Papst Benedikts Plädoyer für das Naturrecht

Von Dr. Gero P. Weishaupt

Am 22. September 2011 hielt das damalige Oberhaupt der Katholischen Kirche eine seiner denkwürdigsten Reden seines Pontifikates. Papst Benedikt XVI. hat sich in seiner Ansprache vor dem Deutschen Bundestag mit den Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats auseinandergesetzt.

Politik müsse „Mühen um Gerechtigkeit“ sein und so die Grundvoraussetzung für Friede schaffen. Voraussetzung ist die Anerkennung eines präpositiven Rechtes, das in der Wesensnatur des Menschen sein Fundament hat und mit dem Licht der Vernunft erkannt und von der Offenbarung im Licht des Glauben bestätigt wird. Glaube und Vernunft stimmen überein. 

Die Naturrechtslehre ist keine Eigenlehre der Katholischen Kirche, wie man irrtümlicherweise häufig meint und der Kirche entgegenhält. Naturrecht findet sich schon in der (paganen) Antike (Platon, Aristoteles, Cicero, Seneca, in der Anwendung bei konkreten Rechtsfällen der Römischen Juristen [Digesten bzw. Pandekten im Corpus Iuris Civlis], dann auch bei den griechischen Dramatikern, vor allem Sophokles (Tragödie: Antigone).

Zurecht schreibt darum Paulus in seinem Römerbrief:

„Wenn die Heiden (lies z.B. Platon, Aristoteles,  Sophokles, Cicero, Seneca etc.), die kein Gesetz haben, von Natur aus die Vorschriften des Gesetzes erfüllen, so sind sie, die kein Gesetz haben, sich selbst Gesetz. Sie zeigen ja, dass die Forderungen des Gesetzes in ihr Herz geschrieben sind, wovon auch ihr Gewissen Zeugnis ablegt und die Gedanken, die einander anklagen und verteidigen“ (Röm 2, 14 f.).

Von den 10 Geboten können das 4. bis 10 Gebot auch aus dem Naturrecht und damit aus der Vernunft abgeleitet werden. Um diese Gebote zu erkennen, bedarf es keiner Offenbarung. Glaube und Vernunft stimmen überein. 

Gesetze eine Staates sind gerecht, wenn sie Ableitungen aus dem Naturrecht sind. Einige Jahre nach der denkwürdigen Rede vor dem Deutschen Bundestag schuf der deutsche Gesetzgeber ein Gesetz, das die Ehe von Mann und Frau mit der Beziehung von gleichgeschlechtlichen Paaren rechtlich gleichstellt („Homoehe“). 2020 haben die Verfassungsrichter das Verbot „geschäftsmäßiger Sterbehilfe“ gekippt. 

Es sind nur zwei eklatante Beispiele aus jüngster Zeit, wie der deutsche Gesetzgeber und deutsche Richter nach wie vor – auch  nach der Rede von Papst Benedikt –  Naturrecht ignorieren und der Rechtspositivismus Blüten treibt.  

Dabei finden Menschenrechte wie Gleichheit und Selbstbestimmung ihr Fundament und ihre Grenze in der Wesensnatur des Menschen und des daraus abzuleitenden Naturrechts. Der Mensch findet sein Glück und seine Erfüllung nur dann, wenn er  „gemäß seiner Natur lebt“ und der Staat die dafür erforderlichen Gesetze schafft.

FORTSETZUNG des Beitrags mit Dokumentation der erwähnten Papstrede hier: https://www.kathnews.de/fuer-das-naturrecht-gegen-den-rechtspositivismus