Unionsfraktion beklagt: Die Türkei wendet sich von Europa ab

Die Bevölkerung der Türkei hat am gestrigen Sonntag in einem knappen Votum für die Änderung der türkischen Verfassung gestimmt. Dazu erklärt der stellv. Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Franz Josef Jung:

„Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion bedauert die Entscheidung der türkischen Bevölkerung. Mit der Verfassungsreform zieht die Türkei einen Schlussstrich unter die insgesamt gute demokratische Entwicklung der letzten Jahrzehnte und schlägt einen gegenteiligen Weg ein.

Werden die Verfassungsänderungen umgesetzt, bedeutet dies insbesondere das Ende der Gewaltenteilung in der Türkei: Der Staatspräsident wird mit einer Machtfülle ausgestattet, wie sie kein Präsident einer westlichen Demokratie kennt.

Gleichzeitig wird das Parlament weitestgehend entmachtet und das Justizsystem unter die vollständige Kontrolle des Präsidenten gestellt. Somit besteht die Gefahr, dass die Türkei in ein autoritäres Herrschaftssystem abgleitet.

Die Türkei wendet sich damit von Europa und seinem Wertesystem ab. Das wird nicht nur Konsequenzen für die Art und Intensität der Zusammenarbeit zwischen der EU und der Türkei haben, nachdem bereits die EU-Beitrittsverhandlungen auf Eis gelegt und EU-Vorbeitrittshilfen gekürzt wurden.

Eine Umsetzung der Verfassungsänderungen würde auch bedeuten, dass es für die Eröffnung der Rechtsstaatskapitel 23 und 24 im Rahmen der Beitrittsverhandlungen überhaupt keine Grundlage mehr gäbe.

BILD: Anti-Erdogan-Demos in Berlin (Foto: M. Leh)

Zudem ist zu befürchten, dass die Verfassungsänderung auch negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung der Türkei haben wird.

Zu kritisieren ist außerdem:

Die Bedingungen für die Volksabstimmung waren nicht frei und nicht fair. So stellt der aktuelle Ausnahmezustand keinen gebührenden
demokratischen Rahmen für ein Referendum über eine so entscheidende Reform dar, mit der das gesamte Staatsgefüge verändert wird. Hinzu kommt, dass das Versammlungsrecht eingeschränkt, die Justiz blockiert und kritische Medien ausgeschaltet waren. Befürworter und Gegner der Verfassungsänderung wurden nicht gleich behandelt, im Gegenteil: Die „Nein“-Kampagne wurde erheblich behindert.

Zehntausende von Regierungskritikern wurden entlassen und verhaftet. Die pro-kurdische Opposition konnte infolge von Verhaftungen von Dutzenden ihrer führenden Persönlichkeiten nur eingeschränkt für ihre Position werben.“


Beginnt mit dem Wahlsieg Trumps ein kritisches Umdenken in den Medien?

Von Christa Meves

Seit 1989, seitdem die Nachricht vom Fall der Mauer aus dem Fernseher drang, habe ich mich noch nicht wieder so erstaunt darüber gefreut, dass etwas völlig Unerwartetes eintrat, wie kürzlich bei der Talkshow der ARD: Christa Meves

Der Moderator von „Hart aber fair“, Frank Plasberg, hatte einen Passus aus dem Wahlkampf des neuen USA-Präsidenten eingeblendet. Dieser enthielt unter dem hochbrandenden Jubel seiner Zuhörer den Satz: „The forgotten men and women of our country will be forgotten no longer“.

Dann fragte Plasberg in seine Gästerunde hinein: „Gibt es in Deutschland Ihrer Meinung nach auch etwas Ähnliches, die Vergessenen, die endlich Gehör finden müssen?“

Und nun geschah nicht das Übliche, nämlich ein Lobgesang der Meinungsfreiheit in unserer „gerechten Demokratie“, sondern ein plötzlicher Einbruch realer Erkenntnis. Niemand in der Runde war bereit, die übliche Verdrängung aufrecht zu erhalten.

Persönlich eingeleitet von dem Urgestein des ARD, dem ehemaligen Intendanten des WDR, Fritz Pleitgen, unterstützt vom Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, zufrieden umlächelt von der Europaparlamentarierin Beatrix von Storch, begab sich die Runde auf den Pfad ernsthafter Selbstkritik.

Man müsse wohl zugestehen, räumten die Medienmächtigen ein, dass die sogenannte „political correctness“ Einschränkungen und Behinderungen von Äußerungen zur Folge gehabt hätte. Was damit im Einzelnen gemeint war, blieb unerläutert.

Aber jeder Kundige konnte aus den Erfahrungen der vergangenen 40 Jahre in all ihrer Fülle zusammenzählen: Es handelt sich um ein recht großes Potential an pc_piVerlautbarungen und Autoren, die anscheinend konservative, vor allem christliche Einstellungen vertreten, sowie Kritik an dem immer unwirklicher werdenden Trend erheben. Diese seien auszuschalten, war bislang die Devise.

Zwar machte sich die Runde jetzt noch einmal an den anscheinend ungerechten Geldverhältnissen fest, aber dennoch zeigte der Moderator auf, dass ihm eine andere Richtung vorschwebte, indem er fragte: „Geht es eigentlich, wenn man über die ‚forgotten one‘ in Amerika oder über die Vergessenen bei uns spricht, geht es da nur um Dinge, die man mit Geld heilen kann?“

Ein Neuanfang zur Wahrheitsfindung also? Eine neue Hoffnung auf Zukunft? Eine Besinnung darauf, dass es die Wirklichkeit war, die unter einer zerstörerischen Ideologie aus dem Blick verloren wurde?

Diese neue Fragestellung kommt zwar fast 50 Jahre zu spät – endgültig zu spät, weil sie schon so fest eingewachsen ist? Denn seit der 68ger Revolte beherrscht einhellig eine linke, nur scheinliberalistische Meinungsdiktatur die Öffentlichkeit in der BRD-West. Und alle jene „Dümmlinge“, die es seitdem wagen, in der Öffentlichkeit mit gesundem Menschenverstand eine bewährte christliche Wahrheit zu vertreten, wurden und werden hierzulande mundtot gemacht. Oft werden sie ohne jede Selbstkritik der Medienmacher ihrer Würde, ihrer berechtigten Einwände, meist sogar ihrer Existenz beraubt. Foto von Elstrud Consoir

Die törichte, einhellige, ideologische Weltvorstellung, die immer unwirklicher wird – vom Benachteiligungsgetöse bis zum Genderismus – wurde nun auch noch per Wikipedia in die Unlöschbarkeit der Diffamierungen gezwungen. Man versah sie geradezu plakativ mit dem lügenhaften Schandmal eines selten einmal vorhandenen Rechtsextremismus.

Aber die bösen Geister, die hinter dieser neuen Verführung einer globalen Öffentlichkeit stehen, haben trotz ihrer unermesslich geschickten Strategie offenbar eines nicht bedacht: Die neue Technik – in all ihrer Unkontrolliertheit – hat nun auch die ungeplante Möglichkeit erwirkt, ihre unwillkommenen Erfahrungen wie auch neue seriöse Forschungsergebnisse per Mail, über Facebook, Youtube etc. auszusprechen und sich damit untereinander zu vernetzen.

Auf diese Weise entstand, von der zugelassenen Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, eine eindrucksvolle, meist christlich getönte, heimliche Parallelgesellschaft. Sie hat – wie das hellrote Licht des der Erde ganz nahe gerückten Mondes – einen weiß-wolkigen Vulkandampf hervorgerufen. Und selbst Fritz Pleitgen hat das erkannt.

Ein erschreckter Journalist brachte das recht unzureichend schlicht zum Ausdruck: „Erst gehen in Frankreich die Leute auf die Straße, dann der Austritt von England, die Osteuropäer sowieso, und nun auch noch die USA. Man sollte da wirklich allmählich umdenken!“ –  Nüchterne Rückkehr zur Realität? Welche Hoffnung!

Christa Meves ist Psychagogin und Bestseller-Autorin; sie leitet den Verein „Verantwortung für die Familie“, bei dem sich online weitere Infos und Artikel finden: http://www.vfa-ev.de/newsl.htm


Kampagne: Türkische Medien verdächtigen Islamprediger Gülen als Vatikan-Agenten

Im Rahmen der Kampagnen der regierungsnahen Presse gegen den in den USA im Exil lebenden türkischen islamischen Prediger Fethullah Gülen, der nach Angaben der türkischen Regierung den Putschversuch vom 15. Juli inspiriert haben soll, wird dieser und die von ihm angeführte Hizmet-Bewegung u.a. als “Trojanisches Pferd des Vatikan“ bezeichnet und des Komplotts beschuldigt. Notizblock-Stacheldraht-klein_d5cbbd6dfa

In der vergangenen Woche gaben nationalistische Zeitungen  –  wie zum Beispiel “Sabah” – die These des aserbaidschanischen Journalisten Agil Alesenger wieder, der behauptet, dass die Hizmet-Bewegung teil eines “Infiltrations”-Plans war, den der Vatikan durch den Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog vorantreiben wollte.

Als “Beweis” für seine Theorie zitiert der Journalist die lobenden Worte Gülens für den Papst und Auszüge aus einer Ansprache von Papst Johannes Paul II.

Quelle: Fidesdienst


Chefredakteur von „Antenne Hessen“ beklagt unfairen Medienumgang mit der AfD

Fabian Presler, der Chefredakteur des Web-Radio-Magazins „Antenne Hessen“, richtet einen geharnischten Offenen Brief an die „Kollegen der Lügenpresse“. Er beschwert sich besonders über eine  – wie er findet  –  häufig unfaire Behandlung der AfD (Alternative für Deutschland). untitled

Deshalb verweist er auf den Pressekondex, der klare Leitsätze vorgebe, an die sich alle Vertreter der Presse halten sollen.

Der Verfasser erinnert an Ziffer 1 (Wahrhaftigkeit, Achtung der Menschenwürde) sowie an die Richtlinie 1.2 zum Thema Wahlberichterstattung. Dazu gehöre, daß die Presse „auch über Auffassungen berichtet, die sie selbst nicht teilt“.

Presler beschwert sich besonders über „öffentlich-rechtliche Kollegen“, aber auch über „Lokalzeitungen, Privatsender und Meinungsmacher“ hinsichtlich einer unwahren Berichterstattung über die AfD. Er selber habe im Wahlprogramm der AfD jedenfalls „keine rechtsextremen Texte“ finden können.

Der Autor erwähnt zudem: „Der Verfassungsschutz hat sich mit der AfD auseinandergesetzt und kam zu dem Ergebnis, dass diese keine Gefahr darstellt. Weshalb behaupten die Kollegen dies aber immer wieder?“

Abschließend heißt es in dem Beitrag:

„Nur weil manchen Politikern die Wahlergebnisse nicht gefallen, bedeutet das nicht, dass eine Partei gefährlich und rechtsextrem ist! Das gilt auch für meine Kollegen. Wenn Sie etwas ändern möchten, gehen Sie doch zur Wahl oder werden Sie politisch aktiv, aber bitte verunsichern Sie doch nicht unsere Bevölkerung mit Unwahrheiten und Spekulationen.“

Quelle und vollständiger Artikel hier: http://www.radiohessen.com/die-kollegen-der-luegenpresse/

 


Einseitige Medienberichterstattung: Blütenlese zum AfD-Parteitag 2015

Von Peter Helmes

„Stell Dir vor, es ist AfD-Parteitag, und niemand interessiert sich für den Inhalt!“  – Aber jeder hat eine Meinung, auch wenn er keine Ahnung hat. Die Medien sind sich einig: „Rechtsruck!“ peter-helmes-227x300

Nach dem Studium von rund zwanzig Ausgaben der Zeitungen von Samstag und Sonntag weiß ich dadurch jedenfalls nicht, was die Delegierten der AfD zwei Tage lang diskutiert und beschlossen haben, erfahre aber Unwesentliches und Nebensächliches, wie beispielhaft aus der folgenden Meldung des Deutschlandfunks (Aufmacher) hervorgeht:

DLF-Nachrichten vom 29.11.2015, 16 Uhr: „Einführung einer Doppel- oder Dreierspitze vereinbart“

Der Gesamttext des DLF-Artikels, eine kümmerliche Meldung: „Der AfD-Kongress in Hannover hat für die Führung der Partei eine Doppel- oder Dreierspitze beschlossen. Die Delegierten folgten damit einem Antrag des Vorstands. Derzeit sind die Politiker Petry und Meuthen Sprecher der Partei. Sie bleiben im Amt. Vorstandwahlen standen auf dem Treffen der Alternative für Deutschland nicht an.“ 

Man muß dann schon etwas mehr suchen, um Genaueres zu erfahren. BILD z. B. beschreibt die Co-Vorsitzende der AfD, ‚Dr. Frauke Petry, nicht als Vorsitzende, sondern als „Anführerin“. Die versteckte Botschaft ist deutlich: Seht her, diese Partei hat eine Anführerin, was ja wohl irgendwie nach „Führer“ klingt. Na bitte, da haben wir´s doch: Rechtsruck!

Und frech war die Co-„Führerin“ anscheinend auch noch: Eine besondere Schlagzeile schenkte uns nämlich BILD-online zu dieser Personalie: „AfD-Petry verhöhnt Kanzlerin“: „Treten Sie zurück, Sie schaffen das!“  –  und dieses „verhöhnt“ klingt bei BILD wie eine Majestätsbeleidigung.

Was dann die „Vereinten Medien“ noch berichten, ähnelt weitgehend den Textteilen der dpa-Meldung vom 29.11.15:image

„Vorstandswahlen standen auf dem Parteitag nicht an. Allerdings gibt es nun die Möglichkeit, bei der nächsten Wahl auch einen dritten Sprecher zu bestimmen. Damit könnten die Flügel der Partei besser abgebildet werden, betonte der Vorstand.

Zum gestrigen Auftakt des zweitägigen Parteitags hatten die AfD-Mitglieder zum Teil kontrovers über Resolutionen zur Asyl- und Flüchtlingspolitik sowie der Euro-Rettung diskutiert. Dabei stimmten sie für einen Antrag des nordrhein-westfälischen AfD-Verbandes, der neben Beschränkungen des Asylrechts auch die Einführung von Grenzkontrollen fordert. (…)

Mit scharfer Abgrenzung von der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung will die AfD bei den nächsten Wahlen deutlich im zweistelligen Bereich landen. Zuletzt hatte die Partei in bundesweiten Umfragen vor dem Hintergrund der Asyldebatte deutlich zugelegt…“

Zum Thema Asyl hätten die Medienvertreter besser das am Vortag (Freitag, 27.11.) von den Innenpolitikern der Union (in Bund und Land) vorgestellte Papier zur Sache gelesen (siehe https://conservo.wordpress.com/2015/11/28/innerparteiliche-merkel-kritiker-fordern-andere-fluechtlingspolitik/.)

Es ist schärfer formuliert, als bei der AfD erwartet. Innenpolitiker segeln bekanntlich näher am Geschehen und erfahren viel deutlicher die Konsequenzen einer falsch interpretierten Asylpolitik bzw. Willkommenskultur und deren fehlenden Voraussetzungen. Sie merken am ehesten, daß warme Worte alleine nicht helfen.

Es ist gewiß „rein zufällig“, daß die Veröffentlichung des Unions-Innenpolitikerpapiers am Tag des Beginns des AfD-Parteitags erfolgte. Die Frage liegt auf der Hand: Wer will hier wem das Wasser abgraben? logo-afd-small

Wenn das, was hier Unions-Führungskräfte öffentlich bekannt gemacht haben, die AfD gefordert hätte, wäre ein Sturm der Entrüstung über sie hinweggebraust   und „rechtsradikal“ noch eine sanfte Bezeichnung gewesen. Noch wird sie in den (ab-)geneigten Medien „nur“ als „rechtspopulistisch“ bezeichnet. Ich frage mich bei diesem Wort stets, ob mir das jemand erläutern kann. Es müßte z. B. als Pendant auch „mittepopulistisch“ oder „linkspopulistisch“ geben. Aber „rechtspopulistisch“ klingt so schön nach rechtsradikal – und das soll es wohl auch.

Die AfD ist inzwischen eine feste Größe im politischen Geschehen des Landes und sitzt in den Landesparlamenten von Brandenburg, Bremen, Hamburg, Sachsen und Thüringen sowie im Europaparlament. Die Umfragewerte gehen steil nach oben – ob (nur) zu Lasten der CDU, darf nachgefragt werden; denn Sympathien erringt sie auch bei SPD-Wählern.

Der stellv. Bundesvorsitzende der AfD, Prof. Jörg Meuthen (Baden-Württemberg), warnt jedoch vor Überheblichkeit: „Ich sehe unser Land in einer dramatischen Schieflage, aus der wir herausfinden müssen. Das schaffen wir aber nicht, indem wir uns radikalisieren.“  –  Diese Worte haben nichts mit rechtspopulistisch oder rechtsradikal zu tun, die AfD sollte sie aber beherzigen.

Unser Autor Peter Helmes ist politischer Publizist und ehem. Bundesgeschäftsführer der JU (Jungen Union); er betreibt die liberal-konservative Webseite www.conservo.wordpress.com

 


Ehem. CDU-Abgeordneter Martin Hohmann wird Kandidat der AfD in Fulda

Von Felizitas Küble

Der christlich-konservative CDU-Parlamentarier Martin Hohmann (siehe Foto) aus Neuhof bei Fulda war in den Jahren 2003 und 2004 monatelang in die Schlagzeilen von Fernsehen und Presse gelangt.  Scannen0008 - Kopie

Der damalige Abgeordnete, der mit einem über 50%igen Erststimmen-Ergebnis in den Bundestag einzog, hatte mit einer Rede zum „Tag der Deutschen Einheit“ am 3. Oktober 2003 die gesammelte Kampagnenwut des linken Spektrums auf sich gezogen.

Fälschlicherweise wurde behauptet, er habe die Juden in seiner Ansprache als „Tätervolk“ bezeichnet. In Wirklichkeit sagte er darin wörtlich genau das Gegenteil: „Weder die Juden noch die Deutschen sind ein Tätervolk.“  –  Daher hat Hohmann zahlreiche juristische Verfahren gegen diese Falschbehauptung gewonnen (vgl. z.B. folgende Nachricht: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/19/ultralinke-faz-autorin-wurde-von-martin-hohmann-erfolgreich-abgemahnt/)

CDU-Chefin Merkel hatte sich seinerzeit, als die Wogen in Medien und Politik hochgingen, deutlich von Hohmann distanziert. Hingegen nahmen einige konservative Unions-Abgeordnete den attackierten Parlamentarier in Schutz. Dieser zog sich, nachdem er aus der CDU ausgeschlossen wurde, aus der Politik zurück.

Nun kandidiert der 67-jährige Katholik in Fulda für die AfD (Alternative für Deutschland); er möchte bei der nächsten Kommunalwahl im März 2016 auf dem ersten Platz der AfD-Liste in den Kreistag einziehen, wie das Internetportal „Osthessen-News“ berichtet.

Hohmann ist derzeit kein Mitglied der AfD, steht ihr aber politisch nahe („Die Übereinstimmung ist da“). Die derzeitige Asylpolitik von Kanzlerin Merkel sieht er kritisch; er vermißt in seiner früheren Partei darüber hinaus auch die „soliden Positionen“ von früher.

Im Jahr 2011 haben wir diese ausführliche Lebensrechts-Ansprache Hohmanns im CHRISTLICHEN FORUM dokumentiert: https://charismatismus.wordpress.com/2011/09/05/martin-hohmann-%E2%80%9Emassenabtreibung-ist-ein-moralischer-supergau%E2%80%9C/

Foto: Felizitas Küble


Wie sieht echter Qualitätsjournalismus aus – und warum fehlt er so oft in den Medien?

Von Martin Lohmann

VORTRAG vom 1. Mai 2014 im Bonner Hotel Bristol
beim Institut für Gesellschaftswissenschaften (Walberberg):
„Erwartungen an den Qualitätsjournalismus in Zeiten der Skandalisierung“

Bekenntnisse zum Qualitätsjournalismus gibt es viele. Aber der sogenannte Qualitätsjournalismus hat es heute schwer. Auch weil gar nicht klar zu sein scheint, was eigentlich Qualität im Journalismus ausmacht, worauf man achten sollte und was man zu meiden hat oder hätte. PICT0101

Und als Mitglied der Zunft weiß ich sehr wohl: Wer nach der Qualität im Journalismus fragt, betritt ein Minenfeld. Es wird berichtet, dass selbst in kirchlichen Pressestellen Mitarbeiter immer wieder ängstlich gewarnt werden: Bloß keine Medienkritik! Bloß keine Medienschelte!

BILD: Martin Lohmann spricht beim „Marsch für das Leben“ in Berlin (September 2013)

Und wer dann noch in der Themengebung gar Kritisches andeutet, indem er von Erwartungen an  –  sagen wir es konkret  –  die Journalisten spricht und Zeiten der Skandalisierung markiert, provoziert und stört. Denn dann ist Unerhörtes schon programmiert.

Denn dann wagt man sich  –  so scheint es  –  in heilige Räume neuer Unfehlbarkeit, reitet eine unerlaubte Attacke gegen eine Zunft, in der manche Vertreter sich selbst die Aura der Unantastbarkeit zu genehmigen scheinen. Doch das kann nicht wirklich abschrecken.

Und weil es so vieles von so vielen zu sagen gäbe, weil ja jeder mitzureden können glaubt, bitte ich Sie um Nachsicht: Meine Anmerkungen sind lediglich der Versuch, einige wenige Skizzen zu zeichnen. Vollständigkeit ausgeschlossen und unmöglich! Diskussion hingegen erwünscht. Und: Widerspruch gerne ebenfalls. Also:

– Was ist Qualitätsjournalismus?
– Was passiert bei einer Skandalisierung?
– Was bedeuten Wort und Bild für uns alle?
– Was können und müssen wir erwarten dürfen?

Einen Hinweis möchte ich voranstellen: Medien haben eigentlich die Aufgabe, die Primärwirklichkeit zu transportieren, abzubilden als Sekundärwirklichkeit für die Rezipienten. Und zwar so, dass sich die Empfänger ein möglichst maßstabsgetreues Bild von der abgebildeten Ertstwirklichkeit machen können.  

Und weil vielfach gilt, dass nicht im Denken und überhaupt im Bewusstsein vorkommt, was nicht in den Medien zugegen ist, sei die Frage hier nur gestellt: Was prägt heute mehr  –  die Primärwirklichkeit die Sekundärwirklichkeit oder längst umgekehrt?

Nachdem die Grenzen zwischen Boulevard und sogenannten Kopfmedien sich mehr und mehr auflösen und eine kooperative Masse im mentalen Spielfeld verkaufsträchtiger Skandalsehnsüchte zu entstehen scheint, werden die Grenzen der Definitionsversuche immer schwieriger.

By the way: Würde es nicht durch Kaufen honoriert, sähe manches anders aus. Qualität im Journalismus hat auch etwas mit den Nutzern der Medien zu tun. Auch hier gibt es so etwas wie Verantwortung.

Hehre Worte – und die Wirklichkeit?

Es ist nicht kühn zu behaupten, dass jedes Medium je nach Genre und Publikationsrhythmus sowie im Blick auf die Zielgruppen seine eigenen Qualitätsansprüche hat. Logisch. Und vermutlich wird jeder gute Verleger und erst recht jeder gute und verantwortliche Chefredakteur bei der Beschreibung „seines“ Qualitätsjournalismus von Mut und Unabhängigkeit reden.

Originalität, Verständlichkeit, Transparenz, Objektivität, handwerkliche Sauberkeit, Informationssicherheit  –  all das sind Begriffe, die man dann hören oder lesen kann. Und gelegentlich wird hier dann auch das Wort „Medienethik“ strapaziert, und wenn es ganz feierlich werden soll, fällt auch schon mal so etwas wie „Moral“ der Journalisten.

Nicht zu vergessen der Begriff der Freiheit, den manche  –  wenigstens theoretisch  –  noch mit dem Begriff der Verantwortung zu verbinden wissen. Und selbstverständlich verweist man gelegentlich darauf, dass guter Journalismus beides kann: möglichst objektiv zu informieren und möglichst subjektiv zu kommentieren. Aber eben sauber getrennt.

Ob Verleger, Politiker, Theologieprofessor, Bischof oder Publizist: Immer wieder wird die Notwendigkeit und auch die Wichtigkeit der aufklärenden Funktion der Medien betont.

Wenn ich jetzt, nachdem wir die Fälle Mixa, Limburg und Wulff hinter uns haben, eher zufällig das Wort Fairness vergessen habe, dann ist das vielleicht ein beabsichtigter Zufall.

Die Schnelligkeit des Internet und seine Tücken

Es ist halt alles etwas komplizierter geworden, wenn durch das Internet in einer nie dagewesenen Schnelligkeit jeder gleichsam journalistisch tätig werden kann und dank dieses Mediums innerhalb von Minuten falsche Informationen um die Welt sausen  –  ohne dass jemand Zeit oder Neigung hatte, die Richtigkeit zu prüfen.

Die Badewanne eines Bischofs erhält dann einen Wahrheitswert jenseits aller Recherche bis auf die andere Seite des Globus. Aber: So eine „Nachricht“ passt dann wunderbar in vorbereitete und verbreitete Klischees  –  und erst recht in die Regieanweisungen des Skandalstückes für einen „Protzbischof“, den man vor allem wegen seiner theologischen Ausrichtung loswerden wollte.

Foto: PdV

Foto: PdV

Die Monopolstellung des Agenda-Settings haben die Leitmedien durch das Internet und die immer aktiver werden Blogs verloren. Skandale entstehen auch durch den Auftritt des einzelnen, die neue Macht des reizbaren Amateurs, des empörten Journalismus-Laien.

Und auf den greifen dann Journalisten unter Zeit- und Gelddruck  –  ein nicht zu unterschätzender Aspekt  –  mehr und mehr unkritisch zurück. Eine wahrlich bedenkliche Entwicklung. Es kommt also  –  wie auch früher, jetzt aber umso wirksamer   –  darauf an, ob der einzelne ein Koordinatensystem der Freiheit in Verantwortung und der Verantwortung in Freiheit beherrscht, ob er noch weiß, dass es neben richtig und falsch auch gut und böse gibt.

Es kommt darauf an, ob er noch ein Menschenbild kennt und umsetzt in seiner Arbeit, das von Respekt und Fairness gekennzeichnet ist. Es kommt darauf an, ob die Würde des einzelnen noch eine Chance hat – oder nicht, weil sie als störend empfunden wird im vielfach ausschließlich BWL-gesteuerten Weltbild heutiger Manager.

Fakten zur Causa „Kölner Klinik-Skandal“

Da macht es jetzt Freude oder Kummer, auf einige Beispiele hinzuweisen, um zu sehen, wie eine Skandalisierung erreicht wird und was journalistisch dabei passiert. Beginnen wir bei dem Kölner Klinik-Skandal, der als Medienkampagne längst dokumentiert ist und bis weit über den Auftritt eines heutigen Referenten zur Pille danach in einer ARD-Talksendung reicht. Nachzulesen ist übrigens die komplette Doku auf kath.net vom 14. Januar 2014. Die Fakten, dort entnommen, im Schnelldurchgang: images

Am 16. Dezember 2012 wurde eine vermutlich vergewaltigte Frau in einer Kölner Notfallambulanz erstbetreut. Die diensthabende Ärztin stellte ihr nach Notfall-Erstversorgung und Beratung ein Rezept für die ‚Pille danach’ aus. Anschließend suchte sie telefonisch nach einem Krankenhaus, wo eine gerichtsverwertbare Spuren-Sicherung vorgenommen werden könnte.

Es gibt seit Sommer 2012 in Köln fünf Kliniken, in denen die heute übliche forensische Untersuchungen zur sogenannten „Anonyme Spuren-Sicherung“ (ASS) vorgenommen werden. Bei solchen gynäkologischen ASS-Untersuchungen werden alle medizinisch-kriminologisch relevanten Daten dokumentiert und archiviert, ohne dass das Opfer sofort Anzeige erstatten muss.

Da der Betreiber des ASS-Netzwerkes, der Verein „Frauen gegen Gewalt“, verlangt, dass die entsprechenden Krankenhäuser auch die Abtreibungspille danach verschreiben, mussten die beiden kirchlichen Häuser Vinzenz-Hospital und Hl. Geist im Sommer 2012 die Spurensicherungs-Praxis aufgeben. Die ASS-Untersuchungssets wurden aus den beiden Krankenhäusern abgeholt.

Die beiden kirchlichen Kliniken haben am 7. November 2012 eine Richtlinie verabschiedet, nach der alle Präparate mit abtreibender Wirkung, zu der auch die ‚Pille danach’ gerechnet wird, nicht verabreicht werden dürfen, da der Mensch von Anfang an ein Recht auf Lebensschutz habe. Alle anderen Heilbehandlungen und medizinischen Untersuchungen werden gewährleistet. Unter dem Prinzip der „Autonomie“ sollen Patientinnen nach Wunsch auch zur ‚Pille danach’ beraten werden, aber sie wird eben nicht verschrieben.

Kampagne zugunsten der „Pille danach“

Was dann passierte, war ein Gemisch aus Halbwahrheiten und antikirchlichen Vermutungen, die nachzulesen ich Ihnen sehr ans Herz lege. Zunächst traten „besorgte“ Beobachter in einem Lokalfenster des öffentlich-rechtlichen Fernsehens auf. Das Thema begann, sich zu entwickeln. Denn obwohl oder gerade weil sich die Verantwortlichen in den katholischen Kliniken korrekt verhalten hatten, fehlte ja lange der Skandal. Man brauchte also eine Dynamisierung. Jetzt begann genau diese. Wasser-008-2-4-2

Nebenbei: Könnte es einen Zusammenhang mit der Tatsache geben, dass jetzt, nachdem man die Kirche vorführte und diese sich auch vorführen ließ, ein Mordsgeschäft mit der seither viel mehr verkauften ,Pille danach’ entstanden ist  –  worauf Hildegard Stausberg in der „Welt“ am 22. Januar 2014 hinwies?

Zitat: „Die Pille danach kommt so leicht wie ein Smartie daher.“  – Dieses Ziel wurde mit der Medienkampagne und unter Missbrauch der Kirche und ihrer Hirten genial erreicht.

Der Kölner Stadtanzeiger löste dann, weil die gewollte Empörung sich ja zunächst nicht einstellen wollte, eine erste Medienwelle im Blätterwald aus und publizierte am 16. Januar 2013 einen skandalisierenden Artikel. Der Beitrag stützte sich allein auf die subjektive Sicht und Bewertung der behandelnden Notfallärztin.

Recherche? Gegenchecken? Überprüfen? Vermeintlich Beschuldigte befragen? Fehlanzeige. Das hätte ja den ganzen Skandal verunmöglicht.

Dabei war aber schon die  –  faktisch schlichtweg falsche  –  Überschrift hilfreich: „Kirche setzt Ärzte unter Druck“.

Es wurde dann überall fleißig abgeschrieben  –  weil es so schön passte. Und allein schon in den Überschriften weiter skandalisiert im angeblichen Hilfe-Verweigerungsdrama:
„Katholische Krankenhäuser lehnen Vergewaltigungsopfer ab“ (Tagesspiegel’ am 17. 1.);
„Katholische Ärzte weisen Vergewaltigte ab“  (Mitteldeutsche Zeitung)

Fehlte nur noch das Qualitätsmedium SPIEGEL mit einer weiteren Drama-Drehung nach oben: „Abweisung in Gottes Namen“.


Jetzt war der Skandal wirklich da. Sekundiert wurden all diese Skandalisierungsstufen von erwiesenen Nichtwissern, die sich ohne Kenntnis kenntnisreich zu Wort meldeten  –  und ungeprüft und unergänzt durch journalistische Helfershelfer veröffentlicht wurden.

Kesseltreiben gegen die kath. Kirche

Auf das gnadenlose TV-Tribunal gegen die Kirche in der Sendung ‚Günther Jauch’ will ich nur kurz eingehen, weil ich mittendrin war und live und persönlich erlebte, dass das Urteil für den alles andere als fairen und unparteiischen Moderator bereits feststand und meine Faktenbeiträge nichts als störten. Vor allem aber meine logischen Fragen, ob es denn tatsächlich eine ,Pille danach’ gebe, die nur die Befruchtung verhindere, auf keinen Fall aber abtreibe. baby

Doch eine echte Diskussion, eine wirkliche Suche nach Klarheit war ja nicht gewollt  –  weil man das Urteil längst gesprochen hatte. Mit Qualitätsjournalismus hatte das nichts mehr zu tun. Es verstieß auch gegen die ARD-Richtlinien, in denen Journalisten zu einer „unabhängigen Berichterstattung in Ausgewogenheit und Unparteilichkeit verpflichtet“ werden.

Fairness und Anstand aber erwiesen sich als geradezu störend in dieser Sendung, in der alle die Kirche „entlastenden“ Fakten, die inzwischen hinlänglich bekannt waren, verschwiegen wurden und unter Strafe  –  siehe Gast Lohmann  –  nicht gesagt werden sollten, während alle Klischees und Falschheiten perpetuiert wurden.

Papst Franziskus klagt Desinformation an

Papst Franziskus scheint das nicht zu passen. Er warnte jetzt vor Werteverfall und Qualitätsverlust in den Medien. Desinformation, Verleumdung und Rufmord seien ihre „drei größten Sünden“.

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Die größte Gefahr gehe hierbei von der Desinformation aus.

Verleumdung und Rufmord seien zwar „Todsünden“, so Franziskus. Grundsätzlich könnten sie jedoch von Mediennutzern als unsachgemäße Information erkannt werden.

Desinformation heiße hingegen, nur die halbe Wahrheit zu sagen. Dadurch sei es für Fernsehzuschauer und Radiohörer unmöglich, sich ein ausgewogenes Urteil zu bilden. Vor allem die großen Sender behandelten wichtige Themen oft ohne „den gebotenen Respekt für die betreffenden Personen und Werte“.

Franziskus beschrieb das „mediale Ökosystem“ als bedroht durch eine Art von „Umweltverschmutzung“: „Leider haben sich die Leute daran gewöhnt, durch das Radio und das Fernsehen verschmutzte Luft einzuatmen, die nicht gut tut“, so der Papst. Katholische Medien müssten hingegen erste recht anders sein und den Menschen „Sauerstoff für Geist und Seele“ geben. Dafür sei neben handwerklicher Professionalität auch eine Haltung nötig, die im anderen den Nächsten sehe.

Attacken gegen die Bischöfe Mixa und TvE

Wurde das bei Walter Mixa eingehalten? Wohl kaum. Haben wir irgendwo gelesen, und zwar in selber Schlagzeilengröße, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und rufschädigenden Vermutungen sich als haltlos erwiesen haben?

Aber: Warum sollte man das auch noch lesen müssen, nachdem der unbequeme Bischof, der zum Beispiel so konsequent an der kirchlichen Ehelehre festhielt und die Wahrheit von der Unantastbarkeit des Lebens von seiner Zeugung bis zum natürlichen Tod verkündete, „erfolgreich“ entsorgt hatte? bildma1

Oder der frühere Bischof von Limburg  –   hatte er noch eine wenigstens kleine Chance, als Mensch und Person wahrgenommen zu werden, nachdem er doch so praktisch mit dem allein bestimmenden Schimpfwort des „Protzbischofs“ überzogen worden war?

Moderne mediale Scheiterhaufen unterscheiden sich da in keiner Weise von den mittelalterlichen, deren Flammen eben auch keinen Unterschied machten und nichts auswählten. Der ganze Mensch musste verbrannt werden. Das ist heute wohl nicht anders. Nur perfider.

Damit Sie mich richtig verstehen: TvE hat viele Fehler gemacht und zu verantworten. Aber diese Fehler allein machten und machen ihn doch nicht aus. Und dass viele seiner Fehler falsch waren und falsch veröffentlicht wurden, konnte man im Faktencheck-Limburg nachlesen. Doch: Wen interessiert das noch?!

Ein Kollege vom Deutschlandfunk kann berichten, was passiert, wenn man im Interview zu differenzieren versuchte in Sachen TvE. Der Hinweis darauf, dass es eben AUCH ein Fehlverhalten der Medien gab, führte prompt zu der Schlagzeile, man sehe TvE ausschließlich als Opfer einer Medienkampagne.

Das war zwar nicht behauptet worden, aber es passte so schön, weil der Gesprächspartner und Journalistenkollege sich halt stets geweigert hatte, ins plumpe Prügelteam einzusteigen. Da gilt wohl, was jemand in Facebook kommentierte:

„Es ist ein Phänomen in dieser Zunft, dass man eine Mission erfüllen will und dabei die Objektivität aus dem Auge verliert. Das nennt sich dann „kreativer Journalismus“. Der Pressekodex hängt da nur noch kleingeschnitten neben dem WC.“

Causa Limburg: „Gezielte Medienkampagne“

Der Kommunikationsforscher Mathias Kepplinger sprach gar von einer „gezielten Medienkampagne“ und einer „nicht geringen Mitverantwortung“ in der Medienberichterstattung.

„Ein Teil der Medien hat zunächst versucht, die Differenzen zu Tebartz-van Elst in Glaubensfragen, etwa bei der Homo-Ehe, öffentlich gegen ihn zu thematisieren“, erklärt er gegenüber dem Medien-Magazin PRO. „Weil das missglückt ist, haben sie dann das Thema herausgepickt, auf das die Deutschen besonders sensibel reagieren: Geld.“ 1_0_745851

Ich mache mir schon Sorgen  –  wenn wir, die freiheitsliebenden und aufgeklärten Bürger nicht bald wachwerden und uns nicht einmischen. Erlauben Sie mir, dazu Josef Pieper, den großen Philosophen und Thomas-Kenner, zu zitieren.

Wort und Sprache seien das Medium, „in welchem die gemeinsame geistige Existenz insgesamt sich abspielt. Im Wort vor allem trägt mitmenschliches Dasein sich zu und demnach kann, wenn das Wort verdirbt“, so Pieper, „das Menschsein selber nicht unberührt und unversehrt bleiben. Im Wort wird Realität deutlich“, man redet, um in der Benennung etwas Wirkliches kenntlich zu machen, kenntlich für jemanden natürlich   –  und darin liegt der Mitteilungscharakter der Sprache.

Es stimmt schon, wird aber von uns Medienleuten allzu rasch übersehen oder gar vergessen: Die Würde des Menschen hat auch etwas mit der Würde des Wortes zu tun. Und schon Platon wusste, dass die Entartung der politischen Herrschaft untergründig zusammen hänge mit dem sophistischen Missbrauch des Wortes.

Die „latente Virulenz des totalitären Giftstoffes“ könne geradezu abgelesen werden am Symptom des publizistischen Missbrauchs der Sprache. Erstaunlich, was da aus alten Zeiten an Erkenntnis zu uns herüberschwappt, oder?

Missbrauch findet auch statt, wenn Zitate erfunden, zusammengeschnitten oder zerstückelt werden – und selbst in Qualitätsmedien als Zitate gekennzeichnet werden.

Das hat dann einen Wahrheitsgehalt wie es jenes zusammengestellte Zitat aus der Heiligen Schrift hätte, wobei beide Teile aus der Bibel stammen, bloß nicht an derselben Stelle: „Judas ging hin und erhängte sich. Und Jesus sprach: Geh hin und tue desgleichen.“  –  Sauberer Journalismus, so genannter Qualitätsjournalismus sieht anders aus.

Fairness  –  Sorgfalt  – Wahrheitsliebe

Fazit: Wir haben klare Erwartungen an die Journalisten. Zu ihren Herausforderungen gehören:

– Respekt vor der Menschenwürde eines jeden
– handwerkliche Sauberkeit, Sorgfalt, Recherchekompetenz a (23)
– Nonkonformismus
– Fairness
– Anstand
– Charakter
– Ethische Sensibilität
– Unabhängigkeit
– Gewissensbildung.

Journalisten, mit denen man das Wort Qualität verbinden kann, sind solche, die keine Angst haben vor
– aggressiven Lobbys c (46)
– der Gender-Ideologie
– perfiden Einschüchtungen der Mächtigen
– Unabhängigkeit in Kopf und Herz
– dem Mainstream
– Differenzierungen
– Kritik
– der Wahrheit.

Wo sind eigentlich die katholischen Journalistenschulen, an denen das alles eingeübt werden kann? Wo sind deren Absolventen, die auffallen dadurch, dass sie eben keine Mitläufer im medialen Zirkus der Zerstörung, der Respektlosigkeit und des Relativismus sind?

Wenn es früher einmal hieß, man dürfe sich als Journalist nie gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, so muss man heute laut fordern, dass sich Journalisten nie gemein machen dürfen mit einer bösen Sache oder mit bösem Vorgehen.

Wer die Würde des Menschen inklusive seines Lebensrechtes von Anfang bis Ende nicht respektiert in seinem Handeln, kann kein Journalist sein, erst recht kein guter. Und schon gar keiner mit vorgetäuschtem Anspruch auf Qualität.

Mein Lieblingszitat aus der Heiligen Schrift ist Veritas Liberabit Vos  –  die Wahrheit wird euch befreien, frei machen (Joh 8,32). Dazu passt, was Papst Franziskus am 22. März 2014 italienischen Medienvertretern sagte:

„Wahrheit, Güte und Schönheit, die drei Dinge zusammen. Eure Arbeit muss auf diesen drei Wegen stattfinden: auf dem Weg der Wahrheit, dem Weg der Güte und dem Weg der Schönheit. Aber Wahrheit, Güte und Schönheit, die beständig sind (…) Die Wahrheit, die Güte und die Schönheit, wie sie von Gott kommen und im Menschen sind. Und das ist die Aufgabe der Medien, eure Aufgabe.“

Die Wahrheit als Maßstab  –  welch ein Anspruch. Aber drunter geht es nicht. Weil es im medialen Geschäft letztlich immer um den Menschen geht, um ihn gehen sollte  –  der genau darauf einen Anspruch hat.

Unser Autor Martin Lohmann ist katholischer Publizist und Chefredakteur von K-TV sowie Vorsitzender des BVL (Bundesverband Lebenrrecht)