Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee bedeutet das „Ende einer Epoche“

Pressemeldung der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK): 

Der leitende Geistliche der SELK, Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. (Hannover), begrüßte die Erklärung des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Erzpriester Radu Constantin Miron (Köln), aus Anlass der Umwandlung der Hagia Sophia in Istanbul (Türkei) in eine Moschee.

Als der Westen im Jahr 1453 kümmerliche drei venezianische Galeeren zur Unterstützung Konstantinopels schickte, waren dem bereits Jahrhunderte an westlicher Ignoranz gegenüber dem Osten vorausgegangen. Dies dürfe sich heute nicht wiederholen, erklärte Voigt gegenüber SELK-News.

Radu Constantin Miron ist Erzpriester der Orthodoxen Kirche in Deutschland und zudem Vorsitzender der ACK Deutschland.

In seiner Erklärung heißt es:

Der 24. Juli 2020 bedeutet das Ende einer Epoche. Durch einen administrativen Akt des türkischen Staatspräsidenten verliert die Hagia Sophia in Istanbul den Status eines Museums, den sie seit 1935 besaß, und wird zur Moschee gemacht.

Dieser staatliche Akt geschieht – wie so häufig in der Türkei – unter scheinbarer Wahrung der Rechtstaatlichkeit.

Das im 6. Jahrhundert gebaute Gotteshaus, das unter Kaiser Justinian als christliche Kirche erbaut wurde und über neun Jahrhunderte als solche diente, wird, wie 1453 nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen, erneut zur Moschee.

Seit dem 1. Februar 1935 stand sie dann als Museum allen Besucher/innen offen, wie es der Gründer der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, verfügt hatte.

Im Bewusstsein der orthodoxen Christen blieb und bleibt die Hagia Sophia allerdings die „Große Kirche Christi“.

So ist es kein Zufall, dass Vertreter aller orthodoxen Patriarchate und autokephalen (selbständigen) Kirchen gegen die Entscheidung der türkischen Regierung protestiert haben.

Doch auch viele Vertreter/innen anderer Kirchen, europäischer und weltweiter Institutionen, nicht zuletzt der UNESCO, zu deren Welterbe die Hagia Sophia ja gehört, haben ihre Bestürzung über diesen Vorgang geäußert, der offenkundig nicht religiöse Bedürfnisse, sondern innen- und außenpolitische Ambitionen des türkischen Präsidenten befriedigen soll.

Deshalb richten sich diese Proteste – und auch die vorliegende Erklärung – nicht gegen den Islam oder das islamische Gebet, sondern gegen den Missbrauch der Religion, der hier zutage tritt.

Zudem lässt die bewusste Wahl des 24. Juli als Datum der Umwidmung nichts Gutes erahnen, handelt es sich doch um den Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrages von Lausanne (1923), in dem in den Artikeln 37 bis 44 auch die Rechte der nicht-muslimischen Minderheiten bzw. die Verpflichtung der Türkei, diese und ihre religiösen Einrichtungen zu respektieren, festgeschrieben wurden.

In den vergangenen Jahren stellte der türkische Staatspräsident Erdoğan immer wieder diesen Vertrag in Frage. Seine Vorliebe für Symbolpolitik, die wieder durch diese Datumswahl deutlich wird, geht offensichtlich auch zu Lasten der christlichen Minderheit in der Türkei. Ihr Schicksal kann und darf uns als Christen nicht gleichgültig sein.

Zu oft haben wir unsere Stimme nicht laut genug erhoben, wenn es um den Genozid an den Armeniern und anderen Völkern, um die Septemberpogrome des Jahres 1955, um die Ermordungen von christlichen Missionaren und Würdenträgern oder die zahllosen Enteignungen von Gebäuden und Grundstücken aller christlichen Kirchen des Landes ging.

Auch die Umwidmung der Hagia Sophia ist eine Enteignung, nicht im immobilienrechtlichen, sondern im geistlichen Sinn. Und sie bedeutet das endgültige Ende einer säkularen, laizistischen, modernen Türkei, wie sie Atatürk vorschwebte, der die Hagia Sophia zum Museum gemacht hatte.

Der 24. Juli 2020 bedeutet das Ende einer Epoche.

Internetpräsenz: http://www.selk.de

Gemälde: Evita Gründler


Christen unter totalitärer Herrschaft: Seminar in Eichstätt präsentierte neue Einblicke

Von Stefan P. Teppert

Zwischen dem 16. und 20. November 2019 trafen sich am Collegium Orientale in Eichstätt ukrainische und deutsche Historiker.

Sie befassten sich in Vorträgen, Diskussionen und Workshops mit den Fragen, wie der sowjetische Kommunismus vor und nach dem Zweiten Weltkrieg mit Christen in der Ukraine und Polen verfuhr und welche Auseinandersetzungen ihre Unterdrückung im alltäglichen Leben in den Gemeinden hervorrief.

Der Großteil der Teilnehmer bestand aus Lemberger Doktoranden bzw. Postdocs der dortigen Hochschule – es hatten sich also Fachleute, Nachwuchswissenschaftler und Multiplikatoren versammelt.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit stand auch eine Führung durch Eichstätt und das Collegium Orientale, die Teilnahme an der Göttlichen Liturgie und ein Besuch des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände in Nürnberg auf dem Programm (siehe 1. Foto).

Das Seminar wurde ausgerichtet vom Institut für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa (Tübingen), vom Institut für Kirchengeschichte der Ukrainischen Katholischen Universität (Lviv), vom Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kirchengeschichte der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt/Ingolstadt sowie vom Collegium Orientale in Eichstätt.

Gefördert wurde die Veranstaltung vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie vom AMK-Fonds beim Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz.

Zur Einführung stellte Prof. Dr. Rainer Bendel das 1958 in Königstein gegründete, heute unter seinem Vorsitz in Tübingen ansässige Institut für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa (IKKDOS) mit seinen ehrenamtlichen Mitarbeitern, seinem Arbeitsprogramm sowie seinen Publikationsorganen und bisherigen Leistungen vor.

Das Institut mit seinem im Namen steckenden Forschungs- und Vermittlungsprogramm arbeitet interdisziplinär und international eng mit Partnern in Polen, Tschechien, Österreich, Ungarn, Slowenien, der Slowakei oder der Ukraine zusammen. Primäre Zielsetzung ist die gemeinsame Pflege einer „reflektierten und zukunftsfähigen Erinnerungskultur“ als Voraussetzung der Friedensarbeit in einem christlich vereinten Europa.

Eine auch nur annähernd vergleichbare Einrichtung gibt es in der bundesrepublikanischen Wissenschaftslandschaft nicht. Jährliche wissenschaftliche Arbeitstagungen und über mehrere Jahre sich erstreckende Forschungs- und Arbeitsprojekte sind eine Basis der Institutsarbeit.

Bendel steckte die Fragestellung der Tagung ab, indem er zunächst die Merkmale totalitärer Herrschaft umriss, um dann nach den Strategien und Strukturen der Kirche zu fragen bei ihrem widerständigen Bestreben, sich Freiräume, Gegenwelten und Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen.

Wie die Situation ex post, auch unter Berücksichtigung schuldhaften Verhaltens kirchlicherseits, zu bewerten, wie mit alten Wunden und Sensibilitäten umzugehen ist und ob aus der Geschichte mit pastoralen und therapeutischen Konsequenzen gelernt oder sensibilisiert werden kann, waren Fragen, die Bendels hermeneutischen Musterzirkel schlossen.

Prof. Dr. Oleh Turiy aus Lviv (Lemberg) rückte das Zeugnis der ukrainischen griechisch-katholischen Märtyrer und Bekenner des 20. Jahrhunderts ins Zentrum seiner Betrachtung und  erläuterte die theologischen Perspektiven. Insgesamt erlitten in der Ukraine 17 Millionen Menschen einen gewaltsamen Tod.

Für die Märtyrer und Bekenner unter ihnen sei die Kirche Stütze gewesen, das Mysterium der Erlösung, das zur Nachfolge Christi motivierte. Glaube, Hoffnung und Liebe waren die Angelpunkte ihrer Furchtlosigkeit, ihrer unbedingten Pflichterfüllung, ihrer Verantwortungs- und Aufopferungsbereitschaft, die es ermöglichten, mitten in den Schrecken des kommunistischen Terrors bleibende Zeugnisse abzulegen. #

Neben einer strengen Befolgung der Klosterregeln zeichneten sich die Mönche durch Liebe zu Gott und den Menschen, Bescheidenheit, Buße, Gebet, Güte und Armut aus, so benutzten sie etwa ein Stück Blech als symbolischen Ersatz für konfiszierte Messgeräte. Der Mut offenbare die Glaubenstiefe eines Menschen, so Turiy, denn vollkommene Liebe vertreibe nach Johannes die Furcht.

Auch körperlich schwache Menschen hätten deshalb Erstaunliches vollbracht. Und gerade diejenigen, die am meisten Leid ertragen mussten, hätten die Täter am wenigsten verurteilt, seien bereit zum Gespräch geblieben. Vieles an der Untergrundkirche im Totalitarismus erinnere stark an die Christenverfolgungen in der Antike.

Thema von PD Dr. Andriy Mykhaleyko aus Eichstätt war die „Deutsche Kirchenpolitik in Deutschland und im Osten während des Zweiten Weltkrieges 1939 – 1945“. Zwischen den  beiden Totalitarismen, dem nationalsozialistischen und dem bolschewistischen, gebe es viele gemeinsame Merkmale, im Kern der Absolutheitsanspruch, der keine Konkurrenz duldet.

Zunächst beleuchtete Mykhaleyko die unvereinbare weltanschauliche Feindschaft zwischen Nazi-Ideologie und Christentum, weshalb der Hitler-Vertraute Martin Bormann am 7. Juni 1941 in einem Geheimerlass an alle Gauleiter bestimmte, dass der Einfluss der Kirchen in Deutschland endgültig gebrochen werden müsse. Die NS-Kirchenpolitik sei ein integraler Bestandteil ihrer Nationalitätenpolitik, so Mykhaleyko, aber mit Alfred Rosenberg und Erich Koch als Reichkommissaren der Ukraine uneinheitlich gewesen.

Die NS-Kirchenpolitik im Generalgouvernement bezeichnete er als Feld konkurrierender politischer Interessen, schwankend zwischen Liberalisierung und Repression, zwischen Pragmatismus mit Förderung der Kirchen und ihrer Instrumentalisierung oder Isolierung. Im Reichskommissariat Ukraine behandelten die Nazis die Kirche einerseits als potenzielle antibolschewistische Kraft, für die auch Geld als Loyalität schaffendes Propagandamittel eingesetzt wurde, auf der anderen als zu unterdrückende Gefahr. Diese abwechselnde, konzeptlos wirkende Politik mache die unterschiedlich hohe Bereitschaft bei den Kirchen zur Kooperation verständlich.

Dr. Iryna Brychuk, die bei Prof. em. Dr. Konstantin Maier in Eichstätt promoviert hat, befasste sich mit Verhaftungen und Prozessen gegen die griechisch- katholische Hierarchie am Beispiel des Falles von Petro Werhun, der 1890 in Galizien geboren wurde und ab 1927 Seelsorger für die ukrainischen Katholiken in Berlin war.

Werhun bemühte sich um den Dialog zwischen Ost- und Westkirche und sehnte ihre Wiedervereinigung herbei. Von der Gestapo wurde er überwacht und sollte ausgewiesen werden. Von der Roten Armee wurde er 1945 verschleppt und wegen angeblicher Kollaboration mit den Nazis zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Auch nach seiner Entlassung aus der Haft wurde er in Sibirien festgehalten und starb 1957 an den Folgen der Zwangsarbeit.

2001 wurde er von Papst Johannes Paul II. in Lemberg zusammen mit 26 weiteren ukrainischen Märtyrern selig gesprochen. Die Doktorandin umriss die gegenwärtige politische Lage in der Ukraine, die bei schwacher demokratischer Tradition von manipulativen Oligarchen und dem russischen Einfluss kompliziert werde und zu unklaren Perspektiven führe. Viele Waffen befänden sich in den Händen der Bürger, die Justiz sei nicht reformiert, das Regime stark korrupt, die Parteien stellten lediglich Wahlvereine dar, es herrsche Bürgerkriegsgefahr. Für ihre Universität habe sich aber bislang nichts geändert.

In Deutschland neige man zum Abbau einschlägiger Studiengänge, wenn aber eine Krise kommt, bemerke man wieder den Bedarf. Ihrem historischen Thema zugewandt, fragte Brychuk, ob es den Priestern nicht bewusst war, dass sie sich als Kollaborateure des Regimes gegen ihre eigenen Gläubigen und Gemeinden wandten. Ihr dubioses Verhalten sei nach außen hin ins Positive gewendet und als große Sache im Dienste des sowjetischen Staates dargestellt worden.

„Katholische Gemeinden im Schwarzmeergebiet: Zwischen totalitärer Erfahrung und pragmatischer Praxis“ war das Thema von Prof. Dr. Katrin Boeckh aus Regensburg.  Sie stützte ihre Erkenntnisse auf Berichte und Briefe aus der Sowjetunion, die über den Alltag der Katholiken in dörflichen Gemeinden im Schwarzmeergebiet und an der Wolga berichten (nach einer Volkszählung von 1938 gab es 1,8 Millionen Russlanddeutsche), eine Geschichte von unten, die Relevanz auch für die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren Deportationen gewinnen werde.

Da die im Vatikanischen Geheimarchiv verwahrten Akten bisher nur bis 1939 zugänglich sind, wird man die Geschichte dieser Periode mit der Öffnung weiterer Jahrgänge neu schreiben müssen. Nach der Oktoberrevolution seien nach einem Dekret des Allrussischen Exekutivkomitees und des Rates der Volkskommissare vom 8. April 1929 die Hierarchien der Kirchen zerstört, Geistliche aller Konfessionen verhaftet und in mehreren Wellen von Prozessen von den 1920er bis in die 1940er Jahren angeblich wegen Spionage, Diversions- und Terrorakten, konterrevolutionärer Tätigkeit, Kontakten mit dem Ausland sowie antisowjetischer Propaganda verurteilt, verbannt und interniert worden.

Weil in Stalins Verfassung von 1936/37 Religions- und Gewissensfreiheit garantiert war, wandten sich viele katholische Gemeinden an die Moskauer Regierung, machten aber dadurch ihr Los nur schwerer. Das Regime versuchte, systemloyale Kandidaten zu installieren. Die Kirchen wurden profaniert, mit Ausnahme zunächst derjenigen von Saratow, von der mit Hilfe des Auswärtigen Amtes und deutscher Hilfsorganisationen überhöhte Zahlungen geleistet wurden, bis auch sie 1936 wegen Geldmangels schließen musste.

Nach Haftentlassung wurden die Geistlichen konsequent daran gehindert, in ihre alten Gemeinden zurückzukehren. Die Möglichkeit zur Ausreise nutzten zwar protestantische Geistliche, von katholischen dagegen gibt es keine Gesuche, denn selbst auf dem Höhepunkt des stalinistischen Terrors 1936/37 gebot der Vatikan seinen Geistlichen, auch unter Lebensgefahr bei ihren Schafen auszuharren.

Trotz abschreckender Verhaftungen von Bischöfen, Priestern und aktiven Laien engagierten diese sich trotzdem an geheimen Orten weiter religiös in ihren Gemeinden und gaben das Wissen an ihre Kinder weiter. Sie gaben Beispiele und zeigen Mechanismen religiösen Überlebens in religionsfeindlicher Umgebung.

Prof. Dr. Bohdan Prach aus Lviv schilderte das Schicksal der griechisch-katholischen Kirche und ihrer Gläubigen im kommunistischen Polen. Nach einer sowjetisch-polnischen  Vereinbarung wurde 1944 ein großer Teil der ethnisch ukrainischen Gebiete jenseits des Flusses Sian Teil des wiederbelebten polnischen Staates, der nunmehr fest unter sowjetischer Kontrolle stand.

Die meisten ukrainischen Einwohner dieses Landes gehörten der griechisch-katholischen Kirche, genauer gesagt der Eparchie von Przemyśl und der apostolischen Verwaltung von Lemkivshchyna an. Im Gegensatz zur Sowjetunion und einigen anderen kommunistischen Ländern wurde die griechisch-katholische Kirche in Polen nie offiziell liquidiert oder mit der Orthodoxie „wiedervereinigt“. Ihr Schicksal wurde jedoch von der Politik der polnischen Regierung gegenüber der ukrainischen Minderheit bestimmt.

1944 begann ein „Bevölkerungsaustausch“ zwischen Polen und der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik, der bald gewalttätige Formen annahm. In den Jahren 1944 – 1946 wurden 480.000 Ukrainer in die UdSSR umgesiedelt, darunter ein großer Teil der Geistlichen, die ihren Gläubigen folgten. 1946 wurden die beiden ukrainischen Bischöfe in Przemyśl festgenommen und in die Sowjetunion deportiert, und 1947 wurde während der Operation Vistula die verbleibende ukrainische Bevölkerung von 140.000 gewaltsam aus Deutschland in die westlichen und nördlichen Gebiete umgesiedelt.

Das führte zu einer vollständigen Zerstörung der griechisch-katholischen Kirchenstrukturen, obwohl sie kanonisch noch unter der Gerichtsbarkeit des polnischen Primas existierten. Von den Priestern wurden einige verhaftet und die übrigen gezwungen, im lateinischen Ritus zu dienen. Nur eine griechisch-katholische Pastoralstation, die weder von der polnischen katholischen Kirche noch von den Behörden anerkannt war, existierte in den neuen ukrainischen Siedlungen, bis 1956 der Entstalinisierungsprozess in Polen einsetzte.

Ab diesem Zeitpunkt entstanden mehr griechisch-katholische Seelsorgestationen im Westen und Norden Polens (jedoch nicht in den ehemaligen ukrainischen Gebieten im Südosten). 1967 ernannte der polnische Primas einen Generalvikar für die Griechisch-Katholiken, obwohl die vollständige Hierarchie für die Griechisch-Katholiken in Polen erst 1989 wiederhergestellt wurde.

Roman Skakun aus Lviv präsentierte seine Erkenntnisse aus den Archiven des ukrainischen Sicherheitsdienstes über dessen Agenten als Instrument der Regierungskontrolle über die  russisch-orthodoxe Kirche in der Ukraine von 1939 bis Anfang der 1960er Jahre.

In den Jahren 1939 – 1941 wurden die Überreste des Moskauer Patriarchats, die während des Großen Terrors fast vollständig zerstört worden waren, vom NKWD durch seine Bischofsagenten instrumentalisiert, um die Kontrolle über das lebendige kirchliche Leben in den neu eroberten Gebieten der westlichen Ukraine zu erlangen. Von 1942 bis 1943 sanktionierte der Kreml die Wiederbelebung der russisch-orthodoxen Kirche als autoritäres Gebilde, das von den NKWD-NKGB-Agenten in Schlüsselpositionen streng von oben kontrolliert wurde.

Von dieser Zeit an waren 85 bis 100 Prozent der orthodoxen Bischöfe in der Sowjetukraine Agenten der Sicherheitsdienste. Zu ihren Aufgaben gehörte in den Jahren 1943 – 1956 die Zusammenarbeit bei der Säuberung der Kirche von verschiedenen antisowjetischen, nationalistischen und autokephalistischen Elementen und bei der Zerstörung der griechisch-katholischen Kirche sowie verschiedener unterirdischer Formen des religiösen Lebens. Einige dieser Bischöfe waren auch in außenpolitischen Bemühungen der Sowjetunion in der orthodoxen Welt und bei der Überwachung ausländischer religiöser Delegationen beschäftigt.

In der Zeit Chruschtschows wurden die Agenten der Kirchenleitung zunehmend eingesetzt, um den Einfluss der Kirche auf die Gesellschaft zu untergraben und die Schließung von Pfarreien, Klöstern und Seminaren vorzubereiten und zu erleichtern. Die von den Sicherheitsdiensten geförderten Agenten setzten sich aus verschiedenen Arten von Personen zusammen, von respektierten Klerikern alter Schule, die sich für Kollaboration nur ungern hergaben, bis hin zu völlig ergebenen „roten Bischöfen“ und solchen, die ihre Büros mit geradezu schurkischer Unmoral zur persönlichen Bereicherung ausbeuteten.

Die Ausführungen von Svitlana Hurkina aus Lviv sollten die Überlebensstrategien des hohen griechisch-katholischen Klerus unter dem totalitären Regime der Sowjetunion nach der  Verhaftung des Metropoliten Josyf Slipyi und der Bischöfe sowie die Anfänge der Errichtung seiner Kirche in den Katakomben 1944 bis 1953 zeigen. Dies war auch eine Zeit, in der ihre Kirche auf der offiziellen staatlichen Ebene als „wieder vereint“ mit dem Moskauer Patriarchat der russisch-orthodoxen Kirche erklärt wurde.

Hurkina legte den Schwerpunkt auf  die Wahlen und Aktivitäten von kanonischen und Generalvikaren der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche (Ukrainian Greek Catholic Church, UGCC) nach 1945. Am Ende gab sie einen allgemeinen Überblick über zwei weitere Überlebensstrategien: erstens die Versuche der verfolgten Kirche zu Aufrechterhaltung der Außenkontakte, insbesondere mit dem Papst von Rom, und zweitens die Positionen und Beweggründe des Verhaltens des griechisch-katholischen Klerus in Zeiten der sowjetischen Verfolgung.

Dr. Volodymyr Moroz, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Kirchengeschichte der Ukrainisch-Katholischen Universität in Lviv, nahm die Erfahrungen des ukrainischen Mönchtums mit dem sowjetischen totalitären Systems in den Blick und zeigte sie am Beispiel des Basilianerordens in der Region Transkarpatien 1945 bis 1960.

Moroz untersucht die Verhaltensmodelle der Mönche unter den Bedingungen des totalitären sowjetischen Staates mit besonderem Augenmerk auf die Analyse von Quellen des basilianischen Ordens und beschreibt so das Schicksal von Mönchen, die verhaftet, deportiert,  getötet wurden oder überlebt haben. Nur ein einziger Mönch dieses Ordens sei als sowjetischer Propagandist der Kirche abtrünnig geworden. Nur ein weiterer Mönch sei zur russisch-orthodoxen Kirche konvertiert, aber später zur griechisch-katholischen Kirche zurückgekehrt.

Dennoch schlossen sich alle anderen Basilianermönche in der ukrainischen Region Transkarpatien der griechisch-katholischen Katakombenkirche an. Sie widmeten ihr Leben dem Dienst an Gott sowohl in der Ukraine als auch in Sibirien, Kasachstan und Zentralasien. Mehrere Mönche entgingen den sowjetischen Repressionen durch Auswanderung in den Westen. Moroz analysierte Archivalien und unveröffentlichte Werke von P. Hlib Kynakh, P. Pavlo Madiar, P. Meletiy Malynych und anderen basilianischen Autoren, die sich einer Beschreibung der sowjetischen Repressionen in den Jahren 1945 bis 1960 gewidmet hatten, und achtete besonders darauf, dokumentierte Memoiren über sowjetische totalitäre Repressionen gegen die Kirche aus dem Archiv des Instituts für Kirchengeschichte heranzuziehen.

Roman Harandzha aus Lviv bezeichnete Arbeitslager und Exil als die „zwei Hände“ desselben Regimes: als Hauptmethoden zur Bestrafung griechisch-katholischer Priester. Die sowjetische Besetzung der Westukraine habe zu einer zunehmenden Verfolgung der griechisch-katholischen Kirche und ihrer anschließenden Zerstörung geführt. Die Ideologie des Sowjetregimes ließ keinen Platz für religiöse Konfessionen, die außerhalb der Kontrolle der Regierung lagen, und die mit Rom verbundene griechisch-katholische Kirche war zu unbequem, um ihre Existenz zuzulassen. Im Jahr 1946 wurde sie formell aufgelöst, und ihre Geistlichkeit war schweren Repressionen ausgesetzt. Viele Priester wurden in Arbeitslager oder ins Exil geschickt. Die überwiegende Mehrheit derer, die sich nicht dem kommunistischen Regime beugten, litt unter einer dieser Strafmaßnahmen, die die Priester an den Rand des Untergangs brachten.

Beide Methoden seien Ausdruck der Grausamkeit und Unmenschlichkeit des Regimes gewesen. Trotz des Drucks und des Missbrauchs seien es jedoch oft die Priester gewesen, die in den Arbeitslagern oder im Exil einen Funken der Liebe Gottes in das Chaos des täglichen Lebens brachten, der zum Überleben beitrug, nicht allein für sie selbst, sondern auch für ihre Angehörigen und alle, die ihn empfingen.

Taras Bublyk aus Lviv berichtete über die Teilnahme von griechisch-katholischen Laien an der Legalisierungsbewegung des UGCC. Ein Teil des Klerus und der Gläubigen erkannte die Auflösung des UGCC im Pseudorat von Lemberg im Jahr 1946 nie an. Sie setzten ihre Aktivitäten trotz Repressionen und Verboten fort. Das Thema der UGCC-Legalisierung in der UdSSR war über vier Jahrzehnte lang aktuell.

In den späten 80er Jahren war es jedoch am günstigsten, den Kampf um die Wiederbelebung der Kirche zu intensivieren. Zu dieser Zeit konzentrierte sich die Legalisierungsbewegung aufgrund der aktiven Teilnahme religiöser und politischer Menschenrechtsaktivisten (Joseph Terelya und Ivan Gel) auf die Menschenrechtsorganisation „Komitee zum Schutz der ukrainischen katholischen Kirche“.

Mit den neuen Formen und Methoden des Kampfes gegen das Regime, der aktiven Zusammenarbeit mit den unterirdischen Bischöfen und Priestern und der Mobilisierung eines Großteils der Bevölkerung der Westukraine zum Schutz der Rechte des UGCC gelang es dem Ausschuss, sein Ziel zu erreichen. Am 20. November 1989 wurde nämlich die Erklärung des Rates für religiöse Angelegenheiten im Ministerrat der UkSSR proklamiert, wonach die griechischen Katholiken ihre Gemeinden registrieren konnten.

Die vielfältigen von Bublyk genutzten Archivmaterialien repräsentieren die Position verschiedener Ebenen der Sowjetmacht in Bezug auf die UGCC-Legalisierung und die Beteiligung der Laien an diesen Prozessen. Trotz zahlreicher Quellen bietet dieses Thema ein großes Potenzial für die Erforschung und eingehende Untersuchung der Prozesse, die in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren im UGCC stattgefunden haben.

Zusammenfassend ergaben am Ende der Tagung die beiden Workshops zum Thema Christen wichtige Impulse zur Herausbildung des kirchlichen Untergrunds, zu Formen der Resistenz, zur Gestaltung des religiösen Lebens unter den Bedingungen der Verfolgung. Sie behandelten an konkreten Beispielen grundlegende Fragen nach dem Ob und Wie der Publikation solcher Erkenntnisse, die aus den Arbeiten mit den Quellen und Erinnerungen gewonnen werden.

Sie zeigten, wie wichtig es ist, auch die Ambivalenz manchen Verhaltens aufzuzeigen. Paradoxerweise konnte nämlich ein Priester Eifer zugleich als Agent und als Seelsorger entfalten. Detailliert wurden Quellen vorgestellt und ausgewertet zur Situationsbeschreibung in den unterschiedlichen Formen von Lagern und zur Beschreibung der Methoden von Drangsalierung für die Geistlichen, die nicht zur Orthodoxie konvertieren wollten.

In den 80er Jahren zeigte sich zunehmend der Konnex von religiösen und politischen Fragen und auch Veranstaltungen: Gottesdienste wurden gefeiert und im Anschluss Kundgebungen mit der Formulierung politischer Forderungen veranstaltet. Auf diese Weise wurden beim Ringen um die rechte Form der Widersetzlichkeit oder des Widerstandes auch grundlegende Tugenden für zivilgesellschaftliches Verhalten eingeübt und praktiziert.

Erinnerung ist ein kontinuierlicher Prozess, dem man sich je neu stellen muss, war eine zentrale Feststellung; daher tauchten in der Reflexion der Tagungsergebnisse immer wieder Fragen nach den Perspektiven der Weiterarbeit auf, auch danach, wie die Forschungserträge breiteren Kreisen, Multiplikatoren und der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden können.

Text und Fotos: Stefan P. Teppert

 

 


Christliche Frauen zur Ämterfrage in der Kirche: „Das stört uns gar nicht.“

Nur Katholikinnen zeigen sich unzufrieden

Die Informationsstelle Inforel wollte wissen, wie es Frauen geht, die in ihrer Kirche oder Religion nicht die gleichen Ämter wie Männer ausüben können; sie kam dabei zu erstaunlichen Rückmeldungen.

Das Spektrum ist breit. Während in reformierten Kirchen die Gleichberechtigung für Frauen heute eine Selbstverständlichkeit ist, sind Priesterinnen und Bischöfinnen in der katholischen Kirche weiter tabu. Auch in der orthodoxen Kirche oder im Islam übernehmen Männer die entscheidenden Ämter.

Wie gehen die betroffenen Frauen damit um? – Inforel kam zu dem Ergebnis: Viele Frauen stört das gar nicht.

Die Informationsstelle befragte Frauen vor allem in der schweizerischen Region Basel. Dabei kamen auch Frauen in evangelischen Freikirchen, Jüdinnen und muslimische Alevitinnen zu Wort.

Überraschung löste der Befund aus, dass in 16 von 20 befragten Freikirchen auch die höchsten Ämter für Frauen zugänglich seien.

Aber auch in den vier Freikirchen, in denen Frauen höhere Ämter versagt bleiben, fühlen sich diese dennoch gleichberechtigt; sie weisen dabei auf die schöpfungsmässig unterschiedlichen Eigenschaften von Frauen und Männern hin.

Dies gilt auch in der orthodoxen jüdischen Gemeinde, wo Frauen nicht einmal ein Stimmrecht haben.

Unzufriedenheit gibt es nur bei Katholikinnen:

Klagen über mangelnde Gleichberechtigung ortete die Studie allein in der römisch-katholischen Kirche. Frauen prangern die männliche Vorherrschaft an.

Allerdings verrichteten Theologinnen in dieser Kirche oft die gleichen Aufgaben wie Priester: „Alle halten Predigten und führen durch Gottesdienste. Vereinzelt übernehmen sie – mit einer ausserordentlichen Bewilligung – sogar Taufen und Trauungen“, stellt der Bericht fest.

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.jesus.ch/magazin/gesellschaft/357514-erst_vor_gott_sind_alle_gleich.html


Jüdischer Komponist Boroda erhielt hohe literarische Auszeichnung in Georgien

Von Felizitas Küble

Der jüdische Komponist und Schriftsteller Dr. Moisei Boroda aus Georgien, der seit langem in Herne lebt, erhielt im Sommer dieses Jahres eine Auszeichnung des katholischen August-Benninghaus-Kreises, weil er sich seit Jahrzehnten   –  vor allem durch bewegende Gedenkveranstaltungen  – aktiv für die Würdigung christlicher Märtyrer in der NS-Diktatur einsetzt.
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Besondere Wertschätzung erfahren bei ihm katholische Priester wie z.B. Karl Leisner oder der Jesuitenpater August Benninghaus, die beide aus Nordrhein-Westfalen stammen und in der NS-Zeit mutig mit ihr Leben wagten. (Näheres über jene Preisverleihung hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/07/24/ankum-juedischer-autor-moisei-boroda-erhielt-den-christlichen-august-benninghaus-preis/)
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Am 10. Oktober 2019 erhielt der Musikwissenschaftler erneut einen Preis, diesmal in Georgien – und zwar eine angesehene Literatur-Auszeichnung (nicht die erste):
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Der Ivane-Machabeli-Preis wurde ihm in Tbilisi (Tiflis) vom kreativen Verband georgischer Schriftsteller verliehen. Gewürdigt wurde seine erfolgreiche und ehrenamtliche Wirksamkeit für die georgisch-deutschen Literaturbeziehungen.
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Der jüdische Autor, der mit einer orthodoxen Christin verheiratet ist (siehe 2. Foto), engagiert sich nicht nur für deutsch-georgische Kontakte, sondern auch für die jüdisch-christliche Verständigung.
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Die Preisverleihung fand im Rahmen eines feierlichen Literatur-Musikabends im Jüdischen Museum statt. Dabei ging es um seine Übersetzung eines Poems von Vazha Pschavela   –  einem großen Dichter des 20. Jahrhunderts  –  ins Hebräische.
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BILD: Dr. Boroda mit seiner Frau Sofia und Pater Adam
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Für Dr. Boroda kam diese Würdigung völlig überraschend. Er und seine Frau waren zu der Veranstaltung als „normale“ Teilnehmer eingeladen worden.
Als er sich innerlich ergriffen für die Auszeichnung bedankte, konnte er die Tränen kaum zurückhalten.

Der orthodoxe Dichter und Archimandrit (Klostervorsteher bzw. Abt) Adam las aus seinen Gedichten vor (siehe 2. Foto rechts).

Ebenso erklangen Kompositionen und Prosatexte in georgischer Sprache von Dr. Boroda. Zu den vorgetragenen Musikstücken gehörte „Avharachamim“, „Schön ist die Welt“, „Glöckchen-Walzer“ (aus dem Zyklus „Sieben georgische Variationen über ein deutsches Thema“), „Sephardisches Lied“ und „Arioso dolente“.

Beide Vorführungen fanden beim Publikum ein „überaus positives Echo“, wie es in einem Zeitungsbericht heißt.

Der Abend wurde eröffnet von Museumsdirektor Prof. Givi Ghambashidze, vom Vorsitzenden des Museumsrates, Jamlet Khukhashvili, und von der Präsidentin der Internationalen Vereinigung georgisch-jüdischer Frauen, Eva Babalashvili (siehe 1. Foto).

Unser Autorin Felizitas Küble leitet hauptamtlich den KOMM-MIT-Jugendverlag in Münster und ehrenamtlich das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Warum die Zelebration zu GOTT hin besser ist

Von Felizitas Küble

Als Kurienkardinal Sarah – Präfekt der Gottesdienstkongregation –  vor zwei Jahren einige liturgische Klarstellungen vornahm, war die Aufregung groß.

Der römische Würdenträger aus Afrika (siehe Foto) ermutigte die Priester, die heilige Messe „ad Deum“ (zu Gott hin) zu feiern; man spricht auch von der Zelebration „versus orientem“ (zum Osten hin) bzw. von einer Ausrichtung des Priesters „zum Altar hin“.

Die heute meistverbreitete Praxis ist hingegen jene „versus populum“ – also zum Volk hin, der Priester wendet sein Angesicht dabei der Gemeinde zu.

Manchmal hört man die Behauptung, diese neue Ausrichtung sei vom 2. Vatikanum beschlossen worden bzw. sie sei eine Vorschrift der Liturgiereform nach dem Konzil.

Diese These ist in beiden Varianten falsch. Das Vatikanische Konzil hat sich zu dieser Frage überhaupt nicht geäußert, geschweige zum Bau von „Volksaltären“ aufgefordert. Durch die Liturgiereform wurde die Ausrichtung „versus populum“ zwar erlaubt, aber nicht vorgeschrieben. Auch nach dem NOM (neuen Meßbuch) ist die frühere Zelebration zum Altare hin weiter möglich.

Es wäre auch gleichsam „verrückt“, wenn es anders wäre, denn immerhin besteht diese klassische Priester-Orient-ierung seit zweitausend Jahren, sie war schon in der frühen Kirche die übliche Gebetsausrichtung des Priesters, der Diakone, der Meßdiener – und der Gemeinde.

Wohlgemerkt: Auch die Gläubigen wandten sich gemeinsam mit dem Geistlichen „zum Altar hin“, der meist „geostet“ war, also nach Osten hin ausgerichtet. Das hatte eine symbolische Bedeutung, denn es galt das Leitwort, das bereits die alttestamentlichen Juden kannten: „Aus dem Osten kommt das Licht“. So sind die Synagogen bis heute immer geostet, damit der Schrein mit den Thorarollen „gen Osten“ steht. 

Diese Orient-tierung hat auch eine eschatologische (endzeitliche) Bedeutung und beinhaltet in zeichenhafter Weise, daß wir „dem HERRN entgegengehen“. Wir erwarten den einst wiederkommenden Christus, der für uns Gläubige das „Licht der Welt“ ist.

Obwohl das nachkonziliare neue Meßbuch also auch die frühere Zelebrationsrichtung gestattet, findet sie in der Praxis kaum noch statt  – natürlich mit Ausnahme der „alten Messe“ nach dem überlieferten Ritus, dort ist diese Meßfeier „zum Altare hin“ ohnehin selbstverständlich und verpflichtend zugleich.

BILDER: Traditionelle hl. Messe in der Kapelle von Schloß Assen beim Sommerfest 2018

Was ist nun theologisch und liturgisch besser, aber auch „pastoral“ geeigneter?

Zunächst sind folgende Fakten zu bedenken:

  1. Die Ausrichtung „ad Deum“ (zu Gott, zum Altar hin) ist die frühchristliche und seit fast zweitausend Jahren übliche Form der Zelebration. Sie besitzt somit den Vorzug des Ursprungs und der beständigen Überlieferung. Diese kommt nicht von ungefähr, sondern beruht wiederum auf theologischen Gründen.
  2. Auch die Ostkirchen – sowohl die unierten Kirchen wie die orthodoxen Konfessionen  – praktizieren diese Liturgie-Ausrichtung „ad Deum“ bis heute, ebenso die altorientalische koptische Kirche (Ägypten, Äthiopien).

Wie steht es nun mit dem Einwand, durch die neue Zelebrationsrichtung „zum Volk hin“ sei eine stärkere Gemeinsamkeit zwischen dem Priester und seiner Gemeinde erkennbar, da sie sich sozusagen „einander zuwenden“?

Der Gleichklang des Betens und Feierns besteht aber doch gerade in einer gemeinsamen (!) Gebetsrichtung, nämlich daß sowohl der Geistliche wie die Ministranten und das Kirchenvolk einmütig zum Altar hin ausgerichtet sind.

Im Mittelpunkt der heiligen Messe steht nicht der Mensch, auch nicht der Priester, sondern GOTT – und daher wenden sich  b e i d e  dem Höchsten zu, dessen Erhabenheit und Gegenwart durch den Altar versinnbildlicht wird. 

Das Mindeste ist aber ein Kreuz auf dem Altar, so daß sich Priester und Gemeinde wenigstens zu diesem Kreuz als dem symbolischen Zentrum der Feier hinwenden. Aber in vielen Kirchen finden wir kein Kreuz auf dem Volksaltar.

Die Ausrichtung „zum Altar hin“ gilt konkret für das sakramentale Meßopfer, also für die Eucharistiefeier im engen Sinne. Der Wortgottesdienst wurde auch früher größtenteils zum Volk hin vollzogen, etwa die Lesungen in deutscher Sprache oder auch die Predigt. Hier geht es nicht um Gebete, sondern um das Hören auf Gottes Wort und des Priesters Auslegung.

Somit dürfte klar sein, daß gerade die neuzeitlich so beliebte Argumentation hinsichtlich der „Gemeinschaft“ von Volk und Priester für die Zelebration zum Altare hin spricht, denn hierbei findet eine einheitliche Gebetsausrichtung statt, man schaut gemeinsam in dieselbe Richtung – nicht jedoch bei der neu-liturgischen Variante „versus populum“.

Zudem wollte man doch angeblich von der Priester-Zentrierung abkommen, also eine allzu starke Betonung des Zelebranten vermeiden, auf daß das „wandernde Gottesvolk“ nicht zu kurz komme etc.

Auch hierbei ist das Gegenteil erreicht worden: Durch die Zelebration zum Volke hin steht der Priester weitaus mehr Mittelpunkt als früher, seine Gestik ist ständig gegenwärtig, sein Gesicht unentwegt sicht-bar, was vor allem bei der heiligen Wandlung unangemessen wirkt, denn der Liturge am Altar ist lediglich Statthalter Christi, der eigentliche Opferpriester (und auch die Opfergabe selbst) ist aber unser HERR.

Die Gläubigen sollen sich nicht auf die (Privat-)Person des Priesters, sondern auf den „ewigen Hohenpriester“ konzentrieren, auf Christus also!

Dazu kommt, daß es vermutlich für die innere Sammlung und Andacht des Geistlichen auch nicht sehr förderlich ist, wenn er ständig im Blickkontakt zu seiner Gemeinde stehen muß. Nicht einmal beim Höhepunkt der heiligen Messe darf er mal kurz alleine sein, auch dort wird ihm vom Kirchenvolk ins Gesicht geschaut.

Es ist also für die Andacht und Frömmigkeit sowohl des Priesters wie der Gemeinde besser, wenn der Zelebrant zum Altare hin zelebriert!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MiT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 

 

 


Münster: Gottesdienst im koptischen Ritus von Ehrfurcht und Feierlichkeit geprägt

Von Felizitas Küble

Am Samstag, dem 30. September, fand vormittags in der schmucken kath. Barock-Kirche St. Clemens in Münster-Innenstadt eine feierliche hl. Messe im koptischen Ritus statt, die über zwei-ein-halb Stunden dauerte und stark von geistlichen Gesängen getragen war.

Kerzen, Weihrauch und symbolische Handlungen spielen ebenfalls eine große Rolle. Die Liturgie wirkt insgesamt sehr ehrfurchtsvoll, aber durch die vielen Lieder auch glaubensfroh und festlich.

Zu Beginn gab es außer mir nur einzigen weiteren (ebenfalls deutschen, nicht-koptischen) Besucher; vor dem Altar stand Bischof Damian, neben ihm zwei Sänger. Ich wunderte mich über die fast leere Kirche. Nach einer Viertelstunde kamen drei Priester zur Kirchentür herein; zudem ließen sich allmählich auch weitere Gläubige blicken.

Nach gut einer Stunde waren ca. 2/3 der Besucher eingetroffen, der „Rest“ kam noch später. Solche beträchtlichen „Verspätungen“ sind hier offenbar der Normalfall. (Wer erst nach einer Stunde kommt, hat aber immer noch eineinhalb Stunden Messe vor sich….)

FOTO Nr. 1 bis 3: Die Priester tragen weiße Gewänder und Kapuzen, der Bischof ein farbiges Obergewand. Die Lesung nimmt ein Laien-Lektor vor, die Predigt der Bischof oder Priester. – Die Kinder wirken ungezwungen; wenn sie unruhig werden (nach stundenlangem Gottesdienst kein Wunder!), gehen die Mütter mit ihnen zur Seitenwand oder nach draußen.

Die Kopten nennen sich zwar bisweilen auch „koptisch-orthodox“, damit ist aber lediglich gemeint, daß sie sich selber als  „rechtgläubig“ verstehen – es geht hierbei nicht um die orthodoxen Konfessionen bzw. Ostkirchen.

Vielmehr gehören die koptischen Christen zu den sog. „altorientalischen“ Kirchen, die das Konzil von Chalcedon nicht anerkannt haben, weil sie entweder monophysitistisch sind (wie etwa die Kopten) oder nestorianisch (wie z.B. ein Teil der syrischen/assyrischen Christen).

FOTOS: Bei den Kopten gibt es  – wie in der traditionellen kath. Messe  –  allein die Mundkommunion; zudem hält ein Ministrant (ebenfalls wie in der „alten Messe“) eine Kerze in seiner Hand. Die Eucharistie wird allein vom Bischof (wie hier) oder Priester ausgeteilt.

Die beiden Naturen in Christus – die  menschliche und die göttliche – werden also entweder zu stark getrennt (Nestorianer) oder zu wenig unterschieden (Kopten; bei ihnen geht das Menschsein Christi in seiner göttlichen Natur gleichsam fast „unter“). Wie wollen diese christologischen „Feinheiten“ hier nicht weiter ausbreiten, zumal ist es insofern mittlerweile zu gewissen Annäherungen mit der katholischen Kirche gekommen.

Wenngleich die Kopten  – es gibt sie vor allem in Ägypten und Äthiopien –  keineswegs zur orthodoxen Kirchengemeinschaft im eigentlichen Sinne gehören, sind gewisse liturgische Ähnlichkeiten offensichtlich, aber freilich auch Unterschiede. Vor allem fehlen im koptischen Gottesdienst die Ikonen, die für die ostkirchlichen Riten von großer Bedeutung sind.  

Auffallend ist auch die Kopfbedeckung der Geistlichen (weiße Leinenkapuzen) im koptischen Ritus – sie gilt aber nicht für Ministranten und Altar-Sänger.

Vermutlich geht diese Kopfbedeckung auf althebräische Traditionen zurück: die jüdische Kippa will symbolisch verdeutlichen, daß zwischen dem allmächtigen Schöpfer und seinem dienstbaren Geschöpf ein großer Unterschied bzw. Abstand, also eine „Trennung“ besteht.

Auch das Meßgewand der koptischen Geistlichen ist weiß, das des Bischofs etwas bunter. Zunächst beginnt der Gottesdienst in schwarzen Gewändern, nach der „Vormesse“ ziehen sich die Priester ihre weißen Gewänder an. Die Meßdiener und Psalmensänger ziehen von Anfang an ihre Schuhe aus und wandeln während des Gottesdienstes auf ihren Strümpfen.

Der Gottesdienst wird „zu GOTT hin“ (mit dem Rücken zum Volk) bzw. in Richtung Altar zelebriert – natürlich außer der Predigt und biblischen Lesungen. Insofern besteht eine Gemeinsamkeit zur überlieferten katholischen Liturgie („alte Messe“). Der koptische Priester hält fast immer ein kleines Silber-Kreuz in seiner Hand.

Die Kopten verwenden keine Hostien bei der hl. Kommunion, sondern kleine Brotstückchen, die von einem großen, flachen und runden Brot stammen. (Das Brot muß rund sein als Zeichen dafür, daß Gott keinen Anfang und kein Ende hat.) Zu Beginn des Gottesdienstes wird das Brot mit Wasser benetzt, was ein Sinnbild für die Taufe Christi durch Johannes den Täufer sein soll.

Bei den Kopten gibt es  für das Kirchenvolk keine Handkommunion  – es gilt für alt und jung die Mundkommunion genau wie bei den Orthodoxen  – allerdings (im Unterschied zu ihnen) keine Kelchkommunion; diese empfangen bei den Kopten allein die Priester.

Die Erwachsenen gehen teils stehend, teils kniend zum Tisch des HERRN, die Kinder meist stehend  – oder sie werden von ihren Eltern auf den Armen getragen. Das verdeutlichen auch unsere FOTOs Nr. 4 bis 6.

Das letzte BILD zeigt Bischof Damian beim Schlußsegen mit Weihwasser, das er über die Häupter seiner Lieben verteilt. Einige Gläubige bekreuzigen sich dabei.

Männer und Frauen sind in den Kirchenbänken klar getrennt (wie früher in der katholischen Kirche üblich): Vom Altar aus gesehen befinden sich links die Frauen, rechts die Männer. Die weiblichen Gläubigen kommen teils mit, teils ohne Schleier bzw. weiße Kapuze; die ägyptisch-stämmigen Frauen eher ohne, die äthiopischen eher mit Kopfbedeckung.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Fotos: Felizitas Küble


Bischofskonferenz unterstützt den Marsch für das Leben in Berlin

Zur heutigen Pressemitteilung und dem Grußwort der Deutschen Bischofskonferenz erklärt Alexandra Linder, die Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht in Berlin:

„Mit einem Grußwort und einer Pressemitteilung unterstützen Kardinal Reinhard Marx und die Dt. Bischofskonferenz die Tätigkeit der Lebensrechtsverbände, die in jedem Jahr zum Marsch für das Leben aufrufen.

Das ist für die Teilnehmer, für die Mitglieder der Vereine und für all die anderen Menschen, die sich für das Lebensrecht engagieren, eine große Ermutigung.

Der Münchner Erzbischof schreibt wörtlich: „In diesem Anliegen wünsche ich dem Marsch für das Leben einen guten Erfolg und eine rege Teilnahme und danke allen für ihren Einsatz für das Leben.“

Angesichts der Entwicklungen in den „bioethischen“ Bereichen ist es wichtiger denn je, dass die gesellschaftlich relevanten Gruppen und Verbände, die sich für das Leben einsetzen, an einem Strang ziehen.

Je mehr konstruktive, ergänzende Zusammenarbeit es auf den verschiedenen Ebenen gibt, desto besser können wir Gesellschaft und Politik davon überzeugen, dass das Leben jedes Menschen in jeder Phase unbedingt und ohne Einschränkungen geschützt werden muss.

Ermutigung auch von evangelischer und orthodoxer Seite

Erfreut ist der Bundesverband Lebensrecht auch über die Unterstützung weiterer Kirchen und Konfessionen beim Marsch für das Leben, wie zum Beispiel des evangelischen Bischofs Hans-Jürgen Abromeit (Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche), der darauf verweist, dass „weder Eltern noch Medizineroder Sozialarbeiter“ einen Besitzanspruch auf das Kind haben  –  oder Pfr. Steffen Kern, Vorsitzender von „Die Apis“, der mitteilt: „Es ist zu begrüßen, wenn der Marsch für das Leben an diese Herausforderungen erinnert. So schärft er die Gewissen und trägt zur ethischen Orientierung bei.“

Der evangelikale Evangelist Ulrich Parzany, Vorsitzender des Netzwerks Bibel und Bekenntnis, betont, dass man sich an das Unrecht nicht gewöhnen dürfe.

Auf die Bedeutung des Lebens in seiner Fülle verweist der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos, in seinem Grußwort.

Der Marsch für das Leben beginnt am Samstag, dem 16. September, um 13 Uhr mit einer Kundgebung vor dem Reichstag in Berlin.

Infos: http://www.marsch-fuer-das-leben.de


Der israelische Staatspräsident Rivlin empfing christliche Vertreter

Am Montag, den 28. Dezember 2015, empfing der israelische Präsident Reuven Rivlin wichtige Vertreter der christlichen Gemeinden in Israel zum traditionellen Neujahrsempfang. Neben dem Präsidenten sprach auch der griechisch-orthodoxe Patriarch Jerusalems, Theophilus III., auf der Veranstaltung.

Präsident Rivlin sagte: „Es war eine große Ehre für mich, dieses Jahr den Papst im Vatikan zu treffen. Wir sprachen darüber, wie die Beziehung zwischen Christen und Juden im Laufe der Jahre besser geworden ist. (…) Die Zehn Gebote, die Juden wie Christen heilig sind, lehren uns den Respekt vor Gott und dem Menschen.

Ich bin stolz, dass Israel die Glaubens- und Meinungsfreiheit jedes Einzelnen und jeder einzelnen Religion schützt. Es ist nicht genug für uns, ein sicherer Ort für Christen zu sein. Wir wollen, dass die christliche Gemeinschaft wächst und eine aktive Rolle in der israelischen Gesellschaft spielt. (…)

Wir müssen daran arbeiten, im Heiligen Land und auf der ganzen Welt Brücken zwischen unseren Gemeinschaften zu bauen.“

Quelle: Israelische Botschaft in Berlin


Regensburg: Ökumenische Segnung der Donau in orthodoxer Tradition

Donausegnung: ein christliches „Friedensfest“

Bischof Rudolf Voderholzer, Apostolos Malamoussis von der griechisch-orthodoxen Kirche und der evangelische Regionalbischof Hans-Martin Weiss haben am Sonntag eine ökumenische Vesper im Dom St. Peter in Regensburg gefeiert und anschließend von der Steinernen Brücke aus die Donau gesegnet. Donausegnung Weiß Voderholzer Malamoussis im Dom

Anlass des gemeinsamen Gottesdienstes war das heutige Fest der Taufe des HERRN. Die musikalische Gestaltung lag bei den Regensburger Domspatzen und beim Byzantinischen Kantorenchor München.

„Wir protestieren gegen jede Gewalt im Namen der Religion“

Mit Bezug zu den weltweiten Demonstrationen gegen Gewalt nach dem Massaker in Paris sagte Bischof Voderholzer: „Wir vereinen uns im Gebet. Wir protestieren und distanzieren uns von jeder Gewalt im Namen Gottes und der Religion.“

Der gemeinsame Gottesdienst sei schon als solcher ein Zeichen für ein friedliches Miteinander, sagte der Regensburger Oberhirte.

Das Abendland gründe wesentlich im Glaubensgeheimnis der Taufe, erklärte der Bischof weiter. Es bedürfe daher der Hinkehr zur Taufe. Durch Abgrenzung und Hartherzigkeit rette man es nicht. Donausegnung Bischof Voderholzer Kreuz

Die jüdisch-christliche Tradition prägte das Abendland

Die wichtigsten Werte Europas verdankten sich der jüdisch-christlichen Tradition: Menschenwürde, Freiheit, der Appell an die Nächstenliebe, der Aufruf zur Herzensbildung und Gleichgestaltung gemäß Christus sowie die Unterscheidung von Staat und Christentum.

Anschließend erfolgte die Segnung der Donau gemäß der griechisch-orthodoxen Tradition. Bereits im vergangenen Jahr hatte die erste gemeinsame Donausegnung stattgefunden. Dreimal wurde ein Holzkreuz in den Fluss geworfen.

Aufgrund des erhöhten Pegels der Donau sowie der starken Strömung wurde diesmal davon abgesehen, dass Taucher das Kreuz einholen, das vielmehr an einem Seil befestigt war.

Etwa 200 Gläubige verschiedener christlichen Konfessionen verfolgten den Segnungsgottesdienst. In seinem Grußwort verurteilte Regierungspräsident Axel Bartelt den Terror im Namen der Religion. Oberbürgermeister Joachim Wollbergs nannte die Donausegnung ein „Friedensfest“.

Quelle (Text/Foto): Bistum Regensburg


Der neue Selige Vladimir Ghikas: Prinz – Priester – Judenretter – Märtyrer

Vladimir Ghikas (siehe Foto) war ein orthodoxer Fürst, der katholisch wurde und sich großherzig für Kranke, Armen und Inhaftierte einsetzte. Papst Pius XI. bezeichnete ihn bereits als „großen apostolischen Vagabunden“. Selbst der japanische Kaiser bat ihn um einen Segen.

Das kommunistische Regime empfand ihm gegenüber eine so große Furcht, dass er im hohen Alter von fast 80 Jahren gefangengenommen wurde. Halbnackt ließ man ihn auf der Krankenstation des Gefängnisses zurück, wo er am 16. Mai 1954 verstarb. Am Samstag, den 31. August 2013, wurde in Bukarest seine Seligsprechung gefeiert.

Die Rede ist von Vladimir Ghika; der Konvertit war Priester, Beichtvater, geistlicher Berater, Wissenschaftler und Diplomat.

Sein Großvater Gregorio Ghika X. war der letzte regierende Fürst in Moldawien. Sein Vater wirkte zunächst als Verteidigungsminister und Außenminister Rumäniens und später als bevollmächtigter Minister beim Sultan in Konstantinopel, in Wien, Rom und Sankt Petersburg, Russland.

Seine Mutter Alessandrina Moret de Blaremberg war eine vornehme französische Adelige.

Vladimir erblickte am Heiligen Abend 1873 in Konstantinopel das Licht der Welt. Dort wurde er sofort in der orthodoxen Kirche getauft und gefirmt. Nach Frankreich und Rom führten ihn Reisen und Studienaufenthalte. Trotz des Drucks seitens der Familie trat er am 15. April 1902 mit 28 Jahren zur katholischen Kirche über.

Nach seinen bereits abgeschlossenen Studien der Philosophie und der Rechtswissenschaften absolvierte er noch ein Theologiestudium, um katholischer Priester werden zu können.

Kostenloses Krankenhaus gegründet

Nach seiner Rückkehr nach Rumänien widmete er sich den Werken der Barmherzigkeit. So eröffnete er das erste kostenlose Krankenhaus Bukarests, rief das Sanatorium „San Vincenzo de Paoli“ ins Leben und gründete eine Erstehilfe-Station. Während der Balkankriege des Jahres 1913 kümmerte er sich um die Kriegsverletzten und leistete den Cholerakranken Beistand.

Am 7. Oktober 1923 empfing Ghika durch Kardinal Guillaume Dubois, dem Erzbischof von Paris, das Sakrament der Priesterweihe. Kurze Zeit später erhielt er vom Papst die Genehmigung zur Messfeier nach dem byzantinischen Ritus. So erhielt er als erster Priester das Privileg, nach beiden Riten zu zelebrieren.

Ghika wurde in Paris zum Rektor der „Ausländerkirche“ ernannt und zog nach Villejuif, an den gefährlichsten Teil der Peripherie der französischen Hauptstadt. Seine Ankunft wurde von Protesten und Beschimpfungen begleitet. Er wurde geschlagen und mit Steinen beworfen, doch er ertrug alles mit Geduld und Ausdauer. 

Während des Zweiten Weltkrieges blieb er in Rumänien, um den Armen und Kranken weiterhin nahe sein zu können. Ghika besuchte die Inhaftierten des Gefängnisses an der Peripherie Bukarests. Er setzte seinen Einfluss bei den Behörden für die Rettung zahlreicher Juden vor der Deportation durch die Nazis ein. Über den Apostolischen Nuntius ersuchte er die USA während der Hungersnot von 1946 um Hilfe durch Zusendung von Lebensmitteln. Auf seine Veranlassung wurden die Hilfsgüter auch an die orthodoxen Klöster von Moldawien verteilt.

Kommunisten führten Nazi-KZs weiter

Auch nach der Einsetzung der kommunistischen Herrschaft blieb der Selige in Rumänien. Die sechs griechisch-katholischen Bischöfe wurden gefangen genommen: fünf starben im Gefängnis, nur einer überlebte die 22-jährige Inhaftierung. Dasselbe Schicksal ereilte die etwa 600 katholischen Priester. Eineinhalb Millionen Rumänen wurden verhaftet. Die von den Nationalsozialisten eingerichteten Konzentrationslager wurden unter den Kommunisten neu eröffnet.

Am 18. November 1952 wurde Msgr. Ghika im Alter von 79 Jahren verhaftet. Er wurde seiner Kleider beraubt und beinahe ein Jahr lang, lediglich seine Unterbekleidung tragend, der Kälte ausgesetzt.

Er wurde fast 80 nächtlichen Befragungen unterzogen, verlor infolge von Schlägen das Augenlicht und Gehör und erlitt Folterungen mit elektrischem Strom. Ziel war sein Verzicht auf die Einheit mit Rom. Trotz seines Alters und seiner körperlichen Schwäche blieb er stets standhaft.

In der 30 Quadratmeter großen Zelle befanden sich weitere 44 Häftlinge. Er fungierte als Zuhörer, Beichtvater und Helfer beim Gebet. Mit jedem, der dies wünschte, betete er den Rosenkranz; mit anderen ging er den Kreuzweg durch. An die Schwächsten verteilte er die Hälfte seiner kärglichen Lebensmittelration. Hunger und Kälte ausgesetzt,  zudem ohne medizinischen Beistand wurde er am 16. Mai 1954 auf die Krankenstation gebracht, wo er allein und halbnackt entschlief.

Ein Zeuge sagte über ihn: „Für ihn existierten die Gefängnismauern nicht. Er war innerlich frei, da er den Willen Gottes verwirklichte.“

Quelle: Antonio Gaspari in ZENIT.org