Was der hl. Paulus dem Prokurator verkündet: Gottes Gebote und das Heil in Christus

Von Prof. Dr. Georg May

„Für dies­mal kannst du gehen; wenn ich Zeit finde, werde ich dich wie­der rufen las­sen.“ – Das sind Worte des römi­schen Pro­ku­ra­tors Felix zu dem Apos­tel Pau­lus. Der Pro­ku­ra­tor traf mit Pau­lus in Cäsarea am Meer zusam­men. Wie kam es zu der Begeg­nung?

Im Jahre 57 oder 58 reiste Pau­lus über Troas, Korinth, Milet nach Jeru­sa­lem, um den dor­ti­gen Chris­ten eine rei­che Geld­spende aus mehr als ein­jäh­ri­ger Wer­be­ar­beit per­sön­lich zu über­brin­gen. Dort ent­fes­sel­ten seine Feinde einen Kra­wall gegen ihn; er wurde in römi­sche Schutz­haft genom­men, dann zu grö­ße­rer Sicher­heit nach Cäsarea am Meer, dem Sitz des Pro­ku­ra­tors Felix, über­führt.

Dort wurde er zwei Jahre (57 – 59 oder 58 – 60 n. Chr.) in Haft gehal­ten. Anto­nius Felix war von 52 (oder 53) bis 60 (oder 61) Pro­ku­ra­tor von Judäa. Er war ein Frei­ge­las­se­ner des kai­ser­li­chen Hau­ses.

Felix war drei­mal ver­hei­ra­tet. Alle drei Gemah­lin­nen stamm­ten aus könig­li­chem Geschlecht. Die dritte Frau war die jüdi­sche Prin­zes­sin Dru­silla (geb. 38), die Toch­ter Agrip­pas I. und Schwes­ter Agrip­pas II.

Sie war zuerst mit Azi­zus, dem König von Emesa (heute Homs in Syrien), ver­hei­ra­tet. Bald nach ihrer Ver­hei­ra­tung sah Felix die schöne Köni­gin und wusste sie (mit Hilfe eines Magiers aus Cypern) ihrem Gemahl abspens­tig zu machen und für sich zu gewin­nen.

Der Pro­ku­ra­tor Felix fand Gefal­len an Pau­lus, sei­nem Gefan­ge­nen, und führte gern Gesprä­che mit ihm. Eines Tages lässt er den gefan­ge­nen Apos­tel zu sich kom­men, um sich von ihm eine ein­ge­hende Beleh­rung über den Glau­ben an Jesus als den Mes­sias geben zu las­sen.

Den Anlass dazu wird seine Gemah­lin Dru­silla gege­ben haben. Als Jüdin war sie an die­sen Fra­gen beson­ders inter­es­siert. Sie wird das Ver­lan­gen gehabt haben, die­sen Wort­füh­rer des neuen Glau­bens ein­mal zu sehen und zu hören.

Das religiöse Umfeld in der urchristlichen Zeit

Wie war die reli­giöse und sitt­li­che Lage im Römi­schen Reich, im Mit­tel­meer­raum, als das Chris­ten­tum ent­stand?

Die Ant­wort kann nur lau­ten: sie war nicht güns­tig. Die alten polythe­is­ti­schen Volks­re­li­gio­nen und Staats­kulte waren zer­setzt und in wei­ten Krei­sen um ihren Kre­dit gekom­men. Unter den Gebil­de­ten war völ­li­ger Athe­is­mus nicht sel­ten.

Als eine Art Ersatz für den Göt­ter­glau­ben kam der Kai­ser­kult auf, die gött­li­che Ver­eh­rung des ver­stor­be­nen und bald auch des leben­den Kai­sers bzw. sei­nes Genius.

Die ori­en­ta­li­schen Reli­gio­nen und Mys­te­ri­en­kulte übten eine immer stär­kere Anzie­hungs­kraft auf die Mas­sen aus, so nament­lich der Kult der phry­gi­schen Magna Mater Kybele und des Attis, die ver­schie­de­nen syri­schen Baalim, die ägyp­ti­schen Gott­hei­ten Isis und Osi­ris, der per­si­sche Licht­gott Mithras.

Dane­ben blühte jede Art von reli­giö­sem Aber­glau­ben: Astro­lo­gie, Magie, Theur­gie (Göt­ter­be­ar­bei­tung) und Nekro­man­tie (Totenora­kel). Theur­gie bezeich­net den mani­pu­la­ti­ven Umgang mit Gott­hei­ten und den Ver­such ihrer Beein­flus­sung durch den Men­schen. Im Neu­pla­to­nis­mus meinte man gött­li­che Kräfte in ein (in Trance ver­setz­tes) Medium über­füh­ren zu kön­nen.

Nekro­man­tie bezeich­net das Totenora­kel, das durch direkte Beschwö­rung Ver­stor­be­ner, durch das Gebet an eine dem Toten über­ge­ord­nete Gott­heit oder durch den Tem­pel­schlaf auf Grä­bern gesucht wird.

Hand in Hand mit dem Ver­fall der Reli­gion ging, vor allem in den höhe­ren Schich­ten und in den grö­ße­ren Städ­ten, eine furcht­bare sitt­li­che Ver­wil­de­rung. Der Apos­tel Pau­lus zeich­net ihr düs­te­res Bild mit schar­fen Stri­chen (Röm 1,24-32).

Zu kei­ner Zeit war das Gefühl der Hilf­lo­sig­keit und das Bewusst­sein der all­ge­mei­nen Ver­derbt­heit ver­brei­te­ter und stär­ker als damals, da Chris­tus in die Welt trat. Fromme Hei­den rin­gen in schmerz­li­chem Seh­nen nach Erleuch­tung und Hilfe von oben. Sie erwar­ten eine Wel­ten­wende und Welt­er­neue­rung, einen geschicht­lich auf­tre­ten­den Hei­land und Ret­ter.

Im Mittelpunkt steht das Wort vom Kreuz

In die­ser schlim­men geis­ti­gen und sitt­li­chen Atmo­sphäre tra­fen der Apos­tel Pau­lus und der römi­sche Pro­ku­ra­tor auf­ein­an­der. Pau­lus wird bei die­sem Gespräch mit Felix das Evan­ge­lium von Chris­tus ver­kün­det haben. Im Mit­tel­punkt steht das Wort vom Kreuz, d.h. von dem einen und ein­zi­gen Heils­mitt­ler Jesus Chris­tus, dem sün­den­lo­sen himm­li­schen Got­tes­sohn, der Mensch gewor­den ist.

Des­sen am Fluch­holz ver­gos­se­nes Blut der gesam­ten sün­di­gen Mensch­heit prin­zi­pi­ell und objek­tiv Sühne für ihre Sün­den und damit die Ret­tung im End­ge­richt beschafft hat. Die­ses Heil bie­tet Gott allen, Hei­den und Juden, unter­schieds­los aus rei­ner, unver­dien­ter Gnade an, und jeder, Jude wie Heide, hat es sich ver­mit­tels des Glau­bens an Christi Per­son und Werk sub­jek­tiv anzu­eig­nen.

Dazu trat die Ver­kün­di­gung des christ­li­chen Sit­ten­ge­set­zes. Wir ken­nen die Ver­kün­di­gung des Pau­lus aus sei­nen Brie­fen:

„Was immer wahr, was ehr­wür­dig, was gerecht, was lau­ter, was irgend­eine Tugend und irgend­ein Lob ist, dar­auf seid bedacht“ (Phil 4,8). – „Gestal­tet euch nicht die­ser Welt­zeit gleich, son­dern wan­delt euch um durch Erneue­rung eures Geis­tes, dass ihr prüft, was der Wille Got­tes ist, das Gute, Wohl­ge­fäl­lige und Voll­kom­mene“ (Röm 12,2). „Seid allen Men­schen gegen­über auf Gutes bedacht“ (Röm 12,17). „Lasst uns, da wir Zeit haben, das Gute an allen tun (beson­ders aber an den Glau­bens­ge­nos­sen)“ (Gal 6,10).

Als trei­ben­den Fak­tor des neuen Lebens sieht Pau­lus den (gött­li­chen) Geist an, der, in der Taufe ver­lie­hen, nun selbst dazu drängt, die Werke des Flei­sches zu las­sen, die bösen Lei­den­schaf­ten und Begier­den zu töten und die Früchte des Geis­tes her­vor­zu­brin­gen (Gal 5,16-24; Röm 5,12ff.).

Durch Christus FREIsein für das Gute

Damit wird die Schwä­che des fleisch­li­chen Men­schen über­wun­den (Röm 8,3), die Tyran­nei der Sün­den­macht gebro­chen und die prak­ti­sche Unfrei­heit unter dem alten Gesetz besei­tigt (Röm 7,14-24). So gewinnt der Christ die wahre sitt­li­che Frei­heit (Röm 8,2; Gal 5,1, 13), die ein Frei­sein für das Gute, für den Dienst Got­tes (Röm 6,16ff.) bedeu­tet.

Pau­lus hat wie kein ande­rer den inne­ren Zusam­men­hang zwi­schen gna­den­haf­ter Erret­tung und sitt­li­cher Ver­pflich­tung gese­hen. Wir sind durch Chris­tus mit Gott ver­söhnt, sol­len uns aber auch mit Gott ver­söh­nen (2 Kor 5,18ff.). Unser alter Sün­den­mensch ist (in der Taufe) ver­nich­tet, mit Chris­tus mit­ge­kreu­zigt (Röm 6,6); wir sol­len ihn aber auch mit sei­nen Taten able­gen und den neuen anzie­hen (Eph 4,22ff.; Kol 3,9f.).

Wir leben im Geist, sol­len nun aber auch im Geist wan­deln (Gal 5,25). Damit ist der sitt­li­che Impe­ra­tiv aufs engste mit dem Indi­ka­tiv des Heils ver­knüpft. Sitt­li­ches Tun ist nicht ohne das gna­den­haft geschenkte Leben Got­tes mög­lich. Aber die­ses ist auch voll und ganz auf die ethi­sche Bewäh­rung hin­ge­ord­net.

So oder ähn­lich dürfte Pau­lus vor dem Pro­ku­ra­tor Felix bei sei­nen wie­der­hol­ten Gesprä­chen das Evan­ge­lium ver­kün­det haben.

Nach dem Zeug­nis der Apos­tel­ge­schichte sprach er von den sitt­li­chen For­de­run­gen des christ­li­chen Glau­bens, ins­be­son­dere von der Pflicht der Gerech­tig­keit und der Ent­halt­sam­keit (Keusch­heit) und betonte die ernste Wahr­heit des zukünf­ti­gen Gerich­tes, bei dem alles Böse seine Strafe und alles Gute sei­nen Lohn emp­fan­gen wird. Gerech­tig­keit bedeu­tet das Ver­hal­ten gemäß Got­tes Wil­len (Gen 15,6; Dt 6,25, 24,13; Is 1,27), da die Taten des Men­schen dem Urteil des gerech­ten Got­tes unter­ste­hen.

Der Gerechte ist der Mensch, der alle sitt­li­chen Pflich­ten erfüllt. Die Gerech­tig­keit for­dert auch die kor­rekte Bezie­hung der Men­schen unter­ein­an­der.

Pau­lus spricht zum Pro­ku­ra­tor Felix und sei­ner Frau Dru­silla auch von der Pflicht zur Ent­halt­sam­keit. Mit der Ent­halt­sam­keit ist an ers­ter Stelle der geord­nete, Got­tes Wil­len ent­spre­chende Gebrauch der Geschlecht­lich­keit gemeint. Es gibt eine vor­ehe­li­che und eine ehe­li­che Ent­halt­sam­keit. Keusch­heit und Ent­halt­sam­keit gehö­ren eng zusam­men. Die eine kann ohne die andere nicht beste­hen.

Keusch­heit ist das sitt­lich geord­nete Ver­hal­ten gegen­über der Geschlecht­lich­keit. „Kein Unzüch­ti­ger oder Unrei­ner… hat Erb­teil am Rei­che Christi und Got­tes“ (Eph 5,5), lehrt Pau­lus.

Das Gericht ist der Erntetag Gottes

Zur christ­li­chen und pau­li­ni­schen Ver­kün­di­gung gehört auch das Gericht Got­tes über die Men­schen. Das Gericht ist der Ern­te­tag Got­tes, an dem er Unkraut und Wei­zen schei­den wird, der Tag, an dem die Men­schen Rechen­schaft able­gen müs­sen von ihrem Tun und Las­sen. Jesus ist der wie­der­kom­mende Men­schen­sohn und Rich­ter.

Der von den Toten erweckte Herr ist von Gott zum Rich­ter des Erd­krei­ses bestimmt. Alle Men­schen müs­sen vor sei­nem Rich­ter­stuhl erschei­nen, um über ihre im Leben voll­brach­ten Taten Rechen­schaft abzu­le­gen und ihren Lohn zu emp­fan­gen (1 Kor 3,8), um zu ern­ten, was sie im Leben gesät haben (2 Kor 9,6; Gal 6,7-10; 1 Kor 10,1-13).

Um dem Gericht zu ent­ge­hen, ist Umkehr ver­langt zu dem allein ret­ten­den Glau­ben an Chris­tus. Die Zeit zwi­schen Ostern und Paru­sie ist die letzte Gna­den­frist zur Abson­de­rung der sich Bekeh­ren­den von der ver­stock­ten Welt. Im Schrei­ben an die Bewoh­ner von Salo­niki sprach Pau­lus von den Feu­er­flam­men des Gerich­tes, wenn der Herr Jesus denen die Strafe bringt, die Gott nicht ken­nen und sei­nem Evan­ge­lium nicht gehor­chen (2 Thess 1,7f.).

All das Erwähnte und vie­les andere wird Pau­lus dem Pro­ku­ra­tor Felix und sei­ner Frau Dru­silla vor­ge­tra­gen haben. Er war dafür bekannt, dass er die Wahr­heit scho­nungs­los vor­trug. Daher beginnt bei Felix das Gewis­sen sich zu regen. Auch der Dru­silla wird es bei die­sen Aus­füh­run­gen nicht ganz wohl gewe­sen sein. Darum bricht Felix die Unter­re­dung ab.

Diese Ver­kün­di­gung ist ihm unan­ge­nehm. Er gedenkt nicht, zu dis­ku­tie­ren, nein, er schnei­det dem Apos­tel das Wort ab. Er gerät in Angst und sagt: „Für dies­mal kannst du gehen; wenn ich Zeit finde, werde ich dich wie­der rufen las­sen.“

Warum gerät der Pro­ku­ra­tor in Angst? Ver­mut­lich des­we­gen, weil ihm vor den hohen Wahr­hei­ten, die Pau­lus ver­kün­dete, und vor den erha­be­nen sitt­li­chen For­de­run­gen, die er dar­legte, das Grauen, das Unbe­ha­gen und der Schwin­del über­fällt. Er dachte und lebte anders, als es nach der Lehre des Pau­lus von Gott gebo­ten war.

Vor allem der Gedanke an das Gericht, das Pau­lus ankün­digte, mag Felix in Schre­cken ver­setzt haben. Davon mochte er nichts hören. Er wollte Ruhe haben. Darum brach er das Anhö­ren der christ­li­chen Lehre ab. Felix hatte ein gewis­ses Inter­esse am Chris­ten­tum. Er war viel­leicht von einem unbe­stimm­ten Wohl­wol­len für Pau­lus erfüllt. Aber zu einem wirk­li­chen Ver­ständ­nis für den reli­giös-sitt­li­chen Ernst der christ­li­chen Bot­schaft war er nicht fähig oder nicht gewillt.

„Für jetzt höre auf und gehe.“ – So spre­chen heute viele Men­schen, die ein Gläu­bi­ger an Gott, seine Macht und sein Gesetz erin­nert. Sie wol­len in ihrem Tun und Las­sen nicht gestört sein.

„Ich will Spaß haben“, sagte der Fuß­bal­ler Lothar Matt­häus, als er auf sei­nen Umgang mit der Ehe ange­spro­chen wurde. Dar­auf ist mit dem Buch von der Nach­folge Christi zu ant­wor­ten: „Siehe, zwei­fa­che Freude gibt es nicht für dich. Hier die törich­ten Freu­den der Welt töricht mit­ge­nie­ßen und dort mit Chris­tus herr­schen, siehe, das kannst du nicht.“

Prof. Dr. Georg May ist katholischer Priester, Theologe, Kirchenrechtler und Buchautor; er wurde von Papst Benedikt zum Apostolischen Protonotar ernannt. Seine fundierte, umfangreiche Predigtsammlung ist seit langem in unserer Linkliste auf der Startseite zu finden: https://http://www.glaubenswahrheit.org/


Wie uns die Leiden Christi zuteil geworden sind, so auch überreicher Trost durch Christus

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 2 Kor. 1,1-7.

Paulus, durch Gottes Willen Apostel Christi Jesu, und der Bruder Timotheus an die Kirche Gottes, die in Korinth ist, und an alle Heiligen in ganz Achaia.
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem HERRN Jesus Christus.

Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres HERRN, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes.
ER tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott gestärkrt werden.
Wie uns nämlich die Leiden Christi überreich zuteil geworden sind, so wird uns durch Christus auch überreicher Trost zuteil.

Sind wir aber in Not, so ist es zu eurem Heil, und werden wir getröstet, so geschieht auch das zu eurem Trost; er wird wirksam, wenn ihr geduldig die gleichen Leiden ertragt, die auch wir ertragen.
Unsere Hoffnung für euch ist unerschütterlich; wir sind sicher, dass ihr mit uns nicht nur an den Leiden teilhabt, sondern auch am Trost.

Gemälde: Evita Gründler

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Papst Benedikts Plädoyer für das Naturrecht

Von Dr. Gero P. Weishaupt

Am 22. September 2011 hielt das damalige Oberhaupt der Katholischen Kirche eine seiner denkwürdigsten Reden seines Pontifikates. Papst Benedikt XVI. hat sich in seiner Ansprache vor dem Deutschen Bundestag mit den Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats auseinandergesetzt.

Politik müsse „Mühen um Gerechtigkeit“ sein und so die Grundvoraussetzung für Friede schaffen. Voraussetzung ist die Anerkennung eines präpositiven Rechtes, das in der Wesensnatur des Menschen sein Fundament hat und mit dem Licht der Vernunft erkannt und von der Offenbarung im Licht des Glauben bestätigt wird. Glaube und Vernunft stimmen überein. 

Die Naturrechtslehre ist keine Eigenlehre der Katholischen Kirche, wie man irrtümlicherweise häufig meint und der Kirche entgegenhält. Naturrecht findet sich schon in der (paganen) Antike (Platon, Aristoteles, Cicero, Seneca, in der Anwendung bei konkreten Rechtsfällen der Römischen Juristen [Digesten bzw. Pandekten im Corpus Iuris Civlis], dann auch bei den griechischen Dramatikern, vor allem Sophokles (Tragödie: Antigone).

Zurecht schreibt darum Paulus in seinem Römerbrief:

„Wenn die Heiden (lies z.B. Platon, Aristoteles,  Sophokles, Cicero, Seneca etc.), die kein Gesetz haben, von Natur aus die Vorschriften des Gesetzes erfüllen, so sind sie, die kein Gesetz haben, sich selbst Gesetz. Sie zeigen ja, dass die Forderungen des Gesetzes in ihr Herz geschrieben sind, wovon auch ihr Gewissen Zeugnis ablegt und die Gedanken, die einander anklagen und verteidigen“ (Röm 2, 14 f.).

Von den 10 Geboten können das 4. bis 10 Gebot auch aus dem Naturrecht und damit aus der Vernunft abgeleitet werden. Um diese Gebote zu erkennen, bedarf es keiner Offenbarung. Glaube und Vernunft stimmen überein. 

Gesetze eine Staates sind gerecht, wenn sie Ableitungen aus dem Naturrecht sind. Einige Jahre nach der denkwürdigen Rede vor dem Deutschen Bundestag schuf der deutsche Gesetzgeber ein Gesetz, das die Ehe von Mann und Frau mit der Beziehung von gleichgeschlechtlichen Paaren rechtlich gleichstellt („Homoehe“). 2020 haben die Verfassungsrichter das Verbot „geschäftsmäßiger Sterbehilfe“ gekippt. 

Es sind nur zwei eklatante Beispiele aus jüngster Zeit, wie der deutsche Gesetzgeber und deutsche Richter nach wie vor – auch  nach der Rede von Papst Benedikt –  Naturrecht ignorieren und der Rechtspositivismus Blüten treibt.  

Dabei finden Menschenrechte wie Gleichheit und Selbstbestimmung ihr Fundament und ihre Grenze in der Wesensnatur des Menschen und des daraus abzuleitenden Naturrechts. Der Mensch findet sein Glück und seine Erfüllung nur dann, wenn er  „gemäß seiner Natur lebt“ und der Staat die dafür erforderlichen Gesetze schafft.

FORTSETZUNG des Beitrags mit Dokumentation der erwähnten Papstrede hier: https://www.kathnews.de/fuer-das-naturrecht-gegen-den-rechtspositivismus


Der moderne Mensch und sein Problem, die eigene Endlichkeit zu ertragen

Im Alten Testament finden wir eine wunderbare Erzählung, die uns Orientierung gibt, wie wir mit dem Leid eines anderen umgehen sollen:  

Hiob findet keine Erklärung für sein Leiden und auch seine Freunde nicht, aber letzten Endes  erkennt er den Sinn seines Leidens in der Ergebung in den göttlichen Willen und findet damit in die höchste Form des Gebets des Geschöpfes zu seinem Schöpfer.

Auf dem Weg zu dieser Erkenntnis unterstützen ihn seine Freunde durch ihre stumme Anwesenheit: sieben Tage und Nächte lang harren sie schweigend bei ihm aus. Kein Wort wird gesprochen, alle sind erstarrt ob des furchtbaren Leidens des Freundes, aber sie bleiben bei ihm und halten seine Schmerzen und seine Trauer aus.

Genau das ist es, was ein Schwerkranker, ein Sterbender braucht: die Anwesenheit eines Menschen, an dessen Hand er sein Leben beenden kann und der keine Angst davor hat, sich mit dem Tod zu konfrontieren, der an seiner Seite ist in den schwersten Stunden seines Lebens und das Sterben des anderen erträgt und mitträgt.

Die beste Medizin und das modernste Spital können diesen Menschen nicht ersetzen!  

Unsere Familienstrukturen sind zerbrochen, die Großfamilie existiert längst nicht mehr, welches Kind erlebt noch den Tod eines Familienangehörigen direkt mit und lernt so den Umgang mit den Grenzen des Lebens?

Aus diesem Mangel heraus sieht sich der heutige Mensch kaum mehr in der Lage, diesen so notwendigen Dienst an einem Sterbenden zu leisten, denn dann wäre er mit seiner eigenen Endlichkeit konfrontiert, aber die möchte er lieber verdrängen, weil er sie nicht aushält.

Da ihm ein tragendes Fundament fehlt, eine Autorität, die ihm Halt gibt, so wie es durch viele Jahrhunderte hindurch der Glaube für den Menschen war, kommt er auf die zutiefst unmenschliche Lösung, dieses Unvermögen mit einem Gesetz zur Freigabe des assistierten Selbstmordes, der aktiven Sterbehilfe zu kompensieren.

„Verkündige das Wort, tritt dafür ein…“ (2 Tim 4, 2)

Seit vielen Jahrzehnten schon sägt die europäische Gesellschaft an ihren Wurzeln, löst sich von ihrer Verankerung in der abendländischen Zivilisation, von ihrem christlichen Erbe. Die Einführung der Euthanasie in vielen europäischen Ländern ist nur ein weiterer Schritt auf diesem Weg.

Kann es denn verwundern, dass die Menschen, losgelöst von der Bindung an ihren Schöpfer, orientierungslos sind und bis zum Letzten verwirrt? Muss ihnen nicht der Sinn in diesem Leben verschlossen bleiben? Und: wie könnten sie überhaupt noch die Grenzen erkennen, die dem Menschen gesetzt sind?

Seit Jahrzehnten verkündet die katholische Kirche den Menschen nicht mehr, was sie ihnen jedoch sagen müsste:  Die volle Wahrheit der christlichen Lehre! Katechesen finden nicht mehr statt, Predigten sind inhaltslos und gefällig geworden.

Selbst die Gläubigen wissen nichts mehr von ihrem Glauben, wie kann er ihnen dann Halt geben im Umgang mit Krankheit und Tod? Wenn die Kirche nicht wieder ihr prophetisches Amt aufnimmt und den Menschen die Zeichen der Zeit deutet (sei es gelegen oder ungelegen, wie der Völkerapostel Paulus schreibt), ist unsere Gesellschaft verloren! 

Europa eilt dem Abgrund entgegen

Wir Katholiken sind davon überzeugt, dass der dreifaltige Gott allein der HERR über unser aller Leben ist, Er gibt uns das Leben und Er allein bestimmt, wann dieses Leben beginnt und wann es auf dieser Erde sein Ende findet.

Niemals dürfen wir dem Mainstream nachgeben, der die Abtreibung und nun vielleicht schon bald auch die aktive Sterbehilfe banalisiert und fördert! Als Christen müssen wir hier Widerstand leisten!

Das menschliche Leben ist geheiligt von seinem Schöpfer, von der Befruchtung an bis zum natürlichen Tod, es ist und bleibt unantastbar und keinem Geschöpf auf dieser Erde ist das Recht gegeben, daran zu rühren – unabhängig davon, was uns irdische Autoritäten sagen.  

Der hl. Apostel Paulus wusste es schon vor fast 2000 Jahren: „Von der Wahrheit wird man das Ohr abwenden und sich den Fabeleien zukehren“ (2 Tim 4,4)

Quelle: https://fsspx.de/de/news-events/news/gott-allein-bestimmt-den-zeitpunkt-wann-das-leben-auf-erden-sein-ende-findet-62605


Hl. Paulus: Auch unter Gläubigen gibt es „Feinde des Kreuzes Christi“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Phil 3,17-21.4,1.

Ahmt auch ihr mich nach, Brüder, und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt.
Denn viele – von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche – leben als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn.
Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den HERRN, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann.
Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest in der Gemeinschaft mit dem HERRN.


Gottes Waffenrüstung für die Christen

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Eph 6,10-17:

Werdet stark durch die Kraft und Macht des HERRN!
Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt.

Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister aus dem Jenseits.

Darum legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt.

Gürtet euch mit Wahrheit, zieht als Panzer die Gerechtigkeit an und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium des Friedens zu kämpfen.
Vor allem greift zum Schild des Glaubens: Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen.
Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes.

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Nächstenliebe ist die Erfüllung der Gebote

Heutige liturgische Sonntagslesung der kath. Kirche: Röm 13,8-10:

Bleibt niemandem etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer. Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt.
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Denn die Gebote Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren, und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
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Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses an. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.
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Der hl. Paulus an die Gemeinde in Korinth: „In Christus bin ich euer Vater geworden“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 1 Kor 4,6b-15:

Brüder, damit ihr an uns lernt, dass der Grundsatz gilt: «Nicht über das hinaus, was in der Schrift steht», dass also keiner zugunsten des einen und zum Nachteil des andern sich wichtig machen darf.
Denn wer räumt dir einen Vorrang ein? Und was hast du, das du nicht empfangen hättest? Wenn du es aber empfangen hast, warum rühmst du dich?
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Ich glaube nämlich, Gott hat uns Apostel auf den letzten Platz gestellt, wie Todgeweihte; denn wir sind zum Schauspiel geworden für die Welt, für Engel und Menschen.
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Wir stehen als Toren da um Christi willen, ihr dagegen seid kluge Leute in Christus. Wir sind schwach, ihr seid stark; ihr seid angesehen, wir sind verachtet.
Bis zur Stunde hungern und dürsten wir, gehen in Lumpen, werden mit Fäusten geschlagen und sind heimatlos.
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Wir plagen uns ab und arbeiten mit eigenen Händen; wir werden beschimpft und segnen; wir werden verfolgt und halten stand; wir werden geschmäht und trösten. Wir sind sozusagen der Abschaum der Welt geworden, verstoßen von allen bis heute.
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Nicht um euch bloßzustellen, schreibe ich das, sondern um euch als meine geliebten Kinder zu ermahnen.
Hättet ihr nämlich auch ungezählte Erzieher in Christus, so doch nicht viele Väter. Denn in Christus bin ich durch das Evangelium euer Vater geworden.
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Gläubige sind „Mitbürger der Heiligen“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Eph 2,19-22:

Ihr seid jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht,
sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.
Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut;
der Schlußstein ist Jesus Christus selbst.
Durch IHN wird der ganze Bau zusammengehalten
und wächst zu einem heiligen Tempel im HERRN.
Durch IHN werdet auch ihr im Geist
zu einer Wohnung Gottes erbaut.
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Hl. Paulus: „Verkünde das Wort, ertrage das Leiden, sei nüchtern in allem!“

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Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 2 Tim 4,1-7:
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Ich beschwöre dich bei Gott und bei Jesus Christus, dem kommenden Richter der Lebenden und Toten, bei seinem Erscheinen und seinem Reich:
Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne in aller Geduld und Belehrung!
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Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; man wird der Wahrheit kein Gehör mehr schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden.
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Du aber sei in allem nüchtern, ertrage das Leiden, verkünde das Evangelium, erfülle treu deinen Dienst!
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Denn ich werde nunmehr geopfert und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt.
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