Was wir von der Pfarrei in Forst lernen können

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

In der Pfarrei Forst (Diözese Würzburg) versuchten radikal-feministische Frauen der Initiative „Maria 2.0“ die Vorabendmesse vor „Maria Himmelfahrt“ für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und während des Gottesdienstes ihre Botschaft zu verlesen.

„Maria 2.0“ stellt die Gesinnung und Haltung der Gottesmutter auf den Kopf, denn ihr Ziel ist der Zugang von Frauen zu allen Kirchenämtern, konkret zum Frauenpriestertum. Begonnen hat die Initiative vor einigen Monaten mit einem Aufruf zum Boykott der Gottesdienste.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

„Maria 2.0“ hatte ihr Vorhaben in Forst gut vorbereitet: 20 Frauen, alle in weißen Kleidern, waren erschienen und rein zufällig war auch eine Mitarbeiterin der Augsburger Allgemeinen Zeitung (AZ) anwesend.

Entsprechend eindeutig fiel der Bericht der AZ aus: „Pfarrer wirft Frauen aus der Kirche – Wutausbruch Der Auftritt von etwa 20 Mitgliedern der Reformbewegung „Maria 2.0“ versetzt einen fränkischen Pfarrer in Rage, dass er den Gottesdienst abbricht“ so der Titel.

Im Text wird der Pfarrer weiter so porträtiert: „Unser Pfarrer kann mit dieser Protestbewegung nicht umgehen“. Der Pfarrer sei „regelrecht ausgeflippt“. Der Bericht verschweigt die Rufe von Meßbesuchern gegen „Maria 2.0“, sie sollen aufhören.

Der Pfarrer fühlte sich von der Kundgebung des Frauenbunds während seines Gottesdienstes völlig überrumpelt: „Es hat niemand vorher mit mir gesprochen.“

Der Nachfolger der Apostel in Würzburg schwieg dazu. Er schickte seinen Generalvikar vor.

Dieser äußerte: “Der priesterliche Dienst ist ein Einheitsdienst an der Gemeinde. In seiner emotionalen Erregung hat der Pfarrer unglücklich überreagiert. In Forst wie in ganz Deutschland ist es im Zusammenhang von „Maria 2.0“ wichtig, dass beide Seiten einander zuhören. Der Gesprächsfaden darf nicht abreißen“.

Das ist eine eindeutig-einseitige Rüge für den Pfarrer, nicht aber für jene, welche die Gemeinden spalten.

Was wir in dieser Situation bräuchten, sind Bischöfe von der Statur, wie sie Paulus im 2. Brief an Timotheus beschreibt. Dort heißt es: “Tritt auf, sei es gelegen oder ungelegen“

Selbstverständlich muss man auch mit Extremen reden, wenn sie noch bereit sind, zuzuhören. Es geht nicht ums Ausgrenzen, sondern ums Abgrenzen. In diesem Fall den Glauben der Kirche von einer Irrlehre. Das hat der Generalvikar nicht getan!

Man könne sich den Frieden durch unangebrachte Zugeständnisse erkaufen, das ist oft genug in der Geschichte widerlegt worden – in kleinen und auch in großen Ereignissen.


Iran: Ex-Muslim und christlicher Pfarrer Ebrahim Firouzi im Gefängnis

Ebrahim Firouzi (auch Ibrahim und Firoozi umschrieben) ist ein iranischer christlicher Konvertit und Pfarrer (siehe Foto), der seit Jahren wegen seiner missionarischen Arbeit im Iran gefangen gehalten wird.

2015 wurde er zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er angeblich „eine Gruppe mit der Absicht gegründet hat, die nationale Sicherheit zu stören“. Anfang Januar 2010 und im März 2012 wurde er wegen der gleichen Anklage verhaftet und zu fünf Monaten bzw. einem Jahr Haft verurteilt.

Ebrahim Firouzi wurde 1985 in Hamedan im Westen des Iran geboren. Der Geheimdienst verhaftete ihn im Januar 2010 zum ersten Mal, weil er vom Islam zum Christentum übergetreten war und christliche Treffen organisiert haben soll.

In der Haft boten ihm die Behörden an, dass sie ihn freilassen würden, wenn er sich wieder zum Islam bekennen würde. Firouzi weigert sich.

Ein Islamisches Revolutionsgericht verurteilte ihn daraufhin wegen angeblicher „Propaganda gegen den Staat“ zu fünf Monaten Gefängnis mit einer zusätzlichen fünfmonatigen Bewährungsstrafe. Erst am 8. Juni 2011 kam er wieder frei.

Firouzi wurde am 8. März 2012 ein zweites Mal verhaftet, weil er angeblich versucht hatte, eine Website über das Christentum zu erstellen, um damit Menschen für den christlichen Glauben zu gewinnen. Ein Islamisches Revolutionsgericht sprach ihn erneut wegen angeblicher „Propaganda gegen den Staat“ für schuldig und verurteilte ihn zu einem Jahr Gefängnis und zwei Jahren Exil.

Ein drittes Mal wurde Firouzi am 16. September 2013 festgenommen und in Einzelhaft im Evin-Gefängnis in Teheran festgehalten. Das Gefängnispersonal beleidigte und bedrohte ihn und versuchte, ein falsches Geständnis von ihm zu erpressen.

Im April 2015 verurteilte ihn das Islamische Revolutionsgericht in Teheran zu fünf Jahren Gefängnis, weil er angeblich „eine Gruppe mit der Absicht gegründet hat, die nationale Sicherheit zu stören“.

Am 3. Dezember 2018 starb seine Mutter an Brustkrebs. Seine Mutter war zu krank, um ins Gefängnis zu kommen, aber die Behörden lehnten es ab, Firouzi einen Besuch zu erlauben. Seine Mutter verstarb, ohne dass sich beide verabschieden konnten. Firouzi trat im Jahr 2019 mehrfach in Hungerstreik um gegen die Verletzung seiner Rechte, die Haftbedingungen und fehlende Gesundheitsfürsorge zu protestieren.

Situation christlicher Konvertiten im Iran

Im Iran ist die Scharia – das islamische Rechtssystem – die Grundlage des gesamten Rechts. Das islamische Recht unterscheidet sich in vieler Hinsicht erheblich von europäischen Rechtstraditionen und steht in manchen Punkten in direktem Gegensatz zu internationalen Rechtsgrundsätzen und Menschenrechten.

Die freie Wahl des eigenen Glaubens gehört dazu. Nach klassischer islamischer Rechtsauffassung ist das nicht nur unmöglich, sondern ein „Verbrechen“, das mit dem Tod bestraft werden kann.

Offene Religionslosigkeit oder die Abwendung vom Islam zu einem anderen Glauben ist im Iran lebensgefährlich. „Abgefallenen“ (Apostaten) drohen  Folter, jahrelange Haftstrafen und außergerichtliche Tötung.

Die Zahl der Iraner, die sich völlig von Religion abgewandt haben oder zu einem anderen Glauben übergetreten sind, ist im Iran nach Einschätzungen iranischer Experten relativ hoch. Die Islamische Republik hat schon bei ihrer Gründung trotz Massenhinrichtungen nicht den Versuch unternommen, alle Atheisten oder Konvertiten hinzurichten oder auch nur gefangen zu halten.

Die Behörden setzen vielmehr darauf, gezielt einzelne Personen zu verhaften, zu foltern und durch lange Gefängnisstrafen die übrigen Andersdenkenden einzuschüchtern

Quelle: https://www.igfm.de/ebrahim-firouzi/


Seliger Pfarrer Emilian Kowcz: Märtyrer der katholischen Ostkirche und Retter der Juden

Von Felizitas Küble

Der katholische Priester Emilian Kowcz aus der Ukraine, der am 24. April 2001 von Papst Johannes Paul II. in Rom seliggesprochen wurde, ist ein wahrer „Pontifex“, ein Brückenbauer zwischen den Völkern; als Retter vieler Juden in schwerer Zeit dient er zugleich der Verständigung zwischen Katholiken und Juden.

Außerdem gehörte der Priester (auf ukrainisch hieß er Omeljan Kowtsch) zur griechisch-katholischen Kirche des orthodoxen (ostkirchlichen) Ritus, die seit Jahrhunderten mit Rom verbunden ist (unierte Kirche).

Der am 25. März 1944 im KZ Majdanek verstorbene Geistliche wurde am 24. April 2009 in Kiew feierlich zum „Patron der Seelsorger“ für die katholisch-ukrainische Ostkirche ernannt.

Bereits 10 Jahre zuvor, am 9. September 1999, proklamierte der „Rat der Juden“ in der Ukraine den Märtyrerpriester zum „Gerechten der Ukraine“.

Katholiken und Juden sind sich einig in der Wertschätzung und Würdigung dieses vorbildlichen Pfarrers, dessen Leben und Wirken geprägt war von seinem seelsorglichen Einsatz für die katholischen Gläubigen, aber auch von seiner Wertschätzung der Juden, in denen er das „Volk des Alten Bundes“ erkannte und ihnen ihren Messias Jesus Christus nahebringen wollte.

Der am 20. August 1884 in Kosmach (Galizien, Westukraine) geborene Emilian Kowcz studierte in Lemberg und Rom. Nach erfolgreichem Abschluß kehrte er in die Ukraine zurück und heiratete, wie dies in der griechisch-katholischen Ostkirche vor der Priesterweihe üblich und kirchenrechtlich erlaubt ist; seine Ehe wurde mit sechs Kindern gesegnet.

1911 erhielt Emilian Kowcz die Priesterweihe; er war zunächst als Kaplan und danach als Militärgeistlicher tätig.

Ab 1922 wirkte er als Pfarrer in einem Lviver (Lemberger) Bezirk, wobei er mehrfach von der polnischen Besatzungsmacht verhört und verhaftet wurde. Allein von 1925 bis 1934 wurde sein Pfarrhaus ca. 40 mal nach „antipolnischem Propagandamaterial“ durchsucht, was mehrere Gefängnisaufenthalte zur Folge hatte. Die Situation wurde nicht einfacher, nachdem dieses Gebiet 1939 von den Sowjets besetzt wurde.

Die Menschen in seinem Gemeindebezirk Peremyshljany setzten sich etwa zu gleichen Teilen aus Polen, Ukrainern und Juden zusammen. Als deutsche Truppen 1942 in die Stadt einmarschierten, wurde die rote Diktatur durch eine braune ersetzt, der International-Sozialismus durch den National-Sozialismus; der Kirchenhaß blieb unter dem Hakenkreuz im wesentlichen derselbe wie unter dem Sowjetstern.

Die Nazis richteten ein Ghetto für Juden ein und führten weitere antijüdische Maßnahmen durch, womit sich Pfarrer Emilian keineswegs abfand, wobei ihm seine Furchtlosigkeit später das Leben kosten sollte.

Als die NS-Schergen ausgerechnet an einem Sabbat Sprengstoff in die mit betenden Menschen gefüllte Synagoge warfen und danach die Tür von außen verriegelten, eilten Nachbarn zu Pfarrer Emilian und schilderten ihm diese Greueltat. 

Sofort rannte der Priester mit einigen Helfern zum Tatort. Da er gut deutsch sprach, schrie er die Nazi-Aktivisten derart an, daß diese sich verunsichert von der Synagoge zurückzogen.

Zusammen mit seiner Helferschar riß er die Tür des brennenden Gebetshauses auf und rettete viele Juden vor den Flammen, auch den Rabbi von Bels. Zudem warnte er seine Gläubigen in Predigten und Exerzitien davor, sich von judenfeindlichen Parolen und Provokationen der neuen Machthaber beeinflussen zu lassen.

Die Rettungsaktion des unerschrockenen Geistlichen sprach sich bei Juden in der Region überall schnell herum. Nicht nur einzelne, sondern ganze Gruppen von Juden kamen zu ihm und wollten sich taufen lassen. Manche waren von seiner christlichen Haltung und seinem tapferen Format beeindruckt und wollten daher das Christentum dieses ungewöhnlichen Mannes kennenlernen; andere glaubten, sich durch die Taufe vor der Judenverfolgung schützen zu können.

BILD: Der leidende Christus mit einem jüdischem Gebetsschal in der Sankt-Bernhard-Kirche von Münster

Pfarrer Emilian befand sich im Dilemma: einerseits wollte er gerne Juden retten, andererseits ist die Taufe kein „Mittel zum Zweck“, um vor dem KZ zu bewahren. Auch jene Juden, die sich als innerlich aufgeschlossen für das Christentum erwiesen, bedurften immerhin einer theologischen Vorbereitung.

Nach langem inneren Ringen und einem Gespräch mit seinem griechisch-katholischen Metropoliten entschied sich der Priester für einen „mittleren Weg“, nämlich für die Taufe von Juden zu „Minimalbedingungen“: wenn diese zum Erlernen des Glaubensbekenntnisses bereit waren.

Er erklärte den taufwilligen Juden aber auch, daß der Eintritt in die Kirche sie nicht automatisch vor dem KZ bewahren wird, da die braunen Machthaber auch Judenchristen verfolgten, allerdings nicht im gleichen Ausmaß wie ungetaufte Juden.

Auch dieser Einsatz des Priesters für bedrängte Juden war der NS-Besatzung ein Dorn im Auge. Am 30. Dezember 1942 wurde Pfarrer Emilian ins Gefängnis nach Lviv (Lemberg) gebracht. Dort bot ihm ein Offizier der Gestapo (Geheime Staats-Polizei) die Freilassung an, wenn er das Taufen von Juden beende:

„Wissen Sie nicht, daß es untersagt, ist, Juden zu taufen?“
„Nein.“
„Wissen Sie es jetzt?“
„Ja.“
„Werden Sie weiter Juden taufen?“
„Natürlich.“

Daraufhin verlegte man den „Unbelehrbaren“ ins KZ Majdanek bei Lublin, das erste KZ der SS im besetzen Polen. Dort setzte er seine Seelsorge unter den Mitgefangenen fort, hörte die Beichte von Häftlingen, segnete Kranke und Leidende und feierte heimlich den Gottesdienst in der byzantinischen Liturgie. Er wollte für möglichst viele Menschen eine „Brücke in die Ewigkeit“ sein, ihnen Glaubensmut und Gottvertrauen zusprechen und die Sakramente spenden.

Nach Weihnachten 1943 erkrankte er schwer und wurde ins Lager-Lazarett verlegt, wo er am 25. März 1944 verstarb, angeblich an den Folgen einer Thrombose im rechten Bein. Andere Quellen sprechen von einem Tod in der Gaskammer. Wie dem auch sei: Es war der Heimgang eines heldenmütigen katholischen Priesters und Brückenbauers zwischen den Völkern sowie zwischen Christen und Juden.

Der Märtyrer Emilian Kowcz wurde durch Papst Johannes Paul II. im Jahre 2001 in Kiew zusammen mit 26 Opfern des sowjetischen Regimes seliggesprochen; er war der einzige der 27 Kanonisierten, der von den Nationalsozialisten umgebracht wurde.
Sein kirchlicher Gedenktag ist  – wie bei den meisten Seligen oder Heiligen – sein Todestag, nämlich der 25. März.
.
Erstveröffentlichung dieses Artikels in der Monatszeitschrift DER FELS (Nr. 7/2011)  –  1. Foto: Joachim Schäfer – www.heiligenlexikon.de 

Er starb in Dachau: Pfarrer Heinrich Schniers (1880-1942), ein Märtyrer aus Wippingen

Von Hermann Rieke-Benninghaus

Heinrich Schniers (siehe Foto) wurde am 25. März 1880 in Wippingen (Emsland) als ältestes von vier Kindern des Landwirts Heinrich Schniers (heutige Hofstelle Grüter-Deters, Heyenhorst 4) geboren.

Der Knabe besuchte das Gymnasium Antonianum in Vechta. Nach seinem Studium in Freiburg i. Br. und Münster wurde er am 23. März 1907 in Osnabrück zum Priester geweiht.

Seine erste Stelle trat er als Präzeptor (geistlicher Lehrer) des Konviktes in Meppen an, von 1910 bis 1913 war er Kaplan in Nordhorn, von 1913 bis 1921 Schulrektor in Fürstenau und von 1921 bis 1933 Kaplan an St. Bonifatius in Lingen (Ems).

Am 1. Mai 1933 wurde er zum Pfarrer der Kirchengemeinde St. Michael in Leer berufen.

Heinrich Schniers war der Heimatpfarrer des seligen Lübecker Märtyrers Kaplan Hermann Lange, der Leer verließ, um mit dem Theologiestudium in Münster zu beginnen. Lange kam in den Semesterferien regelmäßig nach Leer und engagierte sich als Gruppenleiter beim Kolpingverein.

Schniers geriet rasch in einen offenen Konflikt mit dem NS-Regime. Am 17. Dezember 1941 wurde er wegen angeblicher „defätistischer Äußerungen“ beim Besuch einer Familie in „Schutzhaft“ genommen.

Zum Weihnachtsfest kam er auf Bitten der Pfarrgemeinde und der Stadt Leer frei, wurde aber am 27. Dezember wieder verhaftet. Man brachte ihn ins Gerichtsgefängnis nach Nordenham. Nach monatelangen staatsanwaltlichen Ermittlungen wurde er der Gestapo überstellt und am 19. März 1942 in Sträflingskleidung durch die Straßen von Leer geführt.

Am 3. April 1942 erfolgte die Verschleppung ins KZ Dachau. Seine Häftlingsnummer war 29.668. Der Block 13, Stube 1, war sein Zugangsblock. Pater Josef Kentenich, der Gründer der Schönstattbewegung, war zeitweise im gleichen Block. 

BILD: Der Meßkelch von Pfr. Schniers befindet sich heute in der Kirche von Lingen-Laxten. 

Der Körper von Heinrich Schniers war von Hunger, Misshandlungen und schwerer Anstrengung gezeichnet. Ein Mitbruder berichtet:

„So wurden Pastor Schniers die anstrengende Arbeit in der Heilkräuterplantage und das Leben im Block zu einer steten Qual, da er, dessen Sehkraft stark beeinträchtigt war, ständig zerbrochene Augengläser tragen musste, die nicht zu ersetzen waren. Eines Tages war es auch mit seiner Lebenskraft vorbei. Ich sehe ihn noch, wie man ihn auf einen Ackerkarren am Ende eines 1200-Mann-starken Arbeitskommandos niedersetzte: Zusammengeknickt der Leib wie auf einem Ecce-homo-Bild.“

Von Hunger, Misshandlungen und körperlicher Anstrengung geschwächt, wurde der Geistliche am 28. August 1942 in das Krankenrevier eingeliefert. Am 30. August starb er hier an „Darmkatarrh“.

Am 10.9.1942 wurde in Leer ein Leviten-Seelenamt für den verstorbenen Pfarrer gefeiert. Seine Urne wurde am 14. Oktober 1942 in Wippingen beigesetzt.

Nach Pfarrer Schniers sind Straßen in Wippingen und Lingen benannt, in Leer erinnert ein Weg an ihn.

Die katholische Kirche hat Heinrich Schniers als Glaubenszeugen in das Deutsche „Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ aufgenommen. Sein Gedenktag ist der 30. August.

 

 


Alt-neue Magie: Warum der Esoterik-Boom im Allgäu keine Überraschung ist

Von Felizitas Küble

Am 16. Mai 2019  – also gestern Abend  – hat der Bayerische Rundfunk (BR) eine Fernsehsendung über das zunehmende Esoterik-Angebot im Allgäu ausgestrahlt. „Schamanen, Kartenleger und Heiler“ seien so gefragt wie nie, heißt es dort. 

In der südlichen Region des Freistaats scheint dies eine Überraschung zu sein. Dazu erklärt die Film-Vorschau: „Der Allgäuer gilt als bodenständiger, heimatverwurzelter und kirchentreuer Mensch mit eigenem Zungenschlag.“

Trotzdem könne man in dieser Region bei näherem Hinschauen eine „Entwicklung“ entdecken, schreibt der BR: 

„Im Allgäu tummeln sich immer mehr Yogis, Schamanen und selbsterklärte Heiler, die gestresste Großstädter zu Drachen-und Druidenkursen, Wünschelrutengängen oder Seelenwanderungen einladen. Inzwischen gilt die Region als Spirituellen-Hochburg, und selbst die Tourismusbranche hat das Potential erkannt. Viele Allgäuer reiben sich verwundert die Augen und fragen sich: Warum gerade hier? Und: Wie passt das zum Selbstverständnis der Allgäuer?“

In der Sendung werden einige Beispiele vorgeführt – von Kartenlegern, Achtsamkeitstraining, buddhistischen Kursen und ähnlichem ist die Rede. 

Ein handfester Bauer – katholisch und nüchtern – erklärt sich den Boom mit wirtschaftlichen Interessen von Geschäftemachern. Aber dies durchleuchtet den Vorgang nur teilweise. Das Problem ist nämlich, daß dieses Angebot auf rege Nachfrage stößt, also bei vielen Allgäuern „ankommt“. Andernfalls würde der Esoterik-Kommerz ins Gras beißen.

Eine gewisse Berechtigung liegt in dem Hinweis, die oft ziemlich abgelegen wohnenden Dörfler und Bergbauern hätten schon anno dunnemal  – mangelns Ärzten in der Nähe – nach anderen „Lösungen“ gesucht und den nächsten „Heiler“ aufgesucht.

Ein befragter Gemeindepfarrer vermutet einen Zusammenhang mit der sinkenden Kirchenbindung. Auch dies ist richtig, bleibt aber eher an der Oberfläche.

Ausgerechnet von esoterischer Seite wird das scheinbare Rätsel am Schluß der Sendung gelöst, das für mich sogleich als maßgebliche Erklärung auf der Hand lag:

Der Boom ist gar nicht so neu, er hat nur das moderne Gewand des „Spirituellen“ angezogen. Was heute Esoterik heißt, war früher der Gesundbeter, Warzenentferner (mit astrologischem Hintergrund, Mondkonstellation etc) oder die „Brandlöscherin“ (mittels magischer Sprüche bzw. vermeintlicher „Gebete“) – kurz: der ländliche Aberglaube, wie er leibt und lebt.

Genau das ist der Grund und Urgrund, auf dem die Esoterik gedeihen kann – auch im ach so frommen Allgäu.

Das Problem ist uralt, die Versuchung immer wieder neu, sich nicht an Gott, sondern an Abgötter zu wenden – ganz nach der Devise: Hauptsache, es hilft – oder auch: Wer heilt, hat recht – punktum!

Schon früher hatten die Geistlichen – vor allem auf dem Land –  ihre liebe Mühe mit diesem magischen (Aber-)Glauben, der die „höheren Mächte“ für die eigenen Wünsche und Interessen vereinnahmen möchte.

Der christliche Grundsatz nach Jesu Worten „Dein Wille geschehe“ wird stillschweigend  – und vielleicht nicht immer voll bewußt – verdrängt durch die alt-neuheidnische Devise: Mein Wille geschehe!

Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/07/16/mein-wille-geschehe-als-hintergrundmotiv-eines-magisch-charismatischen-glaubens/


Sexueller Missbrauch im Protestantismus: strukturelles Problem, nicht nur „Einzelfälle“

Es ist einfach zu schön, das Märchen von der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), in dem es keinen sexuellen Missbrauch gibt. Eine heile Welt ohne Zölibat, ohne Hierarchien und ohne den Ausschluss von Frauen aus kirchlichen Ämtern…Ein Irrtum. Leider. Denn nicht nur in der kath. Kirche wurden jahrzehntelang Kinder und Jugendliche missbraucht. Auch in der evangelischen Kirche tun sich ähnliche Abgründe auf.

„Die evangelische Kirche hat immer gesagt, wir haben ’nur‘ Einzelfälle“, erinnert sich Kerstin Claus. „Das ärgert mich, auch weil es zeigt, wie viel Unkenntnis in diesem Bereich herrscht.“

Kerstin Claus gehört dem Betroffenenrat des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs des Bundes an. Sie wurde Mitte der 80er Jahre als 14-Jährige zwei Jahre lang von ihrem damaligen Pfarrer und Religionslehrer in Niederbayern missbraucht…

Der katholische Dreiklang aus unterdrückter Sexualität, Zölibat und Klerikalismus reicht als Erklärung für systematischen Missbrauch nicht mehr aus. Auch in der evangelischen Kirche gab und gibt es ein strukturelles Problem und spezifische Faktoren, die sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch begünstigten…

Kerstin Claus brauchte lange, bis sie sich durchrang, etwas gegen den Täter zu unternehmen…Erst 2003 zeigte sie ihren Peiniger bei der bayerischen Landeskirche an. Doch sie bekam keine Rückmeldung und wurde als Opfer nicht befragt. Später erfuhr sie, dass ein Disziplinarverfahren eingeleitet, aber gegen eine Spendenzahlung eingestellt worden war.

Der Täter ist weiterhin als Pfarrer tätig; er leitet mittlerweile eine evangelische Bildungsakademie…

Quelle und vollständiger Text von Astrid Prage hier: https://www.dw.com/de/missbrauch-auch-ein-evangelisches-thema/a-46602808

 


Zwei ehem. evangelische Pastoren werden am 28. Oktober in Augsburg zu Priestern geweiht

Bischof Dr. Konrad Zdarsa wird am Sonntag, dem 28. Oktober, zwei Diakone zu Priestern weihen. In einem feierlichen Pontifikalamt um 14.30 Uhr in der Rektoratskirche St. Sebastian in Augsburg werden André Schneider und Andreas Theurer (siehe Foto) das Sakrament der Priesterweihe empfangen.

André Schneider (44 J., verh., vier Kinder) war evang.-lutherischer Pfarrer in Erfurt. Er fühlte sich schon immer zum liturgischen und sakramentalen Leben hingezogen. Sein Primizspruch lautet: „Regnare Christum volumus!“  – Auf die Frage nach seinem Motiv für die Auswahl dieses Mottos erklärt er u.a.:

„Der Primizspruch bedeutet „Wir wollen, dass Christus herrscht, dass er König ist“. Die Kirche verkündigt uns Jesus Christus als König der Könige und Herrn aller Herren. Wo Gott aus dem Mittelpunkt verdrängt wird, gerät auch der Mensch schnell unter die Räder, das scheint mir eine zentrale Lehre aus den Schrecken des letzten Jahrhunderts zu sein.“

Andreas Theurer (51 J., verh., zwei Söhne) war 17 Jahre lang lutherischer Pfarrer, zuletzt im schwäbischen Göttelfingen.

Bei ihm sei, so erklärt er, die „Einsicht gereift, dass zur vollmächtigen Spendung der Sakramente vom biblischen und altkirchlichen Zeugnis her tatsächlich eine Priesterweihe nötig ist. Das war auch der wesentliche Grund für meine Konversion im Jahr 2012.“ – Ihm gehe es vor allem, so sagt er, „um die sakramentale Fülle der katholischen Kirche.“

Der Papst hat beiden evangelischen Ex-Pastoren  –  wie in solchen Fällen üblich  –    eine Dispens vom Zölibat erteilt, das heißt, sie dürfen ihre Ehe und Familie weiterführen.

Über den Konvertiten Andreas Theurer und die Gründe seines Übertritts zur katholischen Kirche haben wir im CHRISTLICHEN FORUM bereits vor einigen Jahren acht Artikel veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/category/konvertit-andreas-theurer/

Quelle für Foto und Zitate: https://bistum-augsburg.de/Nachrichten/Bischof-Konrad-weiht-am-28.-Oktober-in-der-Rektoratskirche-St.-Sebastian-zwei-Diakone-zu-Priestern-_id_193654