Gewissen gegen die Macht: Kardinal Zen widersteht Kardinal Parolin

Mathias von Gersdorff

Am Samstag, dem 7. April 2018, fanden zwei wichtige Veranstaltungen statt, die für einen oberflächlichen Beobachter nichts miteinander zu tun hatten:

In Rom tagte man zum Thema „Katholische Kirche, wohin gehst du?“ mit hoher Prominenz: Kardinal Raymond Burke, Kardinal Walter Brandmüller und Weihbischof Athanasius Schneider.

BILD: Kardinal Zen (links) im Gespräch mit unserem Autor
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Es ging um die negativen Auswirkungen der umstrittenen Stellen im Apostolischen Schreiben „Amoris Laetitia“ von Papst Franziskus. Über diese Veranstaltung berichtete die deutsch-amerikanische Journalistin Maike Hickson (hier LINK1 und hier LINK2.)

In Bonn, der ehem. Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschlands, erhielt an diesem Tag Kardinal Joseph Zen Ze-kiun den „Stephanus-Preis für verfolgte Christen“. Bei dieser Gelegenheit sprach er ausführlich über die Verfolgung der Christen durch das kommunistische Regime in China und über die Bemühungen des Vatikans, sich mit den dortigen Machthabern zu „arrangieren“.

Obwohl es sich um unterschiedliche Themen handelte, hatten beide Veranstaltungen etliche „gemeinsame Nenner“: In beiden ging es um einer Revolution in der Katholischen Kirche. In Rom ging es letzten Endes um eine Allianz eines Teils des katholischen Klerus mit der sexuellen Revolution.

In Bonn ging es um die Akzeptanz bzw. um die Allianz eines Teils des katholischen Klerus mit der kommunistischen Revolution in der Form des gegenwärtigen kommunistischen Regimes in Rot-China. 

Es zeigt sich ein weiterer gemeinsamen Nenner: In beiden Manövern (um nicht von Verrat an den katholischen Prinzipien zu sprechen) ist die entscheidende Persönlichkeit der amtierende Kardinalstaatssekretär des Vatikan: Kardinal Pietro Parolin.

Was die sexuelle Revolution betrifft, so predigt Kardinal Parolin den Slogan eines „Paradigmenwechsel in der Moral“. Was er damit meint, ist letztendlich die Einführung einer Situationsethik, um „irreguläre Lebenssituationen“  – wie etwa die von wiederverheirateten Geschiedenen  –  zu legitimieren.

In Deutschland ist gerade Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Dt. Bischofskonferenz, dabei, diese Situationsethik in Form von „Einzelfallprüfungen“ auf der Ebene der Pfarreien einzuführen. Die von der sexuellen Revolution propagierten Lebensweisen bekämen dadurch gleichsam ein katholisches Unbedenklichkeitssiegel. 

Doch der Durchmarsch des Progressismus beschränkt sich nicht auf eine ultraliberale Interpretation von „Amoris laetitia“.

Für die kommunistischen Länder hat sich Kardinal Parolin etwas anderes ausgedacht, nämlich die Wiederbelebung der linksgerichteten vatikanischen Ostpolitik der 1960er und 1970er Jahre.

Diese bestand daraus, sich mit den kommunistischen Diktaturen zu arrangieren. Die katholische Kirche sollte darauf verzichten, den Ostblock zu kritisieren, dafür konnte sie in diesen Staaten Freiheiten bei der Bischofsernennung und in der Ausübung der Sakramente. Sie bekam also einen goldenen Käfig, solange sie die Kommunisten und ihre atheistische Doktrin nicht kritisierte.

Auch hier geht es um eine Akzeptanz bzw. um eine Allianz mit einer Revolution, und zwar mit der kommunistischen Revolution.

Im Falle Chinas hat der Kardinalstaatsekretär sich das wohl so gedacht: Die Katholiken Chinas, die schon lange unter Verfolgungen leiden, akzeptieren die staatlich (also kommunistisch) ernannten Bischöfe, und sie können in Frieden ihre Religion ausüben. Voraussetzung dafür ist, die Bischöfe der sog. Untergrundkirche kirchlich beiseite zu schaffen.

Das wäre leicht gewesen, hätte sich Kardinal Joseph Zen Ze-kiun nicht entschlossen, auf die Barrikaden zu gehen.

Seit Anfang des Jahres redet er über nichts anderes als über den Verrat des vatikanischen Staatssekretariats an den Katholiken der Untergrundkirche.

Zuletzt tat er das in einer Reise nach Deutschland, um den „Stefanus-Preis für verfolgte Christen“ zu entgegenzunehmen: Auch bei dieser Gelegenheit wiederholte er: Der Vatikan –  also Kardinal Pietro Parolin – will die legitime Untergrundkirche Chinas an die Kommunisten verraten, obwohl sie jahrzehntelang verfolgt wurde.

Die Macht der Kirche in solchen Momenten zeigt sich in Persönlichkeiten wie Kardinal Zen. Er sagt nämlich: Ein solches Abkommen mit den Kommunisten wäre ein Verrat und eine Schande und die Preisgabe der Freiheit der Kirche an die kommunistischen Machthaber.

Was Kardinal Parolin im Grunde praktiziert, ist die Übergabe der treuen Katholiken an die kommunistischen Machthaber. Also ein Einknicken gegenüber der weltlichen Macht. 

Ist dies das Paradigma des Progressismus? Ja, denn der Progressismus – in West und in Ost – betreibt nichts anderes als eine Kapitulation gegenüber dem revolutionären Zeitgeist.

Was sind die Waffen, die Kardinal Zen gegen diesen verhängnisvollen Angriff anwendet?

Vor allem dies: Die Wahrheit auszusprechen  – die Wahrheit über den chinesischen Kommunismus. Die Wahrheit über die Verfolgung der katholischen Kirche. Die Wahrheit über den geplanten Verrat des legitimen chinesischen Katholizismus an den Kommunismus.

Genau diese Freiheit des Wortes will der Progressismus töten: Um zweifelhafte Vorteile zu gewinnen, sollen die Katholiken Chinas auf ihre Freiheit, die Wahrheit zu sagen, verzichten.

Kardinal Zen sagt dazu: Nein. Ohne mich. Ich schweige nicht!

Folgen wir in West und Ost seinem Beispiel und bezeugen wir, dass der unveränderte katholische Glaube immer und überall frei verkündigt werden muss. Denn nur so erfüllen wir den Auftrag Jesu Christi: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und veröffentlicht aktuelle Kommentare unter anderem hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/

Egon Bahr (SPD) verstorben: Er plädierte für Deutschland als „normale Nation“

Der Sozialdemokrat Egon Bahr verstarb im Alter von 93 Jahren. Der enge Berater Willy Brandts gilt mit diesem als Erfinder des „Wandels durch Annäherung“ der deutschen Ostpolitik.

Von 1972 bis 1974 gehörte er der Regierung Brandt als Minister für besondere Angelegenheiten an. Unter Helmut Schmidt war Bahr von 1974 bis 1976 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Zuletzt bemühte sich Bahr um eine Entschärfung der Ukraine-Krise und deren Auswirkung auf Deutschland. Die von Moskau annektierte Krim könne nach dem Vorbild der DDR behandelt werden, sagte er dem Nachrichtensender N-Facebook-Zitat-SteinTV.

In einem Interview mit der Wochenzeitung JUNGEN FREIHEIT hatte Bahr gefordert, nach dem Scheitern einer EU-Verfassung 2004 zu Charles de Gaulles Nationenverständnis zurückzukehren:

„Noch sind wir uns in Deutschland offenbar gar nicht bewußt, daß wir in Europa auf de Gaulles Konzept vom Europa der Vaterländer und damit auf unseren eigenen Nationalstaat zurückgeworfen sind! Wenn wir für diese Zukunft fit sein wollen, dann sind wir gezwungen, zu lernen wieder eine normale Nation zu sein.“

Quelle: http://www.jungefreiheit.de


UNGARN: Kardinal Mindszenty staatlich rehabilitiert. – Wird der Held des Glaubens seliggesprochen?

Der Fall Mindszenty wirft ein kritisches Licht auf die vatikanische Ostpolitik unter Casaroli

Er war eine der großen, heldenmütigen Gestalten der Kirche unter der Knute des Nationalsozialismus und des  Kommunismus: Der frühere Primas (oberster Bischof) von Ungarn, Kardinal József Mindszenty (1892 bis 1975).

Sein Einsatz galt der Menschenwürde und den göttlichen Geboten, die er gegenüber den braunen Machthabern ebenso mutig verteidigte wie gegenüber der roten Diktatur. Er gilt als bedeutendste Gestalt im ungarischen Aufstand gegen den sowjetischen Kommunismus 1956.

Dieses tapfere Vorbild, Ungarns großer Held und zugleich die bedeutendste Symbolgestalt der einst unterdrückten Kirche Ungarns,  ist mittlerweile juristisch umfassend rehabilitiert:

Die Oberste Staatsanwaltschaft in Budapest hat das kommunistische Volksgerichts-Urteil von 1949 aufgehoben, bei dem Mindszenty zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt worden war.

Jetzt ist der Vatikan am Zug: Die jüngsten Nachrichten aus Budapest könnten dem Seligsprechungsverfahren des Bekenner-Kardinals Flügel verleihen.

„Mit Sicherheit war er eine große Persönlichkeit nicht nur Ungarns, sondern der Kirche überhaupt.“  –  Das sagte der frühere Präfekt der vatikanischen Kongregation für Seligsprechungen, Kardinal José Saraiva Martins, am Montagabend im Interview mit Radio Vatikan.

Der Kardinal fügte hinzu: Mindszenty war ein Modell-Hirte von außerordentlichem Mut und mit tiefen Überzeugungen. Eine große Persönlichkeit der Geschichte, ein Vorbild für uns Kirchenleute.“

Mit Sicherheit sei die Rehabilitierung Mindszentys durch die heutigen ungarischen Behörden „nicht nur etwas Verdientes, sondern auch ein Schlußpunkt hinter eine sehr traurige und leiderfüllte Geschichte”, so Kardinal Martins.

Mindszenty hat nicht nur bis 1956 im Gefängnis gesessen; nach dem kurzen Budapester Frühling, der von sowjetischen Truppen niedergeschlagen wurde, mußte er in der amerikanischen Botschaft in Ungarn ausharren.

Nach einem problematischen Deal des Vatikans mit Ungarns kommunistischem Regime reiste Mindszenty 1971 nach Österreich aus; sozusagen ein Bauernopfer der damaligen vatikanischen „Ostpolitik“ unter Kardinal Casaroli (damals quasi „Außenminister“ des Vatikan), der sich von seiner umstrittenen „Entspannungspolitik“ Vorteile für die Kirche versprach.

Für den Bekennerbischof Mindszenty war diese leisetreterische Ostpolitik eine herbe Enttäuschung, kannte er doch den kirchenfeindlichen und unmenschlichen Kommunismus aus eigener Erfahrung. Er wollte bei seinem Volk und seiner Kirche in Ungarn bleiben, um die Gläubigen stärken, um sie nicht im Stich zu lassen.

Doch Papst Paul VI. hatte den mutigen Mahner gegen dessen Willen zum Gang ins Exil gedrängt, was freilich den ungarischen Kommunisten nur recht war (so konnten sie diese überragende Symbolgestalt „loswerden“)   –  eine äußerst schmerzhafte Entscheidung für den unbeugsamen Kirchenmann. Doch aus Liebe zur Kirche und in bischöflicher Loyalität gehorchte Mindszenty schweren Herzens dem Papst.

1975 starb der starkmütige Kardinal in Österreich. Erst 1991, nach der „Wende“ und dem Fall des „Eisernen Vorhangs“, konnte sein Leichnam nach Esztergom an den Sitz des ungarischen Primas überführt werden.

Polski: Grób Mindszentyego. Foto:Roland von Ba...

Foto: Roland von Bagratuni (Wikipedia)

„Eine dramatische Seite der Geschichte, die von der gemeinsamen europäischen Erinnerung ignoriert oder missverstanden wird“:  Unter dieser Überschrift würdigte die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ vor wenigen Tagen die „christlichen Märtyrer des Kommunismus“  – und unter ihnen auch Mindszenty.

Es sei geradezu ein „Schulbeispiel“, wie dieser „Zeuge des Evangeliums“ nach seiner Haft unter den Kommunisten auch in der öffentlichen Meinung des Westens sozusagen inhaftiert worden sei: nämlich „verdrängt und als Mann der Vergangenheit abgeschrieben“.

Viele  – vor allem linke Kreise –   wollten von den Verbrechen des Kommunismus nichts wissen oder spielten sie herunter. Ein unbequemer Bekennerbischof wie Mindszenty „störte“ da nur…

Mindszenty war bereits 1990  –  also gleich nach der Wende  –  in Ungarn von den Behörden praktisch rehabilitiert worden, als das Urteil gegen ihn für nichtig erklärt wurde.

Der jetzt ergangene Bescheid der Obersten Staatsanwaltschaft schloß hingegen ein Verfahren zur Wiederaufnahme des Prozesses von 1949 formell ab, das noch 1989  –  einige Monate vor den ersten freien Wahlen  –  eingeleitet worden war.

Was jetzt noch aussteht, ist Mindszentys Rehabilitierung durch den Vatikan selbst – am besten und klarsten durch seine Seligsprechung, die ein glaubwürdiges Signal in die ganze Kirche und vor allem nach Ungarn ausstrahlen würde.

Am kommenden Freitag feiert Kardinal Saraiva Martins für Mindszenty eine hl. Messe  – und zwar in der römischen Kirche Santo Stefano Rotondo auf dem Celio-Hügel. Anlasßist der 37. Todestag des heldenhaften Bekennerbischofs.

Auch der bekannte deutsch-römische Jesuitenpater Prof. Peter Gumpel SJ setzt sich für eine Seligsprechung Mindszentys ein.

Im Januar 2012 hatte Ungarns Kirche bereits den 120. Geburtstag Mindszentys begangen. In einer Erklärung betonten die Bischöfe dazu, er sei „nicht nur ein politisches Symbol“; seine politische Haltung sei vielmehr seinem Glauben entsprungen:

„Als er etwa gegen den Rassismus und die Judenverfolgung seine Stimme erhob, als er  –  nach Meinung von einigen naiv, aber prophetisch  –  die Nazis zum Niederlegen der Waffen und zum Ablassen von der Zerstörung aufrief, da folgte er keiner Strategie, sondern stellte sich ungeachtet des gerade herrschenden politischen Systems auf die Seite der Wahrheit.“

Kardinal Mindszenty habe in schwerer Zeit tapfer den Menschen verteidigt, das Abbild Gottes, die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens, die ewige Wahrheit der Gebote Gottes.

Quelle für die Nachricht: Radio Vatikan