Kardinal Robert Sarah: Die afrikanische Kirche widersetzt sich jeder Rebellion gegen das katholische Lehramt

Von Felizitas Küble

Kardinal Robert Sarah (siehe Foto) stammt aus den westafrikanischen Guinea und ist Präfekt der vatikanischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Cardinal_Robert_Sarah

1979 wurde er im Alter von nur 33 Jahren zum Bischof geweiht. Während der Diktatur des kommunistischen Tyrannen Sekou Touré widerstand er tapfer den Mächtigen.

Der theologisch konservative Kurienkardinal hat sich bereits in der Vergangenheit für eine klare Ausrichtung der Kirche auch in Fragen von Ehe, Familie und Sexualmoral stark gemacht.

Aus Sicht des afrikanischen Kirchenmannes soll sich die Kirche nicht am Zeitgeist, sondern am Heiligen Geist orientieren.

Nun ist sein Interviewbuch „Gott oder nichts – ein Gespräch über den Glauben“ im Kisslegger Fe-Verlag auch in deutscher Sprache erschienen und auf Einladung der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis am vergangenen Dienstag in Regensburg auf Schloß St. Emmeram präsentiert worden.

Das Vorwort für dieses Werk schrieb Kurien-Erzbischof Georg Gänswein, zugleich Privatsekretär von Papst em. Benedikt XVI. 

Kein Geringerer als Kardinal Gerhard Müller kam eigens aus Rom angetreist, um das Buch persönlich vorzustellen und zu würdigen. Der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongegration gilt ebenfalls als konsequenter Verteidiger der kirchlichen Lehre in Fragen von Glaube und Sitte.

Auch Prälat Dr. Wilhelm Imkamp (Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild) und Papstbruder Georg Ratzinger nahmen an der Buchvorstellung teil.gott-oder-nichts_m

Für Sarah besteht im Hinblick auf die kommende Familiensynode kein Zweifel, daß es Aufgabe der versammelten Bischöfe aus aller Welt sein wird, die soliden kirchlichen Standpunkte zu Ehe und Familie zu bekräftigen – und nicht etwa zu hinterfragen.

Aktuelle Äußerungen von Kardinal Reinhard Marx, die einer solchen Sicht entgegenstehen, kritisiert der afrikanische Kirchenvertreter unumwunden als „Häresie und gefährliche Schizophrenie“.  Es gehe nicht an, so Kardinal Sarah, die katholische Sexualethik „in ein hübsches Schmuckkästchen zu packen und es von der pastoralen Theorie zu trennen“.

Die kirchliche Lehre und die Seelsorge bzw. Pastoral müßten in Einklang miteinander stehen, sagte er im Hinblick auf den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Kardinal Marx hatte im Dezember erneut eine „Suche nach einer theologisch verantwortbaren und pastoral angemessenen Begleitung von Gläubigen, deren Ehe zerbrochen ist, und die zivil geschieden und wiederverheiratet sind“ angemahnt.

Bei allem persönlichen Respekt, den er dem Erzbischof von München zolle, betrachte er dessen diesbezügliche Aussagen als „Ausdruck einer Ideologie, die man im Gewaltmarsch der ganzen Kirche aufoktroyieren will“.

Die Frage um eine Zulassung der hl. Kommunion für geschieden Wiederverheiratete bewerte er keineswegs als „drängende Herausforderung für die Kirchen Afrikas oder Asiens“. Vielmehr werde er keine „wie auch immer geartete Schieflage zwischen Lehramt und Kirche“ akzeptieren.

Die afrikanische Kirche werde sich, so Kardinal Sarah weiter, „jeder Rebellion gegen das Lehramt widersetzen“. AL-0004

Ähnlich äußerte sich Glaubenspräfekt Gerhard Müller (siehe Foto): „Wir dürfen die Menschen nicht täuschen, was die Sakramentalität der Ehe, ihre Unauflöslichkeit, ihre Offenheit auf das Kind, und die fundamentale Komplementarität der beiden Geschlechter angeht. Pastorale Hilfe muss das ewige Heil im Blick haben.“

Gewisse Vorstellungen, man solle bei der Erarbeitung kirchlicher Positionen auch die „Lebenswirklichkeit“ der Menschen als Erkenntnisquelle miteinbeziehen, lehnte Kardinal Müller ausdrücklich ab: Es gehe nicht darum, die göttliche Offenbarung „der Welt anzupassen“, sondern darum, „die Welt für Gott zu gewinnen.“

Der Glaubenspräfekt kritisierte auch die Vorstellung von einem deutschen Führungsanspruch innerhalb der katholischen Weltkirche. Immerhin gibt es doch gerade hierzulande einen dramatischen Niedergang von Glaube und Sitte in Theorie und Praxis. Nur eine „nachhaltige Neuevangelisierung mit allem apostolischen Freimut und Eifer“ könne dazu führen, so Müller, dass dem „Schalwerden des Christentums in Deutschland“ Einhalt geboten werde.

Fürstin Gloria wies zu Recht darauf hin, daß die „reformkatholischen“ Kreise häufig nicht aus Kirchgängern bestehen: „Das Interessante dabei ist doch, dass die meisten Leute, die Veränderung wollen, gar nicht die regelmäßigen Kirchenbesucher sind. Das ist in etwa so, als würde man die Regeln des Fußballs verändern wollen, aber nie zu den Spielen gehen.“

Hier kann das aufsehenerregende Buch direkt beim Fe-Verlag bestellt werden: http://www.fe-medien.de/gott-oder-nichts