Web-Portal der Bischofskonferenz beklagt wachsende Schelte an Papst Franziskus

Von Felizitas Küble

„Katholisch.de“ ist die amtliche Webseite der Deutschen Bischofskonferenz. Mit theologisch konservativen Anwandlungen ist hier also nicht zu rechnen.

Am heutigen Dreikönigs-Fest fühlt sich das Portal zur mannhaften Verteidigung des Papstes aufgerufen  –  ein Vorgang, den man unter dem Pontifkat von Benedikt XVI. dort nicht gewohnt war, was erst recht für die linkskatholische Zeitschrift „Publik Forum“ gilt.

Foto: Radio VatikanUnter dem Titel „Soll der Reformpapst niedergemacht werden?“ schreibt Thomas Seiterich über die „Papstkritik von Konservativen“. Der Autor ist Redakteur von „Publik Forum“.

Der Verfasser beklagt Versuche, den „Reformpapst“ Franziskus „niederzumachen“, was hoffentlich nicht gelinge. Sogar die katholische Zeitung „Tagespost“ (DT) beteilige sich an dem kritischen Treiben, nachdem der Papst laut DT drei Mitarbeiter der Glaubenskongregation ohne Angabe von Gründen entlassen hat.

Der Autor ist sich nun sicher: „Eine so massive kirchliche Kritik am Pontifex gab es noch nie seit 1870, als sich die Kirche beim Ersten Vatikanischen Konzil neu aufstellte.“

Die Zeiten werden aus Seiterichs Sicht zunehmend trister: „Der Papst hat es immer schwerer. Denn nur wenige stehen ihm im Ringen um Öffnung und Barmherzigkeit der Kirche so klar bei wie Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.“

Jörg Ascherl schreibt auf diesem Portal in seinem Leserkommentar u.a.:

„Es mag gut sein, dass es noch nie so eine massive Kritik an einem Papst seit 1870 gegeben hat. Völlig grundlos? Es geht bei der Kritik (…) um die Fundamente des Glaubens, um die Gebote Gottes.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche, der Garant der Einheit sein sollte, ist entweder nicht fähig oder willens, diese Kritik zu widerlegen. Ich persönlich habe den Eindruck, dass die Kirche unter Franziskus in einem nie dagewesen Tempo zerbröckelt. (…)

Ich kann diese ewigen, inzwischen inhaltsleeren Worthülsen von „Barmherzigkeit“ (Gleichgültigkeit?) und „jesuitischer Seelsorge“ langsam nicht mehr hören.
Hoffentlich hat Papst Franzikus noch bessere Verteidiger als Kardinal Marx an seiner Seite.“

Quelle für die Zitate: http://www.katholisch.de/aktuelles/standpunkt/soll-der-reformpapst-niedergemacht-werden

Foto: Radio Vatikan

 


Statt einer inhaltlichen Antwort beklagt sich der Papst über „böswillige“ Widerstände

Von Felizitas Küble

Die diesjährige Weihnachtsansprache von Papst Franziskus am 22. Dezember vor der vatikanischen Kurie wiederholte zwar nicht die „15 Krankheiten“, die der Papst seinen Mitarbeitern  – darunter vielen Kardinälen   –  noch vor zwei Jahren vorgehalten hatte, doch auch diese jetzige Rede enthielt wieder einigen „Sprengstoff“.    Radio Vatikan
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Äußerlich ging es um den weiteren Fortgang der vom Pontifex angestoßenen Kurienreform, die angeblich eine Vereinfachung und Verschlankung der vatikanischen Verwaltung anstrebt.
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Doch der Umbau der Kurie ist weitaus weniger umstritten als die theologische Richtung des Papstes, insbesondere im Hinblick auf sein Schreiben „Amoris laetitia“, das den Eindruck erweckt, als öffne es eine (Hinter-)Tür zugunsten der Kommunion für Katholiken, die geschieden und wiederverheiratet sind, womit sie die erste und allein gültige Ehe brechen. Eine solche Erlaubnis widerspräche aber der kirchlichen Lehrtradition und auch den klarstellenden Äußerungen der vorigen Päpste.

Vier emeritierte Kardinäle  – darunter der amerikanische Kurienkardinal Raymond Leo Burke (siehe Foto)  –  hatten dem Papst in einem Schreiben ihre „Dubia“ (Zweifel) vorgetragen, die sich auf Amoris laetitia beziehen und von ihm Klarheit hinsichtlich einiger Punkte erbaten. Nachdem Franziskus monatelang nicht antwortete, haben die sorgenvollen Kirchenmänner ihren Brief veröffentlicht. (Daß dies ihr gutes Recht ist, haben andere Kardinäle bekräftigt, zB. Martino: https://charismatismus.wordpress.com/2016/12/18/kardinal-martino-es-waere-gerecht-wenn-der-papst-den-vier-dubia-kardinaelen-antwortet/)Burke-EWTN-Foto

In seiner Weihnachtsansprache sprach der Papst nun von einer notwendigen Reform der Kirche, die kein Selbstzweck, sondern ein „Prozess des Wachstums“ sei, vor allem aber „der Bekehrung“. Anscheinend meinte er damit vor allem seine theologisch konservativen Kritiker, denn er fuhr fort, daß Hürden auf dem Weg der Veränderung zwar „normal, ja heilsam“ seien.

Aber neben Ängstlichkeit, Trägheit und konstruktiver Kritik gäbe es auch „böswillige Widerstände“, die aus einen „verqueren Geist“ kämen. Diese Verweigerung von Reformen verstecke sich hinter „rechtfertigenden und in vielen Fällen anklagenden Worten und flüchtet sich in Traditionen, Schein, Formalitäten, in das Bekannte.“

Auf „Katholisch.de“, der amtlichen Webpräsenz der Deutschen Bischofskonferenz, heißt es direkt nach diesem Zitat:

„Konkreter wurde der Papst nicht. Die vernehmlichste Kritik an seiner Amtsführung betraf zuletzt Auslegungsunsicherheiten in seinem Schreiben „Amoris laetitia“, wo es um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen geht. Dies ist nun eine Frage von Moral und Recht, und darauf bezieht sich auch Burke, der mit anderen Kardinälen eine Klarstellung des Papstes fordert.“

Somit kommt auch dieses offizielle Portal bei der päpstlichen Äußerung über „böswillige Widerstände“ sofort auf dieses Dubia-Schreiben der Kardinäle zu sprechen, das allerdings völlig sachlich und ohne jede anklagende Schärfe daherkommt  –  von Böswilligkeit keine Spur!

Somit stellt sich die Frage, warum dieser Papst, der so viel von Barmherzigkeit tönt, es selber nicht einmal schafft, die einfachsten Grundsätze von Fairneß und Gerechtigkeit gegenüber einer konstruktiven, ernst zu nehmenden Sachkritik einzuhalten, indem er statt einer inhaltlichen Antwort, die er seit Monaten verweigert, ebenso unberechtigte wie beleidigende Seitenhiebe austeilt.

Quelle für die Zitate: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/wohin-der-papst-will

 

 


Kardinal Gerhard Müller: Benedikts Regensburger Rede war eine „Sternstunde“

Vor gut zehn Jahren, am 12. September 2006, hatte Papst Benedikt mit seiner sogenannten „Regensburger Rede“  –  einer Vorlesung an der dortigen Universität  –  eine breite Debatte und massive Proteste in der islamischen Welt ausgelöst, wobei die türkische Regierung eine Entschuldigung forderte. Er hielt diese Ansprache während seines fünftägigen Besuches im Freistaat Bayern. AL-0004

Dabei ging es dem Pontifex in seinen Ausführungen nicht in erster Linie um das Thema Islam als solches, sondern vor allem um den positiven Zusammenhang von Glaube und Vernunft (fides et ratio), wenngleich er dabei eine islamkritische Äußerung des byzantinischen Kaisers Manuel II. zitierte. (Der mittelalterliche Regent hatte  gegenüber einem islamischen Gelehrten gesagt: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden, wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“)

Benedikt beleuchtete dabei nicht allein des Islam kritisch, sondern durchaus auch jene theologischen Entwicklungen, die es auch innerhalb der Christenheit gab, welche die Religion von der Vernunft bzw. philosophischen Fundamenten ablösen wollten, zB. der Nominalismus oder Fideismus. Beide Strömungen konnten sich aber in der katholischen Kirche nicht durchsetzen.

Der deutsche Kurienkardinal Gerhard Müller hat gestern in Regensburg jene bekannte Rede Benedikts als „Sternstunde der großen deutschen Universitätstradition“ gewürdigt. 

Die Vorlesung sei „das rechte Wort, zur rechten Zeit, am rechten Ort“ gewesen, erklärte der Präfekt der römischen Glaubenskongregation. Der Pontifex habe damals geradezu prophetisch gesprochen, als er diese vieldiskutierten Themen ansprach, deren Aktualität sich heute deutlich erweise.  

Foto: Bistum Regensburg

 


Die neue Enzyklika „Laudato si“ beinhaltet eine „Theologie der Schöpfung“

Mathias von Gersdorff

Die neue Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus ist ein langer und komplexer Text, der einen umfangreichen Sachverhalt behandelt. Es geht nämlich nicht nur um die Umwelt, sondern generell um die Schöpfung, die Absichten Gottes mit dieser  –  und wie der Mensch ihr gegenüber steht. Vat_Flagge
Das behandelte Thema ist nicht nur sehr breit gefächert, das Rundschreiben will auch konkrete Empfehlungen geben und einen dezidiert aktuellen Bezug bieten.

All das in einem einzigen Text unterzubringen, ist alles andere als leicht. So gesehen liegt es nahe, dass „Laudato si“ stellenweise schwer verständlich oder sogar widersprüchlich erscheint.

Hier sollen einige allgemeine Bemerkungen vorgetragen werden:

Der Text enthält viele Gedanken aus natur-, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Studien. Eine davon ist die Theorie, dass die Erderwärmungen insbesondere von der menschlichen Aktivität (Produktion, Heizung, Klimaanlagen usw.) verursacht werden.

Oft wurde angemerkt, dass derartige Aussagen nicht in die Autorität eines Papstes fallen, denn sie betreffen weder Glaube noch Moral. Diese Bemerkung ist richtig. Radio Vatikan

Doch sollte man bedenken, dass ein päpstliches Dokument auch nicht in einem zeitlichen Vakuum entsteht: Aussagen zu Glaube und Moral werden meistens getroffen, weil es wichtige technologische, politische oder ökonomische Veränderungen gab.

So ist es üblich, dass die Päpste in den jährlichen „Botschaften zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel“ auf die Gefahren für die Sittlichkeit hinweisen, die aufgrund der rasanten technologischen Entwicklung der Medientechnologie (Kabel, Internet, Fernsehen usw.) entstehen.

Ungewöhnlich allerdings ist, dass sich ein Papst dermaßen dezidiert auf die Seite einer bestimmten Gruppe von Wissenschaftlern schlägt, denn es gibt unterschiedliche Auffassungen über die Ursachen der Erwärmung. Möglicherweise wurde das Beraterteam zu einseitig ausgewählt.

„Laudato si“ enthält viele Passagen, die so etwas wie eine „Theologie der Schöpfung“ bilden. Für den theologisch interessierten Leser sind diese die wichtigsten, doch auch diejenigen, die am meisten einer weiteren Erklärung bedürfen.

Was heißt zum Beispiel, dass wir alle eine Art „Familie von Geschöpfen“ sind? Was bedeutet konkret, dDr. Pelz.ass wir in den Geschöpfen ihren eigenen Wert erkennen sollten? Dass der Mensch verantwortungsvoll mit der Schöpfung umgehen soll, ist ja nicht neu. Ebenso wenig die Tatsache, dass er gegenüber der Schöpfung eine bewundernde Haltung einnehmen sollte, denn die Geschöpfe spiegeln Eigenschaften Gottes wider.

Selbst der einfachste Mensch wurde von Gott erschaffen mit einer Intention und spiegelt etwas, was absolut in Gott selbst ist. Doch das sind keine besonders neuen Erkenntnisse. Insofern bedarf „Laudatio si“ einer weiteren Auslegung.

Besonders augenfällig ist, dass diese Enzyklika ein neues Selbstbewusstsein des römischen Pontifex dokumentiert: „Laudato si“ spricht mit Autorität ein Thema an, das weltweit von Bedeutung ist. Der Gestus des Textes klingt autoritär und ermahnt die gesamte Menschheit, vor allem Politiker, internationale Organisationen, internationale Konzerne an.

Um ein Dokument mit einem solch rigiden Ton zu finden, der auch politische Beachtung anstrebt, muss man weit in der Geschichte zurückblicken: Während des Dreißigjährigen Krieges wandte sich der Papst an die Könige in dieser Form, denn er hatte die Möglichkeit gesehen, die Christenheit wieder zu einigen. Doch das war eher ein Intermezzo.

Einen dermaßen universellen politischen Anspruch findet man systematisch bei den Päpsten der cluniazensischen Reformbewegung ab Gregor VII. bis etwa Innozenz III. Wie kein anderer dominierte letzterer die Weltpolitik. Ob Franziskus einen solchen Rang erhält, bleibt abzuwarten.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und die Webseite „Kultur und Medien online“

Fotos: Radio Vatikan,  Archiv


USA: Kardinal George wünscht mehr Klarheit bei päpstlichen Aussagen

Kardinal Francis George  – bis vor kurzem Erzbischof von Chicago  – hat sich jetzt in einem Interview darüber geäußert, daß Papst Franziskus insgesamt mehr Eindeutigkeit und Klarheit in seinen öffentlichen Äußerungen an den Tag legen sollte.  cardinalgeorge_810_500_55_s_c1

Gegenüber dem „Boston Globe“ räumte der Würdenträger ein, daß er die Besorgnis mancher Menschen hinsichtlich widersprüchlich erscheinender Stellungnahmen des Pontifex nachvollziehen könne. Allerdings könne er insgesamt kein Verlassen der überlieferten Lehre durch den Papst erkennen.

Es gehe, erläuterte der 77-jährige Kardinal (siehe Foto), beim Petrusamt um das „Charisma der Einheit“, das sich nicht auf die Person des Papstes beziehe, sondern als eine Einheit um Christus, das Haupt der Kirche, anzusehen sei.

Hinsichtlich der außerordentlichen Bischofssynode über die Familie, die im Oktober in Rom stattfand, erklärte der Erzbischof, es sei besser, wenn Franziskus selber einige diesbezügliche Unklarheiten richtigstelle, als wenn seine Verteidiger damit behelligt seien, eine zutreffende Auslegung für Papst-Äußerungen zu finden. 

Der Kardinal fragte, ob der Pontifex „nicht die Konsequenzen und Auswirkungen einiger seiner Stellungnahmen oder sogar seiner Handlungen realisiere“, welche „Zweifel im Denken der Menschen hervorrufen“.

Quelle für Zitate und das Foto: https://www.lifesitenews.com/news/cardinal-george-on-pope-francis-why-doesnt-he-clarify

 


„Heiliger Vater Franziskus, wir heißen Dich willkommen!“

Pressemitteilung des ZpV (Zusammenschluß papsttreuer Vereinigungen):

Die papsttreuen Vereinigungen begrüßen aus ganzem Herzen und mit voller Bereitschaft unseren neuen Papst!

Wer den Staub der medialen Kaffeesatzleserei der letzten Wochen von seinen Füßen geschüttelt hat, dem fällt vielleicht das  –  leicht abgewandelte –  Wort von Psalm 139 (138), 5 ein: „Von rückwärts und vorne schließt Du ihn ein, und Du legst auf ihn Deine Hand.“    3_0_673148

 Die Spekulationen um den Kurs des neuen Pontifex haben schon in seinem programmatischen Namen einen Dämpfer erfahren. Der Anwalt der Armen wird mit Sicherheit keine politische Theologie neu auflegen.

Das wichtigste Gestaltungselement zur Rettung der Kirche war für den hl. Franz von Assisi der Gehorsam gegenüber dem Papst, dem er sich bedingungslos unterworfen hat, und die Liebe zum gekreuzigten HERRN und Seiner Kirche. So war denn auch in den Kommentaren und der Laufschrift unter den Bildern in CNN dieser Aspekt besonders hervorgehoben.

Und ein Weiteres: Herausragender Aspekt der zu erwartenden Arbeit des Heiligen Vaters wird sein: „Rebuilding the Catholic Church“, der Wiederaufbau der katholischen Kirche, und „back to the roots“, zurück zu den Wurzeln.  

Theologisch hat unser emeritierter Heiliger Vater dazu die Grundlagen gelegt, zur Realisierung fühlte er sich nicht mehr stark genug. Kardinal Jorge Mario Bergoglio war in Buenos Aires dafür bekannt, daß er seine Ziele mit Beharrlichkeit und Festigkeit durchgesetzt hat  –  beste Voraussetzungen für die Nachfolge Benedikt XVI.!

Die zeitangepassten Medien können sich nicht genug tun mit Erwartungen von modernistischen Reformen an den neuen Papst. Doch die Kirche, der ihr HERR verheißen hat, daß sie nicht untergehen wird, bedarf nur einer Reform: Zurück zu den Grundlagen, der basics!, wie in CNN immer wieder betont wurde. 1521 - Kopie (2)

Der erste Auftritt des neuen Pontifex vor den Katholiken auf dem Petersplatz in Rom und via Television vor der Welt konnte bescheidener nicht sein: Papst Franziskus demonstrierte klar und deutlich, daß er im Wesen bescheiden ist und im Auftreten bleiben wird.

Seine ersten Worte zeigten aber schon klar die Linie seines Pontifikates: Er wird an Lehre und Verfassung, an den Normen der katholischen Kirche nichts ändern, was gegen die göttlichen Gebote spricht.

Und er wird den Kurs seiner Vorgänger beibehalten, ob hinsichtlich des Frauenpriestertums oder -diakonates, des Zölibates, der sog. Homo-Ehe, der Wiederverheiratung Geschiedener  –  oder welches die Reizthemen für die „Kirche von unten“ auch sein mögen.

Dafür danken wir dem Heiligen Vater schon jetzt und sprechen ihm unsere uneingeschränkte Solidarität aus!

Bonn, 14. März 2013

Reinhard Dörner, Vorsitzender


Kardinal Bergoglio ist neuer Pontifex der katholischen Weltkirche: Papst Franziskus

Der 76-jährige Jesuit gilt als moraltheologisch konservativ

Die katholische Kirche zeigte wieder einmal, daß sie für Überraschungen gut ist, denn der Hl. Geist und die Kardinäle wählten am 13.3.13 (das Datum kann man sich gut merken) einen Bischof zum Papst, mit dem kaum jemand rechnete und der nicht zu den „Favoriten“ im Kandidatenkarussell der Medien zählte:

Der 1936 in Argentinien geborene Jorge Mario Bergoglio ist jetzt das neue Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken; er ist der erste Papst aus Amerika; zugleich ist er der erste Jesuitenpater aller Zeiten auf dem Stuhl Petri. Zudem wählte er als erster Papst den Namen „Franziskus“.

Bislang wirkte Kardinal Bergoglio als Erzbischof von Buenos Aires, der Hauptstadt Argentiniens.  

Foto: Vatikan-HP

Foto: Vatikan-HP

Seine Eltern stammen ursprünglich aus Nord-Italien, sein Vater war Eisenbahner. Jorge Mario hatte vier Geschwister und ging zunächst auf eine technisch-chemische Schule, er war in seiner Jugend verlobt  –  und entschied sich danach mit 21 Jahren für das Priestertum.

Er studierte in Chile und Argentinien Philosophie und Theologie. 1969 wurde er zum Priester geweiht und lehrte dann an einer theologischen Hochschule. Nachdem er bis 1979 als Jesuitenprovinzial in Argentinien wirkte, verbrachte er 1980 einige Monate in Deutschland (Jesuiten-Hochschule St. Georgen),  weshalb er neben Spanisch und Italienisch auch Deutsch spricht.

Anschließend wirkte er als Beichtvater und Spiritual an der Jesuitenkirche von Cordoba, später als Weihbischof in Argentinien. 1997 ernannte Johannes Paul II. ihn zum Erzbischof von Buenos Aires. Bis 2011 war er zugleich Vorsitzender der argentinischen Bischofskonferenz, außerdem zuständig für die Gläubigen des orientalischen Ritus (östliche Liturgie); er wurde im Vatikan u. a. Mitglied der Gottesdienst-Kongregation. 

Bergoglio pflegte auch als Spitzenmann der Kirche weiter einen schlichten, bescheidenen Lebensstil (daher gilt er als „Kardinal der Armen“) – er lebte in einer einfachen Wohnung, kochte selber und fuhr mit der U-Bahn zur Arbeit.  

Seine unauffällige, einfache Haltung kombiniert er mit einer deutlichen konservativer Ausrichtung in theologischen und sittlichen Fragen:

Der Jesuit Bergoglio wendet sich glasklar gegen Abtreibung (auch im Falle einer Vergewaltigung). Er lehnt zudem die Einführung der „Homo-Ehe“ entschieden ab:  Als beispielsweise der Priester Nicolás Alessio öffentlich die homosexuelle Lebensweise guthieß, wurde er seines Amtes enthoben. Zudem schickte der Kardinal deutliche Grußworte für Kundgebungen gegen die „Homo-Ehe“ in Argentinien.

Die eher linksliberale „Augsburger Allgemeine“ schreibt heute online über den neuen Papst:   

Foto: Vatikan

Foto: Vatikan

„Mit 76 Jahren und seiner etwas gebrechlichen Gesundheit ging Jorge Mario Bergoglio in die neue Papstwahl eher als Außenseiter unter den Favoriten. Doch mit der Verbindung äußerst konservativer Auffassungen über Sexualmoral, Abtreibung, Kondome und Homosexualität mit einem schlichten Lebensstil überzeugte der italienisch-stämmige Argentinier, der in Deutschland studierte, viele Vatikanbeobachter.“

Die österreichische Homosexuellen-Seite „ggg.at“ beschwerte sich bereits im Juli 2010 über den argentinischen Erzbischof und dessen Einsatz gegen die Homo-Ehe:

„So warnte Kardinal Jorge Bergoglio in einem Brief an die Klöster des Landes: „Lassen Sie uns nicht naiv sein, wir sprechen hier nicht von einem einfachen politischen Kampf“, erklärte Kardinal Jorge Bergoglio. „Dies ist ein zerstörerischer Anlauf gegen den Plan Gottes. Wir sprechen nicht von einem Gesetzentwurf, sondern von einer Intrige des Vaters der Lügen, die die Kinder Gottes verwirren und hinters Licht führen soll.“

Zurück zur heutigen Papstwahl, die nach einem kurzen Konklave von nur zwei Tagen erfolgte:

Um 20,12 Uhr verkündete Kardinal Tauran heute mit der traditionellen Formel den neuen Pontifex: „Annuntio vobis gaudium magnum: Habemus Papam! Eminentissimum ac reverendissimum dominum, dominum  Sanctæ Romanæ Ecclesiæ Cardinalem Jorge Mario Bergoglio, qui sibi nomen imposuit Franziskus.“

Das heißt auf deutsch:  „Ich verkünde euch eine große Freude: Wir haben einen Papst! Seine Eminenz, den hochwürdigsten Herrn der Heiligen Römischen Kirche, Kardinal Jorge Mario Bergoglio, der sich den Namen Franziskus gegeben hat“.

In einer kurzen Ansprache, die mit den schlichten Worten „Guten Abend“ begann und mit „Gute Nacht, ruht euch aus“ beendete, gedachte er seines Vorgängers Papst Benedikt  –  und betete gemeinsam mit dem Kirchenvolk das Vaterunser und das Ave Maria.

Der neue Pontifex (= Brückenbauer) namens Franziskus scherzte, als er heute auf den Balkon des Apostolischen Palastes trat: Es scheine so, als hätten die Kardinäle am Ende der Welt gesucht, um den neuen Papst zu finden. „Da sind wir nun“, meinte er mit einem schüchternen Lächeln.

„Ich bitte euch, für mich zu beten“, sagte der Nachfolger Petri bei seiner Ansprache auf dem Balkon des Petersdoms. „Diesen Weg werden wir gemeinsam gehen, Bischof und Volk.“

Am Abend hatten sich zuvor trotz strömenden Regens über 100.000 Pilger aus aller Welt auf dem Petersplatz versammelt und erlebten live, wie der weiße Rauch  um 19.07 Uhr aus dem berühmtesten Schornstein der Welt hervorkam. Die Glocken des Petersdoms läuteten, die Gläubigen sangen, jubelten und schwenkten begeistert ihre nationalen oder religiösen Fahnen.

Franziskus I., der bescheiden und sympathisch wirkt, spendete der Stadt Rom, dem Kirchenvolk und dem ganzen Erdkreis seinen päpstlichen Segen „urbi et orbi“.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster