Von der Esoterik zum Glauben: Wie Christus meine Familie und mich gerettet hat

Das folgende Glaubenszeugnis stammt von unserer Leserin Irina, einer ehemaligen Esoterikerin und Ex-Charismatikerin aus Bayern, geboren in Russland, die uns mit vollen Namen und Anschrift bekannt ist.

Weil jedoch ihr Lebensbericht sehr persönliche Momente und Ereignisse beinhaltet, haben wir mit ihr eine Beschränkung auf den Vornamen vereinbart:

Ich bin 1981 in Russland geboren und wuchs in einer (nicht wirklich) gläubigen Familie auf. Wir gingen zwar hin und wieder zur Kirche, hatten Gebetbücher zu Hause und ich schrieb oft Briefe an Gott, wusste aber damals noch nicht, dass Jesus Christus real ist.

Meine Mama war katholisch, mein Papa wurde erst ein paar Jahre, bevor er gestorben ist, orthodox getauft. Meine Schwester und ich wurden mit sechs Jahren in der orthodoxen Kirche getauft.

Meine Eltern stritten oft, hauptsächlich weil mein Papa viel getrunken hat. Die ganze Familie hat darunter gelitten. Mein allergrößter Wunsch war, meine eigene Familie zu gründen und ein harmonisches Leben zu führen.

2001 kam ich nach Deutschland, studierte in München Germanistische Linguistik und arbeitete an der Universität als Deutschlehrerin für ausländische Studierende. Später schloss ich ein Zweitstudium der Betriebswirtschaftslehre ab, arbeitete anschließend in einer Marketing-Agentur, heiratete 2015 meinen jetzigen Ehemann und wir bekamen zwei Kinder.

2014 lernte mein Mann seinen leiblichen Vater kennen (aufgewachsen ist er mit seinem Stiefvater). Der leibliche Vater weihte uns (meinen Mann und mich) an Weihnachten 2015 in die Esoterik ein und schenkte uns „Die Geheimlehre“ und „Isis entschleiert“ von Blavatsky, „Grundlagen der Esoterischen Philosophie“ von Gottfried von Purucker, die Mahatma-Briefe, Runen, Tarot-Karten, ein Buch über Astrologie und vieles mehr.

Er war viele Jahre in einem esoterischen „Orden“, der von Dethlefsen geleitet wurde, bezeichnete sich als Priester und behauptete, dass die Informationen, die in diesen Büchern stehen und die er beigebracht bekommen hatte, die Wahrheit aller Wahrheiten darstellen.

Dies sei die richtige Esoterik und kein Eso-Kitsch. Und so wurden wir ganz tief in die Esoterik eingetaucht, haben diese Wahrheit, ohne zu hinterfragen, angenommen und weiter vertieft und uns regelmäßig ausgetauscht.

An Ostern 2016 haben mein Schwiegervater und ich durch einen leichten Stromschlag „einen gewischt“ bekommen. Er behauptete seitdem, dass wir im vorherigen Leben ein Paar gewesen sein müssen und rief mich ständig an, wollte, dass ich dies einsehe und bat mich darum, dies nicht seiner Frau und meinem Mann zu erzählen.

Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten soll und erzählte zuerst niemandem was davon. Irgendwann ließ mein Schwiegervater los und ich war sehr erleichtert.

2016 bekam ich eine seltsame Fähigkeit, nachts unkontrolliert aus meinem Körper auszutreten und durch die Wohnung, manchmal auch durch die Stadt zu fliegen. Einmal, als ich krank war, sah ich, wie ich aus meinem Körper ausstieg – und als ich mich von oben beobachtete, sah ich statt meines Körpers einen dunklen Mann im Bett liegen – es war ein schreckliches Erlebnis.

Von diesem Phänomen des „Fliegens“ erzählte ich meinem Schwiegervater, der das ganz toll fand und mir ein Buch über Astralreisen schenkte und meinte, es sei sehr beneidenswert, dass ich dies von Natur aus tun kann (die Anderen müssen es ja erst lernen).

Ich kam damals nicht dazu, das Buch zu lesen und wollte mich auch ehrlich gesagt in dieser Richtung nicht weiterbilden.

Als ich wieder eine Astralreise erlebte und meinem Schwiegervater davon erzählte, sagte er mir, dass ich bei meiner nächsten Astralreise bewusst zu ihm nach Hause fliegen und mich auf ihn drauflegen solle, denn es gäbe ja nichts Schöneres, als die Verschmelzung zweier Körper auf australer Ebene. Aber ich solle doch bitte davon nichts seiner Frau und meinen Mann erzählen.

Bei allem Respekt vor meinem Schwiegervater und all dem, was er für mich Gutes tat, fand ich diese Aussage ziemlich schräg und fing an, mich von ihm zu distanzieren und blockierte ihn dann irgendwann auf meinem Handy.

Ich befand mich in einer sehr schwierigen Lage, wollte das Ganze aber doch nicht vor meinem Mann verheimlichen und beschloss, ihm davon zu erzählen. Das Ganze endete dann in einer  großen Katastrophe. Für meinen Schwiegervater war ich gestorben.

Mein Mann konnte es mir nicht glauben und fing an, zu rauchen und zu trinken. Da ich weder das eine noch das andere guthieß und diese Süchte zu ständigen Streitereien führten, brach unsere Familie Stück für Stück auseinander.

Da die Kinder noch sehr klein waren und ich niemanden in der neuen Stadt kannte (wir waren frisch umgezogen), konnte ich nicht gehen.

Zudem war ich nach den beiden Schwangerschaften gesundheitlich ein Wrack und da die Ärzte mir nicht helfen konnten, beschloss ich, die Verantwortung für meine Gesundheit zu übernehmen und kam durch Zufall auf die Ernährungsweise von Medical Medium von Anthony William (Geist des Mitgefühls) und bin zu Expertin auf dem Gebiet dieser spirituellen Ernährungslehre geworden. Ich absolvierte die Ernährungsberatungsausbildung und wollte mich als Ernährungsberaterin nach Medical Medium selbständig machen.

Ich suchte ständig nach dem richtigen Weg, nach der Wahrheit und dem Sinn des Lebens und wollte mich auf gar keinen Fall mit der Esoterik meines Schwiegervaters weiter beschäftigen.

Ich kaufte das Download-Paket von Flow Summit 2019 mit zahlreichen spirituellen Vorträgen, hörte sie mir an und kam zu dem Schluss, dass meine mangelnde Selbstliebe Schuld an allem sei. Ich beschäftigte mich mit meinem „inneren Kind“, meinen Schattenseiten und arbeitete intensiv an mir. Ich glaubte, die Wahrheit in der Spiritualität gefunden zu haben.

Besonders inspiriert war ich von Jana Haas (hellsichtige Autorin und Engel-Expertin).

Zudem hörte ich viele Videos von Robert Betz an und besuchte sogar  einen seiner Vorträge, sprach mit ihm persönlich verzweifelt über meine familiäre Situation und er meinte, ich solle meinen Mann akzeptieren, so wie er ist, sprich: ihn trinken und rauchen lassen, denn er brauche dies momentan.

Ich war mit dieser Antwort nicht zufrieden und suchte weiter nach Antworten in zahlreichen spirituellen Büchern und kam dann doch zu dem Schluss, meinen Mann mit all seinen Süchten akzeptieren zu lernen und arbeitete jeden Tag an mir (bildete mir ein, dass mich seine Süchte nicht stören und ich keine Angst mehr davor habe, wie die Zukunft unserer Familie aussehen wird).

Je mehr ich las, desto mehr fühlte ich mich verzettelt, verzweifelt und unglücklich, und beschloss, mich hauptsächlich auf die Bücher und Vorträge von Jana Haas zu konzentrieren. Ich wollte sogar eine Ausbildung zum Cosmogetic Healing bei ihr machen, weil ich mir einbildete, Heilerin zu sein, beruhend darauf, dass meine Oma mütterlicherseits auch Heilerin war und dass ich dies von ihr bestimmt erbte und diese Fähigkeit weiterentwickelt werden soll.

Da ich zusammen mit meinem Mann Inhaber eines Sportclubs bin, beschloss ich im September 2019 eine Online-Yoga-Ausbildung zu machen und gab bereits während der Ausbildung Yoga-Stunden in unserem Club. Anfang Februar 2020 hatte ich ein Yoga-Präsenzseminar in Hamburg und war nach der Rückkehr nach Hause sechs Wochen krank (im nachhinein verstand ich, dass der liebe Gott mir Zeichen sendete, darüber nachzudenken, was ich da tue).

Anfang April 2020 stoß ich im Internet auf ein Video über Satanismus und musste, während ich es mir ansah, viel weinen und war schockiert und sprachlos.

Der Gedanke, dass die Welt doch nicht so rosig sei, wie ich es in den spirituellen Büchern las, und dass es das Schwarze/Böse/Dunkle da draußen doch gibt, ließ mich nicht los.

Bis dahin war ich der Meinung, wie Jana Haas (spirituelle Medium und Autorin) es immer so schön ausdrückt, dass wir es uns in unserem Leben nicht leisten können, negativ zu denken. Man soll ein Licht für die Welt darstellen, also immer „positiv denken“. Und dass es keine Dämonen oder gefallene Engel gibt, dies seien in Wirklichkeit lediglich unsere negativen/dunklen Gedanken.

In diesem Video über Satanismus sah ich aber das Böse, ohne zuvor schlechte Gedanken gehabt zu haben. So begann ich zu hinterfragen, ob das, was Jana Haas behauptet, überhaupt stimmt. Mir fiel wieder die Frage von meiner Bekannten ein, ob ich wüsste, dass die Ernährung nach Medical Medium zur okkulten Szene gehört. Ich fing an, zu recherchieren, was alles unter Okkultismus/Esoterik/New Age fällt, stieß auf die Website www.lichtarbeit-verführung.de und las dort die Berichte von Aussteigern.

Ich fand mich in vielen dieser Zeugnisse wieder und war zunächst geschockt.

Ich hörte mir zudem das Zeugnis von Doreen Virtue an, in dem sie erzählt, warum sie aus New Age ausstieg und zum Christentum konvertierte.
Ich realisierte, dass ich auf dem Holzweg war und dass ich tausende Sünden begangen hatte, bereute diese zutiefst und beschloss, ein Übergabe-Gebet zu sprechen.

Am Morgen des Ostersonntags  –  12. April 2020  –  redete ich darüber mit meinem Mann und fragte ihn, ob er sich auch bekehren möchte. Er war sofort einverstanden (unserem HERRN sei Dank).

Da unsere Ehe in Trümmern lag und dies die letzte Chance war, unsere Familie zu retten, fingen wir an, die Bibel zu lesen und sämtliche esoterische Bücher und okkulte Gegenstände wegzuwerfen. Ich brach meine Yoga-Ausbildung sowie alle anderen okkulten Praktiken ob, darunter Aura-Soma, Homöopathie, Engelkarten, positives Denken, Meditationen und Selbstheilungsversuche (wie z.B. die Ernährungsweise nach Medical Medium).

Ich bin Gott unendlich dankbar, dass er mich nicht aufgab, mir die Augen öffnete und mich aus der Esoterik rausholte.

Nun dachte ich, meine Familie und ich sind für immer gerettet und endlich auf dem richtigen Weg!

Direkt nach der Umkehr sind wir leider unwissend und ahnungslos in einer charismatischen Gemeinde gelandet, die Geistestaufe, Zungenrede, Prophetien, Lobpreis mit Rockmusik und Wunderheilungen praktizierte.

Da mein Mann und ich bei diesen Praktiken von Anfang an kein gutes Gefühl hatten und uns das sehr an die frühere Esoterikzeit erinnerte, begann ich zu recherchieren, was die charismatische Bewegung ausmacht und prüfte dies anhand der Bibel.

Ich realisierte, dass wir vom Regen in die Traufe gekommen sind, da die charismatische Bewegung eine große und verhängnisvolle Verführung darstellt, die umso tückischer ist, weil sie sich mit einem christlichen Mäntelchen präsentiert.

Es war mir vor meiner Umkehr nicht bewusst, dass Satan real ist und sich gerne als „Engel des Lichts“ ausgibt und ständig versucht, Menschen mit seiner esoterischen Lehre, ja sogar auserwählte Christen mit verführerischen Irrlehren wie der Charismatik letztlich von Gott abzubringen.

Die Esoterik/New Age und okkulte Praktiken haben meine Familie beinahe zerstört. Sie machen krank, kosten viel Geld und sind sehr gefährlich.

Das Einzige, was uns erretten kann, ist der aufrichtige Glaube an unseren lebendigen Herrn Jesus Christus und eine zu 100% echte Umkehr (aufrichtiges Bereuen und Bekennen aller Sünden). Ich kann dies aus meiner eigenen Erfahrung nur bestätigen, denn mein Leben hat sich nach der Umkehr um 180 Grad gedreht, meine Ehe wurde geheilt und ich erfuhr, was Freiheit und Liebe wirklich bedeuten.

Endlich war die ewige, mühevolle Suche nach Wahrheit beendet.

Gemälde: Evita Gründler (erstes, viertes und letztes Bild)

 


Wenn Isis und „Maria“ sich vermischen und „Gottvatermutter“ verherrlicht wird…

Von Felizitas Küble

Die Esoterik gründet auf dem Versuch, sich aus eigener Kraft nach „oben“ zu erheben, also etwa mittels bestimmter Techniken wie Yoga-Versenkung oder Reiki-„Energiearbeit“, mit Channeling (Kontakt mit „Engeln“ und Geisterwelten) oder sonstigen Praktiken der Selbsterlösung und des Spiritismus. 

Normalerweise erkennt ein Christ recht schnell, daß es sich um Esoterik oder Okkultismus handelt – und läßt die Finger davon.

Allerdings kommt es immer wieder vor, daß sich diese übersinnliche Richtung mit einem frommen Mäntelchen schmückt oder esoterische, heidnische und christliche Elemente miteinander vermengt.

Da wird es dann für manche Anfänger im Glauben schwieriger, noch eine klare Übersicht zu bewahren.

Ein Beispiel dafür ist der Blog „Pura Maryam“, der auf seiner Startseite ein Kreuz mit Herz abbildet und sich in einigen Texten positiv auf Jesus bezieht.

Die Betreiberin ist eine ältere Dame aus Berlin, die sich „Pura Maryam“ nennt, also auf den hebräischen Namen Mariens beruft (Miriam, Maryam). In typisch esoterischer Weise nennt sie sich zudem auch „Sophyah“ (=Weisheit).

Durchaus kennzeichnend für diese Szene ist die  Vermischung von paganen (heidnischen) und feministischen Elementen  – in diesem Fall durch die Nennung der ägyptischen Fruchtbarkeitsgöttin „Isis“ im pyramidenförmigen Titel (die Dreiecks-Form ist ebenfalls typisch für die Gnosis). Gott wird zudem „Gottvatermutter“ genannt – siehe hier: http://www.puramaryam.de/indexdt.html

Sodann ist viel von Licht und bedingungsloser Liebe und sonstigen rosa Wolken die Rede, wobei endlose Wiederholungen an der Tagesordnung sind.

Die wahre Mutter Christi, deren Name hier vereinnahmt wird, hat mit diesem halbheidnischen Zauberzirkus nichts zu tun.

Maria hat sich selbst als „die Magd des HERRN“ verstanden und den Höchsten gelobt, weil er „Großen an ihr getan“ hat, denn der göttliche Erlöser hat in ihrem Mutterleib Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist.

Die Erwählte des Ewigen  – vom Engel Gabriel als „Gnadenvolle“ begrüßt  – ist keine Göttin oder Halbgöttin, sondern ein Geschöpf Gottes und die „Gesegnete unter den Frauen“, wie ihre Verwandte Elisabeth sie bezeichnete. Weil der himmlische Vater so gnadenvoll an ihr gehandelt hat, durfte sie in ihrem Magnificat (Lobgesang) ankündigen: „Siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter.“

Wer die heilige Jungfrau seligpreist, der bleibt aber nicht bei ihr stehen, sondern lenkt seinen Blick auf GOTT selbst, der Maria alle ihre Gnaden und Vorzüge um Christi willen geschenkt hat.

 

 

 


Wenn der Exorzismus die Beichte verdrängt und die nötige Umkehr blockiert

Von Felizitas Küble

Das Portal „Katholisch.de“ der Deutschen Bischofskonferenz ist  – wie man sich vorstellen kann – insgesamt eher liberal orientiert, manchmal kommen auch ausgesprochen progressive Standpunkte zu Wort.

Gast-Autoren sowie ich selber haben hier im CHRISTLICHEN FORUM bereits mehreren Beiträgen dieser Webseite widersprochen.

Umso mehr darf man sich wundern, was diese amtliche kirchliche Plattform in aller „Naivität“ über das Thema Exorzismus zu berichten weiß. Am 20.1.2017 veröffentlichte „Katholisch.de“ diesen Artikel über den Ordensmann Francisco Lopez Sedano: https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/der-teufel-hat-angst-vor-mir

Der 80-jährige Pater soll in Mexiko bereits 6000 Teufelsaustreibungen vorgenommen haben. Auch bei einem Zeitraum von 40 Jahren ist das ungewöhnlich viel für einen einzigen Geistlichen.

„Katholisches.de“ zitiert völlig unkritisch  – ohne jede theologische Reflektion und Rückfrage –  etliche Aussagen des Priesters zu seiner Spezialseelsorge. So erzählt der Exorzist fröhlich drauflos, nicht etwa er habe Angst vor dem Teufel, sondern dieser habe vielmehr Angst vor ihm.

Was sagt die Heilige Schrift dazu?

Eine solche prahlerische Selbstgewißheit erscheint im Lichte der Bibel doch etwas gewagt, um nicht zu sagen vermessen.

Nicht einmal der hl. Erzengel Michael hat sich derlei erdreistet, heißt es doch im NT (Judasbrief 1,9 f):

Michael aber, der Erzengel, als er mit dem Teufel stritt und mit ihm über den Leichnam des Moses verhandelte, wagte kein lästerliches Urteil zu fällen, sondern sprach: Der HERR strafe dich!“

Und wie reagierte Christus selbst, als seine 72 Jünger ihm stolz berichteten, sogar die bösen Geister würden ihnen in seinem Namen gehorchen:

„Freut euch nicht darüber, dass euch die Geister untertan sind, sondern darüber, daß Eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind“ (Lk 10,17 f).

Der HERR warnt hier vor der Gefahr eines (un)geistliches Hochmutes im frommen Gewande und ER erinnert die Seinen daran, daß ihre Erlösung  – das Heil im Himmel – doch viel wichtiger sei und der wahre Grund zur Freude.

Esoterik als Ursache für Besessenheit?

Auch ein weiterer Punkt von Pater Lopez Sedano ist typisch für viele Exorzisten und die mit ihnen geistesverwandten charismatischen „Befreiungsdienstler“:

Er erklärt nämlich, Besessenheit werde durch esoterische und okkulte Praktiken verursacht: „Deshalb verbietet die Kirche die Praktiken Magie, Aberglaube, Hexerei, Zauberei, Wahrsagerei, Herbeibeschwörung von Toten und Geistern sowie Astrologie“.

Das verbietet die Kirche durchaus nicht „deshalb“ (um Besessenheiten zu verhindern), sondern schlicht aus dem entscheidenden Grunde, weil es sich bei allen Formen von Aberglauben und Okkultismus um einen schweren Verstoß gegen das 1. Gebot handelt: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“

Wer gegen dieses Gebot sündigt, gehört daher in die Beichte – und nicht in die Hände eines Exorzisten!

Eine „Teufelsaustreibung“ ist in solchen Fällen auch seelsorglich völlig verkehrt, weil sie nämlich den Betroffenen den Weg zur wirklichen Sinnesänderung, zu Umkehr und Buße geradezu versperren kann, denn diese Menschen meinen dann, nicht sie selber seien für ihre magischen Frevel verantwortlich, sondern die bösen Geister, von denen sie „besessen“ sind.

Folglich geht es nur noch darum, die Dämonen „loszuwerden“ – und nicht mehr so sehr um eine  e i g e n e  Umkehr und Rückkehr zu Gott.

Genau eine solche Falle und Blockade könnte allerdings dem Teufel sehr gefallen!

Näheres zum (Nicht-)Zusammenhang von Okkultismus und Besessenheit hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/02/17/warum-auch-nach-okkulten-suenden-ein-exorzismus-verfehlt-ist/

Krankheiten als Folge satanischen Einflusses?

Typisch für charismatische Vorstellungen ist auch die Äußerung des Exorzisten Lopez, zu den „spezifischen Verhaltensweisen“ von Besessenen gehörten „große Schmerzen oder Krankheiten, die entweder erst gar nicht bestimmt oder nicht behandelt werden könnten.“

So zitiert ihn „Katholisch.de“  – aber auf dem amerikanischen kath. CNA-Portal wurde er noch deutlicher:

„Die Verletzungen von Satan liegen außerhalb der Kontrolle der klinischen Medizin. Menschen, die mit dauerhaftem Durchfall leben und nichts führt dazu, dass sie verschwinden; Menschen, die Augenschmerzen und Augenärzte haben, die nichts finden…. Andere Leute haben furchtbare Rückenschmerzen, aber die Ärzte sagen, dass es ihnen völlig gut geht….Das sind Beschädigungen, die die Wissenschaft nicht erkennt.“

Nur weil jemand z.B. an „dauerhaften Durchfall“ oder Rückenschmerzen leidet, ohne daß eine organische Ursache feststeht, ist er/sie noch lange nicht besessen. Es gibt schließlich auch psychisch bedingte Krankheiten – manche Störungen sind quasi moralisch verursacht (z.B. Depressionen  nach Abtreibungen, wobei seelische Verletzungen sich psychosomatisch auswirken können).

Der unsinnigen Ansicht, Krankheiten seien vom Teufel verursacht, hat schon Christus seinerzeit widersprochen, weshalb in den Evangelien eindeutig zwischen Krankenheilungen und Teufelsaustreibungen unterschieden wird.

Diese Wundertaten Christi sollten vor allem seine göttliche Vollmacht bezeugen und verdeutlichen, daß das Reich Gottes mit ihm bereits angebrochen ist.

Die Apostel haben den exorzistischen Dienst anfangs noch fortgesetzt (vgl. Apg.), doch bereits in den Briefen der Apostel von Paulus über Petrus bis zu Johannes findet sich keine einzige Aufforderung an die Gemeinden (auch nicht in den späteren Pastoralbriefen des NT) zur Ausübung von Teufelsaustreibungen – und zwar wohlgemerkt auch nicht im Zusammenhang mit Zaubereisünden, die mehrfach erwähnt werden.  In all diesen Fällen werden die Gläubigen zur Umkehr aufgerufen, nicht etwa zum Exorzismus.

Phänome der Besessenheit – oder der Charismatik?

Apropos Pater Lopez, der das Benehmen von „Besessenen“ laut CNA folgendermaßen beschreibt: „Sie haben angefangen zu schreien, wie ein Hund zu bellen oder sich auf dem Boden zu wälzen und wie eine Schlange zu winden.“

Foto: Pattayablatt

Das sind haargenau die Phänomene, die man auf pfingstlerischen Versammlungen zuhauf beobachten kann – und zwar gleich massenhaft. Nur nennt sich das dort nicht „Besessenheit“, sondern „Ruhen im Geist“, „Weinen im Geist“, „Bellen im Geist“ usw.

BILD: Sogar baumstarke Männer „ruhen im Geist“ (Rückwärtskippen in Trance) während einer charismatischen Veranstaltung nach der Handauflegung eines „Heilungspredigers“

Diese Vorgänge werden in schwärmerischen Kreisen seit Jahrzehnten als „Toronto-Segen“ bezeichnet und gewürdigt (!), nachdem diese vermeintlichen Manifestationen des „Heiligen Geistes“ in den 90er Jahren im Rahmen der „Erweckung“ in Toronto an der Tagesordnung waren – sie sind aber in der Pfingstbewegung von Anfang an bekannt; sie geschahen bereits bei den „Kasseler Versammlungen“ Anfang des 20. Jahrhunderts im Rahmen der damals aufkommenden Charismatik.

Was also?

Wer noch bei Verstand und nicht schwarmgeistig vernebelt ist, der weiß, daß solche absonderlichen Verhaltensweisen nicht vom Heiligen Geist gewirkt sind.

Aber auch ich, die ich mich seit über dreißig Jahren denkbar kritisch mit genau diesen Vorfällen befasse, habe noch nie pauschal behauptet, es handle sich hierbei um ein Symptom von Besessenheit.

Zwar sind es zweifellos ungeistige und irrgeistige Vorkommnisse, doch der größte Teil dürfte seelisch-psychisch erklärbar sein, nicht zuletzt angesichts der aufgepeitschten Stimmung in solchen Massenversammlungen und der gegenseitigen Suggestion (unterschwelligen Beeinflussung) dieser Enthusiasten; dazu kommen quasi-hypnotische Psycho-Techniken und gruppendynamische Kraftwirkungen angeblich geistbegnadeter „Heilungsprediger“, die von ihrer Anhängerschar wie Gurus angehimmelt werden.

Daß es in besonders schlimmen Fällen extrem-charismatischer Verführung auch zu einem direkten Einwirken satanischer Mächte auf labile Menschen kommen kann, ist freilich nicht auszuschließen, aber in der Regel handelt es sich wohl um indirekte (psychische) Folge der Irrgeisterei.

Fest steht jedenfalls, daß schwarmgeistige Verirrungen dem geistlichen Leben der Betroffenen schweren Schaden zufügen. Die zum Teil jahrelangen seelischen Auswirkungen erlebe ich bei Ratsuchenden und Geschädigten, die sich bei mir melden, schon seit Jahrzehnten – und die entsprechenden Schicksale mehren sich.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


Der okkulte Hintergrund des Peace-Zeichens

Pressemeldung der Marianischen Liga:

Die Auswahl von Symbolen ist keineswegs zufällig; sie verrät und eröffnet dem Betrachter den geistigen Hintergrund der Auswählenden.

Dies gilt auch für das Logo, das die kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) Münster in „praktischen und spirituellen Workshops“ als Vorbereitung auf den kommenden „Katholikentag“ in Münster „erarbeitet“ hat.

Offiziell geht es den Damen dabei um „Frieden“, aber nicht – wie man eigentlich bei einer sich katholisch nennenden Gruppierung erwarten müsste  ̶  „um den Frieden Christi, den die Welt nicht geben kann“, der auch nur zu erreichen ist durch den Erlöser Jesus Christus, indem sich der einzelne von seinen Sünden abkehrt und in Buße die Versöhnung mit Gott sucht  – nein, keineswegs!

Das von den Damen gewählte Logo ist bei der rein innerweltlichen, internationalen Friedensbewegung „abgekupfert“, hat also einen die katholische Religion nicht einmal ansatzweise betreffenden, sondern davon völlig abweichenden, rein ideologischen Bezug.

In diesem Zeichen ist ein Kreuz auf den Kopf gestellt, umgeben von einem „magischen Kreis“ – wie im Okkultismus und Satanismus üblich.

Die Damen benutzen als „Firmament“ einen dieses „Friedens-Zeichen“ überwölbenden Regenbogen – eigentlich das alttestamentliche Symbol des nach-sintflutlichen Bundes Gottes mit den Menschen – in der ideologisch-innerweltlichen Bewegung des „Neuen Zeitalters“ hat er aber die Bedeutung einer Brücke zwischen den Menschen und den „Geistern“, womit hier keineswegs die von Gott gesandten Engel gemeint sind.

Die ganze esoterisch orientierte Zusammenstellung hat als Hintergrund ein Bauwerk aus offenbar „behauenen Steinen“. Ob es sich dabei um Aufbau oder Abriss handelt, ist nicht zu erkennen. Dass auch die Farbgebung mit Absicht gewählt ist und in diesem Kontext Bedeutung hat, sei hier nur am Rande erwähnt.

Daraus ergeben sich Fragen:

Von welchen Zielen wird die Arbeit der kfd mit ihren Mitgliedern bestimmt, wenn so das „Arbeitsergebnis“ eines Diözesantreffens aussieht? Was hat das noch zu tun mit den Grundanliegen und der Gründungsabsicht der kfd, des ehemaligen „Frauen- und Müttervereins“, nämlich Frauen, und vor allem Müttern, ein Leben mit und aus dem Glauben zu vermitteln und in ihnen zu vertiefen?

Was unternehmen die innerkirchlich Verantwortlichen gegen derart un-katholische Ausrichtungen, die nun schon seit Jahrzehnten zunehmend nicht nur die Frauenverbände, sondern die sich katholisch nennenden Verbände aller Art dominieren?

Die Zuständigen und Verantwortlichen schauen nicht nur schweigend zu, sondern unterstützen dieses Treiben auch noch, leider nicht nur materiell, sondern oft auch ideell. Man benimmt sich, als sei man „Herr über Gottes Erbteil“, „ut si Deus non daretur“, als ob es Gott nicht gäbe!

Wenn das aber die durch Taten belegte Überzeugung ist, dann sollte man ehrlich die Konsequenzen ziehen: die im Grunde nur gläubige Katholiken treffenden Zwangsmaßnahmen zur Kirchensteuerzahlung aufheben, die ohnehin im Widerspruch zum Kirchenrecht stehen, und den sich „katholisch“ nennenden Gruppierungen diese Bezeichnung entziehen und sie zu rein staatlichen Vereinen machen, damit sie nicht noch mehr Menschen täuschen und in die Irre führen können.

Schließlich sollte stimmen: „Wo katholisch drauf steht, ist auch katholisch drin“ – oder etwa nicht?

gez. Gertrud Dörner, Vorsitzende der Marianische Liga – Vereinigung katholischer Frauen e.V.

Die Marianische Liga gehört zum ZpV (Zusammenschluß papsttreuer Vereinigungen): http://www.papsttreue-vereinigungen.de/erklaerungen.php?datum=22.10.2017

Siehe als Ausgangsbasis dazu den Bericht aus den Westfälischen Nachrichten: http://www.wn.de/Muenster/2989300-Treffen-von-kfd-Delegierten-aus-dem-Bistum-Frauen-bereiten-Katholikentag-vor


WARNUNG vor Exerzitien und „Heilungen“ von Pater James Mariakumar

Von Felizitas Küble

Kürzlich erhielt ich  – wie schon oft in den letzten Jahren  –  den Anruf einer Katholikin, die durch schwarmgeistige Praktiken und geistlichen Missbrauch psychisch geschädigt worden ist.

Seitdem sie bei einem Auftritt des australischen Heilungspredigers Alan Ames den charismatischen „Hammersegen“ (Rückwärtskippen in Trance, angebliches „Ruhen im Geist“) erlebte, ging es mit ihr seelisch und gesundheitlich rapide bergab.

Als weitere Kontakte in die katholische Schwärmerszene folgten, wurde alles noch schlimmer.

Vor zwei Wochen hielt der indische Wanderprediger Prof. James Mariakumar SVD seine Exerzitien im fränkischen Heroldsbach (einer diözesanen Gebetsstätte im Erzbistum Bamberg).

Jene Betroffene nutzte die Chance, um ihn anzusprechen. Der Steyler Pater sagte, wer ein Gespräch mit ihm wünsche, solle seine gesamten Exerzitien (in diesem Fall immerhin sieben Tage) mitmachen. Die Frau erklärte, das sei ihr nicht möglich – und stellte sogleich ihre einzige Frage: Seitdem ich bei den Charismatikern war, geht es mir viel schlechter  –  wie kommt das?

Die Antwort des indischen Geistlichen: Sie haben keinen christlichen Glauben!  –  Gehen  Sie zu Schwester Margaritha Valappila, damit Ihnen geholfen wird.

Jene Frau fragte mich nun, was ich von dieser Empfehlung halte. Ich habe ihr dringend von jedweder „Heilung“ durch diese  –  ebenfalls aus Indien stammende  –  Nonne abgeraten, zumal auch Sr. Valappila seit Jahrzehnten eifrig den charismatischen „Hammersegen“ erteilt und dabei reihenweise Seminarteilnehmer „flachlegt“ (das beginnt schon mit dreijährigen Kindern!).

Zudem wies ich darauf hin, daß Valappilas Evangelisationszentrum „Haus Raphael“ im hessischen Bad Soden-Salmünster sich nicht „katholisch“ nennen darf, wie im kirchlichen Amtsblatt des Bistums Fulda bereits vor 13 Jahren erklärt wurde. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/haus-st-raphael/

Natürlich widerspricht es sowieso jeder Fairneß (von Nächstenliebe ganz zu schweigen), einer Betroffenen glattweg den „christlichen Glauben“ abzusprechen, nur weil sie eine kritische Rückfrage zur Charismatik stellte – noch dazu aus ihrer eigenen bitteren Erfahrung heraus.

Jene Dame hat mir ausdrücklich erlaubt, von diesem Vorgang zu berichten. (Aus Gründen des Personenschutzes wird auf Namensnennung verzichtet, um sie vor weiteren verbalen Entgleisungen zu verschonen.)

Zur Problematik von „Befreiungsgebeten“

Im Exerzitienprogramm von Pater Mariakumar (siehe hier: http://www.gebetsstaette-heroldsbach.de/pdf/2017_Kumar.pdf) ist ausdrücklich die Rede von „Heilungs- und Befreiungsgebeten.“  

Hierbei gibt es grundsätzlich folgenden Hintergrund zu bedenken: Heilung und Befreiung, Zeichen und Wunder sind die vier wichtigsten Zauberworte im Enthusiastenspektrum.

Jene „Befreiungsgebete“ sind dort tendenziell im Grunde nichts anderes als ein verkappter Exorzismus, vor allem hinsichtlich der suggestiv-verhängnisvollen Wirkung für die Betroffenen. (Denn wenn jemand vom Teufel „befreit“ werden muß, setzt das voraus, daß jener Mensch von ihm umsessen/besessen/belastet ist.)

Ich erhalte seit ca. 15 Jahren Berichte von Opfern, die sich an mich wenden, weil ich mich kritisch mit der Charismatischen Szene befasse. Daher sind mir viele erschütternde Internas und Schicksale bekannt.

Charismatisch induzierte „Besessenheit“

Dabei fällt das folgende, häufig auftretende „Schema“ auf:

Erst werden die Gläubigen vielfach „umsessen“ oder gar „besessen“ geredet (mindestens als „okkult belastet“ definiert). Dann bietet sich der Heilungsprediger als vollmächtiger, geisterfüllter „Befreier“ an (der also von einem „Problem“ befreit, das er durch seine Panikmache überhaupt erst induziert bzw. erzeugt hat!)  –  wobei aber von wirklicher „Befreiung“ keine Rede sein kann; vielmehr dreht sich das fanatisch-irrgeistige Karussel auf diesem Wege ständig weiter  –  zu Lasten der Betroffenen!

Dem erztraditionellen Lager sei noch ins Stammbuch geschrieben, daß auch der sog. „Kleine Exorzismus“, der Papst Leo XIII. zugeschrieben wird, seit 1985 kirchlich rundweg verboten ist  – und zwar sowohl für Kleriker wie für Laien (es sei denn, es läge eine ausdrückliche bischöfliche Erlaubnis für einen bestimmten Priester vor).

Weiter auf Tour mit „Heilungsgebeten“

Zurück zu James Mariakumar: Der Pater ist derzeit weiter unterwegs auf Tour – in diesen Tagen hält er in Frankfurt am Main seine abendlichen Vorträge samt „Heilungsgebeten“ (siehe Foto oben: Werbeplakat dort).

Man kann sich nicht genug wundern, daß er vier Tage lang sogar im Dom St. Bartholomäus auftreten kann, wobei die zuständigen Kapuziner wohl das ABC einer soliden „Unterscheidung der Geister“ nicht kennen, geschweige angemessen handhaben.

Dieser Star-Charismatiker ist außerhalb Europas direkt als Exorzist zugange (das berichtet er selber im Vorwort seines Buches), innerhalb Europas wirkt er – aufgrund kirchlicher Schranken – freilich „nur“ als Befreiungsbeter. Manchmal wird dieser indirekte Quasi-Exorzismus auch als „besonders starkes Gebet“ umschrieben…

Dieser Geistliche aus Kerala (einem südindischen Bundesstaat) hat ein Buch mit dem Titel „Okkultismus und geistiger Kampf“ verfaßt, das wir vor über fünf Jahren bereits durchleuchtet haben: https://charismatismus.wordpress.com/2012/08/22/pater-james-mariakumar-und-sein-charismatisches-befreiungsgebet/

Wenig erstaunlich, daß in dem erscheinungsbewegten Portal „Kath.net“ das Vorwort Mariakumars begeistert veröffentlicht wurde: http://kath.net/news/27234

Das charismatisch geprägte, aber angeblich noch „gemäßigte“ Seminarhaus St. Ulrich in Hochaltingen (Bistum Augsburg) zählt P. Mariakumar sogar zu seinen neun Referenten –  siehe hier (links unter der Rubrik „Informationen“ auf „Referenten“ klicken): http://www.stulrichhochaltingen.de/

Auch der Pallottinerorden in München-Freising hat die Exerzitien Mariakumars empfohlen: https://www.pallottiner.org/veranstaltung/wachstumsexerzitien-innere-heilung-und-heiligkeit/

Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um den kirchenrechtlich geregelten Exorzismus (der völlig zu Recht engen Grenzen unterliegt), sondern um willkürliches, suggestives „Dämonisieren“ und Verbreiten von Panikmache unter den Gläubigen – mit nicht selten erschütternden Langzeitfolgen!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das gemeinnützige Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Esoterische Umarmung: Amsterdam, Medjugorje und die „Meister der Weisheit“

Von Felizitas Küble

Der Philosoph und Esoteriker Dr. Heinz Kuhberg aus Nordenau (Sauerland), der sich als „Katholik und Christ“ bezeichnet, schildert begeistert die „globale Wunderlogik“, die er seit Jahrzehnten beobachtet und in diesem 250 Seiten umfassenden Buch zusammenträgt, das im Jahr 2001 im Silberschnur-Verlag erschienen ist. titelbiild

„Die Zeichen mehren sich“, so lautet der bezeichnende Titel, der auf dem Cover ein wundersames „Lichtkreuz“ zeigt, das weltweit immer häufiger bemerkt werde, wie der Verfasser beschreibt.

Der Autor ist Anhänger einer gnostischen Jesus(irr)lehre, wie sie in einigen apokryphen Schriften aus den ersten christlichen Jahrhunderten grundgelegt wurde. (Apokryphen wurden von der Kirche bewußt nicht in den biblischen Kanon aufgenommen, gehören also nicht zur Sammlung neutestamentlicher Schriften.)

Laut jener Gnosis ist Jesus nicht wahrhaftig „ins  Fleisch gekommen“, sondern er lebte auf Erden als Geistwesen  –  nur mit einem Schein-Leib bzw. astralen (feinstofflichen) Körper umhüllt. (Diese häretische Auffassung nennt man kirchlicherseits den „Doketismus“.)  Zu eben diesem Doketismus bekennt sich der Verfasser ausdrücklich (S. 206 – 207).

Dr. Kuhberg listet über hunderten von Seiten die zunehmenden Zeichen und Wunder auf, die sich häufig als „Jesus-Visionen“ oder „Marienerscheinungen“ manifestieren würden.

Die „Meister der Weisheit“ vereinigen die Religionen

Dabei ist er sich zusammen mit dem von ihm vielgelobten britischen Esoteriker Benjamin Creme darüber einig, daß es sich bei diesen Phänomenen in Wahrheit um das Kommen von „Meistern der Weisheit“ handelt, welche als „Lehrer der Menschheit“ auftreten, um ein globales „Friedensreich“ einzuläuten und alle Religionen unter „Maitreya“ zu vereinigen. madonna-medj

Jener „Matreja“ wird als eine Art friedensstiftender Allerwelts-Messias angepriesen, in welchem das Gute aus allen Religionen vereint sei. Dieser „Christus“ sei wie einst der sog. „Meister Jesus“ kein Gott, aber eine überirdische „Wesenheit“.  Soweit dieser typisch esoterische Irrglaube.

BILD: Vielgerühmtes „Wunderfoto“ aus dem Fankreis von Medjugorje  –  Näheres dazu HIER)

Aber nun wird es aufschlußreich:

Der Autor erläutert an zahlreichen Stellen seines Buches, daß die wichtigsten himmlischen „Meister“ folgende drei sind:
1. der „Jesus-Meister“ (im Sinne der oben erwähnten Gnosis)
2. Maitreya – der Allround-Messias für unsere Zeit
3. Zudem jener Meister, „der einst die Mutter Jesu war
(vgl. z.B. S. 233).  Auf diesen Ex-Maria-Lehrer werden die weltweiten Marienerscheinungen zurückgeführt und als wunderbare Manifestation jenes „Menschheitslehrers“ beschrieben.

Dabei erwähnt der Verfasser die Zeitschrift „Share“ des Esoterikers Creme sehr häufig – und er fügt hinzu, daß in diesem seit 1982 erscheinenden Blatt nur solche Wunder-Berichte aufgelistet werden, in denen „die drei Meister ihre „Visitenkarte“ gezeigt haben“. (S. 233).

Der gnostische Meister, „der einst Maria war“

Jener Meister, der „einst die Mutter Jesu war“, erinnert freilich sogleich an die „Erscheinungen“ der sogenannten „Frau aller Völker“ in Amsterdam, die sich dort eben als jene vorstellte, die „einst Maria war“.

Die von der Amsterdam-Vision verlangte Anrufung zur „Frau aller Völker“ enthält jenen Satz („die einst Maria war“), den der Vatikan jedoch kirchlich verboten bzw. umformuliert hat („die selige Jungfrau Maria“).

Mindestens ebenso aufschlußreich sind allerdings die Bezüge zu Medjugorje, das in diesem Buch ebenfalls mehrfach positiv erwähnt wird.

Esoteriker Peterson „tief beeindruckt“ von Medjugorjemedia-372515-2

So heißt es auf S. 158 über Wayne Peterson, einen US-amerikanischen Diplomaten, dem sowohl der Maria-Meister wie auch „Maitreya“ erschienen seien, daß er sich zu einer Fahrt nach Medjugorje entschlossen habe, nachdem er von den dortigen Marienerscheinungen hörte:

„Was er dort erlebte, beeindruckte ihn tief. Aber erstaunt war er, als er mehrere Personen traf, die über Maitreya Bescheid wußten. Das war noch vor 1988. Und sie sagten ihm: Wenn Sie wissen, daß Maitreya der Christus ist, kennen Sie das letzte Geheimnis. Er traf auch eine Person, der die Maria eine Vision gegeben hatte. Und Maria sagte ihr, sie solle das Geheimnis über Maitreya noch für sich behalten.“

Ähnlich heißt es auf S. 208 erneut über Medjugorje als einem „Ort zahlreicher Marienwunder“: „Und dort erfuhr er: „Wenn Sie wissen, dass Maitreya der Christus ist, dann kennen Sie das letzte Geheimnis.“

Bereits vier Jahre nach dem Beginn der Medjugorje-Erscheinungen wurden die dortigen Ereignisse in „Share International“ von Benjamin Creme unter dem Titel „The Madonna von Medjugorje“ positiv gewürdigt: http://www.diewunderseite.de/marienerscheinungen/madonna_of_medjugorje.htm

So  kommt zusammen, was zusammengehört!

PS: Wie beliebt diverse Marienerscheinungen, vor allem aber Medjugorje, gerade bei Esoterikern sind, zeigt zB. diese Verkaufsseite mit „heiligem Wasser“ aus Medju, das als Glasfläschchen für sage und schreibe 90 Schweizer Franken verkauft wird: http://www.esoterik-versand.ch/amulett-heiliges-wasser-medjugorje-p-9348.html

Auch auf diesem esoterischen Blog (der sich mit „katholischen“ Inhalten bzw. Charismatischem und Wundergläubigem vermischt) wird für Medjugorje geworben, das Wasser von dort als „Licht-Wasser“ und „Gnaden-Wasser“ bezeichnet, ihm wundersame Wirkungen zugesprochen und die dortigen „Botschaften“ empfohlen: http://www.licht-farben.ch/sichtbares-unsichtbares.htm

 


Bischöfe fordern Bestrafung von Mordtaten gegen „Hexen“ und „Zauberer“

Papua-Neuguinea: Mörderischer Aberglaube

In Papua-Neuguinea tagten die katholischen Bischöfe, Priester und aktiven Laien des Landes Ende September in Mendi zu Beratungen über Straftaten und Morde an Menschen, die der schwarzen Magie und der Hexerei verdächtigt werden. Dabei handelt es sich besonders um Frauen, die Opfer willkürlicher Hinrichtungen werden. 038_35

Ende August waren drei Frauen und ein Mann in der Region beschuldigt worden, den Tod einiger Einwohner durch Verzauberung herbeigeführt zu haben. Ein “Volksgericht” beschloss, die vier Angeklagten mit glühenden Eisenstangen zu foltern.

Bischof Donald Lippert von Mendi bekräftigt: “Es ist kaum möglich, den Aberglauben der Menschen zu kontrollieren, doch man sollte zumindest die Reaktionen kontrollieren können. Übergriffe auf Personen, die der „schwarzen Magie“ beschuldigt sind, werden erst dann aufhören, wenn die Täter bestraft werden”.

Erst im Jahr 2013 schaffte das Parlament in Papua-Neuguinea ein Gesetz über Hexerei aus dem Jahr 1971 ab. Das Gesetz unterschied „gute” von “schlechter” Hexerei und betrachtete im Mordfall den Hinweis, dass das Opfer der schwarzen Magie verdächtigt wurde, als mildernden Umstand,

Nach dem geltenden Recht gilt dieser absurde „mildernde Umstand“ nicht mehr. Doch die Gesetze werden nicht ausreichend umgesetzt. Dabei übt die Regierung nicht genügend Druck auf Polizei und Richter aus.

Quelle: Vatikanischer Fidesdienst


Wundersame Mirakel gibt es auch in der Esoterik und in fremden Religionen

In schwarmgeistig-protestantischen oder erscheinungsfixiert-katholischen Kreisen ist das Wunder des Glaubens liebstes Kind  – oder soll man sagen: des Aberglaubens? media-372515-2

So gibt es gewisse  –  von pfingstlerischen Bewegungen so geschätzte  – außerordentlichen „Geistesgaben“ wie z.B. das Zungengebet oder das sog. „Ruhen im Geist“ (tranceartiges Umfallen, meist nach hinten) auch in okkulten bzw. spiritistischen Zusammenhängen und in heidnischen Religionen (das Rückwärtskippen zB. im Hinduismus als „Shakti Pat“).

Wir haben hier im CHRISTLICHEN FORUM zudem mehrfach berichtet, wie sich vermeintliche „Wundermadonnen“ (die Tränen oder gar Bluttränen weinten) als Schwindel oder als rein natürlich verursacht herausstellten.

(Zwei Beispiele siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/28/ratsel-um-wunder-madonna-in-belgien-gelost-statue-mit-leuchtfarbe-bedeckt/  und hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/11/08/medjugorje-wunder-statue-erweist-sich-als-dreister-schwindel/)

Tatsache ist zudem auch, daß die ersten 1200 Jahre der Kirchengeschichte derlei Vorgänge (blutende oder tränende Statuen, Bilder etc) nicht kannten  – auch danach geschah dies nur sehr selten, während es in den letzten Jahrzehnten hunderte solcher Phänomene gegeben haben soll.DSC_1185-3

Wundersüchtige Gläubige sollten stets bedenken, daß unerklärlich erscheinende Mirakel auch im Bereich der heidnischen Magie und in fremden Religionen vorkommen. Schon deshalb ist es leichtfertig, bei jedem wundersam erscheinenden Vorgang sogleich an ein himmlisch bewirktes Ereignis zu denken. Dies schließt freilich nicht aus, daß es auch in unserer Zeit göttlich verursachte Wunder gibt. Allerdings sollten Christen stets nüchtern und wachsam sein!

Abschließend ein Beispiel aus dem Hinduismus: Unter dem Titel „Wundersame Muttergottheit“ berichtet das Esoterik-Portal „Die Wunder-Seite“ aus England folgendes:

„In einem Tempel in der englischen Stadt Wolverhampton hat sich der Altar der Hindu-Göttin Mata (Mutter) Ambe zu einem Pilgerzentrum entwickelt, seit auf der Stirn der Gottheit Blut austritt. Ihr neuer Altar wurde am 6. Oktober 2002 zu Beginn des jährlichen neuntägigen Festes zu Ehren der Göttin aufgestellt, das Heiligtum blieb jedoch noch geschlossen, bis der Vorsteher des Gujarati Centre, Bhikhubhai Patel, es zwei Tage später für die Abendandacht öffnete.

Dabei entdeckte er rund um den Altar blutige Fußspuren und sah dann, daß die Figur, die einen verheerenden Brand im Jahr 1989 völlig unversehrt überstanden hatte, aus dem Punkt zwischen den Augenbrauen, dem sogenannten Bindi, blutete. Hindus sehen darin ein Wunder und reisen aus ganz Nordengland an, um der Göttin zu huldigen.

Quelle hierfür (dort das 9. Mirakel): http://www.diewunderseite.de/statuen/statuen.htm#26

 


Mönchengladbach: Marienkirche am hellichten Tag mit satanischen Zeichen beschmiert

Laut einem Bericht der „Rheinischen Post“ haben unbekannte Täter am 15. April 2013 die kath. Marienkirche in Mönchengladbach und den umliegenden Platz mit satanischen Symbolen und Graffitis beschmiert.

Laut Pfarrer Klaus Hurtz ereignete sich dies am hellichten Tag, denn als er am Nachmittag das Pfarrhaus verlassen habe, sei von den Farbschmierereien noch nichts zu sehen gewesen. Am Abend habe er dann die okkulten Symbole vorgefunden.

Das Kirchengebäude wurde mit zwei auf dem Kopf stehenden Kreuzen (Nerokreuz, antichristliches Zeichen), mit einem fünfzackigen Stern, der auf einer Spitze steht (Okkultismus und Satanismus) und dreimal der Zahl 6 (Symbol für den Antichristen) besprüht.

„Das sind alles satanische Zeichen“, so der Pfarrer, der darin eine Gotteslästerung an der Kirchenmauer sieht. „Die Täter müssen doch von vielen Menschen beobachtet worden sein“, beklagte er.

Der Pfarrer hat die Tat angezeigt. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung.

Quelle: Jan Bentz in ZENIT.org


Voodoo – Spiritismus – magische Kulte: Ritual aus der Finsternis

Von Felizitas Küble

Papst Benedikt XVI. besuchte vom 18. bis 20. November 2011 das westafrikanische Land Benin mit seinen fast 10 Millionen Einwohnern, von denen ca. 40% christlich getauft sind (die meisten davon katholisch), etwa 30% dem Islam angehören und der „Rest“ diversen „Naturreligionen“, vor allem dem Voodookult huldigt. Es war dies die letzte Auslandsreise des Pontifex im Jahre 2011.

Dabei war der Papst natürlich auch mit Voodoo konfrontiert, zumal dieser heidnische Spiritismus dort amtlich als Religion anerkannt ist und sogar einen eigenen staatlichen Feiertag (den 11. Januar) erhielt  –  doch nicht nur dies: Benin gilt sogar als die „Wiege des Voodoo“, einer 4000 Jahre alten Geisterreligion. DSC_1185-3

Überall im Land, vor allem in den Dörfern, findet man Voodoo-Altäre. Der Rhythmus harter Trommeln kündigt von magisch-ekstatischen Zeremonien  – und das Befremdliche: ganz in der Nähe findet man Kirchen und christliche Symbole; manchmal stehen Kruzifixe und Madonnenstatuen auch direkt auf dem „Voodoo-Altar“ mit seinen Götzenbildern und Fetischen.

Diese fatale Vermischung von Christentum und Heidentum im „Volksglauben“ ist eine besondere Herausforderung für die Kirche und ihren unbedingten Wahrheitsanspruch, aber auch mit ihrer befreienden Botschaft und ihren heilswirksamen Sakramenten, die alle Bande der Finsternis besiegen.

Christus befreit vom Okkulten

Der Papst hat sich dieser problematischen Situation, die er in Benin vorfand, freilich nicht angepaßt, er vermied jede Anbiederung an magische Vorstellungen; er hat das offene Wort angesichts dieser Herausforderung nicht gescheut, sondern das Evangelium ausdrücklich als Befreiung vom Okkulten und als Sieg über die „bösen Geister“ bezeichnet, als er im Seminar St. Gallus in Ouidah eine Ansprache hielt.

Dabei erinnert gerade dieser Ort an die wechselvolle Geschichte des Landes, denn  bis ins 19. Jahrhundert war Benin ein Zentrum des Sklavenhandels, woran heute noch das riesige Denkmal „Tor ohne Wiederkehr“ am Strand von Ouidah erinnert. 1_0_668126

Später wurde das westafrikanische Land eine französische Kolonie, die 1960 ihre Unabhängigkeit erhielt, damals noch unter dem Namen Dahomey. Erst 1975 wurde mit der Herrschaft der Kommunisten der Name Benin eingeführt. Nach der Implosion bzw. dem  Zusammenbruch der Sowjetunion wurde 1991 schließlich ein Mehrparteiensystem installiert.

Der Papst verwarf in seiner Ansprache durchaus nicht alle vor- oder außer-christlichen Traditionen. Eine vorsichtige Inkulturation hat die Kirche seit Jahrtausenden stets gutgeheißen und auch praktiziert; abgelehnt wurde jedoch der Synkretismus, wobei derartige Religionsvermischungen mitunter schillernd auftreten und nicht sofort als solche erkennbar sind, gerade auch im Zusammenhang mit Voodoo.

Das Christentum beinhaltet eine umfassende Wahrheit, daher kann es auch all jenes umfassen, was in anderen Weltanschauungen, Philosophien und Kulturen gut und richtig ist. Dies ist Bestandteil einer weitherzigen Liebe zur Wahrheit, aber auch zu den Menschen, die Christus nähergeführt werden: sie sollen zunächst dort abgeholt werden, wo sie stehen  –  aber nicht etwa „dort“ stehenbleiben.

Daher stellte der Oberhaupt der katholischen Kirche in Benin klar:  „Diese Liebe begünstigt die korrekte Integration der authentischen Werte der Kulturen in den christlichen Glauben.“  – Eine solche Haltung sei zugleich ein wirksames Gegenmittel gegen den Synkretismus, wie Papst Benedikt erläuterte. per ebay

Bei den Bischöfen Angolas hatte der Papst schon zuvor für ähnliche Klarheit mit Abgrenzung gegenüber magischen Kulten gesorgt.  Er forderte die Oberhirten dieses südwestafrikanischen Landes bei deren Ad-limina-Besuch in Rom dazu auf, entschieden gegen „heidnische Praktiken vorzugehen“, wozu auch die Ausgrenzung und Ermordung von Kindern und Alten gehöre.  Solche traditionellen afrikanischen Phänomene seien „abscheulich“ und mit dem Christentum unvereinbar, diktierte er seinen Mitbrüdern im bischöflichen Amte deutlich ins Stammbuch.

Die Getauften seien oft hin- und hergerissen zwischen traditionellen afrikanischen Kulten einerseits und dem Christentum andererseits, so der Papst.  Auch ein überzogenes „Stammesdenken“ sei abzulehnen, denn in der Kirche gäbe es „keinen Platz für eine solche Art von Abgrenzung“. Die Bande des Glaubens und der Brüderlichkeit unter Christen seien stärker „als die unserer irdischen Familie und eurer Stämme“.

Die Bischöfe müßten ihre Stimme erheben   –  so der Pontifex in seiner Ansprache am 29.10.2011   –  wenn Menschen durch Magie und „Sprüche von Zauberern“ ausgegrenzt würden. Diese päpstliche Klartext-Rede gipfelte in dem Aufruf: „Wir wollen uns auch künftig entschlossen für die Verkündigung des Evangeliums unter den Völkern Afrikas einsetzen.“

Zur aufrichtigen und konsequenten Evangelisierung gehört eben auch die Abwehr des Irrgeistigen, Heidnischen und Abergläubischen in nichtchristlichen Religionen und Kulturen. „Religion“ ist nicht von vornherein etwas Gutes und Wahres; gerade sie kann durchaus auf Abwege führen.

Wachsende Faszination magischer Praktiken

Die Faszination des Bösen entfaltet sich schließlich gerade im „religiösen“ Bereich, sofern der Mensch nicht durch Gottes Offenbarung erleuchtet ist. Das zeigt auch die okkulte Welle, die seit längerem unser Land und die westliche Zivilisation prägt.

„Neuer Hexenglaube“, Spiritismus, schwarz- und weißmagische Praktiken, fernöstliche Meditation, Astrologie und sonstige „übersinnliche“ Phänomene sind gang und gäbe.

Die Überbetonung des Verstandes durch die „Aufklärung“ und ihre Steigerung im Rationalismus wird zunehmend durch das entgegengesetzte Extrem verdrängt: eine „vagabundierende Religiosität“, ein freischwebender, unverbindlicher „Glaube“ ohne Dogmatik, ohne festes Normensystem, ohne konfessionelle Bindung.

Im Mittelpunkt steht hierbei die Befriedigung religiöser Bedürfnisse, die Erfüllung einer metaphysischen Sehnsucht, die der Mensch auf Dauer kaum zu unterdrücken vermag. Wer sein religiöses „Grundgefühl“ mit bloßem Rationalismus, mit dürrem Verstandeswissen allein konfrontiert, gibt ihm Steine statt Brot.

Doch eine emotionale „Erfahrungs-Religion“ bedeutet, daß man auf der anderen Seite vom Pferd fällt: hier scheut man die dogmatische Klarheit des geoffenbarten Glaubens und die eherne Verbindlichkeit sittlicher Gebote. Daher wohl der zunehmende Siegeszug esoterischer und okkulter Ersatzreligionen.

Der Okkultismus  – wörtlich: Geheimwissenschaft, verborgene Lehre  – ist ein schillerndes Gebilde mit unterschiedlichen Schattierungen. Der harte Kern besteht freilich aus der Magie. Zauberei ist freilich mehr als unsinniger „Hokuspokus“, wie etwa die abergläubische Angst vor der Zahl 13 oder schwarzen Katzen.

Magie beruht wesentlich auf dem allzumenschlichen Verlangen, mit der Welt des Außernatürlichen in Kontakt zu kommen. Motiv ist meist die Neugier, doch dies nicht allein. Letztlich geht es darum, die Mächte des Übersinnlichen in den Griff zu bekommen, sich ihrer zu bemächtigen, sie für eigene Wünsche und Interessen einzuspannen, also die Welt des vermeintlich „Göttlichen“ zu vereinnahmen, sie unter Kontrolle zu bekommen.

Während sich der wahrhaft christliche Mensch demutsvoll in den Dienst Gottes stellt, möchte der magische Mensch das „Göttliche“ in seinen eigenen Dienst stellen. Mit anderen Worten: Der Gläubige betet: „Dein Wille geschehe!“, der Magische wünscht: „Mein Wille geschehe!“

Magisches Denken und okkulte Rituale sind also mit der christlichen Religion grundsätzlich unvereinbar, Glaube und Aberglaube schließen einander strikt aus.

Ist weiße Magie wirklich harmlos?

Dennoch ist die Verwirrung  auch in den eigenen Reihen groß, denn das Spektrum der Zauberei teilt sich in eine schwarze und eine scheinbar helle, harmlose, „weiße“ Magie.

Selbst unter Christen hält man diese „weiße Magie“ mitunter für erlaubt, „wenn es nur hilft“, als ob der Zweck die Mittel heiligen würde  – man denke etwa an das „Besprechen“ von Krankheiten durch scheinreligiöse Beschwörungsformeln bzw. esoterische Praktiken wie Hellseherei, Pendeln oder pfingstlerisch-„charismatische“ Methoden einer vermeintlichen „Geistausgießung“.

Bei der Verharmlosung der „weißen“ Magie wird oft übersehen, daß sich der schwarze und der weiße Zauber zwar dem Anschein nach unterscheiden, daß sie jedoch aus derselben heidnischen Quelle gespeist werden, nämlich dem anmaßenden Versuch, die Kräfte der „Übernatur“ im eigenen Interesse zu beeinflussen, zu steuern und zu vereinnahmen.

Der wahre Gott freilich läßt sich in keiner Weise durch den Menschen „instrumentalisieren“ und „in den Dienst nehmen“. ER ist der Allmächtige und läßt sich nicht „bemächtigen“, man kann ihn auch nicht durch Zauberformeln oder gewisse Praktiken herbeizitieren. Dasselbe gilt für die Engel und Heiligen, für die gesamte himmlische Welt.

Abgesehen davon sind die Grenzen zwischen schwarzer und weißer Magie in der Praxis ohnehin fließend. Dies ist nur konsequent und systemimmanent, es liegt in der Sache selbst begründet, weil beide Formen letztlich aus demselben Geist bzw. Ungeist stammen, von der gleichen heidnischen Gesinnung herrühren. „Hilft“ also die weiße Magie nicht weiter, dann versucht man es eben mit der „schwarzen“  – frei bzw. unfrei nach der Devise: „Hauptsache gesund“ bzw. „wer heilt, hat recht“.   – Wer jedoch mit dem Feuer spielt, landet schnell im Gefängnis des Okkulten, der  Finsternismächte, der satanischen Gegenwelt.

Eine solche „Zwischenzone“ bildet vor allem der Spiritismus, die Kontakt-Aufnahme mit „Geistern“. Selbst wenn sich hier Geister, die „gerufen“ werden,  als „Verstorbene“ ausgeben, so ist dies ein diabolisches Täuschungsmanöver, denn jene überirdische Welt, die sich in Gottes Gnadenbereich befindet (wozu auch das Purgatorium, das Fegefeuer gehört), läßt sich nicht vom Menschen her steuern, dirigieren, herbeirufen, manipulieren etc.

Die Zauberei besitzt also ein schillerndes, verführerisches Doppelgesicht  – und beide Gesichtshälften sind entschieden abzulehnen und zu meiden, denn der Aberglaube ist das Zerrbild des wahren Glaubens –  und für Christen durchaus gefährlicher als der Unglaube, zumal dieser als solcher sogleich erkannt wird, der Aberglaube aber gerne hinter einer „religiösen“ Maske agiert.

Dieser Irrweg ist beileibe nicht neu, auch nicht neuzeitlich. Bereits im Alten Bund warnte der Ewige vor den damals gängigen magischen Praktiken: „Es soll in Deiner Mitte kein Wahrsager, Zeichendeuter, Schlangenbeschwörer oder Zauberer, kein Bannsprecher oder Geisterbeschwörer gefunden werden; keiner, der Wahrsagegeister befragt oder sich an die Toten wendet, denn jeder, der solches tut, ist dem HERRN ein Greuel“ (5 Mose 18,10-12).

Während in unserer westlichen Welt der weißmagische, esoterische Irrweg vorherrscht, findet man in heidnischen Gefilden (auch in solchen, die sich mit christlichen Elementen vermischt haben) vielfach schwarze bis schwärzeste Magie, also Zauberei, Geisterglaube und Dämonenkult.

Die „Spitze des Eisbergs“ ist hier  –  neben dem direkten Satanismus  – der vor allem in Afrika und Lateinamerika weitverbreitete Voodoo-Kult: hier zeigt die Zauberei deutlich ihre Schattenseiten und damit ihr wahres Gesicht.

Voodoo enthält zwar durchaus auch weißmagische Elemente, doch die schwarzmagischen überwiegen. Es mag etwas makaber klingen, doch dieser Sachverhalt hat immerhin den Vorteil der Klarheit, wogegen weiße Magie und westliche Esoterik im Gewand des Harmlosen oder gar des „Himmlischen“ erscheinen.

Der afro-karibische Voodoo-Kult scheint zunächst weit weg: in Westafrika eben  – und ansonsten vor allem auf Haiti, dem Inselstaat in der Karibik, dem Ozeangebiet östlich von Mittel- und Südamerika, aber auch auf Kuba, in Brasilien oder Mexiko.

Dennoch ist das Thema nicht zu vernachlässigen, denn inhaltlich ist der Voodookult keineswegs „weit weg“, sondern geht uns alle an: zum einen wegen der  –  vom Christentum geforderten  –  prinzipiellen Ablehnung der Zauberei, zum anderen wegen jener Liebäugelei mit dem Voodoo, die auch im Westen immer mehr um sich greift, teils aus Neugier bzw. Tändeln mit fremdartigen oder „horrenden“ Elementen (siehe Hardrock-Szene bzw. „Heavy Metal“), teils aus magischer Faszination.

Hierzu ein aktuelles Beispiel: Die satanische Rockband „The Devil´s Blood“ trat am 13. Januar 2012 in der Hamburger Markthalle auf.  Vom „Hamburger Abendblatt wurde dies am am 21.11.2011 wie folgt angekündigt:

„Mit entrücktem Blick bearbeitet er (Selim Lemouchi, Kopf der Band) am rechten Bühnenrand seine Gitarre, der nackte Oberkörper unter der verranzten Lederjacke mit Tierblut übergossen; ein Berserker, der die rauschhaften Konzerte seiner Band ‚Rituale‘ nennt und mit seinem Interesse an okkulten Praktiken von Voodoo bis Satanismus polarisiert.“

Schillernde Botschaft: Der Kinofilm „Das Ritual“ 

Ähnliches gilt fürs Kino: Ende der 80er Jahre konnte z.B. der Horrorfilm „Das Ritual“ von John Schlesinger erstaunliche Erfolge einfahren. Mit seinem Brutalo-Streifen wollte der Regisseur keineswegs vom Voodookult abschrecken oder davor warnen; vielmehr nutzte er die Faszination des Abgründigen als lockenden Schockeffekt für die Zuschauer.

Die „Tagespost“ kritisierte den Film damals wegen seiner „Sucht nach Terror“ und stellte fest: „Die Szenen sind grausam und schrecklich, von frenetischer Angst und brutalster Kaltblütigkeit, anscheinend geboren aus einem praktizierenden Wissen um geheime Mächte und die Möglichkeit, mit ihnen in Kontakt zu kommen.“

„Das Ritual“ lieferte Okkultismus in Reinkultur, betrieb Schleichwerbung für den scheinbar weißmagischen Santeria-Kult (einer lateinamerikanischen Variante des Voodoo)  – und nahm gegenüber dämonischen Voodoo-Ritualen eine gefährlich schillernde Haltung ein, geprägt von Faszination und Angst.

John Schlesinger äußerte sich gegenüber der Filmzeitschrift „Ultimo“ (Dezember 1987) wie folgt über seinen Gruselschocker:

„Die Riten des Santeria-Kults wirken auf mich sehr überzeugend… Ich nehme zum Voodoo-Kult mit Sicherheit eine sehr ambivalente Haltung ein. Natürlich denke ich, daß man alle Arten von Glauben erlauben sollte. Man muß sehen,  daß Liebe und Angst nur gemeinsam den Glauben ermöglichen.“

Der Regisseur plädiert also für Toleranz gegenüber schwarzer Magie (in seinem Film kommen immerhin mehrere Ritualmorde vor)  – doch die „Angst“, die seiner Meinung nach durch die katholische Kirche erzeugt werde, lehnt er entschieden ab:

„In der katholischen Kirche wird immer wieder mit der Angst einfacher Menschen gespielt: wer nicht regelmäßig zur Beichte geht, wird in die Hölle kommen. Diese Angst ist ein Teil der Macht, die der Katholizismus besitzt. Ich persönlich halte das nicht für fair.“

Ganz in diesem Sinne bzw Unsinne trägt dieser in sich widersprüchliche Artikel den Titel: „Der unfaire Katholizismus.“

Wenn Menschen von heute sich in puncto Voodoo nicht gründlich auskennen, werden sie sich möglicherweise von solchen oder ähnlichen Sirenenklängen verführen lassen, so daß es sinnvoll erscheint, näher auf dieses Ritual aus der Finsternis einzugehen.

Der geographische Ursprung des Voodoo liegt in Westafrika. Seit Jahrhunderten existiert dort die Yoruba-Magie mit ihrem Glauben an die „Orixas“ oder „Loas“, an Geister, Götter und Dämonen. Im dortigen Ritual offenbart sich jene typisch heidnische Einstellung, die zwischen Furcht und Faszination vor den Geistern hin- und hergerissen ist und die Geisterwelt daher in den Griff bekommen möchte, um sie „unschädlich“ zu machen, ja für eigene Wünsche einzuspannen.

Um die „Loas“ gnädig zu stimmen, werden Figuren aus Holz geschnitzt oder aus Stoff genäht und schaurig-fantasievoll bemalt; sie werden dann „geopfert“ oder in Schadenszauber-Ritualen eingesetzt.

Das populärwissenschaftliche Special-Magazin „Wissen“ (Nr.5/2010) aus der „Hörzu“- Reihe berichtet in einem Artikel „Ist Voodoo die Kraft des Bösen“ Folgendes zum Thema Schadenszauber, wobei dort mit Henning Christoph ein Ethnologe zur Sprache kommt, der dem Voodookult erstaunlich wohlwollend gegenübersteht (vgl. seine Kino-Dokumentation „Voodoo  –  die Kraft des Heilens“); doch offenbar ist auch er bei gewissen Praktiken mit seinem toleranten Latein am Ende:

„Zu den drastischen Schadensmagien zählt die afrikanische Pistole, Chakuta genannt. Mit ihr werden Gegenstände in einen Körper geschossen  – ohne Narben oder äußere Spuren zu hinterlassen.  Henning Christoph war dabei, als ein Priester eine Chakuta-Geschädigte behandelte. Aus einer Beule an ihrem Arm holte er einen Nagel, aus ihrem Bein eine Glasperle.“   –  Schwarze Magie?  Henning Christoph: „Bei solchen Dingen, die ich nicht erklären kann, kam ich schon vor Jahren an den Punkt, zu sagen: Ich akzeptiere es.“

Zu Yoruba gehören auch abergläubische Ängste vor dem fluchbeladenen „bösen Blick“, der den Tod zur Folge haben könne (gemilderte Vorstellungen hiervon findet man allerdings auch etwa in Italien bis in die Gegenwart hinein), sodann „Heilungen“ durch Geisterkräfte, Fluch und Abwehrzauber, Dämonenbeschwörungen, Geisteranrufungen etc.

Diese Yoruba-Magie gelangte vor allem durch den Sklavenhandel europäischer Kolonialmächte nach Lateinamerika und in die Karibik. Besonders in Brasilien und Haitii verbreitete sich dieser Polytheismus und Spiritismus sehr stark, teils vermischt mit indianischen und/oder auch „katholischen“ Elementen, so daß ein synkretistisches Gebilde entstand, dem nicht wenige Namenskatholiken dort verfallen sind.

Diese fatale Religionsvermischung treibt vor allem in Brasilien, dem „größten katholischen Land der Erde“, wie gerne gerühmt wird, seit Jahrhunderten seine Sumpfblüten. So wird am 31. Dezember nicht das Andenken an Papst Silvester oder lediglich das weltliche Jahres-Ende gefeiert, sondern die heidnische Göttin Iemanja.

Der Bundesstaat Rio de Janeiro dürfte wohl das einzige „christliche“ Land der Welt sein, das sogar amtlich einen Feiertag für eine „Göttin“ einführte. Der Verordnung von „oben“ entspricht die Begeisterung von „unten“ (in des Wortes doppelter Bedeutung): Die heidnische Göttin Iemanja wird im „katholischen“ Brasilien nämlich euphorisch gefeiert.

Geisterglaube und Zauberei sind dort an der Tagesordnung. Aus dem Sachbuch „Heilen und Schamanismus“ erfährt man, dass auch gebildete Schichten der Magie frönen und das Christentum allenfalls äußerlich angenommen haben: „Selbst die brasilianische Oberschicht glaubt an Geister. Obwohl Brasilien ein Land frommer Christen ist, leben die Gedanken und Gefühle der afrikanischen Orixas in seinen Urwäldern und Städten weiter“[1].

Der ursprünglich westafrikanische Yoruba-Kult wurde dann in seinem „Exportland“ Haiti als „Voodoo“ bezeichnet  – dies ist zugleich der heutige Sammelbegriff für diese Art magischer Rituale. In Brasilien spricht man von „Umbanda“, gemeint ist dasselbe.

Das feministisch-neuheidnische Buch „Die Schwestern der Venus“, das sich über „Die Frau in den Mythen und Religionen“ ausbreitet, verhehlt nicht seine Befriedigung darüber, daß in Brasilien letztlich der Göttinnenkult siegte, nicht der biblische geoffenbarte Glaube:

„Viele Millionen Brasilianer  –  selbst wenn sie sich Katholiken nennen und gelegentlich in die Kirche gehen  – sind überzeugte Anhänger des Umbanda-Kultes“[2].

„Isis lebt mitten unter uns“

Noch triumphalistischer klingt die Kunde vom Siegeszug der Göttin Iemanja: „Die Tatsache der Herrschaft einer weißen ‚heidnischen‘ Göttin inmitten eines christlich-katholischen Landes ist ein frappantes Beispiel für die fortwirkende Anziehungskraft der polytheistischen Weltschau unserer Voreltern.(…) Isis lebt mitten unter uns“[3].

Offenbar hat in Brasilien nicht so sehr der christliche Glaube das Heidentum „geschluckt“, sondern eher umgekehrt. Vom Katholischen bleibt vielfach nur die Maske, im besten Fall äußerliches Brauchtum übrig. Dieses jedoch ist durchaus nicht harmlos,  keine volkstümliche Folklore, wenn es dazu dient, magische Mythen und Zeremonien quasi zu schmücken.

Der feministische Jubel „Isis lebt mitten unter uns“ kommt nicht von ungefähr: die altägyptische „Himmelsgöttin“ Isis findet seit Jahrtausenden im Kult der Iemanja ihre westafrikanische Entsprechung. Schwarzafrikaner verehren mit dieser merkwürdigerweise weißhäutigen Göttin die allgewaltige „Herrscherin der Meere“, wobei dieser Kult der Iemanja im Zentrum dortigen Heidentums steht  – und nicht etwa einen Randbezirk bildet.

Den portugiesischen Kolonisatoren genügte es in der Regel, wenn die afrikanischen Sklaven, die sie nach Lateinamerika verschleppten, äußerlich den katholischen Glauben annahmen. Folglich ging nicht das Heidentum im Christentum auf (wie bei der Christianisierung der Germanen), sondern umgekehrt: der christliche Glaube bietet vielfach nur die Hülle für den heidnischen Inhalt. Dies wurde kirchlicherseits weitgehend hingenommen in der irrigen Annahme, daß sich das Problem im Laufe der Zeit von selber regeln bzw. bessern würde.

Den westafrikanischen Sklaven wiederum gelang es recht einfach, die indianischen Ureinwohner mit ihrem Voodoo-Yoruba-Kult zu beeinflussen: schließlich trafen sich zwei Varianten des Heidentums, zwei Gesichter der einen Magie.  – Ureinwohner und Schwarze gingen fortan sonntags in die Kirche, weil es die Kolonisatoren verlangten, doch während der Woche übten sie ihre Zauberpraktiken aus wie eh und je. Um jedoch kirchlichen oder staatlichen Strafen zu entgehen, wurden Götter und Geister kurzerhand christlich „getauft“.

Die Orixas erhielten vielfach die Namen von Heiligen. Eine bunte Schar von Geistern wurde „christianisiert“: man verehrt diverse „Geistführer“, wobei Christus einer von vielen ist  – und in Umbanda-Tempeln mitunter einen „Ehrenplatz“ erhält. Die Göttin Iemanja wurde zur „Jungfrau Maria“ umgedichtet oder ihr dazugesellt: in den Armenvierteln Brasiliens findet man oft beide Gestalten als Gipsfiguren nebeneinander.

Ogun, der „Gott der Waffen“, wurde zum heiligen Georg umfunktioniert. Legba, den Geist, der die Eingänge bewacht, verehrte man nunmehr als heiligen Petrus an der Himmelstüre. Aus Obatala, dem „Gott“ des Alls, wurde der Himmelsvater des Christentums usw. Doch die christlichen Gestalten dienen nur als Tünche, bestenfalls als „Nebengötter“, die man großzügig mitlaufen läßt.

Die frommen Masken des Heidentums

Das Ethnologische Museum in Berlin zeigte solche befremdlichen Ausstellungs-stücke, wobei sich magische Fetische zu christlichen Andachtsgegenständen gesellen, im Herbst 2010 unter dem Titel „Vodou  – Kunst und Kultur aus Haiti.“

Dieser scheinkatholische „Doppel-Kult“ ist nicht nur in Lateinamerika und auf den karibischen Inseln verbreitet, sondern durchaus auch in den USA; dort spricht man von Santeria.

Laut „Ethos“ (Nr. 3/1988) gibt es allein in New York eine Viertelmillion Santeria-Anhänger. Wie der Name schon vermuten läßt, geht es  –  scheinbar  –  um Heilige, in Wirklichkeit freilich um Götter und Geister.

Eben dieser Kult wird im bereits erwähnten Horrorfilm „Das Ritual“ wohlwollend dargestellt. Das Santeria ist eine Kombination von Voodoo, indianischem Heidentum, weißer Magie, Spiritismus und scheinkatholischen Elementen, das in US-Großstädten durchaus Erfolge verbucht, z.B. in New Orleans (US-Bundesstaat Louisiana).

Diese Ausläufer sind allerdings kein Vergleich mit der Tiefenwirkung magischer Kulte in  Brasilien. Dort gehört vor allem der Spiritismus zum Alltag.

Eine wissenschaftliche Expedition zur Erforschung des Schamanismus gelangte zu folgendem Ergebnis: „Astralreisen, ‚automatisches Schreiben‘, Inkorporation von Geistern gedeihen seit 15 Generationen in Brasilien, weshalb sie ihren exotischen Charakter verloren haben und als ganz natürlich empfunden werden“, wie es im Doku-Band „Heilen und Schamanismus“ heißt[4].

Darin wird auch vom beliebten Iemanja-Kult berichtet: Dieser „Göttin der Meere“ sind unzählige Tempel geweiht. In der Nähe von Recife steht er direkt neben der katholischen Kathedrale, die von weniger Menschen besucht wird als der heidnische Tempel[5].

Iemanja wird dort und anderswo meist als sinnliche junge Frau mit enganliegendem, langen Kleid dargestellt: weiße Haut, schwarze oder algengrüne Haare, blaue Augen, Perlen in den Händen und eine Krone auf dem Haupt; die Gestalt insgesamt nicht frei von erotischer Faszination. Jeder kann sich die mächtige Göttin als schönste aller Frauen ausmalen.

In Brasilien ist jeder Samstag Iemanja geweiht  –  und nicht etwa der Gottesmutter.

Typisch für heidnisches Denken ist der Glaube an die Willkür und Unberechenbarkeit der Göttin. Sicherlich ist auch im geoffenbarten Christentum der Allmächtige letztlich ein undurchdringliches Geheimnis, aber gleichwohl in moralischer Hinsicht einschätzbar, denn er belohnt das Gute und bestraft das Böse.

Heidnische Götter sind hingegen ihrer Art nach launenhaft. Daher versucht man, sie durch Rituale und Zeremonien, durch Beschwörungsformeln und Zauberkünste „gnädig“ und geneigt zu stimmen und so ihr Wohlwollen zu sichern.

Auch Iemanja besitzt eine typisch heidnische „Doppelnatur“: sie kann  –  wie man glaubt  – vor Unglück schützen und in jeder Weise helfen, wenn sie will; zugleich aber ist sie rachsüchtig, grausam und mitleidslos. Krankheiten, Mißerfolge und Schicksalsschläge betrachtet man als Laune oder Vergeltung dieser unheimlichen und zugleich faszinierenden „Herrscherin der Meere“.

Also nicht obwohl, sondern weil sie so „gefährlich“ werden kann, wird Iemanja überschwänglich verehrt, um sie so zu besänftigen. Um sie in gute Stimmung zu versetzen, opfert man ihr wertvolle Gaben (Schmuck, Haustiere etc). Dies geschieht an „ihrem“ Samstag  – und besonders am 31. Dezember, ihrem rauschhaft begangenen Jubelfest.

Allein an den Stränden von Rio versammeln sich am Jahresende hunderttausende  Menschen, um sich in den Kult der Iemanja einzureihen. Mehrere Millionen feiern die Meeresgöttin an der 8000 km langen Küste Brasiliens. Das Fest beginnt  mit rhythmischen Gesängen, Trommelklang und ekstatischen Tänzen. Die Umbanda-Zauberpriester stechen mit den Schiffen in See.

(Der Voodoo-Kult kennt durchaus auch „Priesterinnen“  –  und zwar in der Candomble-Bewegung. Der männliche Zweig ist das Umbanda-Ritual. Beide entstammen der afrikanischen Orixas-Magie, dem Geisteraberglauben also.)

Wenn nun die Schiffe losfahren, rufen, singen und tanzen die zum Teil in Ekstase geratenen Menschen an den Stränden. Danach wird der Göttin geopfert, meist Schmuck oder lebende Tiere (Tauben, Hähnchen oder Ziegen) werden in die Fluten geworfen. Je bedeutsamer die Gabe, desto stärker sei die Gunst der Meeresgöttin, mutmaßt der Volks(aber)glaube dort.

Iemenja wird durchaus nicht als holde Jungfrau verehrt, auch nicht als Mutter (man sieht sie nie mit Kind dargestellt), sondern als liebestolle „Große Göttin“, die sich gerne und heftig verliebt und ihre männlichen Verehrer zu sich in den Meeresgrund hinabzieht. Ihr erster Liebhaber soll Oxala   –  eine hochgestellte „Gottheit“  –  gewesen sein.

Aus dieser Verbindung soll dann die ganze Welt einschließlich der weiteren zahlreichen Götter hervorgegangen sein. Daher gilt Iemanja als „Allmutter“, als Quelle der Schöpfung  –  ähnlich den antiken Vorstellungen von einer allmächtigen „Großen Göttin“.

Heidnische Magie beruht auf dem gegenseitigen (!) Abhängigkeitsverhältnis zwischen den Göttern und den Menschen. Aus Voodoo-Sicht werden Orixas wiederbelebt, indem sie ein „Medium“ besitzen, sich also in einen Menschen inkorporieren, von ihm  –  etwa im ekstatischen Tanz oder bei Opfer-Ritualen  –  Besitz ergreifen.

Wechselverhältnis von Mensch und „Göttern“

Demzufolge wirkt also auch der Mensch auf die Lebendigkeit der Götter ein, er „erschafft“ diese gewissermaßen selber. Doch sobald sie  –  durch menschliche Hilfe –  richtig vital werden, entfalten sie eine Eigendynamik, toben also ihre Götterlaunen aus; diese wiederum versucht der Magier, durch Zeremonien und Beschwörungen in die von ihm selber gewünschten Bahnen zu lenken, sie zu kanalisieren.

So wird die heftige Angst vor den Geistern durch „Zuckerbrot und Peitsche“, durch Opfer und Abwehrzauber scheinbar „gebannt“, aber nie wirklich überwunden. Zauber und Abwehrzauber befinden sich innerhalb desselben magischen Systems.

Der schwarzmagische Geister- und Dämonenglaube gründet vorwiegend auf dem Element der Angst, dem Gefühl ständigen Bedrohtseins. Daher der Versuch einer „Kontaktaufnahme“ zwecks Besänftigung dieser unheimlichen Mächte  – und zugleich ihre Vereinnahmung für böse eigene Interessen, etwa beim Schadenszauber, der Verfluchung, der Todesmagie etc.

Der weißmagische Kult beruht hingegen eher auf dem Element der Faszination und der Anziehungskraft des Sinnlichen (siehe Iemanja-Erotik), obwohl auch dort die Furcht vor den Launen der Göttin nicht fehlt.

Schattenseiten der „Ahnenverehrung“

Der afrikanische Ahnenglaube beispielsweise ist keineswegs eine rührend-romantische Verehrung der Vorfahren, wie das manche im Westen naiv annehmen, sondern eine mit der Geisterfurcht zusammenhängende Religion der Angst:

Aus afro-spiritistischer Sicht bilden die Totengeister die Mehrzahl der Geistwesen. Doch diese sind  nicht weit weg, sondern beeinflussen das tägliche Leben und können jedem Einzelnen schaden. Besonders die Geister verfeindeter Sippen, im Kampfe erschlagener oder durch Zauber totgehexter Männer sind wegen ihrer Rachsucht sehr gefürchtet. Durch gewisse Rituale und die Einhaltung von „Tabus“, durch Respekt vor unberührbaren Gegenständen will man diese als gefährlich empfundenen Mächte bannen und eingrenzen.

Die Ahnengeister werden nicht aus Liebe und Anhänglichkeit verehrt, auch nicht um ihres bleibenden Andenkens willen, sondern aus Furcht vor derem schwarzen Zauber, wobei man glaubt, sich nur durch überaus innige „Verehrung“ davor schützen zu können.

Diese Seite des afrikanischen Ahnenkults, der auch dem Voodoo-Zauber zugrunde liegt, wird seitens der Dialogschwärmer und Schönfärber fremder Religionen gerne erschwiegen oder schlicht nicht erkannt, will man doch lieber das „Gute“ in den nichtchristlichen Religionen herausfiltern.

Der Voodoo-Kult zeigt freilich direkter seine dämonischen Seiten,er fällt sogar mit seinem Namen ins Haus, denn Voodoo bedeutet Geisterbeschwörung.

Der Begriff entstand aus dem afrikanischen Wort „Vodun“ (Geist, Gottheit) in Verbindung mit „juju“ (beschwören). Der Ausdruck meint gleichzeitig sowohl die Götter/Geister wie auch ihre äußeren Darstellungen[6]. Das Buch „Heilen und Schamanismus“ fügt hinzu: „Im Volksmund bedeutet Voodoo soviel wie Zauber und Hexereien“[7].

Rituelle Grundlage des Voodoo ist die „Inkorporation“, die Einverleibung der Geister im Menschen. Dies geschieht meist bei der „Initiation“, der Einweihung bzw. Aufnahme eines Neulings, der Schamane werden möchte.

In „Heilen und Schamanismus“ heißt es hierzu:

„Eine Kontrolle der Geister (durch die Menschen) ist nicht wünschenswert. Die Erfahrung der Initianden wird als „Besessenheit“ beschrieben.(…) Sie betrachten sich als Vehikel für die göttlichen Reiter  –  die Geister reiten sie wie Pferde“[8].

Ein Expertenteam in puncto Voodoo schildert es dort noch genauer: „Es gibt emotionale Erfahrungen, die oft für die Berufung des Schamanen typisch sind: der Initiand kann Stimmen hören, Visionen haben und ‚Wahnvorstellungen‘ bekunden. Manchmal sind diese Manifestationen furchterregend; nicht selten berichtet der Initiand, daß er Dämonen kreischen hört  –  oder daß er sieht, wie sein Körper in Stücke gerissen wird“[9].

Als wichtiges Hilfsmittel zur Erreichung der Besessenheits-Ekstase fungiert die Trommel, deren beschwörender, harter Rhythmus die Geister herbeiruft, wie man glaubt, so daß sie vom Zauberer Besitz ergreifen.

Hierzu schreibt das erwähnte Sachbuch:

„Für Voodoo-Priester und Priesterinnen ist die Trommel wichtig zur Veränderung des Bewußtseins. Ihr rhythmischer Schlag dient als akustische Treibkraft, die die gewöhnliche Wahrnehmung sprengt und damit den Zustand der Besessenheit erleichtert“[10].

Diese Wirkungsweise der Trommelmusik ist wissenschaftlich längst erforscht, so etwa in einer Studie Ende der 70er Jahre in den USA. Bei den Versuchspersonen zeigten sich auffallende Bewußtseinsveränderungen, die durch tiefes und schnelles Atmen verstärkt wurden.

Ekstase und Trance, Außer-sich-geraten und In-sich-versenkt-sein in einen hypnoseähnlichen Zustand: beides kann sich einstellen, nicht allein im Voodoo-Kult, sondern   –  der Form nach etwas gemäßigter  –  auch bei indianischen Geister- und Sonnentänzen. Diese Pionier-Studie ist in einer Fachzeitschrift dokumentiert[11].

Neben Brasilien ist Haiti eine Hochburg des Voodoo. Von den ca. 6 Millionen Einwohnern des Inselstaates sind 80% katholisch und 10% evangelisch. Die südlich von Kuba gelegene Insel gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, nur jeder Vierte kann lesen.

90% der Einwohner sind Voodoo-Anhänger, folglich auch die meisten (Taufschein-)Katholiken. Laut „Hör zu“ (Nr. 26/1993) gibt es auf der Insel nur 600 Ärzte, aber 400.000 Schamanen. Das TV-Blatt schreibt zudem: „Angst vor Verzauberung, vor Tod und Verwandlung in einen Zombie beherrscht das Volk und macht die Voodoo-Priester mächtig. Das System funktioniert.“

Die Frage nach dem „Zombis“

Man wird sogleich stutzig: „Verwandlung in einen Zombi“?  – Dergleichen gibt’s doch nur in Gruselfilmen oder dummen Volksmärchen?

Ob jene halb-toten, halb-lebenden Gestalten tatsächlich existieren, sei dahingestellt (und wenn, dann natürlich nicht nach Machart eines Horrorstreifen); sie sind aber offenbar Bestandteil der „Todesmagie“ des Voodoo. (Ob dieser „Zauber“ real funktioniert, steht auf einem anderen Blatt.)

Hierzu schreibt der evangelische Esoterik-Experte Kurt E. Koch:

„In zivilisierten Ländern ist die Todesmagie nicht häufig anzutreffen.(…) In heidnischen Gebieten treibt sie jedoch ihr finsteres Unwesen.(…) Mir liegen in großer Zahl Beispiele vor. Ich fand solche Vorgänge bei den Schamanen in Alaska, bei den Wudisten (Voodoo-Magiern) auf Haiti, bei den Macumba-Spiritisten in Brasilien und im Zusammenhang mit dem Zombismus in Afrika“[12].

Am 4. Juli 1993 strahlte das ZDF eine Reportage hierüber aus. Titel: „Voodoo auf Haitii: Gibt es die lebenden Toten wirklich?“

Die wesentlichen Resultate: Zombismus ist Bestandteil des Voodoo. Die Sendung erwähnte Beispiele und verwies auf den amerikanischen Völkerkundler Wade E. Davis und den Lausanner Gerichtsmediziner Laurent Rivier, die herausgefunden haben, daß Voodoo-Schamanen eine geheime Mixtur kennen, die „Zombies“ hervorbringt.

Der strafende Todesgott im Voodoo heißt „Samedi“, abgeleitet vom indianischen Wort „Zemi“. Hiervon stammt der Begriff „Zombie“ für die Halbtoten.

Wie jedoch kann „Zombismus“ bewirkt werden?

Das US-Magazin „Time“ (Nr. 17/83) brachte möglicherweise etwas Licht ins Grusel-Dunkel: In einer Dokumentation von C. Wallis „Zombis: do they exist?“ wurde folgender Sachverhalt erläutert:

Voodoo-Meister stellen Zombis her, indem sie eine bestimmte Giftmischung verwenden. Diese besteht offenbar aus einer giftigen Kröte, zerstampften Pflanzen, zermahlenen Menschenknochen und dem  gefährlichsten Gift der Welt: Tetrodotoxin (TTX): es ist ein Wirkstoff des Kugelfisches, 500 x stärker als Zyanid.

Wenn die tödliche Dosis unterschritten wird, erzeugt das Gift schwere Lähmungen. Der chemische Stoff der Kröte wirkt auf das Herz; das Fischgift greift das Nervensystem an. Die Folge ist eine Art Scheintod: der Betroffene will schreien, kann sich aber nicht bewegen; er scheint wie tot zu sein, ist aber durchaus bei Bewußtsein.

Diese Scheintoten werden beerdigt, wobei oftmals die Angehörigen nicht Bescheid wissen. Die „Leiche“ wird nach 1 oder 2 Tagen durch ein Gegengift „wiederbelebt“: ein Voodoo-Magier schleicht auf den Friedhof, holt den Scheintoten aus dem Grab und verabreicht ihm eine Paste aus Datura, einer Pflanze mit bewußtseinsverändern-den Wirkstoffen.

Danach werden „Zombies“ zur Sklavenarbeit weggeschleppt. Das Gegengift wirkt noch nach 72 Stunden, hat aber schwere Folgewirkungen: Der Betroffene vegetiert dahin   – fast ohne eigenen Willen, da sein Gehirn weitgehend vernichtet ist. Nur ein starres, unwirkliches Sich-Bewegen ist möglich, quasi ein „wiederbelebter Leichnam“.

Hierzu heißt es in „Heilen und Schamanismus“: „Ihre Meister benutzen die Zombies als Sklaven; sie werden als die bedauernswertesten Geschöpfe betrachtet, weil sie ihre geistige Essenz verloren haben“[13].

„Hör zu“ (Nr. 26/1993) schreibt in einer Vorschau auf die bereits erwähnte TV-Reportage, daß Zombies als willenlose „Roboter“ an eine Farm oder Fabrik verkauft würden  – angeblich „mehrere tausend“. Hierfür fehlen allerdings nach meinem Eindruck die präzisen wissenschaftlichen Belege.

Wenn ein Voodoo-Magier jemanden zum „Zombie“ reduzieren will, kann dies verschiedene Gründe haben: Opfer für die Götter, Besänftigung der Geister, Verfluchungen  – oder psychologische Motive wie Rachsucht, Neid, Eifersucht, Streit, Haß.

Zurück zu Haiti, der Hochburg des Voodoo in einem scheinbar katholischen Land, das nicht nur religionsmagisch, sondern durchaus auch politisch von Voodoo-Priestern beherrscht wird. Die Bezirksleiter (Chef de Section) sind oftmals Schamanen.

Aristide als Vertreter des magischen Synkretismus

Hierzu heißt es in der Radio-Dokumentation „Religion und Politik in Haiti“, die der Hessische Rundfunk am 22.9.1993 ausstrahlte: „In der Regel ist der Chef de section gleichzeitig ein Voodoo-Priester.  Diese von oben gewollte Vermengung von weltlicher und geistlicher Macht fordert den Mißbrauch geradezu heraus.“

Typisch für die Verhältnisse dort ist auch die Einstellung von Jean Bertrand Aristide, seines Zeichens mehrfacher Präsident von Haiti (zuletzt von 2000 bis 2004), danach mit Frau und Kindern im südafrikanischen Exil lebend.

Der Befreiungstheologe und  – von der Kirche amtsenthobene  –  Priester Aristide macht aus seiner Sympathie für Voodoo kein Geheimnis. Bei ihm erscheint jene verhängnisvolle Symbiose von Christentum und Heidentum sehr ausgeprägt, jene Religionsvermischung also, wie sie auch im taufscheinkatholischen Volk dort weit verbreitet ist.

Die erwähnte Radiosendung strahlte ein Interview mit Aristide aus und fragte ihn nach seiner Beurteilung des Voodoo:

„Für uns Haitianer  – zumindest für mich als Haitianer  – ist der Voodoo nicht ein Religion, die der katholischen Religion über- oder unterlegen ist. Voodoo ist der katholischen Religion ebenbürtig.“

Sodann sagte er, daß es hüben wie drüben gute und schlechte Menschen gäbe: „Man findet also in beiden Religionen beide Seiten der Medaille.“

Für den ehemaligen Präsidenten ist Voodoo ein Teil seiner Identität: „Voodoo ist für mich eine Religion, die zu respektieren ist, weil sie mir erlaubt, meine kulturellen Wurzeln wiederzufinden. Kein Baum kann leben und Früchte tragen, wenn seine Wurzeln abgeschnitten sind. Den Haitianer von seinen Wurzeln abschneiden, indem man ihn vom Voodoo entfernt, das heißt: ihn in den Selbstmord zu treiben.“

Das muß man sich zu Gemüte führen: die „Wurzeln“ dieses katholischen Priesters, ohne die ihm und seinesgleichen nur der Selbstmord vor Augen stände, sind weder die Heilige Schrift noch die Tradition der Kirche bzw. beides, sondern der schwarzmagische Voodookult, ein Ritual aus der Finsternis!

Aristide versteigt sich im Interview sogar zu der kuriosen Aussage: „Im Voodoo sind alle an die Tafel des Guten gerufen.“  –  Dies gelte auch dann, wenn Böses getan werde: „Selbst wenn man sich seiner Freiräume bedient, um Böses zu tun, muß man anerkennen, daß der Voodoo ein Herz hat, das im Rhythmus der Liebe, des Guten schlägt.“

Da staunt selbst der Radio-Sprecher und kommentiert: „Diese Sympathiebekundung hat Aristide den Vorwurf eingehandelt, er sei ein verkappter Voodoo-Priester. Dabei steht er vor allem für eine politisch-religiöse Bewegung, die aus seiner eigenen, der katholischen Kirche stammt: es ist die sog. ‚Kleine Kirche‘, inspiriert von der ‚Theologie der Befreiung‘, die keinen Unterschied zwischen religiösem und politischem Engagement machen will.“

Sodann wurden einige Mitglieder der  sog. „Basiskirche“ interviewt, wobei ein Herr namens Roger äußert: „Der Voodoo als eine Religion der Befreiung gehört zu den Wurzeln der Basiskirche.“  – Der Rundfunkmoderator stellt leicht ironisch fest: „Wie ihr Prophet Aristide haben die Mitglieder der ‚Kleinen Kirche‘ nichts gegen Voodoo.“

Im Unterschied zu solchen pseudo-katholischen Auswüchsen kämpfen protestantische Freikirchen, charismatische Gruppen und allerlei Sekten in Lateinamerika und in der Karibik gegen diese unbiblische Magie, indem sie den Gegensatz zwischen Licht und Finsternis, Christentum und Heidentum betonen.

Die protestantisch-freikirchliche „Konkurrenz“

Infolgedessen laufen viele Christen, die den katholischen Glauben nur von seinem Zerrbild her kennen (sei es Magie oder Befreiungstheologie oder  –  wie bei Aristide und Co.  – beides gleichzeitig) scharenweise zu evangelischen Predigern über, weil sie dort noch „echtes“ Christentum vermuten. Angesichts einer jahrhundertelang geduldeten Paganisierung bzw. Heidnisierung des katholischen Glaubens ist ein solcher Trend nicht weiter verwunderlich.

Mit einer vordergründigen, oberflächlichen Kampfansage an protestantische Bewegungen ist da wenig gewonnen, weil es das Übel nicht an der Wurzel packt, sondern die Symptome (noch dazu erfolglos) behandelt. Der wahre Gegner, die Ursache des pastoralen Schlamassels ist nicht der Protestantismus, sondern das Heidentum.

Solange diese „verborgene“ Gefahr nicht ohne Wenn und Aber überwunden wird, solange es keine eindeutige Abwehrhaltung gibt, solange mit dem Voodoo „dialogisiert“ wird, statt ihn als Finsternismacht geistig zu bekämpfen, werden weiterhin verunsicherte Katholiken zu freikirchlichen bzw. pfingstlerischen Gruppierungen abwandern.

In der katholischen Zeitschrift „Stefanus“ (Nr. 6/93) findet sich folgende Meldung: „Das rasche Vordringen von Sekten in Lateinamerika muß nach Überzeugung von Papst Johannes Paul II. von der katholischen Kirche mit einer einheitlichen Strategie bekämpft werden. Bei einer Audienz für die Mitglieder der Päpstlichen Lateinamerika-Kommission bezeichnete er es als dringend notwendig, der aggressiven Propaganda der Sekten auf dem ‚Kontinent der Hoffnung‘ eine (…) Evangelisierungskampagne entgegenzusetzen.“

Eine „einheitliche Strategie“ und evangelistischer Kampfgeist ist tatsächlich angesagt, allerdings weniger gegen die freikirchlich-protestantische „Konkurrenz“, sondern gegen den eigentlichen Erzfeind namens Voodoo   – und gegen das Heidentum insgesamt, damit dieser „Kontinent der Magie“ endlich der dämonischen Finsternis entrissen wird.

Das Problem ist nicht gerade neu. Die „Deutsche Tagespost“ meldete bereits am 3. März 1992: „In Lateinamerika treten täglich etwa 8000 Katholiken zu einer protestantischen Sekte über. Diese Zahl nannte der Koordinator für Wallfahrtsorte in Lateinamerika, E. Trucco, bei einem Pilgerkongreß im Vatikan.“

Zwischen dem Licht des Glaubens und dem Dunkel der Magie gibt es keinen Kompromiß, hier klafft vielmehr ein Abgrund. Erinnern wir uns an die klaren Worte des Völkerapostels Paulus, der damals so viele Heiden zu Christen missionierte:

„Wie stimmen Christus und Belial überein?“ (2 Kor 6,15)  – ganz zu schweigen von seiner Warnung: „Was die Heiden opfern, das opfern sie den Dämonen  – ich will aber nicht, daß ihr Gemeinschaft habt mit den Dämonen.“ (1 Kor 10,19)

Während der Völkermissionar die urchristlichen Gemeinden ermahnte „Flieht vor dem Götzendienst (1 Kor 10,14), wird das Heidentum heute von manchen Dialogisierern und Synkretisten geradezu umarmt.

Der frühere päpstliche Geheimkämmerer Egon von Petersdorff schreibt in seinem Standardwerk über die Dämonologie: „Der Schamanismus ist … der gefährlichste, weil unmittelbarste Götzen- und Dämonenkult, der sich in mannigfaltigen Abarten und verschiedenen Tarnungen durch die ganze Menschheitsgeschichte hin verfolgen läßt, bis in unsere Tage“[14].

Der Autor steht hier in Übereinstimmung mit Psalm 95,4 („Alle Götter der Heiden sind Dämonen“) sowie mit dem hl. Thomas von Aquin und dem Dogmatiker Scheeben:

„Götzendienst war … im Grunde Dämonendienst, weil … kein anderes reales Wesen da war, welches den Götzenkult entgegennehmen konnte“[15].

Ähnlich Michael Schmaus: „Hinter dem heidnischen Kult stehen die Dämonen“[16].

Wer vom Licht redet, darf von der Finsternis nicht schweigen.  Wer Tugenden rühmt, muß Laster verwerfen, um Klarheit zu schaffen. Wer die Wahrheit predigt, muß den Irrtum entlarven und davor warnen.

Hortense von Gelmini, eine katholische Künstlerin und Dirigentin, schreibt in ihrem Aphorismen-Buch: „Das Gute erwerben, ohne das Schlechte aufzugeben, ist der folgenschwerste Selbstbetrug jeder menschlichen Entwicklung.“

Vernünftige Inkulturation ist begrüßenswert

Dabei ist eine gewisse „Inkulturation“ bei der Missionierung von Heiden durchaus kein Problem, sondern wird von der Kirche mit Recht seit Jahrtausenden angewandt. Dieses „Aufsaugen“ vorheriger Kulturen und das Integrieren ihrer positiven oder neutralen Elemente in die christliche Religion wurde auch bei der Christianisierung der Germanen angewandt  – und dies einigermaßen erfolgreich. Immerhin führte dieses segensreiche Wirken der Kirche zum „Heiligen römischen Reich deutscher Nation“.

Dabei war die christliche Germanenmission jeder Religionsvermischung abhold. Den Neubekehrten wurde klar gepredigt, daß sie ihre „Traditionen“ weitgehend aufgeben mußten: unseren Altvorderen ist in der ausgehenden Antike sehr wohl etwas „verloren“ gegangen, als sie sich zu Christus bekehrten: nicht etwa nur die Donar-Eiche mußte „dran glauben“, sondern der pagane Irrglaube insgesamt  – von der Wotans-Furcht bis zu den Menschenopfern in den Sümpfen Germaniens war Schluß mit heidnisch.

Sicherlich praktizierten die  – oft aus Irland kommenden –  Missionare damals eine gewisse Inkulturation, wobei sie jene Elemente des „Germanentums“, die mit dem christlichen Glauben vereinbar waren, bestehen ließen bzw. „tauften“; sie respek-tierten z.B. den germanischen Heldenmythos (er wurde im „Heliand“ verchristlicht).

Heidnische Opferstätten wurden nicht unbedingt immer mit der Bonifatius-Axt weggefegt, sondern mitunter durch christliche Wallfahrtsstätten verdrängt und so allmählich ihres heidnischen Ursprungs beraubt.

Die Christianisierung der Germanen war eben insgesamt gesehen keine Heidnisierung des Christentums, sondern eine fortschreitende Überwindung des Heidentums durch das Christentum  –  sicherlich zuweilen unvollkommen und auf Umwegen, doch immerhin zielklar.

Klar sollte das missionarische Ziel wirklich sein: vorsichtige Inkulturation JA, aber Synkretismus NEIN.

Wenn der Papst im Frühjahr 2012 seine geplante Reise nach Kuba und Mexiko antritt, hat er es mit zwei Ländern zu tun, in denen magische Kulte ebenfalls seit langem beheimatet sind und heute noch blühen, oft unter dem Deckmantel des Katholischen   –  oder auch des Sports.

So lauteten Schlagzeilen zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 beispielsweise so:  „Mexikos Fußballer: Mit Voodoo zum Erfolg.“  – Die mexikanische Zeitung „Record“ startete mit Hilfe einer Videoverleihkette eine massive Voodoo-Kampagne. Tausende Fans kauften sich Fußballer-Puppen in USA-Farben und  kleine Nadeln, um sie in die „US-Puppen“ zu stechen (ein Ritual aus dem Schadenszauber).  Die Organisatoren der Kampagne klärten ihre Anhänger darüber auf, daß sie die Puppen mit Nadeln peinigen, verbrennen oder in eine Vase mit Wasser tauchen könnten.

Ob Schadenszauber oder Göttinnenglaube, weiße oder schwarze Magie, angstvoller Ahnenglaube oder spiritistische „Heilungszeremonien“  – all diese Irrwege überwindet der christliche Glaube, der wahre Gott, die Botschaft des Ewigen, die Sakramente des HERRN.

Allein die göttliche Offenbarung in Christus und seinem Erlösungswerk vermag diese unheimlichen Kräfte der Finsternis wirksam zu besiegen, denn Christus ist gekommen, „um die Werke des Teufels zu zerstören“ (1 Joh 3,8).

ERSTveröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 1 – 2 / 2012)

Anmerkungen:


[1] Alberto Villoldo – Stanley Krippner, Heilen und Schamanismus: Dokumente anderer Wirklichkeiten, Sphinx-Verlag: Basel 21986, 73.
[2] J.J. Heydecker, Die Schwestern der Venus. Die Frau in den Mythen und Religionen, Nymphenburger Verlag: München 1991, 347.
[3] AaO., 352.
[4] Villoldo – Krippner, aaO., 74.
[5] AaO., 86.
[6] Vgl. hierzu J. Haskins, Voodoo und Hoodoo, Stein & Day: New York 1978.
[7] Villoldo – Krippner, aaO., 241.
[8] Ebenda.
[9] Villoldo – Krippner, aaO., 245.
[10] AaO., 243.
[11] L.G. Peters, „Towards an Experimental Analysis of Shamanism“: American Ethnologist 7 (3/1980) 397-418.
[12] K.E. Koch, Okkultes ABC, Bibel- und Schriftenmission: Aglasterhausen 21984, 599.
[13] Villolda – Krippner, aaO., 244.
[14] Egon von Petersdorff, Dämonologie I, Christiana Verlag: Stein am Rhein 21982, 226.
[15] M.J. Scheeben. Handbuch der katholischen Dogmatik II, Freiburg i.Br. 1933 (= 1880), 678.
[16] Michael Schmaus, Katholische Dogmatik II/1, München 61962, 314.