allerheiligsten Sakrament vor die Domkirche und segnete die Stadt und ihre Bewohner.

In seiner Predigt sagte der Regensburger Oberhirte: „Heute abend tragen wir die Anliegen, Sorgen und Nöte der Kirche von Regensburg und der ganzen Stadt vor Gott hin.“ –  Als erstes nannte er in diesem Zusammenhang die Kranken, Alten und die Sterbenden. 

Ins Gebet schloss Bischof Voderholzer ebenfalls die Familien ein, die „manch leidevolle Situation durchmachen mussten“.

Eigens erwähnte der Bischof auch diejenigen, die in große wirtschaftliche Nöte geraten sind: „Möge es mit Gottes Hilfe und der Solidarität in der Gesellschaft gelingen, Arbeitsplätze und Existenzen, oft das Lebenswerk mehrerer Generationen zu retten“.

Eingeschlossen wurden außerdem die Künstler und Freischaffenden, die für Schönheit, Nachdenklichkeit und kulturellen Mehrwert sorgen – sowie z.B. die Forscher, die Heilmittel und einen Impfstoff suchen. Der Bischof sagte zudem:

„Wir schließen ein auch die Sorgen nicht weniger, dass die gegenwärtige Krise missbraucht werden könnte zur Einschränkung individueller Freiheitsrechte und zur Bereicherung einiger weniger, die aus der allgemeinen Not noch Profit zu schlagen verstehen.“

Angesichts des nahenden Pfingstfestes flehte der Bischof um die rechte Erkenntnis: „Komm, Heiliger Geist, zeige uns, wo wir umkehren müssen, öffne uns die Augen für die Lehren, die wir aus dieser Krise ziehen müssen.“

Quelle: Bistum Regensburg – Foto: Dr. Veit Neumann


Regensburg: Dankbare Verneigung vor dem mutigen Domprediger Dr. Johann Maier

In einem Pontifikalamt im Hohen Dom St. Peter hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am Freitagabend Domprediger Dr. Johann Maier geehrt, der 75 Jahre zuvor in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs ermordet worden war. Er wollte sich für die friedliche Freigabe der Stadt Regensburg einsetzen.

Gedacht wurde ebenfalls der anderen Männer, die mit Domprediger Dr. Maier ihr Leben lassen mussten. Am Ende des Gottesdienstes begab sich der Bischof von Regensburg in die Krypta, wo er an der Grablege Dr. Maiers betete.

Der Gottesdienst sowie das Gebet des Bischofs in der Krypta wurden per Livestream und über den Regionalsender TVA Regensburg sowie über weitere Kanäle in die Öffentlichkeit übertragen.

Für den Nachmittag des 23. April 1945 wurde zu einer Kundgebung aufgerufen, für die –  wie Zeitzeugen berichten – auch Domprediger Dr. Maier tagsüber geworben hatte.

Bischof Voderholzer erklärte, Dr. Maier dürfte es darum gegangen sein, die Kundgebung gegenüber den Machthabern weniger gebieterisch-fordernd als vielmehr bittend erscheinen zu lassen und den Parteigrößen die Furcht der Bevölkerung begreiflich zu machen.

Dabei bezog sich Dr. Voderholzer auf die neueste Publikation zum Kriegsende im April 1945 in Regensburg: „Kurz nachdem er das Wort ergriffen hatte, um den Appell zur kampflosen Übergabe der Stadt zu rechtfertigen, wurde er verhaftet.“

Wegen „Wehrkraftzersetzung“ wurde der Priester noch am 23. April zum Tode verurteilt und in den frühen Morgenstunden des 24. April auf dem heutigen Dachauplatz erhängt.

Der Oberhirte von Regensburg gab zu bedenken:

„Domprediger Maier gehört somit zu den weit über 8000 Geistlichen, von denen aktenkundig ist, dass sie im Dritten Reich ins Visier der Nationalsozialisten geraten waren; das ist ein Drittel des damaligen Welt- und ein Fünftel des Ordensklerus, allein in Deutschland.“

Dr. Voderholzer erinnerte daran, dass Dr. Maier das prominenteste, aber nicht das einzige Opfer im Zusammenhang der Versammlung war. Der 70-jährige Rentner Josef Zirkl hatte während des Tumults bei der Verhaftung von Dr. Maier protestiert und die Freilassung des Priesters verlangt. Er wurde ebenfalls erhängt.

Der pensionierte Gendarmerie-Hauptwachtmeister Michael Lottner wurde erschossen, der gesagt hatte: „Lasst doch den Domprediger reden! Ihr wisst ja gar nicht, was er sagen will.“

Auch erwähnte der Bischof Johann Igl, den Mesner von St. Emmeram Regensburg, der wegen einer unvorsichtigen Bemerkung hingerichtet wurde.

Bischof Dr. Voderholzer sagte:

„Wir wollen diesen 75. Jahrestag nicht vorübergehen lassen, ohne für den Mut und das Lebensopfer Dr. Maiers und der anderen zu danken. Sie traten ein für Wahrheit und Menschlichkeit aus christlicher Glaubensüberzeugung. Wir wissen nicht, wie wir uns unter den gegebenen Umständen damals verhalten hätten.

Aber wir verneigen uns in Dankbarkeit und großer Anerkennung vor den Tapferen. Und wir beten für uns alle, dass uns in unseren Tagen Freimut und Weitblick gegeben seien, damit wir einstehen können für Wahrhaftigkeit und Menschlichkeit in den Bereichen, wo wir Einfluss nehmen können.“

Quelle (Text / 1. und 2. Foto): Bistum Regensburg


Osterpredigt von Bischof Voderholzer: Unser JA zur Schöpfungsordnung Gottes!

Die „Ökologie des Menschen“ wieder beachten

Ein wenig gespenstisch wirkt die Szenerie des Domes zu Regensburg, als Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am Ostersonntag 2020 um 10 Uhr das feierliche Pontifikalamt beginnt.

Gähnend leer ist der Dom. Nur eine Handvoll Menschen tragen mit ihrem Dienst zur Eucharistiefeier bei. Zwar feiern Zehntausende im ganzen Bistum Regensburg und weit darüber hinaus diese Auferstehungsfeier an Bildschirmen mit. Trotzdem fehlen die singenden und betenden Menschen im Raum, dennoch vermisst man die Freude dieses Morgens und die spürbare Auferstehungshoffnung.

Hat die Pandemie selbst Ostern im Griff?

Bischof Rudolf geht darauf ein:

„Noch am Beginn der zurückliegenden Fastenzeit, am Aschermittwoch, hat das Bundesverfassungsgericht das Verbot organisierter Beihilfe zum Suizid gekippt mit Hinweis auf die überragende Bedeutung der Autonomie des Menschen. Keine vier Wochen später werden in unserem Land Grundrechte wie Versammlungsfreiheit, Reisefreiheit, Freiheit der Religionsausübung auf vorerst unbestimmte Zeit in einer Weise beschnitten, wie es noch nicht einmal in Zeiten schlimmster Diktatur der Fall war.“

Bischof Rudolf trägt diese Entscheidungen mit, „weil wir uns gerade auch als Kirche nicht mitverantwortlich machen dürfen für eine Situation, in der unser Gesundheitswesen  zusammenbrechen würde.“

Seine Frage aber lautet: „Lässt sich das Bundesverfassungsgericht nicht plötzlich doch auch noch von anderen Gesichtspunkten leiten als nur der Wahrung der grenzenlosen Autonomie des Einzelnen? Und bringt die gegenwärtige Krise die Rechts-Philosophie der grenzenlosen Autonomie nicht doch an ihre Grenzen?“

Der Regensburger Bischof stellt im Licht der Osterbotschaft die zentrale Frage, die viele Menschen jetzt bewegt: Wie geht es weiter? Was bedeutet die Pandemie?

Denjenigen, die in der lähmenden Pandemie eine Strafe Gottes erkennen wollen, pflichtet der Bischof nicht bei: „Gott ist Gott und kein Mensch, der von Stimmungen oder gar Kränkungen abhängig wäre.“ – Vielmehr seien es die Folgen unseres Tuns, die jetzt auf uns zurückfallen:

„Ist es nicht vielmehr so, dass wir uns selbst bestrafen, wenn wir uns nicht an den Lebensweisungen Gottes orientieren? Wiederum biblisch gesprochen: „Wer sündigt, ist der Feind seines eigenen Lebens“ (Tob 12, 10).“

Etwas salopper mit der alten Lebensweisheit gesagt: „Wer zum Himmel spuckt, trifft sich selbst.“

Es sei der Mensch selbst, der dem Corona-Virus die Türen geöffnet hat: „Die Pandemie und ihre Auswirkungen sind die Folge einer Kette von Schuld und menschlichem Versagen, in der sich menschliche Hybris, Stolz, Leichtsinn und Profitgier zu einer unheilvollen Allianz verbinden.“

Bischof Rudolf entfaltet diesen Gedanken sodann: Eine Zeit der Lähmung habe Israel während der Babylonischen Gefangenschaft erlebt:

„Zu den beeindruckendsten Erkenntnissen seiner Besinnung gehört das Wort aus dem Zweiten Buch der Chronik im Alten Testament: „Dem Land wurden seine Sabbate ersetzt“ (2 Chr 36,21). Das heißt: Die Zeit der erzwungenen Ruhe im Exil wurde Israel zu einer Zeit, in der es all die Sabbate nachholen konnte, die es zuvor unter Missachtung der heilsamen Weisung Gottes verschleudert hatte. Der Sabbat steht dabei (…) für ein Leben im Einklang mit dem Schöpfergott und seiner Schöpfung.“

Was wir brauchen ist „ein Ethos für den Menschen im Einklang mit dem Schöpfer und der Schöpfung.“ Dieses Ethos findet in der europäischen Tradition seinen Ausdruck u.a. in der Naturrechtslehre.

Bischof Rudolf weiter: „Ich frage: Brauchen wir nicht eine neue, zeitgemäße Formulierung einer Naturrechtslehre, die ausgeht von einer größeren Wahrnehmung und Wertschätzung des von der Schöpfung Vorgegebenen; Schöpfung neu zu denken, die eben nicht weitgehend ein Konstrukt des Menschen, sondern Gabe des Schöpfers ist.“

Der Regensburger Oberhirte entfaltet einen umfassenden Begriff ökologischer Verantwortung, in deren Mitte eine Ökologie des Menschen stehen müsse, die bereits Papst Benedikt XVI. in seiner Rede vor dem deutschen Bundestag in die deutsche Debatte eingeführt hat:

„Das fängt an bei der Achtung der Positivität der Geschlechterdifferenz des Menschen, der von Gott als Mann und Frau geschaffen wurde. Hierher gehören alle Themen des Lebensschutzes, an seinem Beginn und in Alter und Hinfälligkeit. Das hat Konsequenzen für einen ehrfurchtsvolleren Umgang mit der Weitergabe des Lebens, Stichwort: Fortpflanzungsmedizin.

Mehr Achtung, Ehrfurcht und Respekt auch vor der Wirklichkeit von Vaterschaft und Mutterschaft. Das muss letztlich auch Konsequenzen haben für eine artgerechte Tierhaltung und auch für gerechtere Preise für entsprechende landwirtschaftliche Produkte.

Wir brauchen, so scheint mir, eine Reformulierung der Naturrechtslehre, die die Schöpfungsordnung und Erlösungsordnung aufeinander bezieht und daraus eine Antwort entwickelt auf die Katastrophe der Gegenwart.“

Bischof Rudolf rief dazu auf, die Osterbotschaft jetzt und gerade in der existentiellen Erfahrung der Krise im täglichen Leben zu bekennen:

„Wenn wir die Krise, so schwer sie auch auf uns lastet, als Aufruf zur Gewissenserforschung nehmen, kann auch tatsächlich Segen und Heil aus ihr erwachsen. Und bitten wir um Gottes Geist, dass er uns helfe, die Bitte der Oration des heutigen Ostersonntags wahr werden zu lassen: „Schaffe uns neu, o Gott, damit auch wir auferstehen und im Licht des Lebens wandeln“. 

Text-Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/das-corona-virus-hat-sich-der-mensch-selbst-geholt-eine-seuche-zeigt-uns-die-grenzen-menschlicher-autonomie-7394/


Münster: Warum Bischof Genns Hirtenwort zur Fastenzeit enttäuschend ist

Von Felizitas Küble

Der Oberhirte von Münster, Dr. Felix Genn, hat zur österlichen Bußzeit einen Hirtenbrief herausgebracht, der am 1. Fastensonntag in allen Sonntags- und Vorabend-Messen des Bistums verlesen wurde.

Daß darin nichts von der Corona-Krise erwähnt wird, kann man dem Bischof wohl nicht ankreiden, da er seine Stellungnahme bereits am 2. Februar verfaßt hat, somit vier Wochen vor der öffentlichen Verlesung in den Kirchen seiner Diözese. (Wir wollen freilich davon absehen, daß unser CHRISTLICHES FORUM schon am 24. Januar über das Corona-Problem informiert hat: https://charismatismus.wordpress.com/2020/01/24/universitaetsmedizin-mainz-zum-corona-virus/)

BILD: In manchen Kirchen wurde Bischof Genn bei der Verlesung seines Hirtenworts auf einer großen Leinwand präsentiert

Das Bischofswort enttäuscht vielmehr aus anderen Gründen – einige seien hier aufgeführt:

1. Als „geistliche Übungen“ der Fastenzeit erwähnt er das Gebet, das Fasten und das Geben. Und was ist mit der Beichte? Diese kommt im gesamten Hirtenwort nicht ein einziges Mal vor.

2. Stattdessen erweckt es den irreführenden Eindruck, als sei der „Synodale Weg“ eine Folge der Missbrauchskrise: Durch den daraus entstandenen „Vertrauensverlust“ in die Kirche hätten die deutschen Bischöfe sich für den Synodalen Prozess entschieden. Was hat aber das eine mit dem anderen zu tun?

Soll etwas dieser Synodale Prozess eine gründliche Aufarbeitung der Missbrauchstaten und ihrer häufigen bischöflichen Vertuschung ersetzen oder zumindest aus dem Fokus rücken?

Indirekt gibt Bischof Genn freilich selber zu, daß es bei diesem Synodalen Weg um etwas ganz Anderes als die Missbrauchsproblematik geht, wenn er erklärt, man wolle hierbei Antworten suchen auf Fragen, „die seit vielen Jahren in der Diskusson sind“ – eben: die altbekannten Reformforderungen nämlich!

Dann schlägt er den Gläubigen das „gemeinsame Gebet zum Synodalen Weg“ vor und empfiehlt sogar das Fasten als „leibhaftigen Ausdruck“ der „inneren Anteilnahme“ – am Synodalen Weg und Gebet wohlgemerkt. Damit vereinnahmt der Bischof die traditionellen Fastenübungen der Gläubigen für sein eigenes Plädoyer zugunsten dieses Synodalen Prozesses.

3. Sodann erläutert der Münsteraner Oberhirte, der Heilige Geist sei „bei diesen Überlegungen anwesend“. Wir sollten diesem Geist „zutrauen“, daß er uns führe und auch „mit Lösungen überraschen“ könne, die wir jetzt noch „gar nicht erahnen“ – und so werde dieser Synodale Weg „Früchte des Geistes“ tragen.

Wie dürfen wir das verstehen?

Sollte der Heilige Geist der Kirche Christi nach 2000 Jahren sozusagen ein neues Licht aufsetzen? Benötigt ER hierfür zudem einen von deutschen Bischöfen angestoßenen „Synodalen Prozess“ mit Mehrheitsprinzip bei Abstimmungen? Soll der Heilige Geist das absegnen, was der Herren eigener Geist sich ausgedacht hat – als „Überraschung“ für das gläubige Kirchenvolk?

4. Merkwürdig erscheint auch folgende „Logik“ des Bischofs:

So wie wir auf die anderen Menschen hören, können wir uns auch innerlich ganz dem Wort Gottes, das uns in der Verkündigung in den Texten der Heiligen Schrift entgegenkommt, einlassen. Bringen wir die unterschiedlichen Wirklichkeiten unseres Lebens mit dem Wort Gottes ins Gespräch, so werden wir fähig, sie als Zeichen Gottes in die-ser Welt und in dieser Zeit zu deuten.“

Wir sollen also „sie“ (!)  – nämlich die „unterschiedlichen Wirklichkeiten unseres Lebens“  – als „Zeichen Gottes in dieser Welt“ deuten. Wohlgemerkt: Nicht „es“ (das Wort Gottes!), sondern „sie“, diese Wirklichkeiten nämlich!

5. Im Hirtenbrief kommt nicht nur das Bußsakrament nicht vor, auch die Gebote Gottes werden nirgends erwähnt. Stattdessen heißt es, eine „Fastenübung“ könne in dem „Verzicht“ bestehen, „unter Druck zu schnellen Lösungen zu kommen“, weil dies danebengehen könne.

Weiter: „Wir werden erst sehen können, ob eine Entscheidung richtig ist, wenn daraus Friede, Trost, tiefe ruhe und Zuversicht erwachsen.“ – Das sind sicherlich erfreuliche Empfindungen, aber der eigentliche Maßstab sind nicht unsere Gefühle und Gemütsstimmungen, sondern der Vergleich unserer Taten mit den Geboten Gottes und der Botschaft Christi.

Quelle für die Zitate: https://www.bistum-muenster.de/fileadmin/user_upload/Website/Downloads/Aktuelles/Publikationen/Kirchliches-Amtsblatt/2020/2020-02_Amtsblatt_Nr._2_Beilage.pdf


Regensburg: HIRTENBRIEF an die Gläubigen von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer

Wortlaut des Hirtenbriefs „Ostern unter den Beschränkungen der Corona-Krise“ von Bischof Voderholzer, Oberhirte des Bistums Regensburg:

Liebe Kinder, liebe jugendliche und erwachsene Schwestern und Brüder im HERRN! 

1. Schon zum zweiten Mal wende ich mich in dieser Fastenzeit auf diesem Wege an Sie. Aber die rasante Entwicklung, die die Coronakrise in den letzten Wochen genommen hat mit ihren gewaltigen Auswirkungen auch auf das kirchliche Leben, drängt mich, als Bischof zu Ihnen zu sprechen.

Erstmals in der Geschichte der Kirche wird es nicht möglich sein, unser höchstes Fest, das Fest der Auferstehung Christi, in leibhaftiger Gemeinschaft zu feiern. Niemand hätte sich das noch vor vier Wochen vorstellen können!

2. Bevor ich ein paar Hilfen anspreche, wie wir in dieser Situation trotzdem Ostern feiern können, will ich mich zuallererst an die von Ihnen wenden, die erkrankt sind, unter strenger Quarantäne stehen oder gar um ihr Leben bangen. Unsere Gedanken und Gebete sind bei Ihnen. Seien Sie gewiss: Der HERR, der sein Leben für uns am Kreuz hingegeben hat, ist bei Ihnen. Er verlässt Sie nicht!

Mit der Kirche beten wir für Sie: Der HERR nehme von Ihnen alle geistigen und körperlichen Schmerzen. In seinem Erbarmen richte ER Sie auf und mache Sie gesund an Leib und Seele. 
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3. Ein ebenso großes Anliegen ist es mir, einen tief empfundenen Dank aussprechen:

– Allen, die in den Krankenhäusern, Altenheimen, Sozialstationen, Laboren und sonstigen Einrichtungen unter Einsatz all ihrer Kräfte kranken Menschen beistehen, Not lindern, Diagnosen stellen und mit Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffes arbeiten.

– Allen, die in der Politik, in der Wirtschaft und in den vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen täglich neuen Herausforderungen begegnen, die ohne Beispiel sind und wo besonnene und gut überlegte Entscheidungen von oft großer Tragweite gefällt werden müssen.

– Als Bischof ist es mir ein besonderes Anliegen, auch den Pfarrern und den pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den vielen Frauen und Männern in den Pfarreien zu danken. Ich habe viel telefoniert und im Internet recherchiert, auch viele Rückmeldungen und Emails bekommen.

Die Kreativität, die ich beobachte im Umgang mit dieser außergewöhnlichen Situation, der Ideenreichtum und auch die Leidenschaft, trotz oder gerade in dieser so belastenden Situation für die Menschen da zu sein und das kirchliche Leben aufrecht zu erhalten, das Evangelium zu verkünden und Gottes Zuwendung zu vermitteln, all das bewegt mich sehr und ich bin stolz auf Sie alle! Vergelt‘s Gott Ihnen allen!

Und ich bitte Sie, nicht nachzulassen, gerade im Blick auf die besonders bedürftigen: alte, kranke, demente, behinderte Menschen.

– Ich danke schließlich von Herzen allen kirchlichen Mitarbeitern, die jetzt die durch Freistellung vom Dienst geschenkte Zeit nützen, sich ehrenamtlich einzubringen in den zahlreichen Initiativen der Sorge um Schülerinnen und Schüler, kranke, behinderte und alte Menschen.

4. Die durch die Corona-Pandemie verursachte Situation unterscheidet sich von den bisher bekannten Krisen wie Kriegszeiten oder Naturkatastrophen. Die jetzige Krise betrifft die gesamte Menschheit, die sich gerade in dieser Bedrohung als Einheit erfährt. Und sie unterscheidet sich dadurch, dass ein Heilmittel, ja das größte und wichtigste Heilmittel, nur sehr eingeschränkt verfügbar ist: die konkret und auch leiblich erfahrbare Gemeinschaft untereinander.

Kirchlich fehlen uns die Feier der gottmenschlichen Gemeinschaft in der Versammlung der Schwestern und Brüder und auch die Feier der Versöhnung in der Beichte sehr.

Statt Ihnen zurufen zu können: Kommt zusammen, unterstützt Euch, greift Euch unter die Arme, ja nehmt Euch in die Arme – muss ich Ihnen mit allen Fachleuten den bitteren Rat geben: Vermeiden Sie die körperlichen Kontakte und menschliche Nähe, gehen Sie sich so gut wie möglich aus dem Weg.

Das ist deshalb so schlimm, weil wir Menschen auf die Gemeinschaft hin angelegt sind. Soziale Kontakte zu reduzieren betrifft das Menschsein im Kern. Da gibt es nichts zu beschönigen! Jeder und jede, die darunter leidet, empfindet vollkommen richtig.

Aber die Vernunft und die christliche Nächstenliebe zwingen uns zu dieser Maßnahme. Denn so können wir mithelfen, die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen, der gegenüber wir so hilflos sind, weil es noch keinen Impfstoff gibt und kein adäquates Medikament. Die Nachrichten, die uns aus Italien, aus Spanien und auch aus den USA erreichen, müssen uns eine dringende Warnung sein und ein Appell, dem Rat der Experten und den Weisungen der Regierung zu folgen.

Aber, liebe Schwestern und Brüder, wir lassen uns nicht unterkriegen! Wir bleiben eine Gemeinschaft, wir bleiben in Kontakt  –  untereinander und mit unserem HERRN. Und: Wir werden Ostern feiern, wenn auch ein wenig anders, als wir es gewohnt sind und es eigentlich vorgesehen ist.

5. Die Oster-Liturgie wird heuer im kleinsten Kreis begangen. Der Bischof feiert mit seinen engsten Mitarbeitern im Dom, die Pfarrer in ihren Pfarrkirchen mit den engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Wir dürfen auf das Prinzip „Stellvertretung“ vertrauen! Der Bischof und die Priester feiern ja nicht für sich und privat. In dieser Situation wird uns besonders bewusst: Ins Gebet der Kirche sind immer alle eingeschlossen, insbesondere sind wir im gemeinsamen Leib Christi in der Tiefe miteinander verbunden.

Ich weiß, dass all dies niemals ein wirklicher Ersatz sein kann. Aber es ist doch immerhin eine Notlösung, von der wir hoffen und beten, dass sie bald wieder abgelöst wird von der gemeinschaftlichen Feier.

Gebe Gott, dass die uns jetzt auferlegten Beschränkungen die Sehnsucht nach der gottesdienstlichen Gemeinschaft und nach dem Brot des Himmels wachsen lasse.

Die Erfahrungen, die wir in den letzten Tagen mit den Internet- und Fernsehübertragungen gemacht haben, sind sehr ermutigend. Viele Tausende von Schwestern und Brüdern haben mithilfe der Technik an der Gebetsgemeinschaft teilnehmen können. Ich danke allen, die die technische Übertragung möglich machen! Und ich bitte Sie, diese Möglichkeiten jetzt in den kommenden Tagen der Karwoche und der Osterzeit noch verstärkt zu nützen. 

Wir versuchen, auf der Homepage des Bistums und in den Zeitungen alle wichtigen Informationen dazu bereit zu stellen. Ich bitte Sie, sich dort auf dem Laufenden zu halten. Helfen Sie denen, die, aus welchen Gründen auch immer, vom Informationsfluss abgeschnitten sind.

Ich bitte Sie herzlich, stehen Sie gerade den älteren Menschen bei, die vielleicht keinen Computer und so auch keinen Zugang zum Internet haben. Unterstützen Sie sie, damit sie die Möglichkeiten ausschöpfen können, die Rundfunk und Fernsehen bieten.

Ich weiß, dass vielen in diesen Tagen das Programm von Radio Horeb zum Segen gereicht. Helfen Sie zusammen, dass alle die entsprechenden Sender finden.

6. Darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten, in den eigenen vier Wänden „Hauskirche“ zu gestalten. Das Gotteslob, mit dem man schon bei den im Fernsehen und im Internet übertragenen Messfeiern mitsingen kann, enthält etliche Andachten und Gebete für den einzelnen oder die Hausgemeinschaft: Kreuzwegandachten, Passionsandachten, Osterandachten.

Wir werden Ihnen zusätzlich Vorlagen für Hausgottesdienste zur Verfügung stellen.

Die Regensburger Sonntagsbibel, die mittlerweile in vielen Haushalten ihren festen Platz hat, enthält alle Schrifttexte aller österlichen Gottesdienste. Die reiche Bebilderung gerade der Passionsberichte am Palmsonntag und am Karfreitag lädt zur Betrachtung und zum verweilenden Gebet ein. Auch die Sonntagszeitung ist uns hier eine große Hilfe!

Ich verweise auch auf die alte Tradition, daheim einen Hausaltar zu gestalten: ein Kreuz, ein Bild, die aufgeschlagene Bibel, Blumen, Kerzen. Gerade im Monat Mai war es in vielen Häusern üblich, einen Mai-Altar zu bauen, und ich lade ein, diese Traditionen lebendig zu halten oder wiederzubeleben.

Und wie wir an Weihnachten eine Weihnachtskrippe aufstellen, so gibt es auch die Möglichkeit, eine Passions- oder Osterkrippe zu bauen. Auf unserer Homepage und auch auf „Jahreskrippen.de“ finden Sie dazu Anregungen!

7. Dazu kommen die vielen Elemente des Brauchtums, die die Liturgie traditionell begleiten und uns in dieser Situation noch hilfreicher sind als sonst.

Die heuer in Heimarbeit (und nicht in froher Runde) gestalteten Palmbuschen, die in den Kirchen gesegnet werden, sollen wie immer unsere Kreuze schmücken, Christus, dem König der Könige, huldigen und den Segen in den Stall und auf die Felder tragen.

Die Osterkerze wird auch im Jahr 2020 die Kirche erhellen und uns Christus nahe bringen als das Licht, das die tiefste Finsternis erhellt, sogar Licht bringt in die Dunkelheit von Grab und Tod. Auch zuhause darf das österliche Licht brennen. Viele haben schon immer ihre Osterkerze selbst verziert mit Auferstehungsmotiven; eine gute Möglichkeit, sich gerade auch dieses Jahr auf Ostern vorzubereiten!

Bereiten Sie auch heuer einen Speisenkorb vor zum Ostersonntag. Der Segen aus dem Dom und aus der Pfarrkirche kann von Ihnen aufgenommen werden in einer häuslichen Feier zum Osterfrühstück, wofür wir Ihnen auch eine Vorlage vorbereiten.

Zu den österlichen Zeichen gehört nicht zuletzt das gesegnete Osterwasser, das uns an die Taufe erinnert und an das göttliche Leben. Im Dom werden wir es in kleinen Gefäßen abfüllen und zum Mitnehmen bereitlegen. Ich weiß, dass es viele Pfarreien auch so handhaben. Besprengen Sie die Gräber mit dem Osterwasser und verbinden Sie damit das Gebet für die Verstorbenen.

8. Ein Wort an alle, die sich gewünscht hätten, dass die Kirche mehr auf ihre Rechte und die Freiheit der Religionsausübung pocht: Sie haben insofern Recht, als die Kirche nicht nur systemrelevant, sondern sogar heilsrelevant ist!

Und auch insofern, als die Eucharistie als „Arznei der Unsterblichkeit“ (Ignatius von Antiochien) noch wichtiger ist als alle anderen Medikamente.

Aber der Staat stellt doch nicht das Christsein unter Strafe, wie einst das römische Reich in den Zeiten der Christenverfolgung, als die Christen als Staatsfeinde angesehen wurden, weil sie den Staatskult ablehnten. Im Jahr 304 ließen sich tatsächlich die Märtyrer von Abitene lieber verhaften und totschlagen, als auf die gemeinsame Feier der Eucharistie zu verzichten. 

Aber das ist überhaupt nicht vergleichbar. Ich distanziere mich ausdrücklich von allen Verschwörungstheorien und danke unseren verantwortlichen Politikern für ihr entschlossenes Handeln. Nur gemeinsam und im oben beschriebenen Sinn werden wir diese Krise meistern und auch dieses Jahr Ostern feiern.

Und ich vertraue auch darauf, dass die Verantwortlichen Maß und Ziel kennen. Nicht dass wir zwar vom Corona-Virus verschont bleiben, dafür aber an Verarmung oder Vereinsamung und gebrochenem Herzen sterben.

9. Die Zeit wird freilich auch kommen, da wir in uns gehen und uns werden fragen müssen, was wir aus dieser epochalen Krise lernen.

Schon jetzt erfahren wir schmerzhaft, wie hinfällig und gefährdet unser Leben ist, wie sehr wir angewiesen sind auf Gottes Segen und die Kraft von oben. Sicherheiten werden uns aus der Hand geschlagen und Allmachts-Phantasien zertrümmert.

Vielleicht werden tatsächlich dem Land die Sabbate ersetzt, die ihm vom Kult schier grenzenlosen Wachstums geraubt worden waren (vgl. 2 Chr 36,21).

Der Sabbat steht dabei nicht nur für eine Unterbrechung des profanen Geschäftsbetriebs, sondern zu allererst für eine bewusste Hinordnung auf Gott. Aber diesen Fragen werden wir uns verstärkt zuwenden müssen, wenn wir das Tal der Tränen durchschritten haben.

10. Liebe Schwestern und Brüder, in früheren Zeiten haben Menschen in großer Not eine Wallfahrt gelobt als Bußwerk. Selbst dies ist uns jetzt verwehrt. Aber ich lade Sie ein, ein Gebetsanliegen, eine Bitte oder einen Dank, an den Verein der Regensburger Fußwallfahrt nach Altötting zu senden.

Wir wollen den Anliegenrucksack füllen und unser Gebet auch dieses Jahr zum Herzen Bayerns nach Altötting tragen; und wenn es nur eine Gruppe von zwei Pilgern stellvertretend für alle ist. 

11. Wenn die Pandemie dann aber überstanden ist, werden wir ein großes Fest feiern und eine diözesane Dankwallfahrt begehen, zu der ich jetzt schon herzlich einlade! Alle Details werden geklärt und bekanntgegeben, sobald die Zeit dafür gekommen ist.

Auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria, der Heiligen und Seligen unseres Bistums sowie aller Heiligen segne und bewahre Sie und Euch alle vor aller Krankheit der dreifaltige Gott, der + Vater und der + Sohn und der + Heilige Geist.

Regensburg am Hochfest der Verkündigung des HERRN, 25. März 2020
+ Rudolf, Bischof von Regensburg

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/fileadmin/redakteur/News/PDF/2020_-_Hirtenwort_-_Corona_-_Langfasssung.pdf

 


Neuer Bischof in Augsburg: CSU-Fraktion gratuliert Prälat Bertram Meier

Zur Ernennung von Prälat Bertram Meier zum neuen Bischof von Augsburg gratuliert der kirchenpolitische Sprecher der CSU-Fraktion, Alex Dorow im Namen der gesamten Fraktion:

„Mit Dr. Bertram Meier bekommt das Bistum einen erfahrenen und gewandten Bischof, der sowohl reiche Erfahrung aus verschiedenen römischen Aufgaben als auch eine gute Kenntnis von Land und Leuten in seiner Diözese mitbringt.

Als gebürtiger Buchloer ist er in Bayern zuhause, als Diözesanadministrator leitete er zuletzt mit großer Umsicht die Geschicke der Diözese in der Zeit der Sedisvakanz.

Die Landtagsfraktion freut sich, mit Bertram Meier einen über die Grenzen Bayerns hinaus bekannten und klugen Theologen und Seelsorger als Ansprechpartner zu haben, der die Herausforderungen für die katholische Kirche in der Gesellschaft kennt und den Dialog mit den Menschen zu führen weiß.
Für das neue Amt wünscht die CSU-Landtagsfraktion Fortune, Erfolg und Gottes reichen Segen.“