Sind Fehlurteile gegen Juden unausrottbar?

Von Felizitas Küble

Die Webseite „Katholisches.info“ gehört zur traditionellen Richtung und veröffentlicht überwiegend Artikel über innerkirchliche Mißstände, Kritik an Papst Franziskus oder schreibt über aktuelle Ereignisse.

Bisweilen werden auch grundsätzliche Themen behandelt, z.B. die „Judenfrage“ aus theologischer Sicht. Nun wäre hiergegen nichts einzuwenden, wenn es dabei lediglich um das Aufzeigen von Unterschieden zwischen dem katholischen Glauben und dem nachchristlichen Judentum ginge.

Doch wie überall sollte zwischen Person und Sache unterschieden werden – selbstverständlich auch hier. Religiöse Differenzen berechtigen nicht zu Vor- und Fehlurteilen gegen Juden oder gar zu Pauschalurteilen gegen das „jüdische Volk“ insgesamt.

BILD: Die Menora (siebenarmiger Leuchter) in der Synagoge von Münster

Leider ist dies jedoch der Fall in einem dort veröffentlichten Beitrag von Dr. Friedrich Romig unter dem Titel „Consummatum est“ (Es ist vollbracht), womit auf das letzte Wort Christi – wie es das Johannesevangelium überliefert  – Bezug genommen wird.

Als Aufhänger für seine geradzu derb-judenkritischen Auslassungen dient dem österreichischen Autor das ambivalente und inhaltlich unausgegorene Buch des französischen Schriftstellers  Léon Bloy über die Juden. Angeblich habe Bloy seine 1892 publizierte Schrift Le Salut par les Juifs (Das Heil kommt von den Juden) als sein Hauptwerk angesehen. (Leider ist das Buch beileibe nicht so judenfreundlich, wie der Titel vermuten läßt.)

Teils zitiert Dr. Romig zustimmend aus dem Buch, teils fügt er eigene Ansichten dazu. Der Christusmord wird im Zwischentitel als „das größte Verbrechen der Menschheit“ bezeichnet. Die Ursünde bzw. den Sündenfall haben wir allerdings Adam und Eva zu verdanken – und deren Fall samt seinen (Erbsünden-)Folgen machte den Heilstod Christi überhaupt erst nötig.

Romig schreibt in Anlehnung an Bloy: „Kein Verbrechen, welches je in der Geschichte begangen wurde, ist für den Gang der Menschheit durch die Welt so einzigartig, ausschlaggebend, unvergleichlich, grauenhaft und vom Geist des Bösen inspiriert gewesen wie der vom jüdischen Volk begangene Mord an seinem König und Messias.“
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Einspruch, Euer Ehren! Die Hinrichtung Christi erfolgte erstens durch die dortige römische Obrigkeit. Zweitens drängte zwar die jüdische Obrigkeit in Jerusalem den Statthalter Pilatus zur Verurteilung Christi, aber jene Sadduzäer stellen nicht „das jüdische Volk“ dar, ebensowenig wie man Pilatus mit „dem römischen Volk“ gleichsetzen kann.
So wie sich Deutsche zu Recht gegen Kollektivschuld-Thesen wegen der NS-Diktatur wehren, so ist es ebenso ungerecht, Juden pauschal zu beschuldigen.
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Es folgen nun in Romigs Artikel einige dümmliche Bloy-Anekdoten (Judenmarkt in Hamburg) sowie dreiste Beleidigungen gegen „die“ Juden, die nicht zitierfähig, aber auch theologisch nicht weiter von Interesse sind.
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Nachdem reichlich polemischer Unfug abgespult wurde, heißt es dort weiter hinsichtlich der Juden:
„Im Heilsplan Gottes ist eine vorzeitige „Lösung“ oder „Versöhnung“ mit ihrem christlichen Gegenpart nicht vorgesehen, das jüdische Volk kann seine Schuld ohne Maßen nicht abdienen, ohne auf seinem Passionsweg den tiefsten Abgrund der Hölle zu durchschreiten und selbst immer wieder zum Brandopfer zu werden. Verblendet, verstockt und verdammt legt es Zeugnis ab für Gottes Gerechtigkeit und für den Erlöser, das Lamm Gottes, das es zu seinem Schlachtopfer machte.“
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Hier wird erneut völlig undifferenziert „das jüdische Volk“ attackiert, es wird sogar als „verdammt“ bezeichnet, obwohl der hl. Paulus in seinem Brief an die Römer genau diesen Vorwurf hinsichlich der nicht-christlichen Juden ausdrücklich ablehnt: „Hat Gott sein Volk etwa verworfen? – Das sei ferne!….Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das ER zuvor erwählt hat.“ (Röm 11,1 f).
Der Apostel hatte einige Abschnitte davor schon über Juden geschrieben: „Ich bezeuge ihnen, daß sie Eifer für Gott haben, nur fehlt die rechte Einsicht.“ (Röm 10,3) 
Der Autor unterscheidet nicht zwischen Bestrafung und Verwerfung, zwischen den Folgen der Sünde einerseits und Verdammnis andererseits. Das sind völlig verschiedene Ebenen. Der Untergang Jerusalems durch das Römische Reich war die von Christus vorhergesagte und von Gott zugelassene Auswirkung jüdischer Messiasverkennung, aber kein Zeichen der Verdammung.
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Paulus ermahnte damals seine Gemeinde in Rom eindringlich, sie solle sich nicht über Juden erhaben fühlen: „Erhebe dich nicht über die anderen Zweige“, vielmehr sei zu „bedenken“: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“ (Röm 11,19). – Der Alte Bund bzw. das Judentum ist die Wurzel, aus welcher das Christentum hervorging.
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Sodann folgt im Artikel auf „Katholisches.info“ unvermeidlich die alte Leier, als ob die Judenheit allgemein „Sein Blut komme über uns!“ gerufen hätte – in Wirklichkeit war es nur der in Jerusalem versammelte Straßenpöbel, also beileibe nicht alle Einwohner der Stadt, geschweige gar alle Juden oder auch nur die Mehrheit derselben; vielmehr handelte es sich um eine lose zusammengewürfelte Menschenmenge – und damit um eine kleine Minderheit innerhalb des damaligen Judentums.
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Natürlich weiß der Verfasser genau Bescheid, daß eine Umkehr zu Christus bei Juden angeblich nicht möglich ist: „Eher würde der aus der Bahn geworfene Erdplanet im Weltraum verglühen, als dass das jüdische Volk sich zum Christentum bekehrte.“
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Allerdings widerspricht ihm auch hier der hl. Apostel Paulus, der in seinem Römerbrief die endzeitliche Bekehrung „ganz Israels“ ankündigt („auf diese Weise wird ganz Israel gerettet“ – Röm 11,25).
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Wenig verwunderlich, daß der Autor für Fehlschläge in Geschichte und Kirchengeschichte wiederum Juden verantwortlich macht. So sei die Durchsetzung der „Aufklärung“ mit deren Absage an die Religion „in erster Linie jüdischem Denken zu verdanken.“  –  Merkwürdig freilich, daß sich viele Aufklärer (darunter auch der berühmte Voltaire)  – nicht zu vergessen die französischen Frühsozialisten – ausgesprochen antijüdisch äußerten, übrigens auch Karl Marx, der Begründer des Marxismus.
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Sodann weiß Dr. Romig zu melden: Die weitgehende Zerstörung der römisch-katholischen Kirche und des christlichen Glaubens ist dem jüdischen Einfluß auf praktisch alle christlichen Reformbewegungen zuzuschreiben.– Die „Reformation“ in Deutschland kann er damit aber wohl kaum gemeint haben, denn Martin Luther übertraf mit seiner derben Judenfeindlichkeit sogar noch gewisse Antijudaisten innerhalb der damaligen katholischen Kirche.
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Natürlich sind Juden aus Sicht des Autors auch verantwortlich für den Nahostkonflikt: „Die Gründung, Behauptung und Ausdehnung des Staates Israel im Nahen Osten hat zu einem „Clash“ der westlichen mit der islamischen Welt geführt, der nicht mehr zu befrieden ist.“ Und wie war das früher, als das Abendland schon im Frühmittelalter von Spanien her durch den Islam bedroht war, danach in Mittelalter und Neuzeit immer wieder (Lepanto, Wien etc)?!
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Mit diesen aggressiven Feldzügen muslimischer Horden hatten Juden überhaupt nichts zu tun. Der Islam  benötigt für seine Eroberungsgelüste keine Juden bzw. „Israelis“ als Widerpart; vielmehr ist der Imperialismus per Koran und durch Mohammeds kriegslüsternes „Vorbild“ in dieser politischen Religion verinnerlicht und gehört zu seinem Wesenskern.
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Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


Der Film „Die Passion Christi“ im Zwielicht

Von Felizitas Küble

Immer wieder erhält unsere Redaktion Anfragen von Lesern über Mel Gibsons Kassenschlager „Die Passion Christi“. Der Film, der nach seinem Kino-Erfolg auch in einigen TV-Sendern ausgestrahlt wurde, erntete im frommen Spektrum (ob katholisch oder evangelisch) größtenteils Zustimmung.

Der evangelikale Hänssler-Verlag brachte sogar einen großformativen Bildband mit farbigen Film-Szenen heraus, außerdem Videos, DVDs, Buchbroschüren etc.

Vielleicht war der Wunsch hier Vater des Gedankens, durch diesen Film möglichst an jene „Massen“ heranzukommen, die zwar gerne in die Kinos strömen, aber selten in die Kirchen. Der große Erfolg gab dieser Erwartung durchaus recht  – doch die Frage bleibt: Erfüllte der Film als solcher jene theologischen Maßstäbe, die aus christlicher Sicht unabdingbar sind?

Zunächst könnte man positiv festhalten, daß es gerade im Zeitalter eines allzu weich gezeichneten Jesus-Bildes, in dem unser Erlöser vorwiegend als Softy, Feminist, Weisheitslehrer und Sozialromantiker vorgestellt wird, nur gut sein kann, wenn die weniger „weichen“ Seiten der biblischen Botschaft zur Sprache kommen, vor allem der Opfertod Christi, sein Gehorsam bis zum Tod am Kreuz, das stellvertretende Sühneleiden Christi.

Gerade dieser Opfergedanke  –  und allgemein die Kreuzes-Theologie  –   wird in Katechese, Predigt und Liturgie leider immer mehr verdrängt, so daß hier tatsächlich Nachholbedarf besteht.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht

Insofern ist die Konzeption des Films, sich auf die Passion des HERRN zu konzentrieren, nicht unbedingt fehl am Platze sein. Gleichwohl enthält dieser Ansatz eine Reihe von „system-immanenten“ Gefahren und Schieflagen, denen der Gibston-Streifen auch tatsächlich zum Teil erlag. christus

Er wird vor allem dem inhaltlichen Anspruch des christlichen Glaubens nicht ausreichend gerecht. Mit einer kurzen Einblendung der messianischen Jesaja-Stelle („Er starb für unsere Sünden“) zu Beginn des Films ist es nicht getan. Insgesamt wird durch Ablauf und Gestaltung zu wenig verdeutlicht,  w a r u m  Christus so grausam leiden mußte. Das „Wie“ des Leidens steht vor allem im Vordergrund, weniger das „Warum“.

Der Film „ertrinkt“ geradezu in ausgewalzten Szenen voller Grausamkeiten, nicht allein beim Kreuzestod, vor allem bei der Geißelung Christi, die kein Ende zu nehmen scheint.

Man braucht kein „Sensibelchen“ sein, um die Frage zu stellen: Ist das „Zuglotzen“ bei dieser Zurschaustellung des Leidens Jesu mit der Ehrfurcht vor Gott noch vereinbar? Nicht ohne Grund hält sich das Neue Testament bei der „Berichterstattung“ über die Passion des Gottmenschen sehr zurück, sie verzichtet auf jede detaillierte Schilderung. Das gilt für alle vier Evangelien, ebenso für die Apostelbriefe usw.

Konnte Regisseur Mel Gibson, der zahlreiche Actionfilme gedreht hat, hier seinem persönlichen Hang nach gewalttätigen Szenen nicht widerstehen?

Zu viele außerbiblische Einflüsse

Das erwähnte Problem mag auch damit zusammenhängen, sich Gibson in seinem Passionsfilm nicht in erster Linie auf die Evangelien stützt, sondern auf Visionen der Ordensfrau Anna Katharina Emmerich sowie auf  eigenen Einfälle und Einblendungen , die zum Teil magisch-düster anmuten (zB. eine merkwürdige Mann-Weib-christusTeufelsgestalt als Versucher am Ölberg oder Christi „Beobachtung“ des sich versteckenden Verräters Judas).

Der Regisseur wäre gut beraten gewesen, sich strikt an die biblischen Vorgaben zu halten und eine Art Evangelien-Harmonie vorzunehmen   –  also das Wesentliche darzustellen, das sich aus den vier Evangelien ergibt.

Die Zeit, die durch den Verzicht auf ausgewalzte Grausamkeiten eingespart worden wäre, hätte Gibson sinnvoll einsetzen können, indem er die Auferstehung am Schluß nicht auf wenige Sekunden beschränkt, wie dies im Passionsfilm leider geschah. Nicht durch seinen Kreuzestod hat Christus sich als Gott erwiesen, sondern durch seine Auferstehung.

An einem Kreuz gestorben sind damals tausende von Opfern, aber auferstanden ist nur einer.

Was die Kritik betrifft, die von jüdischer Seite gegen den Film laut wurde, so ist diese teils berechtigt, teils überzogen. „Die Passion Christi“ ist durchaus nicht anti-semitisch, zumal durchaus ein differenziertes Bild der damaligen Juden    –  auch des Hohen Rates –  gezeigt wird.

Pilatus zu freundlich dargestellt

Gleichwohl können sowohl Juden wie Christen mit Recht daran Anstoß nehmen, daß der Film die Person des römischen Statthalters zu freundlich zeichnet.  Überspitzt gesagt erscheint nicht so sehr der Schmerzensmann Jesus, sondern eher Pilatus als der heimliche und eigentliche Held des Films. israeltag2

Christus wird als das bedauernswerte Opfer, als „Leidensknecht“ dargestellt, Pilatus hingegen fast als edler Philosoph, der sich tiefsinnig mit der „Wahrheitsfrage“ befaßt. In Wirklichkeit war er ein eiskalter, gewalttätiger Machtpolitiker  –  und seine Frage „Was ist Wahrheit?“ nicht philosophisch, sondern sarkastisch motiviert.

Auch die Gestalt der Gottesmutter erscheint in Gibsons Film nicht ganz gelungen: Positiv ist zweifellos, daß Maria in ihrem Mitleid mit dem göttlichen Sohn hervorgehoben wird, daß sie durch ihre Mütterlichkeit die Grausamkeit des Geschehens etwas ausgleicht. Doch ihre geheimnisvolle Bemerkung „Es geschehe also“ zu Beginn der Passion erweckt den Eindruck, als wisse sie über den Heilsplan Gottes zu diesem Zeitpunkt bereits bestens Bescheid.

Zudem ist es Christus selbst, der im Garten Gethsemane sein FIAT spricht: „Vater, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“  – Diese einzigartige Hingabe des Gottessohnes an den Vater bedarf keiner „Bestätigung“ durch die Madonna. Unbiblisch ist auch jene Szene, in welcher Maria dem Apostel Petrus seine Verleugnung Jesu vergibt und ihm versöhnend die Hand reicht. In Wirklichkeit war es der Auferstandene selbst, der seinem sündigen Jünger verzeiht.

Auch die Persönlichkeit des Johannes wirkt nicht besonders überzeugend; der Apostel erscheint als bleicher Jüngling ohne Format.

Göttliche Erhabenheit Christi wenig erkennbar

Abschließend stellt sich die Frage, ob der Film geeignet ist, im Zuschauer die Liebe zu Christus zu wecken. Dies darf bezweifelt werden. Bestenfalls mag eine Mischung aus Mitleid und „Betroffenheit“ hervorgerufen werden.

Die göttliche Erhabenheit und Würde Christi kommt in dem blutgetränkten Streifen nicht genügend zum Vorschein. Es wird auch nicht ausreichend deutlich, daß der Kreuzestod Jesu vor allem die Konsequenz seiner völligen Hingabe an den himmlischen Vater darstellt – und zugleich eine heilsmächtige Liebe zur verlorenen Menschheit ausdrückt.

Die Liebe des HERRN  – und nicht der Schmerz des Gekreuzigten – ist die Mitte des Christentums. Der christliche Glaube beruht nicht auf einem düsteren Dolorismus (Schmerzensfixiertheit), er basiert auf dem allgemeinen Heilswillen Gottes für alle Menschen. Christus hat der Menschheit das Tor zum Himmel geöffnet –  aber nicht erzwungen: eintreten in der Nachfolge Christi muß jeder selber.

Keine Frage: gefühlsbedingte Schnell-„Bekehrungen“ mögen durch diese Filmvorführung durchaus vorgekommen sein, diese besagen jedoch wenig. Unser christlicher Glaube beruht jedenfalls nicht auf Angst und Schrecken, auch nicht auf Schwärmerei und Gefühlsüberschwang, sondern auf den Heilslehren, die uns Bibel und Kirche verkünden  – dazu gehört zweifellos auch die klare  und nüchterne Warnung vor der Hölle, aber keine dramatisierende Panikmache.

Es mutet zudem etwas merkwürdig an, daß Gibsons Film auch in einigen muslimischen Staaten erlaubt war, dort sogar die Massen anzog. Was mag die rabiaten Christenhasser, die in jenen Ländern das Sagen haben, dazu bewogen haben, ihren Untertanen ausgerechnet „Die Passion Christi“ vorzuführen?  Schließlich bestreitet der Koran schlichtweg, daß Christus überhaupt am Kreuz gestorben ist.

Hat man dort diesen Film vielleicht in seiner „Ambivalenz“, in seiner Zwiespältigkeit und Problematik besser erkannt als so mancher schnell begeisterte Christ?

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.
 
Kontakt-Mail: felizitas.kueble@web.de

Über 1000 Gläubige kamen zur Karfreitags-Andacht in den Regensburger Dom

Mehr als 1000 Gläubige kamen am Karfreitag in den Dom, um mit ihrem Bischof Rudolf Voderholzer die Feier vom Leiden und Sterben Christi zu begehen. Die von Musik und Gebeten getragene liturgische Feier findet traditionell um 15 Uhr statt: der überlieferten Todesstunde Jesu.

Nach dem Gloria der Gründonnerstagsmesse wird die Orgel nicht mehr gespielt, gleichzeitig schweigen die Kirchenglocken. Man sagt, die Glocken flögen nach Rom…  Dom St Peter -Regensb.

Die Regensburger Domspatzen gestalteten den Gottesdienst musikalisch und sangen u.a. die Passionserzählung nach Johannes. Die Kirchengemeinde stimmte das Lied „O Haupt voll Blut und Wunden“ an. Darauf folgten die großen Fürbitten.

In der Karfreitagsliturgie enthüllte der Bischof das Kreuz und lud alle Gläubigen zur Kreuzverehrung ein.

Die dreifache Dimension des ECCE HOMO

In seiner Predigt stellte der Regensburger Oberhirte die Frage: „Was ist der Mensch? Wo ist der Mensch? Oder noch anders gefragt: Wo ist ein Mensch, der wirklich ganz und heil Mensch ist?“

Eine Szene aus der Johannes-Passion beantworte diese drängende Frage, erklärte der Bischof und bezog sich auf jene Stelle, wo Pilatus unseren HERRN  den Menschen mit Schilfrohr-Zepter und Mantel als Spottfigur präsentierte, indem er ausrief: „Ecce homo  –  Seht, da ist der Mensch“.

Drei Bedeutungsebenen ordnete Bischof Rudolf dieser Aussage zu. In der ersten drücke Pilatus aus: „Seht, da ist der Mensch: Da, habt ihr ihn. Macht mit ihm, was ihr wollt! Aber lasst mich endlich in Ruhe mit ihm. Ich will nichts damit zu tun haben“.

Aufgrund der Ahnung von Pilatus über die vermutliche Unschuld Jesu schwinge die zweite Ebene mit, in der er sich selbst und den anderen den Spiegel vorhalte: „Seht da – der Mensch. Ja, so ist der Mensch, so sind die Menschen. So gehen die Menschen miteinander um. Einen Unschuldigen verurteilen sie zum Tod, einen, der niemanden etwas zuleide getan hat“.

Die dritte und zugleich tiefste Dimension möchte sagen: „Seht, der Mensch“, wobei der Zyniker und Skeptiker Pilatus ahnungslos zum Propheten und Evangelisten wird, der die Wahrheit sagt, hob Bischof Rudolf Voderholzer hervor:

„Das ist der Mensch, das ist der wahre Mensch. Das ist wirklich der Mensch, nach dem du unterwegs warst, den du gesucht hast, der Mensch, der zeigt: so ist der Mensch gedacht. Dieser König im Narrengewand, in dem die ganze Erbärmlichkeit des Menschen zum Vorschein kommt, ist doch ein König“.

 Jesus Christus sei der, der seine göttliche Hoheit nicht dazu benütze, um für sich selbst dazu sein, sondern um von sich wegzugehen und auf die anderen zuzugehen. Nicht immer werde es gelingen, aber wo der Mensch auf den Spuren des HERRN lebt, mache er die Erfahrung: Wer sein Leben hingibt, gewinnt es. Wer nach dem Glück jagt, der verjagt es nur.

Es seien die Heiligen der Kirche,  die uns in die Wahrheit und Stimmigkeit der Nachfolge Jesu auchleuchten lassen uns mit ihrem Gebet begleiten, predigte der Bischof und stellte abschließend fest:

„In Christus Jesus hat Gott uns den Weg zu einem erfüllten Menschsein gezeigt, so dass wir das Wort ‚Mensch‘ und ‚menschlich‘ wieder verwenden dürfen, ohne rot werden und uns schämen zu müssen“.

Quelle (Text/Foto): Bischöfliches Presseamt Regensburg