Peter Beyerhaus – „Papst der Evangelikalen“ – ist mit 90 Jahren verstorben

Von Felizitas Küble

Wie die evangelische Nachrichtenagentur IDEA berichtet, ist „einer der international bekanntesten evangelikalen Theologen aus Deutschland“ am 18. Januar 2020 verstorben: Prof. Dr. Peter  Beyerhaus aus Gomaringen.

Der Missionswissenschaftler war u.a. jahrzehntelang Präsident der „Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften“, eines theologisch konservativen Dachverbands. Er wurde nicht selten respektvoll als „Papst der Evangelikalen“ bezeichnet.

Prof. Beyerhaus plädierte für eine konservative Ökumene, die er auch als „Bekenntnis-Ökumene“ bezeichnete, denn sie verband die „bekennenden“ Gläubigen aus den christlichen Konfessionen, wobei er neben der katholischen auch die orthodoxe Kirche miteinbezog. Dies wurde auch in seiner Zeitschrift „Diakrisis“ und seinen Kongressen deutlich, ebenso in seinen vielfältigen Kontakten „über Grenzen hinweg“.

1980 empfing ihn Papst Johannes Paul II. und 2009 Papst Benedikt XVI. in Privataudienz. Vor allem Papst Benedikt fühlte er sich theologisch eng verbunden.

Der Missionswissenschaftler hat mit seiner klaren biblischen Sichtweise stets vor schwarmgeistigen Versuchungen und Verirrungen der Christenheit gewarnt. Einen seiner kritischen Artikel dazu haben wir hier im CHRISTLICHEN FORUM veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/2015/12/29/prof-peter-beyerhaus-ueber-begriff-und-wesen-der-religioesen-schwarmgeisterei/

Den evangelikalen Theologen habe ich bereits Anfang der 80er Jahren während einer Lebensrechtstagung in einem Diakonissenhaus persönlich kennen- und schätzen gelernt. Schon bald danach entstand ein dauerhafter Kontakt. Der Familienvater Beyerhaus bestellte gerne unsere KOMM-MIT-Schriften für Angehörige und Verwandte.

Es gab auch gemeinsame Projekte: So hat Prof. Beyerhaus noch im Jahre 2015 für unseren Gedenkband „Der Löwe von Fulda“ einen eigenen Beitrag geliefert. In diesem Sammelband äußern sich 33 katholische und evangelische Autoren über Erzbischof Jonannes Dyba, der auch bei evangelikalen Christen als großes Vorbild galt. Erzbischof Dyba war für ihn die „ideale Verkörperung eines geistlichen Wächters“

Wir dokumentieren hier den Beyerhaus-Artikel aus diesem Buch:

Prof. Peter Beyerhaus über Erzbischof Dyba:

Erzbischof Dr. theol. Dr. jur. can. Johannes Dyba, der am 23. Juli 2000 verstorbene Oberhirte der Diözese Fulda, stellt für viele Christen die ideale Verkörperung eines geistlichen Wächters dar, der unerschrocken Alarm schlug, wo den ihm anempfohlenen Menschen Gefahr für Seele und Leib drohte.

Besonders die Allerschutzlosesten, die ungeborenen Kinder, die angesichts der sich ausbreitenden brutalen Abtreibungspraxis sogar im Schoß ihrer Mütter keinen behüteten Ort mehr besitzen, fanden in ihm ihren kompromißlosesten Anwalt.

Unvergessen ist das Zeichen, das er zu Weihnachten des Jahres 1988 setzte, als er am Tage der Unschuldigen Kinder von Bethlehem, dem 28. Dezember, von den Türmen aller katholischen Kirchen seiner Diözese die Trauerglocken läuten ließ. Auch einige evangelische Kirchen folgten diesem Beispiel.

Fünf Jahre später war er der erste deutsche Bischof, der seine Caritas-Stationen aus dem System der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung aussteigen ließ; denn er konnte es vor Gott nicht verantworten, daß die Kirche selbst sich durch Ausstellung von Beratungsscheinen, die er provozierend, aber treffend „Tötungslizenzen“ nannte, moralisch an der Auslöschung unschuldigen Menschenlebens mitschuldig machte.

Selbst seine katholischen Mitbischöfe hielten ihn mehrheitlich für zu radikal und unnötig streitbar; aber für ihn zählte nicht die Diplomatie des öffentlich Vertretbaren, sondern allein der in der Bibel geoffenbarte Wille des heiligen Gottes.

Berühmt wurde die Begründung, die er ein Jahr vor seinem Tod in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ für sein unbeugsames Verhalten gab:

„Ich werde in mehr oder weniger kurzer Zeit vor Gott in der Ewigkeit stehen. Da werde ich doch jetzt keine Zeit mehr dazu verschwenden, faulen Kompromissen nachzujagen oder um Mehrheiten, in welchen Gremien auch immer, besorgt zu sein. Die Stunde ist da, um Gottes Botschaft  –  und dazu gehören auch seine Gebote  –  in Klarheit und Wahrheit zu verkünden.“

Ob Dyba ahnte, daß er sich tatsächlich schon so bald darauf für sein Tun und Lassen in seinem geistlichen Auftrag vor dem Richterstuhl Gottes zu verantworten haben werde? Er war schon seit geraumer Zeit physisch durch verschiedene Krankheiten angeschlagen. Hinzu traten die seelischen Anfechtungen, die ihm der Haß seiner Widersacher bereitete, welche sich durch sein schonungsloses Ansprechen der konkreten Sünden angeprangert fühlten.

Noch am Tage vor seinem Tod las er in der Wochenzeitschrift „Der Spiegel“ einen unter die Gürtellinie gehenden Schmähartikel gegen sich. Schon zuvor hatte der Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein ihn gemeinsam mit dem Papst eingereiht unter „die Kräfte, die es in einem neuen Kulturkampf zu bekämpfen gilt“.

Fröhliches Naturell und geistliche Schlagfertigkeit

Aber Johannes Dyba war weder ein fanatischer noch ein wehleidiger Mensch. Im Gegenteil besaß er von Kindesbeinen an ein unverwüstlich fröhliches Naturell und Berliner Witz. Dybas geistliche Schlagfertigkeit war frappierend. So vermochte er durch seinen Humor, sich die Herzen der ihm Anbefohlenen im Sturm zu gewinnen.

Das galt auch für seinen Auftrag als katholischer Militärbischof, der sich bei den Soldaten großer Beliebtheit erfreute und auch von Seiten der staatlichen Stellen mit Hochachtung wegen der Klarheit seiner christlichen Position behandelt wurde. Als das Bundesverfassungsgericht das beschämende „Mörder-Urteil“ über den soldatischen Beruf aussprach, stellte er sich schützend vor die Bundeswehr-Angehörigen, deren Auftrag er eindeutig als einen friedenserhaltenden und friedensstiftenden definierte.

Das Wächteramt von Erzbischof Dyba beschränkte sich nicht auf den ethischen Aspekt. Für ihn war sein kirchliches Aufsichtsamt ein unteilbares – und galt in gleicher Weise auch der Verteidigung der hierarchischen Ordnung, gegen deren Auflösungstendenzen durch das ungestüm geforderte Frauenpriestertum er mit guter biblischer Begründung entgegentrat.

Ebenso wichtig war ihm die Reinerhaltung der katholischen Lehre, die er durch ideologische Modetheologien gefährdet sah. So erkannte er z.B. schon frühzeitig in der Feministischen Theologie eine Tendenz zur Gotteslästerung.

In diesem Einstehen für die unverkürzte biblische Wahrheit ergaben sich fast ungesucht auch Verbindungen zu bekennenden Christen und Gemeinschaften auf evangelischer Seite.

So studierte und kommentierte Johannes Dyba mit sympathischem Interesse die Verlautbarungen des „Theologischen Konvents Bekennender Gemeinschaften“, z.B. die Orientierungshilfen zur Heiligkeit der Ehe (1998) und zur Heilsuniversalität Jesu Christi gegenüber den anderen Religionen („Kein anderer Name“).

Viele evangelische Christen sahen in ihm ihren eigenen Bischof

Im April 1998 empfing er in seiner bischöflichen Residenz in Fulda eine dreiköpfige Delegation des Vorstands der „Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften“, bestehend aus Prof. Horst W. Beck, Dr. Rolf Sauerzapf und Prof. Peter Beyerhaus, die ein mehrstündiges, fruchtbares Gespräch mit ihm führte.

In der Tat sahen viele evangelische Christen in ihm ihren eigenen Bischof. Das zeigte sich darin, daß – wie er uns berichtete – über die Hälfte aller sich hilfesuchend oder dankbar an ihn wendenden Zuschriften von Protestanten kamen, die sich von ihren Kirchenleitungen geistlich im Stich gelassen fühlten.

Mit den bekenntnistreuen evangelischen Christen verband den 16. Nachfolger des Germanen-Apostels Winfried Bonifatius (672 – 754 n. Chr.) auch die Besorgnis über die rapide Säkularisierung des einst christlichen Abendlandes, das Entstehen eines schamlosen Neuheidentums, weshalb die Neuevangelisierung Europas in ihm einen tatkräftigen Fürsprecher fand.

Er selbst hatte ja den längeren Abschnitt seiner kirchlichen Laufbahn im Missionsdienst verbracht: als Apostolischer Nuntius in Argentinien und in westafrikanischen Ländern.

Verkündigung der Frohen Botschaft: darin sah Johannes Dyba bei allem notwendigen Einstehen für die bedrohte christliche Wahrheit seine Hauptaufgabe, für das sein Herz warm schlug.

Es ging ihm dabei darum, bei den Menschen erneut den Blick auf Jesus Christus auszurichten und die Hoffnung auf die kommende Herrlichkeit zu wecken, eine Hoffnung, aus der er selbst seine geistlichen Kräfte schöpfte.

So sagte er in einer im Sommer 1998 in Österreich gehaltenen Predigt:

„Denn was an ihr (Maria) geschehen ist, soll nach dem Heilsplan Gottes auch an uns geschehen; Hoffnung auf den einzigen, auf den wir hoffen dürfen. Hoffnung, von der der heilige Apostel Paulus sagt: ‚Ich  halte dafür, daß all die Leiden der Gegenwart nichts sind gegenüber der Herrlichkeit, die einmal an uns offenbar werden wird. Diese Herrlichkeit, von der es dann heißt, daß kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, keines Menschen Herz sich auch nur ersinnen kann, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.‘ – Damit sind wir beim eigentlichen Schatz: der Liebe Gottes.“

Buch-Daten: Felizitas Küble (Hrsg.): Der Löwe von Fulda – 33 Autoren schreiben über Erzbischof Johannes Dyba, KOMM-MIT-Verlag, Münster, 2015, 207 Seiten, ISBN 978-3-921090-98-5, Preis 14,80 €.

Der eindrucksvolle Dyba-Gedenkband kann bei uns bestellt werden. Wir liefern portofrei und legen eine Dyba-Broschüre gratis dazu: Tel. 0251-616768

 

 


Neues „umstrittenes“ Buch von Kardinal Sarah: Aus der Tiefe des Herzens

Robert Kardinal Sarah:
Aus der Tiefe des Herzens
Priestertum, Zölibat und die Krise der katholischen Kirche

Dieses Buch von Kardinal Robert Sarah ist kirchenpolitisch hoch brisant und bedeutsam.

Derzeit ist eine heiße Debatte darüber in den Medien entbrannt, weil auch Papst Benedikt einen unterstützenden Beitrag für das Werk verfaßt hat.

Die Reform-Debatten, die in den letzten Jahren immer vehementer geführt  werden, haben den afrikanischen Kardinal  – er ist Präfekt der römischen Gottesdienstkongregation  – mehrfach dazu bewegt, sich zu Wort zu melden.

Mit diesem neuen Buch wirft Sarah seinen wohl wichtigsten Beitrag zur aktuellen Debatte in den Ring. Er verteidigt das katholische Priestertum und den Zölibat einleuchtend und mit großer Kraft, ohne Angst vor der öffentlichen Debatte.

Papst em. Benedikt XVI, der sich seit seinem Amtsverzicht im Februar 2013 mit öffentlichen Äußerungen eher zurückhält, beschloss ausnahmsweise auf Wunsch von Kardinal Sarah, einen theologischen Beitrag über das vielleicht wichtigste Thema der Kirche zu schreiben: das Priestertum.

Obwohl inzwischen 92 Jahre alt, ist der Artikel Benedikts – wie von ihm gewohnt – von hoher intellektueller, kultureller und theologischer Dichte.

Dieser Titel erscheint am 21. Februar 2020 im Fe- Verlag und kann dort bereits jetzt vorbestellt werden: https://www.fe-medien.de/epages/fe-medien.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/fe-medien/Products/00600 


Regensburg: Wortlaut der Silvester-PREDIGT von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer

Am Silvesterabend 2019 war der weihnachtlich geschmückte Dom St. Peter in Regensburg gut besucht. Das Pontifikalamt mit anschließender eucharistischer Anbetung ist ein fester Termin im Jahreskreis, den Bischof Dr. Rudolf Voderholzer gerne dazu nutzt, das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen.

In seiner Predigt fand er glaubensfrohe, aber auch mahnende Worte.

Der Regensburger Oberhirte blickte auf bewegende Momente des vergangenen Jahres zurück, beispielsweise auf den Brand der Kathedrale Notre Dame de Paris oder auf das 150-jährige Jubiläum der Fertigstellung der Regensburger Domtürme.

Zugleich sprach der Bischof aktuelle Probleme der Kirche an und äußerte sich zum „Synodalen Weg“ in Deutschland.

Hier seine Predigt im vollen Wortlaut (lediglich die Zwischentitel stammen von unserer Redaktion):

Liebe Mitbrüder im Bischofs-, Priester- und Diakonenamt,
ehrwürdige Schwestern,
l
iebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Wenn ich in diesen letzten Stunden des zu Ende gehenden Jahres innehalte, zurückschaue und das kirchliche Leben in Regensburg Revue passieren lasse, dann kommt mir zuerst der Blick auf die beiden Türme des Regensburger Doms in den Sinn, deren Vollendung im Jahr 1869, also vor 150 Jahren, heuer in mehreren Stationen gefeiert wurde.

War der Gedanke anfangs vielen eher fremd oder zumindest überraschend, so rückte der Brand des Dachstuhls der älteren Schwester unseres Domes, der Kathedrale Notre Dame de Paris in der Karwoche, der in ganz Frankreich geradezu Trauer und Tränen, und weltweit Bestürzung ausgelöst hatte, die überragende kulturelle und religiöse Bedeutung dieser Kirchenbauten ins öffentliche Bewusstsein, freilich auch deren Gefährdung und Vergänglichkeit.

Mit einem Festgottesdienst, einem Symphoniekonzert mit Gustav Mahlers Auferstehungssymphonie, mit einem Fotowettbewerb und zwei begleitenden Ausstellungen haben wir das Jubiläumsjahr begangen.

Unbestrittener Höhepunkt und zugleich Abschluss war dann aber die beeindruckende Lichtinstallation Ende September, als eine Woche lang allabendlich die Westfassade des Domes in einer faszinierenden Folge von Bildern in die unterschiedlichsten Lichtgewänder gehüllt wurde.

Die durch die Social Media unterstützte Flüsterpropaganda verbreitete offenbar in Windeseile die Nachricht, dass dieses Ereignis außerordentlich sehenswert sei, so dass Domplatz und ganz Regensburg zuletzt an die Grenzen ihres Fassungsvermögens geführt wurden.

Ich bin den Organisatoren dieser Lichtinstallation außerordentlich dankbar, haben sie doch dazu beigetragen, die Kathedrale von Regensburg nicht nur als Wahrzeichen der Stadt neu wahr zu nehmen, sondern auch die Bischofskirche als Sympathieträger und Identifikationsort bewusst zu machen.

Das ist nicht mehr selbstverständlich. Der christliche Glaube ist zwar geschichtlich die prägende Kraft der Kultur unseres Landes. Ihm verdanken wir nicht nur die Architektur der Gotik, aber natürlich noch viel mehr als nur diese Epoche.

Prägende Kraft des christlichen Glaubens nimmt ab

Im Grunde ist unsere Heimat, die Festkultur, der Kalender, unser Zeitempfinden, das grundsätzliche moralische Koordinatensystem usw. zutiefst christlich geprägt, auch wenn dies vielen nicht mehr bewusst ist. Diese prägende Kraft des christlichen Glaubens ist im Schwinden begriffen.

Papst Franziskus hat es im Brief an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland vom Juni 2019 ungeschminkt formuliert und jüngst in seiner Ansprache an die Kurienmitarbeiter bekräftigt.

„Das Christentum – so der Papst im Blick auf Europa und andere ehemals christlich geprägte Gesellschaften – ist keine dominante Größe mehr, denn der Glaube – vor allem in Europa, aber auch im Großteil des Westens – stellt keine selbstverständliche Voraussetzung des allgemeinen Lebens mehr dar, sondern wird oft sogar geleugnet, belächelt, an den Rand gedrängt und lächerlich gemacht.“

Über diesen Sachverhalt können auch die Begeisterung über die Lichtinstallation in Regensburg oder die Trauer über Notre Dame de Paris nicht hinwegtäuschen, wenngleich sich darin vielleicht doch eine Ahnung oder eine tiefe Sehnsucht nach dem ausgedrückt hat, wofür die Kathedrale steht, was vielen aber im allgemeinen säkularisierten Mainstream nicht mehr erschwinglich scheint:

die Transzendenzbezogenheit des Menschen,
die Wirklichkeit Gottes als die bestimmende Größe meines Lebens
die Ausrichtung meines Handelns an den Weisungen, die mir aus dem Glauben zuwachsen,
und die Gnade, mit deren Hilfe ich ein gottgefälliges Leben führen kann.

Gerade die Perspektive über den Horizont der Geschichte hinaus, die Verantwortung gegenüber dem ewigen Gott, erscheint abgeschnitten. Die innerweltliche Perspektive, die ökologische Frage, der Protest gegen einen tatsächlich oder nur vermeintlich menschengenerierten Klimawandel wird zum einzigen Lebensbereich, in dem man noch moralisch sein darf, ja in dem die junge Generation geradezu hemmungslos moralisch ist.

Konzentriert sich das Bedürfnis nach Moral auf die Ökologie?

Man hat manchmal den Eindruck, die geballte Wucht des menschlichen Bedürfnisses nach Moral konzentriere sich allein auf die Ökologie.

Gleichzeitig bleiben andere ebenso klaffende Wunden unerwähnt, ungesehen und unbehandelt; Wunden, die freilich erst im Licht des Glaubens und geschwisterlicher Solidarität mit den Leidenden ins Blickfeld geraten.

Am erschütterndsten ist hier wohl die Tatsache einer weltweit zunehmenden und erschreckende Ausmaße annehmenden Verfolgung von Christen. Der Salzburger Weihbischof Hofer hat es jüngst so formuliert: „Noch nie war Christsein so gefährlich wie heute“.

Die Berichte über die Christenverfolgungen weltweit, besonders, aber nicht nur, im Kontext eines radikalen Islams, sprechen eine eindeutige Sprache. Weitgehend unerwähnt und unbeachtet bleiben auch – mit Ausnahme des alljährlichen „Marsches für das Leben“ in Berlin – die Themen „Lebensschutz“ und die „Sorge für das ungeborene Leben“ und die „pränatale Selektion vermeintlich unwerten Lebens“.

Es geht auch um eine Ökologie des Menschen

Dabei muss man die unterschiedlichen Sorgen gar nicht gegeneinander ausspielen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Sorge um das gemeinsame Haus auch den Menschen miteinbezieht im Sinne einer „Ökologie des Menschen“, wie Papst Benedikt sie in seiner Bundestagsrede 2011 angemahnt hat.

Zu den Zeichen der Zeit gehört aber wohl diese zunehmende Selbstverschließung in der Immanenz, das Nicht-mehr-Rechnen mit der alles bestimmenden Wirklichkeit Gottes und einer von außen her kommenden Offenbarung.

Kirche wird dabei allenfalls noch als Verfechterin eines alle Religionen irgendwie vereinenden „Welt-Ethos“ geduldet, das sie als Nicht-Regierungsorganisation mit frommem Anstrich in die Debatten einbringen darf. Ganz problematisch wird es, wo diese Sicht von Kirche zu ihrer Selbstdefinition wird.

Synodaler Weg: Anpassung an den Mainstream?

Vor diesem Hintergrund bekommt der so genannte Synodale Weg, den die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken im abgelaufenen Jahr beschlossen haben und der im Blick auf das kommende Jahr unsere ganze Aufmerksamkeit beanspruchen wird, seine ganze Brisanz.

Von gewissen Pressure-Groups wird, mit kräftiger Unterstützung der führenden Medien in unserem Land, die Anpassung der katholischen Kirche und ihrer sakramentalen Struktur an die Plausibilitäten eines vermeintlich aufgeklärten Mainstreams gefordert.

Im Wesentlichen steht – auch innerkirchlich – die sakramentale Struktur der Kirche im Feuer. Und für diese sakramentale Struktur steht wie keine andere Wirklichkeit der Dienst und das Wesen des Priesteramtes.

Hebel für eine von manchen offen als „Neuerfindung der Kirche“ titulierte Reform ist dabei der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Kleriker der Katholischen Kirche.

Wenn die Empörung über den Missbrauch missbraucht wird

Die Empörung über den Missbrauch ist das Feuer, auf dem die Suppe des Synodalen Weges gekocht werden soll. Deswegen muss dieses Feuer am Lodern gehalten werden.

Es darf durch nichts verkleinert werden, auch nicht durch den wissenschaftlich belegten Hinweis, dass Ehelosigkeit um des Himmelreiches von sich aus mit sexuellem Missbrauch nichts zu tun hat und dass die allermeisten Fälle dieses Verbrechens im familiären Umfeld geschehen durch Menschen, die nicht den Zölibat versprochen haben. Auch nicht durch den Hinweis auf erfolgreiche Prävention und andere Maßnahmen.

Aber der Eindruck wird fast gewaltsam aufrechterhalten, als sei der sexuelle Missbrauch vor allem ein Phänomen der katholischen Kirche. Dabei kann jeder, der auch die leisen Töne in den Medien wahrnimmt und sammelt, eines anderen belehrt werden:

Ich erinnere an die Enthüllungen von Lügde oder jetzt ganz aktuell in NRW mit erschreckenden Dimensionen. Ich erinnere an hin und wieder auftauchende, aber ganz schnell wieder verschwindende Berichte über das Problem im Sport, in der Filmbranche usw.

Trotzdem halten interessierte Kreise, auch innerkirchlich, den Anschein aufrecht, als sei dieses schreckliche Phänomen vor allem eines der katholischen Kirche und ihrer sakramentalen Struktur.

Abgesehen davon, dass jedes dieser Vergehen nicht nur ein strafbewährtes Tun war und ist, sondern auch im Widerspruch zur katholischen Sexualmoral steht, ist die katholische Kirche noch immer die erste Institution, die sich in diesem Umfang und in dieser Schonungslosigkeit dem Thema in ihren eigenen Reihen gestellt hat.

Ich habe erhebliche Zweifel, dass auf der Basis einer solchen Unaufrichtigkeit die Beratungen des Synodalen Weges wirklich einen geistlichen Gewinn bringen können, zumal öffentlich auch schon die Erwartungen hochgeschraubt werden, an deren Erfüllung sich dann Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens bestimmen.

Was der Papst mir erläutert hat

Papst Franziskus hat mir im persönlichen Gespräch dringend ans Herz gelegt: Der Synodale Weg ist kein soziologischer Prozess, kein politischer Prozess, kein Ringen von Parteien. Es geht nicht um Tarifverhandlungen, wo man sich zwischen dem Angebot von Arbeitgebern und Forderungen der Arbeitnehmer irgendwo in der Mitte treffen wird.

Es geht nicht um Koalitionsverhandlungen, wo jede Seite Abstriche machen muss, damit am Schluss ein tragfähiger Kompromiss herauskommt, jede Seite vor ihren Anhängern das Gesicht wahrt und dann eine Legislaturperiode recht und schlecht zusammengearbeitet werden kann.

Es geht um zentrale Fragen des Glaubens, um die diachrone Einheit mit der Kirche aller Jahrhunderte und die synchrone Einheit mit der Weltkirche. Es geht um die Treue zum Evangelium.

Zentral geht es um die Frage, ob die Kirche als Stiftung Jesu Christi teilhat an seiner göttlichen Sendung. Ob sie als Sakrament der Einheit Gottes mit den Menschen und der Menschen untereinander die Gnade Gottes vermittelt in den Sakramenten, als Gabe und Geschenk, die die Welt sich nicht selber besorgen, sondern nur je neu von oben sich schenken lassen kann.

Wo diese Frage im Glauben bejaht wird, kann die sakramentale Struktur der Kirche nicht in eine Quasi-Demokratie, und das Weihepriestertum nicht in ein Delegationsamt der Gemeinde umdefiniert werden.

Sakramentale Struktur der Kirche ist unantastbar

Wir werden die Kirche mit ihrer sakramentalen Struktur nicht irgendwelchen Kompromissen opfern.

Der Heilige Geist möge allen Mitgliedern des Synodalen Weges beistehen, dass wir nicht den Glauben und die Kirche verändern, sondern Wege finden, wie wir uns ändern können, bessere Christen werden können, die den Glauben glaubwürdiger verkünden. Dass wir Mittel und Wege finden für eine dringend notwendige Neuevangelisierung.

Es ist mir am Abend des zu Ende gehenden Jahres und Jahrzehnts ein Anliegen, gerade auch den Priestern und Ordensleuten zu danken für Ihren hingebungsvollen Dienst, für Ihren Einsatz zur Weitergabe des Evangeliums und ihr Lebenszeugnis in der Nachfolge Jesu; sie vor allem auch in Schutz zu nehmen vor einem Generalverdacht, der sie zu den „Prügelknaben“ der Kirche macht.

Das schuldhafte Versagen derer, die sich über ihre Weiheversprechen und ihr Gelübde hinweggesetzt und die Weisungen der katholischen Morallehre missachtet haben, darf die Verdienste der überwältigenden Mehrheit der Priester und Ordensleute nicht in Vergessenheit geraten lassen.

Ausdrücklich möchte ich dabei auch die Priester wie auch die Ordensmänner und Ordensfrauen aus der Weltkirche mit einbeziehen, die uns oftmals nun zurückgeben, was von Missionarinnen und Missionaren aus Europa in früheren Zeiten in den jungen Kirchen ausgesät wurde. Gerade auch unsere Schwestern und Brüder aus Indien und aus Afrika und anderen Ländern halten uns die Katholizität der Kirche und ihre kulturelle Vielfalt lebendig vor Augen.

Seit 150 Jahren ragen die beiden Türme des Regensburger Domes wie steinerne Zeigefinger in den Himmel, mahnend, tröstend, Mitte gewährend, die Heimat segnend.

Ihre Botschaft korrespondiert letztlich mit der des Weihnachtsevangeliums: Der ewige Gott ist hereingekommen in unsere Zeit und Geschichte, hat Fleisch angenommen und unser Menschenschicksal geteilt, um uns schließlich herauszuführen aus der Verkrümmung in Schuld und Sünde, uns aufzurichten und uns hinaufzuführen zur Gemeinschaft mit dem Vater im Himmel.

Im Glauben an seine bleibende Gegenwart werden wir diese Feier denn auch beschließen mit dem eucharistischen Segen, vor dem wir anbetend das Knie beugen, und im „Te Deum“ mit dem Lobpreis des dreifaltigen Gottes, dem die Ehre sei, heute und in Ewigkeit, Amen.

Wir danken dem Bischof von Regensburg herzlich für seine freundliche Abdruckerlaubnis.

Portal des Bistums: https://www.bistum-regensburg.de/

FOTOs: Pressestelle Bistum Regensburg, Dr. Bernd F. Pelz, Evita Gründler, Archiv


Papst Benedikt errichtet „Tagespost“-Stiftung für katholische Medienarbeit

Im Herbst dieses Jahres hat Papst em. Benedikt XVI. „Die Tagespost Stiftung für katholische Publizistik“ errichtet.

Vor wenigen Tagen gab Oliver Maksan, Chefredakteur und Geschäftsführer der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ (DT) bekannt, dass sie ab sofort die katholische Medienarbeit durch kurzfristige Projektfinanzierungen und strategische Investitionen fördert und ausbaut.

Bislang fehlte im deutschen Sprachraum eine unabhängige Institution, die gezielt in die Ausbildung katholischer Nachwuchsjournalisten investiert, bioethisch relevante Rechercheprojekte finanziert und katholischen Medien zu mehr Reichweite und Gehör verhilft.

Diese Aufgaben hat der emeritierte Papst Benedikt XVI. nun der „Tagespost Stiftung für katholische Publizistik“ übertragen. „Ich wünsche mir, dass die katholische Stimme gehört wird“, begründet Papst em. Benedikt XVI. seine Initiative zur Stiftungsgründung.

Für das kommende Jahr will die Stiftung dazu rund 450.000 Euro für Medien- und Bildungsprojekte einsammeln und bereitstellen. Mit diesen Mitteln ermöglicht sie beispielsweise Volontären ein medienübergreifendes, internationales Volontariat auf der Höhe der Zeit, Digitalprojekte an der Schnittstelle von Suchmaschinenoptimierung und Neuevangelisierung sowie Hintergrundberichte und Recherchen zu Lebensschutz und Bioethik.

Hintergrund

Am 2.10.2019 rief Papst em. Benedikt XVI. „Die Tagespost Stiftung für katholische Publizistik“ ins Leben. Seit dem 10.10.2019 ist die Treuhandstiftung mit Bescheid des Finanzamts Bonn-Außenstadt als gemeinnützig anerkannt.

„Die Tagespost Stiftung für katholische Publizistik“ wird in der Öffentlichkeit von Dr. Norbert Neuhaus und Bernhard Müller als Vorstand repräsentiert. Christoph Konopka ist der Treuhänder.

Weitere Infos: www.die-tagespost.de/stiftung
Kontakt für Medienanfragen: Chefredakteur Oliver Maksan, Tel: 0931 / 30863-0  / Mail: info@die-tagespost.de
Die Tagespost, Berner Straße 2 in 97084 Würzburg www.die-tagespost.de
www.facebook.com/DieTagespost


Regensburg: ADVENTs-Predigt von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am 30.11.2019

PREDIGT zur Adventsvesper mit Investitur von Professor Dr. Josef Kreiml als Domkapitular im Dom zu Regensburg am 30. November 2019

Liebe Mitbrüder im Bischofs-, Priester- und Diakonenamt,
vor allem liebe Mitglieder des Domkapitels und der anderen Regensburger Stiftskapitel,
besonders lieber neu installierter Domkapitular Josef Kreiml,
liebe Angehörige unseres neuen Domkapitulars, vor allem liebe Frau Kreiml, die Mutter,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bischöflichen Ordinariats, besonders des Institutum Marianum,
liebe ehrwürdige Schwestern,
liebe Schwestern und Brüder im HERRN!

Mit dieser Vesper eröffnen wir nicht nur den ersten Adventssonntag, sondern die Adventszeit als die Vorbereitungszeit auf Weihnachten, mit dieser Vesper eröffnen wir den ganzen Weihnachtsfestkreis und wir eröffnen das neue Kirchenjahr.

Wir tun damit wiederum den ersten Schritt auf dem Weg, den wir mit Christus unserem HERRN gehen, indem wir in der Feier seiner Geburt, seines Lebens und Wirkens, seines Todes und seiner Auferstehung sowie der pfingstlichen Geistsendung seine Gegenwart unter uns erfahren und in der Freundschaft mit ihm wachsen.

Das neue Kirchenjahr ist ein neuer Schritt des HERRN auf uns zu, der uns als der gekreuzigt-auferstandene Herr aus Gottes Ewigkeit immer wieder neu entgegenkommt und uns den Weg des Lebens weist.

In der Sonntagsliturgie wird in diesem Kirchenjahr wieder schwerpunktmäßig und fortlaufend aus dem Matthäus-Evangelium gelesen, dem ersten der vier Evangelien.

Wir werden hineingenommen in den großen Verkündigungsbogen, „den das Matthäus-Evangelium von der Verkündigungsgeschichte bis zur Sendungsrede des Auferstandenen spannt. In der Verkündigungsgeschichte wird Jesus angekündigt als der Immanuel, der ‚Gott mit uns‘ (1,23).

In den Weisen aus dem Morgenland, die dem Stern nach Betlehem folgen, versammeln sich schon die Vertreter der Völkerwelt anbetend an der Krippe.

„Und das letzte Wort des Evangeliums nimmt die Botschaft von der Ankündigung der Geburt des Immanuel auf: „Geht hinaus in die ganze Welt, macht alle Menschen zu meinen Jüngern. … Siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (28,19), (vgl. Joseph Ratzinger).

In der Kirche in Deutschland kommt nun noch hinzu, dass wir mit diesem ersten Adventssonntag auch den so genannten Synodalen Weg beginnen.

In einem zweijährigen Gesprächsprozess zwischen den Bischöfen und ausgewählten Vertretern der Weltchristen sollen die Ursachen der Situation der Kirche in unserem Land bedacht und Lösungswege beraten werden.

Die Situation, in der wir uns befinden, hat Papst Franziskus in seinem Schreiben vom 29. Juni 2019, präzise beschrieben:

„Heute […] stelle ich gemeinsam mit euch schmerzlich die zunehmende Erosion und den Verfall des Glaubens fest mit all dem, was dies nicht nur auf geistlicher, sondern auch auf sozialer und kultureller Ebene einschließt.

Diese Situation lässt sich sichtbar feststellen, wie dies bereits Benedikt XVI. aufgezeigt hat, nicht nur «im Osten, wie wir wissen, wo ein Großteil der Bevölkerung nicht getauft ist und keinerlei Kontakt zur Kirche hat und oft Christus überhaupt nicht kennt» [mit Verweis auf Benedikt XVI.], sondern sogar in sogenannten «traditionell katholischen Gebieten mit einem drastischen Rückgang der Besucher der Sonntagsmesse sowie beim Empfang der Sakramente». Es ist dies ein sicherlich facettenreicher und weder bald noch leicht zu lösender Rückgang.“ (Papst Franziskus, Brief an das pilgernde Volk Gottes).

Dieses Schreiben steht übrigens kirchengeschichtlich geradezu einzigartig da, und es wurde von Nuntius Eterovič sogar mit der Enzyklika Pius‘ XI. „Mit brennender Sorge“ von 1937 verglichen.

Als Wegweisung legt uns der Heilige Vater darin ans Herz gelegt, dass die Evangelisierung, die Neuevangelisierung das Leitkriterium schlechthin sein müsse all unserer Beratungen. Ich selber wurde Ende August von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen, und er hat auch mir noch einmal mit eindringlichen Worten gesagt: „Das Wesen der Kirche ist Evangelisierung.“ 

Der Synodale Weg müsse ein geistlicher Prozess sein, ein gemeinsames Hören auf das Evangelium. Auf keinen Fall dürften wir den synodalen Weg mit einem politischen oder soziologischen Prozess verwechseln, und schon gar nicht dürften wir uns von einer Medienöffentlichkeit treiben lassen, die vom Wesen der Kirche zumeist gar nichts versteht.

Deswegen war ich sehr betrübt, dass es nicht gelungen ist, bei der Formulierung des Statutes des Synodalen Weges dieses Hauptanliegen des Heiligen Vaters in Form eines eigenen Forums „Neuevangelisierung“ zu berücksichtigen.

Umso froher bin ich nun, dass ich mit Prof. Dr. Josef Kreiml den besten Ansprechpartner in der Diözese Regensburg für den Synodalen Weg gewinnen konnte, den ich mir vorstellen kann.

Mit einem ausgewiesenen und erfahrenen Theologen möchte ich das Signal geben, dass wir uns von Regensburg her mit voller Kraft in den Synodalen Weg einbringen wollen, aber auch auf das theologische Argument, Rücksicht auf die Einheit der Kirche, den Sensus ecclesiae Wert legen.

Und wenn Prof. Kreiml ins Domkapitel aufgenommen wird, dann kommt das Signal dazu, dass ich Kirche, mit der ganzen Tradition, nicht als einen Konzern oder eine Partei verstehe, sondern als Gebetsgemeinschaft, deren Hauptverantwortliche keine Manager, sondern Priester sind, die vom täglichen gemeinsamen Gebet und der Feier der Eucharistie leben.

Prof. Kreiml ist darüber hinaus ein hervorragender Kenner der Theologie von Joseph Ratzinger, unserem emeritierten Papst Benedikt. Das wird uns sehr zugute kommen. Denn wir dürfen uns nichts vormachen. Von bestimmten Kreisen wird gegenwärtig gezielt versucht, Papst Benedikt und seine Theologie zu diskreditieren.

Der als „Dokumentation“ getarnte Film „Verteidiger des Glaubens“ versucht, Papst Benedikt für den Missbrauch in der Kirche verantwortlich zu machen.

Die Strategie ist durchsichtig: „Mit der Diskreditierung Benedikts XVI. soll im Vorfeld der deutschen Synode in Frankfurt [des synodalen Weges] jede Berufung auf sein Verständnis des katholischen Glaubens, ja auf die Glaubensüberlieferung insgesamt verunmöglicht werden.“ (Michael Karger, in der „Tagespost“ vom 21. 11. 2019)

Der Regisseur Christoph Röhl hat ja selbst in Erläuterung seines Filmes gesagt, es sei ihm um Personalisierung eines vermeintlichen Systems gegangen, das angeblich den Missbrauch hervorgebracht hat und das jetzt zur Ablösung ansteht.

Ein sehr bezeichnendes Licht auf die Ziele und Absichten des Regisseurs wirft ein Interview mit dem Jesuitenpater Hans Zollner, Professor an der Universität Gregoriana in Rom und Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission; vielleicht der beste Kenner der ganzen Sache.

Er hat jüngst in der MZ in Regensburg folgendes gesagt:

„Ich wurde drei Stunden lang von dem Regisseur dieser Dokumentation ‚Verteidiger des Glaubens‘ interviewt, davon kam aber keine einzige Sekunde in dem Film vor.“

Wer also etwas Positives über Joseph Ratzinger, den späteren Papst Benedikt, zu sagen hatte, wurde zensiert; was nicht ins Konzept passte, wurde nicht aufgenommen.

Denn  – und ich fahre fort mit den Interview-Aussagen von Pater Zollner:

„Für mich war Papst Benedikt derjenige, der noch als Präfekt der Glaubenskongregation die Frage des Missbrauchs und die Verurteilung von Tätern überhaupt als erster konsequent angegangen ist.

Er hatte Papst Johannes Paul II. davon überzeugt, die Aufklärung dieser Fälle an der Glaubenskongregation und nicht in den Ortskirchen anzusiedeln. Sehr zum Ärger vieler damaliger Bischöfe und Kardinäle hat der von Joseph Ratzinger eingesetzte ‚Oberstaatsanwalt‘ mit eiserner Hand diese Fälle behandelt.

Dann hat Ratzinger für die Einführung einer kirchenrechtlichen Grundlage gesorgt, aufgrund derer Priester entlassen werden können. Dann hat er 2010 als Papst die Verjährungsfrist verlängert.

Ich sehe nicht, dass Benedikt dieses Thema vernachlässigt hätte. 2012 hat er den ersten großen Kongress unterstützt, der wir an der Gregoriana durchgeführt haben. Das, was derzeit in manchen Filmen gesagt wird, ist sehr einseitig.“ (MZ vom 21. 11. 2019)

Und, liebe Schwestern und Brüder im HERRN, von bestimmten Seiten wird im Hinblick auf den Synodalen Weg behauptet, es gebe beispielsweise kein theologisches Argument für die exklusive Zuordnung des Weiheamtes an das männliche Geschlecht.

So kann nur reden, wer sich von der bislang in der Kirche geltenden Erkenntnislehre und Glaubensbegründung verabschiedet hat. Denn im Blick auf den möglichen Empfänger des Weihesakramentes gibt es eine höchstlehramtliche Entscheidung mit „Ordinatio sacerdotalis“ von 1994.

Und zur Berufung auf die Praxis Jesu und die Tradition (übrigens auch der gesamten Ostkirchen) kommt der Hinweis auf die sakramentale Struktur der Kirche, deren Ämter eben nicht austauschbare Funktionen sind, sondern Darstellung, Repräsentation Christi als des Hauptes seiner Kirche im bräutlichen Gegenüber zur Kirche. Als Leiter des Institutum Marianum in Regensburg wird Prof. Kreiml auch die marianische Dimension der Kirche in die Debatten einbringen.

Die Behauptungen, es gebe keine theologische Begründung für die Lehre und Praxis der Kirche, sind falsch und irreführend, und apokalyptische Anwandlungen, als sei jetzt „die letzte Chance“ für die Kirche gegeben, sich (in einem bestimmten Sinne!) zu „reformieren“, sind nicht hilfreich und grenzen fast an versuchte Nötigung. Wir werden uns davon nicht einschüchtern lassen!

Ist denn die Frage wirklich so unberechtigt, die Frage die lautet:

Warum befinden sich denn die kirchlichen Gemeinschaften, in denen alle Empfehlungen, die uns von bestimmter Seite als Lösungen vorgeschlagen werden, verwirklicht sind, in derselben Situation, ja oft noch viel dramatischer??

Jeder kann wissen, dass in der EKD „ergebnisoffen“ darüber diskutiert wird, ob man den Sonntagsgottesdienst nicht ganz abschaffen soll. Es wäre doch für mich als Bischof vollkommen unverantwortlich, ein Experiment zu wiederholen, dessen Ausgang ich allenthalben beobachten kann.

Liebe Schwestern und Brüder im HERRN!

Was die Kirche braucht im Hinblick auf die stets nötige Erneuerung, das können wir jetzt schon ins Auge fassen und tun. Da brauchen wir nicht den Ausgang des Synodalen Weges abwarten. Nützen wir die bevorstehende Adventszeit zur geistlichen Erneuerung. Evangelisierung beginnt immer bei der Selbstevangelisierung:

Intensivierung und Verinnerlichung des persönlichen Gebetes und der täglichen Schriftbetrachtung! – Beantworten wir den Umkehr-Ruf Jesu mit der persönlichen und ehrlichen Gewissenserforschung und dem Empfang des Sakramentes der Versöhnung.

Und erfüllen wir die vielen Formen, die uns aus der geistlichen Erfahrung der Kirche zuwachsen, mit Leben.

Das gemeinsame Singen und Beten in den Familien!

Ich rufe dazu auf, den auch für dieses Jahr wieder vorbereiteten Hausgottesdienst zum Advent am kommenden Montag-Abend zu beten; und darüber hinaus das „Gotteslob“ auszuschöpfen mit seinen Liedern und Anregungen zum Gebet. Wo die Hauskirche lebt, da leben auch die Pfarrkirche und die Bischofskirche.

Ich weiß, dass vielerorts die Rorate-Ämter gefeiert werden; dass  das „Frauentragen“ die Menschen zusammenführt zu Schriftlesung und Gebet. Dass das Nikolaus-Brauchtum gepflegt und den Kindern der Unterschied zwischen dem heiligen Bischof und der Kommerzfigur des Weihnachtsmannes, der Unterschied zwischen Mitra und Zipfelmütze (oder Schlafmütze) nahebracht wird. Und so vieles mehr!

Liebe Schwestern und Brüder, wir haben doch solche Schätze!

Wuchern wir mit ihnen, und lassen wir den Ruf des Apostels zur Heiligung nicht unbeantwortet, der uns in dieser Feier zugerufen hat: „Der Gott des Friedens, heilige euch ganz und gar und bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt, damit ihr ohne Tadel seid bei der Ankunft [beim Advent] unseres Herrn Jesus Christus.“ – Amen.

Unsere Redaktion dankt dem katholischen Oberhirten des Bistums Regensburg für seine freundliche Abdruckerlaubnis.

Weitere FOTOS und Infos hier: https://www.bistum-regensburg.de/news/synodaler-weg-muss-gemeinsames-hoeren-auf-das-evangelium-sein-bischof-rudolf-voderholzer-eroeffnet-die-adventszeit-7139/


Der neue Kinofilm über Papst Benedikt erweist sich als vertane Chance

Von Dr. David Berger

Kürzlich hatte ein neuer Film über Papst Benedikt XVI, der unter dem Titel „Verteidiger des Glaubens“ Ende des Monats in die Kinos kommt, in Berlin seine Kimopremiere.  Leider schreibt er nur die üblichen Stereotype fort, reduziert das Pontifikat weitgehend auf den Missbrauchsskandal und erweist sich am Ende als einzige vertane Chance.

Als Ehrengast mit geladen war auch der Präsident des umstrittenen Zentralkomitees der Katholiken, Sternberg, der in der anschließenden Diskussion in seiner Begeisterung für den Film überhaupt nicht zu bremsen war.

Der Film ist zwar frei von heftigen Provokationen, scheint wie gemacht für das Ü-60-Publikum des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der den Film finanziell gefördert hat. Erregungsgefahr geht von ihm weder in die eine noch in die andere Richtung aus.

Er gibt im Grund genommen nur – freilich mit teilweise sehr interessanten Archivbildern – wieder, was in den deutschen Mainstreammedien seit 2010 über Benedikt XVI. zu lesen war. Und so verwundert es auch nicht, dass hier wie dort fast ausschließlich Menschen zu Wort kommen, die Ratzinger bzw. Papst Benedikt und die Kirche, für die er steht, weich bis hart kritisieren.

Ein Ausnahme macht hier ein Interview mit Msgr. Gänswein, der in dem Film immer mal wieder mit einem klugen Statement auftaucht.

Auch dass der Blick auf das ganze Pontifikat vom Missbrauchsskandal geprägt ist, dürfte für die Leser von taz und „Zeit“ kaum verwunderlich sein.

Oder um die Botschaft des Filmes kurz zusammenfassen: Papst Benedikt steht für die vor-konziliare Kirche der Ordnung, die aber zugleich unmenschlich war und nur mit der Angst vor der Hölle arbeitete. Anfangs sei er ganz vernünftig gewesen, bis er aus lauter Schock über die Studentenunruhen in den 68-er Jahren eine komplette Kehrtwende gemacht habe und zum erzkonservativen Inquisitor und dann später zum tragischen Papst geworden sei.

Wenn es eine Sache gibt, die man dem Film nicht vorwerfen kann, dann ist es übergroße Differenziertheit und das Wahrnehmen von Grautönen.

Denn diese vor-konziliare Konzeption von Kirche mit ihrem Bild des Priesters sei die Hauptschuldige für das Verbrechen des Missbrauchs von schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen.

Am Ende entsteht das Bild eines Papstes, der wider Willen enorme Schuld am Missbrauch tausender Kinde rund Jugendlicher in der katholischen Kirche hat.

Wie falsch das angesichts der rabiaten und enorm mutigen Maßnahmen Papst Benedikts XVI. gegen Pater Marcial Maciel (Legionäre Christi) ist, zu denen sich sein Vorgänger nicht durchringen konnte, wurde nirgends deutlich.

Insgesamt hatte man den Eindruck, dass hier Insiderwissen, besonders theologisch fundiertes, praktisch nicht vorhanden ist.

So entstand am Ende der Eindruck einer großen verpassten Chance: Finanzielle Mittel, tolle Archivmaterialen, ein spannendes Thema, zu dem wir bislang nur mit von Vorurteilen gegen die Tradition der Catholica gesättigten Berichten gefüttert wurden. Daraus hätte ein epochaler Film entstehen können.

Stattdessen: eine Neuauflage all dessen, was wir ohnehin schon wissen, aufgehübscht mit schönen Bildern und eingängigen Melodien, die aber auch mit der Person Benedikts (dem „Mozart unter den Theologen“) nichts zu tun haben. Schade!

Den vollständigen Beitrag von Dr. Berger lesen sie hier auf seiner PP-Seite: https://philosophia-perennis.com/2019/10/16/vertane-chance-zur-kinopremiere-des-neuen-films-ueber-papst-benedikt-xvi/


Kardinal Newman und die Marienverehrung

Von Felizitas Küble

Am Sonntag, dem 13. Oktober, wird Kardinal John Henry Newman im Vatikan zur Ehre der Altäre erhoben. Auch Prinz Charles  – seine Mutter ist formal das Oberhaupt der Anglikaner, der britischen „Staatskirche“  –  wird an der Heiligsprechung teilnehmen.

Am 19. September 2010 wurde Newmann von Benedikt XVI.  – der ihn schon vor seiner Papstzeit als Theologe sehr geschätzt hat  – seliggesprochen.

Der künftige Heilige  – geboren am 21. Februar 1801 in London  – ist einst als Schriftsteller und anglikanischer Pfarrer in die katholische Kirche übergetreten, was in den gebildeten Kreisen Englands für großes Aufsehen sorgte – und dies umso mehr, als Newman sich zuvor sehr kritisch über Lehren und Frömmigkeitsformen der Katholiken äußerte, die sich in seinem Land ohnehin in einer benachteiligten Minderheitenposition befanden.

Newman neigte zunächst zu einer biblizistisch-evangelikalen Frömmigkeit. Später wurde ihm die Wichtigkeit der Sakramente und der Tradition stärker bewußt und er fühlte sich der hochkirchlich-anglikanischen Oxford-Bewegung verbunden, die teilweise das spirituell-theologische Erbe des katholischen Glaubens weiterführt, vor allem hinsichtlich der Marien- und Heiligenverehrung.

Gleichwohl behielt Newman seine Distanz zur katholischen Kirche bei. Aber vor allem durch das intensive Studium der Kirchenväter änderte sich seine Meinung grundlegend.

Zunächst hatte er geglaubt, katholische Dogmen mit Hilfe der Patristik (Kirchenväterlehre) widerlegen zu können.

Doch der gelehrte Theologe der „Church of England“ (Staatskirche von England) erkannte immer klarer, daß schon die Kirchenväter der ersten christlichen Jahrhunderte durch und durch katholisch waren. Besonders deutlich wurde dies beim heiligen Augustinus von Hippo, dem größten Kirchenlehrer der Antike (Altertum), dessen Mutter Monika ebenfalls als Heilige verehrt wird.

Hinsichtlich der Marienverehrung stand er einem biblisch geprägten Marienlob bereits in seiner anglikanischen Zeit durchaus positiv gegenüber; er ermutigte seine Glaubensgenossen, die Ankündigung der Madonna aus ihrem Magnificat ernst zu nehmen: „Siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter“ (Lk 1,48).

Somit entspricht eine fehlende Wertschätzung Mariens nicht dem Geist und Buchstaben des Neuen Testaments.

Bereits in seiner ersten Predigt als anglikanischer Vikar würdigte er im Jahr 1826 die „makellose Reinheit“ der Gottesmutter. Auf dem biblisch geprägten Rosenkranzgebet stand er wohlwollend gegenüber.

Newman vertiefte sodann seine mariologischen Ansichten durch seine Beschäftigung mit den frühchristlichen Lehrern der Kirche. Seine wachsende Verehrung für die Mutter des HERRN war ein wesentliches Motiv für seine Konversion.

Ihm wurde nun aber gerade in dieser Hinsicht entgegengehalten, es gäbe übertriebene Formen des Marienkultes bei den Katholiken.

Der Konvertit hat dieses Problem keineswegs bestritten (wie sollte er dies auch?! –  Er, der aufrichtige Kämpfer für die Wahrheit!), aber darauf hingewiesen, daß der Mißbrauch nicht gegen die Sache selbst spricht. Volkstümliche Auswüchse sind bedauerlich, aber kein Argument gegen die amtliche kirchliche Lehre, die solche Entgleisungen nicht abdeckt.

Er schrieb hierzu: „Sollen wir etwa, weil ein Teil der Christen in der Andacht übertreibt, die Ehrfurcht vor ihr  verlieren?“  –  Es sei doch der Heilige Geist selbst, so Newmann, der Maria durch Elisabeth als die „Gesegnete unter den Frauen“ gepriesen habe und sie zuvor als „Gnadenvolle“ durch den Engel Gabriel begrüßte.

Für Kardinal Newman war die Marienverehrung keine Konkurrenz, sondern eine angemessene Begleitmusik zur Gottesliebe.

Sein Marienlob war christozentrisch  – und er erkärte gegenüber anglikanischen Kritikern, daß sich die mariologischen Dogmen der Kirche ebenfalls auf Christus beziehen.

Vor allem der Titel „Gottesgebärerin“ (Theotokos) verdeutlicht dies, denn damit bekennen die Gläubigen die göttliche Natur ihres Erlösers, der GOTT und Mensch zugleich ist. Es geht hier um das Glaubensgeheimnis der Inkarnation (Menschwerdung) der zweiten Person der göttlichen Dreieinigkeit.

Alle Vorzüge Mariens sind gnadenhaft, von GOTT in seiner Huld verliehen und ihr im Hinblick auf Christus geschenkt.

Wenn dies in privaten Andachten oder überzogenen Formen des „Volksglaubens“  – auch hinsichtlich der weitverbreiteten Sucht nach „Erscheinungen“ und „Botschaften“   – aus dem Blick gerät, muß dies korrigiert werden, doch stellen solche Auswüchse nicht die Berechtigung der kirchlichen Marienverehrung infrage.

Zu gewissen Fehlformen im Volksglauben erklärte Johannes Paul II., gewiß ein „marianischer“ Papst, in einer Ansprache vom 21.9.2001 an die vatikanische Gottedienstkongretation u.a. folgendes:

„Zuweilen scheinen Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit durch Elemente verunreinigt zu sein, die mit dem katholischen Glauben unvereinbar sind. In solchen Fällen müssen sie mit Besonnenheit und Geduld gereinigt werden, und zwar durch Kontakte zu den Verantwortlichen sowie eine aufmerksame und respektvolle Katechese, sofern grundsätzliche Unstimmigkeiten nicht sofort klare und direkte Maßnahmen nötig machen.“

Fehlentwicklungen gibt es vor allem dort, wo Christus fast nur als der „strenge Herrscher“ erscheint, der am Jüngsten Tage als Richter der Lebenden und Toten wiederkommt. Dabei wird zu wenig erkannt, daß Jesus uns vor allem den Zuspruch Gottes verkündigt hat – nicht allein seinen Anspruch. ER als Erlöser ist unser eigentlicher  Beistand und Mittler beim Vater, seine menschliche Mutter ist unser Vorbild und unsere Fürsprecherin.

Im Jahre 1849 stellte Newman klar, daß Mariens Stellung eine dienende ist – und daß sie ihre Gnadenvorzüge „um Jesu willen“ erhalten hat:

„Maria ist erhöht um Jesu willen. Es war geziemend, dass sie als Geschöpf, wenngleich das erste unter den Geschöpfen, eine dienende Aufgabe haben sollte. Gleich anderen ist auch sie in die Welt gekommen, ein Werk zu tun; sie hatte eine Mission zu erfüllen; ihre Gnade und ihre Herrlichkeit sind ihr nicht für sie selbst gegeben, sondern um ihres Schöpfers willen.“

Auch beim Rosenkranz erkannte er, wie christozentrisch und biblisch geprägt dieses betrachtende Gebet ist. Er erläuterte, seine „große Kraft“ liege darin, „dass er das Glaubensbekenntnis zu einem Gebet macht; natürlich ist das Credo als solches schon Gebet und eine große Ehrbezeugung Gott gegenüber.

Aber der Rosenkranz stellt uns die großen Wahrheiten des Lebens und Sterbens Christi vor Augen und bringt sie unserem Herzen näher. Wir betrachten so all die großen Geheimnisse seines Lebens: von seiner Geburt in der Krippe bis zu seinem Leiden und zu seinem Leben in Herrlichkeit.“

Kardinal Newman hat seine Marienverehrung in der Autobiographie „Geschichte meiner religiösen Überzeugungen“ (Apologia pro vita sua) dargelegt, worin er 20 Jahre nach der Konversion seine Standpunkte begründet hat – und vor allem in seiner Schrift „Die heilige Maria. Eine Apologie und historische Begründung des Marienkults“.

WEITERE INFOS:
Päpstliche Klarstellungen zur Volksfrömmigkeit: https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/verlautbarungen/VE_160.pdf
Studien zu Newmans Mariologie von Prof. Dr. Joseph Schumacher: http://www.theologie-heute.de/NewmanMaria.pdf
Seine theologische Laufbahn vor der Konversion: https://www.grin.com/document/171169
Kardinal Newman, Maria und der Rosenkranz: https://de.zenit.org/articles/kardinal-newman-ein-grosser-rosenkranzbeter-und-lehrer-des-gebetes/