Irakische Regierung dankt Papst Franziskus

Das irakische Außenministerium dankt Papst Franziskus „und dem Vatikan“ für die „kontinuierliche Unterstützung“ für den Irak und das irakische Volk „in diesem entscheidenden Moment für Frieden und Koexistenz“.

Als eine solche Geste der Unterstüzung wertet der irakische Außeninister auch die Ernennung des irakischen Patriarchen Raphael Louis Sako Mar I. zum Kardinal.

Die Aufnahme des chaldäischen Patriarchen in das Kardinalskollegium wertet die irakischen politische Führung auch als Anerkennung seiner humanitären Initiativen. Mit dem künftigen irakischen Kardinal werde der Irak „eine Stimme im Vatikan und in internationalen Gremien“ haben, um den „Kampf gegen den Terrorismus“ fortzusetzen und „die religiöse Vielfalt des Landes zu erhalten“.

Quelle: Fidesdienst


Bewegende Kurzporträts über katholische Märtyrer und Bekenner in Diktaturen

Rezension von Thomas May

Buch-Daten: Eduard Werner, Helden und Heilige in Diktaturen. – Media Maria Verlag, Illertissen 2017, 256 Seiten, gebunden, ISBN: 978-3-9454013-0-9. – 17,99 Euro

Über Jahre veröffentlichte der promovierte Historiker Eduard Werner in der katholischen Monatsschrift „Der Fels“ auf der letzten Seite Lebensskizzen von Persönlichkeiten, die in den Diktaturen des Nationalsozialismus und des Kommunismus des 20. Jahrhunderts als Zeugen ihres christlichen Glaubens in Erscheinung traten.

Jetzt sind die bewegenden Kurzporträts gesammelt als Buch erschienen. Unter den 108 bekannten, kaum bekannten oder unbekannten Gestalten finden sich Märtyrer („Heilige“, „Selige“), die für ihre Glaubenstreue mit dem Leben bezahlten, aber auch tapfere Männer und Frauen, welche die Verfolgun­gen ihrer Peiniger überlebt haben und heute als „Bekenner“ und Helden verehrt werden.

WARNUNGEN VOR DER NS-IDEOLOGIE

Schon in der Einleitung tritt der Autor dem immer wieder zu Unrecht erhobenen klischeehaften Vorwurf, Papst, Bischöfe und Kirche hätten vor Hitler und der NS-Diktatur versagt und sich insbesondere für die verfolgten Juden zu wenig eingesetzt, mit Verweisen auf gewichtige amtliche Verlautbarungen und Gegeninitiativen entgegen.

So verwarf das Heilige Offizium (Glaubenskongregation) bereits 1928 die widergöttliche Ideologie des Rassismus; noch vor der „Machtergreifung“ verkündeten die katholischen Bischöfe Deutschlands einstimmig, dass Katholiken die NSDAP nicht wählen dürften; 1934 setzte der Vatikan Alfred Rosenbergs „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“, die „Bibel“ der Nazis, auf den Index der für Katholiken verbotenen Bücher, gefolgt von der katholischen Gegenschrift „Studien zum Mythus des 20. Jahrhunderts“, in welcher die Rassenlehre des Autors wissenschaftlich begründet zurückgewiesen wurde; schließlich das Weltrundschreiben „Mit brennender Sorge“ Papst Pius‘ XI. 1937 gegen das NS-Un­rechtsregime.

Dass die Verurteilung der nationalsozialistischen Weltanschauung von „oben“ auch im katholischen Kirchenvolk „ankam“ und entschiedenen Widerstand bis zur Ge­fährdung des eige­nen Lebens hervorrief, belegt die facettenreiche Sammlung praktischer Glaubenszeugnisse von Klerikern und Laien.

SKIZZIERUNG DER PERSONEN

Unterteilt nach Kriegsdienst- und Befehlsverweigerern, Juden und Judenhelfern, Opfern des Kommunismus (Sowjetunion, Weißrussland, Estland, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Tschechoslowakei, Albani­en, DDR, Vietnam, Korea), Priestern im Widerstand und katholischen Lai­en im Widerstand, wird das Profil jeder Person auf zirka zwei Seiten erstellt.

Zu Beginn steht meist ein ins Zeitgeschehen oder in das nähere Umfeld einführender „Aufhänger“, gelegentlich unterfüttert mit Grundinformationen zum „Dritten Reich“, am Schluss ein nicht selten im Hinblick auf die heutige Wohlstandsgesellschaft und den „Zeitgeist“ kritisches oder mahnendes Resümee, das zum Nachdenken anregt.  

Genannt werden in der Regel die Lebensdaten, Geburtsort, Heimat, Ausbildung sowie beruflicher Werdegang. Den Schwerpunkt bilden Schlüsselerlebnisse mit den Nazis und die verschiedenen Formen des Widerstands bzw. Einzelaktionen, die Gründe der Verhaftung durch die Gestapo von „Feindradiohören“ über Verstöße gegen das „Heimtückegesetz“ und „Wehrkraftzersetzung“ bis zu streng verbotenen Formen der Seelsorge, welche oft Priestern zum Verhängnis wurden. Zur Sprache kommen auch Methoden der Überwachung, Verfolgung, des In-die-Falle-Lockens, Schwere der Folter, Drangsalierung und Peinigung, ebenso Art und nähere Umstände der Hinrich­tung oder im Überlebensfall das weitere Wirken nach Kriegsende einschließlich Sterbedatum.

Als besonders einprägsam erweisen sich wörtlich wiedergegebene Sätze der Todgeweihten, welche die Persönlich­keit und ihr Schicksal noch einmal wie in einem Lichtkegel erfassen.

HOHER BLUTZOLL DER PRIESTER

Unter den Glaubenszeugen ragen die Priestergestalten heraus. Da sie im Unterricht, in der Predigt und in der Seelsorge viel eher Farbe bekennen mussten als Menschen in anderen Berufen, gerieten sie auch schneller mit den Nazis in Konflikt; vor allem beliebte, wortgewaltige Jugendseelsorger (unter anderem Kurt Habich, Alexander Alef, Gerhard Hirschfelder, Bernhard Wensch), die junge Menschen für ein Leben aus dem katholischen Glauben zu begeistern wussten, waren für die Einpeitscher der Hitlerjugend eine lästige, gefährliche Konkurrenz, die es auszuschalten galt.

Anderer­seits mussten sie als Zölibatäre keine Rücksicht auf eine Familie nehmen und waren daher risikobe­reiter. Auch die vergleichsweise geringere Nähe der katholischen Kirche zum Staat machte sie „frei­er“. Der entscheidende Grund für den hohen Blutzoll dieser Berufsgruppe (ca. 4.000 Ermordete) dürfte in der Liturgie zu finden sein: Der Opfercharakter der heiligen Messe – so sieht es Werner –, der in vorkonziliarer Zeit noch im Vordergrund stand und dem der Priester bei der täglichen Zelebration „ausgesetzt“ war, ließ die Einsatzbereitschaft für den Nächsten und die totale Hingabe als etwas Selbstverständliches er­scheinen.

Verhaftet, gefoltert und hingerichtet wurden Priester unter anderem, weil sie in ihren Sonntagspredigten die grundsätzliche Unvereinbarkeit von Nationalsozialismus und katholischem Glauben hervorhoben und Rechtsverletzungen, Akte der Gewalt, Einschrän­kungen der Glaubensfreiheit und Religionsausübung kritisierten, Juden zur Flucht verhalfen, mit Verschwörern gegen das NS-Regime in Verbindung gebracht wurden sowie im Rahmen der Sakramentenspendung mit staatlichen Verboten kollidierten:

So stand auf Seelsorge, insbesondere die Einbeziehung von Polen, auf Taufe und Beichte in den Konzentrationslagern die Todesstrafe; in Einzelfällen bezahlten Priester wegen des gegenüber der Gestapo gewahrten Beichtgeheimnisses mit Haft und Misshandlungen (Josef Averesch, Emil Kiesel, Johann Steinmayr). Als extrem brutal ist die Hinrich­tung des Tiroler Pfarrers Otto Neururer dokumentiert, der im KZ Buchenwald an den Füßen am Fenstergitter aufgehängt wurde, bis nach 34 qualvollen Stunden der Tod eintrat.

TODESMUTIGE FRAUEN

Demgegenüber nimmt sich die Zahl der Laien – für die Gruppe der Männer seien stellvertretend der Südtiroler Eidverweigerer Josef Mayr-Nusser, der deutsche Oberst der Wehrmacht und „Judenretter“ Rudolf Graf von Marogna-Redwitz, der konvertierte württembergische Schriftsteller und Kulturkritiker Theodor Haecker genannt – und vor allem der 16 in das Buch aufgenommenen Frauen geringer aus; in ihrem furchtlosen Glaubenszeugnis, ihrer Entschlossenheit und Leidensbereitschaft stehen sie den Klerikern kaum nach.  

Während sich im Lehrerberuf die Männer auffallend anfällig für die neue Ideologie mit ihren sportlichen (Olympiade 1936) und wirtschaftlichen Erfolgen sowie technischen Neuerungen zeigten, verhielten sich ihre Kolleginnen in Deutschland und im seit 1938 „angeschlossenen“ Österreich weitgehend kirchentreu, manchmal sogar widerständisch gegenüber dem Nationalsozialismus.

BILD: Prälat H. Moll spricht über die katholisch-jüdische Märtyrerin Edith Stein

Für die katholische Seite stehen beispielhaft die promo­vierte Dozentin am Fürsorge-Seminar in Berlin-Friedenau Margarete Sommer, die als uner­schrockene „Judenretterin“ später mit dem Yad-Vashem-Titel „Gerechte unter den Völkern“ geehrt wurde, die schlesische Volksschullehrerin Charlotte Holubars, die Heppenheimer Re­ligionslehrerin Katharina Katzenmaier oder die Grundschullehrerin Änne Meier aus dem Saarland; die drei Letztgenannten wurden ins berüchtigte Frauen-KZ Ravensbrück (Provinz Brandenburg) deportiert, wo sie bestialischen Behandlungen durch die SS-Leute, aber auch perversen und kriminellen Mithäftlingen ausgesetzt waren.

Dort war ebenfalls Dr. Gertrud Luckner inhaftiert, die beim Deutschen Caritasverband im Auf­trag des Freiburger Erzbischofs Conrad Gröber unter anderem politisch oder rassisch Verfolgten un­terzutauchen und zu fliehen geholfen hatte; für ihr Lebenswerk wurde sie nach dem Krieg mehrfach ausgezeichnet.

Als „Engel“ von Konzentrationslagern sind wegen ihres unter Lebensgefahr geleisteten übermenschlichen Einsatzes in Form von Versorgung mit Essensra­tionen, Medikamenten, Tröstung der Mithäftlinge und Pflege der Kranken, Schmuggel- und Nachrichtendienst die Klosterschwester Angela Maria Autsch (Ravensbrück, Auschwitz), die Krankenschwester Maria Stromberger (Auschwitz) und die Klosterkandidatin Josefa Mack (Dachau) in dankbarer Erinnerung geblieben.

Viele Frauen, häufig Ordens­frauen, wurden ermordet, weil sie sich einer Vergewaltigung widersetzten, deren Anzahl der Hambur­ger Professor für Verfassungs- und Völkerrecht, Ingo von Münch, für die Jahre 1944/45 im Osten Deutschlands mit geschätzten 1,4 bis 1,9 Millionen angibt.

Zu ihnen zählt die in der Krankenpflege und Kinderfürsorge tätige „Graue Schwester“ M. Paschalis (Magdalena) Jahn, die als Zeugin der Menschenwür­de ein „Reinheitsmartyrium“ erlitt, als sie sich einem sowjetrussischen Soldaten mit den Worten „Erschießen Sie mich, Christus ist mein Bräutigam, nur ihm gehöre ich!“ verweigerte und von die­sem niedergestreckt wurde.

UNERSCHÜTTERLICHER GLAUBE

Was machte die Kriegsdienstverweigerer, Widerstandskämpfer, Judenretter, Saboteure des NS-Unrechtsstaats, Zeugen der Mitmenschlichkeit, Verteidiger christlicher Prinzipien und der Menschen­würde so stark, dass sie sogar ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten?

Zweifellos handelten sehr viele von ihnen aus einem gefestigten Glauben heraus, der ihnen zur damaligen Zeit noch von den kirchlichen Autoritäten und in der familiären Erziehung unverkürzt und geduldig ver­mittelt wurde. Papst, Bischöfe, Priester – die Front der Ablehnung der Rassenideologie und des menschenverachtenden Regimes war nahezu einhellig, wenn auch im praktischen Einzelfall die Vorgehensweise oder Reaktion unterschiedlich ausfallen konnte; das geschlossene katholische Milieu gewährleistete in­neren Halt.

Zu der für Nachgeborene sehr schwer zu beurteilenden Frage, wann öffentliche Bloßstellung und Verurteilung staatlicher Gewalt und Willkürmaßnahmen oder taktisches „Stillschweigen“ und Agieren im Verborgenen das richti­ge Mittel war, sei auf eine im Buch erwähnte Episode aus dem Leben des Clemens August Kardinal Graf von Galen verwiesen: Nach der sogenannten „Reichskristallnacht“ vom 9./10. November 1938 bot der Müns­teraner Oberhirte dem Rabbiner der dortigen Gemeinde an, auf die Kanzel zu gehen, um die gegen Juden verübten Gräueltaten öffentlich anzuprangern. Erst auf dessen inständige Bitte hin „Tun Sie’s nicht, sonst wird es ja noch schlimmer!“ verzichtete von Galen darauf.

BILD: Menora (siebenarmiger Leuchter) in der Synagoge von Münster

Auch die Tatsache, dass von 25.000 Priestern in Deutschland nur 0,34 Prozent als nazihörig einzustufen sind, während mehr als 12.000 von ihnen unter ständiger Überwachung durch die Geheimpolizei standen, spricht für sich. Bischö­fe wie der Berliner Konrad Graf von Preysing predigten den Gläubigen: Der einzelne Mensch darf niemals in der Rasse, im Volk, im Staat ganz aufgehen, weil er als Einzelner eine unsterbliche Seele hat. Solche Rede verfehlte ihre Wirkung nicht.

Wie sehr sich dessen nicht wenige Märtyrer im Angesicht des Todes vor ihrer Hinrichtung bewusst waren, bezeugen auf erschütternde Weise Abschiedsbriefe an Angehörige (meist Ehefrau, Kinder, Mutter), aus denen im Buch mehrfach zitiert wird: Die felsenfeste, versöhnte Gewissheit, im nächsten Augenblick vor Gott zu stehen und dass es ein freudiges Wiedersehen mit denen geben werde, die man jetzt im Leid zurücklassen muss, ist atemberaubend (Franz Jägerstätter, Josef Ruf, Wilhelm Paul Kempa, Rudolf Graf von Maro­gna-Redwitz, Anton Schmid, Karoline Maria Redler u. a.).

Sie hatten die Worte der Heiligen Schrift von Gottes Gericht und von der Verheißung, dass ihre guten wie schlechten Werke eine Ewigkeit lang gelten, verinnerlicht. Und vor allem: dass der Mensch im Ernstfall Gott mehr gehorchen muss als den Menschen.

„ANREGER“ ZUR VERTIEFENDEN LEKTÜRE

Eduard Werners sprachlich leicht verständliches, überlegt gegliedertes Buch würdigt mit seiner Sammlung nicht zuletzt in der öffentlichen Wahrnehmung unbekannt gebliebene Helden und Heldinnen, hinter deren Namen sich oftmals ein bewegendes Schicksal verbirgt.

Die umrisshaften Lebensbilder gehen verständlicherweise nicht in die Tiefe, sondern sind in erster Linie „Anreger“: Sie machen betroffen und laden dazu ein, sich anhand weiterer Literatur mit Leben, Kämpfen, Leiden und Sterben der fast ausnahmslos katholischen Glaubenszeugen eingehender zu befassen. Soweit es sich dabei um inzwischen hei­lig- oder seliggesprochene Personen handelt, wird man in dem von Professor Helmut Moll im Auf­trag der Deutschen Bischofskonferenz herausgegebenen (mit 100 Euro allerdings recht teuren) zweibändigen Werk „Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ fün­dig.

Für die „Bekenner“, welche die Verfolgungen der Nazi-Diktatur überlebt haben, ist die Literatur kaum überschaubar. Im Literaturverzeichnis des Buches selbst sind Titel von einigen Opfern (zum Beispiel Jean Bernard, Theodor Haecker, Marianne Hapig, Theolinde Katzenmaier, Hermann Scheipers, Josef Spieker) und wichtigen Zeitzeugen (zum Beispiel Pinchas Lapide, Johannes Neuhäusler) aufgeführt.

Darüber hinaus geben die einzelnen Lebensschicksale dem Leser Anstöße, sich mit seinem eigenen Glaubenszeugnis zu konfrontieren und über Erscheinungsformen des Totalitarismus und der Diktatur in der Welt von heute nachzudenken. Enthauptet, aufge­hängt oder erschossen für sein Bekenntnis zum christlichen Glauben und sein konsequentes Handeln danach wird in Deutschland keiner mehr; die Methoden der Beseitigung politisch oder gesellschaftlich missliebiger Personen sind raffinierter und subtiler geworden. Soziale Vernichtung und mediale Hinrichtung sind nur zwei davon.

Eine Erstveröffentlichung (gekürzte Version dieser Besprechung von Thomas May) erschien im katholischen PUR-Magazin (Fe-Verlag, Kisslegg)

 

 


Kardinal Zen aus Hongkong erhält Stephanus-Preis und kritisiert den Vatikan

Dem früheren Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, wurde für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Freiheitsrechte der „Stephanus-Preis“ verliehen.

Für seinen Mut und seine Beharrlichkeit im jahrzehntelangen Einsatz für die Freiheitsrechte hat der frühere Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun (86 J.), den „Stephanus-Preis“ erhalten.

BILD: Kardinal Zen (2. von rechts), links von ihm Michaela Koller, rechts der evgl. Bischof Thomas Schirrmacher (Foto: Martin Warnecke)

Die Auszeichnung ist nach dem Diakon der christlichen Urgemeinde, Stephanus, benannt, der als erster Märtyrer wegen seines Bekenntnisses zu Jesus Christus gesteinigt wurde.

Die Vorstandsvorsitzende der „Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen“, Michaela Koller, überreichte den mit 1000 Euro dotierten Preis am 7. April in Bonn.

Zen war von 2002 bis 2009 Bischof von Hongkong; er sei ein „authentischer Verteidiger der Menschenrechte, der Religionsfreiheit und der Gleichberechtigung der Christen“. Er setze sich dafür ein, dass China sich ausdrücklich zur Religionsfreiheit bekennt und der Verfolgung aus religiösen Gründen ein Ende setzt.

Der stellv. Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, Bischof Dr. Thomas Schirrmacher sagte in seiner Laudatio, dass das „total friedliche und respektvolle, jedoch kühn und risikoreiche Handeln“, mit dem sich der Kardinal für die Unterdrückten und Verfolgten einsetze, ihn zu einem mehr als würdigen Empfänger des Stephanuspreises mache.

Zen habe zudem eine wichtige Rolle bei der Einigung der Menschenrechtsverteidiger in Hongkong gespielt. Sie treffen sich jedes Jahr am 1. Juli – dem Jahrestag der Übergabe Hongkongs an China im Jahr 1997 –, um gegen den politischen Einfluss der Kommunistischen Partei auf das System in der Sonderverwaltungszone zu demonstrieren.

Der Kardinal wolle auch in diesem Jahr bei dem Protestmarsch der Civil Human Rights Front (Bürgerlichen Menschenrechtsfront) ganz vorne mit dabei sein. Als er im Jahr 2014 die Demonstranten aufforderte, deutlich zu zeigen, dass sie keine Sklaven, sondern frei sein wollten, seien sie mit Tränengas angegriffen worden, berichtete Prof. Schirrmacher, der auch Präsident des Internationalen Rates der IGFM (Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte) ist.

Der Kardinal warnt den Vatikan

Die Situation hat sich Zen zufolge in China in den vergangenen Wochen verschärft. Am 1. Februar in Kraft getretene neue Religionsgesetze regeln unter dem Vorwand, Einmischung von außen abzuwehren, das religiöse Leben bis ins kleinste Detail.

Ein Austausch im Internet, die Einfuhr religiöser Literatur und Auslandsreisen zu religiösen Treffen werden begrenzt.

Totalitäre Diktaturen haben laut Zen nur ein Ziel: „Die Kontrolle über alles und über jeden.“

Zudem hat Zen in den vergangenen Wochen vor einem „faulen Kompromiss“ zwischen dem Vatikan und dem kommunistischen Regime gewarnt. Ihm zufolge könnte die Frage, wie Bischöfe ernannt werden, neu in Sinne Chinas geregelt werden.

Die dortige katholische Kirche ist gespalten in eine romtreue Untergrundkirche und eine offizielle Staatskirche, die „Patriotische Vereinigung“. 30 Untergrundbischöfe sind ohne Genehmigung Pekings tätig, sieben „patriotische“ Bischöfe nicht von Rom anerkannt.

Wie die Stephanus-Stiftung hilft

Die Stephanus-Stiftung möchte verfolgten Christen in ihrer Not beistehen und durch ihre Öffentlichkeitsarbeit auf die „Verletzung des Rechts auf Religionsfreiheit aufmerksam machen und die Hintergründe aufklären“, heißt es in den Statuten der Stiftung. Sie unterstützt außerdem in Not geratene Christen mit einem Zuschuss zum Lebensunterhalt und zu Anwaltskosten.

Den Stephanus-Preis erhielt bisher unter anderen die pakistanische Menschenrechtsanwältin Aneeqa Anthony (Lahore). Sie verteidigt Christen vor Gericht, die wegen angeblicher Beleidigung des Korans oder des islamischen Propheten Mohammed angeklagt sind.

Weitere Preisträger sind der chaldäisch-katholische Erzbischof Louis Sako (Irak), die syrisch-orthodoxe Ordensfrau Schwester Hatune Dogan und Pfarrer Gottfried Martens von der SELK (Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche). Er erhielt die Ehrung für seinen Einsatz für Christen, die in deutschen Flüchtlingsunterkünften unter Übergriffen durch Muslime leiden.

Die Stiftung vergibt zudem einen Sonderpreis für Institutionen, die sich besondere Verdienste im Einsatz für verfolgte Christen, christliche Gemeinschaften und Gemeinden erworben haben. Diese Auszeichnung bekam unter anderen die Evangelische Nachrichtenagentur idea.

Gründer der „Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen“ ist Oberstudienrat i. R. Wolfgang Link. Die Vorstandsvorsitzende Michaela Koller ist Referentin für Religionsfreiheit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)

Quelle: http://www.idea.de

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Kasachstan: Metropolit, Erzbischof und Weihbischof schreiben über die christliche Ehe

Am 3. Dezember 2017, dem Fest der heiligen Familie, veröffentlichten drei katholische Würdenträger aus Kasachstan eine Stellungnahme über die Unauflöslichkeit der Ehe und die katholische Sakramentenpastoral.

Es handelt sich bei den Oberhirten um Tomash Peta, den Metropolit der Erzdiözese Astana, sodann um Jan Pawel Lenga, Erzbischof und Bischof von Karaganda, sowie um Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese Astana.

Hier folgen die ersten Abschnitte dieser Verlautbarung:

Nach der Veröffentlichung der Apostolischen Exhortation “Amoris laetitia” (2016) haben verschiedene Bischöfe auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene Ausführungsnormen erlassen bezüglich der sakramentalen Disziplin jener Gläubigen – “Wiederverheirate Geschiedene” genannt -, welche, obwohl deren Ehegatte, mit dem sie durch das sakramentale Eheband verbunden sind, noch lebt, dennoch eine dauerhafte Lebensgemeinschaft more uxorio mit einer Person eingegangen sind, welche nicht ihr rechtmäßiger Gatte ist.

Die erwähnten Normen sehen u.a. vor, dass solche Personen  –  “Wiederverheirate Geschiedene” genannt  –  in Einzelfällen das Sakrament der Buße und die Heilige Kommunion empfangen können, ungeachtet dessen, dass sie dauerhaft und mit Absicht mit einer Person more uxorio zusammenleben, welche nicht deren rechtmäßiger Ehegatte ist. Solche Normen haben eine Bestätigung seitens verschiedener hierarchischer Autoritäten erhalten. Einige unter diesen Normen haben sogar die Bestätigung seitens der höchsten Autorität der Kirche erhalten.

Die Verbreitung dieser kirchlich bestätigten pastoralen Normen hat eine erhebliche und ständig wachsende Verwirrung unter den Gläubigen und dem Klerus verursacht.

Es handelt sich um eine Verwirrung, welche die zentralen Lebensäußerungen der Kirche berührt, welche da sind: Die sakramentale Ehe mit der Familie, der Hauskirche, und das Sakrament der Heiligsten Eucharistie.

Gemäß der Lehre der Kirche bildet nur das sakramentale Eheband eine Hauskirche (vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen gentium, 11). Die Zulassung der “wiederverheiratet Geschiedenen” Gläubigen zur heiligen Kommunion, welche ja am höchsten die Einheit Christi, des Bräutigams mit Seiner Kirche ausdrückt, bedeutet in der Praxis eine Art Bestätigung oder Legitimierung des Ehebruchs, und in diesem Sinn eine Art Einführung des Ehebruchs im Leben der Kirche.

Die erwähnten pastoralen Normen offenbaren sich tatsächlich und mit der Zeit als ein Mittel der Verbreitung der “Geißel des Ehebruchs” (diesen Ausdruck gebrauchte das Zweite Vatikanische Konzil, vgl. Gaudium et spes, 47)Es handelt sich um die Verbreitung der “Geißel des Ehebruchs” sogar im Leben der Kirche, wobei doch die Kirche, im Gegenteil, auf Grund ihrer bedingungslosen Treue zur Lehre Christi ein Bollwerk und eine untrügliches Zeichen des Widerspruchs sein sollte gegen die sich täglich immer mehr ausbreitenden Geißel des Ehebruchs in der zivilen Gesellschaft.

Unser Herr und Heiland Jesus Christus hat in unzweideutiger Weise und keine Ausnahme zulassend den Willen Gottes bezüglich des absoluten Verbots des Ehebruchs feierlich bestätigt. Eine Bestätigung oder Legitimierung der Verletzung der Heiligkeit des Ehebandes, wenn auch nur in indirekter Weise durch die erwähnte sakramentale Praxis, widerspricht schwerwiegend dem ausdrücklichen Willen Gottes und seinem Gebot.

Solch eine Praxis stellt folglich eine wesentliche Veränderung der zweitausendjährigen sakramentalen Disziplin der Kirche dar. Zudem bringt eine wesentlich veränderte Disziplin mit der Zeit auch eine Veränderung der entsprechenden Lehre mit sich… 

Das beständige Lehramt der Kirche, angefangen von den Lehren der Apostel und aller Päpste, hat die kristallklare Lehre Christi bezüglich der Unauflöslichkeit der Ehe, sowohl in der Lehre (in der Theorie), als auch in der sakramentalen Disziplin (in der Praxis) unzweideutig, ohne einen Schatten des Zweifels und immer in demselben Sinn und in derselben Bedeutung bewahrt und weitergegeben.

Wegen ihres göttlich begründeten Wesens darf die sakramentale Disziplin niemals dem geoffenbarten Wort Gottes und dem Glauben der Kirche an die absolute Unauflöslichkeit einer gültigen und vollzogenen Ehe widersprechen.

“Die Sakramente setzen den Glauben nicht nur voraus, sondern nähren ihn auch durch Worte und Riten, stärken ihn und zeigen ihn an; deshalb heißen sie Sakramente des Glaubens“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Sacrosanctum Concilium, 59). “Selbst die höchste Autorität in der Kirche kann die Liturgie nicht nach Belieben ändern, sondern nur im Glaubensgehorsam und in Ehrfurcht vor dem Mysterium der Liturgie” (Katechismus der Katholischen Kirche, 1125).

Der katholische Glaube verbietet von seinem Wesen her einen formalen Widerspruch zwischen dem bekannten Glauben einerseits und der Lebens- und Sakramentenpraxis anderseits.

In diesem Sinn kann man auch die folgende Aussage des Lehramtes verstehen: “Die Spaltung bei vielen zwischen dem Glauben, den man bekennt, und dem täglichen Leben gehört zu den schweren Verirrungen unserer Zeit” (Zweites Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes, 43) und “die konkrete pastorale Begleitung der Kirche muss stets mit ihrer Lehre verbunden sein und darf niemals von ihr getrennt werden” (Johannes Paul II., Apostolische Exhortation Familiaris consortio, 33).

Angesichts der lebenswichtigen Bedeutung, welche die Lehre und die Disziplin der Ehe und der Eucharistie darstellen, ist die Kirche verpflichtet, mit ein und derselben Stimme zu sprechen. Die pastoralen Normen bezüglich der Unauflöslichkeit der Ehe dürfen folglich weder zwischen Diözesen noch zwischen unterschiedlichen Ländern einander widersprechen. Von den Zeiten der Apostel an hat die Kirche diesen Grundsatz beobachtet, wie ihn der heilige Irenäus bezeugt:

“Diese Botschaft und diesen Glauben bewahrt die Kirche, wie sie ihn empfangen hat, obwohl sie, wie gesagt, über die ganze Welt zerstreut ist, sorgfältig, als ob sie in einem Hause wohnte, glaubt so daran, als ob sie nur eine Seele und ein Herz hätte, und verkündet und überliefert ihre Lehre so einstimmig, als ob sie nur einen Mund besäße” (Adversus haereses, I, 10, 2).

Der heilige Thomas von Aquin überliefert uns denselben beständigen Grundsatz der Kirche: “Es gibt nur ein und denselben Glauben der Alten und der Modernen, andernfalls hätten wir nicht ein und dieselbe Kirche” (Questiones Disputatae de Veritate, q. 14, a. 12c).

Die folgende Warnung von Papst Johannes Paul II. bleibt aktuell und gültig: “Die Verwirrung, die in den Gewissen vieler Gläubigen durch unterschiedliche Meinungen und Lehren in Theologie, Verkündigung, Katechese und geistlicher Führung zu schwerwiegenden und heiklen Fragen der christlichen Moral geschaffen worden ist, führt auch dazu, das echte Sündenbewusstsein zu mindern und nahezu auszulöschen” (Apostolische Exhortation Reconciliatio et paenitenia, 18).

FORTSETZUNG der bischöflichen Erklärung hier: http://herz-jesu-bulletin.blogspot.de/2018/01/bischofe-kasachstans-bekenntnis-zu-den.html

 


Katholischer Bibelgelehrter widerspricht dem Papst betreff 6. Vaterunser-Bitte

Nach Papst Franziskus Einlassung zur Vaterunser-Übersetzung kocht die Diskussion um den Passus „Und führe uns nicht in Versuchung“ wieder hoch: Wird Gott hier missverstanden? In Frankreich haben die Bischöfe beschlossen, diese Stelle in „Und lass uns nicht in Versuchung geraten“ zu übersetzen.

Der katholische Bibelforscher und Professor an der Ruhr-Universität Bochum, Dr. Thomas Söding, sagt im Gespräch mit dem Kölner Domradio, dass die Diskussion eines aufzeige: das Gebet dürfe nicht einfach „heruntergeleiert“ werden.

„Die Übersetzung ist älter als nur 50 Jahre und es ist die richtige Übersetzung des griechischen Wortlauts, der für uns die älteste Traditionsgestalt ist – das heißt, wenn man daran etwas ändern will, muss man im Grunde an der gesamten Jesus-Tradition des Neuen Testaments etwas ändern“, so Söding. Die Übersetzung aus dem Griechischen sei „sehr genau im Deutschen“.

Man könne leichte Varianten überlegen, aber „Führe uns nicht in Versuchung“ sei präzise. „Es ist auch der lateinischen Bibelübersetzung entsprechend, die an dieser Stelle ebenfalls sehr genau ist. Das heißt, sie ist provokativ, sie ist herausfordernd und genau deswegen reden wir darüber“, fügt der Theologe an.

Quelle und Fortsetzung des Berichtes von RADIO VATIKAN hier: http://de.radiovaticana.va/news/2017/12/08/d_%E2%80%9Ef%C3%BChre_uns_nicht_in_versuchung%E2%80%9C_ist_pr%C3%A4zise_%C3%BCbersetzung/1353652


Konservative Papstkritiker gründen in Rom eine eigene Lebensrechts-Akademie

Katholische Laien haben als Alternative zur „Päpstlichen Akademie für das Leben“ nun die „John Paul II. Academy for Human Life and the Family” (JAHLF) gegründet. Das berichtet die katholische Zeitung „Die Tagespost“.

Papst Franziskus hatte unlängst zahlreiche neue Fachleute in die Päpstliche Akademie berufen und zugleich die Amtszeit einer Reihe ehemaliger Mitglieder des von Papst Johannes Paul II. errichteten Expertengremiums nicht mehr verlängert.

Wie die Zeitung schreibt, sehe sich der neue Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Lebensrechts-Aktiven in der Tradition der früheren „Akademie für das Leben“, wohingegen sich die von Erzbischof Vincenzo Paglia geleitete neue Akademie bei der Behandlung von Lebensschutzfragen „breiter aufstellen“ wolle als bisher.

Wie die Tagespost weiter beriochtet, gehören zu der neuen Gruppe die früheren Akademie-Mitglieder Joseph Seifert, Christine de Marcellus Vollmer, Thomas Ward, Philippe Schepens, Luke Gormally, Michael Schooyans sowie der italienische Historiker Roberto de Mattei, der als Kritiker von Papst Franziskus bekannt ist.

Die Neugründung habe der Philosoph Prof. Dr. Joseph Seifert kürzlich auf einer Tagung in Rom bekannt gegeben. Er erklärte, es sei das Ziel dieser Akademie, „alle schrecklichen Übel und Irrtümer zurückzuweisen, die die moderne Gesellschaft charakterisieren und schließlich auch in das Innere des Heiligtums der Kirche eingedrungen sind“.

Quelle: ALfA-Newsletter


Der Bestseller eines Pfarrers segelt voll im Trend einer Zeitgeist-Kirche

Rezension von Thomas May

Buchdaten: Pfarrer Rainer M. Schießler. Himmel, Herrgott, Sakrament. Auftreten statt austreten. – Kösel-Verlag 2016, 15. Auflage, 256 Seiten, gebunden, ISBN-10: 3466371473 / ISBN-13: 978-3466371471.  – 19.99 €

Der inzwischen in 15. Auflage seit 2016 im Kösel Verlag erscheinende Bestseller „Himmel, Herrgott, Sakrament. Auftreten statt austreten“ des Pfarrers Rainer Maria Schießler hat über Bayern hinaus Aufmerksamkeit und Beachtung gefun­den.

Auf 256 Seiten gibt der Leiter der Münchener Pfarreien Sankt Maximilian und Heilig Geist einen Rückblick auf seinen persönlichen und beruflichen Werdegang vom kleinen Ministranten zum stadt- und landbekannten Geistlichen mit Promi-Status als Kellner auf dem Oktoberfest und ei­gener Talksendung im Bayerischen Fernsehen und breitet dabei, unterfüttert mit anschaulichen Beispielen aus seiner pastoralen Praxis, seine gesammelten, zumeist konträren Ansichten über die katholische Kirche aus, mit der er hart ins Gericht geht.

DOGMA und LEHRE

Um ein verlässliches Urteil über Buch und Autor zu gewinnen, wird man ihn zuerst an den „Vorgaben“ der Kirche messen, in deren Namen er zu sprechen und zu verkündigen vorgibt („meine Kirche“) – wie sie im Depositum fidei (in der „Glaubenshinterlage“) verbindlich festgelegt sind.

Gleich zu Beginn macht Pfr. Schießler gegen den „Anspruch auf ab­solute Wahrheit“ (S. 21) Front, der von der katholischen Kirche als integraler Bestandteil seit jeher vertreten wird und der die Heilsuniversalität Jesu Christi (also die ausnahmslose Gültigkeit der Wahr­heit und des Evangeliums Christi für alle) meint.

Relativierend erklärt der Geistliche den katholischen Weg als einen von vielen – und natürlich habe Christus keinesfalls „an die Grün­dung einer Amtskirche oder die Formulierung eines Katechismus oder an Enzykliken und Synoden gedacht“.

Damit stellt der Autor das Wesensverständnis der Kirche als göttliche Stiftung in Frage. Gegen seine alberne wie geschichtsunkundige Polemik ist einzuwenden, dass es die katho­lische Kirche längst nicht mehr gäbe, wenn sie sich nicht von Anfang an über die Jahrhunderte durch feste Glaubensformeln, Bekenntnisse, Dogmen und deren „Aufbereitung“ in dem Volk ver­ständlichen Katechismen ihres Fundaments und ihrer Gemeinschaft vergewissert hätte.

Entschieden lehnt der Autor die kirchliche Lehre von der „ewigen jungfräulichen Unversehrtheit Mariens“ (S. 195) ab, wegen eines „möglichen“ Übersetzungsfehlers („junge Frau“ statt „Jungfrau“), der den ahnungslosen Gläubigen verschwiegen werde und über den „nur ganz wenige Priester, die das studiert haben“ informiert seien. Selbstverständlich gehört der Autor zur Elite der Einge­weihten.

Überdies versucht er, dem Leser klarzumachen, wie diskriminierend dieses Dogma sei: „In ihrem Beharren auf der Jungfräulichkeit stempelt die Kirche Generationen von Frauen als zweit­klassig ab, die den durchaus göttlichen Prozess einer natürlichen Geburt durchlaufen und Kinder auf die Welt bringen“ (S. 196).

Zugegeben: Auf ein so abwegiges Gedankenkonstrukt muss man erst mal kommen. Grund­sätzlich gilt: Wer an der Jungfräulichkeit Mariens rüttelt, bringt auch die Zwei-Naturen-Lehre Jesu Christi (wahrer Mensch – wahrer Gott) zu Fall und beraubt die christliche Erlösung ihrer verbürgten Grundlage und Glaubwürdigkeit.

Mit der kirchlichen Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe und der katholischen Sexualmoral insgesamt steht Pfr. Schießler ebenfalls auf Kriegsfuß. Das Scheidungsverbot Jesu (z. B. Mt 19,6) ist zwar unmissverständlich, hindert den Autor aber nicht daran, „den geregelten ‚Exit'“ (S. 202) zu befürworten, frei nach seinem Motto „Du hast das Recht, zweimal geboren zu werden“ (S. 186).

Nachdruck verleiht der Autor seiner Forderung mit dem „schönen Satz“: „Eine erste Ehe kann viel­leicht nicht mehr zu retten sein – während die zweite Ehe oft ein Leben rettet“ (S. 202). So liest sich das „Evangelium nach Schießler“.

(HOMO-)SEXUALITÄT

Gleichgeschlechtliche Paare sind dem Münchener Pfarrer, der seit 23 Jahren „in einem der größten Schwulenviertel Deutschlands“ (S. 188) wirkt, besonders ans Herz gewachsen. 

Obwohl von der kirchlichen Lehrtradition und zuletzt von Papst Franziskus in „Amoris laetitia“ betont wurde, dass es „keinerlei Fundament dafür [gibt], zwischen den homosexu­ellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen“ (251), scheut sich Pfr. Schießler nicht, die Ringe gleichgeschlechtlicher Paare als Zeichen der „Liebe und Treue“ in seinen „Gottes­diensten“ zu segnen und ihnen damit einen quasi-ehelichen Status zuzubilligen.

So tief beeindruckt ist er von deren „respektvollem Umgang miteinander“, dass sich auch das ein oder andere „heterosexuelle Ehepaar“ ein Beispiel daran nehmen sollte (S. 190), eine Art „Nachhilfe“ von Homos für Heteros also. Für das Schneckentempo seiner Kirche entschuldigt sich der Pfarrer gar bei den „Paaren“: „Habt Geduld mit uns. Habt Geduld mit der Kirche.  Es dauert nur no a bisserl“ (S. 191). Zu dumm auch, dass es so viele Volltrottel im Bischofs- und Papstgewand gab und gibt, die noch immer nicht auf den Dreh gekommen sind!

Bei seiner Gleichschaltung aller Formen sexueller Betätigung kommt Pfr. Schießler das Spezifische des „sexu­ellen Akts“ (S. 189 f.) völlig abhanden: Dieser meint nach katholischem Verständnis die körperliche Vereinigung von Mann und Frau durch Penetration. Daher kann der Begriff naturgemäß nicht als Bezeichnung für Techniken gleich­geschlechtlicher Lusterzeugung in Anspruch genommen werden. Unsaubere Begrifflichkeit findet man in Pfr. Schießlers Buch auch an anderen Stellen.

ZÖLIBAT

Für die Öffnung des Zölibats (S. 228 ff.), den Pfr. Schießler nach seinen Worten persönlich einhält, steuert er über die ermüdend wiederholten Argumente hinaus nichts stichhaltiges Neues bei, im Gegenteil. Es ist mit Blick vor allem auf die Erfahrungen der evangelischen Kir­chen ein offenkundiges Märchen, mit Verheirateten sei der aktuelle Priestermangel nach­haltig zu beseitigen.

1. Der Behauptung, das Zölibat würde „viele andere, fähige, potenzielle Pries­terkandidaten“ (S. 228) abschrecken, somit also die Kirche um die Früchte ungenutzter Talente im priesterlichen Dienst gebracht, ist entgegenzuhalten, dass gerade die Bereitschaft für ein eheloses Leben um des Himmelreiches willen zu den Schlüsselqualifikationen des Priesters gehört. Wer im Extremfall sein Leben für seine „Schafe“ hergeben soll, sollte der nicht zumindest eine Neigung bezwingen können?

2. Entgegen den Fakten bestreitet Pfr. Schießler, dass die Ehelosigkeit den Priester von zeitraubenden familiären Aufgaben entlastet und ihn vollständig für den Dienst an der Gemeinde freistellt, mit der er „verheiratet“ ist (S. 187 f.). Die Zeit, die man sich nimmt oder nicht nimmt, ist eben nicht, wie der Stadtpfarrer behauptet, nur eine Frage „der inneren Einstellung“, sondern abhängig davon, welches Zeitbudget grundsätzlich zur Verfügung steht.

FRAUENPRIESTERTUM

Für das Priestertum der Frau zu streiten (S. 230 f.) ist müßig, da die Frage durch das Apostolische Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ (1994) von Johannes Paul II. lehramtlich entschieden wurde. Was bezweckt der Autor also, wenn er den Gläubigen vorgaukelt, hier könne sich (noch) etwas bewegen?

Aus der „Weiheunfähigkeit“ (wie es im Kirchenrecht heißt) der Frau abzuleiten, die Kirche würde damit „die Hälfte der Gläubigen – nämlich Frauen – aus der Verkündigung ausblenden“ (S. 230), ist Unfug, da die Befugnis zu verkündigen jedem getauften und gefirmten „Laien“ zusteht. An anderer Stelle deckt der Autor seinen Selbstwiderspruch auf, wenn er (zu Recht) von der „herausragende[n] Verkündigungs­aufgabe“ der Eltern (S. 219) spricht.

BIOZENTRISMUS

Schließlich ist Pfr. Schießler auch beim Thema „Mensch, Tier und Schöpfung“ auf dem Holz­weg, wenn er schreibt: „Wir müssen hin zu einem biozentrischen Schöpfungsverständnis, in dem sich nicht mehr alles um den Menschen als ‚Krone der Schöpfung‘ dreht – sondern jede [!] Form von Leben in der Schöpfung gleichberechtigt [!] neben der anderen steht“ (S. 237).

Ausgerechnet Papst Franziskus, auf den sich Pfr. Schießler gern beruft, wenn es ihm zupasskommt, widerspricht ihm in seiner Enzyklika „Laudato si“ entschieden:

„Ein fehlgeleiteter Anthropozentrismus darf nicht notwendigerweise ei­nem ‚Biozentrismus‘ den Vortritt lassen, denn dies würde bedeuten, ein neues Missverhältnis einzu­bringen, das nicht nur die Probleme nicht lösen, sondern auch andere hinzufügen würde. Man kann vom Menschen nicht einen respektvollen Einsatz gegenüber der Welt verlangen, wenn man nicht zugleich seine besonderen Fähigkeiten der Erkenntnis, des Willens, der Freiheit und der Verantwort­lichkeit anerkennt und zur Geltung bringt“ (118).

LITURGIE und SAKRAMENTE

Im liturgisch-pastoralen Bereich sind es vor allem die traditionellen Erwartungen der „normalen“ Gläubigen an einen Gemeindepriester, die Pfr. Schießler enttäuscht. Gegen seinen wieder­holt beschworenen Leitsatz „Liturgie darf nicht wehtun“ verstößt er, wenn man die Beispiele aus seinen „Gottesdiensten“ zugrunde legt, selbst in so extremer Weise, dass ihm die „Liturgiefähigkeit“ (im Sinne Romano Guardinis) rundweg abgesprochen werden muss. 

Pfr. Schießler meint in seiner Lesart mit „nicht wehtun“ vor allem, dass ein Priester seine Gläubigen nicht langweilen darf. Das tut er nun beileibe nicht, aber was Ohren und Augen des Besuchers seiner One-Man-Show alles aushalten müssen, gleicht einer Schmerzensorgie.

Nicht nur steigern sich seine Predigten mit suggestiven Verdre­hungen und Entstellungen rasch zur irreführenden Indoktrination, eine Zumutung sind auch seine optischen „Einlagen“, wenn es beispielsweise anlässlich des Christophorusfestes heißt: „Dann fahre ich schon mal im Messgewand auf Inlineskatern durch die Kirche zum Altar oder mit meinem Motorrad in voller Messmontur um die Kirche“ (S. 205).

Messe als Mordsgaudi. Da kriegt man die Kirche schon voll. Nichts von heiliger Handlung, in welcher das Kreuzesopfer Jesu Christi unblutig vergegenwärtigt wird. So tief kann „Liturgie“ stürzen!

Als Höhepunkt seiner liturgischen Entgleisungen schildert Pfr. Schießler eine Christmette, in der „zehn Mülltonen hintereinander hingestellt [wurden] mit der Aufforderung: Müll trennen! Auf den Mülltonnen stand jeweils ein Wort: HETZE, UNGERECHTIGKEIT, MISSTRAUEN, EIFER­SUCHT, NEID – die ganzen Todsünden. Jeder Besucher sollte im Gottesdienst ein Symbol seines Gedankenmülls mitbringen und in ’seiner‘ Tonne entsorgen“ (S. 205).

Was für eine erhebende, feierliche Inszenierung zum Weihnachtsfest, ökologisch korrekt und kreativ sogar noch in der Erfindung neuer Todsünden! Von der holden Appetitlichkeit ganz zu schweigen, wenn „Gott sich mitten in meinen ganzen Müll des Lebens rein[legt](S. 206).

Der Seelsorger ist von seinem „Gottesdienst“ so begeistert, dass er ihn als eine „Lehrstunde im Glauben für die ganze Familie“ (S. 207) rühmen lässt.

Das wahre Urteil über solche „Aktionen“ wird, ohne dass der selbstgefällige Autor und die schwärmenden Eltern es bemerken, wie nebenbei gesprochen, wenn es heißt, „sie wären mit ihren Kindern kaum noch nach vorne zu der eigentlichen [!] Krippe gekommen, weil ihre Kinder in jede der Mülltonnen schauten.“ (S. 206).

Genau hier liegt einer der wunden Punkte, der für die gesamte Schießler-„Pastoral“ symptomatisch ist: Vor lauter „Action“, Klamauk, Gags, Spektakel, Aufmerksamkeit heischender Projektgeilheit bleibt sie allzu häufig an der Oberfläche haften, dringt sie nicht mehr zum Eigentlichen, Wesentlichen, zum Kern vor, führt sie nicht in die Tiefe und zur Fülle des Glaubens.

Auch andere hehre Leitsätze Pfr. Schießlers sind zurechtzurücken. „Du musst die Leute mögen“ (S. 186 u. a.) – klar, aber das müssen auch Politiker, Ärzte, Lehrer, eigentlich jeder, der in seinem Beruf mit Menschen zu tun hat; daran ist nichts Besonderes, Originelles. „Sakramente musst du spüren“ – klar, aber die Leute müssen auch geistig erfassen, worum es in dem Sakrament jeweils geht, indem es ihnen katechetisch fundiert nahegebracht wird und nicht indem man Erstkommu­nionkindern (S. 214 ff.) oder Firmlingen (S. 222 ff.) die Organisation ihrer Vorbereitungskurse in ausschließlicher Ei­genverantwortung überlässt, ohne erkennbare Vergewisserung, ob die zum Verständnis führenden Glaubensinhalte auch angeeignet und verinnerlicht wurden.

FREIWILLIGKEIT und GLAUBENSANNAHME

Geradezu widersinnig ist es, wenn der Autor regelmäßig versucht, Eigenverantwortung und Freiwilligkeit gegen Regeln und Pflichten (oder „Dekrete“) auszuspielen. Es gibt keinen „Glaubenszwang“; dass in der pastoralen Praxis gelegentlich mit „sanftem Druck“ nachgeholfen wurde und wird, ist menschlicher Schwäche geschuldet.

Die Aneig­nung des Glaubens kann immer nur in Freiheit geschehen; gleichzeitig ist es Kernauf­gabe der Kirche und ihres Lehramts, den Inhalt des Glaubens, Glaubenswahrheiten, Glaubenssätze zu formulieren und den Gläubigen in möglichst verständlicher, zeitgemäßer Sprache zu vermitteln.

Wenn ich als Gläubiger in dem ein oder anderen Punkt oder vielleicht in vielen Punkten konträr dazu ste­he, ist es in erster Linie mein Part, mich um Annäherung an die Glaubenswahrheit zu be­mühen und Übereinstimmung zu erreichen.

Geistlichen Rat hierfür in Anspruch zu nehmen, ist sinnvoll, oft unausweichlich. Im äußersten Fall bleibt mir das Eingeständnis, dass ich mit der Kirche nicht „kann“ (das muss ich dann so hinnehmen und für mich daraus die Konsequenzen ziehen)  –  oder die Demut, mich in Gehorsam dem zu beugen, was die Kirche mit Hilfe des ihr zugesagten Beistands des Heiligen Geistes als wahr erkannt hat.

Keinesfalls kann ich jedoch erwarten, dass die Kirche den feststehenden Glauben inhaltlich verändert, anpasst oder schmälert, weil ich damit nicht klar­komme. Ich kann von der Kirche nicht verlangen, dass sie ihren Glauben um es mir und anderen recht zu machen „verbilligt“, frisiert oder gar verleugnet.

Hier manifestiert sich ein gravierender Irrtum der „Postmoderne“. Nicht „die Kirchenführung“ verabschiedet sich, wie Pfr. Schießler argwöhnt, „von ihren unbotmäßigen Gläubigen“ (S. 185); es sind vor allem „postmoderne“ Menschen, die der Kirche den Rücken kehren, die nicht mehr bereit sind, den von ihr verkündigten Glauben anzunehmen, weil sie  –  vom „aufgeklärten“ Zeitgeist infiziert und nicht selten von Pfarrern „kritisch“ und aufsässig gemacht  –  der völlig vermessenen Ansicht sind, sie hätten darüber mitzubestimmen, was ih­nen als „Glaube“ zugemutet werden darf und was gefälligst über Bord zu werfen ist, weil es angeb­lich nicht (mehr) „zeitgemäß“ oder schlicht anstrengend und unbequem ist. 

Dass viele von ihnen ein „Bedürfnis nach Glauben“ (S. 186), nach „Heimat“ in einer Glaubensgemeinschaft haben, wie Pfr. Schießler bei seinen Gesprächen mit Austrittswilligen und Ausgetretenen erfährt, mag schon sein, nur ist es in der Regel nicht der unverrückbare Glaube der katholischen Kirche, nach dem sie sich sehnen – und Oberhirten wie Priester begeben sich auf den Teufelspfad der Dekadenz, wenn sie hier einknicken, sich anbiedern und um jeden Preis, auch den der Glaubensverwässerung, -verkürzung oder gar -preisgabe, die abwandernden „Schafe“ (vorzugsweise mit allerlei „Service“) korrumpieren und auf ihrer „Weide“ halten wollen.

SÜNDE

Ein höchst verqueres Verhältnis offenbart Pfr. Schießler zur Sünde. Mehrmals wiederholt er den populären Satz: „Die größte Sünde ist das ungelebte Leben“ (S. 186). Natürlich ist das falsch, weil undifferenziert, denn ein mit allen erdenklichen Lastern, Bösartigkeiten und moralischen „Schweinereien“ angefülltes, ausgeschöpftes, „gelebtes“ Leben dürfte keineswegs Gottes Wohlgefallen finden, ist also verwerflich. Ein sol­ches Leben überhaupt nicht gelebt zu haben, wäre ausnahmslos besser. 

Mit unerbittlicher Schärfe fällt der Münchener Pfarrer über die Autoren des Jugendkatechismus „Youcat“ her, weil sie es als „eine große Sünde“ bezeichnen, „am Sonntag nicht in die Kirche zu gehen“ (S. 133 f.). Bissig fragt er: „Woher wissen die das? Hat etwa Gott ihnen das geflüstert?“ (S. 134). Das ist nun wirklich unverfroren. Die angesprochenen „Autoren“ geben hier nichts anderes wieder als die „Sonntagspflicht“, eines der fünf Kirchen­gebote.

Im „Katechismus der Katholischen Kirche“ (1992) heißt es dazu: „Wer diese Pflicht absichtlich versäumt, begeht eine schwere Sünde“ (2181). Im „Youcat“ erklären die Autoren anhand des Vergleichs von „Sonn­tagspflicht“ für Gläubige und „Kusspflicht“ für Liebende sogar noch sehr einleuchtend, warum die Beachtung des Sonntagsgebots eine Selbst­verständlichkeit sein sollte.

Die Zehn Gebote als Normenkatalog für Christen kommen in Pfr. Schießlers Buch allerdings erst gar nicht zur Sprache. Nach ihm dient die Rede von der Sünde nur dazu, Menschen (immer noch) Angst vor Hölle und Ver­dammnis einzuflößen. Dem Herrn Pfarrer fehlt völlig das Grundverständnis, dass „Sünde“ die Grenze zieht zwischen gottgefällig und gottfeindlich, zwischen gut und böse. Die Grund-Sünde ist daher, wenn man die Sünde als Sünde nicht mehr (an)erkennen und wahrhaben will, sie nicht bekennt und nicht bereut.

FAZIT und AUSBLICK

Zusammenfassend bleibt festzuhalten:
Die zweifellos mitreißende, teilweise ergreifende sprachliche Darstellung (z. B. Tod der Mutter S. 81 ff. und des Vaters S. 174 ff.) oder gelegentliche Lichtblicke wie fein gezeichnete Milieus (z. B. Münchener Nachtleben S. 109 ff., Bad Kohlgrub in Oberbayern S. 118 ff.) machen die schwerwiegenden inhaltlichen Mängel in theologischen und Glau­bensfragen nicht wett; Pfr. Schießlers Art der „Verkündigung“ erweist sich für katholische Christen nicht nur als ein Ärgernis, sondern auch als eine Gefahr für ihr (Seelen-)Heil, weil sie verwirrt, verfälscht und unkatholische Glau­bens- und Moralvorstellungen propagiert.

Es ist ein Skandal, dass der Münchener Seelsorger mit Duldung seiner kirchlichen Oberen diesen Etiketten­schwindel in den Pfarrgemeinden Sankt Maximilian und Heilig Geist betreiben darf.

Was sind Wiedereintritte, was ist sein volles Gotteshaus wert, wenn Leute aufgrund einer unseriösen, verzerrenden „Light“-Version von katholisch die Bänke füllen? Oder weil sie von einem kernigen Selbstdarsteller, einer original bayeri­schen „Rampensau“ unterhalten werden wollen, die bestimmt wieder „a drum Watschn“ (verbal) für die  unverschämt rückständige Amtskirche auf Lager hat?

Wirklich fest im Sattel sitzt der Stadtpfarrer nicht. Die Amtsenthebung seines Vorgängers wegen Turbulenzen innerhalb der Pfarrgemeinde (S. 166) lässt aufhorchen. Auch Pfr. Schießler scheint sich seiner weiteren Sache keineswegs sicher zu sein.

Zwar hat er mit seinem Diplom als „installierter Pfarrer“ vorgebaut, stolz betrachtet er die Pfarrgemeinde Sankt Maximilian als seinen „Besitz“, sein festes „Lehen“ (S. 174), in dem er „so gut wie unkündbar“ (S. 173) seine bizarre Show abziehen kann.

Doch die Spannungen zwischen den Vorgesetzten und dem „Rebell“ (S. 240) ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Eigentlich überflüssig von ihm zu betonen, dass er sich für eine „Karriere nach unten“ entschieden habe – eine nach oben, womöglich „in vollem Ornat als Bischof“ (S. 185), hätte man ihm höheren Orts wohl kaum zugestanden.

Als publicitytaugliches Zirkuspferd im ramponierten „Stall“ Kirche lässt man ihn an der ungemütlichen „Basis“ gewähren. Zum Glück hat Pfr. Schießler ein zweites Standbein als Taxifahrer, falls man einmal den „Missliebigen aus Sankt Max[imilian] entfernen“ (S. 174) sollte.

Vorsorglich hat er seinen während der Studentenzeit erworbenen Taxischein, seine „‚Überlebensversicherung‘ für ein unabhängiges Leben in der Großstadt“ (S. 116), regelmäßig verlängert, der derzeitige „ist bis 2019 gültig“ (S. 115).

Ja, warum eigentlich nicht wieder Taxi fahren, Herr Pfarrer?

Unser Autor Thomas May aus Sendenhorst bei Münster ist katholischer Religionspädagoge – Seine E-Mail: thw53may@aol.de

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der Zeitschrift „Theologisches“ (Sept.-Okt. 2017)