Der neue Kinofilm über Papst Benedikt erweist sich als vertane Chance

Von Dr. David Berger

Kürzlich hatte ein neuer Film über Papst Benedikt XVI, der unter dem Titel „Verteidiger des Glaubens“ Ende des Monats in die Kinos kommt, in Berlin seine Kimopremiere.  Leider schreibt er nur die üblichen Stereotype fort, reduziert das Pontifikat weitgehend auf den Missbrauchsskandal und erweist sich am Ende als einzige vertane Chance.

Als Ehrengast mit geladen war auch der Präsident des umstrittenen Zentralkomitees der Katholiken, Sternberg, der in der anschließenden Diskussion in seiner Begeisterung für den Film überhaupt nicht zu bremsen war.

Der Film ist zwar frei von heftigen Provokationen, scheint wie gemacht für das Ü-60-Publikum des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der den Film finanziell gefördert hat. Erregungsgefahr geht von ihm weder in die eine noch in die andere Richtung aus.

Er gibt im Grund genommen nur – freilich mit teilweise sehr interessanten Archivbildern – wieder, was in den deutschen Mainstreammedien seit 2010 über Benedikt XVI. zu lesen war. Und so verwundert es auch nicht, dass hier wie dort fast ausschließlich Menschen zu Wort kommen, die Ratzinger bzw. Papst Benedikt und die Kirche, für die er steht, weich bis hart kritisieren.

Ein Ausnahme macht hier ein Interview mit Msgr. Gänswein, der in dem Film immer mal wieder mit einem klugen Statement auftaucht.

Auch dass der Blick auf das ganze Pontifikat vom Missbrauchsskandal geprägt ist, dürfte für die Leser von taz und „Zeit“ kaum verwunderlich sein.

Oder um die Botschaft des Filmes kurz zusammenfassen: Papst Benedikt steht für die vor-konziliare Kirche der Ordnung, die aber zugleich unmenschlich war und nur mit der Angst vor der Hölle arbeitete. Anfangs sei er ganz vernünftig gewesen, bis er aus lauter Schock über die Studentenunruhen in den 68-er Jahren eine komplette Kehrtwende gemacht habe und zum erzkonservativen Inquisitor und dann später zum tragischen Papst geworden sei.

Wenn es eine Sache gibt, die man dem Film nicht vorwerfen kann, dann ist es übergroße Differenziertheit und das Wahrnehmen von Grautönen.

Denn diese vor-konziliare Konzeption von Kirche mit ihrem Bild des Priesters sei die Hauptschuldige für das Verbrechen des Missbrauchs von schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen.

Am Ende entsteht das Bild eines Papstes, der wider Willen enorme Schuld am Missbrauch tausender Kinde rund Jugendlicher in der katholischen Kirche hat.

Wie falsch das angesichts der rabiaten und enorm mutigen Maßnahmen Papst Benedikts XVI. gegen Pater Marcial Maciel (Legionäre Christi) ist, zu denen sich sein Vorgänger nicht durchringen konnte, wurde nirgends deutlich.

Insgesamt hatte man den Eindruck, dass hier Insiderwissen, besonders theologisch fundiertes, praktisch nicht vorhanden ist.

So entstand am Ende der Eindruck einer großen verpassten Chance: Finanzielle Mittel, tolle Archivmaterialen, ein spannendes Thema, zu dem wir bislang nur mit von Vorurteilen gegen die Tradition der Catholica gesättigten Berichten gefüttert wurden. Daraus hätte ein epochaler Film entstehen können.

Stattdessen: eine Neuauflage all dessen, was wir ohnehin schon wissen, aufgehübscht mit schönen Bildern und eingängigen Melodien, die aber auch mit der Person Benedikts (dem „Mozart unter den Theologen“) nichts zu tun haben. Schade!

Den vollständigen Beitrag von Dr. Berger lesen sie hier auf seiner PP-Seite: https://philosophia-perennis.com/2019/10/16/vertane-chance-zur-kinopremiere-des-neuen-films-ueber-papst-benedikt-xvi/


Wohin führt Papst Franziskus die Kirche?

Rezension von Thomas May
zur Neuerscheinung „Der Diktator Papst

Marcantonio Colonnas gründlich und umfassend recherchierter Report über den zum Papst Franziskus aufgestiegenen argentinischen Jesuiten Jorge Mario Bergoglio ist ein „Lesehammer“, der das durch die Medien vermittelte Bild eines menschenfreundlichen, reformfreudigen Oberhirten zunichtemacht und hinter der einer „erfolgreiche[n] Beschönigungskampagne“ (S. 248) geschuldeten Maske das Gesicht eines charakterlich zwielichtigen Machtmenschen freilegt.

Der Autor, der sein vatikanisches Insider-Wissen einfließen ließ, untermauert seine Darlegungen und zum Teil pikanten Enthüllungen über das katholische Kirchenoberhaupt mit einer Unzahl von Quellen (darunter aufschlussreiche Aussagen von Zeugen aus dem persönlichen Umfeld Bergoglios), meist aus dem italienischen, latein- und angloamerikanischen Raum, wobei er auch Material der beiden wichtigsten Bergoglio-Biographen  –  Austen Ivereigh: The Great Reformer, New York 2014 (wohlwollend) und Omar Bello: El Verdadero Francisco, Buenos Aires 2013 (kritisch)  –  eingebracht und ausgewertet hat.

Von langer Hand vorbereitet

Im ersten Kapitel wird nachgezeichnet, wie es, vorbereitet von langer Hand, dazu kam, dass Bergoglio 2013 von einer liberalen „Mafia“ zum Papst gewählt wurde.

Die Rede ist von der Gruppe St. Gallen, einem Bündnis progressiver Bischöfe und Kardinäle, das sich auf Einladung des Ortsbischofs seit 1996 jährlich im Schweizer Kanton St. Gallen traf. Geeint wurde es durch den gemeinsamen Widerstand gegen Kardinal Joseph Ratzinger, der seit 1982 als Präfekt der Glaubenskongregation amtierte.

BILD: Titelseite des Buches aus dem Renovavem-Verlag: https://renovamen-verlag.de/

Die Mitglieder wollten das Programm einer „viel modernen“ katholischen Kirche vorantreiben, das mit den Schlagwörtern „Dezentralisierung“, „Kollegialität“, „pastorale Kirche“ (gemeint war die Entfernung von der klassischen Morallehre) umrissen wird. Bei „Mafia“ handelt es sich keineswegs um eine Verleumdung von Verschwörungstheoretikern, sondern um die Selbstbezeichnung seitens eines der Köpfe der Gruppe, des belgischen Kardinals Godfried Danneels, der in einem Fernsehinterview 2015 bereitwillig über deren Aktivitäten Auskunft gab.

Unbestrittene Führungsgestalt war der Mailänder Kardinal Carlo Maria Martini, lange aussichtsreichster Kandidat des liberalen Flügels für die Papstnachfolge; dazu gesellten sich als einflussreiche Persönlichkeiten Kardinal Walter Kasper und der Mainzer Kardinal Karl Lehmann aus Deutschland sowie der englische Kardinal Cormac Murphy-O’Connor.

Laut Danneels favorisierte die Gruppe nach dem Tod Johannes Pauls II. schon im Konklave 2005 Bergoglio, damals Erzbischof von Buenos Aires, als ihren Mann für die Papstnachfolge, nachdem der an Parkinson erkrankte Martini nicht mehr infrage kam.

Diesen hatte Erzbischof Bergoglio 2001 bei der Bischofssynode in Rom näher kennen und bewundern gelernt und sich zunehmend als Gesinnungsfreund des liberalen Flügels zu erkennen gegeben. Bekanntlich wurde Ratzinger Papst, und die Gruppe St. Gallen zog sich zurück, ohne allerdings ihren Einfluss einzubüßen.

Nachdem Papst Benedikt XVI. am 11. Februar 2013 seinen Amtsverzicht angekündigt hatte (bereits Mitte 2012 wussten Kurien-Insider von dem beabsichtigten Schritt, und es ist unwahrscheinlich, dass der bestens vernetzte Bergoglio davon nicht Kenntnis erhalten haben sollte), entfalteten die drei „St. Gallener“ Kardinäle Kasper, Lehmann und Danneels, unterstützt von Murphy-O’Connor, fieberhafte Aktivitäten, um diesmal im „Team Bergoglio“ ihren Wunschkandidaten (der selbst kein Mitglied der Gruppe St. Gallen war, aber Zustimmung signalisiert hatte) durchzusetzen.

Entscheidend für seine Wahl zum Papst war schließlich, dass es gelang, im Konklave taktisch geschickt die Stimmen der nordamerikanischen Kardinäle für den Argentinier zu gewinnen.

Die Rechtmäßigkeit der Wahl Bergoglios wird aus zwei Gründen angezweifelt. Der Apostolischen Konstitution „Universi Dominici gregis“ (1996) von Johannes Paul II. zufolge sind den Kardinälen im Konklave Verhandlungen, Absprachen, Versprechen, Verpflichtungen zugunsten oder zulasten eines Kandidaten ausdrücklich verboten (vgl. Nr. 81). Zuwiderhandlungen, auch die Einwilligung eines Aspiranten, ziehen automatisch die Strafe der Exkommunikation nach sich.

Sowohl Ivereighs Version einer offenen Kampagne der vier „St.-Gallen“-Kardinäle als auch Murphy-O’Connors auskunftsfreudige Interviews mit dem „Independent“ (Juli 2013) und dem „Catholic Herald“ (Ende 2013) erhärten den Verdacht, dass es sich um mehr als einen zulässigen „Gedankenaustausch“ handelte.

Als zweiter Nichtigkeitsgrund ist die nicht eingehaltene Verfahrensregel von maximal vier Wahlgängen pro Tag von Belang; der fünfte, in dem Bergoglio mit 95 von 115 Stimmen gewählt wurde, sei damit (so der italienische Journalist Antonio Socci nachdrücklich) ungültig gewesen. Abschließend werden diese Frage nur gestandene Kirchenrechtler klären können – repressionsfrei.

Ein Peronist im Wandel

Ziel des zweiten Kapitels ist es, einen Überblick über Bergoglios persönliche Entwicklung und  berufliche Stationen bis 2013 zu geben. Nach Ansicht Colonnas ist der Sohn eines Buchhalters ohne die Tradition der argentinischen Politik nicht zu verstehen, die in der Person des Präsidenten Juan Perón (4. Juni 1946 bis 21.September 1955, 12. Oktober 1973 bis 1. Juli 1974) und in der nach ihm benannten Bewegung des Peronismus für ihn prägend geworden ist.

Peróns auffallendster Charakterzug war sein zynischer Opportunismus, mit dem er rechte und linke politische Kräfte für sich nutzte und gegeneinander ausspielte. Der ihm anhängende junge Bergoglio wurde sein gelehriger Schüler: Der Autor bezeichnet ihn als „Juan Perón in kirchlichen Gewändern“ (S. 48).

Bergoglios Karriere kam, mit einem Knick von 1986 bis 1992, als er bei seinem Orden in Ungnade fiel und unter anderem zur Promotion nach Deutschland abgeschoben wurde, stetig voran:

1958 Eintritt ins Ordensnoviziat der Jesuiten, 1969 Priesterweihe, 1973 – 1979 Jesuitenprovinzial für Argentinien, 1980 – 1986 Theologieprofessor und Rektor des Kollegiums von San Miguel und seiner Fakultäten für Philosophie und Theologie, 1992 Weihbischof und 1998 Erzbischof von Buenos Aires, 2001 Kardinal, 2005 – 2011 Vorsitzender der Argentinischen Bischofskonferenz.

Vehement bekämpfte der frühzeitig politisch interessierte und rührige Bergoglio als Mann des Volkes und rechtsgerichteter Peronist in seiner Funktion des Provinzials die von Intellektuellen propagierte, marxistisch inspirierte „Befreiungstheologie“, die den Jesuitenorden in Argentinien unterwandert hatte.

Er unterstützte die peronistische Guardia de Hierro („Eiserne Garde“) und unterhielt später persönliche Beziehungen zum argentinischen Militärregime (1976 – 1983), deren Art und Beurteilung bis heute umstritten sind, schwankend zwischen Fürsorge um die eigenen Leute und Verrat von Ordensangehörigen wie den linksradikalen Patres Yorio und Jalics an die Machthaber.

Zumindest den „allgegenwärtige[n] Eindruck von Doppelzüngigkeit“ (S. 247) drängen die damaligen Umstände auf, die der Autor im Anhang nochmals aufgreift.

Die gegen Bergoglio erhobenen Anschuldigungen der Kollaboration und Korruption, welche eine 2005 veröffentlichte Biographie widerlegen sollte, waren es auch, die ihn im Bemühen um Distanzierung folgerichtig nach links rücken ließen, ein sich seit 2001 beschleunigender Prozess, der ihn bei seinen ehemaligen konservativen Mitstreitern, denen er als Verfechter katholischer Werte gegolten hatte, verdächtig machte und zugleich der liberalen Seite empfahl, sodass er schließlich als „Speerspitze“ der Gruppe St. Gallen in Stellung gebracht wurde.

Außer persönliche Strenge und Bedürfnislosigkeit im Alltäglichen werden aus Bergoglios Umfeld für einen Zeitraum von über 50 Jahren keine günstigen Charaktereigenschaften bezeugt. Streben nach Macht, Behandlung der Untergebenen als Marionetten, Zwang zur Loyalität ihm gegenüber, Misstrauen gegenüber Menschen, Kontrollbesessenheit werden als Merkmale genannt.

„Dieser Mensch [Bergoglio] manipuliert mit Gefühlen. Du denkst, er ist dein Vater, und dabei führt er dich an der Nase herum“ (zit. 46), sagt ein ehemaliger Priester-Mitarbeiter; ein im Vatikan tätiger Kleriker konstatiert: „Bergoglio ist eine Person, die vor allem Angst zu schüren versteht“ (zit. 58).

Gefürchtet wird Bergoglio auch wegen seiner Vergeltungsaktionen gegen Amtskollegen, die nicht auf seiner Linie lagen/liegen oder ihm sonstwie quer stehen. (Berüchtigtes Beispiel ist seine Fehde mit dem Opus-Dei-Bischof Rogelio Ricardo Livieres Plano von Ciudad del Este in Paraguay, die mit dessen Absetzung 2014 ohne Angabe von Gründen endete.)

Anderseits versuchte Bergoglio besonders seit 2001 durch (intransparente) Geldzahlungen und durch den Aufbau eines persönlichen Netzwerkes von Informanten und Günstlingen Einfluss auf die Kurienpolitik zu nehmen.

Die „vernichtendste Charakterstudie über Jorge Bergoglio“ (43) stellt das Zeugnis seines Oberen P. Peter Kolvenbach dar, das Erzbischof Quarracino 1991 anlässlich der beabsichtigten (und davon unbeeindruckt vollzogenen) Ernennung Bergoglios zum Weihbischof anforderte.

Da dieses Dokument nach seiner Wahl zum Papst aus den Archiven verschwand und noch existierende Kopien vom Betroffenen weitgehend „eingesammelt“ wurden, beruhen die von Colonna wiedergegebenen Details auf der Darstellung eines Priesters, der Zugang dazu hatte.

Demnach hielt Kolvenbach dem (von den Jesuiten damals angefeindeten) Bischofskandidaten zahlreiche Defizite vor, „die von regelmäßigem Fluchen und Hinterhältigkeit, Ungehorsam unter dem Deckmantel der Demut bis hin zu fehlender psychischer Ausgeglichenheit reichten“ (44). Seine „spaltende Persönlichkeit“ lasse ihn für das vorgesehene Amt ungeeignet erscheinen. Die im Zeugnis erwähnten Mängel verdienen es, im Licht des Franziskus-Pontifikats erneut betrachtet zu werden.

Der Scheinreformer

Das dritte Kapitel befasst sich mit der sogenannten Kurien- und Finanzreform des Vatikans sowie der Umsetzung der Null-Toleranz-Linie bei sexuellem Missbrauch durch Priester, drei Problembereiche, die der Papst aus Argentinien von seinem Vorgänger geerbt hatte und deren entschlossene Bewältigung von ihm erwartet wurde.

Dank seiner spektakulären, mit der Tradition brechenden Gesten, seiner geschickt inszenierten Situationsdemut und vor allem seiner allzeit guten öffentlichen Laune hatte er die Herzen der Gläubigen im Sturm erobert und das Wohlwollen der Medien gewonnen, die ihm, wie schon in Buenos Aires, zum „Schoßhund“ (66) wurden und das Image eines großen Reformers verpassten. Allerdings ist, wie Colonna anmerkt, das Phänomen des „Franziskus-Effekts“ auch nach fünfjährigem Pontifikat auf die Berichterstattung beschränkt.

Der „Vatileaks“-Skandal und das von Benedikt XVI. veranlasste Dossier der Kardinäle Herranz, De Giorgi und Tomko über die Hintergründe hatten das Bild einer vom Papst unabhängig handelnden Vatikanmaschinerie und verbreiteter moralischer Korruption mit Details eines Netzwerks von Homosexuellen im Vatikan ergeben.

Daher war vor allem eine Reform des für die Verweltlichung des Klerus maßgeblich verantwortlichen, übermächtigen Staatssekretariats dringend geboten. Doch auch nach 18 Zusammenkünften bis Juni 2017 hat der vom Papst zur Steuerung des Reformprozesses gebildete Kardinalsrat (K9-Rat) kaum Nennenswertes zuwege gebracht. „… die Reform hat bisher bestenfalls Falten ausgebügelt. Es wurden einige Räte zusammengefasst, aber der Einfluss auf die großen Körperschaften des Vatikans ist gleich null“ (73), bilanziert Colonna nüchtern.

Personelle Veränderungen, wie die Absetzung Kardinal Burkes als Präfekt der Apostolischen Signatur, sind eher ideologisch motiviert. Bedenklich ist die führende Rolle des honduranischen Kardinals Maradiaga, der mit den Vorwürfen finanzieller Korruption und der Vertuschung sexuellen Missbrauchs in seiner Diözese belastet ist, als Koordinator des K9-Rates und „Vizepapst“. Nicht nur hier zeigt sich die Vorliebe des Papstes für moralisch schwache und somit besser kontrollierbare Persönlichkeiten in seinem Umfeld.

Hinzu kommen mangelnde Eignung und Erfahrung der K9-Mitglieder für Verwaltungsaufgaben, was umso schwerer wiegt, als der Papst sich selbst als „sehr unorganisiert“ (zit. 74) bezeichnet, eine Umschreibung für „abschweifend“ und „chaotisch“. Infolge der leichtfertigen Streichung der regelmäßigen Gesprächstermine der Vorsitzenden der Dikasterien ist deren Zugang zum Papst erschwert; das Staatssekretariat dient als „Filter“ zwischen Papst und Kurie und ist mächtiger als zuvor. Reform?

Im Zuge seiner Null-Toleranz-Politik hatte Benedikt XVI. mehr als 800 Missbrauchspriester suspendiert oder laisiert. Er ging zudem aktiv daran, die Schuldigen aufzuspüren und zu bestrafen, die sie gedeckt hatten; im Monatsschnitt setzte er so zwei bis drei Bischöfe ab.

Ferner erließ er strenge Richtlinien für die Ausbildung zukünftiger Priester und Ordensleute, die den Ausschluss von Männern mit homosexuellen Tendenzen vorsahen; der John-Jay-Report (2004) hatte ergeben, dass zu über 80 Prozent männliche Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren Opfer überwiegend schwuler Missbrauchstäter geworden waren. 

Papst Franziskus dagegen brach unter dem Motto der „Barmherzigkeit“ mit Benedikts Programm und reduzierte dessen Bestrafungen pädophiler Priester mehrfach. Im Vatikan machte sich ein Klima der Laxheit im Umgang mit sexuellen Verfehlungen breit, was mit dazu beitrug, dass sich die Umtriebe der Homo-Lobby verschlimmerten.

Der Papst selbst setzte dabei Signale, die von ihr als Ermunterung verstanden werden konnten, indem er praktizierende Homosexuelle, wie den Prälaten Battista Ricca (so der Journalist Sandro Magister im „L’Espresso“ 2013), in seiner Umgebung gewähren lässt.

Beim sexuellen Missbrauchsskandal in Chile verlegte sich der Papst auf eine rein defensive Salami-Taktik: immer nur zugeben, was nicht mehr zu leugnen ist. Angesichts neuer Skandale in US-amerikanischen Bistümern und in Honduras sowie aufgrund ihn belastender Zeugenaussagen verfestigt sich der Verdacht, dass der Pontifex nicht nur gelogen hat, sondern selbst in die Vertuschung involviert ist.

Auch die über Jahrzehnte wiederholt von Korruptionsfällen gebeutelten Finanzabteilungen des Vatikans – Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA), „Vatikanbank“ (IOR), Governatorat der Vatikanstadt, unterstellt dem Staatssekretariat – wurden unter dem neuen Papst keinem effektiven Umbau unterzogen.

Der Versuch, mit dem „Päpstlichen Rat für die Wirtschaft“ ein übergeordnetes „Finanzministerium“ zu schaffen, ist in der Praxis weitgehend misslungen. Ausschlaggebend dafür war, dass der ihm vorstehende australische Kardinal Pell, der seine Aufgabe forsch angepackt hatte, durch die Opposition von vier Kardinälen, die ihre „Reviere“ und Interessen verteidigten, neutralisiert wurde: Domenico Calcagno (APSA), Giuseppe Versaldi (vatikanische Wirtschaftspräfektur), Giuseppe Bertello (Governatorat), Pietro Parolin (Staatssekretariat).

Dem Wirtschaftssekretariat anfangs eingeräumte weitgehende Befugnisse nahm der Papst wieder zurück, den die alte Garde geschickt für ihre Manöver einzuspannen wusste; die beschlossene externe Finanzprüfung durch PricewaterhouseCoopers wurde von Erzbischof Angelo Becciu, dem Substitut des Staatssekretariats, abgesagt, dessen Machenschaften der 2017 spektakulär entlassene oberste Rechnungsprüfer Libero Milone gefährlich nahegekommen zu sein schien.

Die Verantwortung des strippenziehenden Papstes für diesen Schritt ist unstrittig, ebenso für die einhergehende Lähmung des vatikanischen Rechtssystems. Am Schluss wird man – so die Prognose Colonnas – dem durch die Anklage wegen sexuellen Missbrauchs geschwächten und wohl bald eliminierten Kardinal Pell das Scheitern der Finanzreform zuschieben. Die Frage bleibt, wie lange noch italienische Richter Steuerhinterziehung und Geldwäsche über vatikanische Konten und Kanäle dulden werden.

Auf krummen Touren

Das vierte Kapitel widmet sich der kirchlichen Annäherung an die modernen (Sexual-) Moralvorstellungen unter dem Pontifikat Papst Franziskus‘. Im Mittelpunkt steht der von ihm manipulierte Prozess von der Außerordentlichen Familiensynode (Oktober 2014) über die Ordentliche Synode (Oktober 2015) zur Apostolischen Exhortation „Amoris laetitia“ (März 2016).

Gesichert wurde der „Erfolg“ unter anderem durch seine frühe Propagierung des sogenannten Kasper-Vorschlags der Zulassung zu Beichte und Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, durch Gefolgsleute auf den Synoden wie den sie leitenden Kardinal Lorenzo Baldisseri, der durch Verfahrenstricks die Abläufe im Sinn des vom Papst gewünschten Ergebnisses lenkte, oder den homofreundlichen Erzbischof Bruno Forte bzw. durch die gezielte Schwächung des die bestehende Lehre verteidigenden Generalrelators Kardinal Péter Erdö, nicht zu vergessen sein persönliches Eingreifen mittels zum Teil nicht vorgesehener Redebeiträge, mit denen Franziskus die versammelten Synodenväter einschüchterte.

Als die erforderliche Zweidrittelmehrheit gemäß der von ihm selbst festgelegten Regel in der Relatio Synodii (2014) für die Paragraphen 52, 53 und 55 nicht erreicht wurde, setzte sich der Papst über sie hinweg und sorgte dafür, dass der Kasper-Vorschlag auf der Agenda der Ordentlichen Synode blieb. Legendär geworden sind Franziskus‘ Wutanfall und seine Entlassungsdrohung, als sich 13 Kardinäle im Oktober 2015 in einem Brief über den „vorherbestimmten“ Ausgang der Familiensynode beschwerten.

Mit AL gelang ihm schließlich ein arglistiges Meisterstück, indem er in Paragraph 305 mit der Fußnote 351 ein Einfallstor schuf, nicht enthaltsam lebenden wiederverheirateten Geschiedenen (entgegen der klassischen Lehre) die Zulassung zur Kommunion zu gewähren, eine Interpretationsmöglichkeit, die etwa von der liberalen Argentinischen Bischofskonferenz ergriffen und vom Papst gutgeheißen wurde, während er konträre Auslegungen wie durch die Polnische Bischofskonferenz nicht beanstandete. Das ist Peronismus pur!

Auf den Punkt bringt es ein in anderem Kontext geäußerter Satz eines Jesuiten: „Seine [Bergoglios] Art, Unklarheit zu erzeugen, ist meisterhaft“ (zit. 247) – das Gegenteil der biblischen Regel „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein!“ (Mt 5,37).

Dem Wunsch nach Klärung der Zweideutigkeiten im Dokument, den vier Kardinäle in Form von fünf „Dubia“ in einem Brief an den Papst herantrugen, hat dieser bis heute nicht entsprochen. Die seither herrschende globale Verwirrung in der Ehelehre nimmt er in Kauf.

Die Aufweichung der Glaubens- und Morallehre wurde durch zahlreiche Personalentscheidungen Papst Franziskus‘ flankiert. Vor allem die Berufung des als Förderer der Homosexuellenbewegung in Erscheinung getretenen, skandalträchtigen, linksstehenden Erzbischofs Vinzenco Paglia zum Präsidenten der Päpstlichen Akademie für das Leben (PAV) und (unter Missachtung der Richtlinien) zum Großkanzler des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie, eines Hüters der klassischen Morallehre gemäß „Familiaris consortio“, bedeutete einen Bruch mit der Tradition.

Mit der Erstellung neuer Statuten für das PAV, Neubesetzung des Mitgliedergremiums (auch Nichtkatholiken) Richtung „harte Naturwissenschaften“ und weniger Pro-Life-Wissenschaft und der Abschaffung des Treueeids zur katholischen Lehre ging eine schwammige Sprache einher, die den Stellenwert des Lebensschutzes relativierte; der neu ernannte Anglikaner Nigel Biggar hatte sich schon 2011 und 2013 in Interviews als Abtreibungsbefürworter geoutet.

Gesäubert, gestutzt und „pastoral“ neu ausgerichtet wurde auch das Institut Johannes Paul II.; führende Mitglieder, die  die neue Linie der „Weiterentwicklung“ der kirchlichen Morallehre ablehnten, mussten gehen.

Zerschlagung und Enthauptung

Mit der Zerschlagung der Franziskaner der Immakulata (FFI), eines 1970 in Frigento (Italien) gegründeten und 1998 von Johannes Paul II. als „Institut des geweihten Lebens päpstlichen Rechts“ anerkannten Ordens, dessen besondere Marienverehrung in der Spiritualität des hl. Maximilian Kolbe wurzelte, gibt Colonna im fünften Kapitel weiteren Einblick in die „neue Methode“ des Papstes, hier als „päpstliche Verfolgung eines blühenden Ordens“ (169) bezeichnet.

In Anlehnung an die Ideale des Konzils hatten strengste Armut, intensives Gebetsleben und eine missionarische Aufgabe dem Orden weltweiten Aufschwung beschert. Neben dem Neid anderer, schrumpfender Orden wurde den wachsenden FFI und ihrem Schwesternzweig vor allem zum Verhängnis, dass sie nach dem „Summorum pontificum“ (2007) Benedikts XVI. beschlossen hatten, intern den alten Ritus einzuführen (in ihren Pfarreien zelebrierten sie weiterhin den Novus Ordo), woraufhin sie (zu Unrecht) der Ablehnung des II. Vatikanums und finsterer Umtriebe verdächtigt wurden.

Der von der Ordenskongregation per Dekret im Juli 2013 eingesetzte Apostolische Kommissar Fidenzio Volpi (ein Kapuziner) übernahm die Kontrolle der FFI – sein Regime war gnadenlos: Das Generalkapitel wurde aufgelöst, der Ordensgründer P. Stefano Manelli praktisch unter Hausarrest gestellt, das Ordensseminar dichtgemacht, mindestens 15 FFI-Niederlassungen mussten schließen. 60 Brüder baten um Entbindung von den Gelübden, andere mussten gehen; die Annahme von Berufungen kam infolge der „Krise“ zum Erliegen. Ferner wurden die Ordensregeln geändert, Privatgelübde abgeschafft, Feiern der alten Messe untersagt. Der Orden löste sich nach 2015 schrittweise auf.

Den Prozess wegen Hinterziehung und Veruntreuung vor weltlichen Gerichten gewann Manelli gegen Volpi; dieser musste nicht nur das beschlagnahmte Vermögen im Wert von zirka 30 Millionen Euro an die Laienorganisation des Ordens zurückzahlen, sondern auch 20.000 Euro Schadensersatz wegen Verleumdung an die Familie des Gründers leisten.

Doch selbst die Verurteilung des eigenen Kommissars durch die weltliche Rechtsprechung entlockte dem Papst kein Wort, an dessen Absegnung des radikalen Vorgehens nicht zu zweifeln ist. Von kanonischer Seite wurde niemals Anklage gegen Manelli erhoben. Kein Gericht verurteilte ihn wegen irgendeines Fehlverhaltens.

Das detailliert beschriebene Geflecht von Intrigen, die zur Entmachtung des Malteserordens führten, ist ein Highlight des Buches. Hier schöpft der Autor, selbst Mitglied der Malteser (nach seiner Enttarnung als der Historiker Henry J. A. Sire vom Orden suspendiert), aus dem Vollen seiner Verbindungen und Quellen.

Die Winkelzüge der Kontrahenten, ihrer Verbündeten, ihre Motive sowie die Umstände des wachsenden Zeitdrucks, unter dem das „Projekt“ aus Sicht der „Rebellen“ stand, im Einzelnen nachzuzeichnen, ist hier in Kürze nicht möglich. Als Ergebnis kann festgehalten werden: Es ging nur vordergründig um unerlaubt verteilte Kondome, in der Hauptsache vielmehr um 30 Millionen Euro aus einem Schweizer Treuhandfonds für den Malteserorden, dessen Freigabe der vom Papst zum Rücktritt gezwungene englische Großmeister Fra‘ Matthew Festing blockierte.

Daher musste er seinem deutschen Widerpart Albrecht Freiherr von Boeselager weichen, der die Abwicklung des Geschäfts sicherstellte, inklusive der Übertragung von 100.000 Schweizer Franken an die Stiftung des Apostolischen Nuntius in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi.

Gleichzeitig nutzte der Papst die Chance, Festings Verbündeten Kardinal, Raymond Leo Burke, Mitunterzeichner der „Dubia“, in seiner Funktion als Kardinalpatron des Ordens zu suspendieren und anstelle des Großmeisters seinen Erzbischof Becciu als Sonderbeauftragten zur Leitung des Ordens einzusetzen, was praktisch das Ende seiner Souveränität bedeutete.

Damit machte er eine Niederlage wett, die der Heilige Stuhl 1952/1953 in einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem Malteserorden erlitten hatte, als dessen eigene Jurisdiktion und die Souveränität des Ordens als politische Einheit bestätigt wurden. Ferner konnte Bergoglio eine noch offene „Rechnung“ mit dem argentinischen Politiker und Malteserritter Esteban Caselli begleichen, der 1997 (vergeblich) seine Wahl zum Koadjutorerzbischof von Buenos Aires zu verhindern versucht hatte.

Ironischerweise hat der „volksnahe“ Papst mit seiner Parteinahme zugunsten der deutschen Mitglieder des Ordensrates um Freiherr von Boeselager die aristokratische Fraktion gestärkt (deren Moral seiner liberalen Linie sicher mehr entspricht), während die nichtadeligen Vertreter in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Big Brother des Vatikans

Im letzten Kapitel nimmt Colonna den Führungsstil des Papstes in den Blick, der von nicht wenigen Vatikanmitarbeitern als autokratisch und herrschsüchtig charakterisiert wird. Ein Priester, der als Franziskus-Fan begann, meint: „Bergoglio teilt die Kirche in jene, die mit ihm sind, und jene, die gegen ihn sind – und wenn er vermutet, dass man sich unter den Letzteren befindet, dann wird er sich rächen“ (zit. 213). 

So praktiziert er ein System von Bestrafungen, denen nicht nur die Kardinäle Gerhard Ludwig Müller (siehe Foto) und Raymond Burke zum Opfer fielen (Kardinal Robert Sarah wurde durch den Austausch seines Mitarbeiterstabes isoliert), sondern auch „widerständische“ Weggefährten aus argentinischer Zeit, wie der abgesetzte Erzbischof von Rosario José Luis Mollaghan oder der zum Rücktritt veranlasste Bischof Oscar Sarlinga von Zarate.

Dem entspricht ein an „peronistische Vetternwirtschaft“ (209) erinnerndes Günstlingssystem, dessen sich etwa der päpstliche Zeremoniar Guillermo Karcher, der persönliche Sekretär Fabián Pedacchio, aber auch höhere „Tiere“ wie der (schon genannte) „willige […] Handlanger“ Erzbischof Becciu, „der Mann für die Drecksarbeit des Papstes“ (211), erfreu(t)en, nicht zu vergessen der „Kriecher“ Kardinal Coccopalmerio, das „Schlitzohr“ Kardinal Calcagno oder Kardinal Baldisseri, der „gewiefte […] Manipulator der ‚Barmherzigkeit‘ während der Familiensynode“ (212).

Der Kontrolle dient dem Papst sein Einzug in die (für zwei Millionen Euro umgerüsteten) Räume des Gästehauses Santa Marta, wo er die Kardinäle in seiner Nähe hat, im öffentlichen Speiseraum zu Mittag isst und dabei Informationen aus den einzelnen Abteilungen des Vatikans erhält. Durch Zurechtweisung, (drohende) Entlassung oder Schmälerung des Einflusses hält er seine Mitarbeiter vom Kardinal bis zum Monsignore auf Trab.

Im Gefolge der „Dubia“ und wachsender Vorbehalte gegenüber AL wurden Kritiker der päpstlichen Sicht abgebürstet und zum Schweigen gebracht. Erzbischof Vito Pinto (Rota-Dekan) regte den Entzug der Kardinalswürde an; Kardinal Cupich von Chicago verlangte, die Kardinäle müssten sich „bekehren“; Erzbischof Fisichella schlug bei der Eröffnung des „Jahres der Barmherzigkeit“ gar die Exkommunikation von Papstkritikern vor.

Dozenten und hochrangige Mitarbeiter mussten ihren Stuhl räumen. In Rom überwacht eine „Beobachterinitiative“ Lehrbetrieb und Veröffentlichungen des Instituts Johannes Paul II. auf deren Kompatibilität mit AL hin. Methoden der Observierung wurden ruchbar, als im März 2015 eine größere Abhöraktion in Autos, Büros und Privatwohnungen von Klerikern aufflog. Kurienangestellte sind sich sicher, dass ihre Telefone abgehört und ihre E-Mails systematisch ausspioniert werden. Ein Kardinal resümiert: „Im Vatikan fürchtet jeder Papst Franziskus, niemand respektiert ihn, von Kardinal Parolin an abwärts“ (zit. 221).

Nicht nur sinkende Popularitätswerte (die ihn am empfindlichsten treffen) scheinen dem Papst bewusst zu machen, dass er an Grenzen stößt. Sein Satz „Es ist nicht unmöglich, dass ich in die Geschichte eingehen werde als derjenige, der die katholische Kirche gespalten hat“(zit. 225) zeigt ein bemerkenswertes Maß an Selbsterkenntnis.

Aber zieht er auch die Konsequenzen daraus? Und wenn ja, welche?   

Als politischster Papst „seit Jahrhunderten“ (225), der gern als moralischer Führer des südamerikanischen Kontinents hervortreten wollte (Ivereigh), muss er einsehen, dass er mit Barack Obama seinen „Schirm“ auf Weltebene verloren hat. Statt der von ihm favorisierten Hilary Clinton (deren Wahlkampagne er über die APSA mitzufinanzieren angeordnet hatte) wurde Donald Trump US-Präsident, der sich als sein künftiger Gegenspieler zu etablieren beginnt.

Und der hat gute Karten gegen ihn in der Hand – die (im Detail noch nicht enthüllte) Überwachung des Konklaves 2013 durch die CIA soll der Kurie Alpträume bereiten. Ungemach droht ihr auch wegen der kriminellen Finanzstrukturen einschließlich Geldwäsche und Steuerbetrug, die jederzeit Anlass zur Intervention von staatlicher Seite bieten. Seit Jahresbeginn mehren sich die Anzeichen, dass der Papst selbst in Korruption und Vertuschung von sexuellen Missbräuchen verstrickt ist.

Verstörende Bilanz: Wohin steuert Papst Franziskus die Kirche?

Im Ganzen hinterlässt das Buch beim Leser einen verstörenden Eindruck. Die Fülle der gesammelten Fakten, unterfüttert mit zum Teil kompromittierenden Zeugenaussagen, fügt sich zum bedrückenden Bild eines Kirchenoberhaupts, das seiner Verantwortung in keiner Weise gerecht wird. Das trifft ihn umso härter, als es so gar nicht zu dem von den Medien präsentierten lächelnden, verständnisvollen, „pastoral“ den Menschen zugewandten Pontifex passt.

Im Lauf des Buches durchschaut er, dass das mediale Franziskus-Bild einer vorgeprägten Sicht entspringt: Mit seinem (aus dem Kontext gerissenen) Satz „Wer bin ich, dass ich (ver)urteile“, der von der Homosexuellenbewegung vereinnahmt wurde, schien er deren „Gleichstellungs“-Forderung und einem weitverbreiteten Bedürfnis der säkularen Gesellschaft nach moralischer Selbstrelativierung der katholischen Kirche entgegenzukommen; in der Praxis erwies er sich als „Killer“ jedweden Anspruchs und Maßstabs.

Ebenso entspricht er mit der Fokussierung auf Umwelt- und Klimaschutz, seinem (rhetorischen) Einsatz für die „Ränder“, Arme und Migranten der Zeitgeist-Agenda, den Vorstellungen der politischen Klasse und des globalen Establishments.

Bestürzend wirken vor allem charakterlichen Defizite: Vulgäre Sprache, Wutausbrüche, gezielte Täuschung, Vergeltungsbedürfnis, Verschlagenheit, ungerechte Behandlung der Mitarbeiter, üble Machtspiele qualifizieren nicht für ein vorbildliches Pontifikat.

Geradezu auf den Kopf gestellt wird vom Papst die (katholische) Moral mit der neuen Maxime der absolut gesetzten „Barmherzigkeit“ Gottes, die jeden Sünder freispricht, ihm keine Anstrengung der Besserung auferlegt (und ihn daher auch nicht zur Umkehr bewegt), vielmehr geeignet ist, sein lasterhaftes „Ich will so bleiben, wie ich bin“ zu verstetigen.

Umgekehrt werden die um Erfüllung der göttlichen Gebote Bemühten zurechtgewiesen und des Pharisäertums, des Legalismus, der Herzensverhärtung, der Engstirnigkeit geziehen, wenn sie diese selbstverständlich als allgemeingültigen Maßstab verstanden wissen wollen; so wird das Streben nach Sittlichkeit entmutigt.

Lehrmäßig hat der Papst mit AL die Unauflöslichkeit der Ehe infrage gestellt, den deutschen Streit um Kommunionzulassung evangelischer Partner in Mischehen lässt er weiterschwelen. Anderseits wecken sein Nichteinschreiten als höchste Lehramtsautorität angesichts von Bischöfen, Priestern und Theologen offen vertretener Häresien und seine Duldung der sich weltweit beschleunigenden Disziplinlosigkeit in der Kirche Zweifel, inwieweit er auf diesen Feldern noch steuern möchte.

Mit Sorge erfüllt sein unbekümmerter Umgang mit führenden klerikalen Homo-Aktivisten bis hin zu (praktizierenden) homosexuellen Bischöfen/Kardinälen, deren er sich zu seinem Vorteil bedient. Wann diese einflussreiche Gruppe auch eine Änderung der kirchlichen Lehre erreichen wird, scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Gleichgültigkeit bekundet er in der Liturgie (soweit es den Novus Ordo betrifft, der alte Ritus gilt als obsolet); Zeichen mangelnder Ehrerbietung vor dem Allerheiligsten nähren den Argwohn hinsichtlich seines persönlichen Glaubens.

Am vielleicht erschreckendsten ist das Ausmaß, in dem sich der „Stellvertreter Christi“ von seiner Verantwortlichkeit gegenüber den Menschen und Gott gelöst hat. Dem „Geruch der Schafe“, ein  „aufgetragenes Duftwasser“ (50), entwöhnt, ist er in eine Eigenwelt entstiegen, in der er niemandem für nichts (mehr) Rechenschaft zu schulden glaubt.

Sein Satz „Ich bin der Papst, ich brauche keine Gründe für meine Entscheidungen anzugeben“ (zit. 213) hat eine gefährliche Dynamik entwickelt, die vor nichts haltzumachen scheint: Verletzung von Gesetzen und Regeln, Despotie, Missachtung von Missbrauchsopfern, eigenmächtige Änderung der Lehre und des Katechismus (Todesstrafe), Eingriff ins Vaterunser (6. Bitte?)… Für wen hält sich Papst Franziskus?

Als gravierende Mängel des Buches sind einzig die äußere Form mit Grammatikfehlern, nicht (korrekt) zu Ende geführten Satzkonstruktionen sowie jeder Menge fehlender Komas und die schwache, zum Teil unklare bis fehlerhafte Übersetzung erwähnenswert, was nicht selten von der Übernahme nicht bedeutungsgleicher Fremdwörter ins Deutsche herrührt. (Statt „Approbation der Affäre“ z. B. muss es heißen „Billigung der Angelegenheit/des Vorgangs/Vorgehens“; vgl. 183.)

Da empfiehlt es sich, das englische Original gegenzulesen, wie dem Verlag auch für weitere Auflagen ein Nachlektorat anzuraten ist. Die Erzählweise dagegen ist spannungsreich und fesselnd, wobei ein Grundwissen der Materie das Verstehen erleichtert.

Von einigen polemischen Spitzen abgesehen, ist der Schreibstil Colonnas meist sachlich, gelegentlich anklagend. Dank des überreichen „Beweismaterials“ hat er es nicht nötig, den Leser in eine Richtung zu drängen. Dieser weiß am Schluss die richtigen Schlüsse selbst zu ziehen.


Peter Seewald über Papst Benedikt, seine Theologie, Amtszeit und Persönlichkeit

Papst em. Benedikt wird am kommenden Sonntag 90 Jahre alt. Der Band „Letzte Gespräche“ mit dem Journalisten Peter Seewald (siehe Foto) stellt eine Bilanz seiner Amtszeit dar: Die darin verarbeiteten Interviews wurden kurz vor und nach Benedikts Rücktritt für die Arbeit an einer Biografie geführt.

Im folgenden Gespräch mit ZENIT-Korrespondentin Michaela Koller (siehe Foto) zeichnet Peter Seewald das Bild eines modernen Wahrheitssuchers und „Knotenlösers mit Kopf und Herz“, das er sich in vielen intensiven Begegnungen von ihm machen konnte.

Herr Seewald, Papst Benedikt XVI. wird am Sonntag 90 Jahre alt; er hat, was wohl nur wenige in der Geschichte von sich behaupten konnten, sein eigenes Pontifikat überlebt. Was wissen Sie aus eigener Anschauung, wie es ihm aktuell geht?
 
Seewald: Ich habe ihn im Dezember das letzte Mal gesehen und besuche ihn jetzt im Mai. Ich weiß, dass es ihm gut geht, natürlich dem Alter von 90 Jahren entsprechend. Er ist in allem etwas langsamer geworden. Er hat mit dem Gehen Probleme, spricht langsamer und hört auch schlechter. 
Natürlich leidet er auch unter der gewaltigen Glaubenskrise, die selbst viele Verantwortliche in der Kirche noch nicht richtig erkannt haben. Er ist ja kein Pensionist, der sich zum Rosenzüchten zurückgezogen hat. Er hat bei seinem Rücktritt erklärt, dass er die Last dieser Kirche im Gebet mitträgt.
Auch als Papa emeritus nimmt er regen Anteil daran, was in der Kirche und in der Welt passiert. Ansonsten freut er sich darüber, dass er in der Ruhe seines Klosters sonnige Tage mit Freunden erleben kann.
 
Öffentlich wurden mehrfach sehr unterschiedliche Bilder vom Menschen Joseph Ratzinger gezeichnet. Sie kennen ihn aus drei Lebensphasen persönlich, als Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation, als Papst und schließlich als „Papa emerito“. Was zeichnet ihn denn wirklich aus?
 
Seewald: Ich habe ihn jetzt ein Vierteljahrhundert als Journalist begleitet und habe unter seinen vielen Wegbegleitern, die ich gesprochen habe, außer Hans Küng noch niemanden getroffen, der das Bild des finsteren, machtbeflissenen, harten, einsamen und rückwärtsgewandten Mannes, das ja von Ratzinger in manchen Medien noch immer gepflegt wird, teilen würde. 
Ich habe ihn als wirklichen Mann Gottes, als beispiellosen Intellektuellen kennengelernt, der durch seine brillanten Analysen, durch die Nachhaltigkeit seiner Prognosen besticht, und als Theologen des Volkes, der nie vergessen hat, woher er gekommen ist, der immer bemüht war, den Glauben vor allem auch den einfachen Menschen zu vermitteln.
In der persönlichen Begegnung ist er ein sehr herzlicher Mensch, mit dem man auch viel lachen kann, mit dem es immer spannend ist, und der es einem leicht macht, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Er ist alles andere als kontaktscheu und besticht durch seine Demut.
Ich habe mich immer um journalistische Distanz bemüht, und natürlich ist auch ein Joseph Ratzinger nicht frei von Fehlern. Aber es ist eigentlich unmöglich, wenn man sich mit Person und Werk beschäftigt, nicht auch Sympathie für diese Person und dieses Werk zu empfinden.
 
Vom persönlichen Eindruck zum Urteil der Geschichte: Was wird, Ihrer Prognose zufolge, seine bleibende Bedeutung prägen?
Seewald: Noch nie stand jemand so lange wie Joseph Ratzinger  –  mehr als drei Jahrzehnte lang  –  an der Spitze der größten und ältesten Institution der Welt.
Er ist durch seine Beiträge zum Konzil, die Wiederentdeckung der Väter und die Verlebendigung der Lehre als ein Erneuerer des Glaubens, der Kirchenlehre zu sehen.
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BILD: Michaela Koller überreicht Papst Benedikt eines ihrer Bücher
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Was Benedikt XVI. von anderen Päpsten unterscheidet, ist ein Werk, das ganz unabhängig vom Pontifikat bereits groß und bedeutend ist. Ich denke, der Tag ist nicht mehr fern, an dem man von Papst Benedikt allgemein als den Kirchenlehrer der Moderne sprechen wird.
Ich schließe mich da den Worten von Papst Franziskus an, der sagte: „Sein Geist wird von Generation zu Generation immer größer und mächtiger in Erscheinung treten.“
 
Sein Nachfolger Papst Franziskus hat ein katholisches Selbstbewusstsein neu gestärkt. Dies gab es auch unter Benedikt XVI., zusammengefasst in der Schlagzeile „Wir sind Papst“. Warum ist dies so schnell eingebrochen?
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Seewald: Von „schnell eingebrochen“ kann nicht die Rede sein. Wir vergessen allzu leicht, wie die ersten vier Jahre des Pontifikats ausgesehen haben. Man hat von einem „Benedetto-Fieber“ gesprochen, das man nicht für möglich hielt. Er hat Millionen von Menschen mit seinen Schriften bewegt, Millionen von Menschen versammelt.
Es war eine Zeit, in der seine Kritiker fast nicht mehr wagten, ein kritisches Wort zu sagen, wenn alle Welt so voller Begeisterung ist. Dann gab es den Bruch durch die Williamson-Affäre. Diese Schnittstelle hat das Pontifikat in zwei Teile geteilt. Nach dem Hosianna in der ersten Hälfte wurde es nun mühsam.
Er hat aber nie einen Holocaust-Leugner wieder zum Bischof der katholischen Kirche gemacht. Diese Überschrift hat dem Pontifikat einen Schlag versetzt, aber sie ist falsch.
Dann kam der Missbrauchsskandal, der nun ausgerechnet dem Papst angelastet wurde. Dabei hat Ratzinger schon als Präfekt soviel wie möglich getan, um solchen Verbrechen nicht nur vorzubeugen, sondern die Fälle aufzuarbeiten, die Täter zu bestrafen und die Opfer zu würdigen.
Diese Linie hat er als Papst konsequent fortgeführt. Selbst seine Kritiker mussten anerkennen, dass Benedikts Management maßgeblich dazu beitrug, dass sich eine der gewaltigsten Krise der Kirchengeschichte nicht zu einem Fanal für die ganze katholische Kirche auswirkte.
Wenn wir durch den zunehmenden zeitlichen Abstand auf das Pontifikat und die Diskussion darum wieder einen freieren Blick auf Person und Werk bekommen, wird man auch die gewaltige Leistung erkennen können, die sich damit verbindet. 
Wir haben im deutschen Papst nicht nur eine Jahrhundertbiografie, sondern auch eine echte Jahrhundertgestalt, einen der brillantesten und charismatischsten Figuren unserer Zeit.
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Viele Anzeichen, etwa die neue Auseinandersetzung mit seiner Lehre, die vielen Titel, die dazu erscheinen, die Symposien, die nach ihm benannten Studiengänge und Institute, die weltweite enorme Nachfrage nach seinen Texten etc. lassen erkennen, dass eine Renaissance des Werkes von Joseph Ratzinger bereits begonnen hat.
 
Von einem seiner Schüler wurde der emeritierte Papst Benedikt einmal als Dissident bezeichnet. Sie arbeiten ja an seiner Biographie: Können Sie sich vorstellen, inwiefern diese Bezeichnung passend ist?
 
Seewald: Er hat sich immer mutig eingemischt, gegen Tendenzen gestellt, von denen er überzeugt war, dass sie den Menschen, der Welt oder der Kirche schaden. Ratzinger ist immer auch eine Art Widerstandskämpfer gewesen: Aus der Erfahrung der atheistischen Diktatur heraus hat er dafür eine besondere Sensibilität.
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Er hat es aber nie beim Widerspruch belassen, sondern immer auch Lösungen angeboten. Er hat sich in schwierigen Situationen als Knotenlöser erwiesen, der mit Kopf und Herz den Menschen Orientierung geben kann.
Joseph Ratzinger träumte davon, als Professor ein theologisches Werk zu schaffen, das unserer Zeit wieder Christus zeigen kann. Aber er hat sein Lebensglück ganz dem Dienst für die Kirche geopfert. Die Berufungen zum Erzbischof und zum Präfekten waren alles andere als seine persönlichen Sternstunden.
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Papst Benedikts 90. Geburtstag fällt auf das Osterfest – Kardinal Müllers Würdigung

„In kleinem Kreis“ wird der emeritierte Papst Benedikt XVI. seinen 90. Geburtstag feiern – und dabei wird am Ostermontag, einen Tag nach dem runden Geburtstag, sicher auch Kardinal Gerhard Müller nicht fehlen.

Er ist Nachfolger Ratzingers im Amt des Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation  –  und kaum jemand kennt Benedikts Schriften so gut wie Müller: „Ich habe schon einiges geschrieben über ihn und bin auch Herausgeber der Gesammelten Werke: 16 Bände.“

Der deutsche Kurienkardinal sagte zudem im Gespräch mit Radio Vatikan:

„Wer beim Zustandekommen dieser Ausgabe beteiligt ist oder wer sie in den jeweiligen Sprachen gelesen hat, der weiß, dass Papst Benedikt ein großer, bedeutender Theologe ist  und dass er dieses theologische Wissen, diese Erfahrung eingebracht hat in sein Pontifikat.

Und dass er mit einem bedeutenden Pontifikat auch in die Geschichte eingehen wird – unabhängig davon, was die eine oder andere interessierte Stimme theologischer Herkunft von sich gibt.

Aber die Beurteilung der Kriterien in Geschichte und Theologie sind eben andere, und hier kommt es bei jedem Pontifikat darauf an, wie jemand mit der eigenen Person die Sendung und den Auftrag annimmt, der ihm in der Person des heiligen Petrus von Christus selber übertragen worden ist.“

Der Papst aus Deutschland hat sich vor vier Jahren aus dem Papstamt zurückgezogen. Kardinal Müller antwortet auf die Frage, wie sich die Ära Benedikts unter dem Blickwinkel des jetzigen Pontifikats von Papst Franziskus beurteilen lasse:

„Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, weil wir keine vergleichbaren geschichtlichen Kategorien haben… Wenn Benedikt XVI. auf die Ausübung des Primats verzichtet hat und, auf Deutsch gesagt, zurückgetreten ist von diesem Amt, dann ist das ja nicht so, wie wenn ein Präsident eines Staates oder ein Minister zurücktritt, sodass sein Amt der Vergangenheit angehört. Sondern das ist ja auch eine persönliche Beauftragung durch Christus, die jetzt auf diese Weise nicht mehr ausgeübt wird, da wir jetzt einen neuen, anderen Papst haben.

Aber Benedikt hat das eben auch so definiert, dass er gerade als emeritierter Papst durch das Gebet und durch sein Wohlwollen dem päpstlichen Auftrag und der Sendung bleibend verbunden ist. Ich glaube auch, dass gerade durch sein Erbe in der Theologie und auch in seinem päpstlichen Lehramt er weiterhin noch wesentliche Orientierung bietet für das Verständnis des katholischen Glaubens.“

Quelle und vollständige Meldung hier: http://de.radiovaticana.va/news/2017/04/07/m%C3%BCller_%E2%80%9Ebenedikt_xvi_wird_in_geschichte_eingehen%E2%80%9C/1303481


Papst Franziskus, der Islam, die Enttäuschung: Folgt der Abschied vom Papalismus?

Von Michael Charlier

Nun haben die überaus erstaunlichen Pressekonferenzen, die Franziskus stets im Flugzeug zu geben pflegt, also doch ihr Gutes gehabt: Nach seinen Erklärungen auf dem Rückflug aus Krakau ist dieser Mann, wenn er sich zu weltlichen Dingen äußert, endgültig nicht mehr ernst zu nehmen.  Radio Vatikan

Und da er auch schon deutlich gemacht hat, daß er nicht beabsichtigt, sich mit der Autorität des Petrusamtes zu Fragen der Glaubens- und Sittenlehre zu äußern, können wir auch hier beruhigt sein: Da kommt nichts mehr, was einen Katholiken im Gewissen berühren könnte  –  außer einer gelegentlichen und aus jedem Mund willkommenen Bekräftigung dessen, was schon immer galt.

Eine Woche nach der rituellen Schlachtung des Priesters Hamel am Altar in Frankreich und im zehnten Jahr einer im Namen des Islam tobenden blutigen Christenverfolgung im Orient so zu reden, wie Franziskus im Flugzeug vor der Presse geredet hat, nimmt dem Mann die letzte Glaubwürdigkeit, die man ihm in Ansehung seines hohen Amtes noch zugestehen wollte.

Seine Erklärung ist derart absurd, daß selbst die überaus Franziskus-freundliche Presse sie, so weit wir sehen, nicht im Wortlaut verbreitet hat, sondern peinlich berührt auf Zusammenfassungen auswich. Etwa in der Art: Der Papst habe vor einer Gleichsetzung von Islam und Gewalt gewarnt.

Schon in der ersten Erklärung seines Pressesprechers zum Priestermord  –  der Papst selbst hielt sich vornehm zurück  –  hatte sich gezeigt, daß die Kirche der Bergoglio, Lombardi, Spadano, Madariaga, Kasper, Galantino und wie sie alle heißen, mit dem Terror im Namen des Propheten nicht umzugehen weiß. Sie ist nicht ansatzweise imstande oder auch nur willens, dieses überaus tatkräftige Dementi ihres von Illusionen und säkularen Rücksichten bestimmten Umgangs mit dem Islam zur Kenntnis zu nehmen. RadioVatikan

Schlüsselwort der Erklärung war die Bezeichnung des Mordes als „absurd“. Allerdings sind Mord und Totschlag seit 1500 Jahren die mal mehr, mal weniger dominierende Konstante in der Praxis des Islam gegenüber den Christen gewesen.

Ein Moslem, der einem Christen den Kopf abschneidet, befolgt schließlich nur eine radikale, aber vom Lebensbericht des Propheten selbst beglaubigte Lesart vieler Verse des Korans und einen dementsprechend in zahllosen Lehrschriften und Predigten wiederholten Auftrag: „Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Ungläubigen, wo ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf.“ (Sure 9.5) 

Und auch für den Christen, der seinen Glauben kennt und ernst nimmt, haben solche Taten nichts „absurdes“. Sie entsprechen nur zu genau dem, was Christus vorausgesagt hat: Haben sie mich verfolgt, sie werden euch auch verfolgen (Joh. 15,26).

Damit entsprechen sie nicht nur einer Prophetie von vor 2000 Jahren, sondern auch einer unmittelbar mit der Kreuzigung des HERRN einsetzenden Praxis und seitdem nicht mehr endenden Kette von blutigen Verfolgungen; Verfolgungen, in denen sich die Anhänger des Islam seit über 1000 Jahren immer wieder hervortun.

Unzählige Christen sind diesem Furor zum Opfer gefallen; viele, deren Namen bekannt sind, werden von der Kirche als Märtyrer hoch in Ehren gehalten verehrt und um Fürsprache bei dem HERRN, für den sie ihr irdisches Leben verloren haben, angerufen. 1523

Jede Tat, die zu einem Martyrium führt, ist grausam, unmenschlich, abstoßend und welche Worte sich sonst noch aufdrängen mögen – aber was an Märtyrern und Martyrium ist „absurd“?  –  Es sei denn, man habe sich längst vom Glauben an den HERRN über Leben und Tod verabschiedet oder empfindet ein aus einem Glauben heraus begründetes Handeln überhaupt als „absurd“, „unlogisch“ oder sonstwie aus der Zeit gefallen.

Wahrhaft absurd aber ist es, wenn man Verbrechen hierzulande – der Papst nennt als Beispiel einen Schwiegermuttermord – mit den aus ihrer Religion begründeten Mordtaten fanatischer Moslems gleichsetzt und als private Lehre verkündet: „Man kann nicht sagen, es ist nicht richtig zu sagen, dass der Islam terroristisch ist.“

Doch lesen Sie selbst:

„Ich mag es nicht, von islamischer Gewalt zu sprechen, denn jeden Tag, wenn ich die Zeitungen durchblättere, sehe ich Gewalttaten, hier in Italien: da ist der, der seine Freundin oder seine Schwiegermutter tötet, und das sind gewalttätige katholische Getaufte. Würde ich von islamischer Gewalt sprechen, müsste ich dann auch von katholischer Gewalt sprechen?

Nicht alle Muslime sind gewalttätig. Das ist wie ein Obstsalat, in den Religionen gibt es die Gewalttätigen. Etwas ist wahr: in fast allen Religionen ist da immer ein kleines fundamentalistisches Grüppchen. Auch wir haben das. Und wenn der Fundamentalismus dazu kommt, zu töten – man kann mit der Zunge töten, das sagt der Apostel Jakobus, nicht ich, und man kann mit dem Messer töten – es ist nicht richtig, den Islam mit Gewalt zu identifizieren. …

Ja wir können sagen, daß der sogenannte ISIS ein islamischer Staat ist, der sich gewalttätig präsentiert, weil er uns als seinen Personalausweis zeigt, wie sie die Ägypter abschlachteten. Aber das ist ein kleines Grüppchen, man kann nicht sagen, es ist nicht richtig zu sagen, daß der Islam terroristisch ist.“

Das war’s denn wohl  —  war’s das?

Lange habe ich überlegt, welche Aufgabe der Ratschluss Gottes wohl dem Pontifikat von Franziskus zugedacht haben mag. Mir scheint, die Rolle des Mannes aus Argentinien besteht darin, der Kirche den Papalismus auszutreiben.

Drei Jahrhunderte von Päpsten, die trotz punktueller Schwächen und gelegentlicher strategischer Fehleinschätzunge den Glauben und die Sittelnlehre der Kirche überzeugend vertreten haben, führten – zusammen mit autoritären Neigungen vergangener Zeiten – in weiten Teilen der Kirche dazu, im Papst nicht den Nachfolger des Petrus zu sehen, der selbst den HERRN dreimal verleugnet hat, sondern einen irdischen Stellvertreter Christi mit gottgleicher Allwissenheit und Autorität.

Nach drei Jahren Franziskus sind von diesem Papstbild nur noch lächerlich wirkende Restbeständen übrig geblieben. Unerhörtes ist geschehen: Nicht nur Kirchenmitglieder, die alles ändern wollen  –  auch Katholiken, die nichts als katholisch sein wollen, haben das Vertrauen in den Papst verloren.

Das hat enorme Auswirkungen. Sicher stand auch bisher schon in jedem Lehrbuch, daß ein Papst die Lehre der Kirche nicht ändern kann. Doch damit hätte ohnehin nie jemand gerechnet, galt doch der Papst als der Wächter und Beschützer der Überlieferung.

Beginnend mit den Unruhen des 2. Vatikanums, die heute in Franziskus ihre Verkörperung gefunden haben, ist diese Gewissheit geschwunden. Zunächst erwachte Argwohn, inzwischen hat dieser sich gewandelt zu Entschlossenheit.

Sollte Franziskus formelle Änderungen versuchen, die den Rahmen dessen überschreitet, was immer schon gelehrt und geglaubt worden ist, würden ihm zwar immer noch genug Schönredner und Opportunisten folgen – aber gleichzeitig würde er einen Widerstand provozieren, der ihn zum Urheber einer Kirchenspaltung machte. Das verdeckte Schisma, das die Kirche seit Jahrzehnten zerreißt, müsste manifest werden.

Wir danken Herrn Michael Charlier für die freundliche Abdruckerlaubnis. Erstveröffentlichung dieses Artikels hier: http://summorum-pontificum.de/meldungen/weltkirche/886-omnes-sancti-martyres-orate-pro-nobis.html


Islam-Äußerungen des Papstes bilden bisherigen Tiefpunkt seines Pontifikats

Von Dr. David Berger

Es ist unter Katholiken kein Geheimnis, dass Papst Franziskus mit seiner Aufgabe intellektuell komplett überfordert ist. Dass er sich aber auch vermehrt zu gesellschaftspolitischen Fragen in einer Weise äußert, die alle Demokraten und überzeugte Vertreter einer offenen Gesellschaft zum Widerstand motivieren muss, ist ein besonders weitreichender Tiefpunkt dieses Pontifikates.  pressefotoberger11

Besonders bedenklich ist sein Verhältnis zu Gewalt und Aggression: So forderte er auf einem seiner Lateinamerikabesuche, die Prügelstrafe für Kinder doch insgesamt lockerer zu sehen. Ein „würdevolles Schlagen“ von Kindern sei völlig ok.

Dieses atavistische Verhältnis zur Gewalt gegenüber Schwächeren spielt auch in einer seiner jüngsten Äußerungen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Polen, wo er bereits durch seine Einmischung in die polnische Politik unangenehm aufgefallen war, hat er sich nun für den gewalttätigen Islam stark gemacht, indem er diesen schön geredet hat.

Von den Journalisten gefragt, warum er  –  angesichts der Gräueltaten des Allahu-Akbar-Terrorismus   –  nie das Wort in den Mund nehme, mahnte er, man könne doch nicht den Islam „mit Gewalt gleichsetzen“.

Katholiken seien genauso gewalttätig wie Muslime. Im Islam gäbe es nicht mehr gewalttätige Fundamentalisten wie in der katholischen Kirche. Täglich lese er in der Zeitung, wie schlimm es in Italien zugehe: „Der eine tötet seine Freundin, der andere tötet seine Schwiegermutter, und das sind alles getaufte Christen.“

Dass er dabei die brutale Gewalt der Islamisten nach Art eines Sozialarbeiters entschuldigte, wird keinen mehr verwundern. Schließlich böten wir in Europa den Migranten zu wenig Perspektiven.Foto Michaela Koller

Der bekannte Stuttgarter Geistliche Jens-Uwe Schwab bemerkte dazu: „Das leugne ich überhaupt nicht. Die Frage ist: Die Christen, die heutzutage Leid und Unrecht verursachen, berufen die sich in ihren (Un-)Taten auf den christlichen Glauben? Und darin liegt meiner Meinung nach ein Unterschied zum islamistischen Terror bzw. zum islamistischen Fanatismus unserer Tage.“

Und er hat recht: Der Papst soll einfach mal bei seiner Zeitungslektüre genauer nachlesen, ob die Italiener, die ihre Schwiegermutter töteten, dabei „Laudetur Jesus Christus“ (Gelobt sei Jesus Christus) riefen.

Oder er soll sich einmal im Vatikan umschauen, ob man dort unter dem Absingen der Herz-Jesu-Litanei schwule Geistliche von den Dächern der Palazzi in den Tod stürzt, um nachher die Ministranten zu motivieren, sie restlich in den Tod zu steinigen.

Dass der Papst mit solch dümmlichen Äußerungen dem von Islamisten in Frankreich ermordeten Priester nachträglich in den Rücken fiel, störte ihn offensichtlich in keinster Weise. Warum auch? Mit solchen Äußerungen fällt er ja generell allen Katholiken, ja allen, denen die Würde des Menschen unveräußerlich ist, in den Rücken.

Erstveröffentlichung dieses Artikels von Dr. Berger hier: https://philosophia-perennis.com/2016/08/01/franziskus-islam-polen/

2. Foto: Ferdinand Seizmair


Markus Günther (FAS): Papst Franziskus liefert Pannen und stiftet Verwirrung

Von Felizitas Küble

Die FAS (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) vom 8. März 2015 veröffentlichte auf Seite 2 einen ausführlichen, die ganze Seite umfassenden Artikel von Dr. Markus Günther über das Pontifikat des derzeitigen Papstes unter dem Titel „Die Kanone ist los.“ zeitungen

Auf Seite 1 wird der Beitrag des 1965 geborenen Historikers und Politikwissenschaftlers mit den Worten angekündigt: „Der Papst ist los – Niemand weiß, was der Papst als nächstes raushaut“.

Bereits diese Überschriften zeigen, daß jene Phase, in welcher die Überraschungen des neuen Pontifex in den Medien gelobt und gepriesen wurden, mittlerweile vorbei ist. Zumindest in der sog. „Qualitätspresse“ macht sich angesichts der pästlichen Pannenserie offenbar Überdruß breit.

Ob mancher Journalist sich inzwischen wohl heimlich nach den Zeiten von Papst Benedikt mit seinen klaren, gehaltvollen und geschliffenen Aussagen zurücksehnt, selbst wenn er ihn  –   wie die meisten Presseleute  –  damals kritisiert hat?

Die FAS kündigt den Beitrag ihres Redakteurs Dr. Günther, der eine Art „Generalabrechnung“ mit zwei Jahren päpstlicher Amtsführung enthält, wie folgt an:   

„Papst Franziskus hatte von Anfang an die Sympathien auf seiner Seite. Dann folgte ein Ausrutscher nach dem anderen. Allmählich ahnen auch seine größten Fans, dass daran nicht allein Medien und Missverständnisse schuld sind. Sonder1_0_809751n der Papst selbst.“

Der Artikel beginnt mit einer nüchtern formulierten, aber gleichwohl unverkennbaren Ironie:

„Die letzten Wochen im Vatikan sind vergleichsweise gut gelaufen: Ein Dementi und eine kleine Richtigstellung, eine scharf formulierte Protestnote des mexikanischen Außenministers und eine prompte Entschuldigung vom Heiligen Stuhl, schließlich ein versöhnlicher Brief des Kardinalstaatssekretärs und herzliche Grüße des Heiligen Vaters an das mexikanische Volk  – aber sonst ist der Papst ganz durchgekommen.“

Die beschriebene Pannenserie läßt sich bereits sehen, ist aber aus Sicht des FAS-Redakteurs noch vergleichsweise harmlos. Er spricht in seiner Aufzählung die (un)diplomatischen Verstimmungen an, die der Papst mit einer E-Mail an seinen Freund G. Vera gegen eine „Mexikanisierung“ Argentiniens auslöste.

Sodann folgt der Hinweis, daß der Papst sich kürzlich in Fastenexerzitien zurückgezogen habe, wie das um diese Zeit im Vatikan üblich sei. So blieb ihm schlicht weniger Zeit für öffentliche Äußerungen  –  und Ausrutscher.

Doch die Hoffnung des Autors hält sich in Grenzen, denn die erwähnte „Verschnaufpause“ sei schon vorbei:

„Man muss nun wieder täglich mit allem rechnen, mit handfesten Erziehungsratschlägen und deftigen Exkursen zum Paarungsverhalten zwei- und vierbeiniger Säugetiere, mit gutgemeinten Anekdoten und schlecht erzählten Witzen, mit theologischem Ernst und südamerkanischer Lässigkeit. Franziskus hat alles im Angebot.“

Der Verfasser beschreibt sodann, daß des Papstes Spontanität diesem zunächst durchaus Sympathien einbrachte, zumal er nicht sprach wie ein „hochtrabender Theologe“, sondern wie ein „echter Seelsorger“.

Als sich die ersten Mißverständnisse nicht mehr leugnen ließen, habe man diese anfangs irgendwie zugunsten des Papstes „umdeuten“ können. Doch allmählich habe sich diese Auslegungskunst schwieriger gestaltet, schließlich könne man diverse _papa_francisco_peq_51656bafbd575unverständliche Äußerungen des Pontifex nicht immer mit deren ungünstiger Darstellung  in den Medien erklären und entlasten.

Neue Stimmung: „Das Maß ist voll“

Daher ebbe die anfängliche „beispiellose Sympathiewelle“ jetzt deutlich ab. Zum ersten Mal greife eine „neue Stimmung“ um sich: „Das Maß ist voll.“

Gemeint ist vor allem das Maß an verwirrenden Überraschungen und sprachlichen Mißgriffen:

„Wann immer der Papst das vorbereitete Manuskript aus der Hand legt und beginnt, frei weiterzureden (und das tut er trotz aller schlechten Erfahrungen immer wieder), halten die Berater im Hintergrund die Luft an.“

Der Autor rätselt in den nächsten Abschnitt über den rätselhaften Pontifex in Rom:

„Wird der Papst falsch beraten? Versteht er nicht die Tragweite seiner Worte?  – Diejenigen, die es wissen müssten, zeigen sich schon seit längerem weitgehend entmutigt… Franziskus lässt sich nicht sagen, was er zu tun oder zu lassen hat.“

Franziskus liebe das „freie, spontane, oft auch unbedachte Wort“, meint der Verfasser  – und fügt hinzu:

„Er fühlt sich pudelwohl, wenn er einfach drauflosreden kann, frei von jeder Rücksicht auf liturgische Vorschriften oder diplomatische Gepflogenheiten.“  Petrischlüssel

Gewisse Regeln und Gewohnheiten, die den Vatikan zum Teil schon seit Jahrhunderten prägen, empfindet der Papst als überflüssig bis lästig. Hierzu erläutert FAS-Redakteur Dr. Günther: „Jeder äußere Zwang  – seien es die päpstlichen Gewänder oder die Dienstwohnung in Apostolischen Palast, die vorbereiteten Ansprachen oder die strengen Rituale im Vatikan – ist ihm im Kern zuwider. „

Das könne man, so der Autor, durchaus „sympathisch finden“. Doch für das Oberhaupt von weltweit 1,2 Milliarden Katholiken sei diese Denk- und Verhaltensweise „vielleicht keine ideale Voraussetzung.“

Auf den Verfasser wirkt es „eigensinnig“, so schreibt er, „dass der Papst über einen erheblichen Teil seiner Zeit, vor allem an den Nachmittagen, komplett selbst verfügt.“

Zwar verdächtige ihn niemand, daß er dabei „faulenzt“, doch bleibe „unklar“, was er in dieser Zeit „genau macht“, ob telefonieren oder E-Mails-Schreiben; jedenfalls führe eben dies zu den „vielbeklagten Pannen“, weil private Äußerungen von ihm später die Öffentlichkeit erreicht hätten.

Dr. Günther bringt das entstandene Grundproblem sodann wie folgt auf den Punkt: „Der Papst hat es bislang nicht akzeptiert, dass es für ihn kein Privatleben mehr gibt.“

Doch nicht nur ständige Ausrutscher und Mißverständnisse führen zu Irritationen im Kirchenvolk und in der Medienwelt, sondern auch die Unklarheit über den päpstlichen Kurs bei wesentlichen Themen, die zur Debatte stehen. Hierzu der FAS-Autor: 220px-Archbishop_Raymond_Leo_Burke

„Viele, die nach dem ersten, auch schon reichlich turbulenten Jahr noch hoffnungsvoll auf das neu begonnene Pontifikat geblickt hatten, zeigen sich inzwischen zerknirscht. Das liegt nicht nur an den verbalen Fehlgriffen des Papses, sondern auch an einer wachsenden Unsicherheit, was er überhaupt will und ob er seiner Aufgabe gewachsen ist.“

Mehrfache Absetzung eines konservativen Kardinals

Wir erinnern uns, daß der namhafte Kardinal Raymond Burke (siehe Foto) den Papst im vorigen Herbst während der Familiensynode dringend darum bat, anläßlich der dort debattierten kirchlichen Ehelehre für Eindeutigkeit zu sorgen, denn die Gläubigen hätten Anspruch auf eine klare Wegweisung durch das Oberhaupt ihrer Kirche.

Der Kurienkardinal bezog sich hierbei vor allem auf den umstrittenen Zwischenbericht (die sog. „Relatio“) während der Familiensynode. Mit seiner Kritik an Inhalt und Methoden war der US-amerikanische Kirchenmann beileibe nicht allein. (Siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/10/15/kardinale-und-bischofe-kritisieren-den-zwischenbericht-zur-familiensynode/

Doch statt einer Antwort auf diesen berechtigen Appell folgte die Absetzung:

Einige Wochen nach jener Bischofssynode wurde der theologisch konservative Kardinal Anfang November 2014 in seiner Eigenschaft als Präfekt der Apostolischen Signatur (oberster vatikanischer Gerichtshof) von Franziskus amtsenthoben und auf einen unbedeutenden Ehrenposten abgeschoben. (Näheres dazu HIER.)

Schon ein Jahr zuvor  –  im Dezember 2013  –  wurde der vor allen in den USA hochgeschätzte Würdenträger von Papst Franziskus aus der wichtigen vatikanischen Bischofskongregation entfernt. Diese Absetzung Burkes löste besonders unter Lebensrechtsverbänden weltweit große Enttäuschung aus. (Infos hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/12/20/lebensrechtler-weltweit-entsetzt-papst-entlast-kardinal-burke-aus-der-bischofskongregation/

Auch für Dr. Günter bleibt die päpstliche Position in dem langanhaltenden Ringen zu den Themenfeldern Ehe und Familie und in der „um sich greifenden Verwirrung“ durchaus unklar: 

„Konservative und Liberale streiten seit Monaten heftig über die Themen der Synode  –  doch auf keiner Seite durchblickt man bislang, was der Papst selbst eigentlich will. Ist es Machtkalkül oder Führungsschwäche, dem Streit tatenlos zuzusehen?“

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Fotos: KOMM-MIT-Verlag, Radio Vatikan (2,3), Archiv