Der Geist des HERRN erfüllt das All…

  Der Geist des HERRN erfüllt das All mit Sturm und Feuersgluten;
er krönt mit Jubel Berg und Tal, er lässt die Wasser fluten.
Ganz überströmt von Glanz und Licht erhebt die Schöpfung ihr Gesicht,
frohlockend: Halleluja.

 Der Geist des HERRN erweckt den Geist in Sehern und Propheten,
der das Erbarmen Gottes weist und Heil in tiefsten Nöten.
Seht, aus der Nacht Verheißung blüht; die Hoffnung hebt sich wie ein Lied
und jubelt: Halleluja.

  Der Geist des HERRN treibt Gottes Sohn, die Erde zu erlösen;
er stirbt, erhöht am Kreuzesthron, und bricht die Macht des Bösen.
Als Sieger fährt er jauchzend heim und ruft den Geist, dass jeder Keim
aufbreche: Halleluja.

 Der Geist des HERRN durchweht die Welt gewaltig und unbändig;
wohin sein Feueratem fällt, wird Gottes Reich lebendig.
Da schreitet Christus durch die Zeit in seiner Kirche Pilgerkleid,
Gott lobend: Halleluja.

Marie Luise Thurmair (1946)


Komm, o heiliger Geist, hernieder

Pfingstlied nach der  Melodie „Freu Dich sehr, Du meine Seele“

1. Komm, o heiliger Geist, hernieder,
komm, der Pfingsten Tag ist heut´,
leucht mit heilgen Flammen wieder,
schenke Frieden, Kraft und Freud!
Und gleichwie in Flur und Wald
neuen Lebens Jubel schallt,
also werd´ mit neuen Zungen
frohes Lied dem Herrn gesungen!

2. Komm und walle durch die Herzen,
die gar finster, tot und kalt;
voll von Trotz und Furcht und Schmerzen,
ohne Trost und ohne Halt;
rausch hinein mit Gottesmacht,
die vertreibet alle Nacht.
Und laß leuchten deine Sonne
voller Klarheit, Trost und Wonne!

3. Komm, erfülle du die Hütten,
wandle sie zum Gotteshaus,
sammle stets zu Dank und Bitten
alle, die gehn ein und aus,
halt sie eins in Freud und Leid
und versöhn, was sich entzweit;
fördere auch das Werk der Hände,
und die Trübsal gnädig wende!

4. Komm und rausche durch die Lande,
zeig das Kreuz als höchsten Hort;
und daß starker Treue Bande
fest nun ruhn in Gottes Wort,
mache Fürst und Völker gleich,
treu zu bauen Gottes Reich
und in Krieg- und Friedenstagen
sein Panier voranzutragen!

5. Erleuchte du die ganze Erde
bis zum letzten Sünderzelt,
ruf hinein das neue „Werde“
in das bleiche Totenfeld!
Schaffe, daß doch balde wird
eine Herde und ein Hirt,
und dann unter Friedenspalmen
alle jauchzen Freudenpsalmen!

Wilhelm Kritzinger

 


Pfingstlied von Paul Gerhardt: Was alle Weisheit in der Welt…

Was alle Weisheit in der Welt,
bei uns hier kaum kann fassen,
das läßt Gott aus dem Himmelszelt
in alle Welt erschallen,
daß er alleine König sei,
hoch über alle Götter,
groß, mächtig, freundlich, stark und treu,
der Frommen Schutz und Retter.
Ein Wesen, drei Personen.

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist
heißt sein hochheiliger Name;
so kennt, so nennt, so rühmt und preist
ihn der gerechte Name,
Gott Abrahams, Gott Isaaks,
Gott Jakobs, den er liebt,
Herr Zebaoth, der Nacht und Tag
uns alle Gaben gibt
und Wunder wirkt alleine.

Der Vater hat von Ewigkeit
den Sohn, sein Bild, erzeuget;
der Sohn hat in der Füll der Zeit
im Fleische sich gezeiget;
der Geist geht ohne Zeit hervor
vom Vater und vom Sohne,
mit beiden gleicher Ehr und Zier,
gleich ewig, gleicher Krone
und ungeteilter Stärke.

Auf daß wir also allzugleich
zur Himmelspforte dringen
und dermaleins in deinem Reich
ohn alles Ende singen,
daß du alleine König seist,
hoch über alle Götter,
Gott Vater, Sohn und heilger Geist,
der Frommen Schutz und Retter.
Ein Wesen, drei Personen.

Paul Gerhardt

 


Pfingstlied: O komm, Du Geist der Wahrheit

 

  O komm, Du Geist der Wahrheit,
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein.

Gieß aus dein heilig Feuer,
rühr Herz und Lippen an,
daß jeglicher getreuer
den HERRN bekennen kann.

 O Du, den unser größter
Regent uns zugesagt:
komm zu uns, werter Tröster,
und mach uns unverzagt.

Gib uns in dieser schlaffen
und glaubensarmen Zeit
die scharf geschliffnen Waffen
der ersten Christenheit.

Unglaub und Torheit brüsten
sich frecher jetzt als je;
darum willst Du uns ausrüsten
mit Waffen aus der Höh.

Du willst uns Kraft verleihen,
Geduld und Glaubenstreu –
und willst uns ganz befreien
von aller Menschenscheu.

 Du Heilger Geist, bereite
ein Pfingstfest nah und fern;
mit Deiner Kraft begleite
das Zeugnis für den HERRN.

O öffne Du die Herzen
der Welt und uns den Mund,
daß wir in Freud und Schmerzen
das Heil ihr machen kund.

 Philipp Spitta (1801 – 1859)

Foto: Dr. Eberhard Heller