Kirchl. Bittgebete um gutes Wetter: Segen, Hagelprozessionen, Flurumgänge etc.

Von Felizitas Küble

Da ich aus einer ländlichen Gegend in Oberschwaben stamme, kenne ich noch genau das katholische Brauchtum in dortigen Dörfern und Pfarreien. Die Flurumgänge – also Bittprozessionen – waren alle Jahre wieder ebenso selbstverständlich wie der feierliche Wettersegen des Priesters mit erhobenen Händen zum Abschluß mancher Sonntagsmessen.

Auch die Geistlichen hatten oft einen handfesten Kontakt zu ihren Bauern. Bis in die 60er Jahre hatten nicht wenige Pfarrer eine eigene kleine Landwirtschaft um ihren Pfarrhof herum. Entsprechend bodenständig waren diese Priester meistens auch eingestellt.

In meiner Heimatgemeinde Bergatreute im Landkreis Ravensburg war es bis Anfang der 70er Jahre gang und gäbe, daß der Pfarrer seinen „Schäflein“ bei einigen Sonntagsmessen verkündete, daß sie eine „Dispens“ (Ausnahmegenehmigung) erhalten, das heißt:

Die Bauern durften dann mit kirchlicher Erlaubnis auch am Sonntag ihr Heu hereinfahren, wenn ihnen das Wetter praktisch keine andere Wahl ließ.

Manchmal hat der Pfarrer sich selber direkt bei einigen Bauern gemeldet und gefragt, ob eine Dispens angesagt sei. Wie ich von älteren Leuten aus dem Münsterland erfuhr, war es auch bei Ihnen üblich, daß die Leute auf dem Land ihren Pastor fragten, ob sie am Sonntag eine dringende Ernte reinholen dürfen. 

Zurück zu den Bittgängen und Wetterprozessionen:

Diese wurden während der Aufklärungszeit in einigen Bistümern verboten oder eingeschränkt, weil sich teilweise ein allzu weltliches, jahrmarktsähnliches Treiben oder gar abergläubisches Brauchtum breitgemacht hatte.

In geregelter Form wurden die Flurumgänge aber bald größtenteils wieder erlaubt, sofern ein Pfarrer sie anführte. Diese Prozessionen waren eine Kombination aus Segensritualen für die Schöpfung Gottes und Bittgebeten um gutes Wetter und um Verhütung von Schäden durch Hagel, Gewitter, Dürre etc.

So entstand auch im Münsterland der Name „Hagelprozession“: sie sollte vor Hagelschäden bewahren.

Freilich waren diese Gebetsgänge nicht magisch zu verstehen, als ob sich damit ein „Automatismus“ verbinden ließe, denn Gott ist souverän und frei in der Erhörung von Gebeten.

Aber Christus hat uns sogar im Vaterunser ein Beispiel dafür hinterlassen, daß Gebete durchaus irdische Bitten („Unser tägliches Brot gibt uns heute“) enthalten dürfen, wenngleich die Sorge um „das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“ das Wichtigste ist.

In westfälisch-ländlichen Gegenden fand die Hagelprozession oft zehn Tage nach Fronleichnam statt, also am zweiten Sonntag danach. Teils gibt es dieses Brauchtum noch heute im Münsterland, manchmal verbunden mit eucharistischen Andachtsformen, dem sakramentalen Segen mit dem Allerheiligsten usw.

In anderen Gegenden – etwa im Rheinland – gab es die Feldumgänge in den Tagen um Christi Himmelfahrt. Teils nannte man sie „Hagelfeier“ oder „Hagelfeiertag“, manchmal direkt am Freitag nach Christi Himmelfahrt. In Landshut und Umgebung bezeichnete man diesen Tag als „Schauerfreitag“  – nicht weil er schaurig wäre, sondern weil er vor Hagel und Schauern bewahren sollte.

Dieses bewährte kirchliche Brauchtum ist leider vielerorts ausgestorben, was zu bedauern ist, denn gerade in der Dürreperiode der letzten Wochen hätten solche Bittprozessionen  – mindestens aber ein Wettersegen am Ende der Sonntagsmesse – ihren besonders guten Sinn gehabt und die Menschen zum Beten, Bitten und Nachdenken animiert, denn immer noch gilt der alte Spruch:

An Gottes Segen ist alles gelegen!


Ravensburg & Weingarten (Oberschwaben): Gastwirte wg. AfD eingeschüchtert

Keine Räume mehr für die AfD?

Lokale linke Bündnisse haben ihr Ziel erreicht. Das „Rössle“ in Weingarten und die „Kiesgrube“ in Ravensburg wollen keine Räumlichkeiten mehr an die AfD vermieten.

Die Schwäbische Zeitung berichtet darüber. Die Zeitung ruft zugleich im Vorfeld potenzielle Gaststätten an und fragt dort nach:

„Damit wird es für die AfD immer schwieriger, noch Räumlichkeiten für ihre Veranstaltungen zu finden. Denn auch das Ravensburger „Gasthaus zur Kiesgrube“ hat auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ angekündigt, dass sie ihre Räume nicht mehr an die AfD vermieten werden.“

Was unbotmäßigen Wirten passieren kann, wurde in München zuletzt am Casa Mia vorexerziert, das am 21. Juli 2017 schließt.

Weitere Infos hier: https://bayernistfrei.com/2017/07/21/kurzmeldungen/

 


Oberschwaben: Seit 300 Jahren gibt es den traditionellen Blutritt in Bad Wurzach

In Europa gibt es in mehreren Städten, vor allem in Süddeutschland, eindrucksvolle Reiterprozessionen zu Ehren des hl. Blutes Christi, so zB. im oberschwäbischen Weingarten sowie in Bad Wurzach. Dort wird in diesem Sommer das 300-jährige Jubiläum dieser Tradition gefeiert.

1700 Reiter, 35 Musikkapellen und mehr als fünftausend Pilger ziehen am Freitag, den 14. Juli 2017 schon am frühen Morgen ab 7 Uhr besinnlich betend durch die Innenstadt und das Umfeld dieses schwäbischen Kurortes.

Danach folgt ein Pontifikalamt (feierliche Bischofsmesse) mit Bischof Gebhard Fürst von Rottenburg-Stuttgart, später eine Predigt auf dem sog. „Gottesberg“ bei Bad Wurzach, zu dem bis vor wenigen Jahren spezielle Männerwallfahrten stattfanden (inzwischen Familienwallfahrten).

Der Jubiläums-Blutritt endet am späten Nachmittag.

 

 


Kloster Bonlanden bietet eine einzigartige Krippenlandschaft das ganze Jahr hinduch

Der barrierefreie Krippenweg im oberschwäbischen Frauenkloster Bonlanden zieht seit vier Jahren zahlreiche Besucher nicht nur in der Advents- und Weicropped-bonlanden_07_01hnachtszeit an, sondern das ganze Jahr hindurch.

Mit bis zu 250 Jahre alten Figuren wird auf 160 Quadratmetern auf barocke Weise die biblische Geschichte der Menschwerdung Christi anschaulich in 16 Szenen dargestellt – beginnend mit den Prophezeiungen aus dem Alten Bund (Ankündigung des messianischen Reiches durch den Propheten Jesaja).

Für die kleinen Besucher steht eine lebensgroße Spielkrippe und ein Maltisch bereit.bonlanden_0231-150x150

Das Konzept ist eingebettet in zwei ergänzende Ausstellungsbereiche bzw. Erzählbühnen  –   über den hl. Franziskus und das Wirken des Franziskanerordens in aller Welt.

Auf Franz von Assisi wird die Tradition der Krippe zurückgeführt – er soll damals 1223 im Wald von Greccio die Weihnachtsbotschaft mit echten Tieren (Ochs und Esel) in Szene gesetzt und gleichsam inszeniert haben. Hierauf wird die Krippentradition zurückgeführt.

Von Advent bis Februar werden verschiedene Krippenführungen angeboten (musikalische Variante, Führung mit Kindern oder als Gang mit der Taschenlampe etc).

Weitere Infos und Fotos hier: http://www.kloster-bonlanden.de/krippenmuseum/der-weg/


Trauer um meine Schwester Annemarie: R.I.P.

Von Felizitas KübleScannen0003

Vor zwei Tagen, am Freitag, den 12. Februar 2016, ist meine jüngere Schwester Annemarie Kesenheimer (siehe Fotos) im Alter von nur 51 Jahren in der Mittagszeit verstorben; ihr Ehemann Rolf war bei ihr – und auch meine Schwester Agnes Reichle war zu Besuch bei „Anni“, wie wir sie gerne nannten.

Annemarie hat ihre letzten Lebensmonate in einem freundlichen Hospiz mit dem passenden Namen „am Engelberg“ in Wangen (Allgäu) verbracht, wo sie sehr aufmerksam und fürsorglich behandelt wurde, sowohl von Ärzten (besonders von Frau Dr. Kneer) wie auch von Krankenschwestern und ehrenamtlichen Helfern.

Zudem sind Angehörige, Verwandte und Freunde oftmals zu Anni in die Klinik gekommen. Auch ich fuhr mehrmals von Münster nach Oberschwaben in heimatliche Gefilde, um meine geliebte Schwester zu besuchen, zuletzt am Samstag vor ihrem Tod, worüber sie sich sehr gefreut hat  –  auch wenn ich sie z.B. mit Weihwasser und dem Kreuzzeichen zum Abschied segnete.Scannen0005 - Kopie

FOTO: Anni mit ihrer um 1 Jahr älteren Schwester Agnes (rechts) auf der Obstwiese unserer Familie

Annemarie war seit über einem Jahr an Krebs erkrankt – und sie hat zahlreiche Operationen, zudem sehr schmerzhafte Behandlungen, Bestrahlungen sowie eine Chemotherapie über sich ergehen lassen in der Hoffnung auf Heilung, die sich aber leider nicht erfüllte.

Annemarie hinterläßt ihren liebevollen Ehemann Rolf und zwei Töchter (Sandra und Julia) sowie ihre kleine Enkelin Amilia.

Meine Schwester war sehr heimat- und naturverbunden und seit jeher eine große Wanderfreundin; ähnlich wie ihr Vater, ihre Brüder Klaus und Rudi  – und vor allem ihr Ehemann Rolf; sie war jahrzehntelang im Schwäbischen Albverein aktiv, einem starken Verband mit über 100.000 Mitgliedern, wobei Rolf Kesenheimer zum Gesamtvorstand und Hauptausschuß in Stuttgart gehört. Scannen0008 - Kopie

Zugleich ist Rolf der Nachfolger von Annis Vater Anton Küble in seinem Amt als Vertrauensmann (Vorsitzender) des Schwäbischen Albvereins Bergatreute.

BILD: Familienwanderung im heimatlichen Altdorfer Wald

In den Familien Küble und Kesenheimer wurde und wird gerne und regelmäßig gewandert, wie dieses Foto illustriert: es zeigt Annemaries Vater (Mitte) im Gespräch mit Rolf (links), ihrem Bruder Klaus (rechts), seiner Frau Claudia und Kindern.

Neben dem Wandern tanzte meine Schwester sehr gerne: in jungen Jahren war sie in einer flotten Mädchen-Tanzgruppe namens „Casambres“ aktiv, später in einer schwäbischen Volkstanzgruppe, geleitet von ihrem Bruder Klaus Küble.Scannen0004

Auch in der katholischen Pfarrgemeinde hat sie sich jahrzehntelang mit Herzblut eingesetzt, teils in Schülergruppen, teils in der Firmvorbereitung der Jugendlichen.

BILD: Annemarie bei einer Tanzvorführung in den 80er Jahren: vorne links das erste Mädchen

Annemarie schätzte und bewunderte besonders den im Jahre 2000 verstorbenen Erzbischof Johannes Dyba, weshalb sie unseren Aufruf für seine Seligsprechung unterschrieb.

1979 war Anni  – damals erst 15 Jahre alt  – mit mir auf dem Katholikentag in Freiburg, was in jeder Hinsicht ein Glück für mich war, da sie über einen außergewöhnlich guten Orientierungssinn verfügte; andernfalls hätte ich mich in der Großstadt ständig in den Straßen verirrt – und so konnte ich bequem hinter meiner jüngeren Schwester hertraben.

Ich war damals 18  –  und schon kurz danach begann mein journalistischer Einstieg beim KOMM-MIT-Verlag in Münster.

Anfang der 80er Jahre war auch meine Schwester bei uns im KOMM-MIT-Verlag und Christoferuswerk  – das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt  –  als Praktikantin beschäftigt, wobei sie sehr eifrig, zuverlässig und einsatzfreudig mitarbeitete; später hat sie uns auch gemeinsam mit ihrem Mann in Münster besucht.  Scannen0006

Zugleich fuhr unser Verlagsgründer Günter Stiff (verstorben im September 2002) mehrfach mit mir von Münster nach Süden, wobei er auch meine Eltern auf ihrem Bauernhof besuchte.

FOTO: Anne neben Vater und Mutter vor unserem Elternhaus: auf dem Schoß meiner Mutter sitzt Annemaries Tochter Sandra  –  und Anni selbst hat sich unseren Günter (den sie von ihrem Praktikum her noch gut kannte) als Sitzplatz ausgesucht.

Anni war gleichsam eine echte „Tochter Oberschwabens“; sie hatte Spaß am fröhlichen Treiben, an Geselligkeit, Feste feiern und kreativer Betätigung. Zugleich war sie tiefsinnig, nachdenklich, sehr fürsorglich und bodenständig-gläubig und interessiert an Grundsatzfragen und aktuellen Themen.

Als ich sie eine Woche vor ihrem Tod im Krankenhaus besuchte, meinte sie gleich eingangs etwas traurig: „Ooh, jetzt kann ich nichtmal bei der Fasnet dabeisein.“ (So nennt man den Karneval bzw. Fasching im schwäbischen „Oberland“.)

Meine Schwester war sehr froh, ermutigt und getröstet, als sie von mir erfuhr, daß hier in Münster, aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz so viele Fr eunde unseres Christoferuswerks regelmäßig für sie beten  –  und zudem zahlreiche Geistliche für sie in der heiligen Messe ein Memento (Gedenken, Fürbitte) einlegten und ihr den priesterlichen Segen übermittelten.Scannen0005

Dieses FOTO zeigt meine Schwester auf ihrem heimatlichen Bauernhof in Witschwende bei Bergatreute, wo sie häufig unsere Eltern Anton und Theresia bzw. Resi besuchte (der Vater verstarb bereits im Jahre 2001).

Annemaries Heimat Bergatreute ist ein jahrhundertealter Marienwallfahrtsort in malerischer Landschaft mit prächtiger Zwiebelturm-Kirche. Die landwirtschaftlich und handwerklich geprägte Dorfgemeinde im Landkreis Ravensburg gehört zur oberschwäbischen Barockstraße sowie zum bekannten Jakobsweg. 

Alois Küble, der Großvater der Verstorbenen, war nach dem 2. Weltkrieg jahrzehntelang Bürgermeister von Bergatreute. Er wurde von der französischen Besatzungsmacht ins Amt gesetzt, weil er sich öffentlich eindeutig gegen die Nazi-Diktatur gestellt hatte. Später wurde er mehrfach durch Wahlen in seinem Bürgermeisteramt bestätigt.

Anton Küble, Annemaries Vater, kam bereits mit 16 Jahren ins Gefängnis nach Ulm, weil er sich geweigert hatte, „freiwillig“ in die Waffen-SS zu gehen. Annemaries Großonkel, Pater Dr. Philipp Küble SJ, war ein begnadeter Pädagoge und Schriftsteller, der das bekannte Jesuitenkolleg in Feldkirch (Österreich) leitete; wegen seiner kernkatholischen und bekenntnistapferen Haltung erhielt er zeitweise Predigtverbot durch die Nazis und durfte im Marienwallfahrtsort Bergatreute nicht mehr zelebrieren. Scannen0009 - Kopie

Dieses BILD illustriert den besinnlichen, die Stille suchenden Charakter meiner Schwester; es entstand bei der gemütlichen Rast während einer Bergwanderung mit dem Schwäbischen Albverein Bergatreute. Die schöne Tour in die Alpen erlebte ich gemeinsam mit Anne (links) und meiner Freundin Susanne Brändle (rechts).

Meine Schwester war immer sehr familienverbunden und kinderlieb. Oft hatte sie Kinder aus den Nachbarsfamilien mit am Eßtisch oder spielend im Garten  – gemeinsam mit ihren eigenen beiden Töchtern.

Das letzte FOTO zeigt ihre Tochter Julia und Enkeltochter Amilia, an der Anni ihre große Freude hatte.   Scannen0010

Auch als Christen sind wir von tiefer Trauer erfüllt, wenn Angehörige oder enge Freunde uns irdisch verlassen – doch wir leben in der Zuversicht, daß der liebende Gott unsere Tränen einst trocknen wird: Wir wissen, daß unser Todestag zugleich der Geburtstag für die Ewigkeit ist.

So bleiben wir unseren Verstorbenen in Liebe und Gebet verbunden, denn sie leben für immer und ewig: R.I.P.  (Requiescat in pace – Ruhe in Frieden).

HERR, schenke ihr die ewige Freude
und das ewige Licht leuchte ihr.
HERR, laß sie ruhen in Frieden. Amen.


Oberschwäbische Künstlerfamilie: Ausstellung in Bad Saulgau über „Die Mesmers“

Johann Georg Mesmer (1715 – 1798) ist Stammvater einer weit-verzweigten und über sechs Generationen reichenden „Künstlerdynastie“, deren verwandtschaftlichen Sauter-Jahrmarkt-70x84-webBeziehungen vom Kemptener Hofmaler Franz Georg Hermann über den Aulendorfer Genremaler Johann Georg Sauter bis hin zu Gustav Mesmer, dem sogenannten „Ikarus vom Lautertal“, reichen.

BILD: J.G. Sauter: Oberschwäbischer Jahrmarkt

Aus Anlass des 300. Geburtstages von Johann Georg Mesmer, einem Schüler und Mitarbeiter von Franz Joseph Spiegler beim Zwiefalter Münster, widmet sich die Städtische Galerie Fähre dieser außergewöhnlichen Malersippe.

Dabei wird nicht nur an Johann Georg Mesmer und seinen Sohn Josef Anton erinnert, die im 18. und 19. Jahrhundert in über 70 Kirchen Oberschwabens und der Schweiz ihre Spuren hinterlassen haben.

Mit Johann Georg Sauter (1782 – 1856) ist auch ein Landschafts- und Genremaler aus der Familie hervorgegangen, der beispielhaft für den Biedermeier in unserer Region steht.

Aber auch die weiteren Künstler sind typische Vertreter ihrer Zunft, in denen sich von der Romantik bis zur Outsider-Art des Flugradbauers Gustav Mesmer die verschiedenen stilistischen Strömungen der Zeit widerspiegeln: Wie in einem Brennglas fokussiert sich hier ein Kapitel regionaler Kunstgeschichte, das bisher nur wenig Beachtung gefunden hat.

Quelle und weitere Infos hier: http://www.bad-saulgau.de/buerger/kultur_veranstaltungen/Mesmer.htm


„Besenkapellen“, Magie und Aberglaube: Reisigbesen als Abwehrzauber

Von Felizitas Küble

In Bayern, Oberschwaben und im Allgäu gibt es einige sogenannte „Besenkapellen“ im ländlichen Raum. Dort sind keine Besen ausgestellt wie in einem Museum. Vielmehr haben noch im vorigen Jahrhundert viele Leute dort ihren magischen Vorstellungen freien Lauf gelassen und tun dies vereinzelt auch heute noch:

Es gab vielfach eine abergläubische Angst vor Zigeunern oder „Hexen“ (bisweilen wurde beides miteinander vermengt und das „fahrende Volk“ als verhext angesehen). Zudem wollte man keine Diebe im Haus und keine Hausierer vor der Tür. Was tun?

Man stellte einen Besen aus Reisigholz kopfüber vor die Haus- oder Stalltür. Damit wollte man eben nicht nur Sturm, Hagel und sonstige Unwetterschäden „abhalten“, sondern auch einen Abwehrzauber gegen „Hexen“ und Schadensmagie sowie gegen Diebe betreiben.

Daß solche Abwehrmittel  aber  s e l b e r  magisch sind bzw. sich auf einer abergläubischen Ebene befinden, wurde weitgehend verdrängt. (Auch die sog. „weiße“ Magie ist ja magisch, nicht nur die offensichtliche Schwarzmagie, bei der man immerhin weiß, woran man ist!)

Mitunter wurden Besen nicht nur an der eigenen Haustür abgestellt, sondern an den Wänden kleiner Dorfkirchen und Kapellen. Manchmal waren es sog. „Pestkapellen“, die aus Dankbarkeit errichtet wurden, wenn eine Ortschaft ganz oder größtenteils von der Pest verschont blieb. Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden, im Gegenteil. P1020947 - Kopie

Wer die Seuche als Betroffener überlebte, „opferte“ dafür symbolisch einen Besen als Reinigungsgerät, weil man ja von der Pest „gereinigt“ wurde. Das kann man noch als bloße Symbolhandlung verstehen.

Übergang vom Besen-Symbol zum Besen-Kult:

Es blieb aber nicht immer bei harmlosen Anfängen. Nach einiger Zeit machte sich ein geradezu magischer „Besenkult“ breit  –  und das Ende vom Lied war der Besen als Abwehrzauber gegen „Hexen“ oder böse Geister bzw. Dämonen (evtl. verbunden mit der Wahnvorstellung vom „bösen Blick“).

In manchen Gegenden  – vor allem im ländlichen Raum –   glaubte man: Wenn ein Besen, der in der Nähe der Tür angelehnt war, umfiel, war die Frau (oder der Mann), welche(r) als nächste(r) hereinkam, angeblich eine Hexe bzw. ein Hexenmeister. (Auch verdächtigte Männer wurden während des Hexenwahns verfolgt, wenngleich bei weitem nicht so häufig.)

Hier kamen altgermanische, heidnische (!) Vorstellungen zum Vorschein, die trotz der Christianisierung unseres Volkes nicht vollständig überwunden wurden. Glaube und Aberglaube, tiefe Volksfrömmigkeit und Magie liegen mitunter „haarscharf daneben“, deshalb gilt mit Recht das Prinzip: Wehret den Anfängen!

Grenzwertig ist es schon, wenn man glaubte, durch den Gang zu einer speziellen Besenkapelle von bestimmten Krankheiten wie Furunkeln oder Karbunkeln geheilt zu werden (so zB. bei einer Besenkapelle in der Nähe von Wolfegg im Vorallgäu). Warum mußte es  – so fragt man sich – denn unbedingt gerade eine „Besenkapelle“ sein?

Als weiteres Beispiel sei die Besenkapelle im oberschwäbischen Haisterkirche bei Bad Waldsee erwähnt  – genau heißt sie eigentlich St-Wendelinus-Kapelle, benannt nach dem irischen Missionar Sankt Wendelin. Noch bis vor 50 Jahren haben Leute dort um die Kapelle herum ihre Reisigbesen hinterlassen, vereinzelt auch noch danach.

Die lokale „Bildschirmzeitung“ schreibt hierzu Folgendes:

„Wer unter Hautauschlägen, Geschwüren, Warzen litt, konnte von seinen Leiden befreit werden, wenn er bei der Wendelinuskapelle – im Volksmund auch „Besenkapelle“ genannt – heimlich einen Reisigbesen ablegte.

Als einmal ein Pfarrer von Haisterkirch zu Beginn des letzten Jahrhunderts gegen diesen Aberglauben von der Kanzel wetterte und danach als Beweis alle Besen einsammelte, wollte es das Ungemach, dass er wenige Wochen später ein „Oisa“ (Abszess) ins Genick bekam. Für die Bevölkerung war dies eine deutliche Bestätigung ihres Aberglaubens und die Besenablegerei florierte noch mehr. Kaum jemand machte sich Gedanken darüber, dass sich der Pfarrherr aufgrund des Reibens am damals üblichen Stehkragen ganz einfach infiziert hatte.“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Fotos: Felizitas Küble, Dr. Bernd F. Pelz