Berlin: Bioethische Fachtagung des BVL referierte über die „Sehnsucht nach Perfektion“

Am internationalen Kindertag (20.9.) beschäftigte sich eine Fachtagung des Bundesverband Lebensrecht mit einer Gruppe von Kindern, die meist nicht berücksichtigt werden: mit den Kindern vor der Geburt.

Aus verschiedenen Blickwinkeln wurden bioethische Themen, die auch für Frauen, Eltern und kommende Generationen mit langfristigen und teils unabsehbaren Folgen verbunden sind, vertieft und beleuchtet.

Nach der Begrüßung der BVL-Vorsitzenden Alexandra Linder (siehe Foto) sprach Prof. Dr. Manfred Spieker, em. Professor für Christliche Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück, vor den über einhundert Teilnehmern der Tagung.

Er stellte heraus, dass es der Reproduktionsmediziner nicht nur mit Erwachsenen zu tun hat, die sich ein Kind wünschen, sondern auch mit dem Kind als eigenständigem Rechtssubjekt.

Die „Sehnsucht nach Perfektion“ des Menschen und die Frage, inwiefern die Menschenwürde gewahrt oder bedroht werden kann, war Thema der zweiten Gesprächsrunde zwischen dem Gynäkologen Dr. Johannes Decker und dem Philosophen und Theologen Dr. Hanns-Gregor Nissing.

In den Referaten und Diskussionen ging es unter anderem um die Organzüchtung mittels Chimären und damit verbundene ethische Herausforderungen.

Wie das Lebensrecht, der Lebensschutz und die verschiedenen bioethischen Bereiche in Politik und Medien einfließen und behandelt werden, beleuchteten zum Abschluss der von Mechthild Löhr, Vorstandsmitglied des BVL, moderierten Tagung Hubert Hüppe (siehe Foto), langjähriger Bundestagsabgeordneter und bis 2014 Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, und Gunnar Schupelius, Journalist und Mitglied der Chefredaktion der B.Z. (Berliner Zeitung).

Auf der einen Seite würden „bioethische“ Themen politisch eine Rolle spielen, auf der anderen Seite gebe es gerade beim Thema Abtreibung eine Art Tabuisierung, vor allem auch in den Medien. Es sei dennoch der Lebensrechtsbewegung in den letzten Jahren mehr und mehr gelungen, die Thematik zurück ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen.

Für  den 21. September lädt der Bundesverband Lebensrecht zum Marsch für das Leben ein, der um 13 Uhr vor dem Reichstag mit einer Kundgebung beginnt.

Diese größte Pro-Life-Veranstaltung Deutschlands erfährt breite Unterstützung, sowohl durch Grußworte als auch durch die Teilnahme prominenter Persönlichkeiten aus Politik und Kirche, darunter drei Ortsbischöfe und zwei Weihbischöfe der katholischen Kirche, ein Bischof der SELK sowie Vertreter von freikirchlichen Gemeinschaften.

https://www.bundesverband-lebensrecht.de
https://www.facebook.com/BVLebensrecht/
https://www.facebook.com/marschfuerdasleben/


Weihnachten erinnert uns daran: Kinder sind ein Grund zur Freude!

Von Dennis Riehle

Vor einigen Wochen besuchte ich einen Vortrag. Neben mir saß eine junge Frau. Sie hatte ihr Baby mitgebracht. Kaum anders zu erwarten, meldete es sich im Laufe der Veranstaltung lautstark zu Wort. „Können Sie Ihren Bengel nicht zuhause lassen, wenn Sie zu solch einem Abend kommen?“, empörte sich vor mir eine ältere Dame. „So etwas sollte man verbieten!“, legte sie nach.

Die Mutter neben mir sank immer weiter in ihren Sitz zusammen. Ihr Kopf war rot geworden voll der Scham – und ich schlug ihr vor, dass wir einige Minuten vor die Tür gehen sollten, bis sich ihr Kind wieder beruhigt hatte. Sie stimmte zu – und wir drängten uns durch die Sitzreihen hindurch.

Mittlerweile hatte der Referent seinen Vortrag bereits unterbrochen, da immer mehr Zuhörer sich beschwerten. „Passen Sie doch auf!“, „Können Sie nicht daheim bleiben mit Ihrer Göre?“ – die Reaktionen auf die junge Mutter waren drastisch. 

Vor dem Vortragssaal angekommen, holte ich der völlig aufgelösten Frau zunächst ein Glas Wasser. „Wissen Sie, ich bin alleinerziehend. Soll ich denn deswegen nur noch in meinen eigenen vier Wänden bleiben, aus Angst darum, dass mein Kleinster quengelt?“, blickte mich die Mutter etwas verzweifelt an. „Was haben die Menschen nur gegen Kinder? Ich bin mit meinem Baby so oft angeeckt, dass ich den Glauben daran verloren habe, wonach mein Nachwuchs in unserer Gesellschaft noch willkommen ist“.

Harte Worte waren das. Doch was sollte ich entgegenhalten? Tatsächlich erinnerte auch ich mich daran, wie erst kürzlich im Bus, im Gottesdienst oder beim Arzt das Entsetzen um sich griff, als Kinder mit ihrem völlig normalen Geschrei die Aufmerksamkeit der Umgebung auf sich zogen.

Wie steht es also wirklich um die Liebe zu unseren Kindern?

Schon eine Schwangerschaft kann zur Ausgrenzung führen. Das haben bereits Maria und Josef erfahren müssen, als sie auf der Suche nach einer Herberge überall abgelehnt wurden. Ich mutmaße, dass es auch mit der anstehenden Niederkunft eines Babys zu tun hatte, weshalb sich die Hausbesitzer von Bethlehem weigerten, für die junge Familie zumindest eine kleine Ecke an Unterkunft zur Verfügung zu stellen.

Kinder – sie gelten als süß, niedlich und willkommen, solange sie keine Umstände bereiten. Das sagte ich auch der jungen Frau, die noch immer ihr Baby in den Armen trug, das mittlerweile an der Flasche mit Milch ruhig geworden war.

„Aber blicken Sie nur auf die Weihnachtsgeschichte: Sie macht uns klar, dass das Kleinsein zum Leben dazugehört. Der große Retter, der auf die Welt niederkommt, er beginnt ganz winzig, in Windeln, schreiend und in einer Krippe liegend“, fügte ich an.

Christoph von Schmid dichtet in seinem berühmten Kirchenlied „Ihr Kinderlein, kommet“ darüber, was wir von unseren Kleinsten zu halten haben: „… und seht, was in dieser hochheiligen Nacht der Vater im Himmel für Freude uns macht“.  – Er erinnert uns daran: Kinder sind eine Freude!

Im 21. Jahrhundert sehnen wir uns nach Perfektion. Da passen keine störenden Geräusche in den Alltag. Wie wir mit unseren Kindern umgehen, so gehen wir mit uns selbst um. Nichts von Nachsicht, von Sanftmut, schon gar keine Freude. Wie trist wird unser Dasein, wenn wir den kindlichen Schrei aus unserem Leben verbannen – und damit vergessen, wo wir herkommen, wer uns geschaffen und uns mit Liebe erzogen hat.

Zu Weihnachten freue ich mich nicht nur mit der jungen Mutter, die ihr Baby nach unserem Gespräch ganz selbstbewusst mit nach Hause nahm. Ich freue mich an dem lautstarken Jubel der Engel-Chöre, die einstimmen in den Gesang, um zu huldigen und anzubeten.

Wie dankbar können wir über jedes Kind sein, das unseren Alltag mit einem lauten Aufschrei unterbricht und uns wieder ins Bewusstsein ruft, dass wir leben! Wenn wir verstummen, dann ist das kein gutes Zeichen. Die Vitalität eines kleinen Babys, sie macht uns Mut für unsere eigene Wegstrecke: Lebendigkeit ist das Motto des Christfestes – wir dürfen sie spüren, aber wir sollten sie auch er-tragen, gerade bei Anderen, besonders bei Kindern.

Weihnachten ist für mich das Fest unseres Lebens. Nach Stille und Besinnung auf den, der da kommt, dürfen auch wir die Ruhe unterbrechen und uns klarmachen: Nur der, der sich regt, hat Anteil am Hier und Jetzt.

Das verdeutlichen uns Kinder immer wieder neu. Ich sorge mich um die nahezu feindselige Stimmung gegen unsere Kleinsten, die für manch Einen keinen Platz in unserer Gesellschaft finden sollen. So wird nicht nur für die Mutter aus dem Vortragsraum der Alltag zum Spießroutenlauf.

Nehmen wir uns ein Beispiel daran, wozu uns Christoph von Schmid aufruft: „O beugt wie die Hirten anbetend die Knie, erhebet die Hände und danket wie sie…“ (Strophe 4).

Mit jedem Kind wird auch unser Alltag heller und geräuschvoller. Singen wir zu Weihnachten laut und kräftig, freuen wir uns über diese herrliche Botschaft von neuem Leben, von einer neuen Lebensgeschichte, die beginnt. Teilen wir die Glückseligkeit von Eltern, die dankbar sind über ihren Nachwuchs. Und lassen wir sie teilhaben am Dasein unser aller.

Die Freundlichkeit gegenüber Kindern wird sich auszahlen. Für unsere eigene Stimmung, für unsere eigene Zufriedenheit, für unsere Zukunft.

„Maria und Joseph betrachten es froh“ (Strophe 3), dieses Baby „auf Heu und auf Stroh“. Tun wir es ihnen gleich – und lassen wir unserer Warmherzigkeit freien Lauf.

„Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude“! (Johann Ludwig K. Allendorf, EG 66.1)

Ich wünsche allen Lesern friedvolle und gesegnete Weihnachtstage!

Webpräsenz: http://www.Dennis-Riehle.de


Der neue Perfektionswahn: „Trimm dich früh“ statt unbeschwerter Kindheit

Von Birgit Kelle (Vorsitzende von Frau 2000plus)

Einfach nur spielen war gestern. Kindsein ist heute ein Fulltime-Job  –  was nicht passt, wird passend gemacht. Unvorstellbar müssen die Zustände früher gewesen sein. Die Kinder kamen einfach, wann sie wollten. Manche waren Jungs, manche Mädchen, man wusste es vorher nicht einmal.

Sie schliefen ohne Durchschlafsprechstunde. Manche schliefen auch nicht und brüllten, die hat man dann eben länger wach gelassen, getragen oder im Elternbett abgelegt. Sie aßen, was auf den Tisch kam, schafften ohne Ritalin die Schule und wenn sie sich geprügelt hatten, gab es Nachsitzen.

Sie spielten auf der Straße, mit Freunden, die sie sich selbst aussuchten, vergaßen ihre Hausaufgaben und haben trotzdem die Schule geschafft.

Heute sind wir endlich weiter, wir haben die Vorgänge optimiert, jedes Kind weiß heute, was es abzuliefern hat. Es wird nicht weiter Lebenszeit mit sinnlosem Rumgespiele verplempert, jede Sekunde wird genutzt. Am besten schon im Bauch. Zeit ist Geld. Und wenn es nicht funktioniert, ist klar, wer Schuld hat: Die Eltern, sie haben es versaut.

Das ideale Kind lässt sich zeugen, wenn der ideale Zeitpunkt da ist. Es kommt nicht ungelegen/in der Ausbildung/im Studium oder gar überraschend oder gar nicht. Das ideale Kind gibt schon in der Schwangerschaft klar und deutlich sein Geschlecht zu erkennen, damit die Ausstattung passend gekauft werden kann. Es ist schon im Mutterleib gesund. Strampelt, wenn es mit Beethoven beschallt wird. Es wächst nach seinen Wachstumskurven, bewegt sich, wenn es soll, aber bitte nicht zu viel.

Es kommt pünktlich nach errechnetem Geburtstermin auf die Welt, notfalls wird ihm mit einem geplanten Kaiserschnitt ein Hinweis gegeben. Das ideale Kind isst gut und wächst weiter nach seiner Wachstumskurven. Es lässt sich stillen, aber auch von Papa/Oma/Opa/Freundin mit der Flasche füttern.

Es schläft gut und nachts durch, es schreit wenig und schon gar nicht sinnlos, beides würde schließlich sein Umfeld zu sehr aus der Bahn werfen. Es arbeitet mit in der Pekip-Gruppe und beim Babyschwimmen.

Es hat keine Angst vor Wasser und erfreut sich an pädagogisch wertvollem Spielzeug. Es ist begeistert vom Baby-Englisch-Kurs und der frühmusikalischen Grundausbildung. Es spielt nicht mit dem Essen, liebt salzfreien Möhrenbrei und selbst gekochte Pastinaken mit vielen Vitaminen…

Den ganzen Text und die Möglichkeit zu kommentieren, finden Sie hier:

http://theeuropean.de/birgit-kelle/12308-das-maerchen-vom-perfekten-nachwuchs