Papst Pius XII. war ein Retter der Juden

Von Hubert Hecker

Bisher wurde Papst Pius XII. moralisches Versagen vorgeworfen wegen seines angeblichen Schweigens zur nationalsozialistischen Judenverfolgung.

Inzwischen hat der Bundesbeauftragte gegen Antisemitismus, Felix Klein, die Anklage reduziert auf die Beschuldigung, der Papst habe zwar protestiert, aber „nicht vernehmlich“. Wie das? Protestierte er etwa im stillen Kämmerlein oder nuschelte er dabei?

Tatsache ist, dass der Pius-Papst in drei öffentlichen Ansprachen gegen die „Vernichtung Hundertausender wegen ihrer Rasse oder Herkunft“ deutlich hörbar protestierte. Die New York Times machte es damals für alle in der westlichen Welt lesbar, dass der Papst die „einsame aufbegehrende Stimme im Schweigen des Kontinents“ sei.

Darauf bezog sich Israels Außenministerin Golda Meir in ihrem Nachruf auf den 1958 gestorbenen Pius-Papst, der „im nationalsozialistischen Jahrzehnt bei dem Martyrium unseres Volkes … seine Stimme erhob für die Opfer“.

Meir hatte einen weiteren Grund für Dankbarkeit. Nach den November-Pogromen 1938 versuchte der damalige Staatssekretär Pacelli 200.000 Ausreisevisa für die deutschen Juden zu organisieren, indem er die Erzbischöfe potentieller Aufnahmeländer zu Eingaben bei ihren Regierungen beauftragte. Nur knapp 20.000 kamen zusammen, aber das waren effektiv mehr, als auf der internationalen Flüchtlingskonferenz von Évian im Sommer 1938.

Golda Meir als Konferenzbeobachterin hielt es für eine Schande, dass damals so viele westlichen Staaten den jüdischen Flüchtlingen in der größten Bedrängnis das rettende Asyl verweigerten.

Schließlich wird die Außenministerin Meir von den Kenntnissen Pinchas Lapides gewusst haben, der von 1951 bis 1969 Leiter des Presseamts der israelischen Regierung war. Er fasste das Ergebnis seiner Studien so zusammen:

„Der Heilige Stuhl hat mehr getan, den Juden zu helfen als jede andere Organisation des Westens, einschließlich des Roten Kreuzes. Pius XII. hat während des Krieges direkt oder indirekt das Leben von etwa 860.000 Juden gerettet.“

Statt die Berliner Pacelli-Straße umzubenennen, sollte man ein Erklärungsschild anbringen – etwa mit dem Würdigungszitat von Golda Meir und den Rechercheergebnissen von Pinchas Lapide.