Frankreich: Taizé-Orden mit neuen Missbrauchsvorwürfen konfrontiert

Bei der Taizé-Gemeinschaft im französischen Burgund handelt es sich um einen evangelisch-ökumenischen Orden, dem auch einige katholische und orthodoxe Brüder angehören.

Seit Jahrzehnten pilgern Jugendgruppen – auch aus katholischen Pfarreien – nach Taizé, um dort einige Tage oder auch Wochen lang mit den rund 70 Mönchen zu beten,  zu meditieren und zu singen. Zuletzt waren es jährlich 70.000 Teilnehmer. Vor allem die stimmungsvollen Gesänge sind unter jungen Leuten seit langem sehr beliebt.

Angesichts neuer Missbrauchsvorwürfe im französischen Taizé hat der Leiter der Gemeinschaft, Frere Alois Löser, Aufklärung angekündigt. Eine Frau hat dem Prior mitgeteilt, ein Taizé-Bruder habe sie bis Mitte 2019 „geistlich, psychologisch und sexuell missbraucht“. 
Man habe umgehend die zuständigen Behörden in Kenntnis gesetzt, hieß es; die Polizei habe die Aussage der Frau aufgenommen. 

Anfang Juni hatte Taizé über Hinweise informiert, dass drei Mönche vor Jahrzehnten Jugendliche sexuell missbraucht hätten. Es gehe um jeweils ein oder zwei Fälle sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige aus den 1950er bis 80er Jahren. 

Zwei der beschuldigten Männer sind seit mindestens 15 Jahren tot, der dritte lebt weiter in Taizé, ist aber nicht mehr an der Organisation der Taizé-Jugendtreffen beteiligt.

Gemälde: Evita Gründler

 


Auch evangelische Kirchenobere waren beim „Marsch für das Leben“ präsent

Pressemeldung der SELK (Selbständig Evangelisch-Lutherische Kirche):

Nach Angaben des Veranstalters nahmen an dem Marsch für das Leben in Berlin 8.000 Menschen teil.

Während der Kundgebung wurde die Bühne von Gegendemonstranten gestürmt und von der Polizei geräumt. Zudem war die Demonstration vorübergehend durch eine Sitzblockade unterbrochen.

Nach den Worten des katholischen Bischofs Stefan Oster werden täglich knapp 300 ungeborene Kinder getötet. Weltweit würden jedes Jahr über 50 Millionen ungeborene Kinder abgetrieben. Durch Abtreibungen würden damit mehr Menschen getötet als durch Kriege, Seuchen und Naturkatastrophen.

Laut Osters Worten sind behinderte Ungeborene die „am tödlichsten bedrohte Gruppe von Menschen“. Rund 90 Prozent der Kinder mit der Diagnose Down-Syndrom würden abgetrieben. Ein Pränataltest auf Trisomie 21 als Kassenleistung werde diese Quote noch erhöhen.

Oster appellierte an Frauen, die ungewollt schwanger oder in psychischer oder materieller Not sind, sich an die Kirche zu wenden. Man sei bereit, zu helfen und zu unterstützen.

Bischof Hans-Jörg Voigt (Hannover) von der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), der am Marsch teilnahm und auch den ökumenischen Abschlussgottesdienst leitete, erklärte gegenüber SELK-News, dass er den Worten von Oster aus vollem Herzen zustimme.

Am diesjährigen Marsch beteiligten sich aus der römisch-katholischen Kirche Bischof Rudolf Voderholzer (Regensburg), Bischof Wolfgang Ipolt (Görlitz) und Weihbischof Dr. Matthias Heinrich (Berlin).

Die Deutsche Evangelische Allianz war durch ihren Vorsitzenden, Pastor Ekkehart Vetter, vertreten.

Grußworte schickten von katholischer Seite Papst Franziskus und der Vorsitzende der Dt. Bischofskonferenz, Dr. Reinhard Kardinal Marx; von evangelischer Seite die Landesbischöfe Frank Otfried July (Stuttgart) und Carsten Rentzing (Dresden), der Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, Pastor Christoph Stiba, und der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, Ansgar Hörsting.

Der leitende Geistlich der SELK sagte im Anschluss an die Veranstaltung, er habe sich gefreut, zahlreiche SELK-Gemeindeglieder auf dem Marsch für das Leben getroffen zu haben. So sei etwa aus Niedersachsen ein ganzer Jugendkreis angereist.


Ungehorsam als „Gewissensentscheidung“?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Unter der Überschrift „Man hätte empört sein können“ – „Ordensleute und geistliche Gemeinschaften setzen sich für Kirchenreformen ein“, berichtet die Kirchenzeitung des Erzbistums Freiburg (Konradsblatt 28.2019, S. 4) über die diesjährigen „Ottmaringer Tage“.

Dabei „sprach sich die Vorsitzende der Dt. Ordensoberenkonferenz (DOK), die Franziskanerin Katharina Kluitmann für eine „ökumenische Eucharistiefeier“ aus“:

„Ja, auch, wenn das katholische Lehramt das anders sieht. So kämen wir der Einheit näher“.

An dieser Tagung nahmen rund 100 Mitglieder von Orden und geistlichen Gemeinschaften teil.

Pater Alois Schlachter vom Orden der Missionare vom kostbaren Blut, Moderator der Veranstaltung, ergänzte: „Papst Franziskus Anstoß, das Thema ökumenischer Eucharistie als eigene Gewissensentscheidung anzugehen, werde zunehmend gelebt“.

So gingen zu den kirchlichen Eucharistiefeiern bei der Tagung auch Protestanten. „Und es gab dazu keine Abwehrreaktionen“.

Bemerkenswert: an der Konferenz nahm auch Kardinal Hoao Braz de Aviz, ein Kurienkardinal aus dem Vatikan teil.

Sr. Kluitmann dazu: „Man hätte da als Katholik empört sein können – war aber niemand. Es war einfach stimmig.“

Dass die Sprecherin der Ordensgemeinschaften sich so äußert, zeigt, wie der Gehorsam selbst bei Ordensleuten unter der Überschrift „Gewissensentscheidung“ verkommen ist.

Hier müsste die Kirchenleitung korrigierend eingreifen. Sie täte sich leichter, wenn der Pontifex eindeutiger sprechen würde.


Pater Lothar Groppe ist seit 60 Jahren Priester

Von Felizitas Küble

Der weithin bekannte Jesuitenpater und Schriftsteller Lothar Groppe erreichte gestern (30. Juli) das gesegnete Alter von 92 Jahren; heute  – am 31. Juli 2019  –  feiert der Geistliche in Berlin sein 60-jähriges Priesterjubiläum.

Der glaubensstarke Gottesmann hat noch vor drei Jahren ein fundiertes Sachbuch veröffentlicht, das sich vor allem mit der Rettung von Juden und „nichtarischen Katholiken“ in Wien befaßt.

Der Titel lautet: „Kirchlicher Einsatz für Juden im Dritten Reich“. (Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/09/28/wie-jesuitenpater-ludger-born-und-sr-verena-buben-bedrohte-juden-retteten/)

Lothar Groppe kam am 30. Juli 1927 im westfälischen Münster als Sohn des späteren Generalleutnants Theodor Groppe zur Welt. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Westfalen, Ostpreußen, Oberschlesien, Pommern, Hessen und Bayern.

Nach Kriegseinsatz studierte er Rechtswissenschaft und trat am 7. September 1948 in die „Gesellschaft Jesu“ ein. Es folgte das Lizenziat der Philosophie, am 31. Juli 1959 empfing er die Priesterweihe.

P. Groppe wirkte jahrzehntelang als Krankenhausseelsorger in Bad Pyrmont und als Schriftsteller, zeitweise auch als Gemeindepfarrer in Österreich, als Dozent und Militärdekan an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg sowie als Leiter der deutschen Sektion von Radio Vatikan.

BILDER: Titelfotos zweier Bücher von Pater Groppe: „Theodor Groppe – der Schwarze General“ und „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich“

Von 1973 bis 1987 hielt er Vorlesungen und Seminare für die österreichischen Generalstabs-Lehrgänge.

Der Geistliche ist nicht nur Sohn des Widerstandskämpfers Theodor Groppe, sondern hat selber als Schuljunge von 12 Jahren deutlich gegen Hitler Stellung bezogen. Er war mehrfach „Gast“ der Gestapo. Nach dem Krieg wurde er von der Besatzungsmacht als „politischer Verfolgter“ anerkannt.

Sein Vater Theodor Groppe war Generalleutnant und Divisionskommandeur am Westwall. Man nannte ihn wegen seiner grundkatholischen Haltung den „Schwarzen General“. Im 1. Weltkrieg erhielt er zahlreiche Tapferkeitsauszeichnungen, darunter den höchsten Orden Pour le Mérite, der nur 687 mal vergeben wurde. (Im Vergleich dazu wurden im 2. Weltkrieg 6 bis 8 Millionen „Eiserne Kreuze“ verliehen.)

In der Stadt Hanau, wo Theodor Groppe einige Zeit gewirkt hatte, wurde eine Straße nach ihm benannt (siehe Foto).

Die Tugend der Tapferkeit liegt anscheinend in der Familie Groppe. Auch der Vater des „Schwarzen Generals“ war Offizier und wurde dann Verleger. Im Kulturkampf druckte er die verbotenen Hirtenbriefe des Bischofs von Trier und wurde wegen „Majestätsbeleidigung“ zu zwei Jahren Gefängnis und hoher Geldstrafe verurteilt. Die Gefängnisstrafe wurde in Festungshaft verwandelt, weil er Offizier war.

Weil Theodor Groppe den NS-Schergen widerstand, insbesondere SS-Reichsführer Himmler widersprach, wurde er 1942 militärisch degradiert, aus der Wehrmacht ausgestoßen und im August 1944 von der Gestapo verhaftet. Durch Flucht aus der Festung Küstrin entging er der geplanten Hinrichtung und konnte die Kriegszeit überleben.

Der mutige General verhinderte durch seinen Schießbefehl gegen Judenverfolger eine von der NSDAP befohlene „Volkskundgebung gegen die Juden“. Vor allem bei Juden im Saarland war er als „Retter“ bekannt und bewundert.

Sein Sohn Lothar hielt sich auch selber an die geradlinige und unbeugsame Art seines Vaters. Er widerstand dem braunen ebenso wie später dem roten Zeitgeist und orientierte sich klar an christlichen Prinzipien und der katholischen Glaubenslehre. Seine Predigten und Vorträge waren gehaltvoll, mitreißend, präzise und bodenständig.

Der schwungvolle Pater publizierte jahrzehntelang in dutzenden Zeitungen und Zeitschriften von „Theologisches“ über die „Junge Freiheit“ oder die „Preußische Allgemeine Zeitung“ bis zu „Soldat im Volk“ oder Schriften des BdV (Bund der Vertriebenen).

Seine klare katholische Ausrichtung hinderte ihn keineswegs daran, eine vernünftige Ökumene mit theologisch konservativen Protestanten zu pflegen. So schrieb er z.B. regelmäßig für die Zeitschrift „Erneuerung und Abwehr“ der Evangelischen Notgemeinschaft und hielt Reden vor evangelikalen Initiativen. 

Bis heute steht der Geistliche im freundschaftlichen Kontakt mit evangelischen Christen. So half ihm z.B. der Unternehmensexperte und Publizist Dr. Bernd F. Pelz (siehe Foto) sachkundig beim Lektorat und der Erstellung des Groppe-Buches über „Kirchlichen Einsatz für Juden im Dritten Reich“. Außerdem unterstütze Dr. Pelz seinen priesterlichen Freund tatkräftig bei mehreren Umzügen.

Pater Groppe SJ gehörte zu dem vom deutschen Juden Gerhard Löwenthal („ZDF-Magazin“) mitgegründeten „Konservativen Büro“ in Bielefeld. 

Ähnlich wie der  –  ebenfalls NS-verfolgte  –  Löwenthal setzte sich Groppe stets für einen gesunden Patriotismus und entschieden für die deutsche Wiedervereinigung ein; zudem würdigte er die Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten und erinnerte immer wieder an ihr tragisches Schicksal, was oftmals wütende Schmähkritik von links hervorrief.

Der Geistliche hatte guten Kontakt mit Erzbischof Johannes Dyba, dem am 23. Juli 2000 plötzlich verstorbenen Oberhirten von Fulda. Im Dyba-Gedenkband „Der Löwe von Fulda“ aus dem KOMM-MIT-Verlag (siehe Foto) ist ein fundierter Beitrag von Pater Groppe enthalten. Darin würdigt er den unerschrockenen Bischof von Fulda sowohl als Bischof wie auch als Mensch und Mitbruder.

Pater Groppe wirkte von 1982 bis 2007 als Krankenhauspfarrer in Bad Pyrmont. Einige Zeit später war er als Seelsorger an einer Mutter-Kind-Klinik in Timmendorfer Strand tätig. Seit August 2015 lebt der unbeugsame Geistliche im Seniorenheim des Jesuitenordens in Berlin-Kladow.

Seine Freunde sowie unser Christoferuswerk und KOMM-MIT-Verlag wünschen ihm ein frohes Priesterjubiläum und Gottes reichen Segen!


Charismatische Ökumene: Gebetshaus Augsburg und Kingdom-Impact kooperieren

„Als Deutsche eine Vaterrolle einnehmen“

Heute veröffentlichte das eher katholisch geprägte Gebetshaus Augsburg eine Nachricht auf ihrem Twitter-Account, wonach „Esther Baumann von KingdomImpact am 7.2.“ bei ihnen als Rednerin auftrete. (Quelle: https://twitter.com/Gebetshaus)

Es handelt sich bei der Referentin um die Co-Leiterin der pfingstlerisch-protestantischen Initiative „Kingdom-Impact“, die sich vor allem auf die Präsentation von „Propheten“ konzentriert.

Ganz in diesem Sinne wird der Leser auf der Webseite dieser Gruppe bereits auf der Startseite mit dem Spruch „Offenbarungen warten auf Dich“ angelockt: https://kingdomimpact.org/ueber-uns/team/esther-baumann/

Auch Kingdom-Impact verfügt  – ähnlich wie der katholische Theologe Dr. Johannes Hartl in Augsburg  –  über ein eigenes Gebetshaus. Auch sonst gibt es etliche Gemeinsamkeiten, z.B. das ständige „prophetische“ Herbeireden einer weltweiten Erweckung, inbesondere in Europa.

Für die Gruppe von Esther Baumann hat Deutschland dabei gar eine ganz besondere Aufgabe „unter den Nationen“ einzunehmen, gleichsam die neue Variante eines „erwählten Volkes“:

So heißt es dort, es sei wichtig, „dass wir persönlich, aber auch als Nation unseren Platz in den Nationen einnehmen….Wir sind so dankbar für die Geschwister von anderen Nationen, die uns als Deutsche aufrufen, eine Vaterrolle in den Nationen einzunehmen.

Die Nationen schauen auf uns und feuern uns an. Das ist sehr herzbewegend und erfüllt uns mit Demut, aber auch der Furcht des Herrn, dass es keine Zeit ist, wo wir zaudern können. Es geht nicht nur darum, ob wir uns bereit fühlen, sondern ob wir Gottes Ruf jetzt hören und ihm gehorchen. Lasst uns im Glauben aufs Wasser treten!“  (Quelle: https://kingdomimpact.org/deutschland-nimm-deinen-platz-ein-unter-den-nationen/)

Das bedeutet eine geistliche Leitungsaufgabe für unser Land, was natürlich in deutschen Ohren erst einmal schmeichelhaft klingt, aber theologisch völlig in der Luft hängt.

Natürlich gibt es auf der Kingdom-Seite weitere großartige Erweckungs-Visionen, darunter eine „Offenbarung“, wonach sich Gottes himmlisches Reich mit seiner Sogwirkung auf Erden breitmachen wird, ob es den Menschen gefällt oder nicht – nach der Devise: Widerstand ist zwecklos.

Wir haben unlängst im CHRISTLICHEN FORUM über diese spezielle Ansage berichtet: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/30/patricia-kings-charismatische-erweckungs-vision-vor-einem-jahr-um-5-55-uhr/


Chiara Lubich und der „verlassene Jesus“

Von Felizitas Küble

Vom Theologen Detlev Fleischhhammel aus Berlin stammt die „steile“ Aussage: Der einzige Mensch, der je wirklich von Gott verlassen gewesen ist, war Jesus Christus am Kreuz.

Bei Chiara Lubich, der Gründerin der katholisch-ökumenischen Fokolar-Bewegung, war die Verehrung des „verlassenen Jesus“ sogar eine der beiden „Säulen“ ihrer besonderen Spiritualität  – die zweite Säule war der Einheitsgedanke, wobei sie nicht nur an eine geeinte Christenheit dachte, sondern ihr Anliegen auf alle Religonen ausdehnte und den Eine-Welt-Gedanken propagierte.

Lubich  – deren mögliche Seligsprechung bereits kirchlich diskutiert wird –  bezeichnete Christus oft als den „verlassenen Jesus“ oder „verlassenen Gekreuzigten“. Über diese spezielle Frömmigkeitsform gibt es ausführliche Literatur, zB. das Buch „Jesu Gottverlassenheit als Heilsereignis in der Spiritualität Chiara Lubichs.“

Frau Lubich starb am 14. März mit 87 Jahren in Rocca di Papa bei Rom; im selben Jahr feierte ihre geistliche Gemeinschaft das 50-jährige Bestehen.

Wie steht es nun mit der „Verlassenheit“ Christi am Kreuz? War unser HERR und Erlöser wirklich von seinem himmlischen Vater gleichsam im Stich gelassen, von IHM getrennt?

Es wäre ein Kurzschluß, dies zu schlußfolgern, zumal unser Heiland GOTT und MENSCH in einer Person ist – und seine göttliche Natur kann ohnehin nicht „gottverlassen“ sein.

Jesu Ausruf am Kreuz stammt aus Psalm 22

Das Rätsel dieses Rufes Jesu löst sich, wenn wir bedenken, daß Christus hier den 22. Psalm betete, einen sog. „Klagepsalm“ aus dem AT, der mit den Worten beginnt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ 

Doch die niedergedrückte Stimmung weicht dann zunehmend einem großen Gottvertrauen, ja tiefer Dankbarkeit gegenüber dem himmlischen Vater. 

Im ersten Teil von Psalm 22 werden Nöte, Bedrängnisse und bittere Verfolgung erwähnt. Doch bald dringt schon der Lobpreis Gottes durch, begleitet von vertrauensvollen Bitten.

Im zweiten Teil steht der Dank im Mittelpunkt; gerühmt werden Gottes große Heilstaten, die er an Israel und den Völkern gewirkt hat bzw. noch vollbringen wird, wie es der Psalmist  im letzten Vers freudig ausruft; das erinnert uns an Christi weiteres Wort am Kreuz: „Es ist vollbracht.“  –  Dies entspricht inhaltlich dem Schlußsatz von Psalm 22. (In der Septuaginta  –  der griechischen Übersetzung des AT –  ist es übrigens der Psalm 21, weil dort eine andere Zählung gilt, nachdem der erste und zweite Psalm zusammengezählt werden.)

Die beklagte „Gottverlassenheit“ ist also gleichsam der Einstieg, der dann in Lob und Dank, in Vertrauen und Zuversicht einmündet.

Dieses Gebet ist ein „messianischer Psalm“

Es handelt sich bei diesem Gebet zudem um einen „messianischen Psalm“, der im Hinblick auf das Heilswirken Christi zu verstehen ist. Somit hat der Gekreuzigte durch seine Anrufung die messianische, auf IHN bezogene Bedeutung dieses Psalms bestätigt.

So heißt es in Vers 8 und 9: „Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf: Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.“ 

In Vers 17 ist davon die Rede, daß „die Rotte der Bösen mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben“.

Die Vers 18 und 19 lauten: „Ich kann alle meine Knochen zählen; sie aber schauen zu und sehen auf mich herab. Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand“.

Es ist daher theologisch mißverständlich, vom „verlassenen Jesus“ zu sprechen  – und geradezu irreführend, daraus auch noch eine spezielle Spiritualität zu entwickeln und in den Mittelpunkt zu rücken, wie dies durch die Gründerin der Fokolar-Bewegung geschah.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Glaubensinhalte, sinnenfroher Kult und Symbole verschmelzen zu einer Symbiose

Ich hatte das Glück, an einer Universität mit zwei theologischen Fakultäten zu studieren und nutzte neben den katholischen Vorlesungen auch die Chance, einige ausgewählte interessante Vorlesungen der evangelischen Schwesterfakultät zu hören.

Es gab auch einen ökumenischen Gesprächskreis, in dem ich mich engagierte. Dort gab es allerlei kuriose Begebenheiten. Zum Beispiel wurde ein Ikonen-Malkurs angeboten. Ja, ich weiss, es heisst eigentlich „Ikonen schreiben“, aber das nur am Rande.

Für meine evangelischen Schwestern (Brüder gab es dort im Kurs keine, so weit ich mich erinnere) war von vornherein klar: „Nichts mit Maria“!

Da wurden dann Engel in sämtlichen Varianten „geschrieben“, natürlich auch der „Herr Jesus“, aber um Himmels Willen nicht die Madonna, denn das sei zu katholisch und das ging ja nun gar nicht!

In letzter Zeit ist mir meine katholische Heimat wieder näher gekommen, nachdem ich eine Zeit lang Schwierigkeiten mit so manchen Themen hatte. Ich entdeckte und entdecke Interessantes: die katholische Volksfrömmigkeit ist alles andere als weltfremd, ein Vorwurf, der ja gerade bei Schlagwörtern wie Zölibat, Frauenordination (die gibt es im Protestantismus auch noch nicht so lange!), Pille usw gern gemacht wird.

Weihrauch, Öle, Wasser, Riten und Zeremonien sprechen alle Sinne an und damit den ganzen Menschen. Jede/r von uns kennt liebe Menschen, von denen wir gerne bestimmte Gegenstände aufheben, manchmal ganz unscheinbare Dinge. Da gibt es die obligatorischen Bilder, auch Briefe, kleine Geschenke, Erinnerungen.

Nichts anderes praktiziert der Katholizismus, wenn er den Gläubigen Reliquien zur freiwilligen Verehrung darbietet (ohne dass hierzu eine Verpflichtung bestände).

Apropos: die Christenheit hat interessanterweise niemals Knochen  –  und das sind immer die „ersten“ Reliquien gewesen, dann erst kamen auch Stoffe und andere Dinge hinzu  – von Maria zur Verehrung gehabt, das zeigt das hohe Alter des kirchlichen Glaubens, dass Maria wirklich mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.

Kult und Glaubensinhalte verschmelzen zu einer Symbiose  – und dafür bin ich der Kirche dankbar!

Unser Gastautor stammt aus Baden-Württemberg und ist Diplom-Theologe; er ist unserer Redaktion persönlich bekannt