Münster: Vor 80 Jahren predigte Bischof Clemens Graf von Galen gegen die NS-Diktatur

Heldenhafte Predigt Galens „aus Liebe zu Volk und Vaterland“ vom 20. Juli 1941 in der Liebfrauenkirche von Münster hier im vollen Wortlaut:

Am heutigen Sonntag wird in allen Gemeinden der Diözese, die bisher selbst nicht durch Kriegsschäden gelitten haben, die von mir angeordnete Kollekte gehalten für die Bewohner der Stadt Münster. Ich hoffe, daß es durch das Eingreifen der dafür zuständigen staatlichen und städtischen Stellen und durch die brüderliche Hilfe der Katholiken unseres Bistums, deren Spenden die Caritasstellen verwalten und verteilen werden, gelingen wird, vielerlei Not zu lindern.

Gott sei Dank: Seit mehreren Tagen haben neue Angriffe der Kriegsgegner unsere Stadt nicht mehr erreicht. Aber leider muß ich es sagen: Die Angriffe unserer Gegner im Innern des Landes, deren Beginn ich am vorigen Sonntag in St. Lamberti besprochen habe, sind in der letzten Woche, unbekümmert um unsere Proteste, unbekümmert um das Herzeleid, das dadurch den Betroffenen und ihren Angehörigen bereitet wird, fortgeführt worden.

BILD: HASS gegen Kardinal von GALEN damals und heute: Sein Denkmal auf dem Domplatz in Münster wurde von Linksradikalen mit Farbe beschmiert (das Foto zeigt Beter vor dem Mahnmal)

Am vorigen Sonntag habe ich es öffentlich beklagt, als himmelschreiendes Unrecht bezeichnet, daß die Gestapo die Ordensniederlassungen der Immakulata-Schwestern in Wilkinghege und der Jesuiten in Münster aufgehoben, Häuser und Inventar beschlagnahmt und die Bewohner auf die Straße gejagt, aus der Heimat vertrieben hatte. Auch das Lourdeskloster an der Frauenstraße in Münster wurde für die Gauleitung beschlagnahmt.

Ich wußte damals noch nicht, daß am gleichen Tage, am Sonntag, dem 13. Juli, die Gestapo das Kamilluskolleg in St. Mauritz-Sudmühle und unsere Benediktinerabtei St. Josef in Gerleve bei Coesfeld besetzte, beschlagnahmte und die Patres und Brüder dort vertrieb. Sie mußten am gleichen Tage Westfalen verlassen.

Am 15. Juli wurden auch die Benediktinerinnen von der Ewigen Anbetung in Vinnenberg bei Warendorf ausgetrieben und über die Provinzgrenze gejagt. Am 17. Juli mußten die Kreuzschwestern in Haus Aspel bei Rees ihr Besitztum und den Kreis Rees verlassen. Hätte nicht christliche Liebe sich all dieser Obdachlosen erbarmt, so wären diese Frauen und Männer dem Hunger und den Unbilden der Witterung überlassen.

Vor wenigen Stunden bekam ich nun auch noch die Trauernachricht, daß gestern, am 19. Juli, zum Abschluß dieser zweiten Schreckenswoche für unser Münsterland, die Gestapo auch das deutsche Provinzialhaus der Missionare vom heiligsten Herzen Jesu, das euch allen wohlbekannte große Missionskloster in Hiltrup, besetzt, beschlagnahmt und enteignet hat. Die noch dort wohnenden Patres und Brüder mußten bis gestern abend 8 Uhr ihr Heim und ihren Besitz verlassen. Auch sie sind aus Westfalen und wiederum auch aus der Rheinprovinz ausgewiesen.

BILD: Das historische Rathaus in Münster mit einer Christkönigs-Figur

Die dort noch wohnenden Patres und Brüder: Ich sage das mit besonderer Betonung: denn aus den Reihen der Hiltruper Missionare stehen zur Zeit, wie ich kürzlich zuverlässig erfuhr, 161 Männer als deutsche Soldaten im Felde, teilweise direkt vor dem Feinde, 53 Patres von Hiltrup sind als Sanitäter im Dienste der verwundeten Soldaten tätig, 42 Theologen und 66 Brüder dienen als Soldaten mit der Waffe dem Vaterland, sind teilweise schon mit dem Eisernen Kreuz, dem Sturmabzeichen und anderen Auszeichnungen geschmückt. Ähnlich ist es bei den Patres Kamillianern von Sudmühle, bei den Jesuiten von Sentmaring und bei den Benediktinern von St. Josef in Gerleve!

Während diese deutschen Männer, in treuer Kameradschaft mit den anderen deutschen Brüdern, unter Einsatz ihres Lebens, gehorsam ihrer Pflicht, für die Heimat kämpfen, wird ihnen im Vaterland rücksichtslos und ohne jeden Rechtsgrund die Heimat genommen, das klösterliche Vaterhaus zerstört! Wenn sie, wie wir hoffen, siegreich wiederkommen, finden sie ihre Klosterfamilie von Haus und Hof vertrieben, ihre Heimat von Fremden, von Feinden besetzt!

Was soll das? Wie soll das enden?

Es handelt sich nicht etwa darum, für obdachlose Bewohner von Münster eine vorübergehende Unterkunft zu schaffen. Die Ordensleute waren bereit und entschlossen, ihre Wohnung für solche Zwecke aufs äußerste einzuschränken, um gleich Anderen Obdachlose aufzunehmen und zu verpflegen. Nein, darum handelt es sich nicht: Im Immakulatakloster in Wilkinghege richtet sich, wie ich höre, die Gaufilmstelle ein. Man sagt mir, in der Benediktinerabtei St. Josef werde ein Entbindungsheim für uneheliche Mütter eingerichtet. Was in Sentmaring, in Sudmühle und Vinnenberg eingezogen ist, habe ich noch nicht erfahren.

Gestapo-Willkür gegen wehrlose Männer und schutzlose Frauen

Ich bin ja überhaupt ohne amtliche Benachrichtigung gelassen. Und keine Zeitung hat bisher von den gefahrlosen Siegen, die in diesen Tagen die Beamten der Gestapo über wehrlose deutsche Männer und schutzlose deutschen Frauen errungen haben und von den Eroberungen, die die Gauleitung in der Heimat am Eigentum deutscher Volksgenossen gemacht hat!

Ich bin am Montag, dem 14. Juli, persönlich beim Herrn Regierungspräsidenten gewesen und habe ihn um Schutz für die Freiheit und das Eigentum schuldloser deutscher Menschen gebeten. Er hat mir erklärt, daß die Gestapo eine völlig selbständige und von der Regierung unabhängige Behörde sei, in deren Maßnahmen er nicht eingreifen könne. Er hat mir aber versprochen, meine Beschwerden und Bitten sofort dem Herrn Oberpräsidenten und Gauleiter Dr. Meyer vorzutragen.

Es hat nichts genützt!

Am gleichen Montag dem, 14. Juli, habe ich an die Reichskanzlei des Führers in Berlin ein Telegramm gesandt mit folgendem Wortlaut:

„Nachdem seit dem 6. Juli die Kriegsgegner die Stadt Münster in furchtbaren Nachtangriffen zu zerstören suchen, hat die Gestapo am 12. Juli begonnen, die Klöster und Ordenshäuser in Stadt und Umgebung zu beschlagnahmen und samt Inventar zu Gunsten der Gauleitung zu enteignen. Die Bewohner, schuldlose deutsche Männer und Frauen, ehrenhafte Mitglieder deutscher Familien, deren Angehörige zum Teil als Soldaten für Deutschland kämpfen, werden ihres Heimes beraubt, auf die Straße gejagt, aus der Heimatprovinz verbannt. Ich bitte den Führer und Reichskanzler im Interesse der Gerechtigkeit und der Geschlossenheit der inneren Front um Schutz für die Freiheit und das Eigentum dieser ehrenwerten deutschen Menschen gegen die Willkürmaßnahmen der Gestapo und gegen Beraubung zu Gunsten der Gauleitung.“

Ähnliche Bitten habe ich telegraphisch dem Reichsstatthalter für Preußen, Reichsmarschall Hermann Göring, dem Reichsinnenminister, dem Reichskirchenminister, und schließlich auch noch dem Oberkommando der Wehrmacht unterbreitet.

Ich hatte gehofft, daß, wenn nicht Erwägungen der Gerechtigkeit, so doch wenigstens die Erkenntnis der Folgen für die Geschlossenheit der inneren Front jetzt im Kriege jene Stellen bewegen würden, dem Vorgehen der Gestapo gegen unsere Brüder und Schwestern Einhalt zu tun, und daß man schuldlosen deutschen Frauen ritterlichen Schutz nicht versagen würde. Es war vergebens: das Vorgehen wurde fortgesetzt und jetzt ist bereits eingetreten, was ich schon lange vorausgesehen und am vorigen Sonntag vorausgesagt habe: Wir stehen vor den Trümmern der inneren Volksgemeinschaft, die in diesen Tagen rücksichtslos zerschlagen worden ist!

Ich habe den Regierungspräsidenten, die Herren Minister, das Oberkommando der Wehrmacht eindringlich darauf hingewiesen, wie die Gewalttaten gegen unbescholtene deutsche Männer, wie diese Rohheit gegenüber wehrlosen deutschen Frauen, die aller Ritterlichkeit Hohn spricht und nur aus einem abgründigen Haß gegen die christliche Religion und gegen die katholische Kirche entspringen kann, wie diese Machenschaften geradezu wie Sabotage und Sprengung der Volksgemeinschaft wirken.

„Keine Volksgemeinschaft mit Kirchenverfolgern“

Volksgemeinschaft mit den Männern, die unsere Ordensleute, unsere Brüder und Schwestern ohne Rechtsgrund, ohne Untersuchung, Verteidigungsmöglichkeit und Gerichtsurteil wie Freiwild aus dem Lande hetzen? Nein! Mit ihnen und allen dafür Verantwortlichen ist mir keine Gemeinschaft im Denken und Fühlen mehr möglich! Ich werde sie nicht hassen, ich wünsche von Herzen, daß sie zur Einsicht kommen und sich bekehren: wie ich auch sofort ein fürbittendes Gebet zum Himmel gesandt habe für die Seele des am 5. Juli plötzlich verstorbenen Ministerialdirigenten Roth.

Er war katholischer Priester der Erzdiözese München, war seit Jahren ohne Erlaubnis und gegen den Willen seines Bischofs Beamter im Reichskirchenministerium und hat gar viele, die Rechte der Kirche verletzende, die Würde der Kirche kränkende Schriftstücke für den Minister Kerrl verfaßt und unterzeichnet. Jetzt ist er bei einer Bootsfahrt auf dem Inn verunglückt und im reißenden Strom ertrunken. Gott sei seiner armen Seele gnädig!

So wollen wir nach dem Gebot des Heilands beten für alle, die uns verfolgen und verleumden! Aber, solange sie sich nicht ändern, solange sie fortfahren, Unschuldige zu berauben, aus dem Lande zu treiben, einzukerkern, solange lehne ich jede Gemeinschaft mit ihnen ab! Nein, die Gemeinsamkeit in Gesinnung und Streben in unserem Volk ist gegen unseren Willen, ungeachtet unserer Warnungen unheilbar gestört.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß unsere alteingesessenen Bürger und Bauern, Handwerker und Arbeiter, daß unsere Frauen, daß eure Väter, Brüder und Söhne, die jetzt an der Front ihr Leben für Deutschland einsetzen, mit den Verfolgern und Vertreibern unserer Ordensleute irgendwie Gesinnungsgemeinschaft pflegen werden.

Wir werden ihnen gehorchen, soweit sie als Vertreter der rechtmäßigen Obrigkeit uns Befehle zu erteilen haben. Aber Gesinnungsgemeinschaft, ein Gefühl innerer Verbundenheit mit diesen Kirchenverfolgern, mit diesen Klosterstürmern, die wehrlose Frauen und Mädchen, Kinder unserer besten Familien, unsere Schwestern aus ihrer klösterlichen Heimat jagen, wo sie, teilweise seit Jahrzehnten, in Arbeit und Gebet unserem Volke nur Gutes getan haben, das kann es für uns nicht geben!

„Zu zarter Hochachtung vor jeder Frau und jedem Mädchen erzogen“

Ich müßte mich schämen vor Gott und vor euch, ich müßte mich schämen vor unseren edlen deutschen Vorfahren, vor meinem ritterlichen seligen Vater, der meine Brüder und mich mit unerbittlichem Ernst zu zarter Hochachtung vor jeder Frau und jedem Mädchen, zu ritterlichem Schutz aller unschuldig Bedrängten, besonders jener, die als Frauen Abbilder unserer eigenen Mütter, ja der lieben Gottesmutter im Himmel sind, ermahnt, erzogen und angeleitet hat, wenn ich Gemeinschaft halten würde mit jenen, die schutzlose Frauen aus Heim und Heimat vertreiben, und obdachlos und mittellos aus dem Lande jagen!

Dazu kommt, was ich schon am letzten Sonntag in der Lambertikirche ausführlich bewiesen habe, was ich heute noch einmal mit großem Ernst aus Liebe zu Volk und Vaterland warnend wiederhole:

Dieses strafweise Vorgehen der Gestapo gegen Schuldlose, ohne gerichtliches Verfahren, ohne Verteidigungsmöglichkeit, die „verteidigungslose Verdammung von vornherein Verurteilter und jeglicher Verteidigungsmittel Beraubter“, wie Reichsminister Dr. Frank es genannt hat, zerstört die Rechtssicherheit, untergräbt das Rechtsbewußtsein und vernichtet das Vertrauen auf die Staatsführung.

Gewiß, wir Christen machen keine Revolution! Wir werden weiter treu unsere Pflicht tun im Gehorsam gegen Gott, aus Liebe zu unserem deutschen Volk und Vaterland. Unsere Soldaten werden kämpfen und sterben für Deutschland, aber nicht für jene Menschen, die durch ihr grausames Vorgehen gegen unsere Ordensleute, gegen ihre Brüder und Schwestern, unsere Herzen verwunden und dem deutschen Namen vor Gott und den Mitmenschen Schmach antun.

Wir kämpfen tapfer weiter gegen den äußeren Feind. Gegen den Feind im Innern, der uns peinigt und schlägt, können wir nicht mit Waffen kämpfen. Es bleibt uns nur ein Kampfmittel: starkes, zähes, hartes Durchhalten!

Hart werden! Fest bleiben!

Wir sehen und erfahren jetzt deutlich, was hinter den neuen Lehren steht, die man uns seit einigen Jahren aufdrängt, denen zuliebe man die Religion aus den Schulen verbannt hat, unsere Vereine unterdrückt hat, jetzt katholische Kindergärten zerstören will: abgrundtiefer Haß gegen das Christentum, das man ausrotten möchte.

Wenn ich recht unterrichtet bin, hat das ja auch der Schulungsleiter Schmidt vor 14 Tagen in der Stadthalle hier vor einem zwangsweise geladenen Publikum, darunter Schüler und Schülerinnen, offen ausgesprochen, und Herr Kreisleiter Miering hat begeistert Beifall gespendet und versprochen, für die Ausführung solcher Pläne sich einzusetzen.

Hart werden! Fest bleiben!

Wir sind in diesem Augenblick nicht Hammer, sondern Amboß. Andere, meist Fremde und Abtrünnige, hämmern auf uns, wollen mit Gewaltanwendung unser Volk, uns selbst, unsere Jugend neu formen, aus der geraden Haltung zu Gott verbiegen.

Amboß statt Hammer: Laßt es euch vom Schmiedemeister sagen“

Wir sind Amboß und nicht Hammer! Aber seht einmal zu in der Schmiede! Fragt den Schmiedemeister und laßt es euch von ihm sagen: Was auf dem Amboß geschmiedet wird, erhält seine Form nicht nur vom Hammer, sondern auch vom Amboß. Der Amboß kann nicht und braucht auch nicht zurückzuschlagen, er muß nur fest, nur hart sein!

Wenn er hinreichend zäh, fest, hart ist, dann hält meistens der Amboß länger als der Hammer. Wie heftig der Hammer auch zuschlägt, der Amboß steht in ruhiger Festigkeit da und wird noch lange dazu dienen, das zu formen, was neu geschmiedet wird.

Was jetzt geschmiedet wird, das sind die zu Unrecht Eingekerkerten, die schuldlos Ausgewiesenen und Verbannten. Gott wird ihnen beistehen, daß sie Form und Haltung christlicher Festigkeit nicht verlieren, wenn der Hammer der Verfolgung sie bitter trifft und ihnen ungerechte Wunden schlägt.

Was in diesen Tagen geschmiedet wird, sind unsere Ordensleute, Patres, Brüder und Schwestern. Ich habe vorgestern einen Teil der Vertriebenen in ihren provisorischen Unterkünften besuchen können und mit ihnen gesprochen.

Ich habe mich erbaut und begeistert an der tapferen Haltung der braven Männer, der schwachen, wehrlosen Frauen, die man roh und rücksichtslos aus ihrer Klosterheimat, aus der Kapelle und der Nähe des Tabernakels verjagte, die erhobenen Hauptes, im Bewußtsein ihrer Schuldlosigkeit, in die ungewisse Verbannung gehen, vertrauend auf jenen, „der die Vögel des Himmels speist und die Lilien des Feldes kleidet“, ja freudig, in jener Freude, die der Heiland seinen Jüngern anbefiehlt: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen verfolgen und hassen um meinetwillen! Freuet euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel!“

Wahrhaftig, diese Männer und Frauen sind Meisterwerke der göttlichen Schmiedewerkstatt.

Was in dieser Zeit geschmiedet wird zwischen Hammer und Amboß, ist unsere Jugend: die heranwachsende, die noch unfertige, die noch bildungsfähig weiche Jugend! Wir können sie den Hammerschlägen des Unglaubens, der Christentumsfeindlichkeit, der falschen Lehren und Sitten nicht entziehen.

Was wird ihnen vorgetragen und aufgedrängt in ihren Heimabenden und den Dienststunden jener Jugendvereinigungen, denen sie, wie man sagt, unter Zustimmung ihrer Eltern freiwillig beigetreten sind? Was hören sie in den Schulen, in die heute alle Kinder ohne Rücksicht auf den Willen der Eltern hineingezwungen werden? Was lesen sie in den neuen Schulbüchern?

Laßt euch doch, christliche Eltern, die Bücher zeigen, besonders die Geschichtsbücher der höheren Schulen! Ihr werdet entsetzt sein, mit welcher Unbekümmertheit um die geschichtliche Wahrheit dort versucht wird, die unerfahrenen Kinder mit Mißtrauen gegen Christentum und Kirche, ja mit Haß gegen den christlichen Glauben zu erfüllen!

In den bevorzugten staatlichen Lehranstalten, den Hitlerschulen und den neuen Lehranstalten für künftige Lehrer und Lehrerinnen, wird jeder christliche Einfluß, ja jede wirklich religiöse Betätigung grundsätzlich ausgeschlossen. Und was geschieht mit den im letzten Frühjahr unter Hinweis auf die Luftgefahr in ferne Gegenden verschickten Kindern? Wie steht es mit dem Religionsunterricht für sie und mit der Übung der Religion?

Christliche Eltern, um all das müßt ihr euch kümmern, sonst versäumt ihr eure heiligsten Pflichten, sonst könnt ihr nicht bestehen vor eurem Gewissen und vor jenem, der euch die Kinder anvertraut, damit ihr sie auf den Weg zum Himmel führt!

Wir sind Amboß, nicht Hammer!

Nicht verbiegen lassen aus der Richtung zu Gott“

Ihr könnt eure Kinder, das Edle, aber noch ungehärtete und ungestählte Rohmetall, leider den Hammerschlägen der Glaubensfeindlichkeit, der Kirchenfeindlichkeit nicht entziehen. Aber auch der Amboß formt mit.

Laßt euer Elternhaus, laßt eure Elternliebe und – treue, laßt euer vorbildliches Christenleben der starke, zähe, feste und unerschütterliche Amboß sein, der die Wucht der feindlichen Schläge auffängt, der die noch schwache Kraft der jungen Menschen immer wieder stärkt und befestigt in dem heiligen Willen, sich nicht verbiegen zu lassen aus der Richtung zu Gott.

Was in dieser Zeit geschmiedet wird, sind fast ohne Ausnahme wir alle. Wie viele sind abhängig durch Pensionen, Staatsrenten, Kinderbeihilfen und anderes! Wer ist denn heute noch unabhängig und freier Herr in seinem Besitz oder Geschäft?

Es mag sein, daß, zumal im Kriege, eine starke Überwachung und Lenkung, ja auch die Zusammenfassung und Zwangssteuerung von Produktion und Wirtschaft, von Erzeugung und Verbrauch notwendig ist, und wer wird das nicht aus Liebe zu Volk und Vaterland willig tragen!

Aber damit ist auch eine Abhängigkeit jedes einzelnen von vielen Personen und Dienststellen gegeben, die nicht nur die Freiheit des Handelns beschränken, sondern auch die freie Unabhängigkeit der Gesinnung in schwere Gefahr und Versuchung bringen, wenn diese Personen und Dienststellen zugleich eine christentumsfeindliche Weltanschauung vertreten und bei den von ihnen abhängigen Menschen durchzusetzen suchen.

Erst recht ist solche Abhängigkeit gegeben bei allen Beamten. Und welcher Mut, welcher Heldenmut mag für manche Beamten dazu gehören, sich trotz allen Druckes noch immer als echte Christen, als treue Katholiken zu erweisen und öffentlich zu bekennen!

Wir sind zur Zeit Amboß, nicht Hammer!

„Durch das vom Glauben geformte Gewissen spricht Gott“

Bleibt stark und fest und unerschütterlich wie der Amboß bei allen Schlägen, die auf ihn niedersausen; in treuestem Dienst für Volk und Vaterland, aber auch stets bereit, in äußerstem Opfermut nach dem Wort zu handeln: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!“

Durch das vom Glauben geformte Gewissen spricht Gott zu jedem von uns. Gehorcht stets unweigerlich der Stimme des Gewissens.

Nehmt euch zum Beispiel und Vorbild jenen preußischen Justizminister der alten Zeit – ich habe ihn früher schon einmal erwähnt – dem einst sein König Friedrich der Große das Ansinnen stellte, er solle sein gesetzmäßig gefälltes Gerichtsurteil nach dem Wunsche des Monarchen umstoßen und abändern. Da hat dieser echte Edelmann, ein Herr von Münchhausen, seinem König die prachtvolle Antwort gegeben: „Mein Kopf steht eurer Majestät zur Verfügung, aber nicht mein Gewissen!“

Er wollte damit sagen: Ich bin bereit, für meinen König zu sterben, ja ich würde im Gehorsam sogar den Tod von Henkershand annehmen. Mein Leben gehört dem König, nicht mein Gewissen; das gehört Gott!

Ist das Geschlecht solcher Edelleute, die so gesinnt sind und so handeln, sind die preußischen Beamten dieser Art ausgestorben? Gibt es nicht mehr Bürger und Bauern, Handwerker und Arbeiter von gleicher Gewissenhaftigkeit und gleichem Edelmut? – Das kann, das will ich nicht glauben! Und darum noch einmal: Werdet hart! Werdet fest! Bleibt standhaft wie der Amboß unter den Hammerschlägen!

Es kann sein, daß der Gehorsam gegen Gott, die Treue gegen das Gewissen mir oder euch das Leben, die Freiheit, die Heimat kostet. Aber: „Lieber sterben als sündigen!“ – Möge Gottes Gnade, ohne die wir nichts vermögen, euch und mir diese unerschütterliche Festigkeit geben und erhalten!

Meine lieben Katholiken von Münster! Nachdem in der Nacht vom 7. zum 8. Juli das Seitenschiff des Domes von einer Sprengbombe durchschlagen war, hat in der folgenden Nacht eine an der Außenwand herabkommende Bombe den Ludgerusbrunnen, das Denkmal der Rückkehr des seligen Bischofs Johann Bernhard aus der Verbannung im Jahre 1884, zerstört.

Mahnung des heiligen Ludger: Haltet fest am Glauben!

Die Statuen der beiden Bischöfe Luitger und Erpho an beiden Seiten des Denkmals sind stark beschädigt. Fast unzerstört geblieben ist die Steinfigur des heiligen Ludger, des Apostels unseres Münsterlandes und ersten Bischofs von Münster.

Segnend und zum Himmel weisend erhebt er die unbeschädigt gebliebene rechte Hand: gleich als sollte uns durch die fast wunderbare Errettung dieses Bildes die Mahnung zugerufen werden: Was auch kommen mag, haltet fest an dem von Gott geoffenbarten, von den Vorfahren ererbten katholischen Glauben: In aller Zerstörung menschlicher Werke, in aller Not und Sorge, in aller Bedrängnis und Verfolgung. Empor die Herzen!“

St. Ludger ermahnt euch, ich, sein 70. Nachfolger auf dem münsterischen Hirtenstuhl, ermahne euch mit den Worten, die in der ersten Christenverfolgung der Apostel Petrus, der erste Papst, den bedrängten Christen schrieb:

„Demütigt euch unter Gottes allmächtige Hand, dann wird er zur rechten Stunde euch erhöhen. Werft alle Sorgen auf ihn, denn er nimmt sich eurer an. Seid nüchtern und wachsam, denn euer Feind, der Teufel, geht umher wie ein nach Beute brüllender Löwe … Widersteht ihm standhaft im Glauben … Der Gott aller Gnaden, der euch durch Jesus Christus berufen hat, nach kurzer Leidenszeit in seine Herrlichkeit einzugehen, er wird euch ausrüsten, stärken, festmachen! Ihm sei Ehre und Herrschaft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen“ (1 Petr 5).

Lasset uns beten für unsere verbannten Ordensleute, für alle, die ungerecht leiden müssen, für alle Notleidenden, für unsere Soldaten, für Münster und seine Bewohner, für unser Volk und Vaterland und seinen Führer.

Quelle: https://www.luebeckermaertyrer.de/de/geschichte/predigten-von-galens/predigt-2.html


Offener Brief an Jesuitenpatres in Berlin

Von Lucia Tentrop

Sehr geehrte Herren Jesuiten,
kürzlich war ich in Ihrer Abendmesse und habe das Evangelium von dem Sämann nach Mk 4,26-34 gehört. Es ging darin um „eine Person„, die Samen aussät.

Dann legt sich diese „Person“ schlafen, am nächsten Morgen steht die „Person“ wieder auf, und der Samen keimt und wächst – und „die Person“ weiß nicht wie… usw.

Dieses ständige Hören von einer „Person“ klang so befremdend künstlich, dass ich, obwohl mir das Evangelium eigentlich bekannt ist, nicht wusste, was ich mir innerlich beim Säen vorstellen sollte. Ich dachte an einen Großstädter, der auf seinem Balkon irgendetwas sät oder einen Professor, der seine Petersilie gießt u.v.a. 

Mich hat das mit der ständigen Person auch in Ihrer anschließenden Predigt so irritiert, dass ich das Evangelium zu Hause nachgeschlagen habe:
Erst da kam das urtümliche Bild des Sämanns wieder in mir hoch. Ein wunderbares Bild, elementar und alles andere als größstädtisch. Ein handfester Bauer, ein durch und durch geerdeter Mensch, der in  weitem Bogen großzügig sein Korn auswirft, etwa so wie der Sämann des Malers van Gogh.

Ein Urbild der Menschheit.
 
In der Kunst und auch bei Jesus ist der Sämann ganz eindeutig ein Mann. Warum darf das nicht sein? Warum ändert man dieses kraftvolle Urbild zugunsten einer undefinierbaren, ja, armseligen Szene, die im Hörer nur ein steriles Lebensgefühl erzeugt?

Ich weiß, dass man seit Brecht häufiger gezielt Texte verfremdet, damit man sich eines Wesentlichen, das durch Gewöhnung verblasst ist, durch den Widerstand der Verfremdung hindurch neu bewusst wird. Aber das war in dieser Predigt nicht der Fall: Die undefinierbare Person führte von dem kraftvollen Urbild Jesu bzw. des Sämanns weg.    

Wofür ist das gut? Warum darf im Evangelium Jesu nicht von einem Mann die Rede sein? Was stört Sie daran?

Mit freundlichen Grüßen
Lucia Tentrop

Unsere Autorin Lucia Tentrop ist katholische Theologin, Musikerin, Malerin und Pädagogin; sie lebt in Berlin; hier ihre Homepage: www.lucia-tentrop.de


Roger Köppel würdigt die Heilige Schrift

Roger Köppel wurde 2001 Chefredakteur der Weltwoche und gab dem einst linksliberalen Blatt einen konservativ-liberalen Kurs. Von 2004 bis 2006 leitete er in Berlin die Tageszeitung Die Welt, danach kehrte er zur Weltwoche zurück. Seit 2015 ist er Mitglied im Schweizer Nationalrat und gehört der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) an.

Über die Bibel sagte er im Podcast, sie sei seine „Buchempfehlung“. „Wenn Sie in Ihrem Leben ein Buch – oder noch einmal – lesen wollen, dann lesen Sie die Bibel. Wenn man die Bibel gelesen hat, muss man keine anderen Bücher mehr lesen – alle anderen Bücher sind gleichsam eine Fußnote zur Bibel. Denn die Bibel handelt von allem, was den Menschen angeht – aber eben auch von dem, was über den Menschen hinausgeht.“

Dieses Buch sei „voller Weisheit“ und „das wichtigste und zugleich unterschätzteste Buch des Abendlandes“.

Der Journalist kritisiert daraufhin, dass in der Kirche allerdings gar nicht mehr richtig aus diesem Buch vorgetragen werde. „Unsere Pfarrer und Priester predigen vor allem gegen Trumps, gegen die Konzerne und gegen den Klimawandel; sie müssten eigentlich aus der Bibel predigen.“

Quelle und vollständiger Artikel hier: https://www.pro-medienmagazin.de/roger-koeppel-bibel-ist-das-wichtigste-buch/


Pflegetarifstreit: Regensburger Bischof Voderholzer verteidigt Caritasverband

Bischof Voderholzer hat sich in seiner Predigt am Gründonnerstag im Pflegetarifstreit hinterdie Caritas gestellt:

„Wenn die Arbeitnehmervertreter wirklich etwas Gutes für die Frauen und Männer in den nichtkirchlichen Einrichtungen tun wollen, dann sollen sie sich dafür einsetzen, dass überall so gut bezahlt wird wie bei der Caritas, und nicht der Kirche, die in Gestalt der Ordenskrankenhäuser und anderer Einrichtungen in diesem Bereich
Pionierarbeit geleistet und Maßstäbe gesetzt hat, ihren Dritten Weg bestreiten.“

Es geht um den Vorwurf, die Arbeitsrechtliche Kommission des Deutschen Caritasverbandes habe verhindert, dass den Pflegekräften eine bessere Bezahlung zuteil werde, weil sie sich geweigert hat, der Ausdehnung eines von den Gewerkschaften ausgehandelten Flächentarifvertrags in der Altenpflege auf die gesamte Pflegebranche zuzustimmen.

Mittlerweile hätten sogar die Kritiker selbst einräumen müssen, dass die Caritas wesentlich besser bezahle als andere Träger sozial‐caritativer Einrichtungen, so der Bischof. Für ihn dränge sich vielmehr der Verdacht auf, dass es in der Kritik an der Caritas gar nicht um gerechtere Bezahlung der Pflegekräfte gehe. Vielmehr solle dem sogenannten „Dritten Weg“ der Garaus gemacht werden.

Der „Dritte Weg“ ist eine besondere Form der Tarifeinigung, die die Katholische Kirche in Deutschland für sich und ihre Einrichtungen geschaffen hat, um Arbeitsvertragsbedingungen auszuhandeln. Die Arbeitsbedingungen werden nicht durch weltliche Instrumentarien wie Tarifverträge, Streiks und Aussperrung, sondern durch paritätisch besetzte arbeitsrechtliche Kommissionen festgelegt.

Bischof Voderholzer belegte die Tarifpolitik konkret mit Zahlen: Der Mindestlohn, etwa für einen Pflegehelfer, eine Pflegehelferin sieht nach dem allgemeinverbindlichen Tarif 11,80 € vor. Der Caritas‐Tarif sieht über 4 Euro mehr die Stunde vor, nämlich 15,90 €. Dasselbe gilt für den Mindestlohn einer examinierten Pflegekraft. Nach allgemeinverbindlichem Tarif werden hier 15,00 € bezahlt. Nach dem Caritas‐Tarif 19,20 €.

Zudem fehlen beim allgemeinverbindlichen Tarif die betriebliche Altersversorgung und Regelungen zu Arbeitszeitmodellen.

Quelle: Bistum Regensburg


Christus hat den Geistern im Jenseits gepredigt

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 1 Petr 3,18-22.

Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, ER, der Gerechte, für die Ungerechten, um euch zu Gott hinzuführen; dem Fleisch nach wurde ER getötet, dem Geist nach lebendig gemacht.

So ist ER auch zu den Geistern gegangen, die im Gefängnis waren, und hat ihnen gepredigt.
Diese waren einst ungehorsam, als Gott in den Tagen Noachs geduldig wartete, während die Arche gebaut wurde; in ihr wurden nur wenige, nämlich acht Menschen, durch das Wasser gerettet.
Dem entspricht die Taufe, die jetzt euch rettet. Sie dient nicht dazu, den Körper von Schmutz zu reinigen, sondern sie ist eine Bitte an Gott um ein reines Gewissen aufgrund der Auferstehung Jesu Christi, der in den Himmel gegangen ist; dort sitzt ER zur Rechten Gottes, und Engel, Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen.

HINWEIS: Die Predigt Jesu im „Gefängnis“ wird von der katholischen Tradition auf das Fegefeuer (Läuterung im Jenseits) hin gedeutet, denn die Seelen im Himmel sind nicht in einem „Gefängnis“ und sie bedürfen keiner Unterweisung; hingegen ist es in der Hölle für jede Predigt ohnehin zu spät. Es kann sich also nur um ein „Zwischenreich“ handeln, das Fegefeuer oder allenfalls den sog. Limbus.


Weihnachten: Dornröschen und der Prinz

Von Felizitas Küble

Heute hörte ich in der Aegidii-Kirche in Münsters Innenstadt eine nachdenkenswerte Predigt. Der junge Pater interpretierte das bekannte Märchen „Dornröschen“ als Symbolgeschichte und wandte sie geschickt auf das Weihnachtsfest an, das vor der Tür steht.

Einige Gedanken daraus habe ich noch halbwegs in Erinnerung:

Der Stich mit der Spindel führt bei Dornröschen zu einem hundertjährigen Schlaf – aber nicht nur die Königstochter ist betroffen, sondern das ganze Schloß, auch die Tiere, die Natur dort.

Hat nicht auch der „Stich“ durch den Sündenfall bzw. die Erbsünde zur Folge gehabt, daß die Freundschaft des Menschen mit Gott „brachliegt“, daß das Gnadenleben der Seele nicht mehr lebendig ist? Ist zudem nicht auch die ganze Schöpfung – wie Paulus schreibt – in Mitleidenschaft gezogen?

Der Mensch ist ohne spezielle Hilfe Gottes, ohne sein Eingreifen zwar nicht ganz tot, er führt ja sein alltägliches Dasein fort, aber so vieles von dem Guten, wozu er potentiell (möglicherweise, rein theoretisch) imstande wäre, kann er wegen der Schwäche seiner erbsündlichen Natur nicht ausführen. Es fehlt ihm manchmal weniger die rechte Absicht, aber die seelisch-charakterliche Kraft und innere Ausdauer, um Gottes Gebote und Ideale zu erfüllen.

Nun kommt auch hier ein „Prinz“ zu Hilfe, der die Dornenhecken und alle weiteren Hindernisse überwindet und Dornröschen wachküßt, damit das Mädchen aus seinem langen Schlaf erwacht.

Auch wir sind „Kinder des Königs“, des großen Schöpfergottes – und Christus, der „Prinz“, der Sohn des Ewigen räumt das Geröll von Irrtum, Sünde, Tod und Schwäche hinweg, denn ER will, daß „alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4). Allein sein Heilswirken von Weihnachten über das Kreuz bis Ostern kann uns befreien, uns zum wahren Leben und zur Freundschaft mit Gott führen.

Durch Glaube und Taufe erwachen wir also aus unserem „Seelenschlaf“.

Wir heißen nicht nur Kinder Gottes, wir sind es“ (vgl. 1 Joh 3) – ja, wir sind gleichsam Königskinder, Söhne und Töchter des Ewigen selbst.

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Gedenktag des sel. Berthold von Regensburg

Anlässlich des Gedenktags des seligen Berthold von Regensburg hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am Montagabend im Dom St. Peter ein Pontifikalamt gefeiert.

In den vergangenen Jahren war der Gottesdienst in der Minoritenkirche gefeiert worden, in der der Selige gewirkt hatte und auch zunächst bestattet worden war. Aufgrund der Situation fand der Gottesdienst in diesem Jahr im Dom statt.

Auch diese Verlegung ist eine Verwirklichung des bereits sprichwörtlichen „Wir lassen nichts ausfallen, wir lassen uns etwas einfallen“.

Bischof Dr. Gerhard L. Müller hatte als Oberhirte von Regensburg die Tradition begründet, in der seit rund 200 Jahren profanierten Kirche wieder die heilige Messe zu Ehren des Seligen zu feiern.

Berthold von Regensburg war weit über die Mauern der Stadt hinaus als kräftiger Prediger bekannt. Bischof Rudolf nannte ihn „einen der großen Prediger und besonders auch Bußprediger“. Er gratulierte allen, die den Namen des Seligen tragen, so z.B. Diakon Berthold Schwarzer, der an diesem Abend am Altar assistierte.

Die Reliquien des seligen Berthold waren eigens aus der Bischofsgruft empor getragen worden. Der Holzschrein, der die sterblichen Überreste des Seligen enthält, wurde nur vom Schein zahlreicher Kerzen erleuchtet.

In seiner Predigt verwies der Bischof auf die sehr dunkle Zeit, in der der Text des Adventsliedes „O Heiland reiß die Himmel auf“ aus der Feder des Jesuiten Friedrich von Spee (1591 – 1635) entstanden war. Von Spee hatte ihn während des grausamen Dreißigjährigen Krieges getextet. Schwierige Zeiten: Er hatte sich gegen das Phänomen des Hexenwahns gestellt, das in der Neuzeit wiederholt aufgetreten war.

Überhaupt gelte es, die christliche Hoffnung, auch und gerade in schweren Zeiten nicht aufzugeben, sagte der Bischof von Regensburg.

Zur Vita des seligen Berthold: Wohl um 1210 in Regensburg geboren, trat Berthold im Jahre 1226 in die Gemeinschaft der Minderbrüder, der Franziskaner, ein. Hunderte, gar tausende Zuhörer nennen die Chronisten bei den Predigten des seligen Berthold von Regensburg, der sich als wortgewaltiger und weitgereister Prediger einen Namen machte. Von ihm sind rund 400 lateinische und 70 mittelhochdeutsche Mitschriften von Predigten in ganz Europa überliefert. Die Volkspredigt war in Zeiten, in denen nur wenige Menschen des Lesens und Schreibens mächtig waren, ein Massenmedium.

Berthold verstarb wohl am 13. oder 14. Dezember 1272 in Regensburg und wurde zunächst in der Minoritenkirche im südlichen Seitenschiff beigesetzt. Im Zuge der Klosterauflösung vor gut 200 Jahren im Rahmen der Säkularisation wurde seine Grabplatte in einem Privathaus verbaut, 1862 wiederentdeckt und dann im Domkreuzgang platziert. Bertholds Grabplatte hat heute ihren Platz wieder zentral im Chorraum der Minoritenkirche.

Quelle (Text / Fotos): Bistum Regensburg


Bischof Voderholzer weihte im Regensburger Dom sieben Männer zu Diakonen

Sieben Männer empfingen am heutigen Samstag (5.12.) im Regensburger Dom St. Peter durch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Weihe zum Diakon.

Die Weihekandidaten versprachen ihrem Bischof Gehorsam und die Bereitschaft zum Dienst in der Kirche. Sie erhielten ihre Gewänder und das Evangeliar.

Im kommenden Jahr, Ende Juni 2021, werden die sieben Männer in der Regensburger Kathedrale zu Priestern geweiht.

In seiner Predigt erinnerte der Bischof an die Einsetzung des Sieben-Männer-Amtes in der Apostelgeschichte, das seit frühester Zeit mit den Diakonen identifiziert wird. Die Apostel richten es ein und die Hauptaufgabe sollte die Sorge sein um die Bedürftigen, die Armen, die Kranken usw. in der Pfarrei. Die Apostel konnten sich so auf die Verkündigung, den Gottesdienst, die Predigt und den Religionsunterricht konzentrieren.

„Am besten wird es immer sein, wenn die Verkündigung vom Caritas-Dienst gedeckt ist, und wenn umgekehrt das sozial-caritative Tun begleitet wird vom Wort der Verkündigung, von der Erschließung des Glaubens“, erklärte der Bischof.

An die Weihekandidaten gewandt sagte der Regensburger Oberhirte:

„Die Tradition der Kirche hat es aus gutem Grund so eingerichtet, dass vor der Weihe zum Priester die Weihe zum Diakon steht. Das ist nicht ein bloßes Durchgangsstadium, sondern gewissermaßen der Grundton, die Basis, der Bass.

Euer Diakonat fällt in eine Zeit ganz besonderer Herausforderungen. Die Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie sind für viele Menschen eine riesige Belastung.

Ich bitte Euch, zusammen mit den Pfarrern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Pfarreien gerade jetzt auch sensibel und kreativ alle Möglichkeiten auszuschöpfen, Kontakte zu halten, zu schauen, dass niemand vergessen wird, zu überlegen, wen könnte ich wenigstens anrufen, eine Karte schreiben, ein Zeichen der Verbundenheit; wo wartet vielleicht jemand schon lange voll Sehnsucht darauf, wahrgenommen zu werden und in verwandelter Form die Hand ausgestreckt zu bekommen. Danke für alle Leidenschaft und Kreativität, die ich in der Seelsorge beobachte!“

Die neuen Diakone:

Neumann, Bastian aus Tirschenreuth, Heimatpfarrei: Pfarrei St. Laurentius in Konnersreuth, Praktikumspfarrei: Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit in Amberg

Preuß, Henrik Lukas aus Völklingen (Saarland), Heimatpfarrei: Pfarrei Hl. Kreuz im Warndt in Völklingen-Ludweiler, Praktikumspfarrei: Pfarrei St. Georg in Amberg

Rodriguez, Ramon aus Hirschau (geboren in Amberg), Heimatpfarrei: Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Hirschau, Praktikumspfarrei: Pfarrei St. Wolfgang in Regensburg

Skorczyk, Leonard Georg Martin aus Amberg (geboren in Hamburg), Heimatpfarrei: Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit, Praktikumspfarrei: Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Deggendorf

Strätz, Matthias aus Zeil am Main (geboren in Haßfurt, Unterfranken), Heimatpfarrei: Pfarreiengem. Am Weinstock Jesu / Pfarrei St. Michael in Zeil am Main, Praktikumspfarrei: Pfarrei St. Josef in Weiden

Eibl C.R.V., HerrPatrick aus Langquaid (geboren in Hutthurm), Propstei St. Michael der Augustiner Chorherren in Paring/Langquaid, Praktikumspfarrei: Pfarrei St. Pius in Kelheim

Röse C.R.V., HerrAlexander aus Langquaid (geboren in Marburg), Propstei St. Michael der Augustiner Chorherren in Paring/Langquaid, Praktikumspfarrei: Pfarrei St. Ägidius in Lappersdorf

Quelle: Bistum Regensburg – Erste zwei Fotos: © Uwe Moosburger / altrofoto


Am Nasenring der Kirchenveränderer

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern – also der Zusammenschluss der Diözesanräte – behandelte am 13./14. November die „Erfahrungen von Frauen in der Kirche“.

Das Impulsreferat hielt die Ordensschwester Sara Thiel. Ihre Ordensgemeinschaft gehört zu den „Niederbronner Erlöserschwestern“. Ihr Thema beim Landeskomitee der Katholiken war „Verletzungsgeschichten von Frauen in der Kirche“.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Am Ende steht ein eindeutiges Votum: Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern „fordert die volle Gleichberechtigung von Frauen“.

Man kann die Position der Kirche zur Frage der geweihten Ämter für Frauen von verschiedenen Seiten aufzurollen versuchen, auch von der emotionalen Seite.

Der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf sprach 1973 mit Blick auf die 68er Kulturrevolution von einer „Revolution neuer Art: Es ist die Revolution der Gesellschaft durch Sprache… Sie besetzt Begriffe und damit die Information der freien Gesellschaft“. – Was den 68ern weithin gelungen ist, wird heute innerkirchlich versucht.

Die Ordensschwester Sara Thiel predigt, wie sie selber sagt,

„regelmäßig auch an Hochfesten, im Gottesdienst, ‚aber immer unter dem Damoklesschwert, dass es offiziell nicht erlaubt ist‘“.

Diese Nonne kennt also die römische „Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester“ vom 15. August 1997. Dort heißt es:

„Daher muss die Homilie während der Eucharistiefeier dem geistlichen Amtsträger, Priester oder Diakon, vorbehalten sein. Ausgeschlossen sind Laien, auch wenn sie in irgendwelchen Gemeinschaften oder Vereinigungen Aufgaben als Pastoralassistenten oder Katecheten erfüllen… Deshalb ist nicht einmal der Diözesanbischof bevollmächtigt, von der Norm des Canons zu dispensieren.“ (Artikel 3, S. 21)

„Bei der Frauenfrage gehe es“ – nach Sr. Thiel – „nicht um Pragmatismus, sondern um eine theologische Grundsatzentscheidung, nämlich die, dass Frauen wie Männer Gottes Ebenbild seien.“

Was Johannes Paul II. am 22. Mai 1994 erneut in Erinnerung gerufen hat, nämlich: „Damit also jeder Zweifel bzgl. der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich Kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben,“ interessiert offensichtlich diese Ordensfrau nicht.

Sr. Thiel hat die üblichen drei Ordensgelübde versprochen, dazu gehört auch der Gehorsam. Wie glaubwürdig ist sie? Sara Thiel vertritt die Niederbronner Schwestern in der Initiative „Ordensfrauen für Menschenwürde.“ Diese setzt sich für die Zulassung von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern und Funktionen ein (Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt, Nr. 47, 22.11.2020, S. 11).

Die von Sara Thiel genannten Verletzungen lassen sich übrigens auch für Männer finden und belegen. Tatsächlich geht es bei der Frauenfrage nicht um Verletzungen, sondern um eine Machtfrage. Wird die Strategie geschickt wie bei diesem Treffen des Landeskomitees eingefädelt, z.B. mit dem Vorwurf der Verletzung oder Ungleichbehandlung von Frauen, lassen sich Gremien und Einzelpersonen am Nasenring vorführen.

Können von solchen Gremien wirksame Initiativen zur Neuevangelisierung erwartet werden?


Regensburger Bischof begrüßt vatikanische Instruktion gegen Pfarrei-„Reformen“

Am 20. Juli 2020 veröffentlichte die vatikanische Kleruskongregation im Auftrag von Papst Franziskus eine Instruktion mit dem Titel: Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche.

Sie wendet sich an eine Kirche, die zumindest in Westeuropa viele Pfarrgemeinden auflöst, die das sakramentale Priestertum an den Rand drängt und Neuevangelisierung vielerorts als Strukturpoblem und Aufweichungsprozess verstehen will.

Verständlich, dass die römische Orientierung heftig kritisiert wurde, votiert sie doch unmissverständlich für eine geistliche Umkehr als Voraussetzung missionarischer Wirkkraft, ein Weg, den die Katholiken mit ihren Pfarreien und den berufenen Priestern gehen sollen.

Bischof Rudolf Voderholzer nahm die 400. Fatima-Wallfahrt im oberpfälzischen Tirschenreuth am 13.8.2020 zum Anlass, diese Instruktion zu begrüßen und sein Votum öffentlich zu begründen.

Die Fatima-Wallfahrt sei der rechte Anlass, denn „Maria, die Königin der Apostel, ist uns bei all unserem Bemühen um das rechte Pfarrei- und Kirche-Sein Vorbild und Fürsprecherin.“

Er fügte hinzu: „In Maria schauen wir, dass es entscheidend in der Kirche nicht darauf ankommt, ein Amt zu bekleiden, sondern Christus zur Welt zu bringen und heilig zu werden.“

Die gesamte Predigt können Sie hier nachlesen.

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/eine-aufloesung-von-pfarreien-steht-fuer-uns-nicht-zur-debatte-bischof-rudolf-zur-aktuellen-instruktion-der-kleruskongregation-anlaesslich-der-400-fatima-monatswallfahrt-in-tirschenreuth-7593/