Der „Synodale Prozess“ als Ereignis im Vergleich mit der Französischen Revolution

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die drei ersten Tage des „Synodalen Weges“ vom 30. Januar bis 1. Februar 2020 in Frankfurt brachten Weichenstellungen, die eine „andere Kirche“ zum Ziel haben.

Es ging nicht um Neuevangelisierung oder ein vertieftes Verständnis unseres Glaubens. Mit der Zustimmung von 87 % der abstimmungsberechtigten Mitglieder können bei den weiteren Beratungen auch Beschlussvorlagen, die sich gegen die Lehre der Kirche richten, aufgegriffen und abgestimmt werden. Das ist ein revolutionärer Schritt!

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Wie sich die „Revolutionäre“ dieser kirchlichen Versammlung weiter verhalten werden, nachdem Papst Franziskus mit seinem nachapostolischen Schreiben zur Amanzonassynode die ausgesprochenen Ziele: Lockerung des Zölibats für Priester, Frauenpriestertum etc. durchkreuzt hat, bleibt eine spannende Frage. Die ersten Reaktionen der „Reformer“ reichen von Enttäuschung und Wut bis zu „jetzt erst recht“.

Wie Revolutionen ablaufen – die Mehrheit der Synodalteilnehmer agiert wie ein politisches Gremium – kann man an historischen Beispielen studieren, insbesondere am großen Vorbild, d.h. an der Französischen Revolution von 1789.

In Frankreich wurden von Ludwig XVI. die sogenannten „Generalstände“ (Adel, Geistlichkeit, Dritter Stand) einberufen. Der Staat war zahlungsunfähig geworden.

Der Auftrag an die Generalstände war, die Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen. Vor dem Zusammentreten der Generalstände wurden im ganzen Land heftige emotionale Diskussionen geführt, bei denen es weniger um den eigentlichen Auftrag, sondern vielmehr um die künftige Machtaufteilung im Staat ging. Das weitverbreitete Flugblatt von Abbé Sieyes stellte die Frage: „Was ist der Dritte Stand“? und beantwortete sie mit: „Bisher war er nichts, in Zukunft wird er alles sein“!

Vor Beginn des „Synodalen Weges“ wurden im ZdK und in den katholischen Frauenverbänden, bei Maria 2.0 und im BDKJ ebenfalls heftig gegen die Lehre der katholischen Kirche (Zölibat, die Priesterweihe von Frauen), mit dem Rückenwind der Medien, polemisiert und die eigenen Forderungen deutlich genannt: Es ging darum, mit dem Synodalen Weg „eine Kirche zu schaffen, nachdem nichts mehr so sein wird, wie es war“, merkte ein Bischof an.

Am 5. Mai 1789 trafen sich die französischen Abgeordneten zu ihrer ersten Sitzung; sie befassten sich nicht mit ihrem Auftrag, die Staatsfinanzen zu sanieren, sondern mit der Neuaufteilung der Macht im Staat, d.h. mit der Verfassung.

Die Mehrheit der Synodenvertreter in Frankfurt griffen nicht das auf, was ihnen Papst Franziskus in seinem Schreiben an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ aufgetragen hatte. Das konnte angesichts des desaströsen Zustandes des Glaubenswissens und der Glaubenspraxis nur die Glaubensvertiefung und Neuevangelisierung sein. In Frankfurt ging es aber um die Weichenstellungen, mit den vorher deutlich artikulierten Forderungen eine neue Kirche zu etablieren.

Die französische Versammlung umfasste 1214 Teilnehmer (Klerus 305, Adel 285, Dritter Stand 621). Nach der bisherigen Ordnung saßen die drei Stände in getrennten Räumen. Damit die Beschlüsse Geltung erlangten, mussten sie in allen drei Ständen die Mehrheit haben.

Der Dritte Stand verlangte nun gemeinsame Sitzungen in einem Raum. Damit wäre ihnen mit 621 Abgeordneten immer die Mehrheit gesichert gewesen. Der Streit in dieser Frage dauerte acht Wochen. Am 17. Juni 1789 verabschiedete der Dritte Stand eine Resolution und erklärte sich zur Nationalversammlung, das heißt zur Vertretung der französischen Nation. Das war ein revolutionärer Akt, der alle Standesunterschiede beseitigte.

Die Organisatoren des ZdK verlangten, dass die Laien auf „gleicher Augenhöhe“ mit den Bischöfen und Klerikern stehen müssten. Dabei ging es nicht um die selbstverständlich gleiche Würde, sondern um die Mitbestimmung in allen Fragen, die anstehen, obwohl das Zweite Vatikanische Konzil bekräftigt hat, dass die Bischöfe und die Weltchristen ganz unterschiedliche Aufgaben und Kompetenzen in Kirche bzw. Gesellschaft haben.

Die Bischöfe haben die ZdK-Forderung hingenommen. Das ist ein eigenartiges Selbstverständnis. Das „Genossentum“ ging sogar einen Schritt weiter. Es wurde der Antrag gestellt, Rangunterschiede und Titel aufzugeben. Alle sollten sich nur mit dem Nachnamen ansprechen. Selbst ein solcher Antrag bekam eine stattliche Anzahl von Stimmen.

Am 23. Juni berief Ludwig XVI. alle Stände zusammen und ordnete weiterhin getrennte Sitzungen an. Aber der König hatte schon zulange gezögert. Am 24. Juni schlossen sich über die Hälfte des geistlichen Standes und 47 Adelige dem Dritten Stand an. Schon vorher waren Adelige wie Graf Mirabeau oder Geistliche wie Abbé Sieyes Wortführer des Dritten Standes geworden. Der König musste nachgeben.

Wir können Ähnliches bei Bischöfen und Pfarrern feststellen, die sich zu Sprechern radikaler Laienforderungen machen, z.B. zu den Zielen von Maria 2.0 oder der Segnung homosexueller Paare etc..

Der weitere Ablauf der französischen Revolution ist bekannt. Die Nationalversammlung griff immer stärker in die Rechte der Kirche ein.

So wurde am 4. August 1789 der Kirchenzehnt („Kirchensteuer“) abgeschafft. Der Kirche wurde der Landbesitz weggenommen. Die Nationalversammlung blieb aber nicht bei der Trennung von Kirche und Staat stehen. Sie versuchte vielmehr, 1790 eine Staatskirche einzurichten mit vollständiger Kontrolle über sie. Die Pfarrer wurden zum Treueid gezwungen. Zwei Drittel aller Pfarrer und sämtliche Bischöfe –  außer sieben – verweigerten den Treueid.

Im weiteren Verlauf wurde der König abgesetzt und hingerichtet. Die radikale Minderheit der Jakobiner terrorisierte die gemäßigte Mehrheit. Am Ende spalteten sich selbst die Jakobiner und es entstand das Terrorregime.

Es bleibt abzuwarten, wie nach den Weichenstellungen von Frankfurt der „Synodale Prozess“ weitergehen wird.


Papst Franziskus beurlaubt Präfekt Gänswein

Hintergrund ist offenbar die unglücklich gelaufene Präsentation des Kleriker-Buchs von Kardinal Sarah, zu dem Benedikt XVI. einen Aufsatz über den Zölibat beigesteuert hatte.

Papst Franziskus hat den Präfekten des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Das bestätigen Vatikankreise gegenüber der „Tagespost“, einer katholischen Wochenzeitung aus Würzburg.

Der Privatsekretär des emeritierten Papstes bleibt als Leiter der Präfektur, die für den Ablauf der öffentlichen Audienzen des Papstes zuständig ist, weiter im Amt, ist aber freigestellt, um mehr Zeit Benedikt XVI. widmen zu können. 

Hintergrund ist offenbar die unglücklich gelaufene Präsentation des Kleriker-Buchs von Kardinal Robert Sarah, zu dem Benedikt XVI. einen Aufsatz über das katholische Priestertum beigesteuert hatte.

Die Aufmachung, die das Verlagshaus Fayard in Frankreich dem Buch gegeben hatte, erweckte im ersten Moment den Eindruck, beide – der emeritierte Papst und der Präfekt der Gottesdienstkongregation – wollten dem amtierenden Papst vorschreiben, wie er die von der Amazonas-Synode aufgeworfenen Frage der „viri probati“ zu lösen habe.  

Als das Buch ausgeliefert wurde, konnte man nachlesen, dass Benedikt in seinem Beitrag auf jede Einmischung in aktuelle Debatten verzichtet und über die pneumatologisch-christologisch Exegese des Übergangs des Priestertum vom Alten zum Neuen Bund geschrieben hatte.

Jedoch hatte es zwischen Gänswein und Sarah Meinungsverschiedenheiten und widersprüchliche Darstellungen der Genese des Buchs gegeben. Der Präfekt des Päpstlichen Hauses wird derzeit bei den öffentlichen Audienzen des Papstes von dem Regenten der Präfektur, Leonardo Sapienza, vertreten.

Wann Gänswein seine Tätigkeit in der Präfektur wieder aufnehmen wird, ist ungewiss.

Vatikan-Experte Guido Horst beleuchtet in der kommenden Ausgabe der Tagespost, warum sich dieser Schritt bereits länger angekündigt haben könnte.

Quelle: Pressemeldung der Tagespost, Berner Straße 2 in 97084 Würzburg
www.die-tagespost.de
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Papst predigte gegen Aberglaube und Magie

Der Papst erteilte magischen Praktiken eine Absage – diese seien „nicht christlich“, so Franziskus bei seiner Generalaudienz am Mittwoch. 

In seiner Katechese auf dem Petersplatz ging der Papst auf die Predigt des hl. Paulus in Ephesus ein. In der bedeutenden antiken Stadt hatte das Wirken des Völkermissionars zu großen Veränderungen geführt: Es gab Taufen und Bekehrungen – und die Menschen begannen, Glaube von Aberglaube zu unterscheiden.

So habe der Apostel in Ephesus die Unvereinbarkeit des Christusglaubens mit magischen Praktiken betont, sagte Papst Franziskus:

„Wenn du Christus wählst, kannst du nicht auf einen Magier zurückkommen. Der Glaube ist vertrauensvolle Hingabe in die Hände eines zuverlässigen Gottes, der sich nicht durch okkulte Praktiken, sondern durch Offenbarung und bedingungslose Liebe zeigt.“

Auch heute noch hingen viele Menschen am Aberglauben, selbst unter Christen seien solche Irrtümer verbreitet, schlug der Papst die Brücke in die Gegenwart. Der Papst richtete sich an seine Zuhörer:

„Wie viele von euch lassen sich die Karten legen oder aus der Hand lesen? In großen Städten greifen praktisch veranlagte Christen immer noch auf solche Dinge zurück, auch heute. ,Warum glaubst du an Christus und gehst zum Magier?‘ – ,Ich glaube an Jesus, gehe aber zufällig auch zu solchen Leuten..‘ – Aber Magie ist nicht christlich! Solche  Zukunftsbefragungen sind nicht christlich! Denn: Die Gnade Christi bringt dir alles – bete also und vertraue dich dem HERRN an!“

Die Verkündigung des Paulus in Ephesus habe auch noch andere Auswirkungen gehabt, fuhr der Papst fort:

Der Silberhandel in der berühmten Stadt, die den Tempel der Göttin Artemis bzw. Diana beherbergte, sei eingebrochen. Die Händler hätten mit den Silberstatuen der Göttin ein regelrechtes Geschäft gemacht. Als ihre Einnahmen sanken, organisierten diese Geschäftsleute einen Aufstand gegen die Christen.

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-12/papst-franziskus-generalaudienz-apostelgeschichte-04-12-2019.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE


KNA-Chef: Die Bischofsmehrheit hat sich nicht vom Vatikan „provozieren“ lassen

Von Felizitas Küble

Am 26. September veröffentlichte das kirchenamtliche Kölner „Domradio“ in seiner Online-Ausgabe einen ausführlichen Kommentar von Ludwig Ring-Eifel, dem Chefredakteur der offiziösen KNA (Katholischen Nachrichtenagentur).

Unter dem etwas verwunderlichen Titel „Kritik aus Rom hat die Bischöfe inspiriert“ fragt sich der Leser, worin denn diese „Inspiration“ besteht, nachdem die Deutsche Bischofskonferenz mit großer Mehrheit beschlossen hat, ihren „Synodalen Prozess“ munter fortzuführen, obwohl aus dem Vatikan ein deutliches Stoppschild für den bisherigen Kurs eingereicht wurde.

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen stellt sich heraus, was Ring-Eifel damit wirklich meint, denn er schreibt:

„Die Bischöfe brachten in Fulda das Kunststück fertig, sich von den unterschiedlichen Mahnungen aus Rom weder provozieren noch entmutigen zu lassen.“

Der Brief des Papstes und die kritischen Einwände zweier Dikasterien des Vatikan werden hier kurzerhand als „Provokation“ bewertet, die man gleichsam links bzw. rechts liegenließ.

Rund 12 Gegenstimmen zum Statut des „Synodalen Weges“

Zudem waren es keineswegs „die“ Bischöfe, die sich von Rom in ihrem  Reformeifer nicht bremsen lassen wollen, denn in der weiteren Folge seines Artikels räumt der Autor ein, es habe bei der Abstimmung zur Satzung des Synodalen Wegs „etwa ein Dutzend Gegenstimmen“ gegeben. Über mögliche Enthaltungen schweigt er sich aus.
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Rund 12 Gegenstimmen sind bei 64 anwesenden Bischöfen und Weihbischöfen immerhin fast 20% – das ist eine beachtliche Minderheit.
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Bei der Abstimmung zum „Synodalen Prozess“ im Frühjahr gab es lediglich fünf Enthaltungen. Folglich hat sich die Schar der theologisch konservativen Kritiker massiv erhöht – und dies sogar angesichts der Tatsache, daß das endgültige Statut in einigen Punkten gemäßigter als der vorherige Entwurf ausgefallen ist.
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Zwei katholische Würdenträger haben sich öffentlich zu ihrem NEIN bekannt, nämlich Kardinal Woelki (Köln) und Bischof Voderholzer (Regensburg). Der Regensburger Oberhirte (siehe Foto) hat seine Entscheidung mit einer sehr entschiedenen und fundierten Erklärung begründet: https://charismatismus.wordpress.com/2019/09/26/persoenliche-erklaerung-von-bischof-dr-rudolf-voderholzer-zum-synodalen-prozess/
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Sodann beschreibt Ring-Eifel, das skeptische Schreiben des päpstlichen Nuntius sei zwar in der Bischofskonferenz ausführlich debattiert, aber teils „entschieden zurückgewiesen“ worden:
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„Erzbischof Nikola Eterovic hatte die Bischöfe u.a. gemahnt, keinen nationalen Sonderweg einzuschlagen, der zu einer Abtrennung von der Weltkirche führen könnte. Dies wurde von nicht wenigen Bischöfen als Unterstellung empfunden und entschieden zurückgewiesen.“
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So läuft das also bei „nicht wenigen“ Bischöfen: Kritische Worte aus Rom werden schlicht als „Unterstellung empfunden“, als handle es sich dabei um haltlose Besorgnisse, die man einfach vom Tisch fegt.
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Gerade diese „lässige“ Reaktion ist ein weiterer Beleg dafür, wie berechtigt das vatikanische Stirnrunzeln über kirchliche „Sonderwege“ in Deutschland tatsächlich ist.
Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Frauenbewegung dankt Bischöfen, die das Statut des „Synodalen Wegs“ ablehnen

Neben Bischof Voderholzer und Kardinal Woelki haben weitere Bischöfe auf der Herbst-Vollversammlung der DBK gegen das Statut für den „Synodalen Weg“ gestimmt.

Die katholischen Oberhirten Voderholzer und Woelki fordern eine Neuausrichtung, welche die Bedenken und Anregungen des Papstbriefes aufnimmt und die Evangelisierung als Ausgangspunkt aller Überlegungen wählt.

Zu seinem Abstimmungsverhalten hat Bischof Rudolf Voderholzer eine persönliche Erklärung herausgegeben. Hierzu erklärt für die Neue katholische Frauenbewegung (NkF) deren Sprecherin Susanne Wenzel (siehe Foto):

„Die Neue katholische Frauenbewegung dankt den Bischöfen, die gegen das Statut des „Synodalen Weges“ gestimmt haben. Besonders dankbar sind wir dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer (siehe Foto) für die deutlichen und mutigen Worte seiner persönlichen Erklärung.

Gleichzeitig sind wird bestürzt und beunruhigt darüber, dass sich ein Bischof zu einer Erklärung genötigt sieht, wonach er auch weiterhin zur Lehre und Glaubensverkündigung der katholischen Kirche steht.

Wie muss die Auseinandersetzung während der Sitzung der Bischöfe in Fulda gelaufen sein, dass eine solche persönliche Erklärung zur Abstimmung über die Satzung des „Synodalen Weges“ überhaupt als notwendig erachtet wird?

Die Mehrheit der deutschen Bischöfe scheint fest entschlossen, den „Synodalen Weg“ wie vorgesehen zu gehen – trotz wiederholter Mahnung auch aus Rom. Und offenbar auch ohne Rücksicht auf Verluste.

Gemeinsam mit dem Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hatte Bischof Voderholzer im Juli einen alternativen Vorschlag zur Ausrichtung des „Synodalen Weges“ gemacht, der den von Papst Franziskus wiederholt betonten „Primat der Evangelisierung“ tatsächlich berücksichtigt.

Die Abstimmung darüber im Rat der Bischöfe haben sie deutlich verloren.

Auch Kardinal Woelki hatte in seinem Impulsreferat auf der Herbst-Vollversammlung noch einmal darauf hingewiesen, dass Dreh- und Angelpunkt eines Dialogprozesses die Evangelisierung als eigentliche und wesentliche Sendung der Kirche ist. Auch er hat schließlich dem Statut auf der Vollversammlung der Bischöfe nicht zustimmen können.

Doch die Bischöfe unter der Führung von Kardinal Marx schlagen alle Bedenken und Änderungsvorschläge in den Wind. Der „Synodale Weg“ soll gegangen werden wie vorgesehen, so die klare Devise des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz.

Ist der Druck, den das ZdK (Zentralkomitee der dt. Katholiken) aufgebaut hat, so groß?

Nicht nur aus Sicht der NkF scheint die Spaltung der Kirche in Deutschland von den Protagonisten des „Synodalen Weges“ bewusst in Kauf genommen zu werden. Erste Risse sind bereits deutlich zu Tage getreten und werden mit der Erklärung von Bischof Voderholzer nun noch deutlicher sichtbar.

Wir stimmen mit dem Regensburger Oberhirten darin überein, dass der Missbrauch vorgeschoben wird, um einen gewaltigen Umbruch der katholischen Lehre – zumindest in Deutschland – einzuleiten.

Dies ist eine nicht hinnehmbare Instrumentalisierung des schlimmen Missbrauchs. Dabei ist eine wirkliche Auseinandersetzung darüber, wie den Opfern noch Gerechtigkeit widerfahren und wie künftig Missbrauch verhindert werden kann, nicht nur wünschenswert, sondern sogar dringend geboten.

Auch die NkF hat bereits eine völlige Neuausrichtung des „Synodalen Weges“ im Sinne des Papstbriefes gefordert (s. hierzu unsere Meldung vom 16. August 2019 https://frauenundkirche.files.wordpress.com/2019/08/pm-umkehr-auf-dem-synodalen-weg.pdf).

Die dringend notwendige Evangelisierung in unserem Land kann nicht gelingen, wenn sich Bischöfe mit zweifelhaften Ideen der „Moderne“ anzubiedern suchen und die katholische Lehre auf dem Altar des Zeitgeistes opfern.

Bischof Voderholzer sagt zu Recht, dass die thematische Ausrichtung der Foren an der „Realität der Glaubenskrise in unserem Land vorbeizugehen scheint“. Mit der vorgesehenen Ausrichtung des „Synodalen Weges“ wird die Glaubenskrise in unserem Land noch verstärkt. Die Arbeitspapiere der vorbereitenden Foren lassen das erahnen. Der Glaubensabfall wird so nicht aufgehalten werden.

Mit seiner Erklärung hat Bischof Voderholzer seinen Amtsbrüdern unmissverständlich gesagt, was zu sagen war.

Der Hinweis, dass sie sich mit den beim „Synodalen Weg“ beabsichtigten Ergebnissen ausserhalb der katholischen Kirche stellen, ist deutlich. Keiner der Bischöfe, die für die Satzung zum „Synodalen Weg“ gestimmt haben, kann später behaupten, er habe die Auswirkungen nicht gewollt oder nicht beabsichtigt.

Jetzt ist die Zeit, sich zu entscheiden: „Eurer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein.“ (Matth 5, 37). Alle müssen sich nun der Frage stellen: Wollen wir den Bruch?“

www.frauenundkirche.wordpress.com


Synodaler Weg: Eigener Satzungsentwurf von Bischof Voderholzer und Kardinal Woelki

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte entschieden, im Rahmen eines sog. „Synodalen Prozesses“ Weichen für die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland zu stellen. 

Papst Franziskus begrüßte in einem Brief an die deutschen Katholiken den Weg, mahnte aber gleichzeitig an, die Neuevangelisierung in den Mittelpunkt der Beratungen zu stellen und bei der Themensetzung die Einheit und Gemeinschaft der katholischen Kirche zu wahren.

Nun schrieb Kardinal Marc Quellet, der Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, einen Brief an Kardinal Reinhard Marx, den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz.

Darin stellt er zum Entwurf über das Statut für den Synodalen Weg fest, es entspreche weder den Maßgaben des Papstes noch dem Kirchenrecht.

Zu den Kritikern des von Rom beanstandeten Statuts zählt auch der Bischof von Regensburg, Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto):

„Ich kritisiere die konkrete Gestaltung, nicht den Weg als solchen. Papst Franziskus hat uns in seinem Schreiben vom 29. Juni ausdrücklich zu diesem Weg ermutigt.

Er hat freilich sehr deutlich auch die Leitplanken aufgerichtet, die einem solchen Synodalen Weg die Richtung geben und ihn davor bewahren, in den Straßengraben der Spaltung abzurutschen: Primat der Neuevangelisierung; Beachtung des ’sensus ecclesiae‘; Rücksicht auf die Einheit mit der Weltkirche.“

Bischof Voderholzer betont durchaus die Notwendigkeit von Reformen und eines Neuaufbruchs im Glauben:

„Der Neuausrichtung auf Christus – und das ist der einzige Sinn von ‚Reform‘ in biblischer Perspektive – bedarf es immer; sowohl des Einzelnen wie auch der Kirche insgesamt. Aber was im Vorfeld des Synodalen Weges – auch mit großer theologischer Gelehrsamkeit bemäntelt – als Reform vorgeschlagen wird, ist bei genauerer Betrachtung die Aufgabe des katholischen Profils und die Preisgabe wichtiger Elemente.“

Gemeinsam mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatte der Regensburg Oberhirte deshalb einen alternativen Entwurf zur Satzung des Synodalen Weges in die Diskussion eingebracht.

Bischof Voderholzer dazu:

„Dieser Entwurf entspricht dem Reformverständnis der Kirche, er richtet sich nach den Maßgaben von Papst Franziskus, in ihm sind alle Punkte berücksichtigt, auf die Kardinal Marc Quellet in seinem Schreiben an Kardinal Reinhard Marx kritisch hinweist und vor allem: er stellt genau die Herausforderungen in den Mittelpunkt aller Beratungen, vor denen die Kirche hier und jetzt wirklich steht.“

Hier finden Sie den alternativen Satzungsentwurf und eine Zusammenfassung des Entwurfs, in dem Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer die wesentlichen Inhalte und Merkmale des Entwurfs darstellen.

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/synodaler-weg-alternativer-satzungsentwurf-von-bischof-voderholzer-und-kardinal-woelki-6946/


Das „Heil des römischen Volkes“ und die Geschichte eines besonderen Marienbildes

Von Ursula Zöller

Die Madonna „Salus Populi Romani“ in der Basilika Santa Maria Maggiore ist die bedeutendste Marienikone Roms und ihre Geschichte ist faszinierend.

Nach der Anerkennung des Christentums durch das Mailänder Edikt im Jahr 313 wurde aus „Heil des Volkes“ eine Anrufung Mariens. Die Ikone, die bald diesen Namen trug, zählt zu den Lukasbildern.

Eine berührende Legende berichtet, dass Maria nach der Kreuzigung ihres Sohnes ein paar Habseligkeiten mit zu Johannes nahm, darunter auch einen Tisch, den Jesus in der Werkstatt seines Vaters gearbeitet habe. Als Lukas gebeten wurde, ein Bild Mariens zu zeichnen, habe er es auf die Platte dieses Tisches gemalt und dabei Maria zugehört, die ihm von der Kindheit ihres Sohnes  erzählte.

Von St. Maria Maggiore berichtet das römische Brevier: Nach dem Konzil von Ephesus im Jahr 431, auf dem die Mutter Jesu zur Mutter Gottes ausgerufen wurde, errichtete Papst Sixtus III. in Rom auf dem Esquilin eine Basilika, die ihr geweiht war. Sie wurde später St. Maria Maggiore genannt und ist die älteste Marienkirche im Westen.

Das römische Pontifikale berichtet allerdings, dass sie unter Papst Liberius (352 – 366 n. Chr.) gebaut und durch Sixtus III. restauriert und erweitert wurde. „Papst Liberius wählte eine verehrtes Bild aus, das in der päpstlichen Kapelle hing. Es wurde angeblich durch die Hl. Helena nach Rom gebracht.“

Auch wenn die gegenwärtige römische Ikone wohl aus dem 13. oder 15. Jahrhundert stammt, gilt sie als Lukasbild und wegen vieler frommer Überlieferungen als wundertätig. Eine von ihnen bezieht sich auch auf den Engel auf der Engelsburg nahe des Vatikans: 

Eine schlimme Seuche hatte in Rom viele Familien dahingerafft. Papst Gregor der Große fleht 593 den Himmel um ein Ende dieses Schreckens an und lässt das Bild der Madonna in einer feierlichen Prozession durch die Stadt tragen. Beim Hadrians-Mausoleum hört man plötzlich einen Chor jenes Lied singen, das wir heute noch an Ostern singen: regina coeli, laetare, alleluja; Quia quem meruisti portare, alleluja; Resurrexit sicut dixit, alleluja.

Gregor fügt ora pro nobis Deum, alleluja an und über dem Mausoleum sieht man einen Engel, St. Michael wohl, der sein Schwert in die Scheide steckt. Die Seuche hat ein Ende.

Sicher ist, dass es bereits im achten Jahrhundert Kopien der Ikone gab und dass sie – damals noch vom Lateran aus – an Maria Himmelfahrt in einer Prozession nach St. Maria Maggiore getragen wurde.

Viele Päpste sind ganz besondere Verehrer dieses Madonnenbildes. Papst Pius V. betete 1571 vor ihm um den Sieg in der Schlacht von Lepanto, Gregor XVI. flehte dort um das Ende einer Cholera-Epidemie, Eugenio Pacelli feierte vor ihm seine Primizmesse und Papst Paul VI. bat die Madonna um Hilfe in der Zeit und erneuten Eifer für die Mission der Kirche.

Papst Franziskus bringt ihr immer wieder Blumen, Johannes Paul II. hat sie den Jugendlichen auf ihre Pilgerreisen zum Weltjugendtag mitgegeben.

Ignatius von Loyola, der heilige Gründer der Jesuiten, feierte an Weihnachten 1538 seine erste Heilige Messe vor diesem Bild. Sein zweiter Nachfolger als General der neuen Ordensgemeinschaft, der Heilige Franz von Borgia, bat den Papst um die Erlaubnis, diese Darstellung für die Jesuiten-Niederlassungen kopieren lassen zu dürfen. So kommt die Madonna Salus Populi auch nach Ingolstadt.

Sie ist nicht ganz identisch mit dem römischen Bild, aber wie diese hält sie in der Hand eine Mappa, ein zeremonielles Tuch, das als kaiserliches Symbol gilt und sie als Regina coeli kennzeichnet. Sie wird Teil der Bemühungen der Jesuiten um eine Neuevangelisation in Bayern und in ganz Deutschland.

Pater Jakob Rem, der zur zweiten Generation der Jesuiten zählt, sieht das Marienbild – damals noch wegen des Schneewunders auf dem Esquilin auch Maria Schnee genannt – in Rom. Gemeinsam mit Petrus Canisius, dem zweiten Apostel Deutschlands und ersten deutschen Jesuiten, wird er nach Dillingen geschickt.

Als Jakob Rem an die aufstrebende Universität in Ingolstadt versetzt wird, findet er dort das von ihm so verehrte Bild vor. Immer wieder fragt er sich, wie Maria, die er so liebt, wohl am liebsten genannt werden möchte. Wunderbare Mutter – das so scheint ihm nach vielen Gebeten – müsste dieser Name sein.

Während der Vorbeter am 6. April 1604 in der Lauretanischen Litanei „Mutter so wunderbar“ singt, wird der kniende  Pater zum Staunen seiner Mitbeter ein wenig emporgehoben. Er bittet den Sänger, diese Anrufung noch einmal und ein drittes Mal zu singen. Es ist der Anfang der vor allem in der Schönstattbewegung heute noch großen Verehrung Mariens als „Mater ter admirabilis“, als „Dreimal wunderbare Mutter“.

Ingolstadt wird im Zeitalter der Reformation und Gegenreform Zentrum der Neuevangelisierung Deutschlands. Auch darum darf man die Madonna im Münster „Zur Schönen Unserer Lieben Frau“ wohl wunderbar nennen.

An ihrer Hand wollen wir den Weg mit ihrem Sohn gehen.

Unsere Autorin Ursula Zöller ist katholische Publizistin und Verlagsleiterin in Aschaffenburg