Studie der Universitätsmedizin Mainz: Pflanzen-Cocktail hilft gegen Katzenjammer

Eine Mischung aus Pflanzenextrakten hilft effektiv gegen Symptome, die durch übermäßigen Alkoholgenuss verursacht werden und sich meist am nächsten Tag als Kater zeigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Prof. Dr. Bernhard Lieb und Patrick Schmitt von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) durchgeführt haben.

Demnach wirkt ein Pflanzen-Cocktail aus Früchten, Blättern und Wurzeln, versehen mit Mineralstoffen und Vitaminen, gut gegen die häufigsten Kater-Beschwerden wie Kopfschmerzen und Übelkeit. Mineralstoffe und Vitamine alleine hatten keinen günstigen Effekt. „Unsere Ergebnisse machen deutlich, dass eine Intervention gegen Kater-Beschwerden auch eine klinische Signifikanz hat“, sagt Patrick Schmitt.

An der Untersuchung nahmen 214 Probanden im Alter zwischen 18 und 65 Jahren teil. Es handelt sich um die bislang größte Studie auf diesem Gebiet, die zudem nach den höchsten wissenschaftlichen Standards durchgeführt wurde.

Pflanzen-Combo aus Acerola, Kaktusfeige, Ginkgo, Silberweide und Ingwer getestet

Die Biologen wollten herausfinden, ob Kater-Symptome, die nach einem gemäßigten Alkoholkonsum auftreten, durch eine intensive Wasserzufuhr und die Einnahme von antioxidativen Nahrungsergänzungsmitteln und Pflanzenextrakten schwächer ausfallen. Schmitt hat dazu im Vorfeld auf der Basis von 600 Veröffentlichungen in Fachzeitschriften eine Formulierung aus verschiedenen pflanzlichen Substanzen entwickelt.

Dazu gehören Acerolakirsche, Kaktusfeige, Ginkgo, Silberweide und Ingwerwurzel, die für den Test mit Mineralstoffen und Vitaminen kombiniert wurden. Als Vergleich dienten ein Placebo und eine Mischung, die nur aus Mineralstoffen und Vitaminen bestand. Der Alkoholkonsum der Versuchsteilnehmerinnen und Versuchsteilnehmer im Rahmen des Experiments belief sich im Durchschnitt auf rund 1,6 Gramm Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht. Das entspricht bei einem Gewicht von 60 Kilogramm etwa 2,5 Liter Bier.

Hangover-Symptome fallen milder aus

Die Probanden konnten sich aussuchen, ob sie Bier, Radler, Weißwein oder Weißweinschorle trinken wollten. Sie erhielten jeweils vor und nach dem Alkoholgenuss einen vorgefertigten Drink der Pflanzenmischung, der Mineralstoff-Vitamin-Mischung oder das Placebo.

Wie sich zeigte, kamen die Versuchsteilnehmer, die den Pflanzen-Cocktail erhielten, am besten über die Runden: Im Vergleich zur Placebo-Gruppe war die Intensität der Kopfschmerzen um 34 Prozent geringer und Übelkeit war um 42 Prozent reduziert, Gleichgültigkeit beziehungsweise Apathie fiel um 27 Prozent schwächer aus und Ruhelosigkeit zeigte gegenüber Placebo eine Reduktion um 41 Prozent.

Studie erfaßt 47 Symptome von Durst bis Tinnitus und Lichtempfindlichkeit bis Impulsivität

Der Kontrollgruppe, die lediglich Mineralstoffe und Vitamine ohne den Pflanzenextrakt erhielt, erging es in etwa wie der Placebo-Gruppe, das heißt sie konnte keine positiven Effekte verbuchen. „Wir sehen also deutlich, dass die Pflanzenauszüge beim Alkoholabbau im Körper interagieren und damit bei der Vorbeugung oder Behandlung von Kater-Erscheinungen helfen beziehungsweise die Probleme lindern“, fasst Schmitt zusammen. „Die Pflanzenextraktmischung stellt nach gegenwärtigem Kenntnisstand die einzige wissenschaftlich belegte Möglichkeit dar, um gegen Kater-Beschwerden zu intervenieren.“

Alkoholkonsum führt nicht zu Dehydration (Wassermangel)

Schmitt, der die Studie im Rahmen seiner Masterarbeit an der JGU durchgeführt hat und nun über Naturstoffe aus Pflanzen gegen Antibiotika-resistente Keime promoviert, weist auf ein weiteres Ergebnis hin: Ein Flüssigkeitsverlust infolge von Alkoholkonsum ist de facto nicht festzustellen. „Das ist ein Mythos aus den 1950er-Jahren. Tatsächlich kommt es aber nicht zu einer Dehydration infolge von Alkohol.“

Die Studie hatte dazu die Flüssigkeitsaufnahme und Urinausscheidung verglichen. Für die Zukunft könnte sich der Biologe weitere Untersuchungen vorstellen, um aus den verschiedenen Pflanzenstoffen einen einzelnen Wirkstoff herauszufiltern, der für die positiven Effekte gegen Kater-Beschwerden hauptsächlich verantwortlich ist. „Dann könnte man aus einer Substanz eventuell auch ein Medikament herstellen“, meint Schmitt.

Quelle: Pressemeldung der Uni Mainz


Neue Homöopathie-Debatte bei der „taz“

Mit geradezu übermenschlicher Anstrengung versucht die taz, sich in die Gunst der Homöopathie-Gläubigen zurückzuschreiben, mit denen sich das grün-linksliberale Blatt im März angelegt hatte.

Auf den Heuler „Wahlfreiheit muss bleiben!“ am 12. Juli folgte jetzt die Kolumne „Ecce Homöopathie“ mit dem bereits grauenahnungsvollen Motto: Ich schreibe Menschen nicht vor, wie sie mit ihren Körpern umgehen sollen. Warum soll ich mich also über Globuli empören?

Muss man ja nicht – aber kompletten Bullshit sollte man vielleicht auch nicht unbedingt verzapfen

Die Denkfehler des Artikelchens fasst Natalie Grams in einem Twitter-Thread zusammen:

Denkfehler 1: Irgendjemand würde Homöopathie verbieten wollen. Nee. Wir klären auf, was sie wirklich ist. Wer sie dann für sich nutzen möchte – gerne. Auf eigene Kosten und am besten in jedem Supermarkt ganz frei erhältlich.

Denkfehler 2: Aufklärung heißt nicht Einschränkung der Therapiefreiheit, sondern echte freie Wahl.

Denkfehler 3: Homöopathie ist nicht ungefährlich. Vor allem dann, wenn eine richtige Therapie verzögert oder unterlassen wird. Von Begriff der Kindesmisshandlung oder Körperverletzung haben wir uns immer wieder distanziert.

Denkfehler 4: Das Recht auf selbstbestimmte Behandlung bleibt nur dann erhalten, wenn man die richtigen Fakten für eine freie Wahl kennt. Lässt man sich von den Verheißungen der Homöopathie verblenden, wählt man weder selbst noch frei.

Denkfehler 5: Die Fehler und Missstände der normalen Medizin machen die Homöopathie nicht wirksamer. Die Tatsache, dass wirkliche Medikamente als manchmal als schädlich erkannt werden, ist ein Hinweis, wie selbstreflektiert die Medizin ist. Im Gegensatz zur Homöopathie.

Quelle und FORTSETZUNG des Artikels hier: https://blog.gwup.net/2019/07/28/die-denkfehler-der-taz-wenn-sie-versucht-sich-wieder-bei-den-globuli-fans-einzuschleimen/


Gewerkschaft der Polizei (GdP): Transitzonen sind eine „Scheinlösung“

Als ein politisches Placebo, um den Zustrom an Flüchtlingen und Asylsuchenden zu bremsen, hat der stellv. Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, die von CDU und CSU angestrebten Transitzonen bezeichnet.

„An den Flughäfen funktioniert dieses Verfahren allein aufgrund der geringen Zahl der Personen, die dort durchgeschleust werden. An den deutschen Binnengrenzen würden sich sehr schnell Massenlager bilden, die kaum zu organisieren sind“, sagte Radek.

Es sei bedauerlich, dass aus den stundenlangen Beratungen der Koalitionsspitzen nichts anderes herausgekommen sei, als Scheinlösungen.
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Astronom Freistetter: Warum das Motto „Wer heilt, hat recht“ nicht rechtens ist

In der sog. „Alternativ-Medizin“, aber auch in esoterischen oder charismatischen Kreisen hört man immer wieder das Totschlag-Argument „Wer heilt, hat recht“, sobald kritische Anfragen einer Antwort bedürfen. shutterstock_114300748-140x94

Abgesehen davon, daß der Zweck bzw. Erfolg noch lange nicht automatisch die Mittel heiligt, ist dieser Grundsatz auch für sich allein betrachtet sehr fragwürdig.

Der Astronom und Publizist Florian Freistetter veröffentlicht regelmäßig Kolumnen in der österreichischen Tageszeitung „Standard“, so auch am 7. Juli 2015 online zu diesem Thema:  http://derstandard.at/2000018659912/Alternativmedizin-Wer-heilt-hat-recht?_blogGroup=1&ref=rec

Der Autor erklärt, daß bei diesem Spruch „Wer heilt, hat recht“ oft die Kausalität (Ursächlichkeit)  mit der Korrelation verwechselt wird, also der ungefähren Gleichzeitigkeit oder Nacheinanderfolge von Ereignissen.

Freistetter schreibt eingangs: Pillen-568x378

„Ist es nicht müßig, über Homöopathie zu diskutieren, Bachblüten zu kritisieren oder darauf hinzuweisen, dass all diese angeblichen Therapien mit echter Medizin nichts zu tun haben, wenn doch am Ende kranke Menschen wieder gesund werden? Wer heilt, hat eben recht und dabei interessiert es keinen, ob die „Schulmedizin“ mit der Methode ein Problem hat.“

Doch der simple Spruch, der auf den ersten Blick so einleuchtend erscheint, ist deshalb noch lange nicht beweiskräftig, wie der Astronom weiter ausführt:

„Denn es macht einen Unterschied, ob eine Therapie kausal für die Verbesserung des Zustands einer kranken Person verantwortlich war. Oder ob ein „Heiler“ einfach nur anwesend war, während eine Krankheit von selbst verschwand bzw. sich der Zustand aus Gründen, die nichts mit dem Heiler selbst zu tun haben, veränderten. Es handelt sich dabei um das klassische Problem von Korrelation und Kausation. Wir Menschen neigen dazu, Dinge, die zeitlich kurz hintereinander stattgefunden haben, automatisch in eine Ursache-Wirkung-Beziehung zu stellen.“

Man könne sich gewiß glücklich schätzen, so der Verfasser, wenn man sich nach einer alternativmedizinischen Behandlung besser fühle als vorher:

„Aber dass tatsächlich etwas stattgefunden hat, das den medizinischen Begriff „Heilung“ verdient, ist damit noch lange nicht belegt. Und schon gar nicht, dass irgendwer „recht“ hat. Denn selbst wenn wirklich eine echte Heilung eingetreten ist, ist nicht automatisch klar, ob sie auch genau aus den vom Heiler behaupteten Gründen passiert ist.“

Dazu kommt der psychologische Placebo-Effekt, der mancherlei Symptome zu lindern vermag, manchmal auch positiv auf die Krankheit selber wirkt, zumal er unsere Selbstheilungskräfte stärkt.
Zudem wird die Alternativ-Medizin oft ergänzend zur Schulmedizin angewandt, aber ein Erfolg dann gerne den Globulis, der Akupunktur oder der „Bachblüten“-Methode etc. zugeschrieben.

Mögliche Wirkung von Scheinmedikamenten: Placebo- und Nocebo-Effekt

Auch Pillen ohne Wirkstoff können wirksam sein…

Erwartungen, Ängste und Hoffnungen beeinflussen den Erfolg von medizinischen Behandlungen, im Guten wie im Schlechten. Sie können eine Zuckertablette so wirksam wie ein Medikament machen, aber die Wirkung eines Medikaments auch aufheben  –  und sogar Nebenwirkungen verursachen.

Zumindest laut einem Artikel im Standard entscheidet ein gutes Arzt-Patienten-Gespräch über die Wirksamkeit von Schmerzmitteln.

Bekommt ein Patient ein Medikament vom Arzt verschrieben, erwartet er meist, dass es ihm nach dessen Einnahme besser geht. Die Forschung zeigt, dass schon allein die Erwartung einer Besserung dazu beiträgt, sich gesünder zu fühlen, unabhängig von einem Wirkstoff.

Gibt ein Arzt seinem Patienten ohne dessen Wissen wirkungslose Zuckerpillen als Scheinmedikament (Placebo), wird sich der Patient in vielen Fällen ebenfalls besser fühlen. Mediziner nennen dieses Phänomen den Placebo-Effekt.

Nebenwirkungen durch Nocebo-Effekt

Der hat allerdings einen bösen Bruder, denn die Behandlung mit einem Scheinmedikament kann allein durch die Erwartung genauso wie bei einem echten Medikament auch Nebenwirkungen auslösen.

Wissenschaftler sprechen vom Noceboeffekt. Nocebo heißt übersetzt „Ich werde schaden“, im Gegensatz zu Placebo: „Ich werde gefallen“. Placebo und Nocebo beschränken sich aber nicht nur auf Tabletten ohne Wirkstoff.

Alles, was dem Patienten den Eindruck vermittelt, medizinisch behandelt zu werden, kann Placebo- und Noceboeffekte auslösen: ein Gespräch, Handauflegen, mit Nadeln piksen…einfach alles, was im Auge des Patienten nach Therapie ausschaut.

Quelle und vollständiger Text hier: http://www.medizin-transparent.at/nocebo-wenn-nichts-schadet


Homöopathie unter der Lupe: Die „Kügelchen-Medizin“ und ihr Placebo-Effekt

Von Bernd Harder

In der aktuellen Ausgabe von Bild der Wissenschaft (6/2013) findet sich eine Rezension des Buches  “Die Homöopathie-Lüge”.

Darin heißt es unter anderem:

„Lebendig und fesselnd beschreibt das Autorenduo, wie die Homöopathie trotzdem einen derartigen Siegeszug antreten konnte.

Den Weg dafür geebnet hat ein mächtiger Verbündeter: der Placebo-Effekt.

Denn die Homöopathie hilft tatsächlich  –  weil sie auf ausführliche Gespräche mit einem mitfühlenden Arzt setzt, auf Rituale beim Zubereiten der Mittelchen, auf den festen Glauben an die Wirkung und auf subjektive Erfahrungsberichte.

Da kann die Schulmedizin noch einiges lernen, betonen die Autoren.”

Um den Placebo-Effekt geht es auch in einem Beitrag, der heute bei dieausrufer erschienen ist.

Der Autor geht der Frage nach, ob der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) sich nicht in Deutscher Zentralverein für Placebo-Medizin umbenennen sollte:  „Die Abkürzung DZPM ginge nicht nur flüssiger über die Lippen als DZVhÄ, sie wäre auch ehrlicher, konsequenter.”

Quelle und Fortsetzung des Artikels hier: http://blog.gwup.net/2013/06/02/bekennen-sich-die-homoopathen-endlich-zum-placebo-effekt/