Predigt zur Wallfahrt der vertriebenen Schlesier in Bochum-Stiepel am 18. August

Von Ehrendomherr Dr. Franz Weidemann

Wallfahrt der heimatvertriebenen Schlesier mit den Beuthen-Roßbergern (St. Hyazinth) und den Spätaussiedlern nach Bochum-Stiepel am 18. August 2019.

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn, liebe Landsleute,

mitten im Monat August – für viele Familien der Monat der Urlaubszeit – feiert die Kirche das Hochfest der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria in den Himmel. Für uns ist das eine besondere Gelegenheit, um über den letzten Sinn der menschlichen Existenz nachzudenken.

Deshalb richten wir unseren Blick auf die Gottesmutter, den Stern der Hoffnung, der unseren Weg auf Erden erhellt  – und folgen dabei dem Vorbild der heiligen Männer und Frauen, die in jeder Lebenslage zu ihr Zuflucht genommen haben.

Seit Jahren pilgern Heimatvertriebene, Flüchtlinge wie auch Aussiedler an Orte, die der Mutter Gottes Maria geweiht sind. Diese Tradition pflegen wir, weil sie unseren Glauben stärkt, worüber ich sehr froh bin.

Jede Tradition hat ihre Geschichte. Für einige von Ihnen ist es lebendige Erinnerung und für die Jüngeren bereits Vergangenheit, die sie nur aus Erzählungen kennen.

Erlauben Sie mir an dieser Stelle, dass ich kurz auf die Geschichte der schwierigen Anfangsjahre der Vertriebenen und Flüchtlinge nach dem zweiten Weltkrieg zurückblicke.

Nach dem Zweiten Weltkrieg flohen mehr als 14 Millionen Menschen aus den deutschen Ost-Gebieten. Diejenigen, die Flucht und Vertreibung überlebt hatten, wurden von ihren deutschen Landsleuten aber nicht immer herzlich aufgenommen.

Der promovierte Historiker Andreas Kossert hat die schwierige Ankunftsgeschichte der Vertriebenen umfassend erforscht und beleuchtet erstmals diesen blinden Fleck der deutschen Nachkriegsgeschichte.

In seinem Buch „Kalte Heimat  – Die Geschichte der Deutschen Vertriebenen nach 1945″ (*)  beschreibt er eindrucksvoll die Erfahrungen derjenigen, die durch den Krieg entwurzelt wurden und immense Verluste erlitten haben; und er fragt danach, welche Folgen das nicht nur für die Vertriebenen und ihre Nachkommen, sondern auch für die ganze Gesellschaft bis heute hat.

Wir erfahren von ihrem Kampf um den schwierigen Neuanfang und von den Lebensumständen der Menschen im „Wirtschaftswunderland“. Ohne die Vertriebenen, die mit Nichts begannen, hätte es jedoch ein „Wirtschaftswunder“ nicht gegeben; sie waren ein wichtiger Motor der Modernisierung in der Bundesrepublik Deutschland.

Auch die Ankunft der Vertriebenen im Westen hatte das konfessionelle Antlitz Deutschland verändern wie seit Reformation und Dreißigjährigem Krieg nicht mehr. Oft kamen die Vertriebenen in weithin geschlossene Gebiete anderer Konfession, wo sie nicht nur als Vertriebene, sondern auch als Andersgläubige auf Vorurteile stießen.

Sie litten also sowohl unter dem Verlust ihres sozialen und materiellen Status, als auch unter der konfessionellen Heimatlosigkeit. Die ersten Gottesdienste fanden in Lagern, Turnhallen und Gasthäusern statt.

Sogenannte Rucksackpfarrer betreuten die Gläubigen unter armseligen Bedingungen. Die Suche nach einer neuen Heimat war im kirchlichen Bereich nicht weniger schwierig als im außerkirchlichen. Die etwas andere Liturgie, die unbekannten Lieder, der Altarschmuck sowie die Bewegungen des Pfarrers, das alles vermittelte den Vertriebenen das Gefühl, auch hier Fremde zu sein.

Andererseits bereicherten sie durch neue Frömmigkeitsformen das religiöse Brauchtum der Einheimischen, was dazu führte, dass das kirchlich-religiöse Leben eine tiefere Frömmigkeit erhielt und zugleich lebendiger wurde.

In der Listruper Pfarrchronik notierte Pfarrer Albers damals sichtlich beeindruckt von der religiösen Haltung der Vertriebenen folgendes:  

Zuerst waren die Vertriebenen in die Kirche gegangen, um sich Gott zu empfehlen und der Gottesmutter:Die Schönste von allen… sangen sie. Das Lied haben wir dann oft gesungen.“(Quelle: Michael Hirschfeld: „Unterwegs nach einem Zuhause“ – Die Wurzeln der Grafschaft Glatzer Katholiken in der Vertreibung liegen in Listrup. S.103ff)

Seit dieser Zeit erklangen häufig alte schlesische Marienlieder in den Gemeinden, die die Vertriebenen aus ihrer Heimat mitgebracht hatten, etwa das Lied „Über die Berge schallt“.

Nicht zu vergessen auch die Wallfahrt war für die Vertriebenen eine Gelegenheit, die besondere Nähe Gottes zu spüren. Die Wallfahrtsorte in Westdeutschland erlebten durch die vertriebenen Katholiken eine neue Blüte, denn letztlich war es vor allem Maria, zu der sich die Gläubigen auf den Weg machten und es auch noch heute tun  – wie wir hier heute in Bochum-Stiepel.

Liebe Brüder und Schwestern! Wer ist Maria? Wer ist jene Frau, die von der Kirche so oft und an so vielen Festen auf besondere Weise gepriesen und verehrt wird?

Was tun wir, wenn wir Maria verehren, wenn wir im Gebet bei ihr Zuflucht suchen und uns auf ihre Fürsprache an Gott wenden?

Diese Fragen zu stellen ist nicht überflüssig. Es gibt Menschen, die heute ihre Schwierigkeiten haben mit der Verehrung Mariens. Sie sagen, das sei unbiblisch, lenke ab von Gott und sei wie ein Götzendienst. Sind diese Argumente stichhaltig? Wie verhält es sich damit?

Wenn wir auf das irdische Leben der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria blicken, dann lässt sich in Übereinstimmung mit dem biblischen Zeugnis erkennen: Maria war eine Frau, die von Gott auf höchste Weise begnadet wurde, die sich aber in ihrer übergroßen Demut nicht würdig hielt, dass Gott sich ihr auf so außergewöhnliche Weise mitgeteilt hatte.

Dennoch war sie in Glaube und Liebe bereit, mit den Gnaden Gottes mitzuwirken. Sie war einverstanden mit den Plänen Gottes und sagte von Herzen ihr Ja dazu. So durfte sie die Mutter Jesu Christi, des Sohnes Gottes werden, der von ihr durch das Wirken des Heiligen Geistes ohne Mitwirkung eines Mannes empfangen und aus ihrem jungfräulichen Schoß geboren wurde und auf diese Weise wahrhaft Mensch geworden ist.

Bereits ihre Verwandte Elisabeth preist Maria selig, weil sie geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der HERR ihr sagen ließ. Maria aber belässt dieses Lob, das ihr zuteil wird, nicht bei sich selber. Sie gibt es weiter an den dreifaltigen Gott, den sie im „Magnificat“ lobt: „Meine Seele preist die Größe des HERRN …

Es kann also kein Irrtum sein, wenn auch wir Maria unsere Ehre erweisen, denn Gott selber hat sie geehrt in der Menschwerdung seines Sohnes. Sie selber aber weiß, dass sie alles Gott verdankt und gibt ihm allein die Ehre!

Die Kirche verehrt Maria nicht als eine Person, die dem einzig wahren Gott zur Konkurrentin wird, sondern als heilige Jungfrau und Gottesgebärerin, die der Welt den Erlöser geschenkt hat und keinen anderen Wunsch hat, als die Menschen durch ihre Fürbitte zu Jesus Christus hinzuführen.

Wer Maria verehrt, gibt Gott die Ehre. Wer sie findet, findet durch sie zu ihrem göttlichen Sohn. Durch Maria zu Jesus! Dies ist ein bewährter katholischer Grundsatz, an dem auch wir festhalten wollen.

Was ist der Inhalt des Festtages Mariä Aufnahme in den Himmel?

Die Kirche bekennt, dass die Jungfrau Maria bei Gott im Himmel ist, ja noch mehr: Sie bekennt in festem und unerschütterlichem Glauben, dass sie „ganz“, das heißt mit Leib und Seele im Himmel ist.

Dies ist insofern eine besondere Auszeichnung, als sich beim Tod des Menschen die Seele vom Leib trennt. Der Leichnam wird ins Grab gelegt und geht der Verwesung entgegen. Erst am Jüngsten Tag wird er auferweckt, während die unsterbliche Seele auch nach dem Tod weiterlebt und im persönlichen Gericht vor Gott Rechenschaft über das Leben auf Erden ablegen muss.

Mariens Leib war der Verwesung nicht preisgegeben, unser Herr Jesus Christus hat seiner heiligen Mutter Anteil an seiner Auferstehungsherrlichkeit geschenkt, indem er auch ihren Leib auferweckt und in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen hat. Sie lebt nun bei Gott in strahlender Herrlichkeit ihrer heiligen Seele und ihres jungfräulichen Leibes!

So ist der  Festtag ein Bekenntnis der Kirche zur Vollendung des ganzen Menschen. Was in Maria zur Erfüllung gelangt ist, ist uns allen verheißen, wenn wir an den Sohn Gottes glauben und mit ihm in Liebe und Treue verbunden bleiben.

Auch unser Leib wird am Ende der Welt auferweckt werden. Beten wir darum, dass wir dieser ewigen Auferstehung würdig werden durch ein heiliges Leben!

Mit Maria preisen wir die großen Taten unseres Gottes und Retters Jesus Christus. ER hat herabgeschaut auf die Niedrigkeit seiner Magd und sie emporgehoben in sein himmlisches Reich.

Wenn uns auf Erden auch so manche Not bedrückt, so haben wir dennoch Zuversicht auf unser himmlisches Erbe. Wir dürfen vertrauen, dass uns Maria als Mutter aller Gläubigen beisteht und alle Anliegen und Nöte vor ihren Sohn bringt. Wenn wir mit ihr verbunden sind in Freude und Leid, wird sie uns hinführen zur seligen Vollendung bei Gott.

Beten wir darum, dass alle Menschen die Gnade Gottes annehmen und niemand seine Liebe zurückweist! Wenn Gottes Reich sich offenbart in Herrlichkeit, dann wird alle Sehnsucht erfüllt und unser Glück in der Gemeinschaft mit Maria und allen Engeln und Heiligen des Himmels vollendet. Amen

(*) Andreas Kossert –„Kalte Heimat“ – Die Geschichte der Deutschen Vertriebenen nach 1945, Siedler-Verlag München. ISBN 978-3-88680-861-8

 


Christi Botschaft von Endzeit, Gericht und Ewigkeit ist ein Weckruf an uns alle

Von Ehrendomherr Pfr. Dr. Franz Weidemann

Zum Evangelium am 18. November bzw. 33. Sonntag im Jahreskreis (Dan 12,1-3; Mk 13,24-32)

Das Ende der Welt – kein sehr erfreuliches Thema. Die Sonne wird sich verfinstern, der Mond nicht mehr scheinen, die Sterne fallen vom Himmel. Das Ende der Welt wird hier nicht besonders rosig ausgemalt. Endzeitstimmung! So könnte man die Atmosphäre beschreiben, die die Lesungen des heutigen Sonntags kreieren.

Am Ende des Kirchenjahres werden die Evangelien düsterer: Die Sterblichkeit der Menschen und das Wiederkommen Christi als Richter werden heraufbeschworen. Und schon wird vielleicht bei den Älteren von Ihnen die Erinnerung an damals wach, wo Mutter, Vater und der Pastor den Kindern mit der Hölle Angst gemacht haben.

Drohbotschaft statt Frohbotschaft sei das, sagen die Jüngeren heute. Nein  – sagen viele – diese Evangelien von Weltuntergangsszenarien und Naturkatastrophen machen uns unsere schöne Weltsicht kaputt, gerade jetzt so kurz vor dem Gemütlichkeit versprühenden nahen Advent.

An das unausweichliche Ende zu denken, das fällt den Menschen und auch uns Christen immer schwerer. Etwas sperrt sich in uns dagegen. Dabei haben die ersten Christen das Ende eigentlich gar nicht gefürchtet, sondern sogar im Gegenteil herbeigesehnt.

Am Ende der Bibel ist der letzte Satz der Stoßseufzer des biblischen Menschen: „Maranatha – komm, Herr Jesus.“

Seltsam. Oder ist nicht eher unsere Haltung seltsam? Was ist daran so beängstigend, wenn es heißt: „Die Verständigen werden strahlen, wie der Himmel strahlt“ – „Sie werden immer und ewig leuchten wie die Sterne“ – „Dann wird der Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen» – „Er wird die Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen“ – wie herrlich muss doch der Himmel sein!

Sicher – auch hier auf der Erde ist es schön. Aber eben leider nicht immer und nicht für alle Menschen, die Augenblicke des Glücks sind eben nur Augenblicke. Für den biblischen Menschen war es alles klar: Unsere Heimat ist im Himmel, hier sind wir in der Fremde.

Warum freuen wir uns also nicht auf das Ende der Welt? Warum haben so viele Menschen Angst vor den Dingen, die da kommen sollen? Vermutlich, weil es genau genommen keine Angst vor der Zukunft ist, sondern eine Angst vor unserer eigenen Vergangenheit.

Wir fürchten nicht das, was da kommen wird, sondern vielmehr dass, was wir jetzt, im Moment, sind. Wer hat sich nicht schon öfter die Frage gestellt: „Was würde ich heute tun, wenn ich wüsste, dass dies mein letzter Tag wäre?

Viele Antworten fallen uns dazu ein, und oft können wir ganz bestimmt sagen, was wir dann tun würden: Uns versöhnen, uns entschuldigen, die Natur genießen, beten, mit Gott ins Reine kommen. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – wir tun’s oft nicht.

All das, was wir tun würden, wenn das Ende der Welt morgen wäre, lassen wir doch wieder sein. Und deshalb – aufgrund unserer eigenen Inkonsequenz – fürchten wir das, was da kommen soll, weil wir fürchten, was wir sind. Nicht, weil das Ende so schrecklich wäre, sondern weil wir spüren, dass wir uns selber, unseren Mitmenschen und Gott gegenüber nicht gerecht werden.

Angesichts des unausweichlichen Endes sollten wir uns das vielleicht eingestehen, dass unser Leben wirklich unvollkommen ist. Wir bedürfen der Umkehr, des täglichen Neuanfanges, damit wir uns in unserer Haut wieder wohlfühlen können. Das ist ein anspruchsvolles Leben. Sicherlich. Und vielleicht, weil viele diesen Anspruch ahnen und nicht wahrhaben wollen, wenden sie sich von Gott und Kirche ab, verdrängen den Tod und das Ende der Welt.

Die Evangelien über das Ende der Welt und das Gericht ist das eine Drohbotschaft? Für mich sind sie eher eine Wach-mach-Botschaft?

Die Evangelien drohen nicht mit dem bösen Gott, der uns allen übel mitspielen will. Vielmehr sensibilisieren uns diese Evangelien, auf unser eigenes Leben zu schauen, es ernst zu nehmen, es nicht zu vertrödeln, uns nicht zu vertrösten mit einem: „Ab morgen fang‘ ich an, wirklich zu leben!

In einer Gesellschaft, in der es sich gut leben lässt, ist der Gedanke an das Ende, an den Tod und das, was danach kommt, allerdings ein trübseliger Gedanke. Aber für die Menschen, die auf der anderen Seite der Medaille leben, die hier einiges zu leiden haben, deren Leben eben kein Zuckerschlecken ist, sieht das schon ganz anders aus: Da ist der Himmel wirklich noch eine Verheißung. Da ist man gar nicht so entsetzt darüber, dass dieses Leben nicht ewig dauert.

Unsere Glaubensschwäche, nicht an das Ende denken zu wollen, ist schon ein wenig arrogant. Den Gedanken an das Ende und das Gericht als wenig frohmachend zu bezeichnen, ist eigentlich pure Egozentrik. Ja, im Grunde ist auch unser Empfinden bei Glaubenssätzen wie: „ER sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten“ entlarvend. Und wir versuchen, solche Glaubenssätze zu vermeiden, aus den Liedern und Gebeten zu streichen, ja sogar aus den Evangelien!

Aber noch etwas ist daran entlarvend: Das Gericht verschweigen will nur der, der etwas zu fürchten hat. Wenn wir uns redlich bemühen, nach Gottes Geboten zu leben, gibt es dafür aber keinen Grund, sich zu fürchten. Weil Gott gerecht ist, da er gut ist. ER wird niemanden zu kurz kommen lassen oder übervorteilen.

Gott ist aber auch barmherzig, weil ER gut ist. ER wird jeden und jede mit seinem liebenden Blick anschauen. ER wird all die tiefen Sehnsüchte, die Schwächen, die Leiden, das Bemühen in uns sehen und anerkennen. ER macht uns Mut unser Leben wirklich zu leben, uns nicht auf faule Kompromisse einzulassen.

Wir sind in seiner Hand, aber nicht als Verlorene, sondern als Geborgene. Soviel ist gewiss. Anderes dagegen bleibt ungewiss, vor allem wann das alles geschehen wird. „Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.(Mt 13,32)

Wir können den Tag nicht berechnen, und wir sollen uns erst recht nicht irremachen lassen von Leuten, die zu wissen meinen, der Tag sei bald gekommen – ganz gleich, ob sie sich auf die Klimakatastrophe oder sonst etwas berufen wie z.B. auf Nostradamus oder der Weltuntergangs-Film 2012 von Roland Emmerich, der am 19.11.2009 in die deutschen Kinos kam.

Apokalyptische Ängste schüren ist etwas Unverantwortliches, denn es lähmt den Menschen und hindert ihn daran, seinen Verstand und Phantasie einzusetzen zur Abwendung der gegenwärtigen Gefahren. Hüten wir uns vor den Sektierern, die unter dem Mantel der Frömmigkeit den Menschen zuerst verängstigen und dann unfrei machen!

Halten wir uns besser an diejenigen Menschen, die zu anderen Zeiten vor ähnlichen Problemen wie wir heute standen und sie in Gelassenheit und Gottvertrauen angegangen sind.

Ich möchte mit einem Zitat eines Französischen Priesters Pierre de Caussade beschließen, der in seinem Buch „Hingabe an Gottes Vorsehung“ folgendes geschrieben hat: „Man muss die Vergangenheit der großen Barmherzigkeit Gottes überlassen, die Zukunft seiner Vorsehung, die Gegenwart aber müsst ihr ganz der Liebe Gottes anheimgeben„.

Diese Aussage wollen wir uns zu Herzen nehmen.


Die Beichte ist das Sakrament der Umkehr

Von Ehrendomherr Dr. Franz Weidemann

Das Evangelium von der Tempelreinigung (Joh 2,13-25) führt uns leicht hin auf das Thema der heiligen Beichte. Jesus verhält sich ein wenig aufgebracht. Er reinigt das Gotteshaus von allem, was nicht hineingehört. So sollen auch wir unseren inneren Tempel reinigen. Säubern wir das Herz, das mit allem Möglichen zugestellt ist. Alles, was nicht dort den eigentlichen Platz hat, soll weggegeben werden und wir sollen davon frei werden.

Erinnern wir uns an das Wort Jesu vom ersten Fastensonntag aus dem Markus Evangelium (Mk 1,15): „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

Wenn Jesus damit die Menschen zum Glauben einlädt, spricht er gleichzeitig die große Vorbedingung dazu aus. Er sagt: „Kehrt um!“. So sind Glaube und Umkehr aufeinander bezogene Forderungen Gottes an den Menschen, zugleich aber auch die österlichen Gaben des Auferstandenen an uns.

Die Beichte ist für unser ganzes Leben von entscheidender Bedeutung, jedoch zugleich in große Vergessenheit geraten. 

Allein das Wort erweckt in vielen Menschen unangenehme Gefühle; sie reichen von totaler Ablehnung bis hin zu völliger Gleichgültigkeit. Von den einen abgelehnt, weil sie den Beichtstuhl vielleicht tatsächlich als Ort der Demütigung oder der Indiskretion erlebt haben, und von den anderen ahnungslos belächelt, weil sie nie erfahren durften, was für ein Geschenk die Beichte für den Menschen eigentlich ist: so ist dieses Sakrament zunehmend nicht nur zum ungeliebten und vergessenen, sondern auch zum unbekannten Sakrament geworden.

Doch gerade darin liegt für unsere heutige, an Geist und Geistlichkeit so arme Zeit die große Chance, die befreiende und belebende Wirkung der Beichte neu zu entdecken.

Als Beichtvater wie als Sünder, der selbst zur Beichte geht und genau weiß, wie schwer dieser Schritt sein kann, bin ich überzeugt: der Beichtstuhl ist der Ort, an dem nicht nur der Einzelne, sondern die ganze Welt ihre größte „Reparatur“ erfahren kann.

Die Beichte ist das Sakrament der Umkehr, denn sie vollzieht die Umkehr, zu der Jesus uns aufruft – die Rückkehr zum Vater, von dem sich ein Mensch durch die Sünde entfernt hat. Sie ist daher auch das Sakrament der Buße, weil sie einen persönlichen Schritt der Umkehr, der Reue und Genugtuung des sündigen Christen darstellt.

Das Bekenntnis unserer Sünden vor dem Priester ist ein wesentliches Element dieses Sakramentes. Dadurch wird es zum Sakrament der Vergebung, denn durch die sakramentale Lossprechung des Priesters gewährt Gott selbst dem Beichtenden Verzeihung und Frieden. Das macht die Beichte zum Sakrament der Versöhnung, denn es schenkt dem Sünder die versöhnende Liebe Gottes.

Durch diese Versöhnung wird die Beichte zum Sakrament der Heilung. Hier erfährt der Mensch die Wiederherstellung zerbrochener Beziehungen: zu sich selbst, zu seinen Mitmenschen und dadurch letztlich zu Gott, der den innersten Kern unseres Menschseins darstellt.

Ein Mensch, der sagt, dass er ohne Sünde sei, die Beichte nicht brauche und alles mit und für sich selbst regeln könne, belügt sich selbst – das sagte schon der Apostel Johannes. Dieser Selbstbetrug kommt in der heutigen Zeit leider häufig vor. Papst Franziskus sagt es ganz klar: „Es gibt keine Situation, die Gott nicht ändern kann, es gibt keine Sünde, die er nicht vergeben kann, wenn wir uns IHM öffnen.“

Das führt uns zur entscheidenden Frage: Wie kann ich so beichten, dass es mir echte innere Heilung ermöglicht? Der Artikel „Das Sakrament der Buße und der Versöhnung“ im „Gotteslob“ Nr. 593 zeigt uns einige Schritte, wie wir die Beichte als echtes Geschenk erfahren können, die uns Frieden, Befreiung und Lebensfreude bringt.

Ich lade alle ein, diese besondere Zeit vor Ostern auch als Chance der persönlichen Umkehr zu sehen, um das eigene Leben wieder etwas intensiver zu reflektieren, es in seinen dunklen Bereichen aufzuhellen, um ein Stück mehr mit sich, mit den Mitmenschen und mit Gott ins Reine zu kommen. Jeder von uns weiß ziemlich genau, wo die unterbelichteten Stellen in der eigenen Biografie zu finden sind.

Jenen unter uns, die regelmäßig beichten, wünsche ich dabei, dass das Sakrament für sie nicht zur oberflächlichen Routine wird, sondern dass es immer wieder den Weg ins Innere finden kann.

Jenen unter uns, die schon längere Zeit nicht mehr beichten waren oder überhaupt noch nie einen Beichtstuhl von innen gesehen haben, möchte ich Mut machen: Nehmt Euch selbst so wichtig, wie Gott es tut! Verweigert Euch nicht dem wunderbaren Heilmittel der Versöhnung, das ER für Euch bereithält!

Legt den alten Menschen ab und lebt als neue Menschen! Gott schenke uns eine erfüllte Fastenzeit, eine gute Beichte und lasse uns mit großer innerer Freude das Osterfest feiern!

Unser Autor Dr. Franz Weidemann ist Gemeindepfarrer in Dortmund

 


Gedanken zum Rosenkranzmonat Oktober

Von Ehrendomherr Dr. Franz Weidemann

Der liturgische Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, den wir am 7. Oktober feiern, bietet mir die Gelegenheit, auf diese besondere Form des Mariengebets zurückzukommen.

Im Rosenkranz verbinden sich in wunderbarer Weise Einfachheit und Tiefe, individuelle und gemeinschaftliche Dimension.

Der Rosenkranz ist an sich ein kontemplatives Gebet – und er besitzt eine große Fürbitte-Kraft: Denn wer ihn betet, vereint sich mit Maria in der Betrachtung der Heilsgeheimnisse Christi und wird dazu gebracht, die diesen Glaubensgeheimnissen eigene Gnade in den vielfältigen Situationen des Lebens und der Geschichte anzurufen.

Der Rosenkranz gehört nicht zur Konjunkturfrömmigkeit; er ist kein Modeartikel, der heute geht und morgen vergessen ist. Er hat eine große, vielhundertjährige Geschichte. Bis in die Zeit des Mittelalters lässt sich dieses Gebet zurückverfolgen.

Wann aber und wie beten wir den Rosenkranz richtig? Dies zu wissen ist hilfreich, da die Kirche den Rosenkranz empfiehlt und die Gottesmutter an den kirchlich anerkannten Erscheinungsorten wie Lourdes und Fatima ausdrücklich dazu aufruft, ihn zu beten.

Christus steht im Zentrum des Rosenkranzes

Es ist nicht schwer, den Rosenkranz richtig zu beten. Die einzige Voraussetzung dafür ist ein Herz, das Gott lieben möchte, so gut es kann, und dies unter der Anleitung und Führung der Gottesmutter Maria, die auch unsere himmlische Mutter ist. 

An der Hand der Mutter Maria gehen wir unseren Weg zu ihrem Sohn Jesus Christus, der als menschgewordener Sohn Gottes im Zentrum des Rosenkranzgebetes steht. Denn jene „Geheimnisse“, die wir betend erwägen, sind die Geheimnisse des Lebens, Leidens und Sterbens sowie der Auferstehung und der Verherrlichung unseres Herrn Jesus Christus.

Zugleich ist im Rosenkranz auch unser eigenes Leben enthalten: Wir bringen ja all das mit, was wir sind und was wir haben, woran wir denken, was wir ersehnen, was wir uns wünschen, was uns Freude und Leid bereitet, worüber wir uns Sorgen machen, wofür wir Gott loben und ihm danken.

Alle Menschen, mit denen wir in Freundschaft und Liebe verbunden sind, bringen wir beim Beten des Rosenkranzes vor Gott, natürlich auch jene, mit denen wir uns schwer tun, wo es Unstimmigkeiten, Streit, Zerwürfnisse, ja sogar Feindschaft geben mag.

Ein Gebet des Vertrauens und der Hingabe

Vor Gott, dem HERRN, liegt alles offen; ER allein kennt unser Herz. Und so ist dieses Gebet ein Gebet des Vertrauens, in dem wir Gott wirklich alles sagen dürfen. Wir brauchen keine Angst zu haben, dass er uns nicht hört. Im Gegenteil: All jenes Beten, das Maria in unserem Namen vor den HERRN bringt, findet sein Wohlgefallen und wird auf diese Weise erhört, wie es für uns am besten ist!

Vielleicht hat der eine oder andere von ihnen auch erlebt, wie plötzlich drohende Gefahren verschwanden, Unheil vorüberging und Probleme durch das Rosenkranzgebet eine glückliche Lösung fanden. Es ist eines der wirksamsten Gebete der Kirche und wurde von vielen Päpsten empfohlen.

Geben wir diesem Gebet, sei es persönlich, sei es in der Familie oder in religiösen Gemeinschaften, einen bevorzugten Platz und glauben wir nicht, dass es altmodisch sei. Von vielen namhaften Persönlichkeiten ist bekannt, dass sie den Rosenkranz regelmäßig beten und sich offen dazu bekennen.

Was ein „moderner“ Student einst erlebte…

Ein Student fuhr mit dem Zug nach Paris. Er saß einem Mann gegenüber, der das Aussehen eines reichen Landwirts hatte. Der Mann bete den Rosenkranz. „Verehrter Herr“ – redete der Student ihn an: „Glauben Sie denn noch an diese veralteten Dinge? Folgen Sie meinem Rat, werfen Sie Ihren Rosenkranz aus dem Fenster und lernen Sie, was die Wissenschaft sagt.“

Wissenschaft? Vielleicht können Sie mir das erklären?“ – so antwortete der alte Mann bescheiden und mit Tränen in den Augen. Der Student sah die innere Bewegtheit seines Reisegefährten. Um seine Gefühle nicht noch mehr zu verletzen, sagte er etwas verlegen: „Geben Sie mir bitte Ihre Adresse. Ich sende Ihnen dann ein paar Unterlagen zu dem Thema.“ 

Der Student warf einen Blick auf die Visitenkarte, die der Herr aus einer inneren Jackentasche hervorgeholt hatte, und wurde sehr still. Auf der Karte stand gedruckt: „Louis Pasteur, Direktor, Institut für die wissenschaftliche Forschung, Paris“.

Versuchen wir, durch den Rosenkranz Gott immer näher zu kommen, ihn tiefer zu erkennen, nicht nur im Oktober, sondern Tag für Tag. Dann wird auch Maria, die uns der HERR unter dem Kreuz zur Mutter gegeben hat, für uns beten, jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Unser Autor, Ehrendomherr Dr. Franz Weidemann, stammt aus Oberschlesien und ist Pfarrer im Erzbistum Paderborn

 


Warum die sieben geistlichen Werke der Barmherzigkeit so wichtig sind

Von Pfarrer Dr. Franz WeidemannPfarrer Dr. Franz Weidemann

Im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit sollen die Gläubigen die „Werke der Barmherzigkeit“ neu entdecken. Das regt Papst Franziskus in seiner Bulle Misericordiae Vultus an. Eine alte Tradition, früher kannte jeder Christ die Liste auswendig, um sein eigenes Handeln davon leiten zu lassen, mittlerweile hat sich Staub über dieses Traditionswissen gelegt.

Was sind die Werke der Barmherzigkeit? „Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso“.

Was das Lukasevangelium (3,11) beschreibt, ist einer der Grundzüge christlichen Handelns, das in der Tradition in die Werke der Barmherzigkeit entwickelt wurde. Man unterscheidet leibliche und geistliche Werke. Diese Werke sind aber weder moralisch zu verstehen noch „erwirbt“ man sich damit die Gnade oder das Wohlwollen Gottes. Sie sind vielmehr Ausdruck eines Handelns, das der Nachfolge Jesu gemäß ist.

Die sieben Werke der leiblichen Barmherzigkeit sind: Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde aufnehmen, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote begraben.

Es gibt auch die sieben geistlichen Werke der Barmherzigkeit: In aller Kürze möchte ich Ihnen die weniger bekannten sieben geistlichen Werke vorstellen bzw. in Erinnerung rufen. Der Glaube, der in der Liebe tätig wird, betrifft nicht nur unseren Leib, sondern auch Seele und Geist, dem entsprechen diese sieben geistlichen Werke der Barmherzigkeit. Scannen0001 (22)

Wenn Sie bei nur einem davon einen persönlichen Vorsatz fassen, dann ist dieser Artikel nicht umsonst geschrieben.

Eine erste Möglichkeit, barmherzig zu handeln, ist es, einen traurigen Menschen zu trösten. Jeder von uns begegnet früher oder später jemandem, dessen Augen getrübt sind, der die Freude verloren hat. Das Erste und Wichtigste ist es, dass ich dies überhaupt wahrnehme und mich dann nicht von ihm abwende, weil ich möglicherweise nicht weiß, was ich sagen soll. Dann fragt ihn doch einfach: „Was liegt Dir denn auf dem Herzen, sag es mir?

Ein zweites Werk der Barmherzigkeit ist es, Zweifelnden zu raten. Vielen ist heute – in einer zunehmend komplizierten Welt – mit einem guten Rat, der sich in Worten erschöpft, nicht wirklich geholfen. Wer zweifelt, ist oft gelähmt und braucht eine Anschubhilfe, so wie ein Auto, dessen Batterie sich entleert hat. Eine wirksame Starthilfe kann oft darin bestehen, ein erstes Stück des Weges mitzugehen – oder den anderen vielleicht auch sanft zu schieben: „Du schaffst das! Komm, ich gehe den ersten Schritt mit Dir!“  – „Keine Angst ich bin bei Dir!“

Das gilt besonders auch bei solchen, die Gott suchen. Einen solchen Menschen sollten wir nicht bloß mit einem Buchtipp abspeisen, sondern am besten einen ersten Schritt auf Gott zu begleiten.

Daran knüpft das dritte Werk der Barmherzigkeit an: Unwissende belehren. Wie groß ist heute die Not der Unkenntnis – nicht zuletzt in Glaubensfragen. Hier wäre ein Pisa-Test wahrscheinlich erschreckend. 0018

Machen Sie die Probe aufs Exempel bei sich selbst: Wer kennt noch die 10 Gebote? Die 12 Apostel? Oder gar die 27 Bücher des Neuen Testaments – vom Alten ganz zu schweigen. Sagen Sie nicht, das sei nebensächlich. Gott wird uns einmal danach fragen, wie ernst wir seine Offenbarung genommen und wofür wir unseren „Grips“, den wir von ihm geschenkt bekamen, eingesetzt haben.

Mancher Moslem kann ihnen eine Menge über seinen Glauben und auch über das erzählen, was angeblich wir Christen glauben. Aber viele von uns können darauf trotz Firmung und Religionsunterricht nicht antworten. Zwischen Unwissenden ist dann aber auch kein Dialog möglich, höchstens übers Wetter!

Das vierte geistliche Werk der Barmherzigkeit ist es, einen lästigen Menschen geduldig zu ertragen. Das kann wirklich Nerven kosten!

Da ruft jemand zur absolut unpassenden Zeit an während des Mittagessens oder genau dann, wenn die Nachrichten kommen. Da hat jemand eine Frage oder eine Bitte, die aus unserer Sicht überhaupt nicht wichtig ist, aber der andere ist nun einmal wirklich beunruhigt. Wer hier im Kleinen Geduld übt, der kann es weit bringen auf dem Weg zur Heiligkeit. Denn hier können wir Gott unerwartet ähnlich werden:

Wie viel Unsinn muss ER sich nämlich von uns anhören – und wird doch nicht ungeduldig! Oder wie geduldig ist ER mit uns, die wir immer wieder dieselben Fehler begehen, die wir uns auch nach so vielen Zeichen seiner Güte so schwer tun, ihm zu vertrauen. IMG_1061

In der Taufe sind wir seine Kinder geworden, d.h. wir haben das Anrecht auf das ewige Erbe erhalten. Dann können wir mit der uns geschenkten Zeit auch großzügig umgehen und Geduld mit denen haben, die uns lästig fallen.

Das fünfte Werk der Barmherzigkeit erfordert Mut: Sünder zurechtweisen bzw. zu ermutigen, von falschen Wegen umzukehren. Das ist viel schwerer, als mit dem Finger auf andere zu zeigen und sie Dritten gegenüber zu kritisieren. Zu einem Freund, einem guten Bekannten hinzugehen und ihm zu sagen: “Du, es fällt mir zwar schwer, Dir das zu sagen, aber gerade weil Du mir nicht gleichgültig bist, muss ich Dir sagen: hier handelst Du falsch, hier schadest Du Dir selbst und anderen!“ – Das ist mutig – und das ist ein Zeichen echter Wertschätzung. Darum werde ich das ihm zunächst auf jeden Fall unter vier Augen sagen, nicht um zu demütigen, sondern um zu ermutigen. Zurechtweisung sollte immer in Bescheidenheit und ohne Zorn geschehen.

So hat z.B. auch der hl. Vinzenz von Paul gesagt, dass er dreimal in seinem Leben scharfe Worte gebraucht habe und dabei aber nur Misserfolg erlebte. Habe er aber in Güte gesprochen, dann habe er erreicht, was er anstrebte. Eine solche sanfte, gütige Zurechtweisung ist auch eine Form gelebter Nächstenliebe.

Das sechste Werk der Barmherzigkeit ist vielleicht das Schwerste: jenen, die Leid zufügen, verzeihen. Wie schwer fällt uns das! Aber wie notwendig ist das auch: nur wer von Herzen verzeiht, findet auch selbst Frieden. Und nur wer sich zumindest ehrlich darum bemüht, der kann auch so beten, wie Jesus es uns gelehrt hat: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben haben, die an uns schuldig geworden sind.“ – So heißt es eigentlich wörtlich übersetzt.media-390606-2 - Kopie

Damit sind wir beim siebten und letzten Werk der geistlichen Barmherzigkeit: für alle zu beten. Wer betet, der schaut mit anderen Augen auf die Menschen. Und wir wissen, wie froh manche Menschen sind, wenn wir ihnen sagen oder schreiben: „Ich bete für Sie und Ihre Anliegen.“

Sagen Sie es als Vater, als Mutter, als Großeltern: „Ich bete für Dich!“  – Tun wir es füreinander, gerade dort, wo es Spannungen gibt, wo Beziehungen brüchig werden, wo andere Worte nichts mehr ausrichten!

Beten – das können wir immer – auch dann, wenn der andere sich fürs erste von uns abwendet. Beten wir nicht nur für die Lebenden, sondern auch für die Verstorbenen zu Gott. Denn Gottes Barmherzigkeit ist größer als unsere Ratlosigkeit, als unsere Trauer und Unbarmherzigkeit. Das vertrauensvolle Gebet ist eine der überzeugendsten Antworten, die wir Christen auf die Frage haben: „Wo ist Gottes Barmherzigkeit?“

Auf dem Grabstein des selige Adolph Kolping, der nach seinem Wunsch angefertigt wurde, stehen die Worte: “Hier ruht Adolf Kolping (geboren zu Kerpen am 8. Dezember 1813, gestorben zu Köln am 4. Dezember 1865). Er bittet um das Almosen des Gebetes.”

Fragen wir uns, wer dieses Almosen des Gebetes besonders braucht und teilen wir es immer wieder großherzig aus. Es ist nicht immer leicht, die Werke der Barmherzigkeit zu üben und sie auch im Alltag durchzuhalten. Mögen wir im Herzen Jesu immer neu die Kraft finden, unsere Hingabe in Freude zu leben, uns für die Nöte unserer Mitmenschen zu öffnen und ihnen in den leiblichen und geistlichen Werken der Barmherzigkeit zu Hilfe zu kommen.

Unser Autor Pfarrer Dr. Franz Weidemann stammt aus Oberschlesien und ist Priester des Erzbistums Paderborn


Ein glaubensstarker und moderner Missionar: Zur Erinnerung an Erzbischof Johannes Dyba

Von Pfarrer Dr. Franz WeidemannPfarrer Dr. Franz Weidemann

Klein und schlank von Gestalt, eloquent und polyglott, ungeduldig und reisefreudig, couragiert und offen gegen jedermann, war Johannes Dyba ein Bischof zum Anfassen und mit einem ungewöhnlichen Lebenslauf.[1] 

Johannes Felix Nikolaus Dyba wurde am 15. September 1929 in Berlin-Pankow geboren[2] und am darauffolgenden Sonntag in der dortigen Pfarrkirche St. Georg auf den Namen Johannes des Täufers getauft. Er war das dritte von vier Kindern des Lehrer-Ehepaares Felix und Johanna Dyba.

Der Vater stammte aus einer kinderreichen Handwerkerfamilie, die während der großen Ost-West-Migration in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Berlin sesshaft geworden war – aus dem Posener Land kamen die väterlichen und aus dem Rheinland die mütterlichen Vorfahren. 791000 Dyba

Nach der Gymnasialzeit, die Johannes Dyba in Berlin und Heiligenstadt absolvierte, nahm er in Bamberg das Studium der Philosophie und der Rechtswissenschaft auf. Letzteres setzte er 1949 an der Duke-University (USA) fort.[3]

Nachdem er 1952 an der Universität Heidelberg das erste juristische Staatsexamen abgelegt hatte, promovierte er dort 1954 mit einer Arbeit über das Thema Der Einfluss des Krieges auf die völkerrechtlichen Verträge.[4] Schon zuvor hatte er sich für den Weg zum Priestertum entschieden und 1953 seine theologische Studien in Bonn begonnen.

1959 Priesterweihe im Kölner Dom

Am 2. Februar 1959 empfing er die Priesterweihe durch Kardinal Frings im Kölner Dom. Kölner Dom 12-2010

Seine ersten pastoralen Erfahrungen sammelte er als Kaplan in Köln-Junkersdorf und Wuppertal-Barmen, bevor er zum Studium des kanonischen Rechtes an der Lateran-Universität und zum Besuch der Päpstlichen Diplomatenakademie nach Rom beurlaubt wurde.

Seine kirchenrechtlichen Studien schloss er 1962 mit der Promotion zum Doktor des kanonischen Rechts ab. Das Thema seiner Dissertation lautete: Die Gründe für die einseitige Aufhebung von internationalen Verträgen und Konkordaten.[5]

Anschließend trat er in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein und war zunächst Mitarbeiter und dann Leiter der deutschen Abteilung des Päpstlichen Staatssekretariates. Seit 1967 arbeitete er an den Apostolischen Nuntiaturen in Buenos Aires, Den Haag, Kinshasa und Kairo.
Radio Vatikan

1977 kehrte er nach Rom zurück, und wirkte als Vizesekretär der Päpstlichen Kommission Justitia et Pax[6]. Nach seiner Ernennung zum Erzbischof am 25. August 1979 empfing er die Bischofsweihe durch Kardinalstaatssekretär Agostino Casaroli im Kölner Dom am 13. Oktober 1979.

Dybas Bischofs-Motto: „Kinder Gottes sind wir“

Dabei wählte er in Fortführung seines bisherigen priesterlichen Wirkens als Programm für seinen bischöflichen Dienst ein Wort aus dem ersten Johannesbrief Filii Dei sumus – Kinder Gottes sind wir.[7]

Anschließend vertrat er den Heiligen Stuhl in verschiedenen Ländern Westafrikas, und zwar als Apostolischer PronuUnsere PK pro Bischof DYBA (2)ntius in Liberia und Gambia und als Apostolischer Delegat für Guinea und Sierra Leone. Im diplomatischen Dienst der Kirche, vor allem in der Dritten Welt, setzte er sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen und für unbehinderte Religionsfreiheit ein, damit die Menschen als Kinder Gottes sich entfalten und leben könnten.[8]

Nach über 20-jähriger Tätigkeit im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls wurde er am 4. Juni 1983 zum Bischof von Fulda ernannt und am 4. September desselben Jahres in sein Amt eingeführt. Aufgrund seiner reichen Erfahrung in den Missionsländern wurde er zum Mitglied der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. 

Er leitete über mehrere Jahre die Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz, welche die Partikularnormen[9] für die Diözesen Deutschlands gemäß dem kirchlichen Gesetzbuch von 1983 vorbereitete. Ferner wirkte er mit in den Gremien der Deutschen Bischofskonferenz für das Hilfswerk Misereor und für den Dialog mit den Weltreligionen. Am 27. Oktober 1993 wurde er vom Papst in die römische Bischofskongregation berufen.

Katholischer Militärbischof ab 30.11.1990

Seit dem 30. November 1990 bekleidete er auch das Amt des katholischen Militärbischofs für die deutsche Bundeswehr[10] und wurde im Januar 1991 von Papst Johannes Paul II. in den Rat des Zentralbüros der Militärordinariate in Atze SoldatRom berufen.

Den Soldaten und ihren Familien war er ein treuer Wegbegleiter, besonders bei den Friedensmissionen in der Krisengebieten Kambodschas (1993), Kroatiens und Bosniens (1996 und 1997) sowie im Kosovo und in Mazedonien (1999).[11] Jährlich begleitete er seine Soldaten bei der Internationalen Soldatenwallfahrt nach Lourdes.

Sein bischöfliches Wirken war gekennzeichnet vom leidenschaftlichen Einsatz für die Unverfälschtheit des Glaubens und einer großen Liebe zur Kirche. Darin war der heilige Bonifatius sein großes Vorbild. Entsprechend seinem Wahlspruch versuchte er die Freude über unsere Berufung zur Gotteskindschaft zu wecken und zu stärken.

Der Herr rief seinen treuen Diener aus seinem apostolischen Wirken heim am 23. Juli des Heiligen Jahres 2000. Sehr schwer fiel der Nachruf auf eine Priester- und Bischofspersönlichkeit, deren Kraft noch für viele Lebensjahre zu reichen schien.

Der jähe Tod von Erzbischof DDr. Johannes Dyba riss eine schmerzliche Lücke in der Diözese Fulda und weit darüber hinaus. Seine markante Stimme sollte dem deutschen Katholizismus fehlen. Sicherlich würden ihn auch diejenigen vermissen, die manchmal Probleme mit Äußerungen des streitbaren Kirchenmannes hatten. Er war ein moderner Missionar mit Charisma und Kanten.

Geprägt von Humor und Prinzipienfestigkeit zugleich

Erzbischof Dyba, der 17 Jahre Diözesan-Oberhirte von Fulda war, ließ niemanden unberührt. Viele schätzten seine Kommunikationsfreude und seinen Humor. Eine der Stärken Dybas war ohne Zweifel auch seine Fähigkeit, seinen Zeitgenossen durch klare Positionen Orientierung anzubieten. Er war ein Mensch mit Standpunkt und machte keinen Hehl daraus. images

Das imponierte vielen, auch wenn sie seine Meinung nicht immer teilten. Freilich schieden sich an Erzbischof Dyba die Geister: Den zahlreichen erklärten Dyba-Fans, die sich nicht zuletzt an seinen prägnanten Formulierungen freuten, standen diejenigen gegenüber, die sich an manchen seiner Aussagen bis zur Empörung rieben.

Zur singulären Bischofsgestalt im deutschen Episkopat wurde Dyba, als er an St. Michael, am 29. September 1993, den Ausstieg aus der Einbindung in das staatliche Abtreibungssystem erklärte, die Ausstellung kirchlicher Tötungslizenzen im Bistum Fulda unterband[12] und statt dessen ein diözesanes Beratungs- und Hilfsnetz für schwangere Frauen in Notlagen aufbaute, das eine ihn selbst überraschende positive Resonanz bei den Betroffenen fand.

Wie keine andere Entscheidung, die auch innerkirchlich angefeindet wurde, offenbarte Dybas Alleingang die Spaltung der Bischofskonferenz in der Frage des Lebensschutzes, die erst nach sechsjährigem Streit, der die Glaubwürdigkeit der Kirche nachhaltig beschädigte, durch päpstliches Eingreifen ganz im Sinne Dybas entschieden wurde, ohne dann allerdings vollends zur Ruhe zu kommen.

In Marburg durch die Straßen gejagt

Auch auf anderen gesellschaftlichen Konfliktfeldern, etwa der rechtlichen Privilegierung homosexueller Beziehungen, scheute Dyba vor deutlichen Stellungnahmen nicht zurück und musste dafür nicht nur Hohn und Spott, sondern auch tätliche Angriffe hinnehmen. Am 8. November 1991 wurde er in Marburg durch Straßen gejagt, getreten, geschlagen und bespuckt.[13]  chrkn

Noch schmerzlicher als solche körperlichen Angriffe mag Dyba die mangelnde Solidarität etlicher Bischofskollegen empfunden haben, die viele seine Ansichten teilten, aber dann doch nicht den Mut fanden, für ihre Überzeugung in der Öffentlichkeit einzustehen. Solche gelegentliche – aus der Warte des einsamen Rufers in der Wüste – geäußerte Enttäuschung vermochte aber seinen Elan nicht zu lähmen.

Erzbischof Dyba nahm ablehnende Reaktionen in Kauf. Dass die Kirche bei der Erfüllung ihres Auftrags in der Welt nicht auf Beifall schielen darf, hatte der Fuldaer Bischof zutiefst verinnerlicht. Ihm war es sehr ernst mit dem bonifatianischen Geist, den Dyba sich gerade im Heiligen Jahr 2000 (nun seinem Todesjahr) für die katholische Kirche wünschte.

Der hl. Bonifatius war sein großes Vorbild

Am Apostel der Deutschen, der in Fulda begraben liegt, hat Dyba für sich Maß genommen. Dies wurde gerade auch bei seinem letzten Bonifatiusfest deutlich, dass der Erzbischof unter das Motto gestellt hatte Glauben erneuern – Tslider5-640x360reue bekennen – Segen empfangen.[14]

Die während dieses großen Bistumsfestes sichtbare Aufbruchstimmung war ganz nach dem Herzen von Erzbischof Dyba. In völligem Einklang mit Papst Johannes Paul II. war er durchdrungen von missionarischem Eifer, denn seiner Meinung nach hat das wieder vereinigte Deutschland eine Neuevangelisation bitter nötig. 

So sah sich der Erzbischof als moderner Missionar, der andere ermutigen wollte und ermutigte, ihre Treue zu Gott und zur Kirche zu bekennen. Das nach seinem Tod im Juni 2001 erstmals in Fulda veranstaltete Glaubensfest des Forums Deutscher Katholiken wird auf seine Anregung zurückgeführt.

Als Bischof von Fulda führte Dyba einen leidenschaftlichen Kampf für die Unverfälschtheit des Glaubens, für die moralischen Grundsätze der Kirche und für die Anerkennung der kirchlichen Autorität. Möglichst vielen Menschen wollte er die Freude der Kinder Gottes in der Kirche und in der Einheit mit dem Nachfolger des hl. Petrus, dem Papst in Rom, nahebringen: bei Firmungsreisen, Wallfahrten, bei der zentralen Bonifatiusfeier in Fulda und den anderen kirchlichen Festen und Jubiläen. pic_526a50cce0863

Geistige Orientierung, Halt im Glauben und materielle Hilfen wollte er gerade den vielfach angefochtenen Familien, Müttern und Hausfrauen geben. Ein wichtiges Anliegen war dem verstorbenen Erzbischof die Förderung des Priesternachwuchses. Er setzte ein vielbeachtetes Signal, als er den Priestern wieder den Vorrang in der Seelsorge vor den hauptamtlichen Laientheologen einräumte.

Als Bischof häufig präsent in den Medien

Bei aller Unbeugsamkeit in Fragen des Glaubens und der Moral war er ein geschätzter Gesprächspartner, ein aufmerksamer Gastgeber und ein humorvoller Unterhalter. Die Präsenz in den Medien sah er als Herausforderung für sich und als Dienst für die Kirche.  
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Dyba hatte es teilweise schwer mit den Medien, und vice versa hatten sie es nicht leicht mit ihm.[15] Deutlich und kritisch soll angemerkt werden, dass der Erzbischof auf dem Bildschirm oft unfair behandelt wurde.

Die Medien benutzten Dyba  –  und er benutzte sie. Offensiv vertrat er seine Haltung und lebte den Glauben, den er verkündete. Er konnte zur rechten Zeit fröhlich und ernst sein, akzeptierte die Existenz der Medien – ob das gedruckte, gesprochene oder mit Bildern unterlegte Wort -, auch wenn sie ihm manchmal aus nachvollziehbarem Grund ein Dorn im Auge waren.

Der plötzliche Tod des Fuldaer Erzbischofs am 23. Juli 2000 hat viele Menschen im Bistum und weit darüber hinaus betroffen gemacht. Die hohe Wertschätzung, die Dyba genoss, zeigte sich vor allem an der großen Anteilnahme der Bevölkerung an seinem Tod. Tausende von Menschen warteten am Dienstag (25. Juli) geduldig, um an dem in der Michaelskirche aufgebahrten Sarg Abschied von ihrem Bischof zu nehmen.

Der Tod Dybas ging vielen Menschen zu Herzen

Auch dass über 10.000 Menschen zu den Trauerfeierlichkeiten am Freitag (28. Juli) gekommen waren, belegt, wie sehr ihnen das Ableben des Bischofs zu Herzen gegangen ist. Der Tod von Erzbischof Dyba war über Fulda und das Bistum hinaus auch ein bundesweites Medienereignis. Über 40 Bischöfe aus dem In- und Ausland haben Erzbischof Johannes Dyba die letzte Ehre erwiesen.afc127c26a

Zum Requiem für den verstorbenen Oberhirten des Bistums Fulda fanden sich auch Repräsentanten anderer christlicher Konfessionen sowie Vertreter des öffentlichen Lebens in der Fuldaer Kathedralkirche ein. Nach dem Requiem fand in der Johanneskapelle die Beisetzung statt. Als der Sarg mit den sterblichen Überresten Dybas aus dem Blickfeld der Gläubigen fortgetragen wurde, war die Intensität des Abschieds vom Erzbischof erst in ihrem ganzen Umfang zu spüren.

Gerade beim Sanctus von Schubert, gespielt von Kindern aus der Verwandtschaft, mussten viele weinen, und auch Geistliche schämten sich ihrer Tränen nicht.[16]

Eins ist sicher: Viele Mitglieder der Bistumsfamilie würden ihren verstorbenen Oberhirten sehr vermissen. Die Menschen im Bistum Fulda konnten auf vielfältige Weise von ihrem Bischof Abschied nehmen und seiner gedenken. Aber nichts würde ihn mehr freuen, als wenn sie die Worte achten, für die er so gekämpft hat.

Johannes-Dyba-Allee in Fulda

Die Stadtverwaltung von Fulda beschloss einige Wochen nach den Begräbnisfeierlichkeiten zum Beweis ihrer Dankbarkeit und Anerkennung für den Verstorbenen die Umbenennung der Fuldaer Kastanienallee in Johannes-Dyba-Allee.[17] Diese Entscheidung wurde von den gläubigen Einwohnern der Stadt Fulda mit großer Freude aufgenommen. Durch diese Straße bewegt sich Jahr für Jahr die Fronleichnamsprozession. Marienstatt-DSC_0111-3

Das Leben Erzbischofs DDr. Johannes Dyba war eine unaufhörliche Folge von Leid und Kampf mit dem Ziel, alle für Gott zu gewinnen und sie zu den christlichen Idealen zu führen. Beispielhaft verkörperte er den unermüdlichen Verkünder des Gotteswortes, den guten und klugen Hirten, den Verteidiger des menschlichen Lebens vom Anfang bis zu dessen Ende.

Für viele die ihn kannten war Erzbischof Johannes Dyba ein wahrhaftiger Mensch der bereit war für die Wahrheit einzustehen. Sein Naturell war von der Fröhlichkeit geprägt. Er hielt sich gerne unter den Menschen auf, sowie die Menschen seine Nähe suchten.

Sein Leben war geprägt aus dem Glauben der für ihn der Maßstab seines Wirkens war. Die Verehrung der Gottesmutter Maria war ihm während seines ganzen Lebens sehr wichtig. Die, die in seiner Nähe waren wissen zu berichten, dass er stets einen Rosenkranz bei sich trug und betete.

Gebete für seine Seligsprechung

Er war seinem Bistum ein guter und mutiger Bischof. Und noch heute besuchen viele sein Grab um dort zu beten in der Hoffnung dass in absehbarer Zeit sein Seligsprechungsprozess eingeleitet wird.

Dr. Bernd F. PelzViele halten ihn der Ehre der Altäre für würdig – wegen seiner heroischen Nächstenliebe, insbesondere wegen seines Dienstes an den Armen und Kranken.

All das speiste sich aus übernatürlichen Motiven. Verehrung genießt er auch dafür, dass er – ähnlich wie der heilige Papst Johannes Paul II. –  sich so für die Rechte der ungeborenen Kinder einsetzte. Niemals hat jemand vor ihm so viel für jene getan, die sich nicht selber wehren können.

Für viele war er eine mahnende Stimme innerhalb der katholischen Kirche. Wie schon gesagt er war ein moderner Missionar mit Charisma und Kanten, der andere ermutigen wollte und ermutigte, ihre Treue zu Gott und zur Kirche zu bekennen.

Gerade im missionarischen Aufbruch der Kirche im 21. Jahrhundert kann er durch sein Leben und Wirken ein wertvoller Ratgeber und Begleiter sein, und das nicht nur in Deutschland.

Unser Autor Dr. Franz Weidemann ist Gemeindepfarrer in Dortmund (Erzbistum Paderborn)

  • Anmerkungen: 
  • [1] G. Klein/M. Sinderhauf, Erzbischof Johannes Dyba – „Unverschämt katholisch“. Verlag F. Schmidt, Siegburg 2002, S. 24.
  • [2] Archiv des Erzbischöflichen Theologenkonvikts (Collegium Albertinum) in Bonn. Eigenhändig geschriebener Lebenslauf J. Dybas vom 9. Januar 1953.
  • [3] J. Dyba, Lebenslauf, geschrieben 1949 (Duke University Archives): As neither German Communists nor Russian police tolerated this activity I was arrested twice. At last, in July 1947, I had to leave the Soviet zone to avoid indefinite imprisonment.
  • [4] Diese Arbeit wurde 1954 in Heidelberg veröffentlicht (Diss. Iur. 1954, XIV, 102 BII).
  • [5] Diese Arbeit erschien 1962 im Verlag der Lateran-Universität.
  • [6] Diese Kommission wurde 1967 von Papst Paul VI. berufen und wurde zu einer stetigen Institution.
  • [7] 1. Johannesbrief 3, 1. Vgl. auch: Joh 1,12f; 11, 52; Röm 8,14-17; Gal 3, 26; Eph 5, 1.
  • [8] K.-J. Rauber, Johannes Dyba im Dienst des Hl. Stuhles, in: Kinder Gottes sind wir, a.a.O., S. 38.
  • [9] H. Schmitz, F. Kalde, Partikularnormen der deutschsprachigen Bischofskonferenzen (Subsidia ad ius canonicum vigens applicandum 2), Abtei-Verlag, Metten 1990.
  • [10] KNA, Katholische Korrespondenz, Nr. 33, 17. August 1993.
  • [11] Siehe: Offizielle Besuche des Kath. Militärbischofs Erzbischof Dr. Dr. Johannes Dyba bei Dienststellen und Truppenteilen der Bundeswehr, in: Meinen Frieden gebe ich Euch. Hrsg. von J. Nabbefeld, Bonn 1999, S. 401-403.
  • [12] J. Dyba, Bescheinigungen werden nicht mehr ausgestellt, in: KNA, Nr. 15, 29. September 1993.
  • [13] P.-M. Schmidt, in: Kinder Gottes sind wir, a.a.O., S. 52.
  • [14] P.-M. Schmidt, in: Kinder Gottes sind wir, Predigt von Erzbischof Johannes Dyba am Bonifatiusfest (04.06.2000) auf dem Fuldaer Domplatz – Credo, Credo, Credo – S. 103.
  • [15] P.-M. Schmidt, in: Kinder Gottes sind wir, S. 59.
  • [16] Bonifatiusbote, Nr. 32, 6. August 2000, S. 15.
  • [17] M. Schwab, Diözesanadministrator Weihbischof Johannes Kapp und OB Dr. Alois Rhiel enthüllten Schild der neuen Johannes-Dyba-Allee, in: Mit Bonifatius verbunden – den Menschen zugetan, a.a.O., S. 65.