Berlin: Wird der Skandal um pädosexuelle „Pflegeväter“ amtlich vertuscht?

Der jüngste Skandal um den Berliner Senat, der in den Siebzigerjahren wissentlich Pädophile als Pflegeväter für Straßenjungen eingesetzt hat, zeigt, dass das Thema sexueller Kindesmissbrauch nach wie vor aktuell ist. Einer umfassenden Aufklärung steht allerdings Desinteresse der Politik im Wege.

Buchtitel der Aktion Göttinger Wissenschaftler, die eine Verstrickung des Berliner Senats zu Pädophilie-Aktivisten untersucht haben, fanden heraus, dass es auch eine Verbindung zur Odenwaldschule gab. Der Senat finanzierte dort Schulplätze für Kinder der Jugendhilfe.

Die Wissenschaftler fordern nun den Senat zur Nachforschung auf, ob die von ihm entsandten Jungen dort sexuell missbraucht wurden.

BILD: Buchtitel der Aktion „Kinder in Gefahr“: Mathias von Gersdorff warnte schon früh vor den Folgen der 68er Kulturrevolution

„Das ist kein Thema der Vergangenheit“, sagt auch Christine Bergmann, ehem. Familienministerin und heute Mitglied in der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Die vor etwa einem Jahr gegründete Kommission beschäftigt sich mit sämtlichen Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR.

Dass der Kommission jegliche Befugnisse fehlen, kritisiert Norbert Denef vom Netzwerk B., das sich für betroffene von sexualisierter Gewalt im Kindesalter einsetzt. Er sagt: „Das Vertuschen von Missbrauchsskandalen hat System und es fehlt der politische Wille, hier wirklich etwas aufzuarbeiten.“

Im Zeitraum von rund einem Jahr sind bei der Kommission rund 415 Anmeldungen für vertrauliche Anhörungen sowie 67 schriftliche Berichte eingegangen. 38 vertrauliche Anhörungen gab es bisher seit September. Hinzu kommen rund 200 Telefonate.

In einem Sputnik-Interview sagte Norbert Denef: „Diese Kommission ist politisch nur dazu befugt, sich die Opfergeschichten anzuhören, Aufarbeitung findet dort nicht statt.“

Auch die neuerlichen Vorwürfe rund um die Odenwaldschule wundern Denef nicht: „Man hat den Eindruck, dass dort eine große Mauer des Schweigens ist, auch von Prominenten, die an der Odenwaldschule vertreten waren. Diese haben verhindert, dass stelle ich mal als These in den Raum, dass hier eine wirkliche Aufarbeitung stattfindet.“

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: http://netzwerkb.org/2016/12/07/vertuschen-hat-system/


Opferverband „NetzwerkB“ begrüßt eventuellen Konkurs der Odenwaldschule

Pressemitteilung der Betroffenen-Initiative „netzwerk B“:

Nach dem medialen hochkochen des Missbrauchsskandals an der Odenwaldschule hat das Interesse von Eltern und Schülern rapide abgenommen. Nun droht laut einem Bericht des SPIEGEL die Insolvenz. 

Grafik: PI-News

Grafik: PI-News

NetzwerkB begrüßt es sehr, wenn die Odenwaldschule Insolvenz anmeldet. Das verbleibende Vermögen könnte der Trägerverein dafür einsetzen, die Betroffenen von sexualisierter Gewalt angemessen zu entschädigen – es wäre ein würdevoller Akt der Versöhnung.

Sex mit Kindern zu entkriminalisieren, dafür setzte sich in den 80er-Jahren auch der Kinderschutzbund ein. Sex mit Erwachsenen, so die Botschaft, mache Kinder stark fürs Leben.

Erst nach dem im Oktober 2013 die dunklen Machenschaften dieser angeblichen Kinderschützer ans Tageslicht kamen und die Verantwortlichen mit dem Rücken an der Wand standen, wurde eine Aufarbeitung angekündigt. Wir würden es begrüßen, wenn auch der Kinderschutzbund sich auflösen würde – mit der Pädophilen-Lobby muss endlich Schluss sein!

Aber daraus wird wohl nichts. Denn ein Bündnis von Ja-Sagern der selbsternannten Kinderschützer wird das wahrscheinlich verhindern und gemeinsam verkünden: Zukünftig wird alles besser! Eine Fachtagung des Deutschen Kinderschutzbundes (http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2015/04/20150223_Fachtagung_Flyer.pdf) am 14. und 15. Mai 2015 in Berlin wurde extra dafür einberufen.


G. Wyneken, G. Becker & Co.: Herkunft, Hintergrund und verschwiegene Schattenseiten der „Reformpädagogik“

PRESSEMELDUNG der Betroffenen-Initiative „NetzwerkB“:

In Berlin treffen sich Bildungshistoriker, um über die Reformpädagogik nach der Odenwaldschule zu räsonieren. Weder über Missbrauch noch über Wyneken noch über Nähe wird geredet. IMG_1061

Unter dem Titel „Reformpädagogik und Reformpädagogik-Rezeption in neuer Sicht“ findet eine Tagung der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF) in Berlin am Mittwoch/Donnerstag, 10./11. Dezember 2014, statt.

NetzwerkB hat bei der Leitung und Organisation der Tagung mit Schreiben vom 29. November 2014 wie folgt nachgefragt:

„Teilen Sie uns bitte mit, wer zum Thema „pädagogischer Eros und Reformpädagogik“ sowie zur „Geschichte der Odenwaldschule und Missbrauch“ sprechen wird. Gibt es dazu ein Forum?“ 

Eine Antwort hat NetzwerkB bis heute nicht erhalten.

„Die Tagung des Dr. Jekyll“

Von Christian Füller

Die Reformpädagogik ist von jeher eine Pädagogik der schönen Rede. Die wohl größte Tradition, welche die Zunft entwickelt hat, ist die der horriblen Beschreibung der herrschenden Schule – der Presse, Anstalt, Paukschule und welche Begriffe da immer erfunden wurden.

Dieser Karikatur der schwarzen Staats-Pädagogik stellen Reformpädagogen gerne die rosaroten Schilderungen ihrer achtsamen Schulen entgegen, die  –  angeblich  –  kein Kind beschämen.

Dabei ist es so, dass die Schönrederei vielleicht einen ganz anderen Zweck hat: Sie soll etwas Dunkles und Unheimliches verdecken.

G. Wyneken, Ahnherr der deutschen Reformpädagogik

Nehmen wir Gustav Wyneken, einen der wichtigen Ahnherrn der deutschen Reformpädagogik genau wie der demokratischen Schule. IMG_4228

Er gaukelte der reformpädagogischen Gemeinde viele Jahre lang vor, er sei ein Schulreformer und pädagogischer Demokrat. In Wahrheit verfolgte er wohl ganz andere Ziele  –  sexuellen Missbrauch von Kindern. Die Szene wusste davon, immerhin wurde Wyneken rechtskräftig verurteilt.

Aber die Bildungshistoriker erzählen beinahe seit 90 Jahren von Wyneken nur die Geschichte des guten Dr. Jekyll, der Schüler als Demokraten auf Augenhöhe sieht. Und sie verschweigen konsequent den Mr. Hyde in Wyneken, der rücksichtlos über Kinder hinwegtrampelte.

Fast mutet es an wie die Spezialität deutscher Bildungsreformer – sie sind großartige Schönredner. Die Indizien für Verherrlichung reichen von heute bis weit in die Vergangenheit.(…)

Gerold Becker, vielverehrter Leiter der Odenwaldschule

Der unumstrittene Held der schönen Rede auf die Reformpädagogik war Gerold Becker. In der Szene galt der (evangelische) Theologe, der viele Jahre die berühmte Odenwaldschule Oberhambach leitete, als ein kleiner Messias.

„Niemand konnte die Reformpädagogik so schön erklären wie Gerold Becker“, pflegten die Pädagogen zu schwärmen, die sich in den elitären Kreisen der AG Schulreform versammelten.  DSC00254

Dass Becker reformpädagogische Märchen erzählt hat, war freilich nicht das größte Verbrechen des Gerold Becker, wie heute jeder weiß. 2010 wurde bekannt, dass er in seiner Amtszeit an der Odenwaldschule ein gruseliges System sexuellen Missbrauchs eingerichtet hat.

Sechs pädosexuelle Lehrer suchten sich gezielt die hübschesten (und wehrlosesten) Jungen von 11 bis 14 Jahren, um sie in ihre Wohnungen zu lotsen. Ein Untersuchungsbericht nennt 125 Opfer, allein Gerold Becker, der Schulleiter, habe demnach 86 Jungen schwer missbraucht, auch durch Vergewaltigung. Auf dem Nachttisch Beckers soll stets griffbereit eine Dose Vaseline gestanden haben.

Die deutschen Edel-Reformpädagogen wussten zwar reihenweise, „dass der Gerold auf kleine Jungs stand“, aber sie kapierten angeblich nicht, was das bedeutet.

Die Odenwaldschule hat diese Verbrechen zugelassen. Erst jetzt, im Jahr 2014, wird eine offizielle Untersuchungskommission gebildet, die dem Verrat an den Schülern und den Verbindungen bis in die höchsten Kreise nachgehen will. Gerold Becker war von 1972 an Schulleiter, 1985 musste er die Schule verlassen.

Früher Sündenfall der Reformpädagogik

Dabei liegt der eigentliche Sündenfall der Reformpädagogik viel früher, nämlich im Jahr 1919. Da steht einer der wichtigsten deutschen Schulreformer vor Gericht. Die Episode erklärt beides, die Brutalität und die Verlogenheit einer Pädagogik, die die „Nähe zum Kind“ stets als Idee und Handlungsleitung begriffen hat.

Buchtitel der Aktion "Kinder in Gefahr"

Der Mann heißt Gustav Wyneken, er ist promovierter Theologe, Philosoph und Leiter der so genannten „Freien Schulgemeinde Wickersdorf“. Er wird beschuldigt, zwei Schüler sexuell missbraucht zu haben.

Bei einer Klassenfahrt bat er seine Lieblinge zu sich ins Hotelzimmer, befahl ihnen, sich auszuziehen und zu ihm ins Bett zu steigen. Dort hatte er vorsichtshalber schon ein Handtuch untergelegt.

BILD: Die extreme Fortsetzung der „Reformpädagogik“ erfolgte in der 68er-Sexwelle: siehe hierzu dieses Info-Buch unseres Autors Mathias von Gersdorff (ein Stück davon gibt es gratis bei uns)

Um es vorwegzunehmen, Wyneken wurde bestraft, das Urteil in einer zweiten Verhandlung bestätigt. Das Gericht verurteilte den Bürger Wyneken rechtskräftig zu eineinhalb Jahren Gefängnis wegen Unzucht mit Schutzbefohlenen.

Nicht Unzucht, sondern etwas „Weihevolles“ 

Die kriminelle Energie des rastlosen Schulreformers ist erstaunlich – aber mehr noch seine Chuzpe. Wyneken entschuldigte sich nicht, sondern er verfasste für den Prozess ein Pamphlet mit dem bezeichnenden Namen „Eros“.

Schulen seien erst dann wirklich gut, heißt es darin, wenn die Schüler dort nackt lernen und ihrer Körper erkunden könnten. In dem Fall mit den beiden Schülern, der zur Verhandlung stehe, sei es nicht „um irgendwelche Drüsensekrete“ gegangen, sondern um etwas Höheres, Weihevolles.

Wyneken schrieb: „Wir reden hier von einer Form der Liebe in jenem Sinn, den wir durch den griechischen Begriff des Eros vorläufig einmal kennzeichnen.“ 

Man muss kurz innehalten. Ein Schulleiter, der mit zwei Schülern Schenkelverkehr nach griechischem Vorbild betrieben hatte, rechtfertigt seine Handlung als pädagogische Glanztat. Mehr noch, er bastelt daraus eine neue Pädagogik für neue, am besten nackte Menschen.

Wynekens Ruf blieb dennoch ungebrochen

Das für die Reformpädagogik Bemerkenswerte ist nun dies: In die Geschichte ging Gustav Wyneken nicht etwa als Sexualverbrecher ein. Wynekens Ruf blieb ungetrübt, sein Verbrechen wurde von den Pädagogen einfach verschwiegen.

Stattdessen feiern ihn Bildungshistoriker, Betprofessoren der Reformpädagogik und die Gemeinde der Schulreformer – bis heute! – als einen der wichtigsten ihrer Zunft, als den eloquentesten und radikalsten.

Wyneken habe die demokratische Schule, bei der Schüler und Lehrer sich auf Augenhöhe begegneten, erst erfunden. Der Päderast als Heilsbringer des neuen Lernens.(…)

Der Ort des pädagogischen Eros Wyneken war zentral für die Reformpädagogik der Landerziehungsheime. Seine Idee der Kameradschaft, einer gemischten Lehrer-Schüler-WG, wird als „Internatsfamilie“ in die Odenwaldschule importiert, wo sie ab den 1960er Jahren zu der beschriebenen Missbrauchs-Katastrophe führt.

Weil pädokriminelle Lehrer die Familie genau als das begriffen, was Wyneken mit ihr bezweckt hatte: der ideale Ort des pädagogischen Eros, sprich des sexuellen Missbrauchs zu sein. Konsequenzen haben die Landerziehungsheime bisher daraus nicht gezogen.

Missbrauch konzeptionell in Reformpädagogik enthalten

Wenn man diese Vorgeschichte kennt, wundert man sich nicht mehr, mit welchem Nachdruck Reformpädagogen bis zum heutigen Tage sexuelle Gewalt als „pädagogischen Eros“ rechtfertigen. Nicht jeder Reformpädagoge ist deswegen ein Päderast. Aber die Zunft sollte nach mehreren schweren Unfällen ihrer „Nähe zum Kind“ langsam nachdenken, auf welch` fragwürdigen Fundamenten sie errichtet wurde.

Sie hat mit dem bewussten Einreißen der emotionalen Schranken zwischen Lehrer und Schüler dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Aber sie verleugnet seit 100 Jahren, dass zu ihren Besten fanatische Päderasten zählen.

Sexualisierte Gewalt ist konzeptionell in die reformpädagogische Ideologie eingebaut – u.a. deswegen, weil die Lernreformer asymetrische Machtverhältnisse zu Schülern als angeblich gleichberechtigte tarnen.

Eine solche Pädagogik kann nicht beanspruchen, die Alternative zu einem herrschenden Schulsystem zu formulieren.

Quelle und vollständiger Text hier: http://netzwerkb.org/2014/12/07/die-tagung-des-dr-jekyll/

Weiterführende Infos zur erwähnten Tagung: http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2014/12/ProgrammTagungReformpaedagogik20140712webx.pdf http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2014/12/Bibliothek-für-Bildungsgeschichtliche-Forschung_28.11.2014.pdf

HINWEIS: Unser eigener Artikel zur „Reformpädagogik“ und Odenwaldschule, vor über vier Jahren veröffentlicht: http://kultur-und-medien-online.blogspot.de/2010/07/gerold-becker-ist-tot-doch-die-linke.html


„NetzwerkB“ bemängelt Oberflächlichkeit: Anne-Will-Talkshow zur Odenwaldschule

Pressemitteilung der Betroffenen-Initiative NetzwerkB:

Über Geschmäcker lässt sich bekanntlich streiten. Ob der ARD-Film „Die Auserwählten“ das leistete, was er versprach, lassen wir offen. Wir sind keine Filmkritiker. Scannen0001 (22)

Zu beklagen ist die anschließende Diskussionsrunde bei Anne Will. Die Vermischung von Odenwaldschule, katholische Kirche und Feminismus leistete keinen erkennbaren Mehrwert und nicht einmal einen Unterhaltungswert. Man verharrte auf Klischees und Bekanntem.

Die destruktive Dynamik einer totalen Institution im Typus der Odenwaldschule wurde durch die Bewunderung des freien Umgangs und der „Lichtgestalt“ verniedlicht.

Im Talk wurde eine echte Chance vergeben, weil er zum Small Talk verkam. Sicherlich wurde eine Sensibilisierung erreicht, diese wäre aber mit einer Kampagne im Stil einer Antiraucher- oder Aidskampagne effizienter.

Die Aufarbeitung der Causa Odenwaldschule ist viel weiter fortgeschritten, als man bei der Talkrunde vernehmen konnte. Die Bedingungen auf Seiten von Organisation, Ideologie, fehlender Kontrolle und Personal sind viel besser bekannt, als man meinen will. #

Eine sorgfältige Lektüre der Publikationen von Oelkers und Miller zur Vorbereitung hätte die Macher der Sendung zu einem höheren Niveau und zu einem grösseren Tiefgang verholfen. Schade um die vertane Chance.

Weiterführende Infos: „Reformpädagogik nach der Odenwaldschule – Wie weiter?“: http://www.amazon.de/Reformpädagogik-nach-Odenwaldschule-Wie-weiter/dp/3779929295

Kontaktdaten:
netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Telefon: +49 (0)4503 892782 oder +49 (0)163 1625091
presse@netzwerkb.org www.netzwerkB.org
 

Bild: Evita Gründler


Betroffenen-Initiative übt grundsätzliche Kritik an „Reformpädagogik“ und Odenwaldschule

Aktuelle Stellungnahme von „netzwerkB“:

Die Odenwaldschule ist zum Symbol der institutionalisierten sexualisierten Gewalt geworden. Ein Lehrer hat dokumentierte sexualisierte Gewalt, vom Volksmund gerne und falsch Kinderpornographie genannt, auf seinem Computer gespeichert.

Die Polizei kommt, beschlagnahmt das Material, die Schule kündigt dem Lehrer, im Nachklapp werden dem Lehrer weitere Grenzüberschreitungen vorgeworfen. IMG_1061

Die Staatsanwaltschaft prüft nun den Vorfall und den neuen Vorwurf. Das hätte an jeder anderen Schule in Deutschland auch passieren können. Ist es aber nicht. An jeder anderen Schule hätte die Schulleitung um sich selbst und der Institution wegen den Vorfall der übergeordneten Behörde gemeldet, hätte die Vorkommnisse diskutiert und sich selbstkritisch auseinandergesetzt.

Nicht so an der Odenwaldschule. Stattdessen lässt die Schule das vom Landrat gesetzte Ultimatum, sich bis vergangenen Freitag zu erklären, verstreichen und musste zum Krisengespräch bei der übergeordneten Behörde antreten. Strengere Auflagen sollen nun die Schule auf Kurs bringen. Monatlich rapportieren soll sie.

Eine Strafarbeit also, wie sie eigentlich gar nicht zum Konzept der reformpädagogischen Schule passt. Vielleicht ist der nächste Schritt ja Nachsitzen.

Reformpädagogik als solche Anfang März erschien der Tagungsband „Reformpädagogik  –  wie weiter?“ in der Verlagsgruppe Beltz, herausgegeben von den Professoren für Pädagogik Jürgen Oelkers und Damian Miller.

Eigentlich ein gewöhnlicher Vorgang. Experten einer Disziplin finden auf einer Tagung zusammen, so wie in diesem Fall im Herbst 2011 im schweizerischen Kreuzlingen und diskutieren über die Frage, inwieweit die Reformpädagogik als solche für die massenhafte sexualisierte Gewalt an der Odenwaldschule verantwortlich gemacht werden kann oder nicht.

Das Ergebnis war niederschmetternd für die Odenwaldschule. Die Gurus dieser Ideologie waren Grenzüberschreiter, die Ideologie begünstigt die Grenzüberschreitungen und die Berichte aus der Praxis bestätigen die Erfahrung der Grenzüberschreitung. Worüber soll nach dieser Erkenntnisflut eigentlich noch diskutiert werden? Und wozu? Und mit wem?

Die Verantwortlichen der Odenwaldschule leben in ihrer eigenen Realität, und die anderen sind sich weitgehend einig. Das „Familienprinzip“, nachdem ein oder mehrere Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Schülerinnen und Schülern unter einem Dach in sogenannten „Heimfamilien“ leben, begünstigt Grenzüberschreitungen. Darüber sind sich alle einig. Außer die Vertreter der Odenwaldschule.

Quelle und Fortsetzung der Erklärung von Norbert Denef und Andreas Huckele hier: http://netzwerkb.org/2014/05/02/zeit-das-licht-auszumachen/

 


Neuer Skandal an der Odenwaldschule?

Pressemitteilung der Betroffenen-Initiative „NetzwerkB“:

Der hundertfache Missbrauch der vergangenen Jahre ist noch nicht aufgearbeitet, erneut hat die Odenwaldschule wieder einen Skandal: Ein Mathematik-Lehrer steht unter „Kinderporno-Verdacht“. Er betreute auch eine Wohngruppe. Buchtitel

Andreas Huckele, Mitglied im Beirat von NetzwerkB (Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt eV), nimmt hierzu wie folgt Stellung:

„Sperrt den Laden endlich zu“, war alles, was ich vor zwei Jahren in meiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises an mich zur Odenwaldschule noch zu sagen hatte.

Täterfreundliche Strukturen ziehen Pädokriminelle an wie das Licht die Mücken. Die Odenwaldschule hat ihre täterfreundlichen Strukturen nicht effektiv modifiziert.

Ist in Deutschland nun jemand ernsthaft über die neuesten Ereignisse in Ober-Hambach überrascht? Ich nicht!

Die Odenwaldschule wird die Ignoranz gegenüber der sexualisierten Gewalt in der eigenen Organisation fortsetzen, solange man sie lässt. Wie lange wollen Eltern, Jugendämter, die Schulaufsichtbehörden und die Politik noch glauben, die Odenwaldschule sei nun auf einem guten Weg? Die Antwort ist: Bis zum nächsten Skandal!“

Andreas Huckele ist Autor des Buches „Wie laut soll ich denn noch schreien?“ (siehe Foto) –  Dafür bekam er den Geschwister-Scholl-Preis verliehen.

Quelle und Kontakt:
NetzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt eV.
Telefon: 04503 892782
presse@netzwerkb.org  /  www.netzwerkB.org

Früherer „Sonderermittler“ Pfister agitiert wieder gegen das vorbildlich (auf)arbeitende Kloster Ettal

Entschädigungssummen im Vergleich:  Deutscher Staat  –  Odenwaldschule  –  Kloster  Ettal

Nachdem das bayerische Kloster Ettal kürzlich eine Pressemitteilung über seine erfolgreiche Aufarbeitungs-Tätigkeit veröffentlicht hat, ließ es sich der ehemalige „Sonderermittler“ Thomas Pfister nicht nehmen, seine früheren Seitenhiebe auf die Benediktiner-Abtei zu wiederholen, was seitens der oft kirchenfeindlichen Medien begierig aufgegriffen wurde, wogegen die vorherige Pressemeldung des Klosters fast überall unter den (Redaktions-)Tisch fiel.

Nun beschwert sich der einstige „Sonderermittler“ zB. erneut darüber, daß er damals vor fast drei Jahren bei der Pressekonferenz des Klosterinternats  seinen Abschlußbericht nicht habe vortragen können.

In Wirklichkeit hat Ettal bereits am 14. April 2010 eine Erklärung veröffentlicht, wonach sowohl das Kloster wie auch das erzbischöfliche Ordinariat München den Juristen Pfister   –  so wörtlich  –   „auf seine standesrechtlichen Pflichten im Zusammenhang mit der Beendigung des Mandats hingewiesen“ haben, beispielsweise auch darauf, „keine eigene Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben“.  

Dies versteht sich angesichts des Standesrechts der Anwälte normalerweise von selbst, wonach zB. Details aus laufenden Ermittlungen nichts in Talkshows zu suchen haben.

Dieser Hinweis auf seine standesrechtlichen Pflichten gehe aus einem gemeinsamen Schreiben von Erzbistum und Kloster an RA Pfister vom 10.4.2010 hervor, erläuterte die bayerische Benediktiner-Abtei seinerzeit.  

kloster-ettal-klosteranlage

Zudem mag in dieser Causa ein VERGLEICH der Entschädigungs-Summen  aufschlußreich sein  – bezogen auf den deutschen Staat, die links-reformerische Odenwaldschule  und das Kloster-Internat Ettal:

Das Netzwerk B  –   eine  “Initiative Betroffener von sexualisierter Gewalt”  – kritisierte im Positionspapier  vom 24.2.2012, daß  –  als Ergebnis des  “Runden Tisches Mißbrauch” – die potentielle Höchstgrenze staatlicher Entschädigungszahlungen je Mißbrauchs-Opfer bei 10.000 € liegt.

Hingegen hat das Kloster Ettal im Höchstfall bis zu 20.000 € Entschädigung ausgezahlt  – und zwar nicht nur „potentiell“, sondern tatsächlich.

Siehe hierzu eine klare Ettaler Stellungnahme vom September 2011: https://charismatismus.wordpress.com/2011/09/06/freiwillige-hohe-entschadigungszahlungen-durch-kloster-ettal/

Nun zum jahrzehntelangen Hätschelkind der Linken, nämlich der als UNESCO-Modellschule lange hoch angesehenen ODENWALDSCHULE:

Dieses hessische Landschul-Internat, das durch zahlreiche Fälle von Vergewaltigungen und Mißbrauch unrühmlich bekannt wurde, zahlte zunächst für seine insgesamt 132 Opfer eine Gesamtsumme von 50.000 €, wie die Wochenzeitung “Die Zeit” vom 11.4.2011 berichtete   –  also weit unter 400 Euro pro Person.

Inzwischen wurden durch eine nahestehende Stiftung „Brücken bauen“  insgesamt 300.000 € an Odenwaldschul-Opfer ausgezahlt, wie ein Anwalt am 19.11. 2012 bestätigte.

Auch dieser Betrag liegt deutlich unter der Ettaler Summe: das Kloster-Internat  bringt pro Opfer durchschnittlich 10.000 € auf, nämlich 700.000 € für insgesamt 70 Opfer, wobei nicht allein die Mißbrauchs-Betroffenen aus vielen Jahrzehnten entschädigt wurden, sondern auch Opfer von Mißhandlungen (Züchtigungen, Schlägen etc).

Die Odenwaldschule weist mit den   –  laut Wochenzeitung „Die Zeit“  –  132 Betroffenen fast doppelt so viele Betroffene wie das Kloster-Internat Ettal auf, bezahlte aber insgesamt weitaus weniger   –  und die linksgestrickte Medienwelt in Deutschland  fällt jetzt ausgerechnet über Ettal her, das seine Vergangenheit sehr schnell und vorbildlich aufgearbeitet hat.

Die Mißbrauchs-Opfer der Odenwaldschule haben eben „Pech gehabt“: es gibt für sie ein geradezu minimales Medieninteresse im Vergleich zu den Dauer-Attacken auf Ettal seit drei Jahren – oder wo liest man derzeit noch etwas über die Odenwaldschule?

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

LINK zum Hilfskonzept Ettals: http://abtei.kloster-ettal.de/kloster/ettaler-hilfskonzept/