Kardinal Müller zur Mißbrauchskrise: Homosexuelle Taten sind die Hauptursache

Kardinal Gerhard Müller (siehe Foto) erklärte in einem Interview mit dem katholischen TV-Sender ETWN, das Problem des Mißbrauchs in der Kirche sei nicht durch Klerikalismus oder Pädophilie verursacht, sondern durch eine aggressiv ausgeübte Homosexualität, von denen Jugendliche oder junge Erwachsene als Opfer betroffen seien:

„Die überwiegende Mehrheit der Opfer von Missbräuchen durch Kleriker sind keine Kinder, sondern Teenager und ältere Menschen. Jeder Angriff gegen das sechste Gebot ist eine Todsünde. 80 Prozent und mehr der Opfer sind Jungen im Alter von 14 Jahren und älter; es sind homosexuelle Anschläge, keine pädophilen. Es geht nicht um Kinder, sondern um Teenager und ältere Menschen.“

Hinsicht der Jugendsynode im Vatikan meinte der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, eine Bischofssynode besitze keine kirchliche Lehrautorität, denn sie sei kein allgemeines Konzil. Er fügte hinzu: „Der Papst kann auch nicht die Grundverfassung der Kirche verändern.“

Quelle für die Zitate: http://www.kath.net/news/65397

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Nicht der „Klerikalismus“ ist das Problem, sondern oberhirtliche Ablenkungsmanöver

Von Dr. Markus Büning

Seit Tagen müssen wir uns von unseren Oberhirten gebetsmühlenartig anhören, der Klerikalismus sei die Ursache der Missbrauchskrise  –  gemeint ist der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche.

Papst Franziskus gab mit seinem Schreiben an die Gläubigen hierzu den Aufschlag (http://w2.vatican.va/content/francesco/de/letters/2018/documents/papa-francesco_20180820_lettera-popolo-didio.html).

Seine bischöflichen Vasallen scheinen ihm hier unisono zu folgen, siehe hier nur für viele die Stellungnahme des Bischofs Dr. Genn aus Münster: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/wegen-missbrauch-genn-fordert-ende-von-klerikalismus.

Die Gründe für diese nunmehr gängige Worthülse zur scheinbaren Aufarbeitung sind vielschichtig.

Zum einen dient sie dazu, dass Kernproblem nicht anzusprechen. Bischof Eleganti aus der Schweiz allerdings war es, der hier den Finger trotz aller Vernebelung in die Wunde legte, indem er auf das Problem des Homosexualismus im Klerus zutreffend hinwies (siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/09/05/schweizer-weihbischof-eleganti-beklagt-tabu-um-kirchl-homosexuellen-problematik/).

Und genau davon will der Papst und die ihm vollends ergebenen Hirten nichts hören. Warum? Weil sie fürchten, von den Medien dieser Welt verbrannt zu werden, als homophob und ewig gestrig. All dies ist durchschaubar.

Aber es gibt für diese bischöfliche Nebelkerze auch noch einen anderen Grund: Letztlich schiebt man von bischöflicher Seite nun alles auf den niederen Klerus, der offenbar vom selbstherrlichen Klerikalismus infiziert sei. Und hierbei werden dann vor allem die Priester diffamiert, die seit Jahren nur eines wollen, nämlich treue katholische Priester sein!

Ja, gerade diese Geistlichen, die Priesterkleidung tragen und sich an den Ritus des Missale halten und die Hl. Messe würdig zelebrieren, geraten nun in das Fadenkreuz bischöflicher Problembewältigung. Gerade diese Priester sollen ganz offenbar mit dem Schlagwort des Klerikalismus getroffen werden. All dies ist höchst gefährlich!

Und wer tut solches? Der Bischof von Rom und all die Bischöfe, die auf einmal entdecken, wie wichtig die Papsttreue ist. Warum? Weil es ihnen nun in die Agenda passt! Es ist alles so durchschaubar! Nun auf einmal wird von einigen Bischöfen die unbedingte Papsttreue gefordert. Unter Benedikt XVI. und Johannes Paul II. habe ich solche Töne aus dem deutschen Episkopat nie gehört. Warum ist das jetzt anders?

Weil man sich von Franziskus die neue Kirche erwartet. Die Kirche der Beliebigkeit, in der alles geht und man so endlich, endlich der Welt gefallen kann, ja den Jubel fast aller erwarten darf. Das ist übrigens auch der Grund, warum die weltlichen Leitmedien derzeit weitgehend zum Kirchenskandal schweigen. Sie wollen den ach so reformerischen Papst decken und beteiligen sich so selbst am Werk einer teuflischen Vertuschung. Auch unterlassene Berichterstattung ist Fake-News-Berichterstattung!

Interkommunion, Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, Gottesdienste ohne festgelegten Ritus, alles ad libitum. Das scheint die Kirche zu sein, die diese Hirten nun erwarten.

Manche gehen sogar so weit, dass rebellische Frauen Morgenluft wittern und sich auch schon mit der Kasel am Altar wähnen. In einem Dekanat des Bistums Münster findet auf Dekanatsebene bereits eine Tagung für kirchliche Mitarbeiter zum Thema Frauendiakonat statt. Der zuständige Dechant lädt ein und der zuständige Episkopos schweigt.

Genau diese Kirche wird offenbar gewünscht und dafür scheint Franziskus die Gallionsfigur zu sein, die nun mit der Mentalität eines von bischöflicher Seite eingeforderten sakrosankten Führerkults in einer völlig unkritischen und devoten Weise geschützt wird. Das Ganze grenzt schon am Verstandesopfer, koste es was es wolle. Ja, es wird einem schwindelig dabei!

So etwas hat es in dieser Kirche wohl noch nie gegeben. Diese Masche scheint ein kirchenhistorisches Novum zu sein, welches die Einheit der Kirche in ihren Grundfesten erschüttert. Und all diejenigen Bischöfe, die nun so handeln, müssen sich doch fragen lassen, ob nicht sie es sind, die ihre Macht nun missbrauchen.

Ja, sie trifft der Vorwurf des ungehemmten Klerikalismus in der Gestalt eines bourgeoisen Episkopalismus, der nur eines will, der Welt gefallen.

Und nun frage ich diese Herren Bischöfe, wo sie in den letzten Jahrzehnten denn ihre Macht zu folgenden Themen ausgeübt haben: Liturgischer Missbrauch, Kanzelmissbrauch, häretischer Religionsunterricht, Verunstaltung der Kirchenräume usw. usw.?

Zu all diesen Themen sind die Schubladen deutscher Ordinariate gefüllt mit Beschwerdebriefen, wohl eher sind diese Briefe schon längst geschreddert. So gut wie nichts haben sie hier getan, die Herren Episkopen, das heißt übrigens übersetzt Aufseher und nicht Wegseher! Das alles ist nur noch erbärmlich.

Diese „Hirten“ haben es über Jahrzehnte weitgehend zugelassen, dass diese Kirche zu einer Karikatur geworden ist, in der der Glaube und die Frömmigkeit weitgehend verdunstet sind. Ja und wenn dann Mitbrüder da waren, die anders dachten, wollte man nur eines, sie möglichst schnell entsorgen. Man denke nur an die Bischöfe Mixa und Tebartz van Elst. Diese Oberhirten entsprachen nicht dem üblichen Wohlfühlkatholizismus westdeutscher Prägung, der auch die ostdeutsche Diaspora, die zu Verfolgungszeiten in der DDR noch weitgehend intakt war, inzwischen infiziert hat.

Solange diese Bischöfe nicht anfangen, ihr von Gott verliehenes Amt im Sinn der der kirchlichen Überlieferung auszuüben, trifft sie der Vorwurf eines angepassten Klerikalismus, der eben nicht bereit ist, die Missstände in dieser Kirche zu bekämpfen. Nein, ganz im Gegenteil, die Missstände schienen nunmehr eine weitere Flanke zur Deformation zu bieten. All dies ist nur noch zu bedauern.


Warum die Wahrheit frei macht – das gilt auch für die „Vigano-Krise“

Von Dr. Markus Büning

Seit einer Woche ist die katholische Welt erschüttert durch das Zeugnis des ehem. Nuntius in den USA, Erzbischof Vigano, der angesichts der Missbrauchsskandale in den USA schwere Vorwürfe gegenüber dem regierenden Papst inklusive Rücktrittsforderung erhoben hat (Quelle: https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/online/Exklusiv-Das-Schreiben-von-Ex-Nuntius-Vigano-in-deutscher-Uebersetzung;art4691,191445).

Die bisherigen Reaktionen sind vielschichtig. Vigano wird nun von manch einem Papstverteidiger in Misskredit gezogen. Der Papst wird von progressiver Seite mit geradezu papalistischem Fanatismus verteidigt. Ein Kardinal liberaler Provenienz warf Vigano sogar die „Sünde wider den Heiligen Geist“ vor. Der Papst selbst will derzeit dazu nichts sagen. Das kennen wir alle ja schon aus der Dubia-Episode. Einige Konservative scheinen sich demgegenüber diebisch zu freuen, endlich das Ende des Pontifikates herbeiführen zu können.

Diese Gemengelage ist höchst gefährlich, weil sie das Ansehen der Kirche in mehrfacher Hinsicht beschädigt. Folgende grundsätzliche Anmerkungen möchte ich daher machen:

Meines Erachtens instrumentalisieren derzeit einige Teile aus beiden Lagern, Progressive und Konservative, den Missbrauchsskandal auf ganz erbärmliche Weise für ihre jeweiligen kirchenpolitischen Positionen.

Einige Progressive wollen einfach nicht wahrhaben, dass die meisten Opfer sexuellen Missbrauches durch Kleriker männliche Jugendliche sind, soll heißen, hier drängt sich durchaus die Frage nach einer „klerikalen Homolobby“ auf, die seit Jahrzehnten versucht, die Sündhaftigkeit der praktizierten Homosexualität in der Kirche zu leugnen. Dies ist aus meiner Sicht zutiefst unanständig, ja reine Realitätsverweigerung!

Und nun komme man mir bloß nicht mit dem Argument, es gebe schließlich auch heterosexuelle Missbrauchstäter. Mir ist völlig klar, dass es auch heterosexuelle Kindesmissbraucher gibt. All dies ist genauso schlimm.

Aber wir reden hier über das spezifische Missbrauchsszenario in der katholischen Kirche. Und da stellt sich die Lage nunmehr doch wohl so dar, dass das Opferspekturm so ist, wie ich es hier beschrieben habe. Mir geht es überhaupt nicht um die Verunglimpfung homosexuell empfindender Menschen. Dazu habe ich gar kein Recht und das will ich auch nicht. Jeder Mensch, ausnahmslos jeder Mensch, ist von Gott geliebt und jeder Mensch muss selber sein Leben vor unserem Herrgott verantworten.

Aber meine Frage ist eine ganz andere: Kann es sein, dass die Aufklärung des strukturellen Missbrauchs durch Kleriker nicht hinreichend gelingt, weil es inzwischen so viele homosexuell praktizierende Kleriker gibt, die diese Dinge einfach nicht aufgeklärt haben wollen? Wenn ja, warum?

Weil sie in der Moraltheologie eine gänzlich andere Behandlung homosexueller Praxis durchsetzen wollen, als es im immer noch geltenden Weltkatechismus niedergeschrieben ist? Fragen über Fragen, die im Raum stehen und redlich beantwortet werden müssen.

Die Kirche hat hier noch (!) eine klare Haltung: Praktizierte Homosexualität ist eine Sünde gegen das Sechste Gebot (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2357-2359). Das ist die Haltung des Lehramtes, die immer noch gilt.

„Hasse die Sünde, aber liebe den Sünder!“, sagt uns der hl. Augustinus. Wenn ich die Sünde Sünde nenne, diskriminiere ich noch lange nicht den Menschen, der sündigt. Papst Franziskus hat zu Beginn seines Pontifikates mit seiner eben diese Differenzierung verkennenden Ausruf „Wer bin ich, zu verurteilen!“ sich selbst der moraltheologischen Klarheit beraubt und so erst den Nährboden dafür bereitet, dass nun einige seiner bischöflichen Kollegen sogar laut über die Segnung der homosexuellen Partnerschaften nachdenken.

Das wäre unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI., die einen klaren moraltheologischen Kurs hielten, undenkbar gewesen, ja nicht ohne Konsequenzen für solche Kleriker geblieben! Wir werfen hier heute die Dinge zu oft durcheinander und kommen in Gefahr, die Wahrheit zu verwässern.

Einige Konservative versuchen nun, den Papst zum Rücktritt zu zwingen. Auch solchen „Spielchen“ stehe ich sehr reserviert gegenüber. Allerdings stehen nun mal gravierende Vorwürfe seitens Viganos im Raum. Sollten diese nicht stimmen, sind sie doch zu widerlegen. Stimmen sie allerdings, hätte dies für die Glaubwürdigkeit des Papstes ganz schlimme Folgen.

Ich selbst maße mir nicht an, den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen zu beurteilen, weil ich dies gar nicht kann. Ich habe hierzu überhaupt nicht die geringste Möglichkeit, mir ein verlässliches Urteil bilden zu können. Das ist auch nicht meine Aufgabe!

Eines ist aber ganz klar: Ein schmollendes „Dazu sage ich nichts!“ seitens des Papstes reicht hier nun wirklich nicht mehr aus. Nein, nun ist er gefordert, die Dinge aus seiner Sicht darzustellen. Tut er dies nicht, bleibt der von Vigano beschriebene Schmutz an seiner weißen Soutane kleben!

Darüber muss der Herr Papst sich doch nun wirklich im Klaren sein. Nein, auch der Papst muss Rede und Antwort stehen, wenn ihm etwas zur Last gelegt wird. Er ist nicht der liebe Gott! Alle verschrobene Papolatrie, ob konservativ oder progressiv motiviert, muss nun ein für allemal ein Ende haben! Hat sie das nicht, werden die Missbrauchsfälle niemals aufgeklärt.

Es bleibt am Schluss dieser Ausführungen wohl nur eines: NUR DIE WAHRHEIT WIRD UNS FREI MACHEN!

In diesem Sinne verweise ich mit voller Zustimmung auf den sehr bemerkenswerten Artikel von Michael Meier (Religionsexperte vom Schweizer Tagesanzeiger). Dieser Mann gehört sicher nicht der Anti-Franziskus-Front an, sondern betreibt nur eines: soliden Journalismus.

Hier der Text des Artikels im Wortlaut:

Das befremdliche Schweigen der beiden Päpste Auch wenn die Vertuschungsvorwürfe gegen Papst Franziskus zu einer konzertierten Aktion der Konservativen gehören, müssen sie nicht unwahr sein. Die beispiellosen Vorwürfe von Erzbischof Carlo Maria Vigano an das Kirchenoberhaupt haben das Zeug, die katholische Kirche an Haupt und Gliedern zu erschüttern. Der frühere Nuntius in Washington, also der Repräsentant des Vatikans in den USA, will Franziskus schon 2013 gesagt haben, dass der emeritierte Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick, «Generationen von -Priestern und Seminaristen verdorben» habe.

Franziskus aber habe sich über die angeblich von Papst Benedikt 2008 und 2009 erlassenen Sanktionen gegen McCarrick hinweggesetzt und ihn zum engen Berater gemacht. Erst vor Wochen, als eine Untersuchung dessen Übergriffe auf einen Minderjährigen und Seminaristen erhärtete, entließ Franziskus ihn aus dem Kardinalsstand. Man kann Leitartikler Mathew Schmitz in der «New York Times» nur beipflichten, dass Franziskus zurücktreten müsste, sollten die Vorwürfe wahr sein.

Aber sind sie es auch? Das Schreiben sei eine Mischung aus «Fakten, Fiktion und Gift», hieß es alsbald, eine konzertierte Aktion von Internetportalen, letztlich ein Putschversuch des rechtskatholischen Franziskuskritischen Lagers in der US-Kirche. Das ist durchaus möglich, ja plausibel.

Aber auch wenn die Komplott-These zutrifft, die Vorwürfe von Vigano entkräftet sie nicht. Diesen als rachsüchtig darzustellen, weil er 2016 von Franziskus in Pension geschickt wurde, ist kurios. Vigano hatte damals mit 75 Jahren schlicht das ordentliche Pensionsalter der Bischöfe erreicht.

Eigenartig berührt das Schweigen der beiden Päpste. Benedikt XVI. habe sich zum Memorandum von Vigano nicht geäußert und werde es auch nicht tun, erklärte sein Privatsekretär Georg Gänswein. Warum schweigt der Ex-Papst, wenn er seinen Nachfolger entlasten könnte? Franziskus selber mag «kein Wort» zu den Vorwürfen sagen.

Die Medien sollten das Papier gründlich studieren, forderte er, und sich ihr eigenes Urteil bilden. Warum dementiert er nicht einfach? Außer Vigano täte er damit niemandem weh. Wusste der Vatikan Bescheid?

Pennsylvanias Generalstaatsanwalt Josh Shaphiro, der vor zwei Wochen über den Missbrauch von 300 Priestern an tausend Kindern berichtete, erklärte im Nachgang zum Vigano-Schreiben, der Vatikan habe über die Vertuschung von Missbrauch in der US-Kirche Bescheid gewusst. Ob Franziskus selber auch, könne er nicht sagen.

Durchaus möglich, dass Franziskus allen Vorwürfen zum Trotz den für die Armen engagierten McCarrick schätzte und förderte. Schließlich hatte er nach Amtsantritt 2013 auch Kardinal Georg Pell zum Finanzchef und in den Kardinalsrat berufen, obwohl die Missbrauchsvorwürfe gegen ihn längst bekannt waren. Derzeit steht Pell in Melbourne vor Gericht, angeklagt, sich einst an einem Jungen vergriffen und Missbrauchspriester gedeckt zu haben.

Es ist bekannt, dass sich Franziskus in der Personalpolitik nicht dreinreden lässt. Wenn sie ihm sympathisch sind, steht er auch zu den schwarzen Schafen. Er verlässt sich auf den Heiligen Geist, das heißt auf sein Bauchgefühl. Wobei die Reflexion zu kurz kommt.

Die richtigen Schlüsse hat Kardinal Daniel Di Nardo gezogen, der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz: Die aufgeworfenen Fragen verdienten «schlüssige und auf Beweisen basierende Antworten». Vom Vatikan fordert er eine umfassende Aufklärung der Vorwürfe und drängt auf eine baldige Audienz beim Papst.

Diesen muss er nur an dessen eigene Worte erinnern: «Vertuschung war gestern, jetzt ist Transparenz angesagt.»“ (Quelle: https://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/das-befremdliche-schweigen-der-beidenpaepste/story/21866772).

Dieser Schweizer Journalistenforderung ist nichts, aber auch gar nichts hinzuzufügen.


Indien: Katholiken wünschen Seligsprechung der Märtyrer von Kandhamal

Indische Katholiken schreiben an Papst Franziskus und bitten, die Verfahren zu beschleunigen, mit denen die Opfer der Gewalt vor zehn Jahren in Kandhamal zu Märtyrern erklärt werden sollen.

Im indischen Bundesstaat Orissa hatten extremistische Hindus eine Art „ethnische Säuberung“ unter den örtlichen Christen durchgeführt.

Zum 10. Jahrestag dieser Tragödie wandte sich der ehem. Präsident des Verbandes der indischen katholischen Laien „All India Catholic Union“, John Dayal, in einem Schreiben an den Papst, in dem er „die besondere Kraft des Glaubens der gefährdeten Gemeinden“ würdigt.

Nach der alten Evangelisierung des Subkontinents lebten indische Gläubige „in der Sicherheit einer demokratischen Republik, deren Verfassung die Freiheit des Glaubens garantiert. Seit der Unabhängigkeit war dies eine ausreichende Garantie“, schreibt der engagierte Laie.

„Doch es gab auch traumatische Momente in unserer Geschichte“, heißt es in dem Schreiben weiter:

„Am Ende des achtzehnten Jahrhunderts nahm der Sultan von Mysore, Tipu, hunderttausend Katholiken an der Westküste von Kerala und in Mangalore gefangen. Viele von ihnen starben an Folter und Krankheit. Bis 2008 war dies die größte Gewalt gegen die katholische Glaubensgemeinschaft, und bisher haben die Opfer nicht die Anerkennung erhalten, die sie verdienen.

2008 erlebten wir dann im Distrikt Kandhamal im Bundesstaat Orissa am 25. August 2008 ein zweites Mal ein Pogrom gegen Christen, das mehrere Wochen dauert“, beklagt Dayal.

Über 60.000 Kinder, Frauen und Männer, alte und junge Menschen oder auch schwangere Frauen flohen in Wälder, so dass rund 30.000 noch ein Jahr danach in den Flüchtlingslagern der Regierung lebten. In über 400 Dörfern wurden Übergriffe auf Christen verübt, bei denen 6000 Häuser zerstört und ca. 300 Kirchen und kirchliche Einrichtungen verwüstet wurden.

Rund 120 Menschen wurden ermordet, darunter Pater Bernard Digal, Priester Dalit und Schatzmeister der Erzdiözese Cuttack-Bhubaneswar, die den Bezirk Kandhamal umfasst.

„Viele andere Laien und Priester haben ihr Leben verloren und wurden mit Schwertern, Macheten oder Feuer ermordet“, schreibt Dayal: „Diese Katholiken haben sich tapfer dem Tod gestellt, anstatt ihren Glauben aufzugeben. Viele Frauen wurden vergewaltigt, einschließlich einer Ordensschwester“. 

„Zehn Jahre später sind die meisten Mörder frei“, beklagt er: „Es mussten jahrelange Gerichtsverfahren bis vor dem Obersten Gerichtshof Indiens geführt werden, um eine angemessene Entschädigung zu erhalten, damit Häuser wieder aufgebaut werden können. Doch der Wiederaufbau eines Lebens ist noch einmal eine andere Sache.“

Doch „die Standhaftigkeit und der Glaube waren für die Gemeinschaft der indischen Katholiken ein leuchtendes Beispiel. Wir haben bereits alle indischen Bischöfe gebeten, die Opfer der Gewalt im Jahr 2008 von der Kirche als Märtyrer des Glaubens anerkennen zu lassen“.

Der Erzbischof von Cuttack Bhubaneswar, heißt es in dem Brief abschließend, „hat den Prozess formell auf den Weg gebracht. Wir beten nun dafür und bitten, dass Papst Franziskus das Verfahren beschleunigen möge. Dies wird den Glauben eines jeden von uns stärken.“

Quelle: Fidesdienst


Kardinal Burke zu Sex-Skandalen: Diese schwere Krise trifft das Herz der Kirche

Der US-amerikanische Kardinal Raymond Leo Burke erklärte, dass sich die katholische Kirche aufgrund des „massiven Versagens“ einiger Bischöfe in einer „sehr schweren Krise“ befindet, die das „Herz der Kirche trifft“.

Die Skandale um sexuellen Missbrauch und Vertuschung durch Priester und Bischöfe seien „ein schwerer Vertrauensverlust in unsere Hirten“, sagte der 70-jährige Würdenträger weiter in einem Interview mit der EWTN-Sendung „World Over“ am 16. August.

Kardinal Burke ist ehem. Präfekt der Apostolischen Signatur im Vatikan; er kehrte kürzlich nach einem fast einmonatigen Besuch in den USA nach Rom zurück.

Er habe „noch nie so viel Wut, so viel Enttäuschung, so viel Frustration von guten, katholischen Gläubigen gehört“ wie während dieses Aufenthalts in den USA, so Burke:

„Wir haben es hier mit schwersten Sünden zu tun. Für den Bischof, der in diesem Bereich schmerzlich versagt hat, sind die Strafrechtsmittel der Kirche auch Sühnemittel für sein Wohl“.

Er fügte hinzu: „Dass ein Bischof die Herde ausnutzt und Todsünden begeht: Das ist einfach inakzeptabel und muss aufhören“.

Der einzige Weg, wie dieses Vertrauen wiederhergestellt werden kann, sei „der ganzen Sache auf den Grund zu gehen und für die Zukunft sicherzustellen, dass dies nicht geschieht“, unterstrich Burke.

Diese falle in die Verantwortung des Papstes, denn diesem sei es aufgetragen, Anschuldigungen gegen einen Bischof entgegenzunehmen und diese zu untersuchen, betonte er. Dafür sei nicht die Bischofskonferenz zuständig.

Dort, wo sich herausstelle, dass ein Bischof „sehr schwer gescheitert“ sei, müsse er „einfach aus dem Amt entfernt werden“, sagte der Kardinal.

Nun gehe es darum, alles zu tun, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen und Gerechtigkeit in der Kirche wieder herzustellen – „aber gleichzeitig müssen wir alle immer inniger für die Kirche beten und fasten, und andere Opfer zum Wohl der Kirche bringen. Wir brauchen wirklich ernsthafte Wiedergutmachungen für das Leid, das den Gläubigen, der Herde unseres HERRN, zugefügt wurde, und das ist unsere Verantwortung“, bekräftigte Kardinal Burke:

„Ich kann jeden nur auffordern, sich unserem Herrgott, der uns führt und leitet, anzuvertrauen. Er wird uns nie im Stich lassen.“

Quelle und vollständiger Text hier: https://de.catholicnewsagency.com/story/kardinal-burke-wir-befinden-uns-in-einer-schweren-krise-die-das-herz-der-kirche-trifft-3530

Hier einige weitere Infos zu Kardinal Burke: https://charismatismus.wordpress.com/2013/12/20/lebensrechtler-weltweit-entsetzt-papst-entlast-kardinal-burke-aus-der-bischofskongregation/


Kardinal Müller beklagt eine innerkirchliche Konversion zur Welt anstatt zu Gott

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Kardinal Gerhard Müller (siehe Foto) hat unlängst der Webseite „The Catholic World Report“ ein Interview zur Frage der Interkommunion gegeben.
Hier geht´s zum Original: klicken
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Die Reaktionen des Kardinals sind sehr lesenswert und liefern ein klares Bild von der Lage innerhalb der Katholischen Kirche in Deutschland.
Auf die CWR-Frage, warum viele deutsche Bischöfe an den dauernden Spannungen beteiligt sind, antwortet der ehem. Glaubenspräfekt folgendes:
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„Eine Gruppe deutscher Bischöfe mit ihrem Vorsitzenden an der Spitze sehen sich selbst als Trendsetter der katholischen Kirche auf dem Weg in die Moderne; sie betrachten die Säkularisierung und Entchristlichung Europas als unabänderliche Entwicklung.  
Aus diesem Grund ist die Neu-Evangelisierung – das Programm von Johannes Paul II. und Benedikt XVI.  –  ihrer Ansicht nach ein Kampf gegen den Verlauf der Geschichte, der dem Kampf Don Quichotes gegen die Windmühlen ähnelt. 
Sie suchen nach einer Nische, in der die Kirche in Frieden überdauern kann. Deshalb müssen alle Glaubenslehren, die dem „Mainstream“ und dem gesellschaftlichen Konsens widersprechen, erneuert werden.

Eine Konsequenz davon ist die Forderung, die Kommunion auch Nicht-Katholiken zu spenden – zudem jenen Katholiken die nicht im Stand der Gnade sind.
Ebenfalls auf der Agenda stehen: homosexuelle Paare, die Relativierung der Unauflöslichkeit einer sakramentalen Ehe, Einführung der „viri probati“ und damit Abschaffung des priesterlichen Zölibats, Zustimmung zu sexuellen Beziehungen vor und außerhalb der Ehe.
Das sind ihre Ziele und um sie zu erreichen, sind sie willens, sogar die Spaltung der Bischofskonferenz hinzunehmen.
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Die Gläubigen, die die katholische Lehre ernst nehmen, werden als konservativ gebrandmarkt, aus der Kirche gedrängt und der Diffamierungskampagne liberaler und anti-katholischer Medien ausgesetzt. 

Für viele Bischöfe ist die Wahrheit der göttlichen Offenbarung und des katholischen Glaubensbekenntnisses nur eine weitere Variable in der innerkirchlichen Machtpolitik….Es handelt
sich hier um einen eklatanten Prozess der Protestantisierung…

Die Verweltlichung der Bischöfe und Priester im 16. Jahrhundert war die Ursache für die Teilung der Christenheit…Die Krankheit jener Zeit soll jetzt die Medizin sein, mit der die Teilung überwunden werden soll?
Die Unkenntnis des katholischen Glaubens war damals katastrophal, besonders bei den Bischöfen und Päpsten, die sich selbst mehr der Politik und der Macht widmeten, als die Wahrheit Christi zu bezeugen. 

Heute ist es für viele Menschen wichtiger, von den Medien akzeptiert zu werden, als die Wahrheit, für die wir auch leiden müssen. Petrus und Paulus haben für Christus das Martyrium in Rom erlitten, dem Machtzentrum ihrer Zeit; sie wurden von den Herrschern dieser Welt nicht als Helden gefeiert, sondern eher wie Christus am Kreuz verspottet. Wir dürfen die martyrologische Dimension des Petrus-Amtes und des Bischofsdienstes nie vergessen.“
 
Zur Frage des CWR, wie er den Zustand des Glaubens in Deutschland und in Europa beurteile und ob er denke, daß Europa sich im Sinn seiner früheren christlichen Identität erholen werde, sagte Kardinal Müller:

„Es gibt viele Leute, die ihren Glauben ausleben, Christus und seine Kirche lieben und ihre ganze Hoffnung auf Gott setzen – im Leben und im Tod. Aber unter diesen gibt es einige, die sich von ihren Hirten verlassen und betrogen fühlen. In der öffentlichen Meinung populär zu sein ist heute ein Kriterium für einen angeblich guten Bischof oder Priester.

Wir erleben die Konversion zur Welt anstatt zu Gott, entgegen den Worten des Apostels Paulus: „Will ich denn Menschen gefallen oder Gott? Wenn ich Menschen gefallen wollte, wäre ich kein Knecht Christi.“

Übersetzung und vollständige Fassung des Müller-Interviews hier: https://beiboot-petri.blogspot.com/2018/06/kardinal-muller-spricht-klartext-zum.html

Müller-Foto: Bistum Regensburg


BRIEF an die hl. Apostel Petrus und Paulus

Von Dr. Markus Büning

Liebe Apostelfürsten,
lieber Petrus, lieber Paulus,

morgen ist Euer Hochfest: Peter und Paul. Jedes Jahr freue ich mich sehr auf diesen Tag, da er uns Katholiken ganz besonders daran erinnert, auf welchem Fundament wir als Kirche stehen, auf dem Fundament der Apostel.

Mich persönlich fasziniert besonders, dass dieses Fundament aus ganz unterschiedlichen Bausteinen besteht. Jeder Apostel bringt sein Charisma mit in die Grundsteinlegung der Kirche. Ihr seid zwei ganz besondere Fundamentbestandteile: Du Petrus bist der Felsenmann, der Hauptstein, auf den Christus seine Kirche gegründet hat und Du Paulus bist der große Künder der Gnade Gottes an die Heidenvölker, der mit seinen Predigten viele Menschen für Christus gewinnen konnte.

Ihr seid wirklich grundverschiedene Typen. Aber das zeigt mir, dass unser Gott kein Gott ist, der die Uniformität will. Nein, unser Gott ist so groß und vielfältig, dass er von Beginn der Kirche an gerade mit Eurer Berufung zeigen wollte, dass es verschiedene Gnadengaben und Berufungswege gibt.

In unseren heutigen innerkirchlichen Auseinandersetzungen nehme ich bei den großen Flügeln wahr, dass der Wunsch nach Uniformität sehr groß zu sein scheint. Die Konservativen wollen, dass alle so sind wie sie und die Progressiven wollen alle nur nach ihrem Strickmuster Kirche sein lassen. Die Bereitschaft, sich gegenseitig ernsthaft zuzuhören, scheint mit der Zunahme der polemischer werdenden Auseinandersetzung immer mehr abzunehmen.

Es wäre gut, wenn diese „Flügel“ auf Euch schauen würden und auf die Art und Weise, wie ihr miteinander mitunter auch über die Grundfragen des Glaubens gestritten habt, ohne den nötigen Respekt voreinander zu verlieren. Eines habt ihr dabei nie aus dem Sinn verloren: die Notwendigkeit der kirchlichen Einheit. Bei aller Unterschiedlichkeit war Euch klar, dass es nur eine Kirche gibt und wir Christen alles dafür tun müssen, dass dies auch so bleibt.

Wie weit ist die Christenheit heute von dieser Idealvorstellung entfernt. Das ist ein großer Skandal!

Eine große Gemeinsamkeit hattet ihr allerdings: Ihr beide wusstet, dass Eure Berufung zum Apostelamt ein Geschenk der Gnade Gottes ist. Ihr beide musstet sehr schmerzhaft erfahren, wie groß und schlimm die Sünde ist. Und dennoch wollte Gott Euch erwählen, Euch sündige Männer.

Der eine verleugnete den HERRN in der Stunde der Entscheidung und der andere verfolgte die junge Christenheit mit traditionalistischem Glaubenseifer für Israel, ja er war sogar dabei, als der Erzmärtyrer Stephanus gesteinigt wurde und heizte die Stimmung an.

Und dennoch wollte Christus gerade Euch zu Aposteln erwählen, um aller Welt zu zeigen, wie groß und wirksam die Gnade Gottes ist. Auch da „tickt“ die Kirche leider heute anders. Wir sind so sehr verbürgerlicht, dass solche Lebensläufe in den Priesterseminaren und Klöstern unserer Tage noch nicht einmal im Ansatz die Chance hätten, dort aufgenommen zu werden. Wir reden immer so viel von Barmherzigkeit und Dialog. Aber wehe, ein ehemaliger Verbrecher träte auf und behauptete: „Gott will, dass ich euer Bischof sein soll!“

Allerdings tratest Du, lieber Paulus, nicht so großspurig auf. Das ist wohl ein wenig übertrieben von mir umschrieben worden. Immerhin legtest Du ja großen Wert darauf, von den „Säulen der Kirche“, den Erstaposteln, anerkannt zu werden.

Wir würden heute einen solchen Mann wie Dich höchstwahrscheinlich für wahnsinnig halten, weil es an dem grundsätzlichen Vertrauen gegenüber Gott mangelt, auf krummen Zeilen gerade zu schreiben. All dies ist traurig und ein großer Verlust an der Frische und Glaubwürdigkeit der Kirche des Anfangs. O Herr, erwecke in Deiner Kirche wieder neu das große Vertrauen auf die bekehrende Kraft der Gnade Gottes.

Du, lieber Petrus, bist mir sehr nahe. Seit Kindertagen bist Du mir vertraut und auch die Tatsache, dass Du im Petrusamt bis ans Ende der Zeiten weiterhin ganz real in der Person des jeweiligen Papstes gegenwärtig bist. Nicht umsonst singen die Menschen bei jeder Amtseinführung des neuen Bischofs von Rom den Berufungsruf, der an Dich ergangen ist: „Tu es Petrus!“  – Du bist Petrus! (Mt 16,18).

Auch am unteren Rand der gewaltigen Kuppel des Petersdoms können wir diesen Ruf Jesu, der an jeden Papst ergeht, in großen Lettern lesen. Als ich am Ende meines Theologiestudiums war, habe ich im Fach „Exegese des Neuen Testaments“ über die Petrusverheißung meine Diplomarbeit geschrieben. Ja, dieses Thema scheint mir bis heute für die Existenz unserer Kirche  –  im wahrsten Sinne des Wortes  –  grundlegend zu sein: Wo Petrus ist, da ist auch die Kirche Jesu Christi.

Alle, die auf diesem Fundament stehen können gewiss sein, in der Ekklesia unseres HERRN zu sein. Und auch das fasziniert mich: Die Ambivalenz Deines Lebens wiederholt sich auch in jedem Mann, der den Ruf zum Petrusdienst erhalten hat.

Jeder Papst ist auch ein sündiger Mensch, hat Schwächen und Fehler. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Petrus immer dann, wenn er für die ganze Kirche in Fragen des Glaubens verbindlich und feierlich von seinem Lehrstuhl aus spricht, nicht in den Irrtum fallen kann. Das ist das große Geschenk der Unfehlbarkeit der Kirche, die im römischen Bischof gleichsam ihren Kristallisationspunkt findet.

Du, lieber Paulus, bist mir ebenfalls schon von Kindertagen an sehr vertraut. In meiner Heimatstadt Ahaus steht das barocke Sommerresidenzschloss der ehemaligen Münsteraner Fürstbischöfe. Im Schlosshof befindet sich an der Prunkfassade über dem Fürstensaal im Mittelportal ein schönes Bild von Dir. Der Grund hierfür ist der Umstand, dass Du der Patron des Bistums Münster bist.

Der Hl. Ludgerus, der erste Bischof von Münster und große Missionar der Friesen und Sachsen zu Beginn des 9. Jahrhunderts, sah in Dir das Vorbild für seine eigene Missionstätigkeit, die hier vor Ort alles andere als leicht gewesen ist. So bist Du der Patron meiner Heimat geworden. Auch unser Dom in Münster trägt Deinen Namen.

Zurück zum Ahauser Paulusbild: Aus Sandstein gefertigt thronst, Du dort über meine Heimatstadt und hältst allen das mit Blattgold überzogene Schwert entgegen, welches uns besonders an Dein Martyrium erinnert. Aber nicht nur daran erinnert uns das Schwert. Nein, es erinnert uns auch daran, dass das „Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert“ (Hebr 4,12) ist.

Und genau dieses Wort hast Du mit voller Kraft und Wucht, ja mit einem unglaublichen Mut den damaligen Heidenvölkern verkündet. Du hattest seit Deiner Berufung zum Völkerapostel keine Angst mehr, dieses Wort, sei es „gelegen oder ungelegen“ (2 Tim 4,2), den Menschen Deiner Zeit zu verkündigen.

Oh Paulus, wenn Du wüsstest, wie das heute bei vielen Nachfolgern der Apostel aussieht. Da sehe ich die große Gefahr, den Menschen nach dem Mund reden zu wollen, jeweils so, wie es der Zeitgeist abverlangt. Dadurch wird das Wort vom Evangelium der Gnade leider oft derart verwässert und verkürzt, dass man den Ursprungssinn gar nicht mehr wieder erkennen kann.

Ich bitte Dich besonders um Deine Fürsprache für unsere Bischöfe, dass sie wieder freimütig Gottes Wort den Menschen künden.

Am morgigen Hochfest trägt der Priester ein rotes Messgewand. Diese liturgische Farbe erinnert uns an Euer Lebensende. Am Ende Eures Lebens habt ihr alles gegeben, selbst Euer Leben. So sehr wart ihr angefüllt von der Botschaft unseres HERRN, dass ihr bereit wart, für ihn und seiner Kirche alles zu geben.

Du Petrus hattest sogar die Ehre, am Holz des Kreuzes zu sterben. Du Paulus kamst in den „Genuss“ des römischen Bürgerrechts und wurdest mit dem Schwert enthauptet. Diese Todesstrafe galt damals als besonders human. Alle Schwächen und Fehler konntet ihr am Ende Eures Lebens überwinden und ganz zu Christus stehen. Dafür bewundere ich Euch sehr.

Euer Martyrium ist die Vollendung Eures Weges der Christusnachfolge und in diesem Akt der Lebenshingabe seid ihr ganz vereint. Ich kann nur hoffen, dass auch ich am Ende meines Lebens in diesem großen Vertrauen auf Jesus Christus sterben darf.

Heute sind die Gefahren, vom Weg der Nachfolge abzukommen, sehr groß. Viele Versuchungen lauern an unseren Wegesrändern und versuchen, meist auf ganz sublime Weise, uns von Jesus wegzuziehen.

Liebe Apostelfürsten, erbittet uns die Kraft der Treue in der Nachfolge Jesu und eine gute Sterbestunde. In der Hoffnung, Euch dereinst im Himmel sehen zu dürfen,
bin ich
Euer Markus