Der päpstliche Nuntius Eterovic´besuchte das Bistum Regensburg fünf Tage lang

„Papst Franziskus möchte Deutschland besuchen. Das Datum und ein konkretes Programm stehen noch nicht fest. In naher Zukunft sind andere Reisen geplant. Aber Deutschland ist ja nicht weit entfernt von Rom.“  – Das hat Erzbischof Nikola Eterovic´, Apostolischer Nuntius in Deutschland, erklärt, als er am gestrigen Dienstag die Bilanz seiner fünftägigen Reise durch das Bistum Regensburg zog.  150629_Nuntius auf Regensburger Dreieinigkeitskirche mit Regionalbischof Weiss

Zwischen Freitag, 26. Juni, und Dienstag, 30. Juni, hatte der Vertreter des Papstes in Deutschland das Bistum Regensburg „kreuzförmig“ in allen vier Himmelsrichtungen bereist.

FOTO: Bischof Voderholzer, der päpstliche Nuntius und der evangelische Regionalbischof Dr. Weiss auf der Regensburger Dreifaltigkeitskirche

Der Nuntius erklärte:

„Ein Höhepunkt meines Besuches war die Priesterweihe im Regensburger Dom am Samstag. Was kann schöner sein, als die junge, aufbrechende Kirche zu erleben?  –  Aber Bischof Rudolf hat mich auch zu den Peripherien des Bistums begleitet.

Allerdings gibt es in der Kirche keine Randgebiete im geographischen Sinne: Der Mittelpunkt ist immer da, wo sich Christen in Christi Namen zusammenfinden und Eucharistie feiern.“

Lebendige Glaubenstradition in Bayern

Das Bistum Regensburg sei geprägt von einer lebendigen Glaubenstradition, erklärte der Erzbischof. Wer in einer durch und durch weltlichen Stadt wie Berlin lebt, dem falle das auf. Aber die Säkularisierung sei auch in Ostbayern zu spüren.

Erzbischof Eterovic´ erwähnte die Ökumene und das Treffen mit dem evangelischen Regionalbischof Dr. Weiss: „Es ist wichtig, den eingeschlagenen Weg der Einheit in Christus weiterzugehen.“

Bei der Eröffnung des Mariahilf-Bergfestes in Amberg hatte der Nuntius die in einem lebendigem Brauchtum verwurzelte Frömmigkeit der Oberpfalz erlebt, eine Tradition, die zu bewahren sei wie ein Schatz.

Gute Nachbarschaft zu Tschechien

Im Kloster Kladrau und im Zentrum Bohemia Bavaria/Schönsee hatte der Vertreter des Papstes die freundschaftliche Nachbarschaft zwischen Tschechien und Bayern kennengelernt. Die Rundreise des Erzbischofs endet am Dienstag mit einem Besuch bei den Mallersdorfer Schwestern.

Deutschland und ganz besonders Bayern seien für die Weltkirche wichtig: „Sie helfen in aller Welt mit Ihren Mitteln. Das ist großzügig und großartig.“ 

Dabei gehe es nicht nur um Geld, obwohl die rund 550 Millionen Euro, die katholische Christen Jahr für Jahr aufbringen, eine gewaltige Hilfe seien. „Sie helfen aber auch, indem Sie zum Beispiel hier in Deutschland die Ausbildung von Priestern übernehmen, indem Sie Solidarität mit den Christen im Heiligen Land und im Nahen Osten zeigen. Für all das Gute, das Sie bewegen, kann ich Ihnen nur von Herzen danken.“

Quelle (Text/Foto): Bistum Regensburg

 


Trauermesse für Prälat Albert Rauch, einem großen Brückenbauer zur Orthodoxie

Auch Erzbischof Müller aus Rom kommt zum Requiem

Am kommenden Mittwoch, 21. Januar, findet im Regensburger Dom das Requiem für Prälat Dr. Albert Rauch (siehe Foto) statt. Der Beginn ist um 13 Uhr. Rauch Albert 1

Hauptzelebrant ist Kardinal Friedrich Wetter, der em. Erzbischof der Erzdiözese München und Freising. Auch Kardinal Gerhard Müller, Präfekt der römischen Glaubenskongregation, wird zu dem Requiem kommen. Bischof Rudolf Voderholzer wird die Predigt während des Gottesdienstes halten.

Die Liebe zur Orthodoxie hat Dr. Albert Rauch ein Leben lang geprägt, was sich in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Berater der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz für die Kirchen des Ostens bis hin zur Leitung des Ostkirchlichen Instituts Regensburg zeigte.

Daher werden zahlreiche Würdenträger aus den orthodoxen Kirchen eigens zu dem Requiem kommen:

Zu ihnen gehören Metropolit Serafim von der rumänisch-orthodoxen Metropolie Deutschland und Mitteleuropa, Dr. Theophilos Kuriakose Mor, Metropolit der syrisch-orthodoxen Kirche Zentraleuropa, Grigoriyos Melki Ürek Mar, Metropolit von Adiyaman in der Türkei, Galaktion, Metropolit von Stara Zagora in Bulgarien. Donausegnung Weiß Voderholzer Malamoussis im Dom

Außerdem Archimandrit Dr. Giovanni Guaita, Mitarbeiter des Kirchlichen Außenamtes der russisch-orthodoxen Kirche in Moskau, Metropolit Andrei aus dem rumänischen Cluj-Napoca, sowie Grigorij Dovgallo, Generalsekretär der Theologischen Fakultät an der Staatlichen Universität Minsk, um nur einige wenige zu nennen.

FOTO: Gottesdienst vor der ökumenischen Donausegnung nach orthodoxer Tradition kürzlich in Regensburg

Im Anschluss an das Requiem findet um 15.30 Uhr auf dem Friedhof in Etterzhausen die Beisetzung statt.

Dr. Albert Rauch ist am 10. Januar 2015 in Etterzhausen gestorben, wo er seit 1972 als Expositus die dortige Gemeinde betreute. Er starb im 82. Lebens- und im 57. Priesterjahr.

Prof. Dr. Sigmund Bonk, Koordinator der wissenschaftlichen Institute unter dem Dach der Diözese Regensburg – darunter auch das Ostkirchliche Institut, dem Dr. Rauch vorgestanden hatte – , hob den großartigen Einsatz von Prälat Rauch für die orthodoxen Kirchen hervor.

Prof. Bonk erklärte, durch die Unterstützung der orthodoxen Kirchen habe Prälat Dr. Rauch maßgeblich für die Freiheit der Religion entgegen den Einflüssen des Kommunismus gewirkt. Sein Beitrag für das Überleben der geistlichen Traditionen der Kirchen in Ostmittel- und in Osteuropa sei erheblich.

Quelle (Text/Fotos): Bistum Regensburg


Bischof Rudolf Voderholzer (Regensburg): „Wir sind Lobbyisten des Lebens“

Genderismus: „Aufstand gegen die Schöpfungsordnung“

Die beiden großen christlichen Konfessionen in Deutschland sollten in ethischen und moralischen Fragen mit einer Stimme sprechen. Dafür hat sich der Bischof des Bistums Regensburg, Rudolf Voderholzer, ausgesprochen. Bischof Rudolf Voderholzer gehend

Das gilt besonders in Fragen der Menschenwürde am Beginn und am Ende des Lebens, sagte er der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA bei einer Begegnung mit Journalisten in Regensburg.

Dazu hatte das Bistum eingeladen, um über die Vorbereitungen zum 99. Deutschen Katholikentag vom 28. Mai bis 1. Juni zu informieren.

Wie der Bishof erklärte, muss der Lebensschutz eines der obersten christlichen Anliegen sein: „Wir sind Lobbyisten des Lebens.“

Eine befruchtete Eizelle sei ein vollwertiger Mensch und dürfe deshalb nicht zum Forschungsobjekt degradiert werden.

Zum Verhältnis von katholischer und evangelischer Kirche sagte der Regensburger Oberhirte, er wolle „nicht hinter das Erreichte zurück“. Dazu gehöre beispielsweise das gemeinsame Gebet.

In Regensburg habe es sich bewährt, jeweils in der Oster- und Weihnachtszeit einen gemeinsamen Vespergottesdienst zusammen mit Protestanten und Orthodoxen zu feiern. Die Gemeinsamkeiten zwischen den Konfessionen herauszustellen, sei vor allem um der Mission willen wichtig. Denn es sei „fatal“, wenn Außenstehende den Eindruck hätten, dass sich Christen nicht einig seien.

Der Gender-Ideologie, wonach die Unterschiede zwischen Mann und Frau lediglich anerzogen sind, erteilte Voderholzer eine deutliche Absage. Sie sei ein „Aufstand gegen die Schöpfungsordnung“.

QUELLE und FORTSETZUNG des IDEA-Interviews hier: http://www.idea.de/detail/thema-des-tages/artikel/wir-sind-lobbyisten-des-lebens-1099.html

Foto: Bistum Regensburg

 


Professor Thomas Schirrmacher übt scharfe Kritik am „Familienpapier“ der EKD

Der evangelische Theologe Prof. Dr. Thomas Schirrmacher hält das umstrittene „Familienpapier“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für parteipolitisch einseitig. Außerdem verharmlose es das DDR-Regime. Das erklärt er in einem wissenschaftlichen Gutachten.  BILD0235

Die Orientierungshilfe der EKD erinnere an ein linkes Parteiprogramm, schreiben Schirrmacher und sein Kollege Titus Vogt in ihrer „soziologischen und theologischen Kritik des Familienpapiers“.

Eine Zusammenfassung ist im Magazin des EAK (Evangelischer Arbeitskreis der CDU) „Evangelische Verantwortung“ erschienen:

Schon die Zusammensetzung der zuständigen Kommission ließe eine bürgerliche Stimme vermissen. Entsprechend fielen auch die Forderungen des Papiers aus. Sie seien „praktisch identisch“ mit dem Parteiprogramm der Grünen, stimmten zum Teil aber auch mit dem der Linkspartei überein.

Nähe zu linken und grünen Positionen

In Fragen der Familienpolitik sei auch eine Nähe zur SPD gegeben, „auch wenn man dort in Bezug auf die völlige Entthronung der Ehe viel zurückhaltender formuliert“, schreiben die Autoren. Als Beispiele führen sie die Ablehnung des Betreuungsgeldes und des traditionellen Ehegattensplittings an sowie die Befürwortung einer Ganztagskinderbetreuung und die rechtliche Angleichung von Ehe und Lebenspartnerschaft.

Das Familienpapier mit dem Titel „Zwischen Autonomie und Verantwortung“ war im vergangenen Sommer erschienen und hatte große Kritik nach sich gezogen. Die „Orientierungshilfe“ spricht sich darin u.a. für die Öffnung der Kirche gegenüber homosexuellen Paaren aus.  IMG_1468 (2)

Wie Schirrmacher und Vogt im Vorwort erwähnen, haben sie ihre Kritik bereits nach dem Erscheinen der Orientierungshilfe an die EKD herangetragen. Da die Kirche die Stoßrichtung des Familienpapiers mehrmals bekräftigt habe, hätten sie sich nun dazu entschieden, das Gutachten zu veröffentlichen.

Verharmlosung der „DDR“-Diktatur

Denn sie strebe nicht weniger an als eine neue, normative Ethik zu verkünden, gehe dabei aber beispielsweise undifferenziert mit der deutschen Vergangenheit um: „Die DDR erscheint als Ort der Gleichberechtigung durch zwei in Vollzeit erwerbstätige Eltern mit früh einsetzender ganztägiger Kinderbetreuung.“

Nicht thematisiert werde, „dass die Familienpolitik der DDR das vermutlich erfolgreichste Werkzeug gegen die Kirchen war und zur Entfremdung ganzer Generationen von Gott und Kirche geführt hat“.

Auch ein mangelndes Bemühen um die Ökumene werfen Schirrmacher und Vogt den Autoren vor. Andere Kirchen als die EKD und die Katholiken kämen schlicht nicht vor.

„Gibt es von Christen außerhalb der EKD und von andersdenkenden Christen innerhalb der EKD gar nichts mehr zu lernen?“, fragen sie und kritisieren „antikatholische Formulierungen“, etwa das Lob der Option zum gemeinsamen Abendmahl konfessionsübergreifender Familien in protestantischen Kirchen: „Das ist eine Einladung an Katholiken, die Lehre ihrer Kirche bewusst zu missachten.“

Quelle und vollständiger Beitrag in diesem evangelischen Webmagazin: http://www.pro-medienmagazin.de/

HIER sehen Sie das Buch zur Ansicht


1. Bild: Evita Gründler  – 2. Foto: KOMM-MIT-Verlag


Führender evangelikaler Theologe fordert Präses Schneider zum Rücktritt auf, wenn dieser am EKD-Familienpapier festhält

OFFENER BRIEF an Dr. Nikolaus Schneider

 Prof. em. Dr. Peter Beyerhaus, 72810 Gomaringen bei Tübingen, Schulstr. 1

Sehr geehrter Herr Präses Schneider!

Seit Wochen beschäftigt sich die kirchliche und weltliche Öffentlichkeit mit der im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland veröffentlichten Orientierungshilfe zum Thema Ehe und Familie „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“.

Eine heftige Debatte entzündet sich vor allem daran, dass in der „Orientierungshilfe“ erklärt wird, die Kirche sei aufgefordert, Familie neu zu denken, von dem Ausgangspunkt her: Beziehung bedeute auch für Christen vor allem eines: ein verlässliches Miteinander.

Foto: M. Löhr, CDL

Foto: M. Löhr, CDL

„Liest man die Bibel von dieser Grundüberzeugung her“, heißt es wörtlich, „dann sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften, in denen sich Menschen zu einem verbindlichen und verantwortlichen Miteinander verpflichten, auch in theologischer Sicht als gleichwertig anzuerkennen”.

Das fragliche Dokument gipfelt in den Aufforderungen:

„Wo sich Menschen in den ihre Beziehungen entscheidenden Lebenssituationen unter den Segen Gottes stellen wollen, sollte die Kirche sich deshalb auch aus theologischen Gründen nicht verweigern.”

Die Form, in der Familie und Partnerschaft gelebt werde, dürfe nicht ausschlaggebend sein: „Alle familiären Beziehungen, in denen sich Menschen in Freiheit und verlässlich aneinander binden, füreinander Verantwortung übernehmen und fürsorglich und respektvoll miteinander umgehen, müssen auf die Unterstützung der evangelischen Kirche bauen können.”

Die im Namen der EKD ergangene Erklärung stellt  –  so ist aus theologischer Sicht zu konstatieren  –  mit diesem neu eingeführten Konzept eine Revolution in der gesamten bisherigen Tradition evangelischer Ehe- und Familienethik dar. Sie steht auch im Gegensatz zu fast allen Stellungnahmen, welche die EKD und ihre Gremien bisher zu diesem lebenswichtigen Thema abgegeben haben.

„Was Gott nicht segnet“

Bisher wusste man, dass die Kirche nicht das segnen darf, was Gott nicht segnet.

Weshalb „Revolution“?   –  De facto verabschiedet sich die evangelische Amtskirche damit von dem uns in der Bibel gewiesenen Leitbild der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau als Stiftung Gottes des Schöpfers. Er hat auf diese seinen Ursegen gelegt, damit sie seine Aufforderung verwirklichen können, fruchtbar zu sein und die Erde zu füllen, um so in Seinem Auftrag die Herrschaft über alle irdischen Wesen auszuüben (1. Mose 1, 26 – 29).

Auch Jesus hat sich eindeutig zu diesem Schöpfungsplan für die unauflösliche Ehe zwischen Mann und Frau bekannt (Matthäus 19, 4 – 6 u. ö.) und sie für bleibend verbindlich erklärt. kt2012-p1110153

Zwar gesteht auch die OH dem traditionellen Familienmodell Gültigkeit zu, jedoch nicht mehr als einziger Form des familiären Zusammenlebens. Stattdessen werden auch moderne Formen des Zusammenlebens als gleichberechtigte Alternativen  in Schutz genommen.    

„EKD beugt sich dem sittlichen Verfall“

Homosexuelle und lesbische Partnerschaften wie auch „Patchwork-Familien“ werden nicht mehr als Ausdruck bzw. Folgen sündhaften Vergehens gegen das sechste Gebot verstanden, sondern in der christlichen Gemeinde als legitim willkommen geheißen. Dadurch aber beugt sich die protestantische Kirche in Anpassung an den Zeitgeist dem sittlichen Verfall und der Auflösung der Grundlagen unserer christlich-abendländischen Kultur. Sie betrachtet sie als eine der heutigen Zeit entsprechende Entwicklung, die hinzunehmen, ja anzuerkennen sei.

Dagegen haben verantwortliche evangelische Christen, einschließlich bekannter Bischöfe wie Frank Otfried July und Hartmut Löwe, wie auch die Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz Dr. Michael Diener und der Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß,schärfsten Protest eingelegt.

Dazu ertönen aus der Römisch-katholischen Kirche Stimmen, die in diesem Alleingang eine ernste Gefahr für die ökumenische Gemeinschaft zwischen den Konfessionen erblicken.

EKD-Papier: skandalöser Vorgang

Was diesem skandalösen Vorgang nun die Krone aufsetzt, ist die Tatsache, dass kein Geringerer als Sie, Herr Dr. Schneider, sich als Ratsvorsitzender der EKD und Präses der Ev. Kirche im Rheinland mehrmals in der Öffentlichkeit positiv zum dem unsäglichen Familienpapier geäußert und es gegen die Kritik von kirchlicher und weltlicher Seite verteidigt haben.

Sie taten es beim Jahresempfang der EKD am 27. Juni in Berlin, bei dem Sie die scharfe Kritik an der „Orientierungshilfe“ mit den Worten zurückwiesen, die traditionelle lebenslange Familie bleibe „das Leitbild unserer Kirche, aber nicht mehr die einzige Form, die auf den Segen Gottes hoffen kann…Wir können und dürfen als evangelische Kirche unsere Augen nicht vor der gesellschaftlichen Realität verschließen“.

Im gleichen Sinn äußerten Sie sich jüngst hier in Tübingen bei Ihrem Besuch am 5. Juli. So berichtete das Schwäbische Tagblatt, dem Sie ein Interview gaben, unter der Überschrift: „Auf dem Weg zur modernen Partnerschaft.  –  Nikolaus Schneider setzt sich als EKD-Ratsvorsitzender für ein neues Verständnis von Familie und für mehr Ökumene ein.“

Welchen moralischen Flurschaden die Orientierungshilfe der EKD und deren Ratsvorsitzender anrichten, kann ich hier vor Ort miterleben.

Familienpapier ist „Desorientierungshilfe“

Die „Orientierungshilfe“, die in Wirklichkeit eine „Desorientierungshilfe“ darstellt, bildet nicht nur eine aktuelle sittliche Gefahr; sie ist auch fahrlässig oberflächlich erarbeitet. Das lässt sich leicht an dem Gebrauch missverstandener bzw. bewusst missdeuteter Bibelstellen aufzeigen.

Der Informationsdienst der Evangelischen Allianz ideaSpektrum zitiert in seiner Ausgabe vom 27. Juni einige Schlagzeilen, unter denen Presseorgane über die OH kommentierend berichten: „Schwafelkirche in Selbstauflösung“ (Cicero-Magazin) – „Murks“ (FAZ) – „Es ist zum Katholischwerden! (Wiesbadener Kurier).

Der letztgenannte Ausruf entstammt dem Urteil des ehemaligen Verfassungsrichters Hans-Joachim Jentsch. Es  ist besonders ernst zu nehmen; bringt es doch die Reaktion zahlreicher anderer evangelischer Christen zum Ausdruck, auch die meine.

Das Alarmierende ist: Immer mehr glaubenstreue evangelische Christen empfinden, bei ihrer reformatorischen Mutterkirche ihre geistliche Heimat verloren zu haben. Diese jüngste Verlautbarung ist nach der Verabschiedung des Pfarrdienstgesetzes, welches das Zusammenleben homosexueller Paare in evangelischen Pfarrhäusern sanktioniert, ein weiterer bedrohlicher Schritt in dieser Richtung.

Katholische Kirche bietet klare Orientierung

Jene Christen ringen darum ernstlich mit der Frage, ob sie in die Katholische Kirche übertreten sollen. Zwar gibt es auch hier, wie die aufgedeckten Missbrauchskandale zeigten, sexuelle Verwilderung; doch das päpstliche und bischöfliche Lehramt der Römisch-Katholischen Kirche ist bisher intakt geblieben. Es bietet den Gliedern eine eindeutige geistlich-ethische Orientierung auf dem Boden von Bibel und Tradition.

In der Evangelischen Kirche, der „Kirche des Worts“, hingegen ist das schon lange nicht mehr der Fall. Man denke nur an einige ihrer Stellungnahmen zu Themen wie Abtreibung, Euthanasie, Embryonen-Experimente und Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.

In diesen allen schaden die protestantischen Kirchen nicht nur sich selbst; sie zerstören in mehreren europäischen Ländern damit auch die ökumenische Gemeinschaft, die sie bis dahin in ethischen Fragen mit der  Katholischen und der Orthodoxen Kirche verband. Auch hohe katholische Amtsträger sehen das so. Dass daraus eine Gefahr für die Fortsetzung des interkonfessionellen Dialogs erwachsen ist, ist nur ein Aspekt der fatalen Auswirkungen der geschehen Weichenstellungen.

Nun frage ich Sie, Herr Dr. Schneider, in Konsequenz des Gesagten:

Wollen Sie es in Kauf nehmen, dass Sie sich durch Ihre Bejahung und Apologie dieser Desorientierung weiter schuldig an der ethischen Verwirrung in den evangelischen Gemeinden machen?

Schöpfungsordnung für Ehe und Familie

Mehr noch: Wollen Sie das Ihnen anvertraute exponierte Amt, das vor Ihnen u.a. so herausragende Persönlichkeiten wie Theophil Wurm, Otto Dibelius und Hermann Dietzfelbinger vorbildlich ausgeübt haben, vollends durch ein bewusstes Mitwirken an der Zersetzung der von Gott gegebenen Schöpfungsordnung von Ehe und Familie in unserem Volk beflecken?

Oder sind Sie unter dem Eindruck des durch das EKD-Papier und Sie selber entfesselten Sturms bereit, eigene Fehlorientierung einzugestehen und sich angesichts der Heiligkeit Gottes  –  möglichst gemeinsam mit dem gesamten Rat der EKD  –  von ihm zu distanzieren?

Sollten Sie sich dazu durchringen, so dürfen Sie sich der dankbaren Unterstützung vieler Amtsträger und Gemeindeglieder in den evangelischen Landeskirchen gewiss sein, auch der Bekennenden Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands.

Sollten Sie, Herr Dr. Schneider, jedoch  –  was Gott verhüte!  –  in Ihrer bisherigen Haltung verharren, so fordere ich Sie im Namen vieler ähnlich denkender Mitchristen hiermit öffentlich  auf:

Legen Sie bitte Ihr Hirtenamt als Ratsvorsitzender der EKD, das Sie  –  und ob aus dem Willen zur Güte heraus  –  zu einem Kompromiss mit höchst einschneidenden Folgen missbraucht haben, nieder!

Tun Sie dies ebenso bereitwillig, wie das einsichtiger Weise Ihre Vorgängerin im Amt, Frau Dr. Margot Käßmann, nach ihrer im Trunk vollzogenen Rotlicht-Überquerung getan hat. Dabei war ihr Vergehen verhältnismäßig harmlos; denn sie hat gegen die von Menschen aufgestellte Verkehrsordnung verstoßen; Sie, Herr Präses Schneider, aber haben sich öffentlich den Ordnungen Gottes widersetzt!

Es grüßt Sie mit dem Ausdruck des Bedauerns

Peter P. J. Beyerhaus

Universitätsprofessor em. und Ehrenpräsident der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften


EKD-Papier verursacht erneuten Tiefschlag für die Ökumene

Erklärung des „Forum Deutscher Katholiken“:

Der Rat der EKD hat vor wenigen Tagen zum Thema Ehe und Familie eine sog. „Orientierungshilfe“ herausgegeben. Eine ad-hoc-Kommission aus 14 Mitgliedern, denen u. a. eine Professorin für „Gendersensible Soziale Arbeit“ angehörte, hat über 3 Jahre unter Vorsitz einer früheren SPD-Bundesministerin aus diesem Papier den „normativen Ton kirchlicher Verlautbarungen in der Vergangenheit“ zurückgenommen und sich damit erneut dem Zeitgeist gebeugt.

Foto: M. Löhr, CDL

Foto: M. Löhr, CDL

Durch die Feststellung, dass Familie nicht nur aus Mutter, Vater und Kindern, sondern überall auch dort besteht, wo „Menschen auf Dauer und im Zusammenhang der Generationen Verantwortung übernehmen“, weshalb auch Homo-Partnerschaften „Familie“ seien, hat die EKD ihre Selbstsäkularisierung weiter vorangetrieben. Sie hat die Ehe aus der biblischen Schöpfungsordnung herausgenommen, d. h. die Verbindung von Mann und Frau als nicht mehr schöpfungsgemäß bezeichnet.

Das biblische Fundament der Ehe wird verneint, die Orientierung am Evangelium ist dem Zeitgeist gewichen. Der Genderismus hat über die Treue zu den Glaubensgrundsätzen der Kirche gesiegt.

Nachdem die EKD schon früher dem Import von embryonalen Stammzellen zugestimmt hatte, der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider dem Sterbenden, der eine Suizid-Hilfe fordert, die Hand halten wollte und der Beschluss des Deutschen Bundestages zur Präimplantationsdiagnostik (PID) auf einen Antrag zurückging, den ein evangelischer Pfarrer im Parlament mitunterzeichnet hatte, verwundert dieser Text nur noch Naive.

Wir stellen fest, dass es in Fragen des ungeborenen Lebens, des Lebensschutzes bis zum Tode und bei Ehe und Familie keine Gemeinsamkeiten (mehr) zwischen der katholischen Kirche und der EKD gibt. Deshalb widersprechen wir auch entschieden dem EKD-Ratsvorsitzenden, dass die „ökumenische Gemeinschaft eine solche Diskussion aushalten müsse“.

Biblische Normen und ethische Grundsätze sind für uns nicht verhandelbar, und wir entscheiden auch zukünftig selbst, was wir „aushalten müssen“. 

Die Deutsche Bischofskonferenz hat bisher nur den Vorsitzenden ihrer „Familienkommission“, Bischof Tebartz-van-Elst, zu einer kritischen Reaktion veranlasst. Jetzt warten wir gespannt auf die offizielle Stellungnahme der katholischen Bischöfe. Da hier weitere Grundfragen der Ökumene-Gespräche tangiert sind, werden sich die Bischöfe ja wohl sehr bald deutlich zu Wort melden. 

Prof. Dr. Hubert Gindert
Vorsitzender des Forums Deutscher Katholiken

EKD-Papier zu Ehe und Familie weiter unter Beschuß: „Ökumenischer Graben geöffnet“

Evangelischer Theologe beklagt „ewiges Einknicken“ vor dem Zeitgeist

Die Kritik an der neuen Orientierungshilfe der EKD reißt nicht ab. Das Papier vertritt ein erweitertes Familienbild, das vielfältige Lebensformen einschließt, zum Beispiel gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Kindern.

Nach Ansicht des katholischen Ruhrbischofs Franz-Josef Overbeck ist damit ein ökumenischer Graben geöffnet worden. Mit der Orientierungshilfe sei eine „Phase der Ratlosigkeit und des Ärgernisses“ eingeläutet worden, sagte Overbeck am 21. Juni in Gladbeck. Auch innerhalb der evangelischen Kirche zeigten sich zunehmend widersprüchliche Auffassungen. 

Der ehem. Professor für Christliche Gesellschaftslehre in Bochum, Günter Brakelmann, kritisierte das „ewige Einknicken“ der evangelischen Kirche vor dem Zeitgeist sowie den protestantischen Umgang mit der Bibel:

„Wenn uns etwas an den Texten des Neuen Testaments nicht mehr gefällt, wird es so ausgelegt, dass am Ende etwas anderes herauskommt, als im Urtext drin steht.“

CDU-Protestanten: Der Ehe gebührt Vorrang

Der Bundesgeschäftsführer des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) von CDU/CSU, Christian Meißner, bedauert die Relativierung der Ehe. Aus Sicht der Union sei die lebenslange Ehe von Mann und Frau als gute Gabe Gottes zu verstehen, der bei aller Achtung gegenüber anderen Lebens- und Familienformen ein Vorrang gebühre, sagte Meißner dem „Hamburger Abendblatt“. Die Mitglieder des EAK erwarteten, „dass dies auch im liturgischen und seelsorgerlichen Handeln unserer Kirche klar wird“.

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur http://www.idea.de