„Löwe von Fulda“: Würdigung unseres DYBA-Gedenkbandes in der „Tagespost“

Die „Tagespost“ aus Würzburg veröffentlichte am 27.2.2016 eine ausführliche Besprechung der Neuerscheinung aus dem KOMM-MIT-Verlag: „Der Löwe von Fulda“ über Erzbischof Johannes Dyba, den Oberhirten von Fulda, der am 23. Juli 2000 überraschend verstarb.

Der Autor Urs Buhlmann schreibt unter dem Titel „Über die Faszination des echten Hirten“ Folgendes über den von Felizitas Küble herausgebrachten Sammelband mit über 35 Beiträgen katholischer und evangelischer Verfasser:  Fürs CF verwenden

Ein Gedenkband zu Ehren des Fuldaer Erzbischofs Johannes Dyba zeigt, dass klares Profil über die konfessionellen Grenzen hinaus ausstrahlt.

Er fehlt, er fehlt sehr: Johannes Dyba (1929 – 2000) war das Muster eines intelligenten Konservativen, eines vielseitig gebildeten Kirchenmannes, der seine Anliegen mutig und froh vertrat. Ein Bischof mit Herz und  –  das darf man bei einem in Berlin-Wedding Geborenen und in Pankow Getauften wohl sagen  –  „Schnauze“, einer, der sich nicht die Butter vom Brot nehmen ließ.

Das erfuhren auch seine bischöflichen Mitbrüder, die sich häufig genug eine Mitkommentierung bei journalistischen Anfragen durch den seit 1983 als Bischof von Fulda amtierenden vormaligen Kuriendiplomaten gefallen lassen mussten – auch wenn die Anfrage eigentlich dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz galt.

Bei Medien gefragt wegen seiner klaren Rede

Mit Dyba wollten die Journalisten sprechen, weil sie wussten, dass er Klartext redete, gerade wenn es um die kirchlichen Reizthemen ging. Darüber waren wieder manche in der Kirche heimlich froh, die sich öffentlich nie so zu Wort gemeldet hätten, auch wenn sie in der Sache einer Meinung mit dem klar formulierenden Fuldaer Oberhirten waren.

Wie gesagt, Dyba fehlt – doch jetzt kann man sich an ihn erinnern. Ein Gedenkbuch versammelt Reflexionen von 33 Autoren, auch aus dem evangelischen Bereich, zum „Löwen von Fulda“, wie er hier leicht verklärend genannt wird.

Der Band ersetzt nicht den 2002 erschienenen Sammelband von Gotthard Klein und Monica Sinderhauf in der empfehlenswerten Reihe „Quaestiones non disputatae“, gibt also keine Zusammenfassung der wichtigsten Predigten und Beiträge des Erzbischofs (und leider nicht einmal seinen Lebenslauf).

Er macht aber deutlich, wie vielen dieser unkonventionelle Kirchenmann etwas bedeutet hat und wie sehr sich offenbar „Normal-Katholische“ einen „unverschämt katholischen“ Hirten wünschen.

Weihbischof Laun über Dyba und den hl. Thomas Morus

Mitten hinein ins Dyba-Universum führt der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der den Verstorbenen zu Thomas Morus in Verbindung setzt und zunächst einräumt: „Mag schon sein, dass er manchmal ,zu hart‘ formuliert hat und ,klüger‘ hätte sein können.“  bildma1

Aber genau diese undiplomatische Verkündigung des gelernten Diplomaten hätte Dyba mit den großen Propheten des Alten Testamentes gemeinsam gehabt. Dem österreichischen Mitbruder gefällt jedenfalls, was der deutsche Bischof einmal einem Journalisten auf die Frage nach seiner „Außenseiterrolle“ antwortete:

„Ich werde in mehr oder weniger kurzer Zeit vor Gott in der Ewigkeit stehen. Da werde ich doch jetzt keine Zeit mehr dazu verschwenden, faulen Kompromissen nachzujagen oder um Mehrheiten, in welchen Gremien auch immer, besorgt zu sein. Die Stunde ist da, um Gottes Botschaft – und dazu gehören auch seine Gebote – in Klarheit und Wahrheit zu verkünden.“

Also sprach der Mann, der auch seinen Amtsbrüdern etwas auszurichten hatte: „Wenn Johannes der Täufer sich verhalten hätte wie die deutschen Bischöfe, wäre er im Bett gestorben.“

Unerschrockener Einsatz für die ungeborenen Kinder

Da mag Dyba auf seine kompromisslose Haltung zum Lebensschutz Bezug genommen haben, die nicht überall geteilt wurde: Er ließ die Glocken läuten für die Ungeborenen, die einer Abtreibung zum Opfer fielen, und stieg 1993 als Allererster aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung aus, weil „Lizenzen zum Töten“ eines ihrer Ergebnisse sein können. Foto von Elstrud Consoir

Dagegen und auch gegen erste staatliche Pläne zu einem Lebenspartnerschaftsgesetz für gleichgeschlechtliche Paare begehrte Dyba leidenschaftlich auf.

Weihbischof Laun erinnert sich an den Vorwurf eines anderen deutschen Bischofs: „Johannes, du operierst ohne Narkose“  –  worauf der Angegriffene antwortete: „Und ihr operiert gar nicht!“

Viele der Beiträge im Würdigungs-Band stammen aus den Reihen der Lebensschützer, die im verstorbenen Erzbischof  –  er führte dieses Rang als persönlichen Titel weiter, weil er ihn als Nuntius bekommen hatte, bevor er nach Fulda ging  –  einen Fürsprecher im Episkopat hatten wie seitdem kaum mehr.

Prof. Dr. Peter Beyerhaus: Er war auch „unser“ Bischof

Der evangelische Missionswissenschaftler Peter Beyerhaus hält fest: „In der Tat sahen viele evangelische Christen in ihm ihren eigenen Bischof. Das zeigte sich darin, dass – wie er uns berichtete – über die Hälfte aller sich hilfesuchend oder dankbar an ihn wendenden Zuschriften von Protestanten kamen, die sich von ihren Kirchenleitungen geistig im Stich gelassen fühlten“.

Der lutherische Pastor Joachim Cochlovius: Wenn „evangelisch“ bedeutet, Grundsätze zu vertreten, dann war Bischof Dyba ein „evangelischer Christenmensch“.

Die Kombination von Eindeutigkeit und Kampfgeist verschaffte Dyba allerdings nicht nur Freunde, in gewisser Weise hat er sein ganzes Leben lang kämpfen müssen. Als Nuntius in Liberia wurde er damit konfrontiert, dass ein Oppositions-Politiker Schutz in der Nuntiatur suchte, wie Leo Lennartz zu berichten weiß. „Auch als Dyba selbst mit Erschießen gedroht wurde, gab er seinen Schützling nicht heraus.“  – Was dazu führte, dass er bei späterer Gelegenheit auf der Straße überfallen und krankenhausreif geschlagen wurde.

Sinn für Humor und Berliner Wortwitz

So war er nun innerlich gewappnet, denn sein Einsatz für den Lebensschutz in Deutschland brachte ihm wiederum Hass und Verfolgung ein  –  bis hin zu wiederholten Handgreiflichkeiten. Bei der „Verarbeitung“ mag ihm sein echter, von Herzen kommender Sinn für Humor, mit Berliner Wortwitz verbunden, geholfen haben. Jeder, der Dyba erlebt hat, erinnert sich an sein offenes Lachen. Jan laechelt von der Mauer des Bischofgartens  - Kopie

Einen „Katalysator“ im eigentlichen Sinn des Wortes nennt ihn sein CV-Bundesbruder Leo Lennartz: „Er provozierte Entscheidungen. Bei Erzbischof Dyba war es eigentlich einfach: Entweder war man für ihn oder gegen ihn. So machte er es Freunden und Gegnern leicht, sie aber keineswegs ihm. Die einen bezeichneten ihn als einen neuen Abraham a Sancta Clara, andere als Axt Gottes.“

Etwas deprimierend ist es, feststellen zu müssen, dass vieles, was Johannes Dyba an unheilvollen Entwicklungen vorausgesehen hat, seitdem noch weit schlimmer geworden ist, als es der hellsichtige Bischof seinerzeit vermuten konnte.

Müssen alle Bischöfe so sein wie Johannes Dyba? Wohl nicht, es wäre jedenfalls recht anstrengend für alle Beteiligten. Aber die Farbe, die er in das ansonsten doch recht einheitliche Spektrum der Bischofskonferenz eingebracht hat, die zugleich gelehrte, glaubensfeste und humorvolle Streitlust, gehört unbedingt mit hinein. Denn wie Stefan Meetschen in dem neuen Sammelband ganz zu Recht folgert: „Die Faszinationskraft echter Hirten vergeht nicht.“

Buch-Daten: Felizitas Küble (Hrsg.): Der Löwe von Fulda – 33 Autoren schreiben über Erzbischof Johannes Dyba, Komm-mit-Verlag, Münster, 2015, 207 Seiten, ISBN 978-3-921090-98-5, Preis 14,80 €

Fotos: KM, Elstrud Consoir, Gaby Kaudel


Evangelische Debatte über Erzbischof Müllers Vorschlag eines „lutherischen Ordinariats“ innerhalb der kath. Kirche

Können sich künftig evangelische Gemeinden der römisch-katholischen Kirche anschließen und dabei ihre bisherige geistliche Prägung bzw die „legitimen Traditionen, die sie entwickelt haben“, behalten? 

Diese Möglichkeit hat der Präfekt der römischen Kongregation für die Glaubenslehre, Erzbischof Gerhard L. Müller (siehe Foto), kürzlich ins Gespräch gebracht.   

Foto: Bischöfl. Presseamt Regensburg

Foto: Bischöfl. Presseamt Regensburg

Nach Angaben des papstnahen Informationsdienstes „Catholic Culture“ kann sich Müller ein lutherisches Ordinariat innerhalb der römisch-katholischen Kirche vorstellen, wie es der Vatikan Anfang 2011 für Anglikaner eingerichtet habe.

Ein Ordinariat ist eine rechtlich selbstständige Teilkirche innerhalb der katholischen Kirche, die neben den territorial festgelegten Bistümern besteht und eigene Gemeinden und Verwaltungsstrukturen hat. Von deutschen Lutheranern wird diese Idee unterschiedlich beurteilt.

Der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der braunschweigsche Landesbischof Prof. Friedrich Weber (Wolfenbüttel), weist Müllers Vorstoß als „undenkbar“ zurück. Für ein konfessionelles Mischwerk, wie es ein lutherisches Ordinariat darstellen würde, gebe es keine Basis, sagte er auf Anfrage der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA.

Weder kenne er genügend Lutheraner, die katholisch werden wollten, noch ließen sich die großen theologischen Unterschiede übersehen. Insbesondere eine Unterordnung unter das Papstamt komme für Protestanten nicht infrage.

Lutheraner, die sich unter die Jurisdiktionsgewalt (Rechtsprechung) des Papstes stellten, könnten nicht Mitglied einer evangelischen Kirche sein.

Weber zufolge treten Lutheraner für das fundamentale Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit ein. Dies bedeute auch, dass jeder Lutheraner frei sei, falls er zur römisch-katholischen Kirche gehören wolle, diese Wahl zu treffen. Deshalb sollte jemand, der in der katholischen Kirche eine größere Nähe zum Evangelium sehe als in der eigenen, „komplett übertreten“.

Evangelikale führten Gespräche mit Rom

Laut Weber wird im Vatikan schon seit längerem über ein lutherisches Ordinariat nachgedacht. Bisher sei es aber bei Gedankenspielen geblieben. Dass Erzbischof Müller die Idee öffentlich gemacht habe, beweise eine „neue Qualität“, die die evangelische Seite „genau zur Kenntnis nehmen“ müsse.

Weber erinnerte daran, dass 25 Lutheraner aus Deutschland, Skandinavien und dem Baltikum im Februar 2012 mit leitenden Vertretern des Päpstlichen Rats für die Förderung der Einheit der Christen sowie der Glaubenskongregation Kontaktgespräche geführt hätten.

Den anschließenden Pressemeldungen habe er entnommen, dass es der lutherischen Delegation darum gegangen sei, „die auch nach der Reformation erhalten gebliebenen Gemeinsamkeiten zwischen der römisch-katholischen Kirche und den lutherischen Kirchen herauszustellen“.

An dem Treffen im Gästehaus des Vatikans nahmen auch der Präsident der theologisch konservativen Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß,sowie der Ehrenpräsident der evangelikalen Konferenz, Prof. Peter Beyerhaus, teil.

Pastor Rüß: Neuer Impuls für Bekenntnis-Ökumene

Im Gegensatz zu Weber plädiert der evangelikale Pastor Rüß für eine differenzierte Bewertung von Erzbischof Müllers Vorstoß. Die Möglichkeit eines Ordinariats für Lutheraner gebe der Ökumene „eine neue, bisher nicht vorstellbare Dimension und einen neuen Impuls für das ökumenische Gespräch“, erklärte er auf Anfrage von IDEA.

Klärungsbedarf gebe es aber im Blick auf die Frage, ob ein Lutheraner wirklich innerhalb der katholischen Kirche leben könne, ohne seine „lutherische Identität“ zu leugnen  – und wie die katholische Kirche es den Lutheranern erlauben könnte, ihre legitimen Traditionen beizubehalten.

Pastor Rüß zufolge wird der Wunsch nach Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche von einzelnen Lutheranern und lutherischen Gruppen in vielen Ländern geteilt.

Einige Lutheraner sähen das Zentrum des christlichen Glaubens und der lutherischen Reformation in der „real existierenden lutherischen Kirche“ schlechter aufgestellt als in der katholischen Kirche. Die evangelische Kirche gefährde ihre reformatorische Identität im Sog von Säkularisierung und Zeitgeist, und durch ihren Pluralismus sei sie ein unberechenbarer ökumenischer Gesprächspartner.

Erschwerend sei auch, daß die evangelische Seite unter Ökumene nur die gegenseitige Anerkennung dessen, was  vorhanden ist, verstehe. Fragen nach der Wahrheit in Glauben und Lehre würden nicht bearbeitet  –  und das Ziel einer Gesamtkirche werde nicht im Auge behalten.

Von der Begrüßungs- zur Arbeits-Ökumene

Für Pastor Rüß besteht der ökumenischer Dialog in hartem theologischen Arbeiten unter Anrufung des Heiligen Geistes, das über ein gegenseitiges Sichbestätigen und Anerkennen hinausgehe: „Die gegenwärtige nette Begrüßungsökumene muss sich zur theologischen Arbeitsökumene entwickeln, die neu um die Wahrheit ringt.“

Pastor Rüß plädiert für „eine christuszentrierte-trinitarische Bekenntnis-Ökumene“. Die gemeinsame Ausrichtung auf die Mitte des Glaubens ermutige auf dem Weg zur Einheit. Die Lutheraner könnten für die Ökumene ein großer Gewinn sein, wenn sie wirklich Lutheraner im Sinne Luthers wären, so Rüß.

Quelle: http://www.idea.de


Führender Evangelikaler gratuliert dem Papst zum 85. Geburtstag

Prof. Dr. Peter Beyerhaus übermittelte zehn gute Wünsche an den Pontifex

Zehn Wünsche für die weitere Amtszeit von Papst Benedikt XVI. hat der evangelische Missionstheologe Prof. Dr. Peter Beyerhaus  übermittelt; er bringt seit Jahrzehnten die theologische Zeitschrift „Diakrisis“ heraus und gehört zu den führenden Evangelikalen (konservativen Protestanten).

1978 wurde Prof. Beyerhaus Präsident der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften. In Wikipedia heißt es über den evangelikalen Theologen: „Als Missionswissenschaftler prägte er die moderne deutsche Missionstheologie.“

In seinem Gratulationsschreiben zum 85. Geburtstag des Papstes heißt es unter anderem, das Oberhaupt der katholischen Kirche möge den Christen bei seinen Reisen in allen Kontinenten „klare Weisungen und geistlich belebende Impulse“ geben.

Ferner hofft Beyerhaus, daß der Papst „bei seinen evangelischen Glaubensbrüdern Zustimmung zu seinem Petrusdienst findet“.

Kontakte zu evangelischen Christen sollten „zur Bildung einer christozentrischen Bekenntnisökumene sowie zur Entwicklung einer die Konfessionen verbindenden evangelischen Katholizität führen“.

Beyerhaus wünscht sich zudem, daß die Anstöße des Papstes „zu einer Neuevangelisierung alle Kirchen in Bewegung bringen“.

Quelle: www.idea.de