Große Anteilnahme aus Kirche und Politik bei der Trauermesse für US-Bischof Morlino

Von Dr. Edith Breburda

Am 4. Dezember 2018 trauerten viele Gläubige  – darunter zahlreiche staatliche Repräsentanten der USA  –  um den katholischen Oberhirten Robert Morlino. Der theologisch konservative Bischof war unerwartet am 24. November im Alter von 71 Jahren verstorben. (Siehe hierzu diesen Bericht: https://charismatismus.wordpress.com/2018/11/25/bischof-morlino-von-madison-verstorben/)

Die Maria-Goretti-Pfarrkirche auf der Westseite der Stadt Madison im Bundesstaat Wisconsin war mit 1700 Trauergästen  – darunter 14 Bischöfen  – gefüllt.

Mit dabei der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Paul Ryan, sodann die Kongreßabgeordneten F. James Sensenbrenner jr., Sean Duffy und Glenn Grothman; außerdem Bryan Steil, der Ryan’s Platz im US-Kongress ab Januar 2019 einnehmen wird.

Der US-Bundestaat Wisconsin ist ein Juwel des amerikanischen Katholizismus. In diesem Milchland der USA gibt es sehr viele deutsche Einwanderer; seinerzeit fehlte bei der Abstimmung, ob man in diesem Land Englisch oder Deutsch reden sollte, nur eine einzige Stimme zugunsten der deutschen Sprache. Wisconsin ist zugleich der Bundesstaat, in dem einst Pater Josef Kentenich sein sogenanntes Exil verbrachte.

Kurz nachdem der dritte Bischof von Madison, William Bullock, im Jahr 2003 seinen Ruhestand einreichte, kam Bischof Morlino aus Helena in dieses Amt. Es wurde damals gemunkelt, Papst Johannes Paul II. habe bewusst einen kompetenten Bioethiker in diese Stammzellenmetropole berufen.

Bischof Morlino liebte es, als Dozent an der Hochschule zu lehren und war wohl eher enttäuscht, als er 1999 zunächst als Bischof nach Helena in Montana berufen wurde. Seine Nachfolgerin am kirchlichen Seminar in Detroit wurde die allgemein bekannte Frau Prof. Janet E. Smith ( https://www.shms.edu/content/dr-janet-e-smith), eine Weltexpertin für „Humanae Vitae“, die Enzyklika von Papst Paul VI. über Ehe und Fruchtbarkeit (https://www.youtube.com/watch?time_continue=157&v=5eqyFyr2qMU).

Es dauerte nicht lange, bis der neue Bischof Morlino den Gläubigen der Diözese seine moralische Autorität kundtat. Im Wisconsin State Journal stand mit großen Lettern auf der ersten Seite: „Hey Bishop, don’t call my City unmoral.“ (Hallo Bischof, nennen Sie meine Stadt nicht unmoralisch.)

Der Bischof trat offensichtlich mit seiner Aussage ins Fettnäpfchen, dass Abtreibung viel wichtiger und schlimmer sei, als sich z.B. darüber aufzuregen, wo und ob man ein Spielcasino am Stadtrand aufmachen sollte.

Schon bei der Amtseinführung von Bischof Morlino am 3. August 2003 warnte ihn sein Freund, der jetzige Kardinal Dolan, dass sich auf solch einem Bischofstuhl viele Splitter befänden, auf die man sich unweigerlich setzt, wenn man seine Sendung ernst nimmt. Es erinnerte an das, was einst Bischof Johannes Dyba aus Fulda sagte: „Bischofsein ist kein Honiglecken.“

Als am Passionssonntag 2005 die Kathedrale von Madison in Flammen stand und bis auf die Grundmauern abbrannte, war dies einer der ersten Rückschläge, die Bischof Morlino schwer trafen. Zu Schaden kam zwar niemand und sein Generalvikar Paul Swain, der spätere Bischof von Sioux Fall, rettete sich, nur mit seinem Schlafanzug bekleidet, aus dem angrenzenden Rektorat des Gebäudes.

Der tief enttäuschte Bischof betrachtete den Verlust des Gebäudes als sein „9.11.“, als er kurz danach am Prayer-Breakfast in Washington mit Präsidenten Bush sprach. Nach einer kostspieligen Umfrage unter allen seinen Priestern entschied sich Bischof Morlino dafür, den Bau der Kathedrale seinem Nachfolger zu überlassen.

Stattdessen konzentrierte er sich auf die jungen Katholiken seiner Diözese und baute ihnen ein wunderschönes Studentenheim im Herzen der Universität, die einst von Deutschen gegründet wurde; ihre Ausbildung lag ihm sehr nahe.

Mit den entsprechenden Verbindungen zu treuen Katholiken dauerte es nicht lange, und die Universität – aber auch Industrievertreter – luden den Kirchenmann zu Podiumsdiskussionen ein.

Der Bischof versuchte, die Lehre der Kirche über den Lebensschutz unter bekannten Stammzellforschern plausibel zu machen  –  genau dort also, wo man sie eigentlich nicht hören wollte. Schließlich hatte ihm Papst Benedikt XVI. nahegelegt, etwas gegen die embryonale Stammzellforschung zu unternehmen. Schon davor hegte der Bischof den Gedanken, ein katholisches bioethisches Institut in Madison zu eröffnen.

Leider kam er nicht so schnell dazu, denn Vorrang hatte es, junge Männer für das Priestertum zu begeistern. Als er nach Madison kam, gab es nur sechs Seminaristen, was sich bald besserte. Nach einiger Zeit wurde er von anderen Bischöfen ob der Anzahl der vielen Neupriester beneidet. Viele der jungen Geistlichen begannen damit, ihrem Bischof nachzufolgen, auch dadurch, dass sie die hl. Messe so wie er im alten bzw. überlieferten Ritus feierten.

Natürlich gab es auch in der St. Raphaels-Diözese von Madison die traditionelle Priesterbruderschaft St. Pius X, die sich mitsamt ihrem Bischof Marcel Lefebvre 1988 vom Vatikan trennten. Erzbischof Fellay, der nicht ganz unschuldig an dem Scheitern einer Verständigung mit Rom unter Papst Benedikt XVI war, kam oft nach Madison, um dort die Sonntagsmesse zu zelebrieren.

Bischof Morlino löste diese Situation dadurch, dass er rund um diese Kapelle der Piusbruderschaft seine eigenen Priester platzierte, die ebenfalls eine hl. Messe im alten Ritus zelebrierten. So machte er es traditionell orientierten Gläubigen einfach, die überlieferte Liturgie zu feiern, ohne dabei auf die Messen der Piuspriester angewiesen zu sein.

Bischof Morlino lehnte es ab, Beerdigungen mit ständigen Lobreden gleichsam in Heiligsprechungen umzuwandeln. Er selbst sagte oft etwas scherzhaft, dass der hl. Petrus ihm wohl den Schlüssel zum Fegefeuer zuwerfen würde, damit er es zuschliessen könne, wenn alle Seelen diese Stätte der Läuterung verlassen durften.

Doch wir wollen hoffen, dass Bischof Morlino recht bald im Himmel ankommt. Desto mehr kann er dann durch seine Fürsprache für die Kirche auf Erden wirken, auch für eine Versöhnung der Piusbruderschaft mit dem Vatikan.

Unsere Autorin Dr. Edith Breburda ist Buchautorin, Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin); von ihr stammen auch die Fotos in diesem Artikel (mit Ausnahme des letzten Bildes).
 
Ediths Homepage: http://scivias-publisher.blogspot.com/

 


USA: Herausforderer Romney kündigt an, ein „Anti-Abtreibungs-Präsident“ zu werden

Am 6. November 2012 finden die Präsidentschafts-Wahlen in den Vereinigten Staaten statt. Am gestrigen 11. Oktober gab es zwischen den beiden Vizepräsidentschafts-Kandidaten Joe Biden (Demokrat) und Paul Ryan (Republikaner) ein hartes Fernsehduell, wobei es auch um die Abtreibungsfrage ging. 

Laut Umfrage des Nachrichtensenders CNN sahen 48 Prozent den konservativen Herausforderer Ryan vorn; für 44 Prozent war es der amtierende Vizepräsident Biden. 

Beide Politiker sind zwar Katholiken, wobei Biden jedoch – wie die meisten Demokraten – liberal bis links orientiert ist.

Der Republikaner Ryan hingegen denkt konservativ in moralischen und gesellschaftspolitischen Fragen sowie liberal in wirtschaftspolitischer Hinsicht (er plädiert für weniger Staat und mehr Eigenverantwortung des Einzelnen).

Paul Ryan scheute sich gestern nicht, in puncto Abtreibung Klartext zu liefern:

Er widersprach US-Vizepräsident Joe Biden, als dieser erklärte,  er lehne persönlich zwar die Abtreibung ab, denn das menschliche Leben beginne mit der Befruchtung –  aber er wolle seine Ansichten anderen nicht „aufdrängen“. 

Der Republikaner hingegen betonte, man könnte Privatleben und öffentliches Leben in solch wesentlichen Fragen nicht trennen.

Er selber vertrete das Lebensrecht ungeborener Kinder  nicht allein deshalb, weil er katholisch sei, sondern weil auch Vernunft und Wissenschaft den konsequenten Lebensschutz erfordern.

Weniger eindeutig äußerte sich hingegen der republikanische Präsidentschafts-Kandidat Mitt Romney, der den Mormonensekte angehört  –   genauer betitelt diese sich als „Kirche Christi der Heiligen der Letzten Tage“. 

Romney lieferte während der letzten Monate in puncto Lebensrecht eher einen Eiertanz als eine konsequente Linie: 

Immerhin kündigte er an, er wolle als künftiger Präsident die staatlichen Zahlungen an die Beratungs- und Abtreibungsorganisation Planned Parenthood (der deutsche Zweig davon ist der gleichgesinnte Verband „Pro familia“) einstellen.

Nachdem Romney, der frühere Gouverneur von Massachusetts, zunächst erklärt hatte, er strebe keine Verschärfung der Abtreibungsgesetze an, ein solches Vorhaben stände „nicht auf seiner Agenda“, stellte er am vorigen Mittwoch auf einer Wahlkampftour durch den Bundesstaat Ohio klar: 

„Ich bin ein Anti-Abtreibungs-Kandidat und ich werde ein Anti-Abtreibungs-Präsident sein.“ 

Möglicherweise will er mit seinem jüngsten Vorstoß dem konservativen Flügel der Republikaner entgegenkommen, der seine Wankelmütigkeit schon länger kritisch beobachtete.

Zu dieser Strömung zählen sowohl glaubenstreue Katholiken wie auch bibelorientierte Evangelikale, die sich bei diesem Thema völlig einig sind. Romneys bisheriger Zickzack-Kurs verärgerte bislang einen Großteil der eigenen Anhänger.  

Man wird sehen, wie lange der Herausforderer seine jetzige Position, ein „Anti-Abtreibungs-Kandidat“ zu sein, durchhält.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Foto: Mechthild Löhr, CDL


USA: Präsidentschaftskandidat Romney präsentiert gläubigen Katholiken als Vize

Der Schachzug ist ein Plus für den Republikaner Romney bei katholischen und evangelikalen Stimmen

Wenn Mitt Romney im Herbst den Kampf ums Weiße Haus gewinnt, zieht auch ein überzeugter Katholik mit ein: Paul Ryan, der voraussichtliche republikanische Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten.

Ferdinand Oertel,  Experte von Radio Vatikan für die Kirche in den USA, sieht zwei Gründe dafür, daß Romney jetzt die katholische Karte zückt:

Zum einen laufe der Wahlkampf des voraussichtlichen republikanischen Spitzenkandidaten für das Präsidentenamt im Moment nicht so richtig rund, da sei ein Knalleffekt nötig gewesen.

Zum anderen schreibe eine US-Zeitschrift zu Recht:  „Mit der Berufung Ryans zielt er Romney auf die katholischen Stimmen, aber auch auf die Evangelikalen, denn die sind etwas skeptisch gegenüber ihm als Mormonen. Die Katholiken hingegen sind gespalten; auf die Konservativen dürfte Ryan besonders abzielen, weil er zu ihnen auch gerechnet wird.“

Kein Zufall ist es wohl, daß sich Ryan beim ersten Mal an Romneys Seite von seiner Familie umgeben präsentierte. Nach allem, was man wisse, sei der republikanische Nachwuchsstar mit Tea-Party-Ausstrahlung ein überzeugter Katholik.

„In seiner Heimat-Bistumszeitung hat der Generalvikar festgestellt, Ryans Glaube beeinflusse auch ganz sein politisches Leben. „Er glaubt, dass die Rechte des Menschen von Gott kommen und dass sie sich auf Gottes Rechte der Menschenwürde und das Naturrecht verlassen sollen.“  –  Der 42-jährige Ryan, der verheiratet ist und drei Kinder hat, ist auch in seiner Pfarrei sehr aktiv – und sogar Obama hat ihn als Familienmenschen gelobt! Aber eben nicht für seine politische Haltung.“

Romney könnte „eine Chance haben“, wenn der Katholik Ryan es schaffen sollte, viele katholische Stimmen im Mittleren Westen auf sich zu ziehen, so Oertel. „Vor allem im Bible Belt (Bibelgürtel), der noch sehr konservativ ist“  –  und dieser Teil der USA ist von bibeltreuen Evangelikalen geprägt, die den katholischen Moralvorstellungen sehr nahestehen.

Quelle: Radio Vatikan