Die hl. Ida und der Hirsch: Friedensstifterin zwischen Franken und Sachsen

Von Felizitas Küble

Etwa 30 Gläubige der altrituellen St.-Aegidii-Gemeinde in Münster pilgerten am vergangenen Samstag (22.6.) nach Herzfeld zur heiligen Ida, die als „Mutter der Armen“ seit 1200 Jahren vom Kirchenvolk verehrt wird. (Näheres über diese Wallfahrt mit Ida-Infos HIER.)

Nun wollen wir hier über den tieferen Sinn einer Legende berichten, die seit eh und je mit Sankt Ida verbunden ist:

Die Herzogin soll einen jungen Hirsch an einer Waldlichtung unter ihrem Mantel geborgen haben, der sich zu ihr flüchtete, als er von Jägern und Hunden verfolgt wurde. Die Jäger sahen Ida mit dem Hirsch und kehrten um.

Das zutrauliche Tier lagerte sich zu Idas Füßen und war so dankbar für seine Rettung, daß es nicht mehr von ihrer Näche wich und dauerhaft bei der Familienmutter – sie hat fünf Kindern das Leben geschenkt – geblieben ist. 

Aber nicht nur das: Der Hirsch soll auf seinem Rücken schwere behauene Steine über die Lippe zum anderen Ufer nach Herzfeld getragen haben – in Begleitung von Herzogin Ida, die dort ein Gotteshaus erbauen ließ und selber bei der Errichtung mithalf: Es handelt sich dabei um die älteste christliche Kirche Westfalens!

Als das karolingische Gotteshaus gebaut war, entstand im Laufe der Zeit ein Dorf um das Kirchlein und den dortigen Friedhof („Gottesacker“).

Herzfeld  – der ursprüngliche Name der Ortschaft lautet „Hirschfelder“ –  ist somit die älteste Pfarrgemeinde im Münsterland, gegründet von einer glaubensstarken Fürstin; sie und ihr Mann waren befreundet mit einem Priester Bertgerus, der als geistlicher Begleiter mit ihnen durchs Land zog und diesen Kirchenbau einsatzfreudig unterstützte

BILD: Die 1. Zeichnung zeigt, wie Ida den Hirsch vor Jägern und Hunden rettet – die 2. Zeichnung zeigt die Herzogin mit ihrem Hirsch im Gefolge auf dem Weg zu ihrem Kirchenbau (gemalt nach der Dachplatte des Ida-Schreins).

Bei der alten Sage vom geretteten Hirsch dürfte es sich um mehr als nur eine Anekdote handeln; vielmehr vor allem um eine tiefsinnige Symbolgeschichte, immerhin findet man den Hirsch sogar im Wappen des heutigen Städtchens Herzfeld:

Es geht bei der Legende letztlich um die Rolle Idas als Friedensstifterin zwischen Franken und Sachsen:

Damals herrschte ein 30jähriger Krieg zwischen den beiden verfeindeten Germanensstämmen. Die meisten Sachsen widersetzten sich hartnäckig der Christianisierung und hielten an ihren heidnischen Vorstellungen und Kulten fest.

Karl der Große versuchte teils auch mit Gewalt, die Sachsen zu bekehren. Zugleich kümmerte er sich aber auch um eine friedliche Missionierung dieses Volkes im östlichen Münsterland. Ida war seine Nichte und als sie ihm ihre Heiratsabsicht mit dem christlichen Sachsen Ekbert mitteilte, war der König (und spätere Kaisere) darüber höchst erfreut.

Allein schon durch die Ehe der fränkischen Grafentochter Ida mit Herzog Ekbert wurde ein Zeichen der Verständigung gesetzt, ein persönliches Signal der Versöhnung zwischen Franken und Sachsen gerade in der Kampfzeit beider Germanenstämme.

BILD: Unterhalb der heutigen Basilika in Herzfeld wurden 1975 Grundmauern der uralten Kirche ausgegraben, die einst von der hl. Ida errichtet wurde.

Ida zog von der Kölner Gegend, in welcher sie das Licht der Welt erblickt hatte, im Jahre 786 nach der Hochzeit zu Ekbert in die Lippe-Gegend auf seine Burg unweit von Osnabrück. Von dort aus beschützte das Ehepaar verfolgte Sachsen, wenngleich es oftmals „Heiden“ waren; sie kümmerten sich um Verwundete und Kranke.

Regelmäßig eilte Ida von ihrem Adelssitz zu den Armen in Herzfeld, ging dort mit ihrer Familie zur heiligen Messe und nahm sich der Bedrängten an.

Als ihr Mann im Jahre 811 starb, wurde er neben der von seiner Frau erbauten Kirche begraben. Ida ließ darüber einen Vorbau errichten und lebte dort als Witwe mit Gebet und guten Werken, sie versorgte Kranke und gab den Armen aus ihrem restlichen Vermögen, über das sie verfügen konnte, zu essen. 

BILD: Rechts die Herzfelder Kirche, ganz links ein hohes Storchennest, dazwischen die Lippe-Aue, an deren Bäumen sich heute ein Kreuzweg befindet. Den „grünen Weg“ ging der Legende nach auch St. Ida mit ihrem Hirsch zum Bau der Kirche.

Der Symbolgehalt der Hirsch-Legende liegt damit auf der Hand:

Der Hirsch versinnbildlicht die bedrängten Sachsen, die von „Jägern“  – den fränkischen Kriegern  – verfolgt wurden. Ida nimmt sie in Schutz – und so wächst ihr Vertrauen zu der katholischen Herzogin. Sie finden zum Christentum und helfen sogar mit, die Kirche in Herzfeld zu erbauen, indem sie über das Wasser „Steine schleppen“ hinüber zum anderen Ufer. 

Das Wasser gilt zugleich seit jeher ein Symbol für innere Reinigung, Taufe und Umkehr.

Über dem Eingang zum Grab der hl. Ida direkt an der von ihr gestifteten Kirche wurde ein Denkmal mit einem geschnitzten Bild errichtet, das die Herzogin mit dem Hirsch zeigt, der sich treuherzig zu ihren Füßen lagert – als wolle er gleichsam auch nach ihrem Tod am 4.9.825 nicht von seiner Beschützerin trennen.  

Tatsächlich ist auch diese Deutung zeichenhaft, denn das gläubig gewordene Sachsenvolk verehrte seine geliebte Herzogin, die heilige Ida, als Vorbild und Fürsprecherin, so daß ihre Grabstätte sich im Frühmittelalter zum ersten Wallfahrtsort Westfalens entwickelte.

Die Kirche würdigte und bestätigte dieses fromme Vertrauen der Gläubigen 155 Jahre später mit der Heiligsprechungs Idas durch Bischof Dodo von Münster am 26. November 980.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Prälat Imkamp kritisiert „vermerkelte“ Parteien

Von Felizitas Küble

Prälat Wilhelm Imkamp leitet seit Jahrzehnten die Wallfahrtsstätte Maria Vesperbild im Bistum Augsburg. In dem südbayerischen Pilgerort wird eine bodenständige, solide Marienverehrung gepflegt  –  also eine gediegene Frömmigkeit jenseits von Schwärmerei oder Wundersucht.

Direktor Imkamp (siehe Foto), der vor fünf Jahren vom Vatikan zum Apostolischen Protonotar ernannt wurde, geht zum Jahresende in den Ruhestand. 2013 wurde er zum ordentlichen Mitglied der päpstlichen Theologenakademie in Rom berufen. Der Geistliche gehört seit 2013 der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste an.

Er schreibt regelmäßig seine schlagfertigen Kolumnen in Tages- und Kirchenzeitungen, wobei er kein Blatt vor den Mund nimmt und bisweilen voll ins Schwarze trifft.

Auch in unserem CHRISTLICHEN FORUM haben wir seit Jahren mehrere Beiträge von ihm veröffentlicht.

Am 14. September erschien in der „Tagespost“ aus Würzburg ein aktueller Artikel Imkamps unter dem Titel „Katholiken vor der Wahl“. Darin heißt es:

„Gewissensfreiheit für Abgeordnete gibt es nur, wenn die oder der mehr oder weniger große Vorgesetzte es feierlich hervorholt, und das geschieht nur, wenn das Gewissensergebnis feststeht; das ist meistens der Fall, wenn ein moralischer Wert über Bord gehen soll.“

Damit spielt der Wallfahrtsdirektor wohl auf die kürzlich auf die Schnelle (auch mit Merkels Hilfe) durchgezogene Parlamensabstimmung zur „Ehe für alle“ an. 

Schon früher äußerte sich der Theologe skeptisch über eine wachsende „Entpersonalisierung des politischen Personals“:
„Politiker mit Ecken und Kanten sind selten  geworden“, beklagte er:Politiker müssen als Einzelpersönlichkeiten wahrgenommen werden und dürfen nicht in der Graugesichtigkeit einer politischen Klasse verschwimmen.“

Prälat Imkamp beschwert sich in seinem jüngsten Tagespost-Artikel zudem darüber, daß sittliche Zerfallserscheinungen bisweilen „von den Zeitgeist-Notaren in Karlsruhe abgesegnet“ werden, etwa als Abtreibung de facto zum Rechtsgut erklärt worden sei. Überdies erinnert er kritisch daran: „Soldaten dürfen Mörder genannt werden, Abtreibungsärzte nicht.“

Vor allem aber bemängelt der Geistliche eine zunehmende Arroganz sowie allzu geringe inhaltliche Unterschiede bei den etablierten, den „vermerkelten“ Parteien:

„Abtreibung, Homo-„Ehe“, Import von religiösen Konflikten, Schleichwege zur Euthanasie, vermerkelte Parteien, die sich fast nur noch durch die Gesichtsbehaarung ihres Spitzenpersonals unterscheiden, endlose Sonderzahlungen an die EU bilden die Grundlage für das Bewusstsein, moralische Großmacht zu sein.

Dieses neue, gemerkelte Selbstbewusstsein äußert sich in Belehrungen über Demokratie, Menschenrechte und unabhängige Justiz, ausgerechnet gegenüber Polen und Ungarn, gerne aber auch gegenüber dem amerikanischen oder russischen Präsidenten“.

Abschließend erinnert der Autor an die Aufrufe von Bischöfen in den USA, wonach Katholkiken die Befürworter von Abtreibung und/oder Homo-Ehe nicht wählen sollen.

Hier eine Auswahl der im CHRISTLICHEN FORUM veröffentlichten Beiträge von oder über Prälat Imkamp:
https://charismatismus.wordpress.com/2014/02/12/pralat-imkamp-erinnert-an-tapfere-geschiedene-die-auf-wiederheirat-verzichten/
https://charismatismus.wordpress.com/2013/03/27/wallfahrtsdirektor-imkamp-warnt-vor-personenkult-in-der-kirche-das-amt-ist-wichtiger-als-die-person/
https://charismatismus.wordpress.com/2011/10/31/pralat-wilhelm-imkamp-wir-brauchen-politiker-mit-ecken-und-kanten/