Sieg der Gnade über das (Allzu-)Menschliche

Gertrud von Le Forts Novelle „Die Letzte am Schafott“ jetzt als Hörbuch

In Zusammenarbeit mit der Gertrud von Le Fort Gesellschaft ist nun im VERLAG PETRA KEHL ein drittes Werk der Literatin, die als bedeutendste christliche Schriftstellerin deutscher Sprache im 20. Jahrhundert gilt, als Hörbuch erschienen.

Die Novelle ist nicht nur ein Meisterwerk der Literatur, sondern auch dem Inhalt nach hoch aktuell. shopping

„Sie erwarteten den Sieg einer Heldin, und Sie erlebten das Wunder in der Schwachen. Aber liegt nicht gerade darin eine unendliche Hoffnung? Das Menschliche allein genügt nicht…“

Mit diesem Textzitat könnte man den Kern der Novelle, die 1931 erstmals erschien, zusammenfassen.

Gertrud von Le Fort greift darin das Martyrium der Karmelitinnen von Compiègne während der Französischen Revolution auf, die 1794 in Paris durch die Guillotine hingerichtet werden, nachdem sie sich den beharrlich den Kommissaren der neuen Zeit widersetzt haben, für die galt: „Das Ordensleben steht nicht mit den Menschenrechten in Einklang.“

In das historische Geschehen fügt Gertrud von le Fort die fiktive Gestalt der Novizin Blanche de la Force ein, die seit ihrer unter unglücklichen Umständen erfolgten Geburt von Angst geprägt ist.

Während sich ihre Mitschwestern unter Führung der Novizenmeisterin Marie de l’Incarnation, einer starken Persönlichkeit aus königlichem Geblüt, auf dem Höhepunkt der Schreckensherrschaft zu dem Gelöbnis entschließen, Gott ihre Leben für die bedrängte Kirche Frankreichs anzubieten, flieht Blanche voller Todesangst aus dem Kloster.

Die Marktweiber von Paris, die strickend den Hinrichtungen von so genannten Feinden der Revolution beiwohnen, nehmen sich des Mädchens auf ihre eigene  –  grausame  –  Weise an.

Und doch: Als ihre Mitschwestern schließlich tatsächlich das Schafott besteigen, folgt ihnen Blanche freiwillig nach, das Lied Veni creator spiritus auf den Lippen. Ausgerechnet ihr, der Schwachen, ist das Martyrium vergönnt, während es der starkmütigen Marie de l’Incarnation, die es erstrebt hat, verwehrt wird.

Die psychologische Spannung zwischen den unterschiedlichen Charakteren der Frauen – der Priorin Thérèse de Saint Augustin, der Novizenmeisterin Marie de l’Incarnation und der Novizin Blanche de la Force -, die Stimmung unter den Schwestern, die das Martyrium erstreben und sich darauf vorbereiten: Dies alles wird von Bernt Hahn mit tiefem Einfühlungsvermögen und großem Können gelesen.

Hier zeigt sich die Erfahrung dieses Schauspielers mit literarischen Lesungen. Ein Meisterwerk der deutschen Literatur wird meisterlich gelesen.

Ein 20 seitiges Booklet mit einer Einführung in das Werk, Begriffserläuterungen, einer Zeittafel zu den Ereignissen und Literaturhinweisen zum historischen Hintergrund der Novelle runden die Hörbuchausgabe ab, so dass es auch jenen Hörern, die mit der französischen Geschichte der Zeit sowie dem religiösen Fundament des Geschilderten nicht vertraut sind, möglich ist, der Lesung mit Verständnis zu folgen.

Daten: Gertrud von Le Fort: Die Letzte am Schafott
Hörbuch, 3 CDs, ca. 180 Minuten Spielzeit, 19,90 Euro
Bestellen hier: http://www.verlag-kehl.de/pi8/pd54.html

Glaubenswege, die zum Ordensleben führen

Rezension von Hans Jakob Bürger

Buch-Daten: Petra Lorleberg (Hrsg.), Glaubenswege: Mein Weg ins Ordensleben, dip3 Bildungsservice GmbH (kath.shop) 2013, ISBN: 978-3-902686-85-5, 154 Seiten, 9,80 Euro

Etwa zwanzig Ordensleute (Frauen und Männer) berichten in „Glaubenswege. Mein Weg ins Ordensleben“ über ihren Lebensweg, der sie in ein Kloster führen sollte oder zumindest in ein klosterähnliches Leben „in der Welt“.

Die einzelnen von Petra Lorleberg zusammengestellten und herausgegebenen Erzählungen sind teils kürzer, teils länger, mal eher nüchtern, mal eher mitreißend erzählt.

So berichtet etwa die spätere Äbtissin der Trappistinnen von „Maria Frieden“ davon, dass sie von vielen Reaktionen sehr erschüttert war, als sie davon erzählte, bald in ein kontemplatives Kloster einzutreten: „Gerade Priester, die ich kannte und die das am besten verstehen müssten, rieten mir dringend ab. Ich könnte doch so viel in der Welt wirken. Aber das wollte ich ja gerade: auf die effektivste Weise für die Welt wirken, durch das Gebet.“

Gemeinsam ist all den Ordensleuten, dass sie vom Ruf Gottes an den jeweiligen Menschen und den daraus folgenden notwendigen Entscheidungen berichten . Mit ihren autobiografischen Geschichten geben die namentlich identifizierten Ordensleute einen Einblick in ihre eigene Berufungsgeschichte und ihren Weg in einen ganz bestimmten Orden, ein Kloster, eine Gemeinschaft.

Beim Lesen lernt der Interessierte nicht nur den je individuellen Entscheidungsprozess kennen, der sich im Innern der Berufenen abspielt, sondern hört auch von der Suche nach der passenden Ordensgemeinschaft sowie vom Leben innerhalb des Klosters.

Die durchweg lesenswerten „Glaubenswege“ im Taschenbuch-Format richten sich nicht nur an Neugierige, die etwas vom realen Leben im radikalen Dienst der Kirche erfahren möchten. Vor allem sollten Menschen zugreifen, die sich vielleicht prüfen möchten, ob Gott auch an sie den Ruf richtet: „Komm, lass alles hinter dir; folge mir nach!“