Philippinen: Islamisten entführten Katholiken und brandschatzten eine Kathedrale

Die islamistische Gruppe “Maute”, die nach eigenen Angaben mit dem IS in Verbindung steht, “hat die katholische Kathedrale in Marawi City verwüstet und rund 15 Gläubige, darunter ein Priester, mehrere Schwestern und einige Gläubige, die sich in der Kirche zum Gebet aufhielten, verschleppt”, erklärt Bischof Edwin De la Pena von Marawi City im Süden der Philippinen.

Rund einhundert Maute-Milizionäre belagerten gestern die Stadt, nachdem Präsident Rodrigo Duterte auf der Insel das Kriegsrecht ausrief.

Der katholische Oberhirte sagte weiter: “Die Gläubigen hielten sich zum Gebet in der Kirche auf, als die Terroristen in die Kirche eindrangen und sie als Geiseln an einen unbekannten Ort entführten. Danach kamen sie in die bischöfliche Residenz, wo sie unseren Generalvikar Pfarrer Teresito Soganub entführten. Danach legten sie einen Brand in der Kathedrale und in der Residenz. Es ist alles verwüstet. Wir sind entsetzt“.

Der Bischof selbst blieb unversehrt, weil er sich in einer Pfarrei außerhalb Marawis aufhielt:

“Die Terroristen belagerten die ganze Stadt. Die Menschen sind verängstigt und verlassen ihre Wohnungen nicht. Nun warten wir auf die Reaktion der Armee. Die Stadt soll mit dem so wenig Blutvergießen wie möglich wieder zurückerobert werden. Über die Geiseln spricht niemand. Wir haben unsere Kanäle, die Kirche und islamische Religionsvertreter aktiviert und wir hoffen, dass es bald Verhandlungen geben wird und die Entführten gesund zu uns zurückkehren können”, so der Bischof, der mitteilt, dass die Kirche in den vergangenen Monaten mehrfach Drohungen erhalten hatte.

Der Bischof bat die Gottesmutter um ihre Fürsprache, zudem Papst Franziskus und die Christgläubigen in aller Welt um Gebete für die Rettung der Verschleppten.

Unterdessen unterbrach Präsident Duterte angesichts der Krise seinen Besuch in Moskau und kehrte auf die Philippinen zurück.

In Marawi steckten die islamistischen Belagerer auch das Gefängnis und zwei Schulen in Brand. Die Stadt ist von der Armee umzingelt. Der Bürgermeister von Marawi bat die Armee, die Stadt mit ihren 200.000 vorwiegend muslimischen Einwohnern nicht mit Bomben unter Beschuss zu nehmen.

Quelle: Fidesdienst


Papst Franziskus über die Bedeutung der Realpräsenz und der hl. Kommunion

Am Ende der Generalaudienz von Mittwoch, dem 17. Mai 2017, richtete Papst Franziskus einen „besonderen“ Gruß an die Jugendlichen, an die Kranken und an die Neuvermählten.

„Heute feiern wir den liturgischen Gedenktag des hl. Paschalis Baylon“ , so erinnerte Franziskus. Der Spanier Pascual Baylón (1540 – 1592) war Laienbruder im Orden der Franziskaner-Observanten (auch Franziskaner-Barfüßer genannt); er war geprägt von großer Verehrung des Altarsakramentes und wurde 1897 von Papst Leo XIII. zum Patron der eucharistischen Vereine und Bruderschaften erhoben.

„Seine Liebe zur Eucharistie zeige euch, lieben jungen Menschen, die Bedeutung des Glaubens an die reale Gegenwart Jesu“, erklärte Franziskus, der sich anschließend an die Kranken und jungvermählte Paaren richtete:

„Das eucharistische Brot stütze euch, liebe Kranke, bei der heiteren Bewältigung der Prüfung. Euch, liebe Neuvermählte, sei es Nahrung im menschlichen und geistlichen Wachstum eurer neuen Familie.“

Quelle: https://de.zenit.org/articles/das-eucharistische-brot-stuetze-euch/

Gemälde: Evita Gründler


„Sächsische Zeitung“ kritisiert unseriöses Geschäftsgebaren in Medjugorje

Unter dem Titel „Marias einträgliche Dauerbotschaften“ befaßt sich die „Sächsische Zeitung“ (SZ) online am heutigen Mittwoch (17.5.) kritisch mit den geschäftstüchtigen Umtrieben in Medjugorje. 
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Der SZ-Autor schreibt eingangs: Bei den Marien-Erscheinungen im bosnischen Medjugorje bleibt der Papst skeptisch.“  – Thomas Roser fügt ironisch hinzu: „Dabei hat die Muttergottes dort wahrlich ein Wunder vollbracht.“  – Gemeint ist: ein Geschäftswunder: „Ihre spendierfreudigen Jünger haben das verschlafene Winzernest zum vermutlich reichsten Ort im bitterarmen Bosnien und Herzegowina gemacht.“

Wie bereits im CHRISTLICHEN FORUM berichtet, hat sich Papst Franziskus auf dem Rückflug von Fatima nach Rom mit dem Thema Medjugorje befaßt und sich dabei – wie die SZ schreibt – den „Spott über die nimmermüden Dauerbotschaften der Muttergottes im fernen Bosnien …nicht ganz verkneifen können“. 

Die inzwischen 42.000 „Erscheinungen“ zeichneten, so der Papst, das Bild einer Maria, die wie die Chefin eines Telegrafenamts täglich eine Nachricht schickt. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2017/05/14/papst-aeussert-sich-kritisch-zu-medjugorje/)

Die Zeitung schreibt weiter, der Pilger-Tourismus brumme in dieser bosnischen Pfarrei bei jährlich über einer Million Besucher „mit oder ohne Segen des Vatikan“: Auf die Anerkennung durch Rom werden Marias geschäftstüchtige Zeugen zumindest zur Amtszeit des jetzigen Papstes aber wohl vergeblich warten.“

 Abschließend heißt es, der Wallfahrtsrubel rolle „zum Großteil in schwarze Kassen“:
„Nur ein Drittel der knapp drei Milliarden Euro, die die Pilger von 1981 bis 2013 in Medjugorje zurückließen, seien legal erwirtschaftet worden, schätzt Vencel Culjak, der dem „Phänomen Medjugorje“ als „Weltmarke des Religionstourismus“ 2014 seine Doktorarbeit widmete. Für illegal errichtete Herbergen, florierende Korruption und Schwarzarbeit machte er nicht nur die lokalen, sondern auch regionalen und nationalen Aufsichtsbehörden verantwortlich, denen die Kontrolle über das „Chaos“ zunehmend zu entgleiten drohe.“

Quelle für die Zitate: https://www.sz-online.de/nachrichten/marias-eintraegliche-dauerbotschaften-3683554.html


Kath. Theologe aus Ägypten warnt vor dem Islam und wurde ungarischer Staatsbürger

Pater Henri Boulad kritisiert kirchliche Asyl-Erklärungen

Der ägyptische Theologe und Jesuitenpater Henri Boulad hat aus Sympathie für die einwanderungskritische Politik von Präsident Viktor Orbán die ungarische Staatsbürgerschaft angenommen.

Prinzipiell sei eine Unterstützung von Flüchtlingen und Armen „richtig“, aber „ein wenig klarer Kopf würde dabei auch gut tun“, sagte der 85-jährige Geistliche in einem Interview mit der ungarischen Wochenzeitung „Heti Valasz“, dessen Wortlaut das österreichische Magazin „Kirche In“ auf Deutsch veröffentlichte. Die Aufnahmefähigkeit Europas habe „ihre Grenzen“.

Der langjährige ägyptische Jesuiten-Provinzial und Direktor des „Jesuit Cultural Center“ in Alexandria kritisierte eine „bedingungslose Zuwanderung“ und warnte vor einer künftigen muslimischen Bevölkerungsmehrheit in Europa. Er „bewundere“ Papst Franziskus, sei aber mit ihm in der Frage der Migration und des Islam „nicht einverstanden“.

Zurückhaltend bewertet der ehem. Caritas-Chef für Ägypten, der von 1991 bis 1995 Vize-Vorsitzender von „Caritas Internationalis“ für Nordafrika und den Nahen Osten war, die Flüchtlingshilfe der katholischen Kirche. Der Ordensmann erklärte: „Ich meine, dass der Westen und der Papst die wahre Natur des Islam nicht kennen.“

Nach dem Selbstverständnis des Islam sei „ein friedliches Zusammenleben auf längere Zeit unmöglich, oder nur unter der Bedingung, dass sich die Christen als zweitrangige Bürger zufrieden geben.“

Maßgebliche Politiker in Europa, aber auch die katholische Kirche unterschätzen aus seiner Sicht die von den beherrschenden Strömungen Islam ausgehende Gefahr. Politische Korrektheit, so der Jesuitenpater, „demoliert den Westen: sie macht es unmöglich, dass wir die wirkliche Gefahr des Islam begreifen“.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: http://de.radiovaticana.va/news/2017/05/12/%C3%A4gypten_jesuit_wird_ungar_wegen_orbans_migrationspolitik/1311701


Bischof Damian begrüßt die weiteren koptisch-katholischen Annäherungen

Pressemitteilung des Koptischen Bischofs für Deutschland, Anbe Damian:

Bei der ersten Auslandsreise des koptisch-orthodoxen Patriarchen Papst Tawadros II. im Mai 2013, unmittelbar nach seiner Amtsübernahme als Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche und als Nachfolger des Heiligen Evangelisten Markus, besuchte er das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche Papst Franziskus im Vatikan. Diese Begegnung war voller christlicher Liebe, Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Anerkennung.

Papst Tawadros II. sprach überzeugend davon, dass Seine Heiligkeit Papst Franziskus von den Gnaden des Heiligen Geistes erfüllt sei. Im Herzen und in Taten fing er an, mit Ernsthaftigkeit die restlichen vorhandenen Barrieren zwischen den Schwesterkirchen abzubauen, in der koptischen Heiligen Synode dies zu thematisieren, zu diskutieren und zu behandeln. Ebenfalls offenbarte er seine ernsthaften Absichten, die großen Christus-Feste, gemeinsam mit der katholischen Kirche am selben Tag zu feiern.

Seine Heiligkeit Papst Tawadros II. entsprach damit meinem Herzenswunsch, dass möglichst bald die volle Gemeinschaft der beiden Schwesterkirchen realisiert werden kann.

Fortschritte in der gegenseitigen Tauf-Anerkennung

Der Gegenbesuch Seiner Heiligkeit Papst Franziskus in Ägypten am 28./29.04.2017 hat enorme politische, pastorale und ökumenische Auswirkungen zur Folge. Er war für das ganze Land Ägypten im Allgemeinen und für die koptische Kirche in besonderer Weise, ein Segen, eine Ehre und eine Freude. Die Energie und die Herzlichkeit der beiden brüderlichen Päpste haben dazu motiviert, die zügige Unterzeichnung der gegenseitigen Taufanerkennung vorzunehmen.

Seit vielen Jahren, auf Anweisungen Seiner Heiligkeiten Papst Kyrillos VI., Papst Shenouda III. sowie Papst Tawadros II. werden keine katholischen Taufen wiederholt, wenn Katholiken in die koptische Kirche aufgenommen werden wollen, z.B. durch Eheschließungen.

Jedoch ist es erforderlich, die koptische heilige Synode als die höchste Autorität unter der Leitung Seiner Heiligkeit Papst Tawadros II. bei einer bilateralen Vereinbarung miteinzubeziehen, ebenfalls ist es angebracht, die anderen altorientalisch-orthodoxen Schwesterkirchen, d.h. die syrische, armenisch-apostolische, äthiopische, eritreische und die indisch-orthodoxe Kirche in diesem Anliegen zu konsultieren.

Wir begrüßen die Herzlichkeit und die Liebe sowie das Vertrauen und die gegenseitige Anerkennung der beiden Schwesterkirchen von Rom und Alexandria durch die bereits vollzogenen christologischen Vereinbarungen (12.2.1988) und erinnern an die Zeit der vollständigen Einheit bis zum Jahr 451 n.Chr. Dies ist unser gemeinsames Ziel für die Kirche unseres Herrn Jesus Christus.

Dabei darf zu keinem Zeitpunkt die eigene Identität und Tradition aufgegeben werden, die das Blut unserer Märtyrer gekostet hat. Wir wünschen daher eine Gemeinschaft in der gewachsenen Vielfalt.

Wir ermutigen unseren Papst Tawadros II., weiterhin zielstrebig zu sein und seine Energie einzusetzen, für die vollständige Einheit der Schwesterkirchen im Sinne der Heiligen Schrift und der Überlieferung unserer Heiligen Väter, unter Mitwirkung und Zustimmung der ehrwürdigen, heiligen, koptischen Synode unter seiner Leitung.

Ich wende mich daher an meine hochverehrten Metropoliten und Bischöfe, sowie dem koptisch-orthodoxen Klerus sowohl in Ägypten als auch im Ausland, die Einheit unserer koptisch-orthodoxen Kirche zu stärken und unserem Oberhaupt Papst Tawadros II., Vertrauen, Respekt, Loyalität und Anerkennung bei seinem Leitungsdienst zu gewährleisten.

Möge unser Gott, Herr und Erlöser Jesus Christus die Kraft und die Freude seiner glorreichen Auferstehung allen Beteiligten schenken.

 

 

 


Papst-Franziskus-Buch: Dr. Heinz Althaus schreibt an den Autor Andreas Englisch

Sehr geehrter Herr Englisch!

Neulich wurde mir Ihr Buch „Der Kämpfer im Vatikan. Papst Franziskus und sein mutiger Weg“ geschenkt. Nach der Lektüre von Marco Politis Taschenbuch „Franziskus unter Wölfen“ war ich auf Ihr Buch gespannt. Und so las ich gleich auch Ihr Werk, das sich als wichtige Ergänzung des Taschenbuches von Marco Politi herausstellte.

Doch nun zu Ihrem Buch. Sie können schreiben. Das, was Sie zu erzählen haben, leiten Sie spannend ein. Wortwahl, Stil, Satzbau, Darstellungsart – all das ist kultiviert und angenehm zu lesen. Hinter Ihren nüchternen Berichten schimmert die Leidenschaft des Autors für seinen Gegenstand durch. Sie sind „Vaticanista“ geworden und berichten seit 1987 aus dem Vatikan.

Bekannt sind Ihre Bücher über die Päpste Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus, dem Sie nun schon das zweite Buch widmen. Wenn man das bedenkt, ist man doch sehr erstaunt, daß der Autor in einer frühen Periode seines Lebens den Glauben verloren hatte. Wie Sie selbst mitteilen, haben Sie erst durch Johannes Paul II. zum Glauben gefunden, der unter den geradezu herausragenden Papstgestalten des 20. Jahrhunderts gemeinhin als der größte gilt.

Wie sehr Sie ihn bewundern und verehren, spiegelt sich auch in Ihrem neuesten Werk wider. Wenn dem aber so ist, versteht man nicht, wie Ihre frühere Phase des Unglaubens immer wieder durchschlägt in Formulierungen wie ‚wenn es Gott gibt‘. Dann sprechen Sie auffallend oft von ‚Jesus von Nazareth‘. Das ist die Sprache der Historiker, nicht die des Glaubens und der Theologie, denn Glaube und Theologie sagen „Jesus Christus“.

Da wir nun gerade bei Ihrer „ungläubigen“ Jugend sind, so finde ich es verwunderlich, daß Sie in einem Buch über Franziskus so ausführlich über Ihr Elternhaus schreiben. Es mag sein, daß Sie damit Ihre Nähe zu Franziskus‘ Pauperismus betonen wollen, aber dafür bräuchte es diese Ausführlichkeit nicht.

Im übrigen haben Millionen junger Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg eine Kindheit und Jugend in Armut erlebt – auch ich selbst (geb. 1938). Das war früher nichts Besonderes. Nur heute wird ein großes Bohé über Kinder- und Jugendarmut gemacht, wobei es den „armen“ Kindern und Jugendlichen um ein Vielfaches besser geht als uns früher, denn der Begriff der Armut ist an den gesellschaftlichen Wohlstand geknüpft: 60 % des Durchschnittseinkommens in Deutschland.

Auf S. 83 machen Sie zu Recht darauf aufmerksam, daß die beiden nicht italienischen Päpste vor Franziskus aus sehr einfachen Verhältnissen kamen, im Gegensatz zu ihren italienischen Vorgängern, daß sie aber die Armut nicht zum Thema ihres Pontifikats machten.

Franziskus zieht nicht in die päpstlichen Gemächer des Apostolischen Palastes ein, sondern bewohnt eine kleinere Wohnung in Santa Marta, er ißt mit den Vatikanangestellten in der Kantine, er trägt nicht die roten Papstschuhe, sondern schäbige Alltagstreter, er läßt sich in einem Kleinwagen chauffieren usw.

Man fragt sich unwillkürlich, was das bedeuten soll. Fast alle Päpste im 20. Jahrhundert waren Heilige oder wenigstens Selige, denen jeglicher Luxus fremd war, die persönlich ziemlich bedürfnislos lebten. Johannes Paul II. ist inzwischen heilig gesprochen, aber auch von Ratzinger weiß man, daß ihm ein aufwendiger Lebensstil völlig fremd war. Und wenn er der Sitte in Italien entsprechend Wein zum Essen kredenzen ließ, so nahm er selbst nur ein halbes Glas.

Selbst P. Eberhard von Gemmingen, der sicher nicht zu den Bewunderern Benedikts gehört, betonte am Dienstag, dem 11. April, in der großen Sondersendung des bayerischen Fernsehens, daß Benedikt die roten Schuhe nicht aus Eitelkeit getragen habe, sondern weil man ihm gesagt habe, das seien die üblichen Schuhe des Papstes, und als gehorsamer Sohn der heiligen römischen Kirche, der er zeitlebens war, habe er die Tradition eingehalten.

In diesem Zusammenhang stieß mir Ihre Äußerung „Während Joseph Ratzinger schon als Kind das schicke Auto eines Kardinals bewunderte, dem er zufällig begegnete, verabscheut Mario Bergoglio Priester in teuren Autos …“ unangenehm auf. Der gegensätzliche Vergleich ist nicht nur fehl am Platz, sondern auch unlogisch. Wie kann man das spontane Gefühl eines Knaben mit dem moralischen Habitus eines Erwachsenen vergleichen! Oder wollen Sie gar Benedikt als Liebhaber des Luxus denunzieren? Das wäre infam!

Franziskus macht nun – fast – alles anders. Aber von größerer Bedeutung sind freilich seine doktrinären Äußerungen über die Wirtschaft. Wenn man so ein Wort hört wie „Wirtschaft tötet“, ist man zunächst einmal fassungslos und fragt sich, wie Franziskus so offensichtlich seine Ignoranz in ökonomischen Fragen zu Markte tragen kann.

Daß das „reiche Deutschland“ 1945 völlig am Boden lag, daß das deutsche Volk hungerte, nichts zum Anziehen hatte und im Winter fror, so daß der Kölner Kardinal Frings den Leuten erlaubte, die Güterzüge, die deutsche Kohle für die Sieger abtransportierten, zu überfallen  –  all das scheint Franziskus nicht zu wissen. Insbesondere weiß er nicht, daß sich die Deutschen selbst hochgerappelt haben  –  dank der freien Marktwirtschaft, für die kein anderer so eintrat wie Ludwig Erhard.

Der Marshall-Plan, der wiedergutmachte, was die Alliierten mit der Demontage vorher kaputt gemacht hatten, konnte nur in Deutschland so wunderbar funktionieren, weil die Menschen mit ungeheurem Fleiß und eiserner Disziplin Fabriken und Häuser wiederaufbauten.

Als ich während meines Studiums in den Jahren 1958 bis 1964 Werkarbeit leistete, erzählten mir Fabrikarbeiter in Emsdetten und Rheine von Frühinvaliden, die in den fünfziger Jahren 70 und mehr Stunden in der Woche gearbeitet und damit ihre Gesundheit ruiniert hatten.

Und wie ist es in den Entwicklungsländern heute? Als ich 2010 eine Gruppen-Rundreise durch Äthiopien machte, erzählte uns der einheimische Reiseleiter, daß ein Äthiopier keine 8 Stunden am Tag arbeiten könne! Mehr als 4 Stunden schaffe er nicht.

Und wie sieht es in Lateinamerika, wo ja Franziskus herkommt, aus? Nehmen wir einmal Cuba. Die Mittagspause beträgt mindestens 4 Stunden. Vor 17 Uhr bewegt sich gar nichts. In Vietnam ist es ganz anders. Dort wird auch in der Mittagshitze auf dem Bau gearbeitet. Die Ostasiaten gelten nicht nur als besonders intelligent, sondern sie sind auch ungeheuer fleißig und zäh.

Japan galt schon Anfang der 60er Jahre als Industrieland, China konnte erst nach Maos Tod die Aufholjagd beginnen und ist heute an der Weltspitze. Auch Südkorea ist mit seinem großen Wirtschaftswachstum nicht zu übersehen, ferner Singapur. Doch genug davon.

Franziskus ist einfach von seinen Erfahrungen in Argentinien geprägt. Was heißt das? Das Land der Gauchos war  bis 1945 wohlhabender als Deutschland, aber Korruption und Nepotismus in Verbindung mit verkrusteten Strukturen sorgten für den unaufhaltsamen Niedergang. Inzwischen gab es zwei Staatspleiten. Man denke nur einmal an Peron und die Kirchners.

Daß sich Erzbischof Bergoglio so sehr um die Armen in Buenos Aires gekümmert hat, ist ungeheuer anrührend, taugt aber nicht zur Lösung der tiefen Wirtschaftskrise des Landes. Der von Franziskus hochgeschätzte Kardinal Walter Kasper, der Korreferent meiner theologischen Dissertation, sagte einmal: Christliche Nächstenliebe zeigt sich heute nicht mehr einfach im Almosengeben, sondern in groß angelegten Förderprogrammen wie Misereor, Adveniat und Missio.

Warum schaut Franziskus nicht auf Deutschland, wo diese großen Förderprogramme erfunden und umgesetzt worden sind? Er war doch eine gewisse Zeit zum Studium in St. Georgen. Ludwig Erhards Grundgedanke war nicht, wie die Sozialisten sagten, den „Reichen“ etwas wegzunehmen und dann an die Ärmeren zu verteilen, sondern die Wirtschaft wachsen zu lassen und den Zugewinn gerecht auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu verteilen. Und dieses Rezept war ungeheuer erfolgreich. Es hat, wie Ludwig Erhard versprach, Wohlstand für alle gebracht.

Was Ihre historischen Kenntnisse anbelangt, so sieht es ziemlich trübe aus.

  1. Der Sklavenhandel.

Ab S. 55 berichten Sie ziemlich unkritisch von einem Gespräch mit einem lateinamerikanischen Priester, der keine genauen geschichtlichen Kenntnisse hat. Da lassen Sie auf S. 57 den ungenannten Priester sagen, daß die Muslime in sechshundert Jahren nur 1,7 Millionen Christen versklavten, während Christen über 11 Millionen Menschen aus Afrika nach Amerika verschleppten.

Richtig ist folgendes: Die Araber waren von Beginn an Sklavenhändler und fingen Schwarze aus Afrika, um sie nach Arabien und später ins Osmanische Reich zu verschleppen. Daß es keine Schwarzen in der arabischen Welt gibt, liegt einfach daran, daß die Araber die Männer gleich töteten und nur die Frauen und Kinder am Leben ließen. Genaue Zahlen zum arabischen Sklavenhandel liegen nicht vor. Aber es wäre naiv anzunehmen, es habe sich nicht um viele Millionen gehandelt.

Im Mittelalter haben die Mauren viele Christen in Spanien, Frankreich und Italien verschleppt, um sie zu Sklaven zu machen. Nicht umsonst hat Rossini im 19. Jahrhundert die Oper „Die Italienerin in Algier“ geschrieben. Zur Befreiung der Christen aus der Gefangenschaft bei den Sarazenen wurden sogar im Mittelalter zwei Orden gegründet, und zwar die Trinitarier, deren Ordensregel 1198 vom Papst approbiert wurde, und die Mercedarier, deren Ordenssatzung der Papst 1235 approbierte.

Die Trinitarier haben 900.000 Christen aus der arabischen Sklaverei freigekauft. Von 1500 bis 1750 wurden 1,5 Millionen Christen aus ganz Europa von den Sarazenen versklavt, sogar aus England. Überall, wo die Sarazenen oder später die Osmanen auftauchten, verbreiteten sie Angst und Schrecken, und zwar in einem viel schlimmeren Maße, als dies christliche Heere je taten.

Ich war zweimal auf Malta, wo 1565 die große Seeschlacht der weit überlegenen osmanischen Flotte gegen die Johanniter standfand. Aber diese hielten unter ihrem Großmeister la Valette stand, bis eine christliche Flotte aus Richtung Sizilien für den Entsatz sorgte. Von den 40.000 Matrosen der Osmanen waren inzwischen 3/4 gefallen. Was die Osmanen im Falle eines Sieges gemacht hätten, wurde den Maltesern am Schicksal der Nachbarinsel Gozo deutlich. Dort machten die Osmanen alle kurzerhand nieder, Männer und Frauen, Kinder und Greise. Daß Malta das katholischste Land Europas ist, liegt nicht zuletzt daran, daß die Erinnerung an die existenzielle Bedrohung durch die muslimischen Osmanen bis zum heutigen Tage wachgehalten wird.

Auch in anderer Beziehung hat der von Ihnen zitierte Priester keine Ahnung. Es ist ein geradezu unverzeihlicher Irrtum zu meinen, erst Leo XIII. habe 1888 – hundert Jahre nach der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung – die Sklaverei verboten. Schon Eugen IV. hat im 15. Jahrhundert gegen die Sklaverei Stellung bezogen, und Paul III. hat 1537 ausdrücklich die Versklavung eroberter Völker verboten, auch wenn sie keine Christen waren. Gregor XVI. zählte in seiner Konstitution von 1839 im einzelnen die Erlasse seiner Vorgänger zur Sklavenfrage auf.

Was die USA anbelangt, so sollte auch Ihr Gewährsmann wissen, daß gerade wegen der Sklavenfrage der schlimme amerikanische Bürgerkrieg stattgefunden hat. Erst der Sieg des Nordens in Gettysburg 1865 hat den Weg für die Durchsetzung des Verbotes der Sklaverei freigemacht. Hinsichtlich der hehren Ideale der amerikanischen Gründungsväter zeigt sich wieder einmal: Papier ist geduldig. Erst der Sieg auf dem Schlachtfeld führte zur Befreiung der Sklaven.

Also trotz der Unabhängigkeitserklärung von 1776 wurden in den Vereinigten Staaten noch ca. 90 Jahre lang mit größter Selbstverständlichkeit Sklaven gehalten, vor allem in den Südstaaten, wo die Schwarzen besonders in den Baumwollplantagen eingesetzt wurden.

Von dem hohen Roß unserer modernen Moral läßt sich leicht ein Verdammungsurteil über die Geschichte fällen. Aber nur dadurch, daß das junge Christentum eben nicht als sozialrevolutionäre Bewegung mit der Forderung nach Abschaffung der allgegenwärtigen Sklaverei auftrat, konnte es in der antiken Sklavenhaltergesellschaft des Römischen Reiches überleben.

Unter den Schriften des Neuen Testaments findet sich auch der kleine Brief des Apostels Paulus an Philemon, dessen Sklave Onesimos entlaufen war. Paulus schickt ihn seinem Herrn zurück und empfiehlt, den Sklaven wie einen Bruder in Christus aufzunehmen. An anderer Stelle schreibt Paulus, in Christus gelte nicht mehr Mann und Frau, Herr und Sklave, sondern alle seien eins in Christus.

Ich glaube, das haben die lateinamerikanischen Befreiungstheologen bis heute nicht begriffen, für die der Glaube ein Instrument zur Durchsetzung sozialer oder gar sozialrevolutionärer Reformen ist.

Im Islam ist die Sklaverei etwas ganz Normales. Der Koran erlaubt sie ausdrücklich, während das Neue Testament die Sklaverei nur als gegeben hinnimmt, wie oben dargestellt. Und Mohammed selbst hat unterworfene Stämme versklavt. Erst die Herrschaft der europäischen Kolonialmächte hat zur Abschaffung der Sklaverei geführt. 1950 wurden in Saudiarabien noch 500.000 Sklaven gezählt. Erst 1963 hat das Land die Sklaverei offiziell abgeschafft.

  1. Kirche und Nationalsozialismus

Daß Sie das deutsche Volk so mir nichts, dir nichts als „Tätervolk“ bezeichnen, ist geradezu empörend. Daß „Tätervolk“ kein offizieller Begriff ist, daß die deutschen Bischöfe stets eine Kollektivschuld des deutschen Volkes strikt abgelehnt haben, ist Ihnen offensichtlich unbekannt. Man schätzt, daß 300.000 Deutsche wie auch Vertreter anderer europäischer Völker (z.B.  Litauer und Letten) am Holocaust beteiligt waren.

Die Programme zur Judenvernichtung wurden unter strengster Geheimhaltung durchgeführt. Wer darüber sprach, wurde kurzerhand hingerichtet. Ich selbst bin 1938 als Nachkömmling geboren. Weder meine Eltern noch meine fünf Geschwister, die sogar schon zur Wehrmacht eingezogen worden waren, wußten von dem Massenmord in Auschwitz u.a. Was man wußte, war, daß Juden abtransportiert wurden, aber nicht, wohin.

Wenn der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1985 im Bundestag behauptete, „alle“ hätten von dem Massenmord gewußt, so stieß er auf den erbitterten Widerstand der ganzen CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Seine falsche Behauptung wurde natürlich von den Linken mit lebhafter Zustimmung aufgenommen und von den linksorientierten Medien in Presse und Fernsehen verbreitet.

Empörend ist auch, wie Sie die Kirche beschuldigen, während des Zweiten Weltkrieges katastrophal versagt zu haben. Die Kirche hat nicht versagt. Die kirchenhistorische Aufarbeitung der Rolle der kath. Kirche zur Zeit des Dritten Reiches ist weitgehend abgeschlossen, wie ein Blick in die neueren „Kirchengeschichten“ zeigt. Was noch fehlt, ist die Veröffentlichung aller Akten aus dem vatikanischen Geheimarchiv.

Allerdings haben die Kirchenhistoriker, die die Rolle Pius XII. für den Seligsprechungsprozeß untersuchen sollten, Einblick in die Quellen erhalten und haben ein abschließendes Urteil gefällt, das diesen Papst in jeder Hinsicht entlastet. Wenn Benedikt XVI. trotzdem den Seligsprechungsprozeß nicht zum Abschluß gebracht hat, so hat das ausschließlich politische Gründe, denn die jüdische Seite hält an ihrem (unbegründeten) Vorurteil fest, daß die namentliche Verurteilung Hitlers und seiner Barberei durch Pius XII. Millionen von Juden vor der Shoah gerettet haben würde. 

Dabei ist das auf jüdischer Seite eine Kehrtwendung um 180 Grad, denn die unmittelbaren Zeugen der Shoah wie Ben Gurion und Golda Meir haben immer Pius XII in Schutz genommen und ihm für die Errettung hunderttausender Juden, die aus Ungarn nach Auschwitz deportiert werden sollten, gedankt. Auch wurde dankbar hervorgehoben, daß der Papst Tausende von Juden in der Stadt Rom in Kirchen und Klöstern vor der SS versteckt hat.

Die Wende leitete Rolf Hochhuth mit seinem Drama „Der Stellvertreter“ ein, in dem er behauptete, eine öffentliche Verurteilung durch Pius XII. hätte Millionen von Juden vor der Vernichtung bewahren können. Das Stück wurde damals viel aufgeführt und brachte die Diskussion in Schwung.

Tatsache aber ist, daß die niederländischen Bischöfe mit ihrer öffentlichen Verurteilung der Judentransporte nach Auschwitz 1942 die NS-Schergen dermaßen in Wut versetzten,  daß sie nun auch die getauften Juden – unter ihnen die Karmelitin Edith Stein – abtransportierten. Daher haben die deutschen Bischöfe den Papst beschworen, von einer namentlichen Verurteilung Hitlers und seiner Judenvernichtung Abstand zu nehmen.

In allgemeiner Form hatte der Papst schon die Judenvernichtung verurteilt. Wie allergisch die Nationalsozialisten auf jegliche Kritik reagierten, zeigt das Beispiel des Berliner Propstes Bernhard Lichtenberg, der in jedem Gottesdienst für die Juden betete. Das kostete ihn das Leben.

9 von 10 christlichen Geistlichen in den Konzentrationslagern waren katholische Priester. Die katholische Kirche war die einzige Großorganisation, die sich im Dritten Reich nicht gleichschalten ließ. Auf Seiten der Protestanten entwickelten sich bald die Deutschen Christen mit ihrem „Reichsbischof“ Müller, gegen die die Bekennende Kirche mit der Barmer Erklärung von 1934 zu Felde zog. Das war eine regelrechte Spaltung der Protestanten. Auf katholischer Seite gab es so etwas nicht.

Daher brauchte die katholische Kirche 1945 auch kein Schuldeingeständnis abzugeben, wie es die Protestanten 1945 taten. Aber sie taten es nicht freiwlllig, sondern gezwungen, denn die amerikanischen Protestanten hatten das Schuldeingeständnis zur Bedingung ihrer Hilfe gemacht.

Da deutsche Kirchenhistoriker die Materie in den vergangenen Jahrzehnten hinreichend erforscht haben, ist es völlig unerfindlich, wie Sie Ratzinger in diesem Zusammenhang noch einen Vorwurf machen können. Sie sind sich wohl bewußt, daß Ratzinger nie Historiker, sondern immer Dogmatiker war, aber Sie vermissen ein Wort von ihm „als Deutscher“. Das ist für einen Menschen, der auch nur halbwegs etwas von Wissenschaft versteht, schlichtweg Unsinn – oder vielleicht Bosheit.

Bei dieser Frage lohnt sich auch ein Blick auf die Praxis in den deutschen Diözesen. Vor mir liegt die Dokumentation „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich. Erzbischöfliche Hilfsstelle für nichtarische Katholiken“ von Pater Ludger Born SJ, bearbeitet und ergänzt durch Pater Lothar Groppe SJ, Neuauflage 2016.

Es ist bewundernswert, welche Hilfe die kath. Hilfsstelle für Juden unter äußerst schweren Umständen geleistet hat. Und es ist erschütternd zu lesen, daß fast alle Hilfskräfte verhaftet und ermordet worden sind. Was hier für Wien bezeugt ist, gilt sicher auch für andere deutsche Bistümer.

  1. Indianermission

Daß in der Indianermission auch Gewalt eine Rolle spielte, ist unbestritten, aber die Indianermission als ganze als Akt der Gewalt darzustellen, geht überhaupt nicht. Das hat auch Papst Johannes Paul II. mit seinem Schuldbekenntnis im Jahre 2000 nicht gesagt. Im wesentlichen ist die Mission vielmehr das Werk von – unbewaffneten, friedlichen  – Missionaren, die unter unglaublichen persönlichen Entbehrungen und Anstrengungen den Heiden das Licht des Glaubens gebracht haben.

Auf meinen großen Reisen durch Lateinamerika habe ich viel über die Geschichte dieser Länder und ihre endogene Kultur erfahren. Wenn heute von bestimmter Seite aus geleugnet wird, das Christentum habe einen Fortschritt in der Zivilisation gebracht, so kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Die Religionen der Inka und Azteken waren grausam, von Milde und Humanität keine Spur.

Eine große Rolle in der Bekehrung der Azteken etwa spielte die Erscheinung der allerseligsten Jungfrau in Guadalupe vor einem Indio. Dieses Ereignis beeindruckte die Eingeborenen so sehr, daß sich viele, viele taufen ließen. Seitdem ist Guadalupe der größte Wallfahrtsort in Mexiko, ja in ganz Lateinamerika. Dort sieht man auch die große Statue von Johannes Paul II in Bronze. Denn dieser große Marienverehrer hat das Marienheiligtum wenigstens einmal besucht, woran die Mexikaner in Dankbarkeit erinnern.

  1. Diversa

Seit 1987 sind Sie in Rom und nehmen an allem, was Papst und Kurie betrifft, innigen Anteil. Aus einem katholischen Elternhaus stammend, haben Sie in Ihrer Jugend den Glauben verloren und erst im Erwachsenenalter wiedergefunden. Eine große Rolle spielen in dieser Hinsicht die Päpste. Von Johannes Paul II. und Franziskus nehmen Sie an, daß man durch ihre Nähe Gott spüren könne. Im Falle von Benedikt aber müßten Sie passen. 

Wenn das Ihre ganz persönliche Erfahrung ist, so muß man das eben so akzeptieren. Allerdings wundert es einen schon, daß Sie so überhaupt keinen Zugang zu dem deutschen Papst fanden. Indes konnte man aus verschiedenen Bemerkungen zu Benedikt merken, daß Ihnen dieser Papst „nicht liegt.“

Dabei ist der Eindruck, den Benedikt auch auf ungläubige Menschen gemacht hat, ganz erstaunlich. So erinnere ich mich noch genau, wie der bekennende Atheist Paul Biedermann, der ehemalige Weltrekordler im Schwimmen, von der Begegnung mit Papst Benedikt tief beeindruckt war. Biedermann spürte hier zum ersten Male in seinem Leben so etwas wie Transzendenz, den Einbruch des Göttlichen in diese materielle Welt.

Für mich ist Joseph Ratzinger eine große Lichtgestalt. 1963 kam er als junger Professor für Dogmatik nach Münster, wo er bis 1966 blieb, um dann nach Tübingen zu gehen. Wir Studenten strömten mit Begeisterung in seine Vorlesung. Er sollte der Korreferent meiner theologischen Dissertation über den griechischen Kirchenvater Gregor von Nazianz werden.

Unvergeßlich ist mir das Vorgespräch mit ihm, in dem sich seine große Kenntnis der Kirchenväter zeigte. Er begegnete mir nicht mit der hochmütigen Herablassung des anerkannten Professors, sondern mit Zuvorkommen und Eleganz. Er war ein echter Gentleman.

Als er zum Papst gewählt worden war, schilderte seine frühere Wirtin hier am Aasee, wie er mit ihr und ihrer Familie Karten gespielt und mit seinen Assistenten und studentischen Hilfskräften im Garten Fußball gespielt hatte. Zur Vorlesung fuhr er immer mit dem Fahrrad. Und als er sich später in Tübingen mit Hans Küng zur Redaktionssitzung der von ihm und Küng gegründeten Zeitschrift Concilium traf, erschien Küng im eleganten Sportwagen, während Ratzinger mit dem Fahrrad kam.

Als er Papst wurde, sagte der Altmeister der kath. Theologie, Prof. Dr. Eugen Biser (+), Benedikt sei seit Leo dem Großen, also seit fast 1600 Jahren, der größte Theologe auf dem Stuhle Petri. Als Papst glänzte er nicht nur durch seine überragende Theologie, sondern auch durch seine Eloquenz und die Beherrschung von ca. acht Fremdsprachen. Und wenn zu seinen Ehren Konzerte in der Aula Pauls VI. stattfanden, dann staunten die Zuhörer über die musikalische Kompetenz des Papstes, der sogar die wissenschaftliche Einleitung zu den aufgeführten Werken selbst vortrug.

Das große Thema seines Pontifikates war Glaube und Vernunft, in denen er keine Gegensätze, sondern polare Ergänzungen sah. Die Welt von Wissenschaft und Kultur nahm staunend wahr, daß hier ein Mann an der Spitze der früher von den Protestanten belächelten und als rückständig eingestuften katholischen Kirche stand, der auch einem philosophischen Disput mit dem führenden Philosophen unserer Zeit, Jürgen Habermas, gewachsen war. Es ist ganz offensichtlich, daß man nicht nur in der Kurie, sondern in Wissenschaft und Kultur ganz allgemein einer solchen Geistesgröße nachtrauert.

All das, was hier ohne Übertreibung von Benedikt gesagt werden kann, fehlt bei Franziskus. Ja, Kardinal Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation, sagte einmal über Franziskus: „Er ist kein Theologe, deshalb muß man ihm helfen.“

Von seinen Gegnern werden Benedikt drei Skandale zugeschrieben: die Aufhebung der Exkommunikation des schismatischen Bischofs Richard Williamson, die Regensburger Rede 2006 und der 2010 aufgedeckte Mißbrauchsskandal. Was das Erstere anbelangt, so ist Benedikt einfach nicht informiert worden über Williamsons Leugnung des Holocausts. Er sagte später selbst, wenn er davon gewußt hätte, hätte er die Exkommunikation nicht aufgehoben. Es gab damals noch keinen PC in der Kurie. Erst Benedikt hat im Zuge der Affäre Richardson die Anschaffung von Computern angeordnet. Wie Kardinal Kasper sagte, ist in keinem anderen Land die Sache so hochgespielt worden wie in Deutschland.

Bei der Regensburger Rede wurde ein Zitat des byzantinischen Kaisers aus dem Zusammenhang gerissen und damit verschärft. Während der Rede selbst, nahm keiner der Anwesenden an dem Zitat Anstoß, wie erst noch neulich im Fernsehen gezeigt wurde. Das aus dem Zusammenhang gerissene Zitat führte in der islamischen Welt zu wilden Protesten. Sie besitzen die Unverschämtheit, dem Papst den Tod zweier Ordensschwestern, die der muslimische Mob ermordete, anzulasten. Lasten Sie auch dem Karikaturisten von Jyllands-Posten, Kurt Westergaard,  all die Morde und Brandstiftungen an, die seine Mohammed-Karikaturen in islamischen Ländern auslösten?

Benedikt für die zum Teil Jahrzehnte zurückliegenden Mißbrauchsfälle verantwortlich zu machen, ist in jeder Hinsicht horrend. Schon als Präfekt der Glaubenskongregation hatte sich gerade Joseph Ratzinger für eine härtere Bestrafung der Täter eingesetzt. 2010 aber kam es gewissermaßen zu einer Explosion, die den Pontifikat dieses absolut integren Papstes verdunkelte. 

Für die Gegner und Feinde war es die Gelegenheit, die katholische Kirche, den Fels in der Brandung der modernen Zeit, anzugreifen und ihre moralische Autorität in den Dreck zu ziehen. Daß es auf der evangelischen Seite genau so schlimm war, wurde einfach ignoriert, denn die evangelische Kirche war ja zeitgeistkonform, vor allem im Hinblick auf die Sexualmoral.

Nicht unerwähnt bleiben soll, was alles in staatlichen Heimen passierte. Und schließlich mußten auch die Grünen zugeben, was alles unter dem Deckmantel einer repressionsfreien Erziehung an Unsittlichem und Verbrecherischem geschehen war. Daniel Cohn-Bendit mußte in Frankreich seine Kandidatur für das Europa-Parlament zurückziehen, als bekannt wurde, daß er in einem Kinderladen in Frankfurt Kinder mit seinem Penis spielen ließ.

Zum Schluß noch zwei kleinere Korrekturen. Fabius Maximus cunctator hat Hannibal nicht besiegt. Das blieb Scipio Africanus in der Schlacht bei Zama 202 v.C. vorbehalten. Fabius hat als dictator nach der verheerenden Niederlage bei Cannae 216 die militärische Lage für Rom stabilisiert, indem er konsequent Hannibal ausgewichen ist (S. 266). Ein Priester gelobt keine Armut, das bleibt dem Ordensmann vorbehalten (S. 351).

Zwei Päpste haben mir eine große Wohltat erwiesen: Johannes Paul II. hat  mich zum Ritter des päpstlichen Silvesterordens ernannt, und Franziskus hat mir und meiner Ehefrau zur Goldenen Hochzeit den Apostolischen Segen erteilt. Die Urkunde hängt, golden eingerahmt, in unserem Wohnzimmer.

Umso mehr bedaure ich, daß Franziskus mit unbedachten Äußerungen Anstoß erregt. Vor wenigen Jahren sprach er davon, Eltern könnten ihre Kinder körperlich züchtigen, und die Beleidigung der Mutter könne sogar mit einem Fausthieb geahndet werden. Ich habe das damals noch in einem ausführlichen Schreiben an die Vorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands, Frau Marie-Theres Kastner, als Ausdruck der argentinischen Kultur verteidigt.

Aber Flüchtlingslager in der EU als Konzentrationslager zu schmähen, das ist nicht mehr zu verteidigen. Offensichtlich weiß er nicht, welche Erinnerungen der Begriff Konzentrationslager in Europa hervorruft. Zum Glück ist das mediale Echo auf diese Entgleisung relativ gering, weil sich Franziskus großer Sympathien in der Öffentlichkeit erfreut. Es tut der Kirche gut, daß sich die Sympathien für den Papst nicht auf die katholische Welt beschränken, sondern sich auch auf die Protestanten, ja auf die ganze Welt erstrecken.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Heinz Althaus

 


IGFM appelliert an den Papst: Bei Ägyptenreise Kopten-Diskriminierung ansprechen

Papst Franziskus soll bei seinem Besuch in Ägypten seinen Einfluss nutzen und sich für die Freiheit und Gleichberechtigung aller Ägypter einsetzen. Dazu ruft die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) auf.

„Franziskus kennt die Schrecken der Militärdiktatur aus seiner Heimat Argentinien – wer könnte stärker als Franziskus dazu berufen sein, sich für die Freiheit und gegen Willkür und Folter einzusetzen als er?“, appelliert IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Die ägyptische Wirtschaft ist in erheblichem Maß auf christliche Touristen angewiesen. Der Papstbesuch sei vor diesem Hintergrund auch ein „Geschenk an die ägyptische Regierung“. Franziskus habe dadurch einen erheblichen Spielraum. „Diese Chance darf nicht ungenutzt verstreichen!“, appelliert die IGFM.

„Der Papst soll die Demokratieaktivisten nicht links liegen lassen. Er ist frei von den Zwängen, denen die deutsche Kanzlerin ausgesetzt ist“, unterstreicht Lessenthin. Angela Merkel war bei ihrem Ägyptenbesuch im März dafür kritisiert worden, dass sie der Regierung bescheinigt habe, dass die Christen angeblich „eine sehr gute Situation für die Ausübung ihrer Religion“ hätten.

Ägypten ist die Heimat der Kopten, der größten christlichen Gemeinschaft des Nahen Ostens. Das Staatsoberhaupt, der frühere Feldmarschall Abdel Fattah al-Sisi, ist seit seiner Machtübernahme im Jahr 2014 durch viel beachtete symbolische Gesten auf die Kopten zugegangen. An den Grundproblemen der christlichen Minderheit hat sich nach Beobachtung der IGFM aber wenig geändert. Im Bildungssystem, im öffentlichen Sektor und in weiten Teilen der Gesellschaft gebe es eine drückende Diskriminierung und viele Vorbehalte.

Der Grund für die Probleme der Kopten ist nach Auffassung der IGFM aber keineswegs eine aktive Politik der Regierung, um die christlichen Minderheit zu diskriminieren. Die Ursache liege vielmehr in einem immer stärker werdenden islamischen Fundamentalismus, den die Regierung ignoriere.

Das extreme Gedankengut sei der Nährboden, auf dem der islamische Extremismus immer stärker werde. Das Regime bekämpfe jedoch ausschließlich die politischen Strömungen des Islamismus, die eine aktuelle Bedrohung der Macht des Militärs darstellen. Das sind vor allem die Muslimbrüder. Unpolitische, aber viel radikalere Gruppen als die Muslimbrüder verbreiten derweil mit Erfolg ihr menschenrechtsfeindliches Weltbild. Sie säen Hass gegen Andersgläubige und alle, die für Demokratie einträten, kritisiert die IGFM.

Weitere Infos: http://www.igfm.de/Ägypten