Warnung an Privatoffenbarungsgläubige

Von Stefan Vucina

Erscheinungsfixiertheit ist sehr gefährlich – also eine Haltung, die Privatoffenbarungen über alles stellt und von ihnen her alles betrachtet und bewertet. Das bedeutet ein Abrücken von der katholischen Kirche, ihrer Lehre und von Christus gestifteten Ordnung.

Nach katholischer Lehre steht nämlich jede Privatoffenbarung – welchen Ursprungs auch immer – unter kirchlicher Aufsicht und Beurteilung.

Das bezeugt schon Gal 2,2, wonach Paulus, der 14 Jahre lang im Alleingang gepredigt hatte, in einer persönlichen Offenbarung von Gott aufgefordert wurde, seine Verkündigung den Aposteln, insbesondere den „Säulen“ der Urgemeinde (Petrus, Jakobus und Johannes) zur Überprüfung vorzulegen.

Daher wird der Himmel niemandem eine Botschaft zukommen lassen, die gegen die kirchliche Lehre, Ordnung oder den Papst gerichtet ist. Dennoch sind Erscheinungsgläubige bereit, solch irrige Lehren anzunehmen, da sie meinen, diese stammen von Gott.

Ein mir persönlich bekannter Katholik, der es nun leider nicht mehr ist, empfängt seit 2009 Privatoffenbarungen, wobei er vollkommen überzeugt ist, dass sie von Gott seien.

Doch diese Botschaften hatten schon in der ersten Zeit einen Haken: Sie bestätigten zwar einzelne katholische Lehren und Dogmen als richtig, ebenso den Ortsbischof als gültig geweiht und erklärten, dass in unserer Kirche Christus in der Hostie real präsent sei.

Aber damit fing es schon an: Als ob wir Katholiken Privatoffenbarungen benötigen, die uns mitteilen, dass unsere Glaubensinhalte richtig, unsere Bischöfe gültig geweiht sind usw.

Diese „Botschaften“ haben meinen Bekannten dann zu der Ansicht geführt, dass Gott nicht durch unsere Kirche lehre, sondern durch ihn und seine Sonderlehren.

Danach kam eins nach dem anderen: Einzelne katholische Dogmen wurden in den Einsprechungen plötzlich als falsch präsentiert, die Priester der Piusbruderschaft seien Verbrecher und ich ein Judenhasser, hieß es, wovon ich jedoch nicht einmal alpträumen würde.

Ähnliches geschah vor Jahrzehnten in aller Öffentlichkeit: Ein Katholik namens Clemente Dominguez y Gomez erhielt angeblich an Händen, Füßen, an der Seite und an der Stirn Stigmata und erhielt Auditionen und Erscheinungen, die sich ihm als Jesus und Maria vorstellten, und von denen er apokalyptische Prophetien mit Aufrufen zu Gebet und Buße empfing.

Gleichzeitig richteten sich seine Botschaften gegen diverse Irrlehren, den Progressismus und andere verderbliche Sitten mancher Katholiken, wodurch die Kirche zerstört worden sei. Nachdem Clemente 1976 zum Priester und schließlich zum Bischof geweiht worden war, wurde er 1978 von „Jesus“ persönlich zum „Papst“ gekrönt, der von nun an als „Papst Gregor XVII.“ die Palmarianische Kirche als Ersatz zur angeblich zerstörten römisch-katholischen Kirche regieren sollte.

Aufgrund seiner Erscheinungsfixiertheit übernahm er diese „Aufgabe“ und leitete seither die Palmarianische Kirche als Gegenorganisation zur katholischen Kirche. Heute wird die Palmarianische „Kirche“ von einem „Papst Petrus III.“ regiert.
(Weitere Hinweise zur Palmarianischen Sekte siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2020/07/17/warum-die-verheissungen-des-bussrosenkranzes-theologisch-irrefuehrend-bis-magisch-sind/)

In unseren Tagen läuft etwas Ähnliches mit dem sog. „Buch der Wahrheit“. Diese Botschaften werden von vielen Privatoffenbarungsgläubigen über die Kirche und ihre von Christus gestiftete Ordnung gestellt. In ihnen wird behauptet, Papst Franziskus sei der Antipapst, der „falsche Prophet“ der Endzeit, der dem Antichristen den Weg bahne. Damit ist auch hier ein Schisma vollzogen!

Wir sehen anhand dieser Beispiele, wie wichtig es ist, auf die Lehre unserer Kirche zu hören, jede Privatoffenbarung unter ihre Ordnung zu stellen und alle Erscheinungen und Visionen abzulehnen, die diese kirchliche Ordnung stören oder ihr sonstwie entgegenwirken.

Mit solchen Privatoffenbarungen wollen Betrüger bzw. der Satan so viele gläubige Katholiken wie möglich gegen die Kirche positionieren und sie damit zu Fall bringen. Selbst ein frommes Glaubensleben mit regelmäßiger Beichte nützt diesen Contra-Katholiken dann letztlich nichts mehr; denn sie befinden sich bereits außerhalb der Ordnung Gottes.

Deshalb müssen wir vorsichtig und wachsam sein!


Warum die Verheißungen des Bußrosenkranzes (theo)logisch irreführend bis magisch sind

Von Felizitas Küble

Seit rund fünfzig Jahren gibt es bereits die pseudokatholische Sekte der Palmarianer aus Spanien in El Palmar de Troya mit ihrem Gründer und „Seher“ Clemente Domínguez, der sich selbst zum Papst deklarierte und sich diesbezüglich auf himmlische Erscheinungen berief.

Das ganze kuriose „Werk“, das europaweit verbreitet ist und nach dem Tod Clementes von einem weiteren „Papst“ fortgesetzt wurde, beruht wesentlich auf des Gründers „Privatoffenbarungen“.

Für besonders wichtig  – ja gleichsam heilsnotwendig –  hält man dort den Pater-Pio-Rosenkranz (angeblich von P. Pio durch eine Clemente-Vision empfohlen), der auch „Bußrosenkranz“ genannt wird. Er besteht aus 50 Vaterunsern, 50 Ave Maria, 50 Ehre sei und 50 weiteren Marienanrufungen  – also ein ellenlanges Gebet, das sich weit über eine Stunde hinzieht.

Das wäre soweit nicht weiter bemerkenswert. Doch an diese Frömmigkeitsübung sind besondere „übernatürliche“ Verheißungen, ja geradezu Heilsversprechen geknüpft, die auf angebliche Marienbotschaften an Clemente zurückgehen. 

Solche vermessentlichen Zusagen sind typisch für visionäre „Extra-Rosenkränze“ und sollen wohl bewirken, daß die Gläubigen durch das mystische „Zuckerbrot“ zu diesen Andachten animiert werden.

So heißt es auf der Homepage der Palmarianer, für die „Beter des heiligen Bußrosenkranzes“ habe eine Marienerscheinung dem Gründer Clemente 16 Verheißungen verkündet: https://www.palmarianischekirche.org/der-heilige-bussrosenkranz/

Den andächtigen Betern dieses (kirchlich nicht anerkannten) Sonderrosenkranzes kündigt die angebliche Madonna u.a. folgendes an:

Unter Punkt 4: „Ich werde ihnen die Gnade gewähren, dass alle in ihrem vergangenen Leben begangenen Sünden getilgt werden.

Falschmystisches Kennzeichen: Die Verdrängung

Hier sehen wir einen zweifachen theologischen Irrtum: Erstens kann die Gottesmutter keine einzige Sünde (geschweige gar alle) „tilgen“, weil dies dem dreieinigen GOTT allein vorbehalten ist.

Zweitens wird hier die Beichte verdrängt, denn sie kann offensichtlich durch diesen Bußrosenkranz ersetzt werden. Somit wird etwas Wichtiges (das Buß-SAKRAMENT) durch etwas weniger Wichtiges (eine fromme Andachtsübung) verdrängt – ein typisches Merkmal der Falschmystik.

Weiter heißt es unter Punkt 7: „Diejenigen, die täglich diesen Rosenkranz beten, werden einen guten Tod haben und vor der Verdammnis bewahrt bleiben. Beim Verlassen dieser Welt werden sie sogleich in den Himmel eingehen.“

Der Extra-Rosenkranz macht selig…

Im Grunde bedeutet dies: Der Bußrosenkranz allein macht schon selig – sogar heilig („sogleich in den Himmel eingehen“). Ist somit die Einhaltung der Gebote Gottes und der Empfang der Sakramente entbehrlich?

In der 9. Verheißung erfahren wir: „Denjenigen, die sterben und ins Fegfeuer kommen, verspreche Ich, sie schon am nächsten Tag herauszuholen.“ 

Auch hier gilt: Maria kann nur als Fürsprecherin wirken, sie kann also den Eintritt vom Fegefeuer in den Himmel von Gott erbitten, aber keineswegs selber die Seelen „herausholen“.

Zudem wird hier der Sinn des Fegefeuers als Läuterungszustand nicht erkannt: Es geht der „armen Seele“ darum, für Gottes ewige Herrlichkeit und seine absolute Heiligkeit reif und rein zu werden, was aber nicht im Wegwischverfahren geht.

Unter Punkt 12 heißt es: „Kurz vor dem Sterben werden sie eine Vision von Meinem Göttlichen Sohn und von Mir, eurer Mutter, haben.“ 

Über den Zweck dieser „Vision“ von Jesus und Maria wird nichts gesagt. Zudem werden damit falsche bzw. verstiegene, irreführende Erwartungen geweckt.

Noch phänomenaler klingt die 13. Verheißung: „Ich werde den Familien und den Nationen, wo man täglich diesen an die Erhabene Dreifaltigkeit und an Mich, eure liebe Mutter, gerichteten Rosenkranz betet, den Frieden schenken.“

Ganze Nationen erhalten also den irdischen Frieden, den Maria zu „schenken“ ankündigt – dabei gilt auch hier: Dies ist allein die Sache Gottes, des Allmächtigen – die Madonna ist Fürsprecherin und Hilfe der Christen, tritt jedoch nie an die Stelle des Allerhöchsten.

Die letzte Zusage  – Nr. 16 – ist ebenfalls unsinnig: „Wenn ein Beter dieses Rosenkranzes die Gnade hat, an einem Samstag zu sterben, so ist damit die Rettung eines seiner Angehörigen gesichert.“

Hängt also die Rettung dieses Familienmitglieds davon ab, ob der Rosenkranzbeter am Samstag stirbt? – Das ist eine zahlenmagische Vorstellung und schlicht abergläubisch.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt